Zuverlässiges Modell

Man sieht ihn schon von weitem auf seiner Ansitzwarte groß im Sonnenlicht leuchten, manchmal hört man ihn laut und rau schimpfen (vor allem, wenn der Sperber in der Nähe ist) und seit den Borkenkäferkalamitäten, die den artenarmen Fichtenplantagen den Garaus gemacht haben, kann man ihm quasi kaum aus dem Weg gehen: dem Neuntöter.

Bei den Fotos von Ende Mai kann man beide Geschlechter sehen, wesentlich öfter sieht man natürlich das auffällige Männchen auf seiner Ansitzwarte – klar, das Weibchen ist in entweder am Brüten oder wartet darauf, sich vom Neuntötermännchen mit Beutestücken beeindrucken zu lassen. In der ganz frühen bzw. späten Brutphase sieht man natürlich auch öfter mal die Dame und wenn sie im Gebiet anwesend sind, sind sie auch ausnahmslos leicht zu entdecken. Kein Wunder bei Körperlänge von 16-18cm, Flügelspannweite von 24-27cm und einem Gewicht zwischen 22,5-41g. Damit ist diese Art deutlich größer und mächtiger als bspw. unsere Meisen und sind sowohl auf den Ansitzwarten als auch bei den arttypischen Flügen zur Beute bzw. zurück zur Warte, gut zu beobachten.

Der Kleine Silberreiher

Mit den stark beschnittenen Motiven, die kurz vor der Dämmerung entstanden, wird sich wohl kein Fotopreis gewinnen lassen, aber aus einem bestimmten Grund zeige ich sie trotzdem. Das Motiv ist nämlich nicht irgendwer, sondern der hierzulande seltene Seidenreiher, den ich schon immer mal sehen wollte. Geklappt hat es dann am selben Standort wie die Moorenten im letzten Beitrag (Ungarn, Moorwald).

Sie können vor allem im Schlichtkleid im Winterhalbjahr mit dem Silberreiher verwechselt werden. Aber auch hier im Prachtkleid muss man gerade bei entfernten oder überfliegenden Individuen genau hinsehen. Markant ist das schöne Zöpfchen, was der Silberreiher auch im Prachtkleid nicht hat. Beide Arten tragen im Sommerhalbjahr aber schöne, teils abspreizende, Schmuckfedern. Was noch dazukommt: Zur Brutzeit ist der uns aus dem Winter bekannte gelbe Schnabel des Silberreihers nun auch schwarz gefärbt und die Wachshaut plötzlich nicht mehr mattgrün, sondern kräftig türkis. Im Brutgebiet kommen beide Arten dann auch noch syntop – zur gleiche Zeit im gleichen Habitat – vor.

Aber weg von den Bestimmungsschwierigkeiten und hin zu den deutlichen Unterscheidungsmerkmalen. Ich habe es im Titel mal eingedeutscht, in den Niederlanden nennt man den Seidenreiher nämlich den „Kleinen Silberreiher“ (kleine zilverreiger) und das ist ein super Name! Während es der „große“ Silberreiher auf eine Länge von 85-100cm bringt, sind es beim Seidenreiher lediglich 55-65cm! Und währen die Beinfarbe beim Silberreiher sehr variiert – Tarsus meist dunkel, manchmal gelb-rot, Tibia meist hell/gelblich, zur Paarungszeit oft rötlich – ist das beim Seidenreiher eine einfache, klare Sache: Die Beine sind immer komplett schwarz, nur die Füße sind scharf abgesetzt knallig gelb. Das kann man zumindest sehen, wenn der Seidenreiher nicht im Wasser herumwatet (Foto 3) oder aber auch beim Überflug.

Welche Enten schwimmen in einem urigen Moorsee?

In diesem Fall waren es tatsächlich die seltenen Moorenten, die auf einem Gewässer während der Brutzeit in einem urigen Moorwald in Ungarn herumgeschippert sind. Der Geschlechtsdimorphismus ist bei dieser Art nicht so ausgeprägt wie bei anderen Enten; aber selbst auf den eher mittelmäßigen Bildern kann man es erkennen: Die Erpel weisen eine helle Iris auf, die Weibchen dunkle. Weitere Merkmale der Art sind der dunkle, lange Schnabel, ein rötliches Kastanienbraun im Kopfgefieder, eine eher spitz zulaufende Kopfform am Scheiten und ein scharf abgesetzter weißer Fleck am Hinterteil, wenn sich die Unterschwanzdecken zeigen.

Hierzulande werden Moorenten gelegentlich im Winterhalbjahr beobachtet, was eine besondere Herausforderung darstellt, wenn sich die wenigen zugereisten Individuen unter große Trupps aus Reiher- und Tafelenten gemischt haben. Unser Brutbestand ist leider auf beklagenswerte 8-10 Brutpaare zusammengeschrumpft, hin und wieder werden einzelne ausgewilderte Individuen aus Zuchtprojekten gefunden. Für die Seltenheit gibt es einige Gründe: Zum einen stellt Mitteleuropa die Westgrenze ihres Verbreitungsareals dar, aber zum anderen bevorzugen sie sehr deckungsreiche, stark mit Vegetation überwachsene Seen, was dem Deutschen Ordnungswahn widerspricht. Dabei ist die sogenannte Verlandung an sich kein negativer Vorgang: dichte Vegetation zieht seltene Arten wie Moor- und Knäkente an, Bartmeisen halten sich überhaupt nur in sehr weiträumigen Schilffeldern auf und nach langer Zeit kann am Ende der Verlandung ein Moor entstehen. Ansonsten überwintert die Art als Kurzstreckenzieher meist im Mittelmeerraum ist auf dem Zug den typischen Gefahren durch Bejagung bzw. Wilderei ausgesetzt.

Nachtschwalbenschwanz am Tag

Der Titel klingt nun etwas merkwürdig und mit dem allseits bekannten Schwalbenschwanz (Papilio machaon) aus der Familie der Ritterfalter, hat der Nachtschwalbenschwanz (Ourapteryx sambucaria) nur die Zipfel der Hinterflügel gemein. Der zweite Trivalname der Art, Holunderspanner, weist auf seine Zugehörigkeit zur Familie der Spanner (Geometridae) hin. Blätter von Schwarzen und Roten Holunder gehören tatsächlich zu den wichtigen Raupennahrungspflanzen, ebenso aber auch andere strauchige Gehölze wie Efeu oder Schlehe.

Die Art ist weit über Deutschland verbreitet, weist jedoch auch Vorkommenslücken auf und die immer wieder zu lesende „Häufigkeit“ kann ich so nicht bestätigen. Trotz systematischer Erfassungen in mehreren passenden Habitaten und vieler Leuchtnächte zur Flugzeit, hatten wir die Art erst exakt 1x am Licht. Umso erfreulicher war dieser Zufallsfund am Tag auf einem Industriegelände. Apropos Vorkommen und Habitat: Der hübsche Falter mag es gerne strukturreich und buschig und besiedelt strauchige Waldsäume, passende Gärten usw.

Ein bunter Farbtupfer im Baum

Man kann sie zur Zeit immer noch sehr lautstark und oft singen hören, die Stieglitzer. Wie bei anderen Finken auch, kann man den schönen Stieglitz nicht mit Nistkästen unterstützen, da sie ein mit Flechten getarntes Napf-Nest aus Zweigen, Gras, Spinnweben usw. auf Bäumen und hohen Sträuchern bauen. Einen strukturreichen Garten mit Gehölzen zum Brüten und Wildblumen als Insektenbrutstätte und als Samenquelle, wissen sie dagegen zu schätzen.

Das Gelege besteht i.d.R. aus 4-6 Eiern und eine 2. Jahresbrut ist eher die Regel als die Ausnahme.

Einblick in die letzte Nachtfalterkartierung vom 13.06.

Heute verschone ich euch mal mit längeren Texten Dafür gibt es umso Bilder zu bestaunen, welche erstaunlich bunt und vielfältig sind, denn es geht um Nachtfalter. Am 13.06. haben wir wieder geleuchtet, geködert, kartiert, jungen Waldkauzästlingen gelauscht und überfliegende Waldschnepfen beobachtet, während im Hintergrund eine Wildkatze maunzte. Ganz schön was los im Wald bei Nacht. Standort war eine Lichtung mit Pionierstandort im Mischwald der Uhlstädter Heide.

Wir konnten 75 Arten mit 134 Individuen erfassen. Viel Spaß mit den Collagen!

Der Nachtreiher

Seidig-weiß-blaues Gefieder, eine lange Strähne im Prachtkleid, rote Augen und eine meist abwartende Haltung im Ansitz – Der ausgewachsene Nachtreiher ist eine wirklich schöne Erscheinung, die in Deutschland zwar leicht zunehmend und Süden und Südwest her einwandernd, aber doch mit 45-50 Brutpaaren sehr selten ist. Es kommt auch hin und wieder vor, dass unerfahrene Jungvögel beim Heimzug übers Ziel hinausschießen und sich dann zum Übersommern nördlich der eigentlichen Brutgebiete aufhalten. Die Fotos sind dann auch in einem ungarischen Moorwald entstanden.

Im Sitzen sieht man es ihm gar nicht so an, aber wenn ein Fisch, Frosch o.ä. an seiner Ansitzwarte, die mehr oder weniger knapp überm Wasser liegt, vorbeischwimmt, kann sich der kompakt wirkende Vogel blitzartig verdammt lang machen und sich das Objekt der Begierde aus dem Wasser fischen, ohne dabei von der Ansitzwarte – oft ein überhängender Ast oder Totholz – herunterzuplumpsen.

Gelblichweißer Kleinspanner, Kleines Wintergrün und Schrotbock

Bevor ich weiter mit älteren noch nicht aufgearbeiteten Fotos mache, gibt es nochmal ein paar ganz aktuelle aus einem lichten und südexponierten Kiefern-Eichenwald, den ich betreue. Drei gänzlich verschiedene Arten habe ich für den Beitrag mitgebracht.

  1. Der Gelblichweiße Kleinspanner (Scopula floslactata) war mein Erstfund an dem Tag; trotz systematischer Kartierung mit Leuchtturm und co., hat er sich bislang noch nicht gezeigt – ein schöner Fund am Tag. Die Art bewohnt Wälder und die Raupen fressen wohl an verschiedenen Pflanzen, wobei die Heidelbeere eine größere Rolle zu spielen scheint.
  2. Das Kleine Wintergrün (Pyrola minor) ist eine sehr hübsche sowie leicht zu übersehene Pflanze, was in der Krautschicht von nährstoffarmen Wäldern wachsen kann. Die Art steht sowohl in der Roten Liste Thüringens als auch Deutschlands als gefährdet (3).
  3. Ein hübscher Käfer, den ich auch im Moment des Abflugs fotografieren konnte, war der Schrotbock (Rhagium inquisitor). Man findet Schrotböcke in Nadelwäldern, wo sie wie so viele Käfer und auch insbesondere Bockkäfer, auf Totholz angewiesen sind, von dem sich die Larven ernähren. Die Imagines (erwachsenen Tiere) ernähren sich dagegen von Blütenteilen und – Baumharz! Sehr interessant.

Sooo klein

Ich habe ihre Anwesenheit die Tage durch die Rufe der Alten mitbekommen und dann unüberhörbar durch die Tatsache, dass der alte Pflaumenbaum gequietscht hat. Genauer gesagt, hat es unentwegt aus einer winzigen Bruthöhle gequitscht – eine Kleinspechtbrut. Der winzige Höhleneingang erinnert eher an ein Meisenhabitat und mit seinem Durchmesser von i.d.R. 32-34mm fällt er exakt in diese Kategorie. Die Fotos zeigen nicht nur die unglaubliche Niedlichkeit unseres kleinsten Spechtes, sondern auch die Wichtigkeit von alten Obstbäumen, mit teils abgestorbenen Strukturen sowie vom Erhalt des Lebensraums der Streuobstwiesen.

Höhlen werden durch den Kleinspecht jährlich neu angelegt und das ist auch notwendig: zum einen sind die von ihm präferierten und benötigten Weichhölzer sowie morschen Totholzbestände kein Garant für eine lange Lebensdauer der Höhlen, aber wie man sich bei dem erwähnten Vergleich mit Meisen denken kann, sind die kleinen Höhlen auch bei vielen anderen Vogelarten begehrt und oft besetzt – u.a. vom mittlerweile bedrohten Feldsperling. Mehr Ausweichhöhlen reduzieren zudem das durchaus hohe Risiko, dass der Buntspecht die Brut zur eigenen Brutversorgung erbeutet.

Trotz der doch massiven Größenunterschiede der Spechtarten untereinander, ist die Phänologie der Brutbiologie erstaunlich ähnlich und beträgt ca. 3 Wochen. Ab dann wird die Futterzufuhr durch die Eltern reduziert und die nimmersatten Nestlinge dadurch nach draußen gelockt, womit sie nacheinander mit kurzem Abstand flügge werden. Noch 1-2 Wochen gibt es eine Vollpension durch das Brutpaar und dann heißt es: Selbst ist der Kleinspecht.

Es flattert, kriecht und blüht

Bei allen negativen Veränderungen in der Landschaft, gibt es hier und da immer noch ein paar schöne Inseln, wo sich tolle Arten oder Bestandsdichten finden lassen. Man muss nur leider heutzutage immer öfter gezielt danach suchen. Folgend gibt’s ein paar frische Fotos aus aktuellen Kartierungen der Tage.

  1. Na, wer hing denn da an einer abgefressenen Knoblauchsrauke? Es ist eine ausgewachsene Raupe vom Aurorafalter (Anthocharis cardamines), die sich demnächst verpuppen wird und als Puppe bis zum nächsten Jahr die Zeit verschläft. Deswegen ist es wichtig, dass nicht überall gleichzeitig alles raspelkurz gemäht wird. Die Knoblauchsrauke ist zusammen mit dem Wiesen-Schaumkraut die wichtigste Nahrungspflanze der Raupen dieser Art.
  2. Yeah – mal wieder eine lustige Langhornmotte (Adelidae) – dieses Mal eine Art aus dem De Geers Langhornfalter-Artkomplex. Erst 2016 hat man diese 1 Art in 3 separate Arten aufgesplittet; rein von der Verbreitung aus betrachtet, handelt es sich wahrscheinlich um den klassischen De Geers Langhornfalter (Nemophora degeerella). Interessant ist, dass diese Raupen welkes, feuchtes Falllaub aus dem Vorjahr fressen! Es gibt wirklich auf ALLES eine Spezialisierung von irgendeinem Falter; außerdem zeigt es, dass es gut ist, etwas Laub im Garten herumliegen zu haben.
  3. Wer es kennt, erkennt es sofort: Die Raupe vom Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae), die hauptsächlich am Gewöhnlichen Hornklee frisst. Interessant ist, dass sich Widderchen nicht einfach so verpuppen, sondern sich vorher einen Kokon spinnen.
  4. Ein Scheckenfalter am Großen Ehrenpreis – passenderweise ist es der Ehrenpreis-Scheckenfalter (Melitaea aurelia). Ganz so leicht ist es mit der Bestimmung nicht, denn die berüchtigte 3er-Bande aus M. aurelia/athalia/britomartis erfordert schon Kenntnis, Geduld und gute Literatur zur korrekten Bestimmung; mitunter geistert auch die Aussage herum, dass man die Arten morphologisch nicht sauber trennen könnte, was so einfach nicht stimmt. Neben dem Habitat, gibt eine ganze Menge Unterscheidungsmerkmale, für die man die Falter in die Hand nehmen oder von allen Seiten detailliert fotografieren sollte. Das Helmholtz-Zentrum hat für das Tagfalter–Monitoring wirklich hervorragende Diagnosetafeln erstellt. Die Art fliegt auf offenen (Kalk-)Magerrasen, die nicht zu stark verbuscht sind und wo sich die Raupen von Wegerich-Arten als auch Zottigem Klappertopf und Großem Ehrenpreis ernähren können.
  5. Ein schönes Beispiel für die Schönheit heimischer Stauden und leider auch deren Rückgang, ist der Große Ehrenpreis (Veronica teucrium) – warum pflanzen Leute nicht so etwas in ihren Garten? Der Große Ehrenpreis sieht nicht nur hübsch aus und wird sehr gerne von Insekten besucht, er ist zudem Raupenentwicklungspflanze einiger seltener Arten.
  6. 9 Individuen habe ich recht nah beieinander auf, um und in Schlehengebüsch gefunden. Das Verhalten würde auch zum Nierenfleck-Zipfelfalter passen, aber als sie dann doch mal geruht haben, war klar, dass es Pflaumen-Zipfelfalter (Satyrium pruni) sind. Die Schlehe ist dort ihre Eiablage- und Raupenfutterpflanze, was wenig überrascht – die Schlehe ist ja die Stammform der Pflaume. Beim Nektarbesuch ist der Falter nicht wirklich oft anzutreffen, da hilft ein Blick in und auf die Sträucher schon eher.
  7. Im gleichen Gebiet, wo ich auf den Ehrenpreis-Scheckenfalter (Melitaea aurelia) hatte, waren auch die Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea athalia) unterwegs. Alles, was ich zur Bestimmung im anderen Beitrag geschrieben habe, trifft auch hier zu und dass beide Arten in guten Biotopen syntop fliegen, ist gar nicht ungewöhnlich. Der Falter fliegt gerne auf offenen und trockenen Standorten wie mageren Halbtrockenrasen; dort fressen die Raupen am liebsten an Spitzwegerich und Mittleren Wegerich, aber auch an Leinkraut, Großen Ehrenpreis, Augentrost, Arznei-Baldrian u.a. Es scheint deutliche regionale Präferenzen zu geben bzw. regionale Spezialisierungen auf eine bestimmte der erwähnten Pflanzen, wie dies auch schon bei anderen Faltern beobachtet wurde.