Am lichten Rand des Stadtwaldes (Mischwald) habe ich letztes Wochenende die beiden verschiedenen Insekten fotografiert. Die ersten zwei Fotos zeigen das selbe Individuum einer männlichen Deutschen Skorpionsfliege (Panorpa germanica). Der namensgebende Stachel ist in Wahrheit gar keiner, sondern Teil des Genitalapparates. Die kleinen Tierchen sind vollkommen harmlos und sehr scheu; mit ihrem lustigen Schnabel (sie gehören zur Ordnung der Schnabelfliegen, sind also gar keine richtigen Fliegen im Sinne von Zweiflüglern) lutschen sie tote Insekten, Früchte oder Honigtau von Blattläusen auf.
Der Käfer gibt sich mit seiner typischen Form gleich als Mitglied aus der Familie der Weichkäfer (Cantharidae) zu erkennen, dieser hier ist Cantharis paradoxa. Bei den Weichkäfern gibt es oft einander sehr ähnlich aussehende Arten und man sollte den Käfer für eine saubere Bestimmung sorgsam per Makroaufnahmen dokumentieren und auf Details achten wie bspw. Beinfärbungen, Dicke von Fühlergliedern etc. Von C. liburnica unterscheidet sich dieser hier nämlich vor allem dadurch, dass das zweite Fühlerglied nicht verbreitert ist und vom häufigeren C. obscura durch die Form des Halsschildes, die bei letzterem rundlicher ist.
Damit ist auch klar, dass die heute so beliebten Apps anhand von Handyfotos unmöglich sichere Bestimmungsarbeit leisten können. Wenn man aber mit ihnen umzugehen weiß, kann man sie in einer ratlosen Situation dazu nutzen, um sich bis auf eine übergeordnete taxonomische Ebene vorzuarbeiten (bspw. Familie oder Gattung) und dann anhand von seriösen Quellen eine gewissenhafte Bestimmung vorzunehmen.