Seit diesem Winter ist im übersichtlichen hiesigen Stadtpark ein neuer Besucher anzutreffen, der vor allem mit lauten Geräuschen und beeindruckender Zerstörungswut am Totholz auf sich aufmerksam macht. Es handelt sich dabei um einen Schwarzspecht, genauer gesagt ein Weibchen. Schwarzspechte sind hier sehr häufig und in so ziemlich allen umliegenden Gehölzen in guten Beständen vertreten, aber der Besuch im kleinen Park ist etwas neues. Und so ein Vogel mit einer Körperlänge von 45-47cm bei einer Spannweite von 67-73cm, der zudem ruffreudig ist, fällt auch mehr auf als die dort schon länger ansässigen Klein- und Mittelspechte.
Vielleicht handelt es sich um ein Individuum, was vor den zuletzt harschen Bedingungen (starker Frost, Schneedecke und Eis) geflohen ist, weil sein Revier nicht mehr genug Nahrung hergab. Oder es handelt sich um einen vagabundierenden Jungspecht der letzten Brutsaison, der sich um ein eigenes Revier kümmern muss, nachdem er zur Herbstbalz von seinen Eltern sozusagen vor die Tür gesetzt wurde. Bei Jungvögeln hat man schon Wanderungen in bis zu 500Km Entfernung nachgewiesen und damit zeigt die Art von allen unseren Spechten die größte Wanderfreudigkeit. Den Rekord hält ein Schwarzspecht aus Deutschland, der ca. 1.000Km nach Frankreich geflogen ist. Es gibt allerdings auch immer mal wieder Invasionen aus dem nordeuropäischen Raum. Man darf nicht vergessen, dass es so etwas wie Standvögel oder Zugvögel nicht gibt; es ist immer eine Frage von Geographie bzw. Lokalklima und Nahrungsverfügbarkeit. Viele der Vogelarten, die bei uns als zweifellose Standvögel gelten, sind bspw. für den Nord-Finnen klassische Zugvögel oder zumindest Teilzieher.