Beim heutigen Kartieren in einem kleinen Naturschutzgebiet kamen 17 Tagfalter-Arten zusammen – nebst anderem schönen Beobachtungen wie einen Mehlschwalben jagenden Baumfalken. Beim Fotografieren habe ich mich nur auf Arten konzentriert, von denen ich noch nicht viele Bilder habe – lustigerweise haben alle das modische Accessoire eines Zipfels Mehr dazu bei den Artvorstellungen.
1. Durch die Kartierungen und vor allem die Suche nach überwinternden Eiern, ist mir bekannt, dass der Blaue Eichen-Zipfelfalter (Favonius quercus) weit verbreitet und häufig ist, wenn er auch letztes Jahr ein eher schlechtes Jahr hatte. Das ändert aber nichts daran, dass man die Imagines (erwachsenen) Falter fast nie zu Gesicht bekommt – sie haben schlichtweg keinen Grund sich oft auf Augenhöhe der Menschen zu begeben. Nektar interessiert sie eher nicht; ab und an kommen sie mal herunter, um Minerale aus Schlammpfützen aufzunehmen. Ansonsten halten sie sich in den Kronen von Eichen auf, da sie durch dieses „Tree-Toping“ einen passenden Partner finden und die Weibchen ihre Eier anschließend an die Knospen der Eichen ablegen.
2. Dieser schöne Falter gehört ebenso zu den Bläulingen und hat sogar ein Zipfelchen am Ende der Hinterflügel, ist mit den Zipfelfaltern aber nicht verwandt – der Kurzschwänzige Bläuling (Cupido argiades). Diese wärmeliebende Art legt bedingt durch den Klimawandel aktuell eine unglaubliche Ausbreitungsleistung hin. In diesem Jahr gab es bereits Nachweise an historisch bislang noch nie besiedelten Quadranten. Der Kurzschwänzige Bläuling mag strukturierte, buschige Wiesen oder Lichtungen. Seine Raupen entwickeln sich an Gewöhnlichen Hornklee, Bunter Kronwicke, Luzerne, Rot-Klee, und einigen anderen verwandten Pflanzen.
3. Früher hielt man den Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae), dessen Raupen sich bevorzugt an Schlehen (Prunus spinosa), aber auch an anderen Prunus-Arten entwickeln, für einen seltenen, lückig verbreiteten Falter. Das lag daran, dass die Art nicht beim Nektarbesuch zu sehen ist und eher im Buschwerk versteckt lebt – außer, wenn sie wie hier zum Aufschleckern von Mineralen herauskommt. Erst die systematische Kartierung der Überwinterungsstadien – der Eier – brachte zutage, dass die Art nahezu lückenlos überall vorkommt, wo es Schlehen gibt. Im Normalfall hat der Falter wie auch die anderen Zipfelfalter seine Flügel zusammengeklappt, es war also ein absoluter Glücksfall, dass er gerade beim Minerale-Aufschleckern von Wolken beschattet wurde und sich dann aufgeklappt hat, sodass die vollen Oberseiten zu sehen sind. Noch besser, dass man hier ein Weibchen sieht – nur sie tragen die namensgebenden orangen nierenförmigen Flecken.