Über Heinrich, seltene Libellen und kegelförmige Bienen

  1. Was man nicht alles so auf der Wiese am Waldrand findet, bspw. Heinrich, den Hirschkäfer Schon etwas müde und geschafft, hatte der klein…ääh große Kerl sichtlich Schwierigkeiten sich durch die Grashalme zu bewegen. Die Männchen sind unverkenn- und unverwechselbar, die Weibchen der Art erinnern an zu groß geratene Balkenschröter, mit denen sie oft verwechselt werden, zeigen aber auch diese lederfarbige Rotbraun der Flügeldecken – neben der auffallend Größe natürlich. Der Hirschkäfer ist eine tolle Art, um den Fokus beim Thema Insektenschutz mal wieder ein bisschen in die richtige Richtung nachzujustieren: Das Larvalstadium zieht sich für gewöhnlich über 5 bis 7 Jahre, im Extremfall sogar 8 Jahre! Während die erwachsenen Tiere wenige Wochen alt werden, wenn überhaupt. Und was brauchen die Larven? Totholz! Richtig viel, richtig dick und am besten schon etwas zersetzt, so dass sie im sogenannten Mulm leben und fressen können.
  2. Praktisch an der selben Pfütze in einem Tagebau, wo ich sie schon einmal beobachtet hatte, habe ich sie wiedergefunden: Sie in der Region sehr seltene Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio). Alle Bilder zeigen männliche Individuen, ein orangefarbiges Weibchen ist leider im Moment des Auslösens abgedüst. Deutlich häufiger ist die Zwillingsart, die Große Pechlibelle. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zeigt sich bei Männchen am 8. und 9. Segment des Abdomens: Das Segment 8 ist zur Hälfte schwarz gefüllt, das 9. ist blau. Bei der Großen Pechlibelle ist dagegen das 8. Segment komplett blau und sonst alles schwarz. Die Kleine Pechlibelle ist eine typische Pionierart, die stark besonnte und temporäre Kleingewässer (Pfützen, Fahrspuren, Tümpel, Mulden,…) an Ruderalstandorten u.ä. besiedelt.
  3. Im selben Tagebau wie die Kleine Pechlibelle, hat sich diese Besonderheit gezeigt: Ein junges, nicht ausgefärbtes Männchen des Kleinen Blaupfeils (Orthetrum coerulescens). Die wärmeliebende Art kommt in Deutschland nur sehr lückig und zerstreut vor. Zu ihren bevorzugten Biotoptypen langsam fließende Gewässer wie Quellmoore, Seeabflüsse, Gräben, kleine Wiesenbäche oder wie hier: Rinnsale in Tagebauen.
  4. Diese Biene mit dem proportional großen Dickkopf und dem nach hinten kegelartig kleiner werdenden Körper gehört passenderweise zur Gattung der Kegelbienen. Die Weibchen lassen sich besser bestimmen, wobei das Wildbienen genrell kein einfaches Thema ist, das hier sollte ein Männchen der Schuppenhaarigen Kegelbiene (Coelioxys afer) sein, das auf einer Wiesen-Flockenblume sitzt. Kegelbienen gehören verhaltensbiologisch zu den Kuckucksbienen, d.h. sie parasitieren andere Wildbienenarten und sind damit weder böse, noch unerwünscht – ganz im Gegenteil: Solche Arten tragen Sorge dafür, dass keine Art zu dominant auftreten oder bestehende Ressourcen einseitig ausnutzen kann. Außerdem zwingen sie ihre potentiellen Wirte damit zu der Anstrengung, stets im Sinne der Fitness angepasst zu sein und ein starkes, gesundes Genom (weiter)zuentwickeln. Parasitäre Arten sorgen also salopp gesagt dafür, dass alle anderen nicht zu träge werden und sich gehen lassen

Seltene Pflanzen und ein junger Drache

Hier nun der angekündigte zweite Teil der Runde im NSG Flachstal bei Mühlhausen. Heute liegt der Fotos auf besonderen Pflanzen und dem Nachwuchs einer Echse.

  1. Im Gebiet in guten Vorkommen vorhanden, ansonsten recht selten in Deutschland, besonders geschützt und nur lückig verbreitet: Der Feld-Mannstreu (Eryngium campestre). Diese Steppenart besiedelt bei uns Halbtrockenrasen und magere sowieso skelettierte Böschungen. Die Samenausbreitung erfolgt über Anemochorie, also durch Wind – wobei das zu kurz gefasst wäre. Am besten denkt man typische Cartoons, wo in einer Steppe oder Wüste trockene Dornenbüsche durchs Bild rollen – genauso macht es der Feld-Mannstreu!
  2. Auf dem Rückweg, etwas versteckt an einem Sträuchersaum, so nebenbei entdeckt, wartet das Gestreifte Leinkraut (Linaria repens) auf ein paar Makrofotos. Die Art ist in Deutschland sehr selten, was man gut auf der Karte von Flora-Web sehen kann und hat ihren Verbreitungsschwerpunkt in den warmen Gefilden Frankreichs. Interessant ist, dass die Pflanze kein Kalk verträgt, entsprechend mag sie den Boden eher sauer. Ansonsten mag sie es einigermaßen warm, nicht zu trocken und bevorzugt ein eher ozeanisches Klima, was nichts anderes heißt als: milde Winter.
  3. Dieses Jahr lief es ganz gut mit der Sichtung von Zauneidechsen-Nachwuchs, so wie hier! Bei der Echsenbestimmung spielt neben dem arttypischen Fleckenmuster auch stark die Kopfform bzw. das Profil eine große Rolle. Die Zauneidechse gehört zu den eher häufigen Reptilienarten, was in heutiger Zeit aber deutlich relativ zu betrachten ist, da wir generell einen massiven Biomasseverlust an Reptilien und Amphibien erlebt haben und noch immer erleben.

Falter im Flachstal im Juli

Von einer schönen kleinen Runde im NSG Flachstal bei Mühlhausen stammen die heutigen Fotos, passend zum Juli mit einem Fokus auf Schmetterlinge. Ein paar weitere Arten zeige ich dann im kommenden Beitrag.

  1. Ich mag die Dickkopffalter (Hesperiidae) besonders gerne und über den Komma-Dickkopffalter (Hesperia comma) habe ich mich besonders gefreut. Die Art ist in Thüringen nur sehr lückig verbreitet, recht selten und steht entsprechend auf den Roten Listen von Thüringen und Deutschland auf der 3 – gefährdet. Die Art war früher mal sehr häufig und weit verbreitet und leidet wohl an der Eutrophierung (Stickstoffeintrag) der Landschaft, da dieser Dickkopffalter magere und offene Standorte bewohnt. Aus den Fundortdaten lässt sich auch gut ableiten, dass der Komma-Dickkopffalter wärmebegünstigte Habitate bevorzugt.
  2. Ein recht häufiger und weit verbreiteter Dickkopffalter ist der Kronwicken-Dickkopffalter (Erynnis tages), das Bild zeigt ein Pärchen bei der Paarung. Er ist unser einziger Dickkopffalter, dessen Raupen an Schmetterlingsblütlern leben, oft ist das die Bunte Kronwicke. Wir konnte auch selbst schon ein Weibchen bei der Eiablage an eben dieser Pflanze beobachten als auch dokumentieren.
  3. Der Fund vom Kurzschwänzigen Bläuling (Cupido argiades) war dort im Quadranten der historisch erste Nachweis. Erstnachweise kann man bei dieser Art aktuell Zuhauf machen, da sie sich im Zuge des Klimawandels stark vom Südwesten her ausbreitet und auch von den ökologischen Ansprüchen her nicht sehr hohe Anforderungen an den Lebensraum stellt.
  4. Eher ein Beleg- als ein ästhetisch schönes Foto, was ich trotzdem nicht vorenthalten wollte, war der Fund vom Malven-Dickkopffalter (Carcharodus alceae), der hier Nektar aus der Großblütigen Braunelle trinkt. Auch die Art war ein komplett neuer Nachweis für das Gebiet bzw. den Quadranten. Aktuell kann man von der Art auch Eier und Raupen an Blättern von Malven finden; vor allem Weg-Malve und Moschus-Malve.
  5. So schnell kann man belohnt werden: Anfang des Jahres wurde ein neuer Garten in einem Wohngebiet in Mühlhausen naturgerecht mit standortangepassten, heimischen Saatgut angelegt. An dem schattigen Standort hat sich u.a. das Berg-Weidenröschen angeboten und es hat auch gleich einen Liebhaber gefunden: Mehrere Raupen vom gar nicht so häufigen Nachtkerzenschwärmer (Proserpinus proserpina), einer besonders geschützten Art der Schwärmer! Anders als der Name vermuten lässt, sind nämlich heimische Weidenröschen-Arten (Schmalblättriges -, Zottiges – oder Berg-Weidenröschen) die wichtigste Futterpflanze für die markanten und schönen Raupen.

Die Lerche mit Spitzdach – Haubenlerche

Deutlich spitzer, länger und auch im angelegten Zustand sichtbar, ist die Federhaube der Haubenlerche im Vergleich zur Feldlerche. Das gleiche trifft auch auf den Schnabel zu, ansonsten beziehen sich deutliche Unterschiede vor allem auf das Habitat und auch die Häufigkeit. Mit lediglich nur noch 2.300-3.700 Brutpaaren bei stark negativem Trend, ist es selten geworden eine Haubenlerche in Deutschland zu sehen – diese Fotos gelangen mir dann auch am Neusiedler See am Rande einer Lacke auf einem Weinbau-Acker.

Aufgefallen ist sie uns aber wegen eines Gesangs, den wir sofort als fremd erkannt haben und wissen wollten, wer da herumträllert. Der Grundcharakter des Gesangs klang wie eine Mischung vom Flöten der Mönchsgrasmücke und dem Schwätzen einer Feldlerche – aber lautstark vom Boden aus. Dazu waren noch einige andere Elemente wie das Motzen von Meisen zu hören, was kein Wunder ist, denn die Haubenlerche baut – man kennt es von der Feldlerche – gerne mal Imitationen anderer Arten ein.

Ihre Habitatansprüche sind eigentlich sehr gering; gerade wenn „nichts“ ist, gefällt es ihr. Damit sind u.a. karge Flächen, Trockenrasenhänge, warme Felsflure und Brachflächen mit Kräuterbestand gemeint, aber auch Sekundärbiotope wie bspw. städtische Flächen: Baubrachen, Parkplätze, trockene Rasen. Es gab mal Zeiten, da waren Haubenlerchen im Stadtgebiet ein weit verbreiteter als auch vertrauter Anblick. Wie konnte eine so anspruchslose Art quasi verschwinden?

Es sind hier über die Jahre mehrere Gründe zusammengekommen. Angefangen beim Nahrungsmangel durch eine intensivierte Landwirtschaft, immer mehr Verdichtung von städtischen Flächen und einer extremen Zunahme von Freizeitdruck, eine starke Gefährdung durch immer mehr Hauskatzen, die die Bruten dieser Bodenbrüter nachweislich massiv dezimieren, weitere stetige Gelegeverluste durch Bauarbeiten, andere Prädatoren, die sich als Kulturfolger halten konnten, landwirtschaftliche Aktivität als auch einfach der Lebensraumverlust an sich: Alles muss genutzt und bewirtschaftet werden, Brachflächen sind unerwünscht und verschwinden daher zusehends. Leider ist hierzulande keine Trendwende bei den Verlustursachen zu erkennen.

Überraschung mitten am Tag

In einem der von mir betreuten Schutzgebiete wollen wir im Juli mal wieder Nachtfalter leuchten und kartieren und eine der Arten, die ich da hoffe zu finden, ist das Große Eichenkarmin (Catocala sponsa). Nun war ich die Tage in meinem anderen Gebiet unterwegs und nach ein paar nicht so schönen Sachen, haben dann doch zwei Dinge meine Laune gleich gehoben: Im angrenzenden Wald kam mir ein Russischer Bär (Euplagia quadripunctaria) entgegengeflogen und da flattert noch etwas, um einen Stamm, was sich anschließend augenscheinlich auf die Rückseite gesetzt hat. Ich dachte sofort an eines der Ordensbänder (Catocala spec.) und beim Blick darauf war gleich klar, dass es sich nicht um das übliche Rote Ordensband (C. nupta) handelte. Markant sind zum Einen die Vorderflügeloberseiten – diese sehen beim Kleinen Eichenkarmin (Catocala promissa) allerdings fast genauso aus. Bestimmungsrelevant ist die zur Mitte hin gezackte schwarze Mittelbinde auf den roten Hinterflügeloberseiten.

Tatsächlich saß mein erstes Großes Eichenkarmin (Catocala sponsa) vor mir! In Deutschland gilt die Art als ungefährdet, ist aber sehr lückig verbreitet, während sie in Thüringen auf der Roten Liste als gefährdet (3) eingestuft ist.

Der Falter lebt in eichenreichen Laubwäldern und ist von den Eichen auch abhängig, da sie die einzige Nahrungspflanze der Raupen darstellen.

Besondere Falter im Thüringer Schiefergebirge

Die Tage war ich im Thüringer Schiefergebirge unterwegs und es schön zu sehen, dass es doch noch intakte Feuchtwiesen, Bergbäche und feuchte Schluchtwälder gibt. Dementsprechend gab es einige schöne Arten zu beobachten, von denen ich einen kleinen Teil anhand meiner Fotos vorstelle.

  1. Der Braune Feuerfalter (Lycaena tityrus) gehört mit dem Kleinen Feuerfalter zu den eher – relativ – häufigen Vertretern aus er Unterfamilie der Feuerfalter (Lycaeninae). Man findet ihn nicht nur auf den für Feuerfalter typischen Feuchtwiesen, sondern auch an trockeneren Standorten. Wichtig ist das Vorhandensein seiner Nahrungspflanzen: Kleiner und Großer Sauerampfer. Das Foto zeigt ein männliches Individuum ruhend auf Wirbeldost.
  2. Wem entlockt dieser Anblick nicht ein verzaubertes „Ahhh“? ;D Das Männchen vom Dukaten-Feuerfalter (Lycaena virgaureae) leuchtet einem quasi direkt im Flug entgegen, das Weibchen zeigt innenseitig viele Braun-Anteile. Auch diese Art lebt wie bspw. der Braune Feuerfalter an Großem und Kleinem Sauerampfer, ist aber ökologisch spezialisierter. Als Biotop bevorzugt der Dukaten-Feuerfalter magere, kalkarme Flächen in Mittelgebirgslagen, wo sie viele Blüten besuchen. Hier waren es u.a. Acker-Kratzdistel und Arznei-Thymian.
  3. Bei dem Großen Perlmuttfalter (Speyeria aglaja) habe ich der Dame auf den ersten beiden Bildern den Vortritt gelassen, bis sich zwei Männchen jeweils im Anschluss zeigen. Die Weibchen waren deutlich größer und besonders imposant fand ich die deutlich kontrastreichere, leicht schillernde Zeichnung der Oberseite; am schönsten lassen sich Perlmuttfalter jedoch durch die Flügelunterseiten bestimmen. Die Raupen fressen wie die meisten Perlmuttfalter an verschiedenen Veilchen, wichtig ist der Lebensraum: strukturreiche Lichtwälder, Bergwiesen oder Moore. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Art im Laufe der Zeit stark abgenommen hat. Die Nektarpflanze auf den Fotos ist die Perücken-Flockenblume, die in Deutschland sehr lückig und lokal verbreitet ist.
    Nachtrag: Auf Bild 3 hat sich ein Feuriger Perlmuttfalter (Fabriciana adippe) eingeschlichen!
  4. Ihn habe ich mehrmals gesucht und nur manchmal gefunden, den Mädesüß-Perlmuttfalter (Brenthis ino). Der Name ist Programm: die Art ist hauptsächlich auf das Echte Mädesüß als Nahrungspflanze spezialisiert und damit ergibt sich auch der Lebensraumanspruch an Feuchtwiesen, feuchte Waldwiesen an Bächen usw. Das heißt aber noch nicht, dass man ihn gleich dort findet und wenn, dann meist eher vereinzelt. Man sollte auch potenzielle Nektarpflanzen im Auge behalten, die wie bei vielen Schmetterlingen, am besten violett sind: Wiesen-Witwenblume, Tauben-Skabiose, verschiedene Disteln, verschiedene Flockenblumen, Dost, Thymian usw. Auf meinen Fotos sitzt er auf der Wiesen-Witwenblume und Arznei-Thymian.
  5. Nur sehr lückig und lokal in Deutschland verbreitet, ist die Perücken Flockenblume (Centaurea pseudophrygia), die nach der Roten Liste Deutschlands als gefährdet gilt. Als Standort bevorzugt die Art feuchte Bergwiesen und Silikatmagerrasen, auch kalkfreie Waldsäume, solange es nicht zu trocken ist.

Einige besondere Libellen

Bei einer Runde um eine der lacken im Bereich des Neusiedler Sees, hatten wir eine Menge Libellen. Einige der Arten, darunter auch ein paar besondere Arten, stelle ich mit den folgenden Fotos vor.

  1. Die Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum), hier ein frisch geschlüpftes Weibchen, gehört zu einer Art, die man sehr oft beobachten kann. Markant, vor allem bei Weibchen oder nicht ausgefärbten Individuen, sind die komplett schwarzen Beine, während diese bei einigen anderen Heidelibellen u.a. hellgelb geschient sind. Besondere Präferenzen bei der Habitatwahl, außer einer ordentlichen Besonnung, hat diese eher generalistische Art nicht.
  2. Die Fotos zeigen jeweils ein männliches und weibliches Individuum der Frühen Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii). Bei einigen Libellenarten ist die Augenfarbe variabel, bei einigen dagegen bestimmungsrelevant – zu letzterer Gruppe gehört diese Art. Die im unteren Bereich blau gefärbten Augen zeigen sich bei beiden Geschlechtern in jedem Alter. Die Frühe Heidelibelle ist eine Wanderlibelle. Die überschaubaren Beobachtungen in Deutschland sind vor allem vom Einflug aus dem Süden abhängig – die in Deutschland geschlüpften Individuen wandern ähnlich wie bspw. der Distelfalter, wieder zurück gen Süden in die mediterrane Heimat. Hier im Bereich des Neusiedler Sees bei Österreich und Ungarn hatten wir es dagegen mit einer ordentlichen Anzahl dieser südlichen Art zu tun.
  3. So etwas wie die Blaumeise unter den Libellen, ist die Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum), die hier mit zwei verschiedenen Männchen zu sehen ist. Der Vergleich ist jetzt nicht auf die durchaus passende Farbe bezogen, sondern auf ihre weite Verbreitung und Häufigkeit. Die Art mag vor allem große Stillgewässer mit überschaubarer Vegetation und kann dabei in großer Individuenzahl auftreten. Was sie von vielen auf den ersten Blick ähnlich aussehenden Azurjungfern unterscheidet, ist der bei beiden Geschlechtern sehr sauber wirkende Thorax an der Seite: Unter den Humeralstrreifen sind keine der sonst typischen dünnen schwarzen Striche zu sehen.
  4. Wenn eine sonst typischerweise rot gefärbte Heidelibelle, gelb ist, muss das nicht zwangsläufig heißen, dass es ein Weibchen. So wie hier kann es sich auch um ein noch nicht ausgefärbtes, frisch geschlüpftes Männchen handeln. Bei der Art handelt es sich um die Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum). In diesem Stadium taugen die sonst markanten gelben Streifen des Thorax der Zwillingsart Große Heidelibelle nicht zur Unterscheidung. Wiederum in sehr späten Stadien können diese auch durch Verschleißerscheinungen verblassen. Das sicherste Merkmal ist daher oft ein Blick frontal ins Gesicht: die schwarze herablaufende Stirnzeichnung zeigt nur die Gemeine Heidelibelle; bei der Großen Heidelibelle läuft sie nicht herunter.
  5. Eine große Überraschung für uns, war der massive Einflug der Südlichen Mosaikjungfer (Aeshna affinis), von denen teilweise richtige Wolken im Bereich des Neusiedler Sees zu beobachten waren. Diese südeuropäische Wanderlibelle bevorzugt flachere, kleine Gewässer mit viel Schilf und breitet sich aufgrund der Klimaerwärmung weiter gen Norden aus und Beobachtungen in Deutschland nehmen zu. Auf den Fotos ist ein noch junges Männchen zu sehen.
  6. Die Färbung und der Habitus hat an die typische Westliche Weidenjungfer erinnert, aber vor allem zwei Dinge haben so gar nicht dazu gepasst: Der Thorax ist frei von der typischen Zacke und die Flügelmale sind mit 2 Farben dreigeteilt: Weiß-Braunschwarz-Weiß. Damit ist es die Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus). Die Art ist recht spezialisiert und bewohnt voll besonnte und sehr kleine, teils austrocknende Gewässer mit dichtem Bewuchs.

Rohrweihen-Pärchen zusammen in der Luft

Eine schöne wildlife-Flugshow hat uns dieses Rohrweihen-Pärchen Ende Mai geliefert. Ihre erste Brutzeit haben Rohrweihen meist im Alter von zwei oder drei Kalenderjahren. Es ist so, dass einige Jungvögel, wie bei anderen Greifvögeln auch, mitunter im Überwinterungsquartier übersommern und dort einen zweiten Winter verbringen, bevor sie dann adult und geschlechtsreif im dritten Kalenderjahr in die europäischen Brutgebiete zurückkehren.

Das Phänomen des Übersommerns können wir auch in Deutschland sehen, wenn typische Wintergäste aus dem Norden wie bspw. Weißwangengänse, hier im Sommerhalbjahr zu beobachten sind, ohne dass sie dabei zur Brut schreiten würden. Aber zurück zur Rohrweihe: Die Balz wird durch das Männchen initiiert, welches mit halsbrecherischen Sturzflügen und Scheinangriffen das Weibchen zu beeindrucken versucht, bevor es seiner Auserwählten Beute als Brautgeschenk – natürlich mitten in der Luft als „Wurfsendung“ – überreicht. Das ist auch ähnlich wie beim Habicht die Phase im Jahr, wo man die nicht sonderlich ruffreudigen Rohrweihen auch mal hören kann.

Gänzlich verschiedene Schmetterlinge bei einer Tour um die Zicklacke

Heute gibt’s wieder einen Schmetterlingsbeitrag mit Fotos aus einem vergangenen Urlaub, Ende Mai am Neusiedler See, bei einer Runde um eine der Lacken.

  1. Selten finde ich sie auch mal bei mir in der Gegend, in der Ecke um den Neusiedler See hatten wir sie quasi überall: Die Ackerwinden-Trauereule (Tyta luctuosa). Vom Namen her kann man sich tatsächlich einige Eigenschaften ableiten – das funktioniert aber nicht immer! Die Raupen leben ausschließlich an der Acker-Winde, die Art gehört zu den Eulenfaltern und das „Trauer“ steht bei Trivialnamen bekanntlich immer für ein dunkles äußeres Erscheinungsbild.
  2. Zu den eher noch häufigen Widderchen gehört das recht variable Beilfleck-Widderchen (Zygaena loti). So wie alle Widderchen und generell auch sehr viele Falter, vor allem Tagfalter, haben sie eine Vorliebe für lila Blumen – Hier eine Vogel-Wicke. Damit es überhaupt erst zum Falter kommt, müssen sich allerdings erst einmal die Raupen entwickeln – ein Aspekt, den viele Gärtner und vor allem Gärtnereien unter den Tisch fallen lassen, wenn sie ihren Kunden den größten Quatsch andrehen. Beim Beilfleck-Widderchen braucht es Hufeisenklee, Bunte Kronwicke oder Gewöhnlichen Hornklee als Futter für die Raupen.
  3. Einige Vertreter der Spanner ähneln auf dem ersten Blick schon dem Klischee der „graubraunen Motte“, wobei diese Familie eine unheimlich große Variationsbreite Zeichnungen und Farben aufweist. Und selbst bei den nicht so bunten Arten, lassen sich bei genauem Blick unheimlich viele filigrane und schöne Details erkennen, so wie hier bei der sehr variablen Art Marmorierter Kleinspanner (Scopula immorata). Die Raupen ernähren sich von verschiedenen Kräutern, wobei Thymian und Echter Dost (=Oregano) eine besondere Rolle zu spielen scheinen.
  4. Dieser Dickkopffalter aus der schwierigen Pyrgus-Artengruppe fällt mit seinen kräftigen weißen „Zähnen“ auf den Hinterflügeloberseiten sowie den aus der Reihe tanzenden Kästchen im Postdiskalbereich der Vorderflügel auf. Es ist der Mehrbrütige Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus armoricanus), der tatsächlich mindestens zwei Generationen im ausbildet, je nach Lage und Witterung auch eine unvollständige dritte.
  5. Zu sehen an Bunter Kronwicke, Gewöhnlichem Natternkopf und Luzerne: Der Resedafalter (Pontia edusa). Bei der Art ist der wissenschaftliche Name wichtig, da es noch einen weiteren Resedafalter gibt, Pontia daplidice, der Süd- und Südwesteuropa sowie Nordafrika besiedelt.
  6. Einen schönen Namen hat das Silbereulchen (Deltote bankiana) abbekommen. Die Art ist eher lokal verbreitet und mag es nicht zu trocken, besiedelt gerne Feuchtwiesen, Ufer oder wechselfeuchte Wiesen sowie Waldlichtungen. Als Raupennahrung stehen verschiedene Gräser auf dem Speiseplan.
  7. Mit einem hübschen rötlichen Grundton ist der Violettrote Kleinspanner (Scopula rubiginata) ausgestattet. Sie sind auch in DE verbreitet, hier aber recht lückig. Als Habitat kommen trockene Magerwiesen, Ödland, Heiden u.ä. Biotope in Betracht. Wie auch bei anderen Scopula-Arten, leben die Raupen an verschiedenen Kräutern; eine Präferenz wurde für Thymian, Besenheide, Wiesen-Sauerampfer und Gewöhnlichen Beifuß festgestellt.
  8. Die Weiße Winden-Federmotte (Pterophorus pentadactyla) gehört mit zu den größten Vertretern ihrer Familie, die der Federmotten. Immer wieder faszinierend anzusehen sind die filigranen Federstrukturen der mehrteiligen Flügel. Für Deutschland sind ungefähr 70 Arten aus der Familie der Federmotten dokumentiert, deren Bestimmung mitunter sehr schwierig sein kann, wenn es bspw. bei einigen Arten auf Zeichnungsdetails der Federspitzen ankommt.

Ein paar Besonderheiten von heute

Bei einer Kartierrunde heute waren noch nebenbei für zwei Dinge Zeit: Kräuter zum Trocknen sammeln (Tee für den Winter) und ein paar ausgewählte Fotos besonderer Arten, die ich bislang noch nicht oft oder gar nicht vor der Linse hatte.

  1. Für jemanden wie mich, der ’89 geboren ist, ist so etwas immer befremdlich zu hören, diese oder jene Art ist (in alter Literatur) oder war mal (in aktueller Literatur) eine Allerweltspflanze. Das Shifting Baselines Syndrom lässt grüßen. Und damit sind wir schon beim Echten Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea), was man heute leider recht selten sieht. Zurecht sind daher alle Arten der Gattung gesetzlich besonders geschützt. Das Echte Tausendgüldenkraut ist dabei die Art der Gattung, die noch als relativ häufig gilt. Interessant ist die Zugehörigkeit zur Familie der Enziangewächse, was die Bitterkeit als auch die Verwendung für Kräuterliköre oder als Heilkraut erklärt. Das Echte Tausendgüldenkraut braucht viel Licht, benötigt magere Böden und mag es dabei aber nicht zu trocken – zu starke Sukzession als auch Nährstoffeintrag und Trockenlegung ehemaliger Feuchtgebiete gefährden die Bestände.
  2. Auf einer sandigen Rohbodenstelle waren diese leuchtenden, wunderschönen Nelken zu sehen – es handelt sich dabei um die gesetzlich besonders geschützte Raue Nelke (Dianthus armeria). Man findet sie auf mageren Halbtrockenrasen entlang von Saumstrukturen wie Sträuchern oder Wäldern. In Thüringen steht die Art in der Roten Liste als stark gefährdet, umso schöner ist der Wiederfund an dem Standort. Ein markantes Bestimmungsmerkmal stellen die weißen Punkte auf den Kronblättern dar.
  3. Bei den Gespinstmotten der Gattung Yponomeuta spec. verhält es sich für gewöhnlich so, dass einige Imagines überhaupt nicht auf Artebene anzusprechen sind, man braucht die Raupen an der jeweiligen spezialisierten Nahrungspflanze und bestimmt dann über die Nahrungspflanze. Aber natürlich gibt es wie überall Ausnahmen, so gibt es gleich 3 Arten, die sich am Gewöhnlichen Pfaffenhütchen entwickeln: Y. plumbella, Y. cagnagella, Y. irrorella. Glücklicherweise war die Natur so nett, genau bei den Arten dafür zu sorgen, dass es hier die Imagines sind, die sich leicht unterscheiden lassen! Hier haben wir Yponomeuta plumbella, unverwechselbar mit den dicken schwarzen Flecken auf den Flügeln.