Schmetterlinge im Juli auf mageren Heide-Trockenrasen

Vom gleichen Gebiet wie die vielen Schachbrettfalter des letzten Beitrags, heute eine bunte Auswahl verschiedener Arten.

1. Ein Männchen vom Argus-Bläuling (Plebejus argus), markant mit den dicken schwarzen Rändern der Flügeloberseiten und den gattungstypischen Silberkern-Flecken auf den Unterseiten der Hinterflügel. Die Gattung ist bestimmungstechnisch kniffelig, man fasst sie oft als Silberfleck-Bläulinge (Plebejus spec.) zusammen. Am sichersten lässt sich noch das Männchen vom abgebildeten Argus-Bläuling ausdifferenzieren: die erwähnten schwarzen Ränder + Dornen an den vorderen Tibien. Bei P. idas und P. argyrognomon gibt es solche Kniffe nicht. Bislang konnte man u.a. mit den Verbreitungsgrenzen arbeiten; so war P. argyrognom bisher eine recht südliche Art. Im Zuge des Klimawandels hat die Art ihre Verbreitungsgrenze mittlerweile aber auch deutlich nach Norden hin verschoben.

2. Die abgebildete Art wartet mit 2 etablierten Trivialnamen auf: Schornsteinfeger bzw. Brauner Waldvogel (Aphantopus hyperantus). Hier in der Gegend (TH, SLF-RU) ist die Art in hohen Abundanzen vertreten. Der Schornsteinfeger entwickelt sich an verschiedenen Gräsern und bewohnt eine Menge verschiedener Habitate wie Waldsäume, lichte Wälder, halbschattiges Offenland uvm.

3. Dies hier ist der Braunkolbige Braun-Dickkopffalter (Thymelicus sylvestris). Bestimmungsrelevant ist, dass die Art keine Würfelmuster auf ihren Flügeln zeigt als auch keine Häkchen an den Fühlerkolbenenden. Vom ähnlichen Schwarzkolbigen Dickkopffalter (Thymelicus lineola) unterscheidet sich die Art durch die Unterseite der Spitzen der Fühlerkolben – sie sind hier Hellbraun/Orange. Die Betonung liegt explizit auf >Unterseite< der Fühlerkolben, das Merkmal ist das tatsächlich sehr klein, aber 100% eindeutig. Die Nektarpflanzen auf den Fotos sind Gewöhnlicher Natternkopf und Wiesen-Flockenblume.

4. Eine richtige Sommer-Art, die dann auch sehr häufig auftritt: Der Dürrwiesen-Zünsler (Synaphe punctalis). Über die Raupennahrungspflanzen weiß man bisher nur sicher, dass sie an Gew. Hornklee gehen, es werden allerdings noch weitere Arten vermutet.

5. An der Skabiosen-Flockenblume stillt das Esparsetten-Widderchen bzw. Krainer-Widderchen (Zygaena carniolica) seinen Nektardurst. Dieses Widderchen mag vor allem wärmebegünstigte Kalk-Magerrasen und ist primär auf das Vorhandensein von Gew. Hornklee oder Saat-Esparsette angewiesen.

6. Der mit Abstand häufigste und anspruchsloseste Bläuling sitzt hier auf dem Sichel-Klee, es ist ein Männchen des Hauhechel-Bläulings (Polyommatus icarus), der aufgrund seiner Häufigkeit und großen ökologischen Amplitude auch als Gemeiner Bläuling bezeichnet wird.

7. Schon etwas abgeflogen zeigt sicher hier ein Kleiner Kohlweißling (Pieris rapae) am Gew. Natternkopf. Die Art kann man getrost als Kulturfolger bezeichnen und in der Landwirtschaft gilt er als Schädling, da sich die Raupen an allen möglichen Kreuzblütlern entwickeln.

8. Das „Klein“ trägt die Art im Namen zurecht: Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus). Die Art fliegt in verschiedenen Biotoptypen des Offenlandes: Böschungen, Brachflächen, Waldsäume, Trockenrasen, Wiesen usw und entwickelt sich an Gräsern wie Wiesen-Rispengras und Schafschwingel. Letztere Grasart ist für viele, teils seltene Falter, eine wichtige Raupenfutterpflanze! Die Vorstellung, dass für Schmetterlinge vor allem bunte, großblütige Blumen wichtig sind, ist nämlich schlichtweg falsch.

9. Eine weitere typische Sommer-Art, die man tagsüber alle paar Meter im Gras entdecken kann, ist der Olivbraune Zünsler (Pyrausta despicata). Hier leider nicht zu sehen, sondern nur mit geöffneten Vorderflügeln, sind die tollen Streifenmuster der Hinterflügel (hellgelbe Streifen auf schwarzem Grund), die an Ausgestaltung und Ästhetik eher an Eulenfalter (Noctuidae) als Zünsler (Pyralidae) erinnern.

10. Das Klischee von grauen Motten und langweiligen Kleinschmetterlingen interessiert diesen Zünsler nicht: Purpurroter Zünsler (Pyrausta purpuralis). Beim Fund sollte man aufpassen, denn vor allem der nah verwandte Gold-Zünsler (Pyrausta aurata) sieht ihm verdammt ähnlich. Relevant sind die Linienverläufe der Vorderflügel als auch deren Relation zu der Binde der Hinterflügeloberseiten.

11. Der Rhabarberzünsler (Oncocera semirubella) hat seinen Trivialnamen sicher nicht auf Grund der Nahrungspräferenzen, denn seine Raupen fressen an Gew. Hornklee und wahrscheinlich vielen weiteren Klee-Arten. Wenn man sich diese rötlich-purpurfarbenen Streifen dieser schönen Zünsler-Art ansieht, dürfte die Namensherkunft aber erkennbar sein

12. Diese Spannerart kann man im Sommer oft tagsüber auf Trockenrasen finden und es stellt sich dann meist die Frage: Idaea ochrata oder I. serpentata? Wir haben uns bei diesem etwas abgeflogenen Exemplar für den Rostgelber Magerrasen-Zwergspanner (Idaea serpentata) entschieden. Relevant sind (wenn vorhanden) die Positionen der Hinterflügelpunkte, aber auch das (Nicht-)Vorhandensein von Punkten im Saumfeld und ob die Saumbinde im Marginalbereich eher gestrichelt oder ununterbrochen verläuft.

13. Ein toller Zufallsfund war dieser ruhende Schmuck-Kleinspanner (Scopula ornata), der aufgrund seiner markanten Musterung nur mit dem Sandthymian-Kleinspanner (S. decorata) zu verwechseln ist. Die Art mag warme und trockene Offenland-Habitate mit Beständen an Thymian – weitere Nahrungspflanzen stehe noch zur Debatte.

14. Da wir im Gebiet den Braunkolbigen Braun-Dickkopffalter hatten, war der Schwarzkolbige Braun-Dickkopffalter (Thymelicus lineola) nicht weit. Auch dieser ganzen Artenkomplex ist ein tolles Beispiel für die Wichtigkeit von Gräsern für die Entwicklung von vielen Schmetterlingsarten: Selbst das oft verhasste Landreitgras gehört wie auch die Fiederzwenke oder Gem. Knäuelgras zu den Nahrungspflanzen.

15. Unsere häufigste Widderchen-Art ruht hier an einer Skabiosen-Flockenblume, es ist das Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae). Die Art kann mitunter recht variabel gemustert sein, die Flecken sind aber nie scharf begrenzt, oft dicht beieinander, die Vorderflügelunterseiten nicht rot bestäubt und die typische Haltung zeigt die Art mit geschlossenen Flügeln. Variabel sind mitunter die Fühlerkolbenspitzen, die auch mal weiß sein können.