Wir suchen Sie, Stockente (m/w/d)

In Begleitung einer weiblichen Spießente sowie nominotypischen Stockenten, ist dieses Individuum gleich beim Einflug aufgefallen. Auf den ersten Blick könnte man an einen Erpel im Übergangskleid vom Schlicht- zum Prachtkleid denken – aber Ende Dezember? Ausgeschlossen. Zudem passt da so einiges andere gar nicht; weder einige Gefiederfarben noch der vollkommen frisch vermauserte Eindruck.

Diese morphologische Erscheinung wird oft als Hybrid fehlbestimmt und tatsächlich zeigt dieses Individuum frappierende Ähnlichkeit mit den Hybriden aus Stockente x Schnatterente. Allerdings passen zwei Merkmale, die man als K.O.-Kriterium bezeichnen könnte, gar nicht: Zum einen zeigen diese Hybriden einen grünen Spiegel, dieser ist eindeutig Stockentenblau. Zum anderen zeigen Hybride aus diesen beiden Entenarten niemals Erpellocken! Auch wenn die vorhanden Erpellocken nicht so gekräuselt sind wie typisch, sind sie deutlich zu sehen. Was also haben wir hier? Eigentlich das, worauf die Überschrift anspielt: eine Intersex-Stockente.

Eine Intersex-Stockente zeigt geschlechtsuntypische morphologische Merkmale, ausgelöst durch ein hormonelles Ungleichgewicht aufgrund Mutationen auf den Geschlechtschromosomen. Auch wenn Individuen mit dieser genetischen Disposition auf die Gesamtpopulation bezogen relativ selten sind, so sind sie definitiv häufiger als vielen Ornis bekannt ist, was dann zu den erwähnten Fehlbestimmungen führt. Vieles zu diesem Phänomen ist noch unerforscht, man geht davon aus, dass primär Weibchen betroffen sind, die dann männliche Merkmale zeigen.

Erklären lässt sich diese ungleiche Verteilung zwischen den Geschlechtern damit, dass es sich mit den Geschlechtschromosomen genau anders herum verhält als bei den Säugetieren wie bspw. uns Menschen. Männer tragen bekanntlich je ein X und Y-Chromosom, Frauen dagegen zwei X-Chromosomen. Männer sind deswegen anfälliger für Defekte, die sich auf das X-Chromosom beziehen, da sie sozusagen keinen Ersatz haben und weisen bspw. deutlich höhere Raten an Farbenblindheit auf als Frauen, bei denen das zweite X-Chromosom Defekte auf dem ersten kompensieren kann. Damit zurück zu den Enten: Wie gesagt, ist es bei den Enten anders herum: Erpel tragen zwei gleiche Geschlechtschromosomen (Z und Z), Weibchen zwei unterschiedliche (Z und W). Genetische Mutationen auf dem Z-Chromosomen können bei Weibchen also nicht durch einen zweiten Z-Chromosomensatz kompensiert werden.

Bei der Ente auf dem Foto spricht aber alles für den seltenen Fall, dass es ein Intersex-Erpel ist: Die gelbe Schnabelgrundfarbe zusammen mit den Erpellocken; also von den Geschlechtschromosomen her ein Männchen mit weiblichen Merkmalen.

Wer hat’s gewusst? Man muss nicht nach Afrika oder Südamerika schauen, auch vor der eigenen Haustür gibt es noch viel zu entdecken und auch wissenschaftlich zu erforschen.

Nachweihnachtliche Überraschung

Zwischen einigen Stockenten und einer Intersex-Stockente (dazu mehr im nächsten Beitrag), hat sich heute eine adulte, weibliche Spießente von ihrer besten Seite gezeigt. Eingerahmt von Thüringer Wald und Schiefergebirge mit wenig großen Wasserflächen, ist eine Spießente vor der Haustür schon eine Besonderheit hier.

Mit 15-25 Brutpaaren ist die Spießente kein typischer Deutscher Brutvogel, was hauptsächlich daran liegt, dass hier an die südwestliche Grenze ihres Brutareals liegt. Das Brutgebiet im Sommerhalbjahr erstreckt sich in einem weiten Band von Island über Kamtschatka und nach Nordamerika. Es muss zu früheren Zeiten, als noch nicht so viele Moore trocken gelegt wurden, auch hierzulande etwas größere Bestände gegeben haben. Was dagegen zugenommen hat, sind die Zug- und Rastbestände im Winterhalbjahr der ziehenden europäischen Population: Bis zu 30.000 Individuen sind dann – hauptsächlich an den Küsten – zu beobachten. Der Großteil überwintert jedoch südlicher wie im Mittelmeerraum.

Mäusebussard auf dem Kompost

Das klingt etwas merkwürdig, aber dieser junge, frisch flügge Mäusebussard war im Juli noch etwas unbeholfen und hat es sich erst einmal auf einem Kompost- bzw. Grünschnitthaufen einer parkähnlichen Friedhofsanlage bequem gemacht – sogar eine kleine Ansitzwarte gab es

Dass der zukünftige Mäuseschreck aber auch schon ein anmutiger Flieger ist, hat er dann auch noch gezeigt – siehe letztes Foto.

Woran erkennt man nun junge Mäusebussarde, außer dass sie etwas plump auf einem Komposthaufen herumturnen und wenig Scheu zeigen? Zum einen ist die Iris von jungen Mäusebussarden noch sehr hell, diese dunkelt ab dem 2. KJ nach. Altvögel zeigen dagegen eine ganz dunkle Iris. Dann zeigen sich Details im Federkleid, die man so auch von anderen jungen Greifvögeln wie Habicht, Wanderfalke usw. kennt: die typische schmale Querbänderung des Bauchgefieders, ist bei diesjährigen Mäusebussarden noch längs und besteht auch weniger aus Bändern als vielmehr aus lang gezogenen Tropfen bzw. Stricheln. Im Flug zeigt sich ein komplett unverschlissenes Federkleid mit besonders spitzen Handschwingen. Auch die Subterminalbinde am Schwanz ist bei Jungvögeln gänzlich fehlend oder nur schwach ausgeprägt.

Tendenziell ist das Jugendfederkleid auch etwas heller als das adulte Federkleid, vor allem im Bereich von Brust und Bauch, wo sich im adulten Stadium dann später Querbänder zeigen. Das heißt im Umkehrschluss aber natürlich nicht, dass alle hellen Morphen Jungvögel sind – siehe Merkmale oben.

Aufmerksam beim Einkauf für die Kids

Zur Brutzeit waren auf diesem parkähnlichen, großen Friedhof einige Singdrosseln emsig unterwegs, um ihre hungrigen Küken mit ausreichend Proteinen in Form von Insekten, zu versorgen. Beim arttypsichen Sichern während der Nahrungssuche, ist die Singdrossel immer wieder in gestreckter Haltung mit einer Art Schulterblick zu sehen.

Mit einem Gewicht von 60-75g bei einer Körperlänge von 20-22cm, ist die Singdrossel etwas kleiner und weniger massiger als die verwandte Amsel. Diejenigen der Singdrosseln, die im Winter ziehen, können es auch auf ein Gewicht von bis zu 90g schaffen, um ausreichend Fettspeicher für die anstrengende Reise vorrätig zu haben. Das Überwinterungsgebiet liegt dabei im Mittelmeerraum in West- und Südeuropa, Brutpopulationen in diesen Regionen sind Standvögel. In Mitteleuropa und speziell Deutschland ziehen die meisten Singdrosseln – es gibt jedoch klimawandelbedingt eine zunehmende Tendenz an Überwinterern, auch wenn das (noch) nicht die breite Masse, sondern eher einzelne Vögel betrifft.

Die Schnute!

Durch unzähliges Fotografieren, Kartierungen sowie Literaturstudium hat man ja irgendwann schon einen guten oder zumindest groben Überblick über die Tagfalter-Fauna in (Mittel)Europa. Man ist mit allen Familien vertraut und weiß, dass es bspw. in Südeuropa noch andere Perlmuttfalter-Arten gibt, weitere Bläulinge und besondere Edelfalter wie den Erdbeerbaumfalter.

Aber DAMIT haben wir nicht gerechnet: abseits auf einem Feldweg in Ungarn im Mai ’24, südöstlich vom Neusiedler See am Rand eines urigen Moorwaldes, saßen sie auf der Erde und haben Minerale aufgenommen. Tagfalter mit sonderbarer Flügelform, wie ein großer C-Falter, ein noch nie gesehenes Oberseitenmuster mit eckigen orangen Flecken und dann diese Schnute! Klar, es handelt sich dabei um die Palpen, die alle Schmetterlinge aufweisen. Aber für gewöhnlich sind sie bei Tagfaltern nach oben gebogen. Schnurgerade nach vorn gestreckt kennt man das eher von einigen Nachtfalter.

Unser unbekannter Falterfreund hat sich dann als Zügelbaumfalter oder auch Zürgelbaum-Schnauzenfalter (Libythea celtis) herausgestellt. Das ist eine südeuropäische Tagfalter-Art, die dort an ihre nördliche Verbreitungsgrenze stößt, sich tendenziell aber wohl weiter gen Norden ausbreitet. Woher der Namenszusatz „Schauzenfalter“ kommt, brauche ich bei dieser Schnute sicher nicht erläutern

Das Zürgelbaum im Namen bezieht sich auf die gleichnamige Pflanze, welche zugleich die einzige Raupenfutterpflanze dieses Schmetterlings darstellt.