Durch unzähliges Fotografieren, Kartierungen sowie Literaturstudium hat man ja irgendwann schon einen guten oder zumindest groben Überblick über die Tagfalter-Fauna in (Mittel)Europa. Man ist mit allen Familien vertraut und weiß, dass es bspw. in Südeuropa noch andere Perlmuttfalter-Arten gibt, weitere Bläulinge und besondere Edelfalter wie den Erdbeerbaumfalter.
Aber DAMIT haben wir nicht gerechnet: abseits auf einem Feldweg in Ungarn im Mai ’24, südöstlich vom Neusiedler See am Rand eines urigen Moorwaldes, saßen sie auf der Erde und haben Minerale aufgenommen. Tagfalter mit sonderbarer Flügelform, wie ein großer C-Falter, ein noch nie gesehenes Oberseitenmuster mit eckigen orangen Flecken und dann diese Schnute! Klar, es handelt sich dabei um die Palpen, die alle Schmetterlinge aufweisen. Aber für gewöhnlich sind sie bei Tagfaltern nach oben gebogen. Schnurgerade nach vorn gestreckt kennt man das eher von einigen Nachtfalter.
Unser unbekannter Falterfreund hat sich dann als Zügelbaumfalter oder auch Zürgelbaum-Schnauzenfalter (Libythea celtis) herausgestellt. Das ist eine südeuropäische Tagfalter-Art, die dort an ihre nördliche Verbreitungsgrenze stößt, sich tendenziell aber wohl weiter gen Norden ausbreitet. Woher der Namenszusatz „Schauzenfalter“ kommt, brauche ich bei dieser Schnute sicher nicht erläutern
Das Zürgelbaum im Namen bezieht sich auf die gleichnamige Pflanze, welche zugleich die einzige Raupenfutterpflanze dieses Schmetterlings darstellt.