Gerade zur Zugzeit, aber auch aktuell im Winterhalbjahr, lassen sich einige interessante Möwenbeobachtungen von Arten anstellen, die hier eher als Ausnahme denn als Regel brüten. Vor allem junge Möwen erreichen bei ihren Dispersionsbewegungen auch Gegenden, die abseits der konzentrierten Brutgebiete liegen. Evolutionär gesehen macht so ein, mitunter nicht ganz risikoloses Verhalten, absolut Sinn: Nur so können Arten ihr Verbreitungsgebiet erweitern oder dynamisch auf sich verändernde Umweltbedingungen reagieren und solche „Pioniere“ u.U. eine neue Population begründen.
Aktuell von Ende November zeige ich heute 2 Großmöwenarten, die (neben unzähligen anderen Arten) an einem großen Binnensee bei Leipzig zu sehen waren:
Sehr ähnlich mit der nah verwandten Silbermöwe, zeigte sich hier Mittelmeermöwe im 1. Winter bzw. 1. Gefiederzyklus. Auffallend bei juvenilen Individuen ist die mal mehr oder weniger stark ausgeprägte Augenmaske, die stärker mit dem weißlichen Kopfgefieder kontrastiert als das bei der Silber- oder Heringsmöwe der Fall ist; die inneren Handschwingen bilden kein deutliches helles Fenster und der Schnabel ist von der Basis bis zur Spitze gänzlich schwarz.
Bei der Gruppe unserer Großmöwen sticht die Steppenmöwe im Vergleich zu Silber-, Mittelmeer- und Heringsmöwe besonders hervor: Der parallelgerade, dünne Schnabel, die schmaleren Flügel, eine deutlich flache und lange Stirn, weit oben sitzende Augen und ein im juvenilen Gefieder besonders helles, wenig schmutziges Erscheinungsbild. Kopf, Hals und Bauch sind i.d.R. deutlich weißer als die Juvenilgefieder der anderen Larus-Möwen. Auch unterseitig fallen hellere Unterdecken sowie weiße Achseln auf.
Das fotografierte Individuum befindet sich in seinem 2. Winter, oberseitig waren Teile des Rückens und der Armdecken bereits mit den adulten grauen Federn besetzt. Man sieht auch bereits eine fortgeschrittene Gelbfärbung des Schnabels, welcher im 1. Kalenderjahr größtenteils schwarz ist. Steppenmöwen kann man im Winterhalbjahr mittlerweile sehr häufig bei uns beobachten.