Hält auf dem Foto mal kurz seinen vorlauten Schnabel
Wenn man nur ein einziges Wort zur Verfügung hätte, um die Art zu beschreiben, wäre wohl „laut“ angebracht, vielleicht auch „knarzend“, denn wenn sie da sind, dominieren sie zumindest akustisch das Gebiet. Wir reden natürlich vom Drosselrohrsänger.
Es ist gar nicht so leicht, diese Krawallmacher mal einigermaßen frei für ein Foto zu erwischen. Wenn sie nicht gerade bei der Nahrungssuche sind, sind sie den lieben langen Tag während der Brutzeit damit beschäftigt aus dem Schilf heraus zu werben und Reviere zu markieren. Der Gesang ist dabei ein lautes Geknarze und Geknarre mit einigen Quitschlauten und verläuft streng rhytmisch: „Krrt-Krrt-Krrrt – Kiet-Kiet-Kiet -Krrrrt-Krrrrt – Ijuu-Ijuu“
Im Volksmund nennt man ihn aufgrund der Lautäußerungen und in Abgrenzung zu seinem kleinen Verwandten, dem Teichrohrsänger, den Großen Karrekiet. Der Teichrohrsänger ist dann der Kleine Karrekiet. Aber auch vom Äußeren gibt es deutliche Unterschiede zu anderen Rohrsängern und das geht gleich bei der Größe los: Unsere Arten Rohrsänger sind um die 13-15cm lang, der Drosselrohrsänger 16-20cm! Daher auch das „Drossel“ im Namen. Der lange und mächtige Schnabel sowie der breite Schwanz unterscheiden ihn auch auf Bildern gut von seiner kleinen Verwandtschaft.
Kaum zu überhören und unverwechselbar hat hier ein Drosselrohrsänger mal mehr oder weniger exponiert seinen knarzenden Gesang zum Besten gegeben. Das Vorkommen dieser Art ist auf Stillgewässer mit mehrjährigen, größeren Schilfbeständen angewiesen, da die massigen Drosselrohrsänger entsprechend Platz und auch Halt im Schilf brauchen. Gesäuberte und auf Ordnung getrimmte Ufervegetation, um der maßlos übertriebenen Phobie der Verschilfung und Verlandung mancher Leute entgegenzuwirken, führen zum sicheren Verschwinden der Art wie auch weiterer Schilfbrüter wie der Beutelmeise.
Wie auch andere Rohrsänger, so ist auch der Drosselrohrsänger bei uns ein Zugvogel, genauer gesagt ein Langstreckenzieher. Ihre Winter verbringen sie südlich der Sahara und die Überwinterungsquartiere reichen sogar bis in den Norden Südafrikas! Mit der Zugleistung und der Art an sich, kamen 2021 auch Nicht-Ornithologen in Berührung, als Medien über eine Studie mit besenderten Drosselrohrsängern der Universität Lund in Schweden berichteten.
Man wusste bereits, dass Vögel in unwirtlichen Regionen wie der Sahara länger als 24h am Stücken fliegen können, hier konnte man eine zusammenhängende Flugzeit von 34h ohne Landung nachweisen und noch viel erstaunlicher: Von der nächtlichen Reiseflughöhe von 2.400m stiegen die Tiere tagsüber auf 5.400m an! Erst zur Abenddämmerung gingen sie wieder auf ca. 2.000m hinunter. Der Grund für diesen wortwörtlichen Höhenflug sieht man in der um 22°C kühleren Luft bei der Wüstenüberquerung sowie zur Prävention von Prädationsereignissen durch Greifvögel, von denen einige bekanntermaßen regelrecht auf die Zugvögel warten.