Er mausert sich

Man könnte zu einem jungen, unerfahrenen Seeadler ja meinen, der mausere sich schon noch – hier ist das im doppelten Sinn wörtlich zu nehmen Die eher mittelmäßigen Bilder zeigen einen vorjährigen Seeadler, also im 2. Kalenderjahr, der über einem Moorsee in einem ungarischen Wald gekreist ist.

Die Mauser wurde ja schon angesprochen; tatsächlich ist dies eines der wichtigen Merkmale zur korrekten Altersbestimmung von langlebigen Vögeln, welche eine entsprechend lange Entwicklungszeit bis zum finalen adulten Stadium aufweisen – so wie in dem Fall beim Seeadler 7 Jahre. Man sieht deutlich abgenutzte, juvenile Hand- und Armschwingen, welche man zum Teil auch noch im 3. Kalenderjahr sehen könnte. Allerdings wären da bereits deutlich mehr Federn vermausert. Hier sieht man es an einigen Armschwingen, aber ganz besonders deutlich an den inneren Handschwingen, die komplett frisch sind: H5-H1 und das entsprich exakt dem typischen Mauserstatus eines Seeadlers im 2. KJ zu der Zeit.

Hilfreich sind solche Details auch, um in einem Gebiet Doppelzählungen zu vermeiden und zu erkennen wieviele Individuen denn immer wieder auftauchen. Manchmal ist auch das komplette Gegenteil der Fall und man unterschätzt die Anzahl, da man meinte, es wären immer die 1-2 gleichen, die wiederkommen und kreisen. In zwei Fällen haben sich dann statt 2 vermuteten, 4 verschiedene Individuen sicher bestimmen lassen.

In der freien Natur kann es ein Seeadler – als Ausnahme und mit sehr viel Glück – auf stolze 36 Jahre bringen, in der Gefangenschaft gehaltene Tiere sollen es wohl auf über 40 Jahre bringen.

Der Akrobat ist in Aktion – wie immer

Kleiber gehören mit ihrer Art zu den häufigen Vögeln, deren Beobachtung mir immer wieder aufs Neue Spaß macht: Egal, ob sie kopfüber am Stamm herunterhängen und durch die Gegend glotzen, sich lautstark bei der Balz durch den Wald jagen, bei Nahrungsüberfluss zu jeder Zeit geschickt Vorräte in Rindenspalten verstecken oder immer wieder lautstark auf ihre Anwesenheit hinweisen müssen: bspw. wenn ein Specht gerade sein Revier markiert. Während andere eher versuchen unter dem Radar zu bleiben, wenn der konkurrenzstarke Schwarzspecht loslegt, kann das der Kleiber einfach nicht ohne Gegenrede stehen lassen und muss natürlich darauf reagieren.

Mir fällt das besonders auf, da ich zum Einen 2 Transekte für das MsB Spechte des DDA ablaufe und nach Methodenstandards und mit Genehmigung Klangattrappen (wenn nötig) einsetze, aber auch systematisch Brutvögel für ADEBAR2 kartiere. Wenn keiner auf einen vorgespielten Spechtruf oder -trommeln antwortet – dann auf jeden Fall die nächsten Kleiber und das nicht zu leise!

Fotos aus dem Juli.

Junger BuFi

Der Sommer ist die Zeit der zerrupft aussehenden Vögel (Mauser) und nimmersatter herumhüpfender Jungvögel. Aus dem Mitte-Ende Juli sind die Fotos von diesem jungen Buchfinken entstanden; ich denke, dass es ein Männchen ist, da der grüngelbe Bürzel besonders farbkräftig leuchtet und bei den Weibchen eher gedeckte Farben aufweist.

Meist besteht das Gelege der spatzengroßen Buchfinken aus 4-5Eiern, wobei die Spannbreit zwischen 3-6 Eiern schwanken kann. Damit es überhaupt zur Eiablage und dem Nestbau durch das Weibchen kommt, geben sich die Herren der Schöpfung alle Mühe um die Gunst einer BuFi-Dame zu gewinnen. Zur Balzzeit ist quasi allerorts der bekannte Gesang mit dem Finkenschlag zu hören. Es lohnt sich, genau hinzuhören: Einige Buchfinken bauen am Ende der Strophe gerne eine kleine Imitation mit ein, meistens der Revierruf vom Buntspecht (Tschüpp!) und es klingt wirklich verdammt gut nachgemacht!

Vom Gesang gibt es noch die „Light-Version“, den Balzruf, der auch nur zur Balzzeit im Frühjahr geäußert wird und oft als „Regenruf“ betitelt wird. Zum Ursprung der Bezeichnung gibt es zwei Erzählungen: Entweder, weil der Buchfink so ausdauernd ruft, dass selbst Regen und trübes Wetter ihn nicht davon abhält und die andere Erzählung liegt im Klang dieses Balzrufes: „trrrrrüb“ und ist damit selbsterklärend

Ein anderer Ruf, den man das ganze Jahr über sehr oft hören kann, ist der Flug- und Standortruf; ein weiches „djüb“.

Prächtiger Alltagsvogel

Oft bewundern Menschen immer das, was sie nun gerade nicht haben. So liegt in der Ornithologie auch oft der Fokus – vor allem der Kamerafokus – auf allem was exotisch oder selten ist. Dabei haben wir auch unter den Vögeln, an denen jeden Tag unbeachtet vorbeispaziert wird, echte Schönheiten: so wie diesen männlichen Buchfink, der sich im Juli im farbstarken Prachtkleid gezeigt hat.

Mit seinem farbprächtigen Auftritt scheint das Buchfinkenmännchen aus seiner Sicht aber schon genug zur Balz beigetragen zu haben, denn bei dieser Art ist es das Weibchen, welches das Nest alleine baut. Dieses sitzt i.d.R. höher gelegen auf einer Astgabel im Baum oder gelegentlich auch mal in Büschen, Kletterpflanzen oder Mauerlöchern im Siedlungsbereich. Gerade an der Außenseite ist das Nest hervorragend durch eine Schicht aus Flechten getarnt.

Buntis bei der Nahrungssuche

Grüße aus einem zurückliegenden Sommertag in einem Stadtpark gibt’s heute von Herrn und Frau Buntspecht, die beide auf Nahrungssuche, aber nicht für ein Foto verlegen waren

Entdeckt man einen Specht an oder auf einem Ameisenhaufen, muss das nicht zwangsläufig etwas mit der Nahrungssuche zu tun haben. So lieben zwar alle unsere Spechte Insekten und insbesondere der Grünspecht hat sich in vielerlei Weise richtig auf die Ameisenjagd spezialisiert, aber mithilfe von Ameisen kann man noch andere Dinge tun: sich einemsen.

Bekannt ist dieses Phänomen u.a. auch beim Eichelhäher und das geht in etwa so, dass der daran beteiligte Vogel die Ameisen reizt, um sich dann unter geöffneten Flügeln und geplustertem Gefieder zu schütteln und die Ameisensäure auf sich niedergehen zu lassen. Nun muss man das gar nicht merkwürdig finden, haben doch auch wir Menschen mitunter ulkig anmutende Wellness-Rituale . Hier geht es jedoch um einen ganz konkreten Zweck: Die Gefiederpflege und insbesondere die Parasitenabwehr, da so ein mollig warmer, trockener Lebensraum mit großem Keratinvorrat, eine Art angenehme Wohnhöhle für allerlei lästige Untermieter darstellt.

Passend auch, dass sowohl die Häher als auch Spechte zu den besondere intelligenten Vögeln zählen.

Porträtfotos

Man kann ja nicht immer nur Naturfotos machen, letztes Wochenende stand daher zur Abwechslung mal ein Porträtshooting mit einem äußerst kooperativen Model an, was trotz des schummrigen Winterlichts, zu einer tollen Motivausbeute führte – beide Seiten waren begeistert

Rabenkrähen sind echte ökologische Generalisten und Kulturfolger, was nicht nur in ihrer vielseitigen Ernährung begründet liegt, sondern auch an ihrer ausgesprochenen Cleverness. Ich selbst konnte sie bei mir in der Nähe schon dabei beobachten, wie sie Walnüsse dadurch knackten, indem sie diese in einem schwungvollen Manöver im Flug in die Luft schleuderten und Nussschale durch den Aufprall auf der asphaltierten Fläche aufgebrochen ist.

Interessant sind auch die Beobachtungen wie sie mitunter Verstecke anlegen und misstrauisch darauf achten, dabei nicht von Artgenossen beobachtet zu werden. Wenn man einer Krähe aus einem Trupp dagegen eine Nuss zukommen lässt, ist es nicht immer so, dass sie schnurstracks darauf zu laufen – dann hätte man ja gleich die lästigen Artgenossen aufmerksam gemacht und sich unnötig Konkurrenz eingebracht; nein, man läuft in weiten Zick-Zack-Bögen unauffällig hin zu der Nuss, packt sie und dann ab dafür.

Etwas, was ich auch immer sehr interessant und auch eine tiefe Weise berührend finde, ist, dass wenn man eines der monogamen Krähenpaare beobachtet, meist einer Wache hält, während der andere den Boden nach Nahrung durchforstet. Manchmal stehen sie dabei nahe zusammen beisammen, aber es kann auch sein, dass einer der beiden etwas weiter auf einem Beobachtungsposten wie einem Strommast sitzt und von dort aus Wache hält.

Konntet ihr auch schon bemerkenswerte Anekdoten aus Beobachtungen zu dem Verhalten von Rabenkrähen ansammeln?

Nachmittags, windig, 2°C – die Frisur weht

Es gibt wieder frische See-Fotos der letzten Tage, Hauptstar heute: Die Reiherente.

Es ist heutzutage in Deutschland ein normaler Anblick des Winters mitunter hunderte Reiherenten auf Binnengewässer zu beobachten sowie regelmäßig erfolgreich brütende Paare zu finden. Dabei ist das noch eine verhältnismäßig junge Entwicklung, da die Art überhaupt erst seit ungefähr 200 Jahren erstmalig hier brütete und als regelmäßiger Brutvogel seit ca. 100 Jahren in Erscheinung getreten ist. Ein sprunghafter Anstieg begann dabei in etwa ab den 1950ern. Ursprünglich waren sie Brutvögel des östlichen und nördlichen Europas und haben ihr Verbreitungsgebiet über die Jahre gen Westen und Südwesten erweitert.

Reiherenten sind nicht so anspruchsvoll wie bspw. die Knäk-, Löffel- oder Krickenten und profitieren von den vielen künstlich geschaffenen Seen in Deutschland – ob als Bergbaufolgelandschaft, Angelgewässer oder Stauseen. Des weiteren spielen sicher auch die Zunahme milderer Winter als auch die Nährstoffeinträge in die Gewässer eine Rolle. Immerhin: Die Reiherente spielt eine wichtige und positive Rolle bei der Bekämpfung der eingeschleppten Dreikant- und Quagga-Muscheln, da sie diese gerne fressen.

Schöne Sicht(ung) bei trüb-kaltem Wetter

In der zuletzt doch sehr frostigen Zeit, in der viele Binnengewässer zugefroren waren, haben sich auf diesem offenen hier einige Wasservögel versammelt – so wie diese Tafelenten, die im Vergleich zu Stockenten mit einer Länge von 42-50cm, Spannweiten von 72-82cm und Gewichten von 700-1.100g etwas kleiner gebaut sind.

Der Grund, dass Tafelenten als Brutvögel hierzulande selten sind und leider auch weiterhin abnehmen, liegt sicher u.a. auch in den Lebensraum bzw. Brutgebietbedingungen begründet: So bevorzugt die Art größere offene Stillgewässer mit einer gut ausgebildeten, strukturreichen Ufervegetation. Zuviel Ordnung (Entfernung von Schilfzonen), Freizeitdruck, aber auch die internationale Bejagung setzen die Bestände unter Druck.

Die drei Freunde aus dem Norden

Tief im Binnenland haben sich seltenerweise Mitte Februar drei unzertrennliche, zugereiste Gäste aus dem hohen Norden auf einem der vielen Leipziger Seen gezeigt: Samtenten.

Samtenten gehören unter den Entenvögeln zum Tribus der Meeresenten und stammen wie die meisten von ihnen aus nordischen Gefilden. So liegen die Brutgebiete der Samtente an Küsten und Tundraseen in Skandinavien und Sibirien. Den Winter verbringen sie größtenteils an Küsten der Nord- und Ostsee mit einem deutlichen Schwerpunkt bei der Ostsee. Ein Auftreten im Binnenland, so wie hier, ist dagegen die Ausnahme.

Die Fotos zeigen zwei Weibchen und ein vorjähriges Männchen, was sich vom adulten Erpel dahingehend unterscheidet, dass er noch die juveniltypischen weißen Flecken trägt, die im adulten Kleid einem weißen, kleinen, halbmondförmigen Fleck unterm Auge weichen. Die Weibchen dagegen behalten diese weißen Flecken. Dagegen sieht man den gelb-orangen Schnabel stets nur beim Erpel – in allen Kleidern.

Schön zu beobachten war, dass die drei immer beieinandergeblieben sind und sogar die meisten Tauchgänge zur Nahrungssuche gemeinsam absolviert haben. Dort fischen sie vor allem nach Muscheln, Garnelen, Krabben und Würmern.

Ich bin jung und brauch‘ die Nuss

Im Juli war dieser juvenile Buntspecht dabei zu beobachten, wie er sich an der Sammelfrucht der Haselnuss zu schaffen machte. Gut, wenn man so ein breites Nahrungsspektrum verdauen kann: Ob Meisenknödel im Winter, Haselnüsse, Obst wie Kirschen und natürlich die obligatorsichen Insekten – diese große ökologische Amplitude ist mit verantwortlich für den Erfolg und positiven Bestandstrend der Art.

Das typische Gelege des Buntspechts umfasst 4-7 Eier, die in einer selbst gezimmerten Laubholz-Höhle gelegt werden. Monotone Nadelforste mit Fichte, Kiefer oder Douglasie sind also selbst für diesen ökologischen Generalisten wertlos. Die Höhlen werden dabei meist jährlich neu angelegt, aber mitunter auch wieder benutzt.

Für einen Vogel dieser Größe hat der Buntspecht eine wirklich extrem kurze Brutzeit: Mitunter wird nur 10 Tage gebrütet, nach weiteren 3 Wochen sind die Nestlinge dann flügge und werden anschließend noch 2-3 Wochen von den Eltern geführt. Der junge Specht auf dem Foto hat dies bereits alles hinter sich und musste sich nun selbst behaupten.