Die Raupe hängt in Berlin

Die etwas kryptische Überschrift hat schon ihre Berechtigung, aber von Anfang an: Der NABU Berlin hatte vor einiger Zeit dazu aufgerufen eigene Fotos von Schmetterlingsraupen einzuschicken. Neben den 3 Gewinnerfotos werden auch viele andere Fotos präsentiert und ich freue mich, dass mein Bild der Raupe eines Großen Fuchses (Nymphalis polychloros) ebenfalls mit ausgestellt wird.

Zu sehen ist dieses Foto unter vielen anderen tollen Raupenbilder anderer Fotografen ab 17.07. bis mind. Endes des Jahres in den Allee Arcaden in Berlin.

Herr Grüni beim Einkauf

Dieser männliche Grünspecht war Ende Mai auf Nahrungssuche – wahrscheinlich um seine nimmersatten Spechtkinder zu füttern. Auf dem zweiten Foto sieht man wie beim Herumstochern im Boden die Erdfetzen herumfliegen. Er sucht dabei vor allem nach Insekten, am liebsten Ameisen, verschmäht aber auch so manchen Regenwurm, Spinne oder Schnecke nicht.

Apropos Fütterung: Einzig bei den beiden Erdspechten, also Grau- und Grünspecht, gibt es die sogenannte Balzfütterung. Ein Verhalten, was man zwar von vielen Vögeln kennt, was die meisten Spechtarten jedoch nicht zeigen. Umschrieben wird damit das Werbeverhalten des Männchens, welches seiner Herzensdame zur Balz Nahrung überreicht.

Bunte Mischung an Faltern und einem Bockkäfer von Ende Mai

Aus dem gleichen Gebiet wie die Beiträge über Flora & Landschaft, Orchideen im Waldmeister-Buchenwald, Schwanzmeisen-Nachwuchs und dem quitschenden Girlitz, stammen die folgenden Fotos. 28 Falter-Arten haben wir an dem Tag kartiert, wovon ich eine kleine Auswahl hier vorstelle + eines Bockkäfers, der sich am Ende der Runde noch gezeigt hat.

1. Einer unserer schönsten Vertreter der Dickkopffalter (Hesperiidae), ist der Gelbwürfelige Dickkopffalter (Carterocephalus palaemon). Die Art mag weder tiefe geschlossene Wälder, noch vollkommen offene Biotope, sondern eher Waldsäume und die mittlerweile selten gewordenen Lichtwälder – also strukturreiche, offene und lichtdurchflutete Wälder mit reich differenzierter Strauch- und Krautschicht.

2. Federmotten (Pterophoridae) werden aufgrund des ähnlichen Namens immer wieder mit Federgeistchen (Alucitidae) verwechselt – dabei ist das eine gänzlich andere Familie, deren Vertreter auch ganz anders gebaut sind. Es gibt in Deutschland bzw. Mitteleuropa mehr Federmotten-Arten als man gemeinhin annehmen könnte – nämlich 70-80 Arten! Deren Bestimmung ist mitunter extrem kniffelig. Wichtig sind detailreiche Makrofotos, bestimmungsrelevant sind die Anordnung der Dornen an den Beinen, die Relation von Fleckenmustern auf den Flügeloberseiten, die Größe des Falters sowie die Form und Größe von Flecken der herausragenden Federn am Ende der Flügel. Die Art ist anhand der Kombination von morphologischen Merkmalen, Verbreitung und Lebensraumtyp samt Raupen-Futterpflanzen, höchstwahrscheinlich die Habichtskraut-Federmotte (Hellinsia didactylites).

3. Der Marmorierte Kleinspanner (Scopula immorata) ist ein hübscher und gut zu bestimmender Vertreter aus der weiten Familie der Spanner (Geometridae). Als Lebensraum bevorzugt die Art trockene und blütenreiche Magerrasen.

4. Immer wieder schön und lustig anzusehen sind Vertreter der Langhornmotten (Adelidae). Das hier ist Nematopogon swammerdamella, mit dem wenig etablierten Trivialnamen Gelber Langfühler. Aus der Gattung ist das der häufigsten und größte Vertreter, unterscheiden lassen sich deren Vertreter anhand des Musters der Flügel, der (Nicht)ringelung der Fühler sowie der Flugzeit und Größe.

5. Noch eine Langhornmotte (Adelidae), hat sich hier auf der Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis) gezeigt: Es ist die Skabiosen-Langhornmotte (Nemophora metallica). Das Art-Epitheton „metallica“ trifft es gut, denn die Flügeloberseiten leuchtend wunderschön metallisch-glänzend.

6. Ein schöner Käfer hat sich hier gezeigt, der Variable Stubbenbock (Stenocorus meridianus). Käfer im Allgemeinen können sehr leicht oder sogar absolut unmöglich genau zu bestimmen sein. Viel wichtiger als der farbliche Gesamteindruck, sind oft strukturelle Merkmale wie bspw. verschiedene Dicken der Fühlerglieder, Formen von Halsschilden oder Färbungen an den Schenkeln. Den Beinamen „Variabler“ trägt er zurecht, denn die Art kann in der Färbung gehörig variieren!

Aktuelle Falterfotos mit einer super schönen Besonderheit

Eine kleine Fotoauswahl aus den letzten Falterkartierungen gibt’s im heutigen Beitrag zu sehen. Fangen wir gleich ohne lange Einleitung mit der größten Besonderheit an.

1. Mit den besonders dicken schwarzen Dots, der durchgängigen orangen Postdiskalbinde der Hinterflügelunterseiten sowie den mystisch anmutenden dunkel bläulich-schwarzen Innenseiten der Flügel, ist der Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion) unter den Bläulingen schnell und leicht bestimmt. Nicht so leicht ist es dagegen auf diese Art zu treffen, da sie sehr spezifische Lebensraumansprüche stellt. Südexponierte Schutthalten und Felshänge mit Bewuchs von Fetthennen der Gattung Sedum spec. und Hylotelephium spec. klingt erst einmal nicht so speziell. Dazu hat der Fetthennen-Bläuling aber auch gerne eine hohe Luftfeuchte (durchschnittl. >77%) im Habitat. Natürlich sollten die Eier und Raupen auch nicht weggemäht oder zertrampelt oder sein Habitat aufgeforstet oder überwuchert werden – Das alles zusammen macht die Art extrem rar. In Deutschland steht die Art als gefährdet (2) auf der Roten Liste, in Thüringen sogar als vom Aussterben bedroht (1).

2. Deutlich häufiger als die vorherige Art ist das weniger anspruchsvolle Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum). Die Art gehört zu den Schwärmern (Sphingidae) und wird daher als Nachtfalter bezeichnet, auch wenn sie tagaktiv ist. Die Individuen, die man im ersten Teil des Sommerhalbjahres sieht, sind Wanderfalter aus Nordafrika oder Südeuropa. Hier reproduzierte Arten, sieht man dann im Hochsommer. Aufgrund des Klimawandels gibt es aber immer mehr Hinweise, dass die Art auch hier überwintert

3. Eine Art, die gar nicht so selten, aber oft schwer zu beobachten ist und deren Bestände starken Schwankungen unterliegen, ist der Trauermantel (Nymphalis antiopa) – hier wie so oft wieder nur die Unterseite erwischt

Wundervolle heimische Flora auf extensivem Grünland und lichtem Waldmeister-Buchenwald

Aus dem gleichen Gebiet wie auch die Orchideen aus dem letzten Beitrag, stammen die heutigen Fotos.

1. Für einige mag es vielleicht unscheinbar wirken, uns ist dieses Gewächs gleich aufgefallen – sicher, weil man es sonst nicht unbedingt sieht. Es ist das Grünliche Wintergrün (Pyrola chlorantha). Hier ist es in einem lichten Waldmeister-Buchenwald auf Muschelkalk gewachsen. Sowohl in Thüringen als auch für ganz Deutschland steht die Art in der Roten Liste als stark gefährdet (2). Gefährdungsursachen sind u.a. zu intensive Forstbewirtschaftung, Lebensraumverlust durch Monokulturen, Strukturverlust durch Sukzession, Trockenlegung, zuviel Nährstoffeintrag durch Luft, Dünger oder stickstoffbindende und i.d.R. invasive Pflanzen.

2. Eigentlich kann es einen nachdenklich stimmen, wenn man sich über die Sichtung eines (ehem.) Allerweltbaums so erfreut, wie hier an der alten Silber-Pappel (Populus alba) am Siedlungsrand. Das war auch leider das einzige Individuum – Was einen nachdenklich macht, ist die Tatsache, dass dort – auch im Schutzgebiet – nordamerikanische Bäume wie Schwarz-Kiefer (Pinus nigra) oder Robinie (Robinia pseudoacacia) deutlich häufiger zu finden waren, genauer gesagt zu Hunderten. Eine Beobachtung, die man mittlerweile überall in Deutschland tätigen kann. Über 80 Schmetterlingsraupen, inklusive vieler Spezialisten, sind auf diese Art als Entwicklungspflanze angewiesen! Noch dazu schaut die Silber-Pappel doch auch richtig klasse aus, man beachte die hell leuchtenden Blätter unterseitig und die schön geaderte Oberseite.

3. Man könnte es auf den ersten Blick, gerade in Bezug auf Habitus und Blätter, glatt für eine Orchidee halten. Die Weiße Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) ist mit diesen aber gar nicht verwandt und gehört zu den Hundsgiftgewächsen (Apocynaceae). Die Art mag gerne lichte, kalkhaltige Wälder und genau das hat sie dort auch vorgefunden.

4. Keine einzelne Art, eher ein Lebensraumtyp ist hier zu sehen: magere Halbtrockenrasen auf Muschelkalk, die extensiv bspw. durch Pferdebeweidung bewirtschaftet werden. Einige Arten, die man hier sehen kann sind: Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Saat-Esparsette (Onobrychis viciifolia), Gewöhnlicher Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), Rotklee (Trifolium pratense), Feld-Klee (Trifolium campestre), Mittlerer Wegerich (Plantago media). Im weiteren Umfeld gab es auch Schmalblättrige Wicke (Vicia sativa), Gewöhnlichen Hornklee (Lotus corniculatus) und viele viele mehr. An dem Nachmittag haben wir an Vögeln, Pflanzen, Schmetterlingen und einzelnen anderen Insekten 160 Arten kartiert.

Orchideen im lichten Buchenwald

Ende Mai ging es in einen lichten Thüringer Buchenwald auf Kalkgrund. Der basische, magere Boden sorgt mit der lichten Waldstruktur und dem einfallenden Licht sowie unzähligen über Jahrzehnte und Jahrhunderte entwickelten Mikrobiom im Boden dafür, dass dies ein idealer Ort für seltene Pflanzen wie einige Orchideen ist.

1. Der Frauenschuh, eigentlich Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus), ist nicht nur optisch eine der eindrucksvollsten Orchideen; der erste Austrieb kann 3-4 Jahre dauern und die erste Blüte sogar bis zu 16 Jahre! Wenn man sich dann noch vor Augen führt, dass eine Pflanze durch Ausläufer bis über 300 Jahre alt werden, sollte klar sein, warum man das Wegegebot in Schutzgebieten beachten und auch keine Orchideen pflücken sollte. Am Standort gibt es regelmäßige Managementmaßnahmen, um den Erhaltungszustand günstig zu halten wie bspw. Zurückhalten des Aufwuchses (Gehölzsukzession). Ein Problem stellen die invasiven Robinien dar, die nicht nur immer wieder Stockausschläge und Ausläufer bilden, sondern den Boden durch ihr eigenes Mikrobiom mit Stickstoff anreichern. Das Endstadium einer anfangs mageren Wiese mit Robinien ist daher eine artenarme Fettwiese mit hauptsächlich stickstoffliebenden Arten wie Löwenzahn.

In Thüringen steht der Frauenschuh auf der Roten Liste als stark gefährdet (2), deutschlandweit als gefährdet (3).

2. Eine Orchidee, die ich bislang eher von mageren Kalk-Trockenrasen kannte, war das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea), welches sich auch recht gut bestimmen lässt. In Deutschland steht als als gefährdet (3) auf der Roten Liste. Die Art fängt oft schon recht früh an zu blühen und kann ab Ende April (je nach Lage) in der Blüte beobachtet werden.

3. 2017 war es Orchidee des Jahres, das Weiße Waldvöglein (Cephalanthera damasonium). Die Blüten dieser Art gehen nur selten und bei sehr günstigen Bedingungen weit auf (warmer Sonnenschein), daher ist die Selbstbestäubung die Regel. Das verwandte Schwertblättrige Waldvöglein sieht ähnlich aus, hat aber deutlich schmalere, lange lanzettliche Blätter.

Unverhofft kommt oft

Im Zuge der Brutvogelkartierung des neues Brutvogelatlas (ADEBAR2) hat es erfreulicherweise ganz gut geklappt im zeitigen Frühjahr einige Paare in meinen Kartierquadranten zu erfassen. Die süßen Schwanzmeisen sind nämlich recht zeitig schon mit dem Nestbau beschäftigt, was nicht verwunderlich ist, wenn man sich die aufwendigen Bauten anschaut. So kann der Bau schon einmal einen Monat Zeit in Anspruch nehmen.

Und damit machen wir einen Zeitsprung zum letzten WE, Ende Mai: Das typische, schnell rhythmische 4-teilige Piepsen abgewechselt mit den harten Schnurrlauten „brrrd“ machte klar, dass wir Schwanzmeisen in unserer Nähe hatten. Einige angestrengte Blicke durch das Laubwerk später, zeigte sich dann eine wuselige Familie mit mind. 4 frisch flüggen Jugendlichen – ein toller Anblick! Die Fotos zeigen dann auch eines der Schwanzmeisen-Kinder, deutlich unterscheidbar im Vergleich zu den Altvögeln.

Bei der Nahrungssuche halten diese lebhaften Vögel vor allem nach Raupen, kleinen Spinnen, Blattläusen und kleineren Insekten Ausschau. Außerhalb der Brutzeit und wenn es an Insekten mangelt, werden auch Knospen, Flechten, Samen, kleine Beeren und Meisenknödel angenommen.

Ein quietschendes Rädchen hoch oben im Baum

Man könnte meinen, dass so ein knallgelber Vogel einem gleich ins Auge springen würde. Es ist aber so, dass der Girlitz gar nicht so einfach hinter der Belaubung von Bäumen zu erkennen ist. Auffällig sind dann – wenn man sie kennt – die ausdauernd vorgetragenen Gesänge der Männchen. In so gut wie jedem Bestimmungsbuch liest man so etwas in der Art wie, dass der Gesang ein an quitschendes Rad vom Kinderwagen o.ä. erinnert und das trifft den Nagel auf den Kopf! Der säuselnd-quitschige Gesang ist leicht zu überhören, wenn man nicht aufmerksam ist und wird vom Männchen aus einer hohen Singwarte aus vorgetragen; Meist ist das aus dem Kronenbereich von Bäumen in seinem Revier, aber es können auch mal Leitungen oder Schornsteine sein. Die Rufe kurz, schnell, hoch und oft 3-teilig gereiht wie kleine Triller.

Der Brutbestand der Art in Deutschland wird mit 65.000-130.000 bei stark negativem Trend angegeben. Damit kommt er in etwa halb so häufig vor wie bspw. der Bluthänfling, die beide zu den Finken gehören.