Kleines & Großes der letzten Tage

Auch wieder aktuelle Fotos, bevor ich mich mal wieder der Aufarbeitung des nie enden wollenden Bild-Archivs unbearbeiteter Fotos widmen werde. Die Fotos stammen vom letzten Wochenende vom Rande eines Tagebaus mit Flut- und Ruderalflächen – so wie auch der letzte Beitrag über Libellen und Feldsperlinge.

1. Während der ausgewachsene Falter (Imago) eher in unscheinbaren gräulichen bis bräunlichen Morphen auftritt und höchstens mit dem kreisrunden Ringmakel und einem hellen Fleck der hinteren Querbinde auffällt, sind seine Raupen ein echter bunter Hingucker: Ampfer-Rindeneule (Acronicta rumicis), hier mit einer ausgewachsenen Raupe. Die Raupen leben sehr polyphag und sind entgegen dem Namen nach nicht auf Ampfer spezialisiert, sondern fressen auch an Laubbäumen und Sträuchern, an vielen Stauden und krautigen Pflanzen. Sie weisen also ökologisch eine große Amplitude auf oder vereinfacht gesagt: Die Art ist ein Generalist und kein Spezialist. Daher ist sie weit verbreitet und häufig; wir hatten zuletzt bei der systematischen Erfassung über Licht und Köder bei Nacht auch mehrere Individuen der Art.

2. Ich hatte zum Libellenfotografieren die Kamera griffbereit in der Hand, als dieser Nutria (Myocastor coypus) aus seinem Bau kam und mir eine schöne Porträtaufnahme ermöglichte. Die Art stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde wegen ihres Pelzes nach Deutschland eingeführt, ist also ein Neozoon. Ein weiterer Neozoon mit dem der Nutria oft verwechselt wird, ist deutlich kleinere Bisam (Ondatra zibethicus) und die dritte Verwechslungsart im Bunde ist der heimische, deutlich große Biber (Castor fiber).

Nutrias besitzen wie der Bisam einen dicken, runden Schwanz und kein Biber-Paddel. Der Schwanz des kleinen Bisams ist im Vergleich zum Nutria-Schwanz etwas platter und ovaler. Beim Porträtfoto erkennt man gut das typische, stumpfe Schnauzenprofil des Nutrias mit dicken weißen Barthaaren. Bisams haben ein spitzes Profil und beim Biber ist an der Schnauze gar nichts helles zu sehen.

Markant sind auch die Größenunterschiede: mit 35cm (ohne Schwanz) ist der Bisam nur halb so groß wie ein Nutria (65cm ohne Schwanz) und der heimische Biber wiederum fast doppelt so groß wie ein Nutria (100cm ohne Schwanz).

3. Eine typische Sommer-Art auf Wiesen, Ruderalflächen, Wegrändern etc. ist der Olivbraune Zünsler (Pyrausta despicata). Markant und zugleich wunderschön sind die komplex gezeichneten Hinterflügel, die eher an die Zeichnungsmuster typischer Eulenfalter (Noctuidae) erinnern, mit denen er jedoch kein bisschen verwandt ist. Auf den ersten Blick recht ähnlich wirkt bspw. das Hornkraut-Tageulchen (Panemeria tenebrata).

4. Unverkennbar haben wir es mit einem Vertreter der Federmotten (Pterophoridae) zu tun: Platyptilia gonodactyla. Die Art ist ein schönes Beispiel dafür wie Insektenbestimmung mitunter funktioniert, welche Merkmale oft relevant sind und wo auch die Grenzen von Bestimmungs-Apps liegen. Platyptilia nemoralis sieht nämlich exakt genauso aus; das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist der Verlauf der dunklen Federchen am Hinterflügel. Die hier gezeigte Art Platyptilia gonodactyla zeigt eine Art schwarzes Rechteck, bei der Verwechslungsart wäre es ein rechtwinkliges, langgezogenes Dreieck. Im Lepiforum ist wie so oft ein tolles Anschauungsbeispiel zu finden.

5. Eine schöne regionale Besonderheit, die hier in der Gegend fliegt und sich auch reproduziert, ist der Resedafalter (Pontia edusa). Bei der Art sollte man unbedingt auf den wissenschaftlichen Artbegriff achten, es gibt noch einen zweiten Resedafalter, der eher in Süd-Westeuropa unterwegs ist: Pontia daplidice. „Unser“ Reseda ist in Thüringen recht lückig verbreitet, in sehr vielen Quadranten gibt es keine Nachweise zum Vorkommen der Art. Aufpassen zum Ende des Frühlings/Beginn des Sommers, wenn noch Aurorafalter (Anthocharis cardamines) unterwegs sind und die ersten Resedas starten. Bei einem flüchtigen Blick aus der Ferne erinnert die Unterseite an ein Weibchen des Aurorafalters. Aber sowohl die Zeichnung der Musterung als auch die schwarzen Stellen am Apex der Oberseiten sind dann doch deutlich anders.

Besondere Libellen beim Tagebau

Beim Kartieren am Rande eines Tagebaus mit Ruderalflächen, Gewässern und Schlickflächen konnten wir an einem Nachmittag 12 Libellenarten finden. Zwei besondere Arten, die beide mit ihrer strahlenden Augenfarbe auffallen, stelle ich hier mit Fotos vor.

1. Das Kleine Granatauge (Erythromma viridulum) hat seinen Namen nicht von ungefähr, wobei es nur die Männchen sind, die mit den roten Augen auffallen. Große Verwechslungsgefahr besteht mit dem Großen Granatauge (Erythromma najas): Hier sollte man bei Männchen auf das 8. Hinterleibssegment schauen und beim Weibchen auf den Antehumeralstreifen. Beide Arten weisen auch ähnliche Lebensraumvorlieben auf: Langsam fließende oder Stillgewässer mit Tauchblatt- bzw. Schwimmblattvegetation.

2. Das Saphirauge (Erythromma lindenii) trägt wie auch die Granataugen einen Trivialnamen, der auf die markante Augenfarbe hinweist – auch hier wieder nur beim Männchen. Die Art lief früher mal unter dem Namen Pokaljungfer und ist in Deutschland sehr lückig verbreitet. Als wärmeliebende Art, dürfte sie sich im Zuge des Klimawandels zukünftig weiter ausbreiten. Kiesgruben und Abbaugewässer sind typische Fundorte dieser Art; sie profitiert also von diesen durch Menschen geschaffenen Sekundärlebensräumen.

Mittlerweile rar

Während die großen Flaggschiff-Arten des Naturschutzes große Aufmerksamkeit und Schutzbemühungen genießen, sterben viele ehemalige Allerweltsvögel leise weg. Ein Beispiel ist der Feldsperling, der dieses Schicksal mit vielen weiteren Feuchtwiesen-, Wiesen- und Ackerrandbewohnern teilt.

Es sei hier noch einmal explizit auf die Unterschiede zum Haussperling verwiesen, da u.a. die NABU-Gartenvogelzählung zeigt, dass viele Leute einen Feldsperling nicht sicher erkennen können: Der Feldsperling hat stets einen schwarzen Wangenfleck und beide Geschlechter sehen gleich aus. Unserem männlichen Haussperling fehlt der schwarze Wangenfleck und er hat außerdem eine graue Kappe; die Weibchen sind hierzulande unverwechselbar. Das Foto zeigt ein mauserndes Individuum im Juli.

Aktuell gibt es Aufrufe zum Einsenden gefundener Totfunde als Untersuchungsobjekte, da man die toten Vögel auf Krankheiten und Toxine untersuchen will. Dabei sollte der Rückgang der Art eigentlich niemanden überraschen; warum sollte der Feldsperling unter den Wiesen- und Ackervögeln eine Ausnahme darstellen? Die Hauptursachen sind bekannt: Nahrungsmangel (Insekten und Sämereien), Strukturmangel riesiger Ackerschläge führt zu Problemen beim Schutz vor Prädation als auch Mangel an Brutplätzen (Höhlenbrüter), Pestizideinsatz führt nicht nur zu weniger Insekten, sondern hinterlasst an diesen auch Rückstände, die zu Vergiftungen führen können – all das ist bei anderen Vögeln schon gut untersucht und durch unzählige Studien belegt.

Aktuell steht die Art in DE auf der Vorwarnliste, es ist vollkommen klar abzusehen, dass der Feldsperling in der nächsten Fassung der Roten Liste hochgestuft wird. Die aktuellen Brutvogelkartierungen zeigen einen erschreckenden Erhaltungszustand an.

Einige Insekten der letzten Tage – Falter & Bockkäfer im Juli

1. Auf einem südexponierten Felsen-Muschelkalkhang war unter vielen weiteren tollen Schmetterlingen diese Besonderheit zu entdecken: Das Bergkronwicken-Widderchen (Zygaena fausta) auf einer Kalk-Aster bzw. Berg-Aster. Die Raupen der Art entwickeln sich ausschließlich an der namensgebenden Bergkronwicke, ihren Nektarbedarf stillen die Imagines vor allem an Arten der Gattungen der Witwenblumen, Skabiosen, Flockenblumen und Dost. Sowohl in Thüringen als auch für ganz Deutschland steht das Bergkronwicken-Widderchen auf der Roten Liste als gefährdet (3).

2. Ein Schmetterling, den wohl jeder liebt: Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon). Er sitzt hier gerade auf einer Wilden Möhre und hier in der Region stellt diese auch eine der wichtigsten Futterpflanzen für die Raupen dar – Wenn solche Flächen nicht als „Unkraut“ kaputt gemäht werden. Tatsächlich sorgt übertriebener Ordnungssinn in Städten, Kommunen, Parks und Gärten dafür, dass viele Eigelege vom Schwalbenschwanz zerstört werden.

3. Ein besonders schöner Kleinschmetterling hat sich hier gezeigt: Harpella forficella. Die Art gehört zur Familie der Faulholzmotten (Oecophoridae) und entwickelt sich nicht an Blättern, Kräutern, Knospen etc. wie die meisten Schmetterlingsraupen – sondern im und vom Totholz und erinnert damit eher an einen Käfer.

4. Immer schön zu sehen sind die Feuerfalter, hier der häufigste deren Vertreter, der Kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas), weiblich. Zu den Feuerfaltern sollte erwähnt werden, dass verschiedene Ampfer-Arten (Rumex spec.) zu ihren wichtigsten und auch einzigen Futterpflanzen zählen! Auch wieder ein typisches Beispiel dafür, dass viele Schmetterlinge oft gar nicht so anspruchsvolle Lebensbedingungen stellen, deren Lebensgrundlage aber als „Unkräuter“ entfernt wird.

5. Dem Einen oder Anderen sind vielleicht die schwarzen, bedornten und weiß bepunkteten Raupen des Tagpfauenauges bekannt; wie sie in Grüppchen an Brennnesseln fressen. Diese stellen aber bereits mehrfach gehäutete ältere Stadien dar. Hier auf dem Foto sieht man das allererste Larvalstadium L1 des Tagpfauenauges, markant mit dem schwärzlichen Kopf, dessen dunkle Färbung verwaschen nach hinten ausläuft.

6. Ein Sägebock ist nicht nur ein Gerät im Schuppen oder der Werkstatt, sondern kann je nach Kontext auch einen Bockkäfer bezeichnen Hier haben wir einen männlichen Sägebock (Prionus coriarius). Für gewöhnlich sind diese Tiere nachtaktiv, hier hat er bei einem kurzen Nachmittagsschauer an einem Blatt geruht. Die Art kann eine Länge von bis zu 45mm erreichen.

Wildpflanzen im Juli

1. Diese schöne Pflanze mit den rosa überhauchten weißen Kronenblättern, ist die Acker-Winde (Convolvulus arvensis). Die Acker-Winde ist eine Schlingpflanze, die kriechend zwischen und auf anderen Pflanzen wächst. Da sie sehr hartnäckig ist, gilt diese schöne Pflanze nicht wenigen als Unkraut – Unsere Insekten sehen das anders. So sind z.B. mit passendem Namen die Ackerwinden-Trauereule und das Ackerwinden-Bunteulchen zwingend auf die Art als Raupenfutterpflanze angewiesen. Und wer sich diese schönen Falter einmal ansieht, wird sicher auch Erbarmen mit der Acker-Winde haben

2. Die Dornige Hauhechel (Ononis spinosa) wächst auf mageren Wiesen und Weiden und generell eher basische Böden; man findet sie also eher auf den Muschelkalk-Platten. Die Art wächst bis zu 80cm hoch und ist wie es der Name sagt, an den Zweigen bedornt. Gerade für Wildbienen ist sie eine wertvolle Pflanze.

3. Der Kleine Odermennig (Agrimonia eupatoria) fällt mit seinem gelben, ährigen Blütenstand auf. Man kann die Art auch sammeln, trocknen und als Tee zubereiten; das adstringierende, entzündungshemmende Kraut hilft u.a. bei Entzündungen, Durchfall und wirkt unterstützend auf Leber und Galle. Auffallend sind die kugeligen und kletten-artigen Samen, die sich gerne an Hosen, Schuhen etc. festkrallen

4. Schön anzusehen ist der Krause Ampfer (Rumex crispus) mit seinem dunkelroten Fruchtstand. Genrell gehören Arten aus der Gattung Ampfer (Rumex sepc.) zu den ähnlich unterschätzten Pflanzen wie Disteln, was die Wichtigkeit für Insekten betrifft. Unheimlich viele Schmetterlingsarten wie bspw. ein Großteil der Feuerfalter-Arten, ist zur Entwicklung auf Ampfer angewiesen. Wenn also irgendwo Ampfer als vermeintliches „Unkraut“ herumsteht, ist damit deutlich mehr für Schmetterlinge getan als mit bunten „Schmetterlingswiesen“.

5. Er sieht aus wie ein hochgewachsener Hornklee mit besonders schmal-lanzettlichen Blättern oder aber auch wie eine gelbe Luzerne – Die Rede ist vom Sichelklee (Medicago falcata). Der Gattungsname zeigt es an, dass die Art auch eher mit der Luzerne als dem Klee verwandt ist und ein weiterer Trivialname ist dann auch Gelbe Luzerne.

6. Eine Pflanze, die gut für Raupen ist, wunderschön in der Blüte aussieht und zudem ein Nektar-Magnet für Wildbienen und Schmetterlinge ist – All das ist die Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa). Wenn man magere Trockenrasen mit größeren Beständen dieser Art auffindet, ist da richtig Action angesagt. Das tolle ist, dass sich die Art auch wunderbar für den eigenen Garten eignet.

    vielFALT auf mageren Halbtrockenrasen – Falterkartierung vom Freitag

    27 Arten an Tagfaltern + 1 Varietät (Dunkler Kaisermantel) haben wir letzten Freitag Nachmittag auf mageren Halbtrockenrasen in Nähe von Muschel-Kalkhängen kartiert. Einige der Arten sowie einige der zufällig entdeckten Nachtfalter stelle ich heute im Beitrag vor.

    1. Auf einer Wiese kann man sie im Juli schnell mal in 2-stelliger Anzahl antreffen: Die Braune Tageule (Euclidia glyphica). Sie gehört zur Familie der Eulenfalter und ist am Tag außerordentlich aktiv, wir konnten sie oft bei der Nektaraufnahme an Skabiosen-Flockenblumen beobachten.

    2. Einer der Braundickkopffalter hat sich hier an der Acker-Kratzdistel gütlich getan, der Braunkolbige Braundickkopffalter (Thymelicus sylvestris). Auch wenn das Merkmal winzig ist, ist es sicher auffindbar, nicht variabel und 100%ig sicher: Die Unterseiten der Fühlerkolbenspitzen sind orange-bräunlich. Beim Schwarzkolbigen Braundickkopffalter (Thymelicus lineola) sind sie schwarz. Der Mattscheckige Braundickkopffalter hat ebenfalls orange-braune Fühlerkolbenspitzen, sogar etwas leuchtkräftiger, aber auch ein schwaches Kästchenmuster auf den Vorderflügeln und er ist innenseitig weniger kräftig gefärbt. Das letzte Bild der Reihe zeigt unseren weiblichen Dickkopf-Kumpel bei dem Versuch einer Eiablage an Gräsern.

    3. Ein ganz frischer Distelfalter (Vanessa cardui). Während in vielen TV-Dokus oder Beiträgen immer wieder über die Wanderleistungen der amerikanischen Monarchenfalter gesprochen wird, ist vielen nicht klar, welche unvorstellbar krassen Leistungen eigentlich die Arten vor der eigenen Haustür oder im Garten vollbringen: Der Distelfalter fliegt innerhalb eines Jahres in 4 Generationen von Nordafrika über das Mittelmeer und die Alpen, um hier anzukommen! Und im selben Jahr fliegt die zuletzt geschlüpfte Generation auch wieder den Weg nach Nordafrika zurück! Unglaublich

    4. Dieses T am Grashalm ist ein typischer und häufiger Vertreter der Federmotten – bitte nicht mit Federgeistchen verwechseln. Es ist das Federmotten-Artenpaar Emmelina monodactyla/argoteles. Äußerlich kann man die beiden Arten nicht unterscheiden, in den allermeisten Fällen wird es sich jedoch um die häufige Emmelina monodactyla handeln.

    5. Das Esparsetten-Widderchen oder auch Krainer-Widderchen (Zygaena carniolica) gehört mit zu unseren buntesten Widderchen. Die Art ist in Thüringen recht lückig verbreitet und fehlt in einigen Landsteilen. Als beliebte Nektarpflanze dient hier die Skabiosen-Flockenblume, das Bild zeigt unten links noch das häufige und wenig anspruchsvolle Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae).

    6. Immer erfreulich, wenn man einen der Mohrenfalter sieht. Bei mir in der weiteren Umgebung fliegen immerhin der Rundaugen- und Graubindige Mohrenfalter (Erebia aethiops). Das Foto zeigt letztgenannten, durch die gräuliche Binde der Hinterflügel zu erkennen. Die Art fliegt vor allem in licht bewaldeten Hügelländern, die an blütenreiche Säume grenzen.

    7. Einer unser absolut häufigsten Tagfalter mit großer ökologischer Amplitude (ein Generalist und kein Spezialist) ist das Große Ochsenauge (Maniola jurtina). Das Foto zeigt ein Männchen, die Weibchen fallen mit einer weißlichen Binde der Hinterflügel auf.

    8. Überraschung! Diese Schwarz-Weiße, sehr große Erscheinung, die oberseitig auch noch blau-grünlich schimmert, hat uns für den Bruchteil einer Sekunde in Schrecken versetzt: Wer fliegt denn hier?! Na klar, es ist die Dunkle Form (Form valesina) vom Kaisermantel (Argynnis paphia), die aber nur von Weibchen gezeigt wird und das auch nur in bestimmten Regionen. Zusammen mit dem Kleinen Perlmuttfalter gehört der Kaisermantel noch zu den wenig weit und lückenlos verbreiteten Perlmuttfaltern, da sie weniger auf bestimmte Bedingungen spezialisiert sind wie ihre mittlerweile teils sehr seltene Verwandtschaft.

    9. Nein, hier haben wir keinen Hauhechel-Bläuling Was sehen wir? Einen fehlenden Basaldot auf den Vorderflügeln, das kommt zwar beim Hauhechel-Bläuling auch mal vor, ist aber die Ausnahme als die Regel. Ein zweite Sache ist die 3er-Punktreihe der Hinterflügel: Beim Hauhechel-Bläuling sind tendenziell die unteren beiden Dots dicht beisammen – hier eindeutig die oberen. Was sehen wir also? Den Kleinen Esparsetten-Bläuling (Polyommatus thersites). Foto 1 zeigt ein Weibchen, Foto 2 ein Männchen. Die Art ist auf der einen Seite nicht ganz so häufig, auf der anderen Seite wird sie wegen der Bestimmungsschwierigkeit aber wohl auch oft übersehen.

    10. Dieser verwaschen gezeichnete Dickkopffalter ist der Dunkle Dickkopffalter oder auch Kronwicken-Dickkopffalter (Erynnis tages). Seine Raupen fressen am liebsten Gew. Hornklee, Bunte Kronwicke und einige weitere verwandte Arten.

    11. Eindeutig wieder ein besseres Jahr hat das Landkärtchen (Araschnia levana). Eine Besonderheit der Art ist ihr Saisondimorphismus: Die Frühjahrsgeneration ist überwiegend orange, die Sommergeneration überwiegend schwarz. In abgeschwächter Form zeigen das aber auch viele andere Falter: der Grünader-Weißling hat in der 2. Generation des Jahres stets deutlich schwächer gezeichnete Adern als die vorherige. Als Nektarpflanze dienen auf den Fotos Acker-Kratzdistel und Skabiosen-Flockenblume.

    12. Ein richtig toller Fund ist dieser unverwechselbar und scharf gezeichnete Dickkopffalter: Es ist der Malven-Dickkopffalter (Carcharodus alceae), dessen Raupen sich ausschließlich von Malve ernähren. Im Gebiet haben wir nur die Gelbe Stockrose vorgefunden, ob er wohl von dieser Pflanze stammt?

    13. Sicher oft übersehen und für gewöhnlich auch nicht so häufig, ist der Mattscheckige Braundickkopffalter (Thymelicus acteon). Auch diese Art finde ich dieses Jahr ungewöhnlich oft. Die Bestimmung erfordert den genauen Blick auf 2 Merkmale: Die Fühlerkolbenspitzen sind orange-braun, ähnlich wie beim Braunkolben-Braundickkopffalter, meist sogar noch deutlicher. Aber vor allem zeigt die Art das matte Scheckmuster, kleine Würfen, auf den Vorderflügeln. Bei den Weibchen sind sie sehr deutlich ausgeprägt, bei den Männchen nur schwach. Außerdem ist die Art innenseitig deutlich weniger leuchtkräftig orange als seine verwandten Dickkopffalter.

    14. Das anspruchsloseste und häufigste Widderchen ist das Sechsfleck-Widderchen oder auch Blutströpfchen (Zygaena filipendulae). Verwechslungsgefahr besteht hier mit dem deutlich selteneren Hufeisenklee-Widderchen, hier sollte man immer mehrere Merkmale betrachten sowie auch das Habitat. Zu beachten ist, dass das Sechsfleck-Widderchen recht variabel ist und auch mal weißliche Fühlerkolbenspitzen zeigt, mal eine ungewöhnliche Flügelhaltung oder auch mal etwas dunklere Flügeldecken.

    15. Wer braucht schon Blumen, wenn man Mist hat! Das dachten sich der Hauhechel-Bläuling (rechts) sowie der Silbergrüne-Bläuling (Lysandra coridon). Aus solchen Quellen stillen viele Falter ihren Bedarf an Mineralen, ansonsten auch gerne aus Pfützen, Feldwegen, Schweiß usw. Oft im selben Habitat wie der Silbergrüne Bläuling kommt der Himmelblaue Bläuling vor, dieser scheint aber zumindest in Thüringen ein außergewöhnlich schlechtes Jahr zu haben.

    Am Rande von Feuchtwiesen-Relikten und Brachen

    Bei der gestrigen Tagfalterkartierung mit 15 Arten am geschützten Rand einer Feuchtwiese, von der aufgrund der Nutzung leider nicht viel übrig geblieben ist, sowie angrenzenden Brachflächen, sind diese Fotos entstanden.

    1. Eine Besonderheit im Gebiet und aufgrund der Gefährdung durch Entwässerung, Nutzungsdruck, zu intensiver Mahd, Eutrophierung usw. in Deutschland auf der Vorwarnliste, ist der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous). Der Deutsche Trivialname sagt schon eine Menge wichtiger Dinge über die Art ist: Es ist ein Bläuling dessen Leben eng mit seinen Wirtsameisen verbunden ist: Durch die Ausscheidung von Dufstoffen und süßem Saft, werden die Raupen der Art von Knotenameisen in ihren Bau getragen, wo sich die Falterraupe unbehelligt von den Eiern ihrer Wirtstiere ernährt – Bis sie sich verpuppt und als Falter nächsten Sommer schleunigst ausfliegt. Die alleine Raupenfutter- und damit Eiablagepflanze, ist der Große Wiesenknopf, der gleichzeitig auch die wichtigste Nektarquelle darstellt.

    2. Nicht ganz so deutlich gezeichnet wie die meisten frischen Exemplare seiner Artgenossen, zeigt sich hier ein Individuum des Esparsetten-Widderchens (Zygaena carniolica). Die Form des Flecks am Flügelende (Submarginalregion) sowie die meist deutlich hellgeble Umrandung der Flecke, macht die Bestimmung für Widderchen-Verhältnisse sehr einfach. Hier sitzt das Widderchen auf einer Wiesen-Flockenblume.

    3. Die gelbe Raupe mit den schönen schwarzen Flecken ist ein Widderchen und zwar unser häufigstes: Das Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae). Die Art besiedelt eine Vielzahl von Habitaten und ist mit der Raupennahrungspflanze Gewöhnlicher Hornklee auch nicht sonderlich anspruchsvoll.

    4. Kein Falter, aber ein ebenfalls schöner Flieger ist diese Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens), ein Weibchen. Beide Prachtlibellen-Arten kommen vor allem an sauberen Fließgewässern vor, hier an der Saale. Die Unterscheidung der Weibchen der beiden Arten (Gebänderte und Blauflügel-Prachtlibelle) ist mit Blick auf einige Merkmale gar nicht so schwierig, beim Weibchen der Gebänderten Prachtlibelle schaut das so aus:

    -grünlich gefärbter Körper (Bei der Blauflügel-Prachtlibelle bronzener Körper)

    -die Flügel sind eher transparent, bei der Blauflügel eher bräunlich und weniger durchscheinend)

    -Das weiße Flügelmal ist sehr nah am Flügelende; die Strecke vom Flügelmal zum Nodus (Flügelknoten) entspricht 4-6x der Länge vom Flügelmal zum Flügelende – Bei der Blauflügel weniger als 4x, i.d.R. 3x.

    Schöne Blütenbesucher auf Steilhängen

    Einige Eindrücke der gestrigen Tour in heimischen Gefilden zeigt der heutige Beitrag. Das Habitat war ein Naturschutzgebiet auf Silikat-Steilhängen, teils mit Mischwald, teils mit Waldkiefern bewachsen. Im waldigen Bereich, wo u.a. Elsbeere und Wildbirne gewachsen ist, waren rufende Kleinspechte eines der avifaunistischen Highlights. Besonders interessant – vor allem für Insekten – waren die offenen Felshänge, extensives Grünland auf der Kuppe und: Die offen gehaltenen Schneisen für Stromtrassen!

    Man muss sich heutzutage immer wieder vor Augen halten, dass wir nicht mehr in den 60ern oder 70ern leben. Ob nun aktive oder ehemalige Tagebaue, große Industriegelände oder Schneisen für Stromtrassen – all diese Sekundärbiotope, die auf den ersten Blick nach Zerstörung aussehen, gehören mittlerweile zu den wertvollsten Biotopen überhaupt. Das sagt natürlich auch viel über unseren Umgang mit Äckern, Gärten, oder Grünlandflächen aus.

    Aber schauen wir uns an, was es auf den Fotos zu sehen gibt:

    1. Für ein Widderchen (Zygaenidae) leicht zu bestimmen und ein besonders schöner Anblick obendrein, ist das Esparsetten-Widderchen, auch Krainer Widderchen genannt (Zygaena carniolica). Es labt sich hier am Nektar des Gewöhnlichen Dostes (Origanum vulgare) oder auch einfach: Wilder Oregano. In Thüringen ist die Art recht lückig verbreitet und ein Fund immer wieder eine tolle Sache.

    2. Der Besucher, der sich zum Widderchen dazugesellt hat, ist der Magerrasen-Perlmuttfalter (Boloria dia). Die Art gehört zu den kleineren Perlmuttfaltern (Argynnini) und lebt auf mageren Halbtrockenrasen und Muschelkalkrasen. Wie so viele Perlmuttfalter sind die Raupen zwingen auf Veilchen (Viola spec.) angewiesen, die Art bevorzugt vor allem das Raue Veilchen (Viola hirta).

    3. Auf den leuchtend gelben Blüten des Jakobs-Kreuzkrautes, auch Jakobs-Greiskraut (Jacobaea vulgaris) genannt, fand sich diese interessante Motte beim Nektarschlürfen ein. Es handelt sich um Scythris scopolella, also um einen Vertreter der Ziermotten (Scythrididae). Die Art bewohnt gerne felsige, trockene Orte und man vermutet u.a. Weißen Mauerpfeffer als Nahrungspflanze der Raupen – aber so ganz genau weiß es bislang niemand. Ein Beispiel dafür, dass es auch hierzulande noch unzählige Arten gibt, über die ganz relevante Informationen zur Biologie komplett fehlen oder ungesichert sind.

    Herrliches Viech

    Die unangenehmen Seiten des Sommers (u.a. Hitze) zwingen einen dazu permanent, vor allem des Nachts, zu lüften. Das führt uns zu den angenehmen Seiten: Es passiert nicht selten, dass man dabei interessanten tierischen Besuch bekommt, auch wenn dieser in diesem Fall wie eine Pflanze klingt: Totes Blatt (Drepanepteryx phalaenoides). Die Art gehört zur Ordnung der Netzflügler, deren bekannteste Vertreter die (oft grünlichen) Florfliegen sein dürften.

    Warum sich die Art im Laufe der Evolution so angepasst hat, dürfte selbsterklärend sein: Als Insekt wird man wahrscheinlich weniger oft verspeist, wenn man wie ein welkes Blatt aussieht, als ein nahrhafter Proteinhappen. Diese Imitation lebloser Umgebung bezeichnet man dabei als Mimese. Der Begriff ist sicher etwas weniger geläufig und bekannt als die Mimikry; letzterer bezeichnet aber die Nachahmung, ob im Verhalten oder Erscheinungsbild, einer anderen Art – bspw. die Warnfarbe einer Wespe. Bei der Mimese geht es allerdings um ein Verschmelzen mit der Umgebung durch Tarnung oder Imitation eines typischen Objekts der Umwelt. Wie eben ein altes, totes Blatt

    Entgegen dem Trend

    Entgegen dem Trend der meisten Bläulingsarten (Lycaenidae), die als ökologische Spezialisten immer mehr Probleme in unseren aufgeräumten Landschaften bekommen und seltener werden, scheint es beim Kurzschwänzigen Bläuling (Cupido argiades) anders zu verlaufen. Die wärmeliebende Art scheint, vielleicht auch bedingt durch den Klimawandel, deutlich auszubreiten. Der Fundort bei den Fotos war dann auch der Erstnachweis auf diesem Quadranten in Thüringen.

    Der Kurzschwänzige Bläuling mag strukturierte, buschige Wiesen oder Lichtungen. Seine Raupen entwickeln sich an Gewöhnlichen Hornklee, Bunter Kronwicke, Luzerne, Rot-Klee, und einigen anderen verwandten Pflanzen.

    Auffällig ist sein besonders hektischer Flug in Ziackzack-Linien sowie seine geringe Größe – kein Wunder, er ist ja auch mit dem Zwerg-Bläuling (Cupido minimus) verwandt.