Grüße aus einem zurückliegenden Sommertag in einem Stadtpark gibt’s heute von Herrn und Frau Buntspecht, die beide auf Nahrungssuche, aber nicht für ein Foto verlegen waren
Entdeckt man einen Specht an oder auf einem Ameisenhaufen, muss das nicht zwangsläufig etwas mit der Nahrungssuche zu tun haben. So lieben zwar alle unsere Spechte Insekten und insbesondere der Grünspecht hat sich in vielerlei Weise richtig auf die Ameisenjagd spezialisiert, aber mithilfe von Ameisen kann man noch andere Dinge tun: sich einemsen.
Bekannt ist dieses Phänomen u.a. auch beim Eichelhäher und das geht in etwa so, dass der daran beteiligte Vogel die Ameisen reizt, um sich dann unter geöffneten Flügeln und geplustertem Gefieder zu schütteln und die Ameisensäure auf sich niedergehen zu lassen. Nun muss man das gar nicht merkwürdig finden, haben doch auch wir Menschen mitunter ulkig anmutende Wellness-Rituale . Hier geht es jedoch um einen ganz konkreten Zweck: Die Gefiederpflege und insbesondere die Parasitenabwehr, da so ein mollig warmer, trockener Lebensraum mit großem Keratinvorrat, eine Art angenehme Wohnhöhle für allerlei lästige Untermieter darstellt.
Passend auch, dass sowohl die Häher als auch Spechte zu den besondere intelligenten Vögeln zählen.
Man kann ja nicht immer nur Naturfotos machen, letztes Wochenende stand daher zur Abwechslung mal ein Porträtshooting mit einem äußerst kooperativen Model an, was trotz des schummrigen Winterlichts, zu einer tollen Motivausbeute führte – beide Seiten waren begeistert
Rabenkrähen sind echte ökologische Generalisten und Kulturfolger, was nicht nur in ihrer vielseitigen Ernährung begründet liegt, sondern auch an ihrer ausgesprochenen Cleverness. Ich selbst konnte sie bei mir in der Nähe schon dabei beobachten, wie sie Walnüsse dadurch knackten, indem sie diese in einem schwungvollen Manöver im Flug in die Luft schleuderten und Nussschale durch den Aufprall auf der asphaltierten Fläche aufgebrochen ist.
Interessant sind auch die Beobachtungen wie sie mitunter Verstecke anlegen und misstrauisch darauf achten, dabei nicht von Artgenossen beobachtet zu werden. Wenn man einer Krähe aus einem Trupp dagegen eine Nuss zukommen lässt, ist es nicht immer so, dass sie schnurstracks darauf zu laufen – dann hätte man ja gleich die lästigen Artgenossen aufmerksam gemacht und sich unnötig Konkurrenz eingebracht; nein, man läuft in weiten Zick-Zack-Bögen unauffällig hin zu der Nuss, packt sie und dann ab dafür.
Etwas, was ich auch immer sehr interessant und auch eine tiefe Weise berührend finde, ist, dass wenn man eines der monogamen Krähenpaare beobachtet, meist einer Wache hält, während der andere den Boden nach Nahrung durchforstet. Manchmal stehen sie dabei nahe zusammen beisammen, aber es kann auch sein, dass einer der beiden etwas weiter auf einem Beobachtungsposten wie einem Strommast sitzt und von dort aus Wache hält.
Konntet ihr auch schon bemerkenswerte Anekdoten aus Beobachtungen zu dem Verhalten von Rabenkrähen ansammeln?
Es gibt wieder frische See-Fotos der letzten Tage, Hauptstar heute: Die Reiherente.
Es ist heutzutage in Deutschland ein normaler Anblick des Winters mitunter hunderte Reiherenten auf Binnengewässer zu beobachten sowie regelmäßig erfolgreich brütende Paare zu finden. Dabei ist das noch eine verhältnismäßig junge Entwicklung, da die Art überhaupt erst seit ungefähr 200 Jahren erstmalig hier brütete und als regelmäßiger Brutvogel seit ca. 100 Jahren in Erscheinung getreten ist. Ein sprunghafter Anstieg begann dabei in etwa ab den 1950ern. Ursprünglich waren sie Brutvögel des östlichen und nördlichen Europas und haben ihr Verbreitungsgebiet über die Jahre gen Westen und Südwesten erweitert.
Reiherenten sind nicht so anspruchsvoll wie bspw. die Knäk-, Löffel- oder Krickenten und profitieren von den vielen künstlich geschaffenen Seen in Deutschland – ob als Bergbaufolgelandschaft, Angelgewässer oder Stauseen. Des weiteren spielen sicher auch die Zunahme milderer Winter als auch die Nährstoffeinträge in die Gewässer eine Rolle. Immerhin: Die Reiherente spielt eine wichtige und positive Rolle bei der Bekämpfung der eingeschleppten Dreikant- und Quagga-Muscheln, da sie diese gerne fressen.
In der zuletzt doch sehr frostigen Zeit, in der viele Binnengewässer zugefroren waren, haben sich auf diesem offenen hier einige Wasservögel versammelt – so wie diese Tafelenten, die im Vergleich zu Stockenten mit einer Länge von 42-50cm, Spannweiten von 72-82cm und Gewichten von 700-1.100g etwas kleiner gebaut sind.
Der Grund, dass Tafelenten als Brutvögel hierzulande selten sind und leider auch weiterhin abnehmen, liegt sicher u.a. auch in den Lebensraum bzw. Brutgebietbedingungen begründet: So bevorzugt die Art größere offene Stillgewässer mit einer gut ausgebildeten, strukturreichen Ufervegetation. Zuviel Ordnung (Entfernung von Schilfzonen), Freizeitdruck, aber auch die internationale Bejagung setzen die Bestände unter Druck.
Tief im Binnenland haben sich seltenerweise Mitte Februar drei unzertrennliche, zugereiste Gäste aus dem hohen Norden auf einem der vielen Leipziger Seen gezeigt: Samtenten.
Samtenten gehören unter den Entenvögeln zum Tribus der Meeresenten und stammen wie die meisten von ihnen aus nordischen Gefilden. So liegen die Brutgebiete der Samtente an Küsten und Tundraseen in Skandinavien und Sibirien. Den Winter verbringen sie größtenteils an Küsten der Nord- und Ostsee mit einem deutlichen Schwerpunkt bei der Ostsee. Ein Auftreten im Binnenland, so wie hier, ist dagegen die Ausnahme.
Die Fotos zeigen zwei Weibchen und ein vorjähriges Männchen, was sich vom adulten Erpel dahingehend unterscheidet, dass er noch die juveniltypischen weißen Flecken trägt, die im adulten Kleid einem weißen, kleinen, halbmondförmigen Fleck unterm Auge weichen. Die Weibchen dagegen behalten diese weißen Flecken. Dagegen sieht man den gelb-orangen Schnabel stets nur beim Erpel – in allen Kleidern.
Schön zu beobachten war, dass die drei immer beieinandergeblieben sind und sogar die meisten Tauchgänge zur Nahrungssuche gemeinsam absolviert haben. Dort fischen sie vor allem nach Muscheln, Garnelen, Krabben und Würmern.
Im Juli war dieser juvenile Buntspecht dabei zu beobachten, wie er sich an der Sammelfrucht der Haselnuss zu schaffen machte. Gut, wenn man so ein breites Nahrungsspektrum verdauen kann: Ob Meisenknödel im Winter, Haselnüsse, Obst wie Kirschen und natürlich die obligatorsichen Insekten – diese große ökologische Amplitude ist mit verantwortlich für den Erfolg und positiven Bestandstrend der Art.
Das typische Gelege des Buntspechts umfasst 4-7 Eier, die in einer selbst gezimmerten Laubholz-Höhle gelegt werden. Monotone Nadelforste mit Fichte, Kiefer oder Douglasie sind also selbst für diesen ökologischen Generalisten wertlos. Die Höhlen werden dabei meist jährlich neu angelegt, aber mitunter auch wieder benutzt.
Für einen Vogel dieser Größe hat der Buntspecht eine wirklich extrem kurze Brutzeit: Mitunter wird nur 10 Tage gebrütet, nach weiteren 3 Wochen sind die Nestlinge dann flügge und werden anschließend noch 2-3 Wochen von den Eltern geführt. Der junge Specht auf dem Foto hat dies bereits alles hinter sich und musste sich nun selbst behaupten.
Ringeltauben sind als anpassungsfähige Kulturfolge heutzutage allgegenwärtig, beinahe schon „langweilig“. Dabei gibt es bei unseren Taubenarten einige interessante Eigenarten, die sie von anderen Ordnungen wie den Sperlingsvögeln, deutlich unterscheiden.
Zwar besitzen auch Tauben eine Bürzeldrüse, die aber nur wenig Sekret produziert. Die Einfettung und Imprägnierung des Gefieders erfolgt stattdessen primär über Puderdunen: stetig nachwachsende, spezielle Dunenfedern, deren oberer Teil zu einem fettigen Staub zerfällt und sich im Gefieder verteilt.
Auch bemerkenswert ist die Fähigkeit aktiv zu Trinken bzw. zu Schlucken, während andere Vögel Schöpfen und die Schwerkraft zum Trinken nutzen müssen.
Eine weitere Besonderheit stellt die Kropfmilch dar: ein protein- und fettreiches Sekret, was beide Elterntiere im Kropf zur Brutzeit aus aufgenommener Nahrung produzieren und damit ihre Jungen füttern.
Man sieht: Auch wenn man beinahe täglich an bestimmten Lebewesen, die quasi schon zum Inventar einer Gegend gehören, vorbeigeht, ist es interessant und für den eigenen Horizon gewinnbringend, sich damit zu beschäftigen.
Aus der gleichen Ecke wie die Fotos vom letzten Beitrag mit dem Großen Feuerfalter, stammen die heutigen Falterfotos: in grober Nähe vom Neusiedler See, auf ungarischer See in einem feuchten, urigen Moorwald.
1) Der wuschelige und gar nicht so kleine Freund auf den ersten Bildern, ist die Raupe des Braunen Bären (Arctia caja) im letzten Larvalstadium L5. Der Vertreter aus der Unterfamilie Arctiinae ist ein wunderschön gezeichneter Nachtfalter, dem man seine Verwandtschaft mit dem ungleich bekannteren und häufigeren Russischen Bären deutlich ansehen kann. Mittlerweile findet man die Art nicht mehr so häufig, auch bei unseren systematischen Erfassungen in heimischen Gefilden mit Licht und Köder, hatten wir den erwachsenen Falter erst einmal. Als Futterpflanzen bevorzugen die Raupen verschiedene Labkraut-Arten wie Echtes Labkraut, Waldmeister usw.
2) Ein nicht so alltäglicher und unser Erstfund, war das Erlenmoor-Flechtenbärchen (Pelosia muscerda). Das dürfte vor allem dem Lebensraum geschuldet sein, denn die Art findet man nur in feuchten Wäldern und davon findet man zumindest in Deutschland leider nicht mehr so viele. Man macht es sich heutzutage immer recht bequem und schiebt es allein auf den Klimawandel, dabei wird vergessen, dass deutsche Wälder für die Fichtenplantagen u.a. mit Drainagerohren entwässert wurden; Moore und Feuchtwiesen mit Entwässerungsgraben ausgetrocknet, Auen durch Kanalisation trockengelegt und Bachläufe gekappt wurden. Auch eine tägliche Flächenversieglung von über 50ha vermindert bodenverfügbares Wasser.
3) Die Bilder erzählen eine kleine Geschichte: Frau Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) setzte sich auf den Hopfen-Schneckenklee – der bereits durch Raupen angefressen wurde – und legte ein Ei darauf ab! Auf dem zweiten Foto kann man das grünliche, halbkugeklförmige Ei dann rechts auf dem Blatt erkennen.
4) Es ist die abgebildete Unterseite, die diesem Tagfalter seinen Deutschen Trivalnamen verliehen hat: Das Landkärtchen (Araschnia levana), hier Ende Mai in der dunklen Sommergeneration. 2023 war das Landkärtchen Insekt des Jahres. Zur Fortpflanzung ist es zwingend auf das Vorhandensein von Brennnesseln angewiesen, diese sind seine wichtigste Nahrungspflanze.
5) Hier sind 2 Fotos von einem der Dickkopffalter (Hesperiidae), die es mir besonders angetan haben Zu sehen ist der Schwarzkolbige Braun-Dickkopffalter (Thymelicus lineola) bei der Nektaraufnahme an Wilder Sumpfkresse. Bei den Braun-Dickkopffaltern kommt es bei der Bestimmung auf kleine Merkmale wie die Farbe der Fühlerkolbenspitzen an. Die Raupen leben an verschiedenen Gräsern und sind damit wichtige Botschafter dafür, welchen Schaden intensiven Mähen in Parks und Gärten anrichten kann.
6) Ein toller Vertreter der Kleinschmetterlinge, hier ein Zünsler (Pyralidae), ist der Seerosenzünsler (Elophila nymphaeata). Da soll nochmal einer sagen, dass Nachtlfalter oder insbesondere Zünsler und Motten nicht auch toll aussehen! Die Eier werden vom Weibchen, durch Herunterbiegens des Hinterleibs unter die Wasseroberfläche, unter das jeweilige Blatt der Schwimmvegetation abgelegt. Als Nahrungspflanze dienen dabei nicht nur die namensgebenden Seerosen, sondern auch Wasser-Knöterich, Kleine Wasserlinse oder Schwimmendes Laichkraut.
Ein ebenso schöner wie auch rarer Vertreter der Feuerfalter hat sich Ende Mai in einem urigen, abgelegenen Moorwald in Ungarn gezeigt: ein Männchen vom Großen Feuerfalter (Lycaena dispar) beim Nektarbesuch auf Wilder Sumpfkresse.
Wie auch einige andere Feuerfalter, ist die Art ein Bewohner feuchter Lebensräume wie Feuchtwiesen, Moore und weit Flussauen. Auf Grund der Zerstörung eben dieser Lebensräume ist es nicht verwunderlich, dass der Falter entsprechend selten ist und bspw. in Deutschland auf der Roten Liste als stark gefährdet geführt wird. Auch europaweit ist der Große Feuerfalter streng geschützt, u.a. als FFH-Art nach Anhang II und IV.
Als Raupenfutterpflanze dienen nicht saure Ampfer-Arten wie Teich-Ampfer, Krauser Ampfer oder Wasser-Ampfer. Damit zeigt sich abermals, dass es oft typische „Unkräuter“ oder manchmal (ehemalige) Allerwelts-Arten sind, die Schmetterlinge zwingend zur Fortpflanzung benötigen; ebenso wie die Erhaltung solcher Lebensraum-Typen wie Feuchtwiesen, die nach wie vor entwässert oder wirtschaftlich intensiv ausgebeutet werden.
Ob schimpfende Flüche, Krämpfe in den Armen oder SD-Karten voller unscharfer Fotos oder Fotos nur von der Rückansicht des Vogels – das alles sind typische Symptome beim Versuch die Goldhähnchen abzulichten Hier hat sich ein Wintergoldhähnchen Ende Januar aber doch – zumindest relativ – kooperativ gezeigt und war sehr lange in einem kahlen Baum unterwegs.
Das Wintergoldhähnchen gehört definitiv mit zu den Arten, deren Vorkommen auch von Ornis massiv unterschätzt wird; zumal sie ebenso zu den wenigen Arten gehören, die von der bisherigen Anlage von Fichten-Plantagen (Wälder sind das ja wirklich nicht) profitiert haben. Mit einer Zahl von 0,75-1,1Mio Brutpaaren bei abnehmender Tendenz (Fichtensterben, Waldumbau), ist die Art als häufig einzustufen und verpasst die Top20 heimischer Brutvögel nur knapp.
Hilfreich ist, wenn man sich mit den Rufen und Gesängen von Sommer- und Wintergoldhähnchen auseinandergesetzt hat, aber vor allem draußen in der Natur dafür sensibilisiert ist. Das feine piepsen, was vor allem als Kontaktlaut im Winter oft zu hören ist, ist nicht nur sehr leise, sondern auch sehr hochfrequent und bereitet vor allem älteren Ornithologen, auf Grund der natürlichen Abnahme des Hörsinns bei sehr hohen Frequenzen, Probleme. Der Gesang, der vor allem im Sommerhalbjahr zu hören ist, ist ebenfalls sehr hochfrequent, aber mitunter für so ein einziges Vögelchen einigermaßen…naja „laut“. Es ist eine lustige Abfolge eines rhythmischen Piepsens; stelle man es sich visuell vor, dann wie mehrere Treppchen: düdüdi-düdüdi-düdüdi. Gerade der Gesang ist im auch im Vergleich zum Sommergoldhähnchen nicht zu verwechseln. Die Rufe sind schwieriger zu unterscheiden.