Viele Schmetterlinge an der Langen Lacke beim Neusiedler See

Ende Mai gab es an einer der umgebenden Lacken des Neusiedler Sees eine große Menge an Schmetterlingen zu bestaunen. Groß war die dabei nicht nur die Menge der Arten, sondern auch Individuen: Auf kilometerweiten Magerrasen fanden sich bereits direkt am Wegrand teils bis zu 6 Bläulinge an einer Pflanze, irgendwann kann man nur noch grob schätzen und kommt problemlos auf 3-stellige Zahlen. Das sind Beobachtungen, die in Deutschland nur noch relikthaft möglich sind, aber kommen wir nun zu einigen Arten:

1. Schon etwas abgeflogen, aber noch deutlich zu erkennen, ist dieser Ampferspanner (Timandra comae). Die Art ist häufig und weit verbreitet und kann je nach Bedingungen von April bis Oktober beobachtet werden. Namensgebende Arten aus der Gattung von Ampfer (Rumex spec.) sind tatsächlich wichtige Nahrungspflanzen, aber auch Knöterichgewächse (Polygonum spec.).

2. Markant für diese Gattung (Plebejus spec. bzw. Silberfleck-Bläulinge) die metallisch, silbrig-blau schimmernden Flecken auf den hinteren Dots der Vorderflügel. Hier handelt es sich um den weit verbreiteten Argus-Bläuling (Plebejus argus). Die ersten beiden Fotos zeigen jeweils das bestimmungsrelevante Männchen, die anderen beiden Weibchen. Aus der schwierigen 3er-Gruppe der hier vorkommenden Plebejus-Arten P. argus/argyrognomon/idas, ist P. argus am einfachsten zu bestimmen: Die Männchen zeigen oberseitig einen deutlich dicken, dunklen Flügelrand und die vorderen Tibia sind bedornt. Man findet ihn in verschiedenen Offenland-Lebensräumen von Heiden, Trockenrasen bis zu Mooren.

3. Dieser unscheinbare Vertreter der Nachtfalter bzw. Spanner (Geometridae) ist der Braungestreifte Kleinspanner (Scopula virgulata). Für uns ein sehr toller Fund, da die Art in Deutschland selten geworden ist und teils eher südlich vorkommt, sodass wir sie bei systematischen Erfassungen am Licht wohl eher nicht (mehr) vorfinden werden. Der Spanner mag eher trocken-warme Standorte wie Magerrasen.

4. Immer schön anzusehen ist der Distelfalter (Vanessa cardui), hier am ebenso schönen, bestandsbildenden Hain-Salbei zur Nektaraufnahme. Der Distelfalter fliegt jährlich in 4 Generationen aus dem Mittelmeerraum, teils aus Nordafrika, bis zu uns nach Mitteleuropa, um dann später im Herbst wieder zurückzufliegen. Über zersiedelte Landschaften, Berge, Seen und teils sogar das Mittelmeer – Unglaubliche Leistung!

5. Einer der wenigen Falter, die auch hierzulande noch in hoher Abundanz (Individuenzahl) auftreten, ist das Große Ochsenauge (Maniola jurtina), was sich in der Zeichnung und Anlage der Augenfleck variabel zeigt.

6. Ebenfalls überall verbreitet und überall häufig ist der Kulturfolger Kleiner Kohlweißling (Pieris rapae). Zu sehen ist er hier an zwei wunderbaren Beispielen für schöne Falter-Pflanzen: Hain-Salbei und Wiesen-Witwenblume.

7. Immer wieder herrlich sind die abnormal lang gestalteten Fühler von Arten aus der Familie der Langhornmotten (Adelidae). Die Art, die wir hier auf dem Fruchtstand einer Wiesen-Witwenblume sehen, ist Nematopogon adansoniella mit dem eher wenig etablierten Trivialnamen Laubholz-Langhornmotte. Die Raupen entwickeln sich an verschiedenen Laubgewächsen wie Rotbuche, Stiel-Eiche, Schlehe usw.

8. Dieses kleine hübsche Kerlchen ist der Ödlandzünsler (Sitochroa verticalis). Er besiedelt verschieden Offenlandlebensräume und seine Raupen fressen u.a. an Weiden-Alant, Skabiosen-Flockenblume, Beifuß-Arten, Acker-Kratzdistel und weiteren. Angaben über die Brennnessel als Nahrungspflanze sind in Zweifel zu ziehen und beruhen wohl eher auf der Verwechslung mit dem Blassen Nesselzünsler.

9. Na, wer hat’s erkannt? So schaut „unser Kolibri“ aus, wenn er ruht. Die Rede ist natürlich von dem zur Familie der Schwärmer gehörenden Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum). Da das Taubenschwänzchen bei seinen Wanderungen von Südeuropa nach Mitteleuropa auf der Nektarsuche auch viele Gärten besucht, eignet es sich als gutes Beispiel dafür, wie zwei Beobachter mit ihren Augen vollkommen verschiedene Dinge wahrnehmen können:

Viele sind begeistert, wenn die Art an ihren groß gezüchteten Zuchtpflanzen wie Pelargonien (=Geranien) unterwegs ist und freuen sich über den vermeintlichen Nektarbesuch. Was man sieht, muss man aber auch interpretieren, einordnen und verstehen: Solche Pflanzen produzieren gar keinen oder kaum Nektar; was man also beobachtet ist, wie sich ein hungriges Insekten mit hoher Stoffwechselrate zu Tode fliegt und auf der Suche nach Nektar keinen findet. Deswegen sind auch Ansammlungen von bspw. toten Hummeln ein menschengemachtes Neuzeit-Phänomen.

Für seinen Nachwuchs braucht die Art dagegen so wie die meisten Schmetterlinge krautige Pflanzen, in dem Fall Labkräuter wie das Wiesen-Labkraut.

10. Der Wegerich-Scheckenfalter (Melitaea cinxia) gehört zum Tribus der Scheckenfalter und ist wie alle seine Verwandten mittlerweile selten und in geringer Zahl anzutreffen, wobei er eher noch zu den häufigeren Arten zählt – Das ist aber eher relativ gemeint. Die Art besiedelt magere und wärmebegünstigte Trockenrasen mit Vorkommen von Wegerich-Arten oder Großem Ehrenpreis. Die Art ist also von Eutrophierung, Lebensraumverlust und falscher Habitatpflege (Sukzession, Intensivmahd, Intensivbeweidung) betroffen.

Von der Bestimmung her gehört der Wegerich-Scheckenfalter zu den einfachen Arten; die wichtigsten Merkmale sind unterseitig zu sehen und in diesem Fall bspw. die schwarzen Punkte in den orangen Kästchen der Postdiskalbinde.

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