Nachtfalter auf der Veranda in Ungarn – Teil 1

Beim Neusiedlersee-Urlaub auf der ungarischen Seite im Mai ’24 war das Terrassenlicht am Abend nicht nur beim Abendessen hilfreich, sondern auch um einige Nachtfalter anzulocken, zu fotografieren und zu bestimmen. Neben bekannten Arten und Arten, die man eher gerade noch so im südlichen Deutschland findet, waren auch Arten dabei, die ich in Thüringen eher nicht antreffen werde.

1) Der Rotbandspanner (Rhodostrophia vibicaria) ähnelt dem häufigen Ampferspanner vor allem in Farbgebung, Erscheinungsbild und Bänderung, weist aber nicht die typischen spitz gezackten Hinterflügel auf.

2) Dieser hübsch gezeichnete Zünsler, Cynaeda pustulalis – ohne Deutschen Trivialnamen, kommt nur in Süd- bzw. Südosteuropa vor. Die Art mag warme, steppenartige und oft sandige Offenlandschaften, auf denen Arten der Gattung Ochsenzunge (Anchusa spec.) vorkommen, an denen die Raupen fressen.

3) Das Weißgraue Flechtenbärchen (Eilema caniola) ist auch in Deutschland wohlbekannt. Die Raupen der Flechtenbärchen-Arten (Eilema spec.) haben tatsächlich diese besondere Nahrungsvorliebe: Flechten!

4) Noch ein wunderschönes Zünsler ist der Heuzünsler (Hypsopygia costalis). Das Heu im Namen rührt daher, da die Raupen der Art getrocknete Pflanzenteile fressen.

5) Die Lichtnelkeneule (Hadena bicruris) ist auf Nelkengewächse spezialisiert; dabei ist die Familie der Nelkengewächse gemeint. Die Raupen fressen also nicht nur an bspw. Karthäuser-Nelke, sondern auch an Arten der Gattung Silene spec. wie dem Seifenkraut.
Vor einigen Jahren hat man die Art in 2 Arten aufgesplittet, wie es neuerdings oft bei den Schmetterlingen passiert – dies ist allerdings unter Wissenschaftlern umstritten und es gibt deutliche Hinweise (DNA Barcoding & morphologische Hybride der 2 Formen), dass es nun doch keine eigenständigen Taxone sind. Daher bleibt die Bestimmung auch bei Hadena bicruris.

6) Noch ein Falter mit Liguster im Namen: Ligusterwickler (Clepsis consimilana). Das Foto zeigt ein stark abgeflogenes Männchen; die Art weist einen Geschlechtsdimorphismus auf, denn die Weibchen zeigen nicht die dunklen Bänder, sondern eine netzartige Oberflächenmusterung. Liguster scheint tatsächlich die wichtigste Nahrungspflanze zu sein, die Raupen scheinen es dabei wohl vor allem auf getrocknete Blätter abgesehen zu haben.

7) Richtig schön gezeichnet hat sich das weit verbreitete Eichen-Wicklereulchen (Nycteola revayana) gezeigt. Die Art kommt überall dort vor, wo es Eichen gibt, an denen die Raupen fressen können.

8 ) Ein ganz toller Fund war der Rohrbohrer (Phragmataecia castaneae): hier hatten wir Glück, dass sich unser Ferienhaus gar nicht weit weg vom Neusiedler See und dem Schilfgürtel befunden hat; der Name kommt nicht von ungefähr, den die Art lebt ausschließlich am bzw. vom Schilf.

9) Schon einige Flugmeilen hat offensichtlich die Steppenheiden-Spannereule (Polypogon plumigeralis) gesehen. In Deutschland ist die Art selten und auf den Südwesten beschränkt; ihr Verbreitungsgebiet reicht aber sehr weit von Nordwestafrika über Mitteleuropa bis nach Zentralasien. Der Trivialname passt, denn die Steppenheiden-Spannereule mag Ödländereien und Steppen.

10) Die Fotos zeigen alle die gleiche Art, die auch in Deutschland – wenn auch nicht häufig – verbreitet ist. Es ist das Vierpunkt-Flechtenbärchen (Lithosia quadra). Das namensgebende Merkmal zeigt allerdings nur das Weibchen, wobei alle 4 Punkte nur bei geöffneten Flügeln zu sehen sind, in typischer Ruhehaltung wird ein Punkt stets verdeckt. Das Männchen sieht dagegen vollkommen anders aus und zeigt auf den Vorderflügeloberseiten eine silbrige Grundfärbung mit orangen Ansätzen, während die Spitzen ins Dunkelgrau übergehen.

11) Das Weißliche Graueulchen (Meganola albula) kommt auch in Deutschland vor, für uns war dies aber der Erstfund. Die Art lebt recht versteckt und kommt zwar weit verbreitet, aber nicht in hoher Dichte vor. Es gibt noch viele weitere Trivialnamen für diesen Eulenfalter, einige davon tragen „Brombeere“ im Titel. Diese ist tatsächlich eine wichtige Futterpflanze für due Raupen, jedoch nicht die einzige. Es werden auch Blätter von Heidelbeeren, Erdbeeren und anderer Gewächse gefressen.

Interessante Möwenbeobachtungen im Winter

Gerade zur Zugzeit, aber auch aktuell im Winterhalbjahr, lassen sich einige interessante Möwenbeobachtungen von Arten anstellen, die hier eher als Ausnahme denn als Regel brüten. Vor allem junge Möwen erreichen bei ihren Dispersionsbewegungen auch Gegenden, die abseits der konzentrierten Brutgebiete liegen. Evolutionär gesehen macht so ein, mitunter nicht ganz risikoloses Verhalten, absolut Sinn: Nur so können Arten ihr Verbreitungsgebiet erweitern oder dynamisch auf sich verändernde Umweltbedingungen reagieren und solche „Pioniere“ u.U. eine neue Population begründen.

Aktuell von Ende November zeige ich heute 2 Großmöwenarten, die (neben unzähligen anderen Arten) an einem großen Binnensee bei Leipzig zu sehen waren:

Sehr ähnlich mit der nah verwandten Silbermöwe, zeigte sich hier Mittelmeermöwe im 1. Winter bzw. 1. Gefiederzyklus. Auffallend bei juvenilen Individuen ist die mal mehr oder weniger stark ausgeprägte Augenmaske, die stärker mit dem weißlichen Kopfgefieder kontrastiert als das bei der Silber- oder Heringsmöwe der Fall ist; die inneren Handschwingen bilden kein deutliches helles Fenster und der Schnabel ist von der Basis bis zur Spitze gänzlich schwarz.

Bei der Gruppe unserer Großmöwen sticht die Steppenmöwe im Vergleich zu Silber-, Mittelmeer- und Heringsmöwe besonders hervor: Der parallelgerade, dünne Schnabel, die schmaleren Flügel, eine deutlich flache und lange Stirn, weit oben sitzende Augen und ein im juvenilen Gefieder besonders helles, wenig schmutziges Erscheinungsbild. Kopf, Hals und Bauch sind i.d.R. deutlich weißer als die Juvenilgefieder der anderen Larus-Möwen. Auch unterseitig fallen hellere Unterdecken sowie weiße Achseln auf.

Das fotografierte Individuum befindet sich in seinem 2. Winter, oberseitig waren Teile des Rückens und der Armdecken bereits mit den adulten grauen Federn besetzt. Man sieht auch bereits eine fortgeschrittene Gelbfärbung des Schnabels, welcher im 1. Kalenderjahr größtenteils schwarz ist. Steppenmöwen kann man im Winterhalbjahr mittlerweile sehr häufig bei uns beobachten.

Amphibischer Wildwechsel

Bei der aktuellen Gefährdungs- und Bestandssituation der mitteleuropäischen Amphibien, ist ja beinahe jede Art an sich schon ein toller Fund. Nichtsdestotrotz gibt es besonders schöne und rare Sichtungen, wie hier Ende Mai die junge Wechselkröte (Bufotes viridis), welche den Weg queren wollte (und dabei unterstützt wurde).

Damit die Wechselkröte nicht zur Verwechselkröte wird, schauen wir uns die Art und ihre Bestimmungsmerkmale mal genauer an:

Sehr markant ist der helle Grund mit dunklen, meist grünlichen Flecken. Die Pupillen sind im Gegensatz zu Geburtshelfer- oder Knoblauchkröte rund. Sehr oft sind die Warzen der Wechselkröte orange bis rötlich gefärbt. Am ehesten besteht damit Verwechslungsgefahr mit der Kreuzkröte, mit der es auch Überschneidungen beim Biotop gibt: So mögen beide eher offene, warme Stellen wie Ruderalflächen und Tagebaue mit lockerem Bodensubstrat. Die Kreuzkröte zeigt allerdings auch im jungen Alter ihren namensgebenden Strich, der längs über den Rücken (umgangssprachlich Kreuz) verläuft. Somit ist klar, dass hier eine noch recht junge Wechselkröte herumgehüpft ist.

Stelzenläufer im Flug

Im Umfeld des Neusiedler Sees und seiner vielen Lacken ist der Anblick von dort brütenden Stelzenläufern nichts ungewöhnliches. So konnte ich Ende Mai viele Individuen mit der Kamera einfangen.

In Deutschland zeigt der Stelzenläufer als recht neuer Brutvogel eine steigende Tendenz, wenn auch auf niedrigem Niveau: So ging man im Zeitraum von 2011-2016 von 3-7 Brutpaaren aus, mit der Auswertung aus dem Zeitraum von 2017-2022 sind wir bei 12-25 Brutpaaren angelangt.

Mit einer Flügelspannweite von 70cm und einer Körperlänge von 33-36cm ist der Stelzenläufer gar nicht einmal so groß, vor allem, wenn man bedenkt, dass allein 6cm davon vom Schnabel eingenommen werden. Beim gestreckten Körper im Flug, kann man noch 14-17cm durch die überragenden Beine dazurechnen.

Die Raupe der Schafgarben-Silbereule

Bei einer schönen Tour in der überraschend warmen Novembersonne heute haben sich nicht nur Gemeine und Große Heidelibellen und noch hier verbleibende Zugvögel gezeigt sowie außergewöhnlich spät blühende Pflanzen, sondern auch eine besondere Raupe, an der ich glatt vorbeigelaufen wäre, wenn meine Begleitung sie nicht entdeckt hätte: Es ist die ausgewachsene Raupe der Schafgarben-Silbereule (Macdunnoughia confusa).

Das Besondere an dieser Art ist, dass sie in Deutschland einst nur ein von Süden einfliegender Wanderfalter war, dessen Raupen den Winter nicht überstanden haben. Mittlerweile gibt es viele bodenständigen Populationen in Deutschland, besonders in tieferen und milderen Lagen, in denen die überwinternden Raupen die klimawandelbedingten wärmeren Winter überstehen – Damit kann die überwinternde Generation im folgenden Frühjahr den Reproduktionszyklus von Neuem beginnen. In jedem Fall fliegen aber weiterhin Imagines aus dem Süden ein und verstärken damit die hiesigen Populationen. In Thüringen wird die Art bislang noch nicht sehr oft gemeldet.

Die Raupen ernähren sich nicht nur von der namensgebenden Schafgarbe, sondern auch von anderen Ruderal- und Krautpflanzen wie Feld-Beifuß, Purpurroter Taubnessel oder verschiedenen Korbblütlern wie dem Fuchsschem Greiskraut.

Fliegender und schwimmender Löffel

Zur Brutzeit und im Brutgebiet im weiten Gebiet des Neusiedler Sees Ende Mai entstanden die Fotos von einem Löffelenten-Erpel im Prachtkleid. In den Daten zur Bestandssituation der Vögel in Deutschland (vom DDA) war die Löffelente im Zeitraum 2011-2016 mit gerade einmal 2.400-2.800 Brutpaaren angegeben. In der aktualisierten Ausgabe, welche den Zeitraum von 2017-2022 widerspiegelt, sind davon nur noch 1.500-1.800 Brutpaare übrig – Tendenz negativ. Immerhin ist die Löffelente auf der Nordhalbkugel weltweit in einem breiten Gürtel von Europa, über Asien bis Nordamerika verbreitet. Den Gesamtbestand schätzt man dabei auf 5,5-6Mio Individuen ein.

Wie bei anderen Gründelenten auch, gehen die Paare zur Zeit der Jungenaufzucht auseinander, die Erpel suchen ruhige Mausergewässer auf und ab Herbst geht es bereits mit der Balz los, sodass die Verpaarung im Winter abgeschlossen ist. Im Gegensatz zu anderen Enten allerdings, sind die Erpel der Löffelente nicht gerade auffallend ruffreudig.

Brandgans Küken

Im heutigen Fotobeitrag von Ende Mai gibt es zwar keine detaillierte Nahaufnahme, dafür einen besonderen und besonders schönen Anblick: Brandgans Küken, die man in diesem Stadium mit Dunenkleid in der Gruppe auch als pulli bzw. einzeln als pullus, bezeichnen kann.

Das Gelege der meist in Bodenhöhlen brütenden Brandgans besteht aus 8-10 Eiern und die Höhlen werden nicht selbst angelegt; die Brandgans ist Nachnutzer von bspw. Kaninchen- oder Fuchsbauten. Eine ähnliche Funktion können mitunter auch Nischen und Plätze unter alten Gebäuden oder Nischen zwischen Felsen erfüllen als auch dichte Dornenbüsche oder zur Not auch weiter oben liegende Baumhöhlen.

Je nach Zeitpunkt bzw. Timing der Brut kann es vorkommen, dass die Eltern ihre noch nicht selbstständigen Küken für den Mauserzug verlassen, um in sicheren Gewässern eine Vollmauser zu vollführen. Die Küken, die erst um die 50. Lebenstag herum selbstständig werden, finden dann zu sogenannten Kindergärten zusammen, in denen sie von noch nicht abgezogenen Altvögeln betreut werden. Das Phänomen des Kindergartens gibt es auch bei einigen anderen Wasservogelarten.

Zeit für die Ohrenpuschel

Als zu Beginn der 3. Julidekade diese Fotos entstanden, hatten die meisten Eichhörnchen dort auf der parkähnlichen Friedhofsanlage noch ihre Sommermode getragen: Die Ohren ohne wuscheligen Puschel, wie man sie dann im Winter sehen kann. Bei einigen Individuen war aber schon zu erkennen, dass es so langsam losgeht. I.d.R. ab dem frühen Herbst wechseln Eichhörnchen in ein längeres und dichteres Winterfell und dazu gehört auch, dass ihre exponierten Ohren den nett anzusehenden Puschel bekommen.

Bei meinen letzten Touren im September und Oktober konnte ich in Wäldern oft beobachten wie die quirligen Eichhörnchen noch fleißig Vorräte für den Winter angelegt haben. Das ist wichtig, da Eichhörnchen ja keinen Winterschlaf halten, sondern nur eine Winterruhe – daher brauchen sie auch das dichtere Winterfell.

Die Schafstelzen-Eltern beim Einkauf für die Kleinen

Mit voll beladenem Schnabel haben sich sowohl Männchen als auch Weibchen der Wiesenschafstelze Ende Mai gezeigt. Das Männchen zeichnet sich durch ein kräftiger gelb gefärbtes Gefieder aus; auch im Brust-Hals-Bereich, wo das Weibchen eher farblos ist.

Das Gelege ist ein Grasnapf, der sich am Boden befindet und 5-6 Eier beherbergt. Gebrütet wird in den meisten Fällen einmal im Jahr, in Ausnahmen auch zweimal. Die wichtigste Nahrung stellen Insekten, die sie am Boden oder bei Flugsprüngen erbeutet, daher muss die Schafstelze im Winterhalbjahr auch Mitteleuropa verlassen. Ansonsten werden auch seltener andere Kleintiere wie Spinnen und Würmer erbeutet.

Feldlerche auf Rosenstrauch

Auf einer Wildrose saß diese adulte Feldlerche Ende Mai und zeigt uns dabei schön ihre Haube. Zu dieser Zeit sind die Männchen nicht nur viel, sondern auch sehr ausdauernd am Singen und das auch noch während des Fluges! Dabei zählt Fliegen zu den energieintensivsten Fortbewegungsarten, da dabei permanent gegen die Schwerkraft angekämpft werden muss. Umso erstaunlicher, dass es bei singenden Feldlerchen stets so klingt als würden sie 1-2 Minuten überhaupt keine Luft holen und Pause machen.

Das Geheimnis ist nicht nur eine Besonderheit der Feldlerche, sondern aller Vögel. Ihr Atmungssystem zeichnet sich durch ein System aus mehreren Luftsäcken aus. Dadurch gibt es einen permanenten Luftstrom beim Vogel, sowohl beim Aus- als auch Einatmen und die Feldlerche kann so auch beim Einatmen Weitersingen.