Randale im Stadtpark

Seit diesem Winter ist im übersichtlichen hiesigen Stadtpark ein neuer Besucher anzutreffen, der vor allem mit lauten Geräuschen und beeindruckender Zerstörungswut am Totholz auf sich aufmerksam macht. Es handelt sich dabei um einen Schwarzspecht, genauer gesagt ein Weibchen. Schwarzspechte sind hier sehr häufig und in so ziemlich allen umliegenden Gehölzen in guten Beständen vertreten, aber der Besuch im kleinen Park ist etwas neues. Und so ein Vogel mit einer Körperlänge von 45-47cm bei einer Spannweite von 67-73cm, der zudem ruffreudig ist, fällt auch mehr auf als die dort schon länger ansässigen Klein- und Mittelspechte.

Vielleicht handelt es sich um ein Individuum, was vor den zuletzt harschen Bedingungen (starker Frost, Schneedecke und Eis) geflohen ist, weil sein Revier nicht mehr genug Nahrung hergab. Oder es handelt sich um einen vagabundierenden Jungspecht der letzten Brutsaison, der sich um ein eigenes Revier kümmern muss, nachdem er zur Herbstbalz von seinen Eltern sozusagen vor die Tür gesetzt wurde. Bei Jungvögeln hat man schon Wanderungen in bis zu 500Km Entfernung nachgewiesen und damit zeigt die Art von allen unseren Spechten die größte Wanderfreudigkeit. Den Rekord hält ein Schwarzspecht aus Deutschland, der ca. 1.000Km nach Frankreich geflogen ist. Es gibt allerdings auch immer mal wieder Invasionen aus dem nordeuropäischen Raum. Man darf nicht vergessen, dass es so etwas wie Standvögel oder Zugvögel nicht gibt; es ist immer eine Frage von Geographie bzw. Lokalklima und Nahrungsverfügbarkeit. Viele der Vogelarten, die bei uns als zweifellose Standvögel gelten, sind bspw. für den Nord-Finnen klassische Zugvögel oder zumindest Teilzieher.

Junger Artist zwischen den Bucheckern

Von Mitte-Ende Juli stammt die kleine Fotoreihe aus dem heutigen Beitrag. Zu sehen ist eine noch junge, frisch flügge Blaumeise, die auf der Nahrungssuche in arttypischer artistischer Manier kopfüber herumturnt.

Die Spannbreite der Anzahl von Eiern eines Geleges reicht bei der Blaumeise von 6 bis zu unglaublichen 16 Eiern, die in einer Jahresbrut ab April gelegt werden. Damit gehört die Blaumeise ökologisch zu den sogenannten r-Strategen (r=Reproduktionsrate): Arten, die sich durch eine hohe Reproduktionsleistung auszeichnen; im Gegensatz zu K-Strategen (Kapazität), die viel Aufwand in nur wenig Nachwuchs investieren. Die Nester werden natürlicherweise in Baumhöhlen angelegt, aber bekanntermaßen werden auch Ersatzbrutorte wie Nistkästen sehr gerne angenommen. Ansonsten findet man Nester auch in unglaublichen schmalen Mauernischen und -ritzen. Das Nest selbst ist ein Napf aus Moos, gepolstert mit Haaren und Federn.

Genießt die Sonnenstrahlen im Winter

Ende letzten Jahres hat sich dieses Rotkehlchen so schön postiert, dass es um ein paar Fotos nicht drum herum kam

So wie jeder Vogel – überhaupt jedes Tier – zeigt auch das Rotkehlchen ganz arttypische Verhaltensweisen. Man sieht es nicht hüpfend in den Baumwipfeln, schwirrend an Zweigspitzen oder wartend auf einer Ansitzwarte, sondern meist hüpfend bei der Nahrungssuche am Boden oder mitten in der niedrigen Strauchvegetation.

Es stattet Gärtnern oft einen Besuch ab, gerade wenn der Boden umgegraben wird, denn dann werden dabei proteinreiche Leckereien für das Rotkehlchen freigelegt. Dafür, dass das „Robin“ bei den Menschen so beliebt ist, machen sie es ihm und anderen Gartenvögeln aber unnötig schwer: Da muss jedes Laubblatt weggekehrt oder weggeblasen, jedes Stückchen Totholz und heimische Wildpflanzen als vermeintliches „Unkraut“ der Ordnung willen entfernt werden – Dabei sind es genauso solche einfachen, kostenlosen Maßnahmen, die Insekten fördern und damit Rotkehlchen und co. die Nahrungssuche erleichtern oder überhaupt erst ermöglichen. Dann kann sich auch der Gärtner am Besucher erfreuen.

Ratternd durchs Unterholz

Entweder mit dem ratternden Erregungsruf oder dem schmetternden Gesang inkl. Triller ist er immer gut zu hören: Der Zaunkönig. Hier konnte ich im Unterholz an der Saale einen vor die Linse bekommen, der zuvor mit einem unvollständigen, undeutlichen Gesang aufgefallen ist – auch „Subsong“ genannt. I.d.R. wird dieser unvollständige, manchmal schief klingende und auch deutlich leiser klingende Gesang von Jungvögeln vorgetragen – quasi als Übung. Das ist ab Spätsommer bei all unseren Singvogelarten zu beobachten.

Wo ist er denn? Na überall!

Eine der obligatorischen Fragen aus der Bevölkerung, die mir an Touren an der Saale immer wieder begegnen, sind „Haben Sie denn auch einen Eisvogel gesehen?“ oder ganz andächtig die Variation: „Ich würde gerne auch mal einen Eisvogel sehen“. Ich würde das Problem eher andersherum beschreiben: Man kann hier mir kaum 5-10min an der Saale entlangspazieren ohne von Eisvögeln „belästigt“ zu werden

Wobei die Wahrscheinlichkeit einer Sichtung im Winter deutlich höher als zur Brutzeit ist. Wenn noch Bedingungen wie an diesem Winterwochenende herrschen – zugefrorene Stillgewässer – konzentrieren sie sich alle an den nicht gefrorenen, fischreichen Gewässern und das ist hier die Saale. Dann findet man auch mal 5 Individuen auf 1,5km Flusslauf, zumal sie es einem mit dem leuchtenden Gefieder und vor allem den durchdringenden Fiep-Lauten sehr einfach machen, auf sie aufmerksam zu werden.

Hilfreich ist natürlich auch das Handy in der Tasche zu lassen, auch mal die Natur ohne Gequatsche auf sich wirken zu lassen und seinen Vierbeiner nicht ohne Leine die Ufersäume abrennen zu lassen. Dann klappt es auch problemlos mit dem Eisvogel

Graue Gartenfigur in der Saale

Am kalten Winterwochenende stand diese graue Gartenfigur regungslos in der Saale und harrte der Dinge Es lässt sich dabei nicht sagen, ob es sich um einen Thüringer Brutvogel handelt oder um einen zugereisten Überwinterer, der aus nördlicheren Ländern vor Schneelagen weggezogen ist.

Damit sind wir auch schon, was Thüringer Brutbestände betrifft, beim Thema:

Seit 2004 die ganzjährige Schonzeit des Graureihers aufgehoben wurde, sind die Brutbestände hier um 66% zurückgegangen! Der Brutbestand der Art in Thüringen lag bei um die 1.000 Brutpaaren, im Durchschnitt der letzten Jahre werden Jahr für Jahr 487 Individuen geschossen. Da ist der massive Bestandsrückgang auch keine Überraschung.

Dabei hilft auch nicht die ebenso subjektive wie auch falsche Aussage, dass man doch immer wieder Graureiher sehen würde – Die Art ist ein Koloniebrüter; Individuen, die man alleine abseits von Kolonien sieht, brüten nicht und erhöhen damit auch nicht die Bestände. Ähnlich bei Sichtungen im Winter, die oft nicht brutfähige Jungvögel oder zugewanderte europäische Gäste sind.

Es gibt einen guten Grund, dass man den ehemaligen „Fischreiher“ zum „Graureiher“ einst umbenannt hat: Er frisst nämlich in beträchtlicher Menge Wühlmäuse wie Feldmäuse oder Schermäuse. Daher sieht man sie auch sehr oft auf Feldern und Äckern – Fische jagen sie dort sicher nicht!

Und gegen eine „Mäuseplage“ wie zuletzt die Gemeinde Unterwellenborn in meiner Region berichtete, antwortete man dann mit Rodentiziden – also Rattengift, welches am Ende der Nahrungskette auch noch unsere Greifvögel und Eulen tötet. Man könnte auch einfach aufhören unsere biologischen Mäusejäger wie den Graureiher zu dezimieren

Schnatterenten auf der Saale

Was ich bei uns im Winter auf der Saale nicht oft finde: Schnatterenten. Die umliegenden Stillgewässer sind zugefroren, noch dazu kam übers Wochenende die Kaltfront hereingebrochen und dann finden sich umso mehr Arten beim Weiterzug oder nicht zugefrorenen Fließgewässern. Das erste Foto zeigt ein Pärchen.

Als Gründelenten tun sie sich mit der Nahrungssuche meist nicht schwer und sind nicht sehr anspruchsvoll. Sie fressen neben Kleintieren im Wasser vor allem Unterwasserpflanzen bzw. deren Partikel. Denn neben dem namensgebenden Gründeln, bei dem sie – Kopf unter Wasser, Schwänzchen in die Höh‘ – in einer Wassertiefe von bis zu 30-50cm Nahrung direkt auflesen oder abzupfen, können sie Insekten oder Pflanzen von der Oberfläche auflesen oder auch Partikel aus dem Wasser sieben. Anders als die „seihenden“ Löffelenten, läuft das bei den Schnatterenten jedoch nicht mit seitlichen Kopfbewegungen auf der Wasseroberfläche: Ist der Schnabel unter Wasser und sie ziehen anschließend die Zunge zurück, entsteht ein Unterdruck, der Wasser samt Nahrungspartikel in den Schnabel zieht. Wenn sie nun die Zunge wieder Richtung Schnabelspitze schieben, drückt es das Wasser aus dem Schnabel heraus – Nicht jedoch Pflanzenteile oder Kleinstlebewesen. Diese bleiben an den Zahnleisten (feine Hornzähnchen) der Schnabelseiten hängen.

Es läuft quasi wie bei einem befiederten, kleinen Wal Wobei dieser „befiederte Wal“ noch ganz andere Tricks auf Lager hat: Es kommt auch vor, dass sie sich in der Nähe von tauchenden Wasservögeln wie Blässrallen aufhalten, um diesen etwas von ihrer Beute wie bspw. Algen abzunehmen. Damit erschließen sie sich (wie auch bspw. Möwen) Nahrungsquellen, an die sie selbst aus physiologischen Gründen nicht herankommen würden.

Die witzigsten Enten

Heute auf der Saale sind unsere beiden witzigsten Entenarten beieinander geschwommen: Die Pfeifente, deren Erpel zur Balz ein lustiges Pfeifen von sich geben und die Schnatterente, deren Erpel wie mit zugehaltener Nase „Mep“ rufen.

Bei der Schnatterente ist ein Erpel zu sehen, die Pfeifente ist ein vorjähriges Weibchen. Die Flügeldecken sind bei den Jungvögeln, wie auch vielen anderen Arten, noch weiß gerändert (statt orange) und es fehlt ihnen auf der Fläche der Decken das orange Muster adulter Weibchen. In Thüringen auf der Saale und umliegenden trifft man Pfeifenten im Winter nicht sehr häufig an, es ist anzunehmen, dass die Pfeifente vor der Kaltfront geflüchtet ist.

Kalte Nase

Die Fotos sind heute bei idealen Vogelbeobachtungsbedingungen entstanden: eine nahende Kaltfront hat zu einer massiven Zugaktivität geführt, während einige andere aufgrund des Tageslichts sowie der zunehmenden Tageslänge schon in Balzstimmung waren und ihren Vollgesang haben hören lassen.

Nicht nur die Nase wird diesem weiblichen Grünspecht bei der Nahrungssuche kalt geworden sein In typischer Erdspecht-Manier, hat die Dame das Laub beiseite geworfen und die obersten Erdschichten aufgepickt, um nach darin verborgenen Insekten, meist Ameisen, zu suchen; verschmäht aber auch so manchen Regenwurm, Spinne oder Schnecke nicht. Diese erwischt der Grüne nicht nur mit der längsten Zunge der Spechte – 10cm kann sie aus dem Schnabel herausgestreckt werden – sondern auch durch die verhornten Spitzen selbiger, die als eine Art Widerhaken fungieren und die Beute festhalten.

Die Art zeigt schon seit längerem einen deutlich positiven Bestandstrend, aktuell wird mit einem Brutbestand von 69.000-125.000 Paaren in Deutschland gerechnet.

Unscheinbar & oft übersehen

Unscheinbar und oft übersehen ist der Grauschnäpper, ein Vertreter aus der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae), zu der auch Arten wie das Rotkehlchen, Schwarzkehlchen und Hausrotschwanz gehören.

Der Grauschnäpper ist dabei nicht nur rein monoton grau, sondern zeigt an den Flügeln bräunliche Töne; markant sind vor allem die auf hellem Grund kontrastierenden Strichel auf Kopf und Brust, die ihm sein unverwechselbares Aussehen verleihen sowie ein für diese Familie recht kräftiger, dunkler Schnabel.

Aufgrund der Strukturarmut unserer Wälder und moderner Gärten, hat die Art die letzten Jahrzehnte deutlich abgenommen. Der bevorzugte Lebensraum sind die eher ursprünglichen, lichtdurchfluteten Hute- und Laubwälder, Auwälder oder Waldränder. So findet man die Art heute nur in den seltenen strukturreichen Wäldern, oft auch nur am Waldrand, in manchen Parkanlagen, verwilderten Gärten, oder an Schneisen, die durch Wälder führen wie bspw. Stromtrassen.

Sehr selten ist der Grauschnäpper mit einem Brutbestand von 175.000-260.000 Paaren aber nun auch nicht. Aufgrund seiner Lebensweise hoch in Baumkronen sowie seiner unscheinbaren Rufe und Gesänge wird die Art jedoch auch oft von Ornithologen übersehen und überhört.