Die braune Grauammer, wie immer mit weit aufgesperrtem Schnabel

Wenn es nach mir ginge, hätte man die Grauammer auch Braunammer nennen können Wie auch ihre Verwandten aus der Familie der Ammern, reißen die Männchen beim Singen schlangengleich den Schnabel weit auf und beschallen so ihr Revier.

Von den europäischen Ammern ist die Grauammer mit 18cm Körperlänge und einer Flügelspannweite von 26-32cm deutlich die größte Ammer, was sich auch am Gewicht von ungefähr 32-62g niederschlägt.

Theoretisch könnte die Grauammer bei uns als Bewohner warmer und offener Steppenlandschaften sowie vergleichbarer Biotope vom Klimawandel profitieren. Die Rechnung sollte man aber nicht ohne biologische und ökologische Faktoren machen, wie sie in der Vergangenheit von Klimaforschern angestellt wurden und teilweise immer noch werden und man damit Lichtjahre entfernt von der Realität gelandet ist. So ist es so, dass die Grauammer in Deutschland seit 60ern kontinuierlich sogar abnimmt!

Nahrungsverfügbarkeit (Insekten und Samen von Wildpflanzen), Brutmöglichkeiten (als Bodenbrüter von der Bewirtschaftung gefährdet), Prädationsdruck (generalistische Kulturfolger wie Fuchs oder zusätzliche neue Prädatoren wie Waschbären, Hauskatze und Mink) oder Habitatrequisiten (Ansitzwarten, schützende Strukturen, heimische Pflanzen als Grundlage für die Insektenentwicklung, Sträucher in deren Nähe sie am Boden brütet etc.) sind noch viel wichtigere Faktoren.

Auf die erste große Reise

Auf die erste große Reise macht sich dieser juvenile, diesjährige Schwarzstorch Ende September in Richtung seiner Überwinterungsgebiete im tropischen Nord-, West- und Ostafrika auf. Einzelne Individuen überwintern in Südeuropa, es bleibt spannend zu verfolgen wie sich das in Zukunft mit dem Klimawandel entwickeln wird und ob es zu ähnlichen Verhaltensänderungen wie bspw. beim Weißstorch kommt.

Junge Schwarzstörche kann man gut von den adulten unterscheiden: Ihre Schnäbel sind im Gegensatz zu diesen nicht leuchtend rot, sondern blass beige – das selbe trifft auch auf die Beine zu. Auch der typische metallisch-perlglanzartige bzw. ölfilm-artige Schimmer des Gefieders fehlt den Jungvögeln, sie wirken matt schwarz.

Hübscher Exot

Wenn sich ein nasal klingendes Stöhnen nähert, welches schon arg wehleidig klingt, könnte sich gerade eine Rostgans im Flug nähern – so wie hier Ende September in einem weitläufigen Teich- und Feuchtgebiet. Der hübsche Wasservogel ist mit einer Körperlänge von 58-70cm für einen Vogel, der „Gans“ im Namen trägt recht klein: Die Graugans bspw. erreicht eine Größe von 75-85cm. Allerdings gehört die Rostgans auch nicht zur Unterfamilie der Echten Gänse, sondern zu den Halbgänsen. Dort steht sie in Verwandtschaft mit der u.a. der Brandgans und der Nilgans.

Mit der Nilgans teilt sie noch eine weitere Gemeinsamkeit: Beide gehören zu den Neozoen, also Arten, die durch den Menschen hier eingebürgert wurden. Als Gefangenschaftsflüchtling von Parkanlagen aus, haben sich in Mitteleuropa verwilderte Brutpopulationen entwickelt. Ihr eigentliches Vorkommensgebiet liegt in den Steppen Zentralasiens und Nordafrika. Sie steht (noch) nicht auf der Unionsliste invasiver Arten der EU, wird jedoch vom BfN als potenziell invasiv geführt und das mit gutem Grund: Als Höhlenbrüter stehen sie in interspezifischer Konkurrenz um die heutzutage hart umkämpfe Ressource „große Baumhöhle/Nische“ und es wurde bereits nachgewiesen, dass die durchsetzungsstarke Rostgans Schleiereulen und Turmfalken aus Nistkästen und anderen Brutplätzen vertrieben hat.

Grrrrus Grrrrus

Trompetend kündigen sie sich Ende September mehrmals vor dem Überflug an und diese Rufe haben ihnen auch ihren wissenschaftlichen Namen Grus grus eingebracht: Ein Paar Kraniche.

Die Art brütet von April bis August in Feuchtgebieten, Mooren, Moor- und feuchten Bruchwäldern oder Feuchtgebieten wie Sümpfen und weitläufigen Teich- und Schwemmflächen. Das Wasser im Habitat dient vor allem dem Schutz des Geleges, welches aus i.d.R. 2 Eiern besteht. Dazu wird auf kleinen Inseln oder Erhebungen auf dem Wasser ein Nest, bestehend aus einem Haufen Pflanzenmaterial, angelegt. Das umgebende Wasser schützt die Brut vor Prädation dann ähnlich wie ein Burggraben.

Bevor es überhaupt zur Brut kommt, braucht es eine Balz, die im zeitigen Frühjahr meist in Trupps stattfindet. Bekannt und schön anzusehen sind die Balztänze, die an freudige Hüpfer erinnern und bei einem 1,2m großen und 5-7Kg schweren Vogel schon wie aus der Reihe gefallen wirken.

Spurensicherung an der Birke

Die vorgefunden Spuren reichten als Beweise, um den Täter zu überführen: Es ist der Große Birken-Glasflügler (Synanthedon scoliaeformis) – aber erst einmal von Vorne.

Es gibt Schmetterlinge, die lassen sich recht schwierig nachweisen und beobachten, bspw. alle Vertreter der Familie der Glasflügler (Sesiidae). Den Namen tagen sie aufgrund der unbeschuppten Flügel, was sie transparent erscheinen lässt – Dazu kommt die Mimikry als vermeintlich wehrhafte Wespe. Dabei handelt es sich einfach nur um harmlose, sehr kleine Schmetterlinge. Zufallsbeobachtungen sind generell recht selten; systematisch kartiert wird mittels verschiedener Pheromone. Ein anderer Weg bzw. eine Ergänzung ist die Suche nach Eiern oder Spuren der Raupen wie hier an den Hänge-Birken. (Betula pendula).

Die knapp 40 in Deutschland vorkommenden Arten sind hochspezialisierte, ähnlich wie z.B. die Blütenspanner aus der Familie der Spanner (Geometridae). Das ist eine der Grundvoraussetzung für diese Art von Nachweismethode, die andere ist die Tatsache, dass die Raupen sich nicht von Blättern, sondern Holz ernähren. Sie fressen sich in Äste oder Stämme und ernähren sich innen vom Holz – verschließen das Schlupfloch aber wieder mit einem Deckel. Die magere Kost führt zu einer langsameren Entwicklung als bei anderen Faltern, aber früher oder später entwickelt sich die Raupe, verpuppt sich und möchte als Falter hinaus. Dazu öffnet sie ihren zuvor selbst erstellten Deckel vom Fraßloch, schlüpft hinaus und genau das sehen wir auf den Fotos – die Schlupflöcher.

Man findet damit sozusagen den Reproduktionsnachweis vom letzten Schlupf; je nach Zustand der Löcher kann man abschätzen, ob das in der vorherigen Saison passiert oder schon länger zurückliegt. Nicht nur durch die Verwitterung, sondern auch durch das Längenwachstum von Gehölzen, ziehen sich über die Jahre auch die Schlupflöcher in die Länge. Also gilt: je näher die Form des Schlupflochs einem perfekt runden Kreis ähnelt, desto aktueller der Nachweis.