Ob seine Majestät (Deutscher Wappenvogel) mit den Titulierungen wie „Fliegendes Brett“ oder „Fliegende Tür“ begeistert wäre? Wenn man sich seinen vermeintlichen strengen Blick dazu vorstellt, wohl eher nicht. Aber mit den im Segelflug breiten, rechteckigen Flügeln und der Flügelspannweite, die von 1,8m bis 2,44m reicht, passen solche Vergleiche zum Seeadler (Haliaeetus albicilla).
Der Spitzenprädator bewohnt Gewässerreiche Lebensräume wie Küsten, Seen Stauseen, weite Flusslandschaften, Sumpfgebiete usw, ist dabei aber deutlich weniger als bspw. der Fischadler spezialisiert. Der Seeadler holt sich ähnlich wie andere große Prädatoren mit hohem Energieverbrauch, das, was für ihn am leichtesten zu erreichen ist und das kann auch gerne Aas sein. Ansonsten stehen neben allen möglichen Fischarten, größeren wie kleineren Wasservögeln von Graugansküken bis zu Kormoranen, Säugetieren von der Wühlmaus bis zu Feldhasen und Nutrias, auch alles sonst, was er erbeuten kann, auf dem Speiseplan.
Aktuell leben in Deutschland ungefähr 850-1.000 Brutpaare, das war nicht immer so: Anfang der 20. Jahrhunderts wäre die Art beinahe durch gnadenlos Verfolgung ausgerottet worden. Dank verschiedener Schutzbemühungen und eines langsamen Kulturwandels konnten sich einige Bestände zu Beginn der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wieder erholen. Die nächste Zäsur kam ab dem massiven Einsatz des Insektizides DDT: An der Spitze der Nahrungskette haben sich solche Gifte im Seeadler und anderen Prädatoren angesammelt und die Eier brüchig und dünnschalig werden lassen. Spitzenprädatoren erfüllen damit auch für uns Menschen eine wichtige Zeigerfunktion; der Seeadlerbestand indes brach abermals fast komplett zusammen. Nach dem Verbot von DDT, vielen Schutzanstrengungen, Auswilderungs- und Wiederansiedlungsprojekten hat sich der Bestand seit den 90ern deutlich und stark erholt.
Eine Bedrohung ist teilweise noch die Jagd mit bleihaltiger Munition; der zurückgelassene Aufbruch der Jäger (Innereien etc) reichern sich mit dem Blei aus der Munition an und führen zu qualvollen und tödlichen Vergiftungen bei Seeadlern. Aktuell ist die Nutzung von Bleimunition in Feuchtgebieten verboten, in DE in einigen Bundesländern ganz. Komplette Verboten werden noch diskutiert. Weitere Bedrohungen sind illegale Nutzung von Bleimunition, Wilderei, Straßenverkehr, unbeabsichtigte Vergiftung durch Rodentizide etc, Windkraftanlagen, Stromleitung (Kurzschluss & Kollision). Trotz allem bleibt der Bestandstrend positiv.
Ende Mai gab es an einer der umgebenden Lacken des Neusiedler Sees eine große Menge an Schmetterlingen zu bestaunen. Groß war die dabei nicht nur die Menge der Arten, sondern auch Individuen: Auf kilometerweiten Magerrasen fanden sich bereits direkt am Wegrand teils bis zu 6 Bläulinge an einer Pflanze, irgendwann kann man nur noch grob schätzen und kommt problemlos auf 3-stellige Zahlen. Das sind Beobachtungen, die in Deutschland nur noch relikthaft möglich sind, aber kommen wir nun zu einigen Arten:
1. Schon etwas abgeflogen, aber noch deutlich zu erkennen, ist dieser Ampferspanner (Timandra comae). Die Art ist häufig und weit verbreitet und kann je nach Bedingungen von April bis Oktober beobachtet werden. Namensgebende Arten aus der Gattung von Ampfer (Rumex spec.) sind tatsächlich wichtige Nahrungspflanzen, aber auch Knöterichgewächse (Polygonum spec.).
2. Markant für diese Gattung (Plebejus spec. bzw. Silberfleck-Bläulinge) die metallisch, silbrig-blau schimmernden Flecken auf den hinteren Dots der Vorderflügel. Hier handelt es sich um den weit verbreiteten Argus-Bläuling (Plebejus argus). Die ersten beiden Fotos zeigen jeweils das bestimmungsrelevante Männchen, die anderen beiden Weibchen. Aus der schwierigen 3er-Gruppe der hier vorkommenden Plebejus-Arten P. argus/argyrognomon/idas, ist P. argus am einfachsten zu bestimmen: Die Männchen zeigen oberseitig einen deutlich dicken, dunklen Flügelrand und die vorderen Tibia sind bedornt. Man findet ihn in verschiedenen Offenland-Lebensräumen von Heiden, Trockenrasen bis zu Mooren.
3. Dieser unscheinbare Vertreter der Nachtfalter bzw. Spanner (Geometridae) ist der Braungestreifte Kleinspanner (Scopula virgulata). Für uns ein sehr toller Fund, da die Art in Deutschland selten geworden ist und teils eher südlich vorkommt, sodass wir sie bei systematischen Erfassungen am Licht wohl eher nicht (mehr) vorfinden werden. Der Spanner mag eher trocken-warme Standorte wie Magerrasen.
4. Immer schön anzusehen ist der Distelfalter (Vanessa cardui), hier am ebenso schönen, bestandsbildenden Hain-Salbei zur Nektaraufnahme. Der Distelfalter fliegt jährlich in 4 Generationen aus dem Mittelmeerraum, teils aus Nordafrika, bis zu uns nach Mitteleuropa, um dann später im Herbst wieder zurückzufliegen. Über zersiedelte Landschaften, Berge, Seen und teils sogar das Mittelmeer – Unglaubliche Leistung!
5. Einer der wenigen Falter, die auch hierzulande noch in hoher Abundanz (Individuenzahl) auftreten, ist das Große Ochsenauge (Maniola jurtina), was sich in der Zeichnung und Anlage der Augenfleck variabel zeigt.
6. Ebenfalls überall verbreitet und überall häufig ist der Kulturfolger Kleiner Kohlweißling (Pieris rapae). Zu sehen ist er hier an zwei wunderbaren Beispielen für schöne Falter-Pflanzen: Hain-Salbei und Wiesen-Witwenblume.
7. Immer wieder herrlich sind die abnormal lang gestalteten Fühler von Arten aus der Familie der Langhornmotten (Adelidae). Die Art, die wir hier auf dem Fruchtstand einer Wiesen-Witwenblume sehen, ist Nematopogon adansoniella mit dem eher wenig etablierten Trivialnamen Laubholz-Langhornmotte. Die Raupen entwickeln sich an verschiedenen Laubgewächsen wie Rotbuche, Stiel-Eiche, Schlehe usw.
8. Dieses kleine hübsche Kerlchen ist der Ödlandzünsler (Sitochroa verticalis). Er besiedelt verschieden Offenlandlebensräume und seine Raupen fressen u.a. an Weiden-Alant, Skabiosen-Flockenblume, Beifuß-Arten, Acker-Kratzdistel und weiteren. Angaben über die Brennnessel als Nahrungspflanze sind in Zweifel zu ziehen und beruhen wohl eher auf der Verwechslung mit dem Blassen Nesselzünsler.
9. Na, wer hat’s erkannt? So schaut „unser Kolibri“ aus, wenn er ruht. Die Rede ist natürlich von dem zur Familie der Schwärmer gehörenden Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum). Da das Taubenschwänzchen bei seinen Wanderungen von Südeuropa nach Mitteleuropa auf der Nektarsuche auch viele Gärten besucht, eignet es sich als gutes Beispiel dafür, wie zwei Beobachter mit ihren Augen vollkommen verschiedene Dinge wahrnehmen können:
Viele sind begeistert, wenn die Art an ihren groß gezüchteten Zuchtpflanzen wie Pelargonien (=Geranien) unterwegs ist und freuen sich über den vermeintlichen Nektarbesuch. Was man sieht, muss man aber auch interpretieren, einordnen und verstehen: Solche Pflanzen produzieren gar keinen oder kaum Nektar; was man also beobachtet ist, wie sich ein hungriges Insekten mit hoher Stoffwechselrate zu Tode fliegt und auf der Suche nach Nektar keinen findet. Deswegen sind auch Ansammlungen von bspw. toten Hummeln ein menschengemachtes Neuzeit-Phänomen.
Für seinen Nachwuchs braucht die Art dagegen so wie die meisten Schmetterlinge krautige Pflanzen, in dem Fall Labkräuter wie das Wiesen-Labkraut.
10. Der Wegerich-Scheckenfalter (Melitaea cinxia) gehört zum Tribus der Scheckenfalter und ist wie alle seine Verwandten mittlerweile selten und in geringer Zahl anzutreffen, wobei er eher noch zu den häufigeren Arten zählt – Das ist aber eher relativ gemeint. Die Art besiedelt magere und wärmebegünstigte Trockenrasen mit Vorkommen von Wegerich-Arten oder Großem Ehrenpreis. Die Art ist also von Eutrophierung, Lebensraumverlust und falscher Habitatpflege (Sukzession, Intensivmahd, Intensivbeweidung) betroffen.
Von der Bestimmung her gehört der Wegerich-Scheckenfalter zu den einfachen Arten; die wichtigsten Merkmale sind unterseitig zu sehen und in diesem Fall bspw. die schwarzen Punkte in den orangen Kästchen der Postdiskalbinde.
Ende Mai gab es an der Langen Lacke des Neusiedler Sees Unmengen von Beilfleck-Widderchen (Zygaena loti) zu sehen. Die Art fliegt auch hier in Thüringen, bevorzugt auf kalkreichen Trockenrasen und die Raupen entwickeln sich an Hufeisenklee, Bunter Kronwicke und Gewöhnlichem Hornklee. Der namensgebende beilförmige Fleck zeigt sich meist Richtung Vorderflügelrand, also am Apex und kann mal mehr oder weniger stark verwaschen oder deutlich sein. Vorsicht ist bei dem extrem variablen Sechsfleck-Widderchen geboten: besonders verwaschen gezeichnete Individuen erinnern dann mitunter an das Beilfleck-Widderchen. Wichtig bei der Bestimmung sind u.a. die sehr hellen Beine der Art.
Auf den Fotos sieht man zweierlei: Zum einen, die Nektaraufnahme auf der bei Faltern und besonders auch Widderchen beliebten Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis) – Generell fliegen Falter besonders gern auf lila Blüten. Zum anderen sieht man hier Männchen und Weibchen bei der Paarung, wobei sich die Weibchen durch hellere Vorderflügel und zwei helle Halskrausen vom Männchen unterscheiden.
Wenn die Flugzeit bei vielen Bienen schon wieder durch ist, fängt die Efeu-Seidenbiene (Colletes hederae) gerade einmal an. Kein Wunder, der namensgebende Efeu ist ihre wichtigste Nektarquelle und wird auch zur Aufzucht der Larven benötigt und dieser fängt erst zu dieser Zeit zu blühen an. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Efeu-Seidenbiene als eigene Art beschrieben wurde: Erst in den frühen 90ern hat man sie von der sehr ähnlich aussehenden Heidekraut-Seidenbiene (Colletes succinctus) getrennt, da die Spezialisierung auf so unterschiedliche Pflanzen wie Besenheide und Efeu, die in vollkommen verschiedenen Biotop-Typen vorkommen, doch zunehmend merkwürdig erschien – Folgeuntersuchungen bestätigten die Eigenständigkeit der Arten.
Dank deren Bestäubung und auch der von vielen Schwebfliegen usw. kann der dann befruchtete Efeu im Winter seine Beeren bilden – Eine Nahrungsquelle für über 60 Vogelarten und das zu einer Zeit, wo sie Nahrung dringend nötig haben, da diese nicht so leicht verfügbar ist.
Am Tage sind sie zu sehen, aber nicht zu hören und ab dem Abend sind sie in der Dunkelheit nicht mehr zu sehen, aber umso deutlicher zu hören: Ästlinge der Waldohreule! Das in hohen Tönen vorgetragene Bettel-Fiepen, was man lautmalerisch als „jihüüüü“ umschreiben könnte, ist dann ausdauernd oft die ganze Nacht hindurch zu hören.
Mit dem Begriff des Nestlings können viele Menschen etwas anfangen, aber was ist ein Ästling? Der Ausdruck beschreibt das Entwicklungsstadium von Nesthockern, nachdem sie das Nest – je nach Art Nest, Horst, Höhle – verlassen haben, aber noch nicht selbstständig sind und von den Eltern weiterhin betreut und gefüttert werden. Der Name rührt daher, da sie nun auf den Ästen in Nähe des Brutplatzes unterwegs sind und mal mehr, mal weniger unbeholfen Fähigkeiten wie Koordination, Balance etc. trainieren. Es passiert nicht selten, dass sie dabei – gut gepolstert und zumeist unbeschadet – auf dem Boden plumpsen. Mit aller Deutlichkeit soll an dieser Stelle erwähnt werden, dass Eulenkinder auf dem Boden NICHT hilflos sind und keiner menschlichen Hilfe bedürfen. Ausnahmen gelten nur für Bereiche in Siedlungen, wo durch den Menschen herausgelassene Hauskatzen eine ernsthafte und unnatürliche Gefahr (anthropogene) für die Jungeulen darstellen. Gut gemeintes, aber falsches Engagement bringt viele Eulenkinder überhaupt erst in Bedrängnis und Vogelauffangstationen unnötig an Kapazitätsgrenzen. Mittels Schnabel und Krallen schaffen sie es an der Borke, selbst vollkommen senkrechter Baumstämme, emporzuklettern.
Die Waldohreule findet man entgegen des Namens nicht tief im Wald; sie mag es eher halboffen und besiedelt Waldränder, Lichtungen, Parkanlagen, Friedhöfe, Gehölze im Siedlungsbereich und strukturierte Gärten. Zum Brüten ist die Art explizit auf das Vorhandensein von ironischerweise eines ihrer ärgsten Feinde angewiesen: Rabenkrähen. Deren verlassene Nester braucht sie nämlich zum Brüten. Das zeigt wieder einmal mehr, dass einseitige Betrachtungen in der Natur – und damit Ökosystemen – nicht funktionieren. Leider gibt es unter Greif- und Eulenfreunden trotzdem gar nicht mal wenige regelrechte Krähenhasser.