Schöner Zufallsfund und schöner Bär

Die Tage haben wir im Zuge des Moduls Spechtmonitorung des MsB in einem SPA und NSG-Wald einen schönen Zufallsfund gemacht: Die überwinternde Raupe des Schönbären (Callimorpha dominula), ein Vertreter aus der Familie der Erebidae, der zu den Bärenspinnern (Arctiinae) gehört. In der Roten Liste für Thüringen ist die Art nicht geführt, wir hatten ihn aber nur exakt einmal im Juni am Licht und auch nur an einem der vielen Orte, die wir kartieren; im Gegensatz zum verwandten Russischen Bären (Euplagia quadripunctaria), den man quasi überall finden kann. Der Raupenfund ist ein schönes Beispiel zur Wichtigkeit von Zufallsfunden, systematische oder ortsgebundene Kartierungen können nicht alles abdecken. Daher ist auch wichtig, dass Artenkenner und Naturbeobachter ihre Daten auch eintragen, daran hapert es leider oft.

Die Art bzw. deren Raupen ernähren sich polyphag von vielen verschiedenen Kräutern, Stauden, Sträuchern und Laubgehölzen; darunter Himbeere, Brennnessel, Greiskräuter usw. Als Habitat im Wald bevorzugen sie vor allem feuchte, strukturreiche Stellen mit viel Unterwuchs auf Lichtungen, Schluchten, Randstrukturen.

Damit ihr auch seht, warum die Art ihren schönen Namen hat, habe ich noch zwei ältere Fotos von unserem Lichtfang beigefügt

Besondere Frühblüher

Jetzt Ende März gab es bei mir in der Gegend einige schöne, interessante und teils auch seltene Frühblüher zu entdecken.

  1. Die Gewöhnliche Pestwurz (Petasites hybridus) fällt mit ihren dichten lila-rosa Traubenblüten auf. Man findet sie da, wo es schön nass ist: an Ufern von Fließgewässern, Feuchtwiesen, Auenlandschaften und sickerfeuchten Böden. Nach der Blüte erscheinen dann die sehr markanten sowie auffälligen riesigen Blättern, die man bei Ausmaßen von 60x100cm glatt mal als Regenschirm-Ersatz benutzen könnte Wie viele Arten mit traubig übereinander stehenden Blüten, blühen diese nacheinander von oben nach unten auf, um sich nicht selbst zu bestäuben – das kann man gut an den beiden verschiedenen Individuen sehen, die einen Unterschiedlichen Blütenstand zeigen. Das zweite Bild der jüngeren Pestwurz wurde von meiner Partnerin fotografiert.
  2. Hier sieht man, noch von der vorherigen Saison, eine Gewöhnliche Golddistel (Carlina vulgaris), auch Kleine Eberwurz genannt. Die eher kleine, wenig auffällige Pflanze wächst auf Mager- und Halbtrockenrasen und hat es gern kalkig. Das 2. Bild der Golddistel zeigt, warum es so wichtig ist, den Winter über verblühte und vertrocknete Stauden stehen zu lassen: Hier überwintern bspw. Siebenpunkt-Marienkäfer.
  3. Ein echtes Highlight im März und April ist die hier wachsende Kuhschelle bzw. Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), die in der Roten Liste Deutschlands als gefährdet (3) eingestuft ist. Die Art mag es wie alle seltenen Pflanzen mager und wächst eher auf trockenen, warmen sowie kalkhaltigen Böden.
  4. Ein schöner Fund auf einem Kalk-Halbtrockenrasen am Waldrand war dieses besondere Veilchen, was durch folgende Merkmale aufgefallen ist: farbschwache Blütenblätter, einreihige behaarte Stängel, große trichterförmige Blätter sowie ein sehr langer, spitzer und heller Sporn hinter der Blüte. Es handelt sich um das seltene und sehr lückig verbreitete Wunder-Veilchen (Viola mirabilis).

Über gelbe und rote Bäuche

In Mitteleuropa können wir 2 Vertreter der Unken beobachten, die Gelbbauch- und Rotbauchunke. Namensgebend sind die jeweiligen – in Warnfarben gezeichneten, Bäuche und Brüste, wobei man vor allem das „rot“ nicht auf die Goldwaage legen sollte: Bei der Rotbauchunke geht das Gelb-Orange ein klein wenig mehr in die rötliche Richtung, aber vor allem zeigt die Rotbauchunke deutlich weniger Farbe als ihre Schwesternart.

Die Fotos zeigen Rotbauchunken (Bombina bombina) und das lässt sich schon rein geografisch und vom Habitat bestimmen: Die Trennlinie beider Arten verläuft quer durch Deutschland, von der Mitte aus Richtung Südwest kommt die Gelbbauchunke und ab Osten die Rotbauchunke vor.

Die Gelbbauchunken werden dabei nicht ohne Grund auch „Bergunken“ genannt, da sie eher in Berg- und Hügellandschaften vorkommen wie bspw. in Mittelgebirgslagen. Die Rotbauchunken sind eher Flachlandarten und daher war es auch klar, dass wir im ungarischen Moorwald die Rotbauchunken vor uns haben.

Schon auf den ersten Blick kann man sehen, dass sich die kleinen Unken von den Fröschen und Kröten unterscheiden, achtet mal auf die markante, dreieckige Form der Pupille! Was man auch auf dem Foto sehen kann, ist das typische Laichgewässer: kleine, teils vegetationsreiche Tümpel, die sich schnell erwärmen.

Leider sind die Unken bei uns extremst bedroht, der Hauptgrund ist der Lebensraumverlust von kleinen Tümpeln, sei es durch Versiegelung von Wegen, Zuschütten von Tagebauen, zu viel Verkehr, illegale Fischaussetzung in Gewässer als auch Austrocknung im Zuge immer heißer werdender Sommer.

Die Libellen waren los

Heute wieder ein Rückblick zu unserem Neusiedler-See Urlaub, bei dem wir Ende Mai einen Abstecher in einen ungarischen Moorwald unternommen haben. Neben unzähligen anderen Arten, haben wir 10 Libellenarten an dem Tag bestimmt; vom Spitzenfleck, Große Königslibelle, Großen Pechlibelle und der Südlichen Mosaikjungfer habe ich nur Belegfotos angefertigt, die anderen Arten haben es auf recht ansehbare Fotos geschafft.

  1. Die Blaue Federlibelle (Platycnemis pennipes) ist nicht immer blau gefärbt wie man sehen kann: hierbei handelt es sich um ein juveniles Weibchen, was sich gerade ausfärbt und noch in einer Übergangsmorphe ist. Die zierliche Art ist häufig und weit verbreitet.
  2. Auch männliche Vertreter dieser Art zeigen nicht immer das typische Erscheinungsbild; ähnlich wie auch bei den Vögeln, ähneln viele junge Männchen den Weibchen. Hier ist eine sehr junge männliche Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) zu sehen. Die Unterscheidung des Geschlechts erfolgt über strukturelle physiologische Merkmale wie die Hinterleibsanhänge oder aber der bei Männchen arttypisch und keulenförmig verbreitete hintere Abdomenteil. Die folgenden 3 Fotos einer gelblichen Großlibelle zeigen dann ein juveniles Weibchen.
  3. So eine prächtige Libelle trägt auch einen passenden Namen: Es ist ein Männchen der Gebänderten Prachtlibelle (Calopteryx splendens). Wichtig ist, wenn man schon Trivialnamen nutzt, diese auch richtig zu nutzen: So ist oft nur von „der Prachtlibelle“ die Rede, dabei haben wir in Mitteleuropa ja 2 Prachtlibellen-Arten. Die Art ist eher selten Stillgewässern zu finden, sondern hauptsächlich an sauberen Fließgewässern mit ausreichend Ufervegetation.
  4. Eine Moosjungfer zu finden und beobachten zu können, ist immer ein freudiges Ergebnis, alle Arten der Gattung sind sehr lückenhaft verbreitet – Dazu kommt dieses markante und wunderschöne Aussehen mit gelb-roten Zeichnungen auf schwarzem Körper wie hier bei der Großen Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis). Das „Moos“ im Trivialnamen (=Moor) trifft so einigermaßen zu: Die Große Moosjungfer ist tatsächlich in Hoch- und Übergangsmooren zu finden, aber auch an deren feuchten Rändern, Waldweihern, Kleingewässern und teilweise in Auenlandschaften. Wichtig sind ihr kleine, organische sonnenexponierte Gewässer, die allerdings nicht austrocknen sollten. Bild 1 der 3er-Reihe zeigt ein adultes Männchen (über einem Weibchen) und die anderen beiden Bilder zeigen jeweils ein adultes Weibchen. Wundervoll oder?
  5. Beim Großen Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), dem häufigsten Vertreter der Gattung, sollte man sich auch nicht vom Namen irreführen lassen: adulte Männchen tragen das namensgebende Blau, aber weder juvenile Männchen noch juvenile Weibchen – so wie dieses auf dem ersten Bild, während Bild 2 das typische Männchen zeigt. Die Weibchen dunkeln im Alter nach und das warme Gelb weicht eher einem gedeckten gelb-grau-Ton.
  6. Die Art ist so etwas wie die Kohlmeise unter den Libellen und praktisch überall und das auch in größerer Zahl zu finden: Die Hufeisen-Azurjungfer. Das skurril anmutende Bild zeigt 2 Pärchen beim Tandem während der Eiablage. Man sieht wie die Weibchen (unten) ihren Hinterleib ins Wasser halten, um die Eier zu legen. Das Festhalten der Männchen soll sicherstellen, dass ihre Herzensdamen nicht noch auf andere Ideen kommen Interessant, dass jede Libellenart ihre eigene Variante der Eiablage hat: Mal im Tandem, mal ohne, mal die Eier aus Luft ins Wasser geworfen, mal direkt in pflanzen, mal während des Schwirrfluges sanft ins Wasser gelegt, mal beim Festhalten an Vegetation ins Wasser gelegt usw.

Anderer Blickwinkel

Einige Arten sind aus naheliegenden und verständlichen Gründen eher unbeliebt, wie bspw. der Apfelwickler (Cydia pomonella), der meist der Übeltäter ist, wenn ein „Wurm“ im Apfel ist. Das ist dann also eine Schmetterlingsraupe. Beim erwachsenen Falter, hat sich bei der Fotosession aber gezeigt, was für schöne Details in der Makroaufnahmen zum Vorschein kommen – so wie auch bei vielen anderen Kleinschmetterlingen. Interessant ist ebenfalls die außergewöhnliche frühe Flugzeit im März.

Der Apfelwickler hat aber auch viele natürliche Feinde wie bspw. Schlupfwespen, welche die Eier parasitieren oder aber Vögel, welche die zwischen der Borke im Kokon überwinternden Larven suchen und aufpicken.

Wenn einem also im Herbst beim Biss in den Gartenapfel ein „Würmchen“ ärgert, dann tröstet vielleicht der Blick auf den hübschen Falter etwas

Da ist er also!

Inspiriert durch die Videos vom guten Toni Kasiske, schaue ich mir auch immer mal die schönen Zitter-Pappeln an, ob ich u.a. an Astverdickungen Schlupflöcher vom Espen-Glasflügler (Sesia melanocephala) finde.

Das ist meist recht schwierig, da entsprechende Äste hoch hängen, die Zitterpappel zu jung ist oder auch in Ermangelung des Baums.

Hier hat es neulich endlich mal geklappt, was auch der Tatsache geschuldet war, dass ich durch den steilen Hang quasi von oben nach unten gucken konnte – und im reichen Espen-Bestand, gab es auch reichlich Funde vom Falter bzw. seiner Spuren!

Die Glasflügler (Sesiidae) sind eine Familie von wirklich kleinen und – außer mit Pheromonen – schwer zu beobachtenden Faltern, die mit ihrer Bienen- und Wespen-Mimikry im Vorbeiflug wahrscheinlich auch oft für eben diese gehalten werden.

Fundort war am Waldrand an einem Graben mit Weichholz-Aue, Fotos leider nur mit dem Handy.

Der Akrobat ist in Aktion – wie immer

Kleiber gehören mit ihrer Art zu den häufigen Vögeln, deren Beobachtung mir immer wieder aufs Neue Spaß macht: Egal, ob sie kopfüber am Stamm herunterhängen und durch die Gegend glotzen, sich lautstark bei der Balz durch den Wald jagen, bei Nahrungsüberfluss zu jeder Zeit geschickt Vorräte in Rindenspalten verstecken oder immer wieder lautstark auf ihre Anwesenheit hinweisen müssen: bspw. wenn ein Specht gerade sein Revier markiert. Während andere eher versuchen unter dem Radar zu bleiben, wenn der konkurrenzstarke Schwarzspecht loslegt, kann das der Kleiber einfach nicht ohne Gegenrede stehen lassen und muss natürlich darauf reagieren.

Mir fällt das besonders auf, da ich zum Einen 2 Transekte für das MsB Spechte des DDA ablaufe und nach Methodenstandards und mit Genehmigung Klangattrappen (wenn nötig) einsetze, aber auch systematisch Brutvögel für ADEBAR2 kartiere. Wenn keiner auf einen vorgespielten Spechtruf oder -trommeln antwortet – dann auf jeden Fall die nächsten Kleiber und das nicht zu leise!

Fotos aus dem Juli.

Erster Leucht- und Köderabend für 2026

Die Woche ging es für uns mit der ersten Nachtfalterkartierung für dieses Jahr los; die Bedingungen waren für diese wechselhafte Zeit gut und die Temperatur mild. In dem Biotop, das ich betreue, finden sich Halbtrockenrasen auf Muschelkalk, Edellaubmischwälder und Gebüschsäume.

Endlich hat sich uns auch mal der markante Frühlings-Kreuzflügel (Alsophila aescularia) gezeigt. Gelbfühler-Dickleibspanner (Apocheima hispidaria), Pappel-Dickleibspanner (Biston strataria) sowie die häufige Kieferneule (Panolis flammea), waren besonders attraktive Arten. Ein schöner und hübscher Fund war auch der Violettbraune Rosen-Blattspanner (Earophila badiata) und das Highlight in Bezug auf Seltenheit: Gestrichelter Lappenspanner (Trichopteryx polycommata), der steht in Deutschland auf der Vorwarnliste in Thüringen sogar auf der 2 als stark gefährdet.

Die Arten profitieren von der mosaikarten Landschaft aus vielen Habitatübergängen und einer Menge heimischer Gehölze wie Gew. Liguster, Gew. Schlehe, Stiel-Eichen, verschiedenen Wild-Rosen, usw.

Blick nach unten

Nach einer Runde Brutvogelkartierung standen in zwei meiner betreuten Schutzgebiete kleinere Maßnahmen an, dabei haben sich am Boden zwei gänzlich andere, schöne Frühblüher gezeigt.

Gras klingt erst einmal wenig spektakulär, jedoch sind Wildgräser für unsere Ökosystem unverzichtbar; viele Schmetterlingsraupen haben sich bspw. an bestimmte Gräser als Nahrungspflanze spezialisiert. Aber mitunter sind auch Arten bei den Gräsern vertreten, die auch etwas fürs Auge bieten: So wie die blühende Erd-Segge (Carex humilis). Die Art zeigt sehr kurze Sprossachsen und 20-40cm lange Blätter sowie den auffallend hübschen gelben Blütenstand und ist keine häufige Art; in Deutschland steht sie auf der Vorwarnliste. Die Art passt wunderbar in die dortige Pflanzengesellschaft aus wärmeexponierten trockenen Eichen-Hängen.

Ein wenig bunter ist die zweite Art: Das Leberblümchen (Hepatica nobilis); ein klassischer Frühblüher sowie Kalkanzeiger. Das Gebiet zeichnet sich durch Edellaub-Mischwälder sowie Halbtrockenrasen auf Muschelkalk aus und bietet dem Leberblümchen somit ein tolles, passendes Habitat. Die markanten, einfach zu bestimmenden Blätter eines blühenden Individuums kann man oft vergebens suchen: Diese erscheinen erst nach er Blüte; die Blätter, die aktuell zu sehen sind, stammen noch aus der letzten Saison.

Frühblüher

Als die letzte Kälteperiode den Staffelstab weiter an die ersten richtig warmen und sonnigen Tage gereicht hat, sind die Frühblüher gleich voll durchgestartet. Wobei ich die ersten aufblühenden weiblichen Hasel-Blüten schon Anfang Februar gesehen habe. Aber nun sind allerorten Schneeglöckchen, Märzenbecher und co zu sehen – während die Winterlinge teils schon wider abblühen.

Von einer heutigen Tour habe ich den Acker-Gelbstern (Gagea villosa) mitgebracht; ein heimischer Frühblüher nährstoffreicher Standorte. Bei den Gelbsternen muss man für eine korrekte Bestimmung auch genau hingucken: Der Wiesen-Gelbstern blüht meist etwas später und ist im Gegensatz zum Acker-Gelbstern nicht fein bewimpert/behaart. Die Hochblätter sind beim Acker-Gelbstern gegenständig, beim Wiesen-Gelbstern wechselständig; außerdem weist das Grundblatt vom Wiesen-Gelbstern eine tiefe Rille auf.

Eine weitere Art ist der Wald-Gelbstern, den man eher außerhalb von Siedlungen findet. Dieser ist wie der Wiesen-Gelbstern ebenfalls nicht behaart und die Blätterspitzen haben von diesen drei Arten die deutlichste „Kapuze“. Wiesen- und Wald-Gelbstern haben jeweils nur ein Grundblatt, der hier gezeigte Acker-Gelbstern weist dagegen 2 Grundblätter auf.