Impressionen der Leuchtnacht vom 15.08.

Heute ist’s mal wieder Zeit für eine schöne bunte Collage aus unzähligen Makrofotos von Faltern (aber nicht nur, siehe letzte Seite). Mitte August waren wir wieder in einem der von mir betreuten Schutzgebiete leuchten und ködern und dass es noch früh um 4 20°C war, hatte sicher seinen Anteil daran, dass wir einen unglaublichen Anflug hatten. Die Collagen zeigen natürlich nur einen kleinen Teil der 106 Arten und rund 560 Individuen, die wir hatten. Viel Spaß beim Durchsehen!

Komma nicht vergessen

Ohne Komma wären nicht nur eine Sätze schwierig und missverständlich zu entschlüsseln, auch die Familie der Hesperiidae wäre um eine Art ärmer Dieses Jahr lief es mit der Beobachtung von Komma-Dickkopffaltern (Hesperia comma) bei mir wirklich gut. Das Foto von heute zeigt ihn am Rand einer Pfütze, wie er friedlich und sehr lange Minerale über seinen Saugrüssel aufnimmt. Schon früher im Jahr war er dort im Gebiet – ein ehem. Kalksteinbruch mit mageren Halbtrockenrasen und Schutthängen – aufzufinden.

Schöne florale Entdeckungen im August

Mitte August haben wir bei unserer Libellensuche im feucht-waldigen, halboffenen Ilmtal auch einige besondere Pflanzen entdecken können, von denen ich 2 Arten mit Fotos vorstelle.

  1. Früher Allerweltspflanze, heute in Deutschland auf der Roten Liste (3): Der Gemeine Augentrost (Euphrasia officinalis). Die Art mag es mager, eher frisch und bevorzugt höhere Lagen. Typisch besiedelte Biotope sind extensive Weiden, Magerrasen, Moor- und Bergwiesen. Seinen Namen hat der Augentrost von seiner früheren Verwendung bei Augenleiden – das rührt daher, dass man die Blüten mit bewimperten Augen verglichen hat und dachte, dann wird es wohl bei Augenleiden helfen. Tatsächlich weist die Pflanze entzündungshemmende Stoffe auf. Was die Pflanze ebenfalls hemmen kann, ist das Wachstum anderer Pflanzen, oft Gräser, da sie ein Halbschmarotzer ist.
  2. Wenn man sich die einzelnen Blüten der Dolden der Gewöhnlichen Schafgarbe mal in extra groß vorstellt, dann sieht man gut die nahe Verwandtschaft: Die Fotos zeigen nämlich die Sumpf-Schafgarbe (Achillea ptarmica). Wie man sich denken kann, bevorzugt die Art feuchte Standorte wie Ufer, Gräben oder wie hier: Feuchtwiesen. Am Standort hatten wir daher auch andere Feuchtwiesenbewohner wie Grüne Minze, Gewöhnlicher Wasserdost, Kohldistel, Knäuel-Binse, Sumpf-Hornklee u.a.

Schöne Funde auf Muschelkalk-Berghängen in der letzten August-Dekade

Heute war ich auf skelettreichen Schutt-Trockenrasen auf Muschelkalk in südexponierter Lage unterwegs und hab von 2 schönen Arten Fotos aus jeweils 2 Lebensstadien mitgebracht, aber lest selbst:

  1. In Thüringen steht es in der Roten Liste als gefährdet (3), in Deutschland sogar als stark gefährdet (2): Das Bergkronwicken-Widderchen (Zygaena fausta). 3 wunderschöne verschiedene Individuen konnte ich finden, zur Nektaraufnahme wurde die Skabiosen-Flockenblume und die Berg-Aster angeflogen. Die Art ist streng an den Lebensraumtyp wärmebegünstigter, offener Waldsäume in schuttiger Hanglage auf Muschelkalk als auch ihre Raupenfutterpflanze, die namensgebende Bergkronwicke, gebunden. Und damit sind wir schon beim Thema: Immerhin einen Eispiegel mit 8 knallgelben Eiern konnte ich an einer Bergkronwicke finden.
  2. In meiner Region habe ich von der ersten fliegenden Generation der Himmelblauen Bläulinge (Lysandra bellargus) nicht wirklich was gemerkt; wobei die Art auch immer stark unterschiedlich gute Jahre hat. Jetzt im Spätsommer geht es aber nochmal richtig los: wie üblich mit dem Silbergrünen Bläuling (Lysandra coridon) vergesellschaftet, haben sich über 30 Individuen blicken lassen. Gerade die Männchen (Name!) fallen schon aus weiter Entfernung auf. Die skelettreichen, xerothermen Muschelkalkhänge bieten der Art einen guten Lebensraum und entsprechend waren auch viele Individuen der wichtigsten Raupenfutterpflanze zu finden, den Gewöhnlichen Hufeisenklee. Immerhin 3 Mal konnte ich auch ein Ei an den Blättern finden.

Libellenzeit – Die einen haben wir gesucht, die anderen kamen zu uns

Mitte August waren wir im Ilmtal unterwegs, um mal wieder gezielt nach Libellen zu schauen. Dass der Tag ganz im Zeichen von Libellen stehen würde, konnte ich gleich nach dem Aufstehen vor dem Schlafzimmerfenster feststellen und damit sind wir bei der ersten Art:

  1. Da hing einfach mal eine weibliche Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) am Efeu! Hier in der Gegend hatte ich bis dato noch gar keine, in Thüringen steht sie in der Roten Liste als gefährdet (3). Gemein ist den Quelljungfern, dass sie als Reproduktionshabitate saubere Fließgewässer benötigen; oft sind das kleine Wald- oder eben Quellbäche, die sowohl beschattet, aber auch warm genug sind. Auf die Zweigestreifte Quelljungfer trifft das auch zu, sie besiedelt aber u.U. auch Flüsse, wenn sie nicht zu groß sind – also scheint es nicht unwahrscheinlich, dass sie von der Saale nebenan kommt; wobei nicht auszuschließen ist, dass sie auch von einem kleineren Bachlauf stammen könnte und eine etwas weitere Strecke geflogen ist.
  2. Eine gleichermaßen häufige wie auch beeindruckende Großlibelle, ist die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cynaea). Hier waren mehrere Männchen am Waldsaum um den sumpfigen Weiher auf Patrouille, dieses Individuum hat sich kurz hingesetzt, was dann gleich schamlos für eine Fotosession ausgenutzt wurde Denn mitten am Tag sieht man sie nicht oft ruhen. Neben der Großen Königslibelle gehört die Blaugrüne Mosaikjungfer mit zu unseren größten heimischen Libellenarten. Das namensgebende blaugrüne Mosaikmuster des Abdomens zeigen übrigens nur die Männchen, die Weibchen sind rein grün gemustert. Am ehesten Verwechslungsgefahr besteht mit der ebenfalls häufigen Herbst-Mosaikjungfer; hier empfiehlt sich ein Blick auf die Seiten des Thorax, weil die Herbst-Mosaikjungfer deutlich mehr Braun zeigt.
  3. Die Gattung der Binsenjungfern (Lestes spec.) bietet immer wieder Anlass zu Verwechslungsmöglichkeiten, wichtige Differenzierungsmerkmale sind hier Flügelmale, Thorax-Zeichnung, die ersten Abdominalsegmente des Männchens sowie der Eiablageapparat des Weibchens. Das Foto zeigt ein Männchen der Gemeinen Binsenjungfer (Lestes sponsa). Sie sieht auf dem ersten und zweiten Blick der deutlich selteneren Glänzenden Binsenjungfer sehr ähnlich, allerdings fehlt den Männchen der hier gezeigten Art der glänzende metallic-Überzug der ersten Abdominalsegmente. Die Art mag kleine, besonnte Gewässer wie Weiher oder Teiche, die sich durch eine hohe Vegetationsdichte auszeichnen.
  4. Eine super häufige Sommerart ist die hier gezeigte (weibliche) Gemeine Heidelibelle (Sypetrum vulgatum). Sie gehört mit der Großen Heidelibelle einem Artkomplex an, der sich oft durch die Thoraxzeichnung des Männchens ausdifferenzieren lässt – dies geht aber nur bedingt bis gar nicht bei Weibchen und bei Jungtieren oder abgeflogenen Individuen schon gar nicht. Ein absolut sicheres Unterscheidungsmerkmal ist hier auf dem Foto von vorn gut zu sehen: die schwarze Stirnzeichnung läuft bei der Gemeinen Heidelibelle herab und um die Innenseiten der Augen herum. Bei der Großen Heidelibelle ist dies nicht der Fall.
  5. Eine eher lückig und ungleichmäßig verbreitete Binsenjungfern-Art, ist die Kleine Binsenjungfer (Lestes virens), hier ein Männchen. Für mich war es ein Erstfund, in Thüringen steht die Art in der Roten Liste als gefährdet (3). Einige Merkmale der Art sind die rötlich-braunen Flügelmale, die beidseitig mit weißen Strichen eingefasst sind. Zudem sind die Unterseiten des Hinterkopfes hellgelb abgesetzt, die Antehumeralstreifen sehr schmal und die Zeichnungen des Thorax zeigen keine Zacken o.ä.
  6. Wir haben sie schon länger gesucht und in dem Fall hatten wir auch einen Tipp bekommen: die unfassbar schicke Schwarze Heidelibelle (Sympetrum dange), hier mehrere verschiedene Männchen – was für ein geiles Teil! Weibchen und Jungtiere hatten wir keine gesehen, sie zeigen zum Schwarz noch deutliche Gelbanteile und erinnern damit etwas an riesige Wespen, was nicht minder chic ist! Die Art ist sehr lückig verbreitet und besiedelt eher nährstoffärmere Flachgewässer und Verlandungszonen, die sie meist in Heide- oder Moorlandschaften findet, was auch erklärt, warum sie nicht so oft antrifft. Die Eiablage findet im Uferbereich im flachen Bereich oder direkt auf nass-feuchtem Untergrund wie Moosen statt.

Potpourri schöner Nachtfalter der letzten Kartiernacht

Heute gibt es mal wieder einen kurzen Ein- und Überblick zu unserer letzten Nachtfalterkartierung gegen Ende Juli. Die 6-7h draußen im Gelände machen dabei den geringsten Teil der Arbeit aus, da alle Artbestimmungen noch sorgfältig von uns geprüft werden.

Einige erhoffte Arten wie das Kleine Eichenkarmin (Catocala promissa) oder das Große Eichenkarmin (Catocala sponsa) waren ebenso vertreten wie auch Überraschungen wie die stark bedrohte (Thüringen RL 1) Berberitzeneule (Auchmis detersa). Viel Spaß beim Durchsehen der Collagen.

Kleiner Eisvogel in Fotolaune

Im Wald in unmittelbarer Nähe eines Kalkflachmoors und Feuchtwiesen, sind entlang von Waldwegen und lichten Stellen Unmengen dieses Wald-Tagfalters geflogen, den man sonst höchstens mal vereinzelt antrifft: Der Kleine Eisvogel (Limenitis camilla).

Die Art erreicht eine Flügelspannweite von 45-52mm und ist damit etwas kleiner als der Kaisermantel. Die Raupen entwickeln sich an Roter Heckenkirsche, an denen man sie im Winter auch im Hibernarium, einer selbst gesponnenen Blatttüte, finden kann. Auf Blüten findet man sie nicht so häufig, dafür aber gerne auf Waldwegen oder Kot sitzend – Dort holen sie sich Minerale oder saugen die zuckerhaltigen Ausscheidungen von Blattläusen auf. Die Männchen dieser Art gehören mit zu den Tagfaltern, die durch ein Revier patrouillieren, um Konkurrenten fernzuhalten und Weibchen zu finden. Daher findet man sie oft wie sie Waldwege oder -säume entlang fliegen.

Winzige Falter, kleine besondere Eier und die heimische Goldrute

  1. Auf dem bei Insekten beliebten Rainfarn, saß ein Vertreter der kleinen Spreizflügelfalter (Choreutidae), der Brennnessel-Spreizflügler (Anthophila fabriciana) mit seinem recht variablen Erscheinungsbild.Die Blütenköpfchen des Rainfarns sind ja ein vertrauter Anblick, so dass sich jeder selbst zusammenreimen kann wie winzig diese Falterchen sind. Obwohl die Art tagaktiv und nicht selten ist und oft beim Blütenbesuch zugange ist, wird sie auf Grund ihrer Größe oft übersehen.
  2. Gezielt habe ich in einem bekannten Vorkommensgebiet an südexponierten xerothermen Schieferhängen in Gewässernähe nach Nachweisen vom seltenen und gefährdeten (RL: 1) Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion) gesucht. Imagines und Raupen waren nicht zu sehen, aber dafür knapp 50 Eier + einige leere Eihüllen! Und zwar an seiner lokalen Lieblingspflanze, die Große Fetthenne in der Unterart Hylotelephium telephium maximum. Die Bedrohungsursachen kann man in den entsprechenden Habitaten oft ohne Umwege sehen: Oft wuchernde und invasive Robinien, hier die ebenfalls invasiven Walnussbäume sowie die allgemeine Sukzession, die noch durch die Eutrophierung der Landschaft beschleunigt wird.
  3. Schon interessant: Jeder kennt die Kanadische Goldrute; klar sie steht nicht nur in Gärten, sie überwuchert auch ganze Wiesen und Naturschutzgebiete, degradiert die Artenvielfalt und trotzdem kann man sie überall kaufen. Was weniger bekannt ist: Wir haben auch eine heimische Goldrute, die Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea). Bei der Auswahl an Pflanzen in Gärtnereien, könnte man meinen, dass die Verantwortlichen bereits alle 3.000 mitteleuropäischen Blühpflanzen kennen und für doof befunden haben, anders ist der unsere Natur schädigende Wahnsinn, der dort abläuft, wohl nicht zu erklären

Falter im Feuchtgebiet

Auf feuchten Bergwiesen in den Auen eines Baches, haben sich am Sonntag im Thüringer Schiefergebirge einige schöne Arten finden lassen. Von 3 der 120 erfassten Arten, zeige ich einige Fotos im heutigen Beitrag.

  1. Nicht unbedingt wie im Lehrbuch haben sich hier die Grünwidderchen gezeigt. Foto 1 zeigt ein stark abgeflogenes Männchen, das 2. Foto ein etwas abgeflogenes Weibchen, was im Licht eher blau als grün schimmerte. Die Bestimmung von Grünwidderchen ist so eine Sache…erst einmal zur Gattung: Adscita spec. zeigen dicke Fühlerspitzen, Jordanita spec. dagegen spitze Fühlerenden. Ohne Genitaluntersuchung geht es an der Stelle theoretisch nicht weiter, aber vom Vorkommensgebiet bleibt nur eine Art übrig, das ist das Ampfer-Grünwidderchen (Adscita statices).
  2. Immer ein schönes Erlebnis im Thüringer Schiefergebirge sind die Begegnungen mit dem attraktiven Dukaten-Feuerfalter (Lycaena virgaureae) – das Männchen mit leuchtend orangen Innenseiten, das Weibchen mit Punkten und Braunanteilen. Die Art lebt am Großem und Kleinem Sauerampfer und besiedelt magere, kalkarme Flächen in Mittelgebirgslagen, wo sie viele Blüten besucht. Hier waren es Gewöhnliche Schafgarbe und Rainfarn. Apropos Rainfarn: Beim letzten Foto hat sich unten rechts ein Gast aufs Bild geschlichen: Aller Wahrscheinlichkeit nach ein Weibchen der Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus). Sie bevorzugen Pollen von Korbblütlern und am liebsten tatsächlich vom Rainfarn. Allein eine einzige Staude an Rainfarn ist damit schon ein besseres Insektenhotel als der Quatsch, der einem in Baumarkt und co angedreht wird.
  3. Ein Kokon bzw. genauer gesagt, die eine leere Hülle davon, eine Exuvie also. Wer ist denn da geschlüpft? Auf den ersten Blick war klar, dass es sich um ein Widderchen handelt. Es wirkt kürzer als das übliche vom Sechsfleck-Widderchen, aber vor allem hingen die beiden gefunden Exuvien an Binsen auf einer moorigen Feuchtwiese, umgeben von großen Beständen Sumpf-Hornklee. Und damit sind wir beim Urheber: Hier sind die seltenen Sumpfhornklee-Widderchen (Zygaena trifoli) geschlüpft. Die Art steht in Thüringen auf der Roten Liste als 1 – vom Aussterben bedroht. Die Ursachen dürften niemanden überraschen: Trockenlegung von Feuchtgebieten, Umwandlung von wertvollem Feuchtgrünland in Intensiv-Landwirtschaftsflächen als auch Eutrophierung (Nährstoffeintrag).