Im April habe ich dieses Stück lebendige Rinde vor die Linse bekommen Es handelt sich um den gut getarnten Wendehals, den ich wohl ohne seine markanten Rufe, die mich an eine Mischung aus Grünspecht x Silbermöwe erinnern, nicht entdeckt hätte.
Der Wendehals gehört zur Familie der Spechte, dort jedoch in die eigene Unterfamilie der Wendehälse, während unsere anderen Spechte zur Unterfamilie der Echten Spechte gehören. Wenn man sich einige Eigenheiten der Art vor Augen führt, ist diese Abgrenzung nicht verwunderlich: So baut der Wendehals bspw. keine eigenen Höhlen. Auch ist er der einzige unserer Spechte, die im Herbst gen Süden ziehen und das sogar als Langstreckenzieher. Ein Trommeln zeigt sich höchstens zaghaft im Höhlenkontext (Balz, Bruthöhlenanzeige, Ablösung) auf sehr kurze Distanz und erinnert damit immerhin an das Verhalten vom Grünspecht. Den typischen Stützschwanz der anderen Spechte sucht man beim Wendehals vergebens, daher besiedelt er auch keine Wälder, wo er viele Bäume erklettern müsste, sondern halboffene-offene Landschaften wie Streuobstwiesen und Heiden.
Aber woher stammt eigentlich der Name? So kann der Wendehals seinen Kopf nicht nur um mehr als 180° verdrehen, sondern nutzt dies auch eindrucksvoll in Bedrohungssituationen: Mit aufgespreizten Federn, lang gestreckten und sich verdrehendem Kopf in Kombination mit zischenden Lauten, gleicht er damit eher einer beschworenen Schlange denn einem Vogel! Dieses Verhalten dient als passive Verteidigungsstrategie gegenüber Feinden.