Vogelaktivitäten an Kiesseen

Mitte September haben sich an Erfurter Kiesseen in Nähe zu aktivem Tagebau 59 Vogelarten gezeigt, darunter auch viele Besonderheiten wie: Pfeif-, Krick-, Spieß-, Tafel-, Schnatterente, Brandgans, Kiebitz, Kampfläufer, Steppenmöwe, Rohrweihe, Schwanzmeise, Eisvogel, Feldsperling, Bluthänfling und und und.

Die süßen Schwanzmeisenfotos sowie diejenigen vom Postillon der Raupe vom Labkraut-Schwärmer, habe ich ja bereits neulich gezeigt

Ein schöner Anblick war, als diese junge Gruppe Höckerschwäne in Reih und Glied dicht an uns vorbeigewatschelt ist.

Ein genauer Blick in die Lachmöwen hat sich auch gelohnt, denn dort gab es nicht nur Kiebitze zu sehen, sondern auch zwei diesjährige Kampfläufer im Jugendkleid!

Kampfläufer sind vor allem ob ihrer komplexen Balz und den Prachtkleidern der Männchen bekannt. Umso aufmerksamer muss man zur Zugzeit sein, wenn vor allem viele diesjährige Vögel, oft auch separiert und unter sich, auftauchen. Zugegeben: Auf den ersten Blick erinnern sie gerade von hinten am Rücken schon an junge Alpis, aber die hochstaksigen, gelblichen Beine, die Größe und der ungefleckte Bauch sind deutliche Unterschiede.

Der maximale Bestand im Winterhalbjahr der hier rastenden Gäste aus dem Norden beträgt zwischen 3.000-8.000 Individuen mit einem Maximal im zeitigen Frühjahr.

Unglaublich knuffig

Mitte September hat sich an der Ufervegetation von rekultivierten und verfüllten Kiesgruben ein Schwanzmeisentrupp bemerkbar gemacht: Die typischen 4er-Rufreihen aus hohen Piepsern sowie das sanft schnarrende „brrrrd“ als Kontaktlaut, haben die Anwesenheit der Art schon vor der Sichtung verraten. Beim Blick in die Sträucher zeigte sich dann, dass es sich um einen kleinen 4er Trupp gehandelt hat.

Bei der oft angegebenen Körperlänge von 13-15cm sollte man bedenken, dass dabei über 60% allein auf die Schwanzlänge entfallen; denn tatsächlich sind Schwanzmeisen sehr kleine Vögel, was sich bei einem Gewicht mit gerade einmal 6-10g bemerkbar macht. Der auf den ersten Blick unpraktisch und übertrieben lang wirkende Schwanz dient bei der artistischen Nahrungssuche auf Zweigen und Knospen als hilfreiche Balancierstange.

Erfolgreich hinters Licht geführt

Dass es ein Kuckucksweibchen im Gebiet geschafft hat ein Brutpaar einer anderen Art, wahrscheinlich einen der Rohrsänger, hinters Licht zu führen, beweist dieser flügge junge Kuckuck. Aufgrund der Entfernung und der mäßigen Bildqualität dachte ich erst an an Weibchen, da diese in verschiedenen Farbmorphen auftreten. Die weiße Bänderungen bzw. der helle Saum der Rückenfedern spricht aber eindeutig für einen diesjährigen Jungvogel; die Fotos entstanden Mitte August.

Die Gelegegröße ist beim Kuckuck genauso variabel wie auch die an die Wirtstiere angepasste Färbung der Eier und beträgt zwischen 1-25 Eiern. Wobei der Begriff „Gelege“ hier nicht so recht passt, da das Kuckucksweibchen in jedes fremde Gelege immer nur jeweils 1 Ei legt. Es werden also zwischen 1-25 fremde Nester parasitiert, wobei die Regel bei ungefähr 9 Nestern liegt. Das wirkt mehr als man für gemeinhin annimmt, macht aber Sinn, da viele Vögel das falsche Spiel durchschauen und die fremden Kuckuckseier wieder aus dem Nest befördern. Mit der hohen Anzahl an parasitierten Nestern sorgt der Kuckuck also dafür, es zumindest einige seiner großen, nimmersatten Küken schaffen.

Hungriger Fitis-Nachwuchs

Eine schöne Sichtung in einem Kiefernwäldchen am Rand einer Sand-Strauch-Trocken-Heide war die kleine Fitis-Familie im Juni, rechts auf dem Foto sieht man den bettelnden Jungvogel.

Das kleine überdachte Nest wird nah am Boden oder an dichter Vegetation gebaut und besteht aus Laub, Gras und Moos. Innen wird vor allem mithilfe von Federn gepolstert. Hier ist es allein das Weibchen, welches 5-7 Tage am Nest baut, im Gegensatz zum Beispiel zum Zaunkönig. Das Gelege besteht i.d.R. aus 4-8 Eiern.

Ein Strauch tut’s auch

In der Kyritz-Ruppiner Heide hat sich dieser Baumpieper im Juni auch mit einem Strauch als Singwarte begnügt; in der xerothermen Landschaft war es vielleicht auch einfach zu anstrengend bis hoch auf die wenigen Bäume zu fliegen

Mit 252.000-360.000 Brutpaaren steht der Baumpieper auf der Roten Liste bedrohter Arten in Deutschland auf der Vorwarnstufe, da seine Bestände langfristig abgenommen haben und mittlerweile auf dem niedrigen Niveau stagnieren. Damit geht es ihm von unseren Piepern immer noch weitaus am besten; gerade Brach- oder Wiesenpieper nehmen weiterhin massiv aufgrund von Lebensraumzerstörung und Verlusten von Gelegen – Pieper sind allesamt Bodenbrüter – ab.

Der Baumpieper ist auf dem Eurasischen Kontinent recht weit verbreitet: Die Südgrenze liegt auf der Höhe von Nordspanien und das Brutgebiet reicht bis ans Nordkap. Nach Osten hin wird die Verbreitung schmaler und zieht sich in einem schmalen Band durch die sibirische Taiga. Unsere mitteleuropäischen Baumpieper ziehen ab Ende Juli und August bis spätestens Oktober in die Savannen West- und Ostafrikas und kommen ungefähr ab Mitte April zurück.

Darum Distelfink

Ausgestattet mit einem extralangen und besonders spitzen Finkenschnabel, ist der Stieglitz wie geschaffen dafür, um auch tiefer gelegene Samen aus der Wilden Karde oder Kratzdistel-Arten zu puhlen. Mit seinen 13-19g Körpergewicht hangelt er sich artistisch an die passende Position oder nutzt das Gewicht, um einen Pflanzenstängel so umzubiegen, dass er den Samenstand in der Horizontalen besser erreichen kann.

Auf den beiden Fotos vom August sitzt der auch Distelfink genannte Stieglitz auf einer Krausen (Ring)distel und gönnt sich ein schönes Abendbrot.

Es sind solche Gewächse, mit denen man unseren Wildtieren und der Natur einen Gefallen tun kann. Kratzdisteln bieten nicht nur Samen für Vögel und schöne lila Blüten fürs Augen, sondern Nektar für spezialisierte Wildbienen, viele Schmetterlinge, Schwebfliegen und einige Schmetterlingsarten entwickeln sich als Raupe an ihnen.

Von besonderen Libellen, knutschenden Fröschen und einfliegenden Gelblingen

Im heutigen Beitrag geht es um ein paar Fotos von gestern sowie Mitte August, die einige schöne Arten und besondere Momente zeigen.

1. In den Hochstaudenfluren von der Großen Brennnessel hat sich genauen Blick eine Puppe vom Admiral (Vanesse atalanta) versteckt. Solche glänzenden Goldflecken weisen auch Puppen vom Tagpfauenauge auf, aber beim genauen Blick lassen sich die Arten gut unterscheiden. Aufpassen muss auch bei den extrem variablen Raupen vom Admira, einige Morphe sehen denen vom Tagpfauenauge mitunter auch recht ähnlich.

2. Ein Erstfund für uns und sowohl das Gebiet, war diese Libelle aus der Familie der Falkenlibellen. Es handelt sich um die nicht häufige Glänzende Smaragdlibelle (Somatochlora metallica). Wie bei vielen Libellen sind wichtige Bestimmungsmerkmale oft recht filigrane Elemente. Das sicherste Merkmal hier ist die gelbe Zeichnung der Stirn.

3. Hier war eine weibliche Libelle immer wieder dabei, ihr Abdomenende stoßhaft ins Wasser zu tauchen – Also ein Weibchen bei der Eiablage. Die Art ist der Große Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), Zustand und Färbung verraten ein fortgeschrittenes Alter.

4. Eine witzige Momentaufnahme boten diese beiden Grünfrösche, die in dieser Post verharrt haben

5. Hier kam im Gebiet von Kiesseen und aktivem Tagebau eine dicke Raupe des Weges gekrochen. Das Analhorn verrät schon beim ersten flüchtigen Blick die Zugehörigkeit zur Familie der Schwärmer (Sphingidae) und bei der Art handelt es sich um den Labkraut-Schwärmer. Der ist recht verbreitet, aber nirgends häufig und kommt nur vereinzelt vor – in Thüringen steht er auf der Roten Liste auf der 2, also stark gefährdet. Mit Weidenröschen- und Labkraut-Arten, scheint die Art zwar nicht sonderlich anspruchsvoll, aber die passende Larvalnahrung ist nur die halbe Miete. Mikroklima, Habitatrequisiten, passendes Substrat zum Eingraben (Schwärmerraupen graben sich in den Boden und verpuppen sich dort), uvm. spielt eine ebenso wichtige Rolle.

6. Neben vielen herumfliegenden Goldenen Achten (Colias hyale) konnten wir zweifelsfrei 3 Postillions bestimmen; die Fotos zeigen erst ein Männchen und dann das Weibchen mit den durchscheinenden weißen Punkten auf dem Schwarz der Apikalregion. Der Postillion oder Postillion heißt auch Wandergelbling – ein zutreffender Name, da dies eine südliche Art ist, die in unterschiedlicher Stärke zu uns einwandert. Für unsere Region eine schöne Besonderheit und dass es mal mit Bildern geklappt hat, war noch schöner.

7. Klar zu sehen eine Sedum-Art, also eine Art der Fetthennen/Mauerpfeffer. Hier ist es die Purpur-Fetthenne (Sedum telephium), die uns zuvor noch nicht aufgefallen war.

Eine Kopfnuss bei der Nahrungssuche

An einem heißen Junitag rechnet man mitten in einer trockenen Sandheide mit Sträuchern und Kiefernbeständen nicht unbedingt mit einer Rohrweihe. Falls dieses Männchen zu einem brütenden Paar gehört, dann hat er sich ca. 4,5Km von der nächsten Schilffläche an einem Gewässer entfernt. Das wiederum ist gar nicht so ungewöhnlich. Je nach Nahrungsverfügbarkeit und Habitat können sich Greifvögel viele Kilometer vom Horst entfernen, um Jagd auf Beute zu machen und an einer wärmebegünstigten Fläche wie dort zudem die Thermik zum Segeln nutzen und damit viel Energie sparen.

Nicht ganz so alltäglich war dann einer der dort im Gebiet brütenden Raubwürger – was schon besonders genug ist – und dem es gar nicht gefiel, dass ein potenzieller Nestprädator ins Revier kam, sodass der Raubwürger dem nahrungssuchenden Rohrweihen-Terzel kurzerhand eine derbe Kopfnuss verpasst hat! Das wusste wohl jemand. dass die Rohrweihe im Niederländischen nicht ohne Grund „kuikendief“ (Kükendieb/räuber) heißt, wobei es sich i.d.R. um junge Wasservögel handelt, die von der Rohrweihe prädiert werden.

Jedenfalls hat sich die Rohrweihe nach kurzer Zeit getrollt und woanders hoffentlich bessere Chanen auf eine ungestörte Jagd vorgefunden. Das ist bei den 3-6 Eiern, die bei einer Jahresbrut ins Schilfnest gelegt werden, auch nötig. Von den Jungen überlegen meist aber nur die 2-3 fittesten Individuen. Falls das erste Gelege verloren geht, kann es auch zu einem Nachgelege kommen.

Sommerlicher Ausflug in der Wüste

Nun ist es nicht ganz korrekt die Kyritz-Ruppiner Heide in Brandenburg als Wüste zu bezeichnen, es handelt sich vom Lebensraumtyp um ein Mosaik aus Trockener Sandheide, Düne mit offenen Grasflächen, Dünen im Binnenland, Trockene Europäische Heide sowie Eichen- und Buchenwald. Zudem finden sich dort halboffene Trockenrasen mit einzelnen Gehölzen. Jedenfalls fühlt es sich mitten im Juni in der prallen Sonne und dem vielen feinen Sand dann doch sehr wie eine Wüste an

Seinen Ursprung hat das Naturschutz- und FFH-Gebiet in seiner Zeit als Nutzung als Truppenübungsplatz. Relikte davon finden sich in den vielen ungeräumten Bereich mit vielen Munitionsresten. Einer Verbuschung der Fläche wird durch einer Beweidung durch Schafe entgegengewirkt. Wie wertvoll dieses Biotop ist, zeigte sich schon Sekunden nach dem Aussteigen aus dem Auto: Zeitgleich waren Heidelerche, Grauammer und Wiedehopf zu hören. Neben dem Neuntöter, kommt dort sogar der Raubwürger als Brutvogel vor. Dass es Braun- und Schwarzkehlchen sowie Baumpieper, Pirole und viele weitere gibt, ist dann auch keine Überraschung mehr. Im heutigen Beitrag geht es um einige Schmetterlingsfotos, die ich an dem Tag machen konnte.

1. Es geht los mit einem typischen Bewohner offener und wärmebegünstigter Flächen, ein Bläuling des Silberfleck-Komplexes (Plebejus spec.). Wie meist hierzulande, handelt es sich um den Argus-Bläuling (Plebejus argus). Es ist die einzige Art des Komplexes mit Dornen an den Tibiae der Vorderbeine.

2. Die folgenden 3 Fotos zeigen ein Weibchen vom Braunen Feuerfalter Weibchen (Lycaena tityrus) – bei der Art sind die Weibchen nämlich farbiger, in dem Fall oranger, als die Männchen

3. Foto 5 zeigt den Großen Kohlweißling (Pieris brassicae) am Gewöhnliche Natternkopf. Eine Art, die ich bei mir nicht einmal ansatzweise so oft finde, wie P rapae oder P. napi vom danach folgenden Foto.

4. Der nächste Feuerfalter ist der Kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas) – das erste Individuum auf dem Weißen Steinklee, das andere ebenfalls am Gewöhnlichen Natternkopf.

5. Der darf natürlich nicht fehlen: Der häufigste unserer Braun-Dickkopffalter, der Rostfarbige Dickkopffalter (Ochlodes sylvanus), der sich ebenfalls am Gew. Natternkopf gütlich tut.

6. Immer ein Grund zur Freude ist die Sichtung eines Scheckenfalters, zumindest solange, bis man sich an die Bestimmung macht. Hierbei haben wir es mit dem schwierigen Artkomplex Melitaea athalia/aurelia/britomartis zu tun. Eine sichere Bestimmung anhand morphologischer Merkmale ist nicht immer möglich, zudem sollten qualitativ gute Fotos von verschiedenen Seiten angefertigt werden. Wir sind uns in diesem Fall sicher, dass es sich um den Wachtelweizen-Scheckenfalter (M. athalia) handelt. Die Bestimmung erfolgt über die Kombination mehrerer Merkmale und ich kann dazu das entsprechende Bestimmungshilfeblatt vom Tagfalter-Monitoring (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung) empfehlen:

Bestimmungshilfe Scheckenfalter

Zum Abschluss gibt es noch ein Panorama von einem Aussichtsturm, welches ich aus 15 Fotos erstellt habe. Die Originaldatei ist mit 29.526×5.869 Pixeln sehr detailliert geworden. So schaut es jedenfalls aus in der Wüste

Ein Gurren aus dem Baum

Die Anwesenheit unserer kleinsten heimische Taube, der Turteltaube, nimmt man meist durch ihr typisches hohes Gurren war (grrrrrruuuuu). Meist sitzt sie dabei erhöht auf einem Baum. Obwohl sie gewissermaßen in den alltäglichen Deutschen Wortschatz übergegangen ist (turteln, Turteltäubchen), ist diese Art den meisten doch eher unbekannt. Das dürfte sicher am drastischen Rückgang begründet liegen: Seit den 80ern sind die Deutschen Brutbestände von 150.000 Paaren auf nur noch 16.500 Paare zurückgegangen, ein Minus von 89%! Auch in jedem anderen europäischen Land kennt der Trend nur eine Richtung und der ist negativ.

Die Ursachen sind klar: Zum Einen geht es der Turteltaube wie anderen Offenland- und Halboffenlandarten und ihr geht schlichtweg der Lebensraum wie auch die Nahrungsgrundlage, durch die industrialisierte Intensiv-Landwirtschaft verloren. Als wäre das nicht genug, wird sie als Langstreckenzieher während des Zuges massiv bejagt. Teilweise illegal, aber unglaublicherweise ist das in einigen Ländern sogar noch legal.

Das war Grund genug, dass die Turteltaube 2020 vom NABU zum Vogel des Jahres gewählt wurde. Im Zuge dessen wurden und werden auch Forschungsprojekte mit Besenderung initiiert, um die Zugstrecken sowie die exakten Problemstellen besser kennen zu lernen. Nicht zuletzt spielen bei Überwinterern in der Subsahara-Zone auch die Bedingungen im Winterquartier eine Rolle.

Das Foto entstand im weiteren Bereich um den Neusiedler See, wo es große Fläche extensiv genutzten bzw. geschützten Grünlandes gibt und die Art dadurch flächig und regelmäßig verbreitet ist.