Unscheinbar und oft übersehen ist der Grauschnäpper, ein Vertreter aus der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae), zu der auch Arten wie das Rotkehlchen, Schwarzkehlchen und Hausrotschwanz gehören.
Der Grauschnäpper ist dabei nicht nur rein monoton grau, sondern zeigt an den Flügeln bräunliche Töne; markant sind vor allem die auf hellem Grund kontrastierenden Strichel auf Kopf und Brust, die ihm sein unverwechselbares Aussehen verleihen sowie ein für diese Familie recht kräftiger, dunkler Schnabel.
Aufgrund der Strukturarmut unserer Wälder und moderner Gärten, hat die Art die letzten Jahrzehnte deutlich abgenommen. Der bevorzugte Lebensraum sind die eher ursprünglichen, lichtdurchfluteten Hute- und Laubwälder, Auwälder oder Waldränder. So findet man die Art heute nur in den seltenen strukturreichen Wäldern, oft auch nur am Waldrand, in manchen Parkanlagen, verwilderten Gärten, oder an Schneisen, die durch Wälder führen wie bspw. Stromtrassen.
Sehr selten ist der Grauschnäpper mit einem Brutbestand von 175.000-260.000 Paaren aber nun auch nicht. Aufgrund seiner Lebensweise hoch in Baumkronen sowie seiner unscheinbaren Rufe und Gesänge wird die Art jedoch auch oft von Ornithologen übersehen und überhört.
An einer Schlehe (Prunus spinosa) konnte ich dieses überwinternde Ei vom Pflaumen-Zipfelfalter (Satyrium pruni) entdecken. Mit dem Laubaustrieb wird auch die Raupe schlüpfen und sich daran bis zur Verpuppung groß fressen. Diese Art entdeckt man nicht so leicht; zum Einen ist sie nicht ganz so häufig, zum Anderen sind die Eier durch den schmutzigen Eindruck sehr gut auf der Borke getarnt. Deutlich leichter und öfter findet man dagegen die Eier vom Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae) auf der Schlehe. Diese sind etwas höher gewölbt und strahlend weiß.
In Thüringen kommt der Pflaumen-Zipfelfalter verbreitet, aber lückig vor und i.d.R. nicht in großer Abundanz (Individuendichte).
Mitte Juli konnte ich verschiedene Jungvögel von Rotkehlchen fotografieren und so kann man auf den Fotos verschiedene Altersstadien des Gefieders sehen. Das frische Jugendkleid erinnert mit dem Dunkelbraun und der hellen Bauchfleckung eher an eine zu klein und schmal geratene Amsel. Im weiteren Verlauf zeigt sich bei der folgenden Mauser schon deutlicher wie einmal der erwachsene Vogel aussehen wird: am Bauch kommt hellgraues Kleingefieder zum Vorschein und Brust, Kinn sowie Nackenband wird langsam arttypisch orange.
Mit 4,1-5,25 Mio. Brutpaaren bei steigendem Trend ist das „Robin“ eines unserer häufigsten Brutvögel in Deutschland und belegt in der Liste der häufigsten Vögel daher Platz 6. Damit ist die Art auch ein Beispiel eines anpassungsfähigen Generalisten mit hoher ökologischer Amplitude: als ursprünglicher Waldbewohner, findet man Rotkehlchen überall in Gärten, Parks, Friedhöfen, Städten und Feldsäumen. Auch in der Nahrung ist das Rotkehlchen flexibel: Während im Sommerhalbjahr hauptsächlich Insekten und Würmer gefressen werden, begnügt sich die Art im Winterhalbjahr mit veganer, weicher Kost wie Beeren, Samen, Obst, Haferflocken usw.
In Begleitung einer weiblichen Spießente sowie nominotypischen Stockenten, ist dieses Individuum gleich beim Einflug aufgefallen. Auf den ersten Blick könnte man an einen Erpel im Übergangskleid vom Schlicht- zum Prachtkleid denken – aber Ende Dezember? Ausgeschlossen. Zudem passt da so einiges andere gar nicht; weder einige Gefiederfarben noch der vollkommen frisch vermauserte Eindruck.
Diese morphologische Erscheinung wird oft als Hybrid fehlbestimmt und tatsächlich zeigt dieses Individuum frappierende Ähnlichkeit mit den Hybriden aus Stockente x Schnatterente. Allerdings passen zwei Merkmale, die man als K.O.-Kriterium bezeichnen könnte, gar nicht: Zum einen zeigen diese Hybriden einen grünen Spiegel, dieser ist eindeutig Stockentenblau. Zum anderen zeigen Hybride aus diesen beiden Entenarten niemals Erpellocken! Auch wenn die vorhanden Erpellocken nicht so gekräuselt sind wie typisch, sind sie deutlich zu sehen. Was also haben wir hier? Eigentlich das, worauf die Überschrift anspielt: eine Intersex-Stockente.
Eine Intersex-Stockente zeigt geschlechtsuntypische morphologische Merkmale, ausgelöst durch ein hormonelles Ungleichgewicht aufgrund Mutationen auf den Geschlechtschromosomen. Auch wenn Individuen mit dieser genetischen Disposition auf die Gesamtpopulation bezogen relativ selten sind, so sind sie definitiv häufiger als vielen Ornis bekannt ist, was dann zu den erwähnten Fehlbestimmungen führt. Vieles zu diesem Phänomen ist noch unerforscht, man geht davon aus, dass primär Weibchen betroffen sind, die dann männliche Merkmale zeigen.
Erklären lässt sich diese ungleiche Verteilung zwischen den Geschlechtern damit, dass es sich mit den Geschlechtschromosomen genau anders herum verhält als bei den Säugetieren wie bspw. uns Menschen. Männer tragen bekanntlich je ein X und Y-Chromosom, Frauen dagegen zwei X-Chromosomen. Männer sind deswegen anfälliger für Defekte, die sich auf das X-Chromosom beziehen, da sie sozusagen keinen Ersatz haben und weisen bspw. deutlich höhere Raten an Farbenblindheit auf als Frauen, bei denen das zweite X-Chromosom Defekte auf dem ersten kompensieren kann. Damit zurück zu den Enten: Wie gesagt, ist es bei den Enten anders herum: Erpel tragen zwei gleiche Geschlechtschromosomen (Z und Z), Weibchen zwei unterschiedliche (Z und W). Genetische Mutationen auf dem Z-Chromosomen können bei Weibchen also nicht durch einen zweiten Z-Chromosomensatz kompensiert werden.
Bei der Ente auf dem Foto spricht aber alles für den seltenen Fall, dass es ein Intersex-Erpel ist: Die gelbe Schnabelgrundfarbe zusammen mit den Erpellocken; also von den Geschlechtschromosomen her ein Männchen mit weiblichen Merkmalen.
Wer hat’s gewusst? Man muss nicht nach Afrika oder Südamerika schauen, auch vor der eigenen Haustür gibt es noch viel zu entdecken und auch wissenschaftlich zu erforschen.