Libellenzeit – Die einen haben wir gesucht, die anderen kamen zu uns

Mitte August waren wir im Ilmtal unterwegs, um mal wieder gezielt nach Libellen zu schauen. Dass der Tag ganz im Zeichen von Libellen stehen würde, konnte ich gleich nach dem Aufstehen vor dem Schlafzimmerfenster feststellen und damit sind wir bei der ersten Art:

  1. Da hing einfach mal eine weibliche Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) am Efeu! Hier in der Gegend hatte ich bis dato noch gar keine, in Thüringen steht sie in der Roten Liste als gefährdet (3). Gemein ist den Quelljungfern, dass sie als Reproduktionshabitate saubere Fließgewässer benötigen; oft sind das kleine Wald- oder eben Quellbäche, die sowohl beschattet, aber auch warm genug sind. Auf die Zweigestreifte Quelljungfer trifft das auch zu, sie besiedelt aber u.U. auch Flüsse, wenn sie nicht zu groß sind – also scheint es nicht unwahrscheinlich, dass sie von der Saale nebenan kommt; wobei nicht auszuschließen ist, dass sie auch von einem kleineren Bachlauf stammen könnte und eine etwas weitere Strecke geflogen ist.
  2. Eine gleichermaßen häufige wie auch beeindruckende Großlibelle, ist die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cynaea). Hier waren mehrere Männchen am Waldsaum um den sumpfigen Weiher auf Patrouille, dieses Individuum hat sich kurz hingesetzt, was dann gleich schamlos für eine Fotosession ausgenutzt wurde Denn mitten am Tag sieht man sie nicht oft ruhen. Neben der Großen Königslibelle gehört die Blaugrüne Mosaikjungfer mit zu unseren größten heimischen Libellenarten. Das namensgebende blaugrüne Mosaikmuster des Abdomens zeigen übrigens nur die Männchen, die Weibchen sind rein grün gemustert. Am ehesten Verwechslungsgefahr besteht mit der ebenfalls häufigen Herbst-Mosaikjungfer; hier empfiehlt sich ein Blick auf die Seiten des Thorax, weil die Herbst-Mosaikjungfer deutlich mehr Braun zeigt.
  3. Die Gattung der Binsenjungfern (Lestes spec.) bietet immer wieder Anlass zu Verwechslungsmöglichkeiten, wichtige Differenzierungsmerkmale sind hier Flügelmale, Thorax-Zeichnung, die ersten Abdominalsegmente des Männchens sowie der Eiablageapparat des Weibchens. Das Foto zeigt ein Männchen der Gemeinen Binsenjungfer (Lestes sponsa). Sie sieht auf dem ersten und zweiten Blick der deutlich selteneren Glänzenden Binsenjungfer sehr ähnlich, allerdings fehlt den Männchen der hier gezeigten Art der glänzende metallic-Überzug der ersten Abdominalsegmente. Die Art mag kleine, besonnte Gewässer wie Weiher oder Teiche, die sich durch eine hohe Vegetationsdichte auszeichnen.
  4. Eine super häufige Sommerart ist die hier gezeigte (weibliche) Gemeine Heidelibelle (Sypetrum vulgatum). Sie gehört mit der Großen Heidelibelle einem Artkomplex an, der sich oft durch die Thoraxzeichnung des Männchens ausdifferenzieren lässt – dies geht aber nur bedingt bis gar nicht bei Weibchen und bei Jungtieren oder abgeflogenen Individuen schon gar nicht. Ein absolut sicheres Unterscheidungsmerkmal ist hier auf dem Foto von vorn gut zu sehen: die schwarze Stirnzeichnung läuft bei der Gemeinen Heidelibelle herab und um die Innenseiten der Augen herum. Bei der Großen Heidelibelle ist dies nicht der Fall.
  5. Eine eher lückig und ungleichmäßig verbreitete Binsenjungfern-Art, ist die Kleine Binsenjungfer (Lestes virens), hier ein Männchen. Für mich war es ein Erstfund, in Thüringen steht die Art in der Roten Liste als gefährdet (3). Einige Merkmale der Art sind die rötlich-braunen Flügelmale, die beidseitig mit weißen Strichen eingefasst sind. Zudem sind die Unterseiten des Hinterkopfes hellgelb abgesetzt, die Antehumeralstreifen sehr schmal und die Zeichnungen des Thorax zeigen keine Zacken o.ä.
  6. Wir haben sie schon länger gesucht und in dem Fall hatten wir auch einen Tipp bekommen: die unfassbar schicke Schwarze Heidelibelle (Sympetrum dange), hier mehrere verschiedene Männchen – was für ein geiles Teil! Weibchen und Jungtiere hatten wir keine gesehen, sie zeigen zum Schwarz noch deutliche Gelbanteile und erinnern damit etwas an riesige Wespen, was nicht minder chic ist! Die Art ist sehr lückig verbreitet und besiedelt eher nährstoffärmere Flachgewässer und Verlandungszonen, die sie meist in Heide- oder Moorlandschaften findet, was auch erklärt, warum sie nicht so oft antrifft. Die Eiablage findet im Uferbereich im flachen Bereich oder direkt auf nass-feuchtem Untergrund wie Moosen statt.

Potpourri schöner Nachtfalter der letzten Kartiernacht

Heute gibt es mal wieder einen kurzen Ein- und Überblick zu unserer letzten Nachtfalterkartierung gegen Ende Juli. Die 6-7h draußen im Gelände machen dabei den geringsten Teil der Arbeit aus, da alle Artbestimmungen noch sorgfältig von uns geprüft werden.

Einige erhoffte Arten wie das Kleine Eichenkarmin (Catocala promissa) oder das Große Eichenkarmin (Catocala sponsa) waren ebenso vertreten wie auch Überraschungen wie die stark bedrohte (Thüringen RL 1) Berberitzeneule (Auchmis detersa). Viel Spaß beim Durchsehen der Collagen.

Kleiner Eisvogel in Fotolaune

Im Wald in unmittelbarer Nähe eines Kalkflachmoors und Feuchtwiesen, sind entlang von Waldwegen und lichten Stellen Unmengen dieses Wald-Tagfalters geflogen, den man sonst höchstens mal vereinzelt antrifft: Der Kleine Eisvogel (Limenitis camilla).

Die Art erreicht eine Flügelspannweite von 45-52mm und ist damit etwas kleiner als der Kaisermantel. Die Raupen entwickeln sich an Roter Heckenkirsche, an denen man sie im Winter auch im Hibernarium, einer selbst gesponnenen Blatttüte, finden kann. Auf Blüten findet man sie nicht so häufig, dafür aber gerne auf Waldwegen oder Kot sitzend – Dort holen sie sich Minerale oder saugen die zuckerhaltigen Ausscheidungen von Blattläusen auf. Die Männchen dieser Art gehören mit zu den Tagfaltern, die durch ein Revier patrouillieren, um Konkurrenten fernzuhalten und Weibchen zu finden. Daher findet man sie oft wie sie Waldwege oder -säume entlang fliegen.

Winzige Falter, kleine besondere Eier und die heimische Goldrute

  1. Auf dem bei Insekten beliebten Rainfarn, saß ein Vertreter der kleinen Spreizflügelfalter (Choreutidae), der Brennnessel-Spreizflügler (Anthophila fabriciana) mit seinem recht variablen Erscheinungsbild.Die Blütenköpfchen des Rainfarns sind ja ein vertrauter Anblick, so dass sich jeder selbst zusammenreimen kann wie winzig diese Falterchen sind. Obwohl die Art tagaktiv und nicht selten ist und oft beim Blütenbesuch zugange ist, wird sie auf Grund ihrer Größe oft übersehen.
  2. Gezielt habe ich in einem bekannten Vorkommensgebiet an südexponierten xerothermen Schieferhängen in Gewässernähe nach Nachweisen vom seltenen und gefährdeten (RL: 1) Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion) gesucht. Imagines und Raupen waren nicht zu sehen, aber dafür knapp 50 Eier + einige leere Eihüllen! Und zwar an seiner lokalen Lieblingspflanze, die Große Fetthenne in der Unterart Hylotelephium telephium maximum. Die Bedrohungsursachen kann man in den entsprechenden Habitaten oft ohne Umwege sehen: Oft wuchernde und invasive Robinien, hier die ebenfalls invasiven Walnussbäume sowie die allgemeine Sukzession, die noch durch die Eutrophierung der Landschaft beschleunigt wird.
  3. Schon interessant: Jeder kennt die Kanadische Goldrute; klar sie steht nicht nur in Gärten, sie überwuchert auch ganze Wiesen und Naturschutzgebiete, degradiert die Artenvielfalt und trotzdem kann man sie überall kaufen. Was weniger bekannt ist: Wir haben auch eine heimische Goldrute, die Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea). Bei der Auswahl an Pflanzen in Gärtnereien, könnte man meinen, dass die Verantwortlichen bereits alle 3.000 mitteleuropäischen Blühpflanzen kennen und für doof befunden haben, anders ist der unsere Natur schädigende Wahnsinn, der dort abläuft, wohl nicht zu erklären