Geschäftige Zeit für die Bunten

Jetzt im Mai war im Stadtwald alle paar Meter ein ausdauerndes sowie auch forderndes Piepsen aus den Bäumen zu hören: Es waren zum Großteil Nestlinge des Buntspechts, die unermüdlich nach mehr Futter gerufen haben, was von den Eltern mit vielen Anflügen quittiert wurde. Bei Singvögeln wie bspw. unseren Meisen ist es weitbekannt, dass diese ihr Nest zur Brutzeit reinlich und frei von Kot halten. Das ist in der Vogelwelt keine Selbstverständlichkeit, wenn man bspw. an höhlenbrütende Eulen denkt. Spechte sind keine solche “Schmutzfinken” und wie man auf einem der Fotos sehen kann, wird der Kot aus dem Nest bzw. der Höhle heraustransportiert. Das ganze funktioniert deshalb so gut, da der Kot der Jungvögel in einer Art Säckchen ausgeschieden wird.

Rechnet man Brut- und Nestlingszeit zusammen, kommt man auf eine Dauer, die der ähnlich großer Vögel in etwa entspricht. Allerdings sind die Anteile bei Spechten stark verschoben: Die Brutdauer ist sehr kurz gehalten, beim Buntspecht z.B. durchschnittlich nur 8,5 Tage. Man erklärt sich diese Besonderheit damit, da sich in der Tiefe der Bruthöhle mit der Zeit der Kohlendioxidanteil erhöht und die passive Sauerstoff-Diffusion durch die Eierschale zum Embryo hin für die Versorgung nicht mehr ausreichend wäre. Durch das besonders zeitige Schlüpfen, bekommen die Küken durch die aktive Atmung nach dem Schlupf genügend Sauerstoff ab.

Volle Einkaufstüten

Bei bis zu 2-4 Jahresbruten und i.d.R. 3-5 Eiern haben Amseln im Sommerhalbjahr gut zu tun. Webcambeobachtungen von Nestern haben gezeigt, dass es täglich bis zu 250 Nestanflügen der Elterntiere kommt und pro Tag um die 1.000 Insekten gejagt und als Futter überbracht werden! Es ist daher ein wenig verwunderlich, warum vor allem in sozialen Netzwerken dann immer der Sperber im Garten als schrecklicher Killer diskreditiert wird

Diese hohe Dichte an Bruten wird auch dadurch erreicht, dass das Männchen die Jungvögel aus der vorherigen Brut versorgt, während das Weibchen schon wieder auf einem neuen Gelege sitzt. Eine ähnliche Brutbiologie kennt man bspw. von Schleiereule und Eisvogel; man nennt dies Schachtelbrut. Der Nachwuchs der folgenden Brut muss dabei nicht zwangsweise vom Männchen der vorherigen stammen, sondern ggf. auch von einem anderen.

Die Welt steht Kopf – Zumindest aus Sicht des Kleibers

Beim Kleiber gibt es so einige Besonderheiten; eine ist, dass es neben Saisonehen auch Dauerpaare gibt. Als Höhlenbrüter sind die Kletterkünstler zwar auf ein ausreichendes Höhlen- und Nischenangebot angewiesen, dabei allerdings weniger auf bestimmte Einflugdurchmesser beschränkt: Ist ein Eingang zu groß, wird er einfach mithilfe von Lehm zugeklebt (Namensherkunft). Mit dieser Technik werden auch scharfe Kanten und Hohlräume im Inneren zugekleistert.

Zur Balzzeit zeigt das Männchen dem Weibchen mehrere potenzielle Bruthöhlen an, welches sich dann für eine davon entscheidet. Ein Verhalten, was man u.a. auch beim Zaunkönig wiederfindet.

Warten auf die Essenslieferung

Da schaut der Staren-Nestling aus der Spechthöhle und wartet sehnsüchtig auf die nächste Portion Futter. Als Höhlenbrüter bevorzugen sie wie hier Baum- bzw. alte Spechthöhlen, nutzen aber auch Mauernischen, defekte Straßenlaternen oder natürlich auch Nistkästen. Diese werden dann mit Gras, Moos, Wolle, Haaren und Federn ausgepolstert. Es kommt nicht selten vor, dass man Stare deshalb auf Schafen oder anderen Tieren herumstehen sieht, wo sie sich ihr Nistmaterial direkt von der Quelle besorgen

Bei den 1-2 Jahresbruten werden 4-7 Eier gelegt, die nach dem Schlupf irgendwann einmal so niedlich aus der Höhle schauen wie der Nestling auf den Fotos.

Jedem seine Nische

In der Ökologie gibt es den Begriff der Nische, welcher ausdrückt, in welcher Wechselwirkung ein Lebewesen zu seiner Umwelt steht und an welche Bedingungen es sich adaptiert hat. Hier hat sich die Blaumeise eine Nische der ganz anderen Art besetzt: Eine Wandnische einer alten Scheune als Brutplatz!

Das Gelege einer Blaumeisenbrut besteht i.d.R. aus 6-14 Eiern, welches in Nischen, kleinen Baumhöhlen, Nistkästen o.ä. auf einem Napf aus Moos, Haaren und Federn liegt. Meist schreiten Blaumeisen nur zu einer Jahresbrut, Zweitbruten sind selten.

Klein, grünlich, hektisch und oft weit oben: Waldlaubsänger

Mit dem Fitis und Zilpzalp verwandt, wird der ebenfalls zur Familie der Laubsänger gehörende und recht häufige Waldlaubsänger weniger oft fotografiert. Kein Wunder, wenn diese Langstreckenzieher ab Mitte April bis Mai wieder in unseren Wäldern eintreffen, sind diese kleinen, grünlichen und äußerst lebhaften Vögel schwierig zu beobachten. Oft halten sie sich im Kronenbereich von Laub- oder Laubmischwäldern auf und sind meist nur über ihre Rufe und Gesänge wahrnehmbar. Außerhalb von Wäldern im Offenland trifft man sie genauso wenig an wie auch in reinen Nadelwäldern.

Der Gesang ist ein unverkennbares, sicher immer schneller steigerndes “sip-sip-sipzirrrrr”, während der Ruf ein wenig an den des Gimpels erinnert, aber weniger melancholisch klingt und sehr oft nicht einzeln, sondern in Rufreihen aneinandergereiht vorgetragen wird, welcher eher kraftvoll als traurig klingt: “Djü-Djü-Djü-Djü-Djü-Djü”

Da singt eine Besonderheit von oben

Ab Mitte April tauchen sie so langsam wieder hier auf und fallen zur Balzzeit vor allem durch den Gesang des Männchens auf: Trauerschnäpper. Der Name leitet sich vom dunklen Federkleid der Männchen im Prachtkleid sowie der Zugehörigkeit zur Familie der Fliegenschnäpper ab. Apropos Federkleid: Weibchen sind an den dunklen Federpartien rötlich-bräunlich und zeigen keinen reinweißen Bauch und ihnen fehlt auch der weiße Stirnfleck. Männchen im Schlichtkleid sowie vorjährige Individuen sehen dem Weibchen sehr ähnlich.

Aber nicht nur dann: Leider steht im Internet viel Quatsch über das Erscheinungsbild der Männchen, dabei ist schon seit Jahrzehnten bekannt, dass diese regional in verschiedenen Morphen vorkommen und eben nicht nur wie oft im Lehrbuch dargestellt kontrastreich deutlich schwarz-weiß aussehen, sondern teilweise “nur” gräulich oder sogar deutlich braun.

Auf meinen Fotos sieht man zwei verschiedene revierbesetzende und singende Individuen. Richtig Tiefschwarz ist das Gefieder bei keinem dieser beiden Männchen; ein Individuum zeigt ein dunkleres, gräuliches Braun, das andere geht von der Färbung schon stark in Richtung Weibchen. Man spricht dann auch von einer weibchenfarbigen Morphe.

Vogel des Jahres 2023 – Braunkehlchenmännchen und -weibchen auf einer Weide

Auf einer weiten Pferdeweide konnte ich im Juni dieses Braunkehlchenpaar fotografieren (erste Fotos zeigen das Männchen, die restlichen das Weibchen). Mit einem Bestandsrückgang seit den 80ern von unglaublichen 90% und einem heutigen Restbestand in Höhe von 19.500-35.000 Brutpaaren mit weiter negativer Tendenz, hat es das Braunkehlchen 2023 zum wiederholten Male zum NABU-Vogel des Jahres geschafft, das erste Mal 1987. Wobei der Vergleichspunkt der 80er Jahre ein schlechter Zeitpunkt ist, da zu dieser Zeit die Bestände bereits gefallen sind. Der Rückgang ist also noch wesentlich dramatischer als die “nur” 90% symbolisieren.

Wie auch das Rebhuhn, so hat das Braunkehlchen vom Flächenstilllegungsprogramm (subventionierter Brachflächenanteil auf landwirtschaftlichen Flächen nach GLÖZ-8) profitiert. Bis 2007 war durch die EU ein Anteil von 10% vorgeschrieben, der nicht nur als Refugium und Nahrungsgrundlage dieser Arten diente, sondern den Böden auch Möglichkeit zur Regeneration gab. Mit Wegfall der Brachen bzw. einem kläglichen Rest von 2% sind die Bestände weiter gefallen und regional oft erloschen. Zuletzt war vorgesehen immerhin wieder auf 4% Brachflächenanteil zu kommen, obwohl mehrere Studien einen Anteil von mind. 10% vorschlagen, um unsere letzten Wiesenvögel und viele Insekten überhaupt zu erhalten. Aber selbst dieser Kompromiss hat zu massiven und auch aggressiven Protesten der großen Landwirtschaftsbetriebe unter Federführung des Bauernverbandes-Vorsitzenden geführt und die Erhöhung der Brachflächenanteile wurde nun mehrmals per Sonderbeschluss ausgesetzt.

Aktuelle Vorkommen muss man daher schon gezielt suchen und findet man auf extensiv genutzten Weiden, den letzten Relikten unserer Feuchtwiesen, Hochstaudenfluren, Brachflächen und strukturierten Heidelandschaften.

22°C, leichter Wind, Yoga-Kurs – Die Frisur sitzt

Zwei geschäftig herumturnende Haubenmeise konnte ich die Tage bei der Futtersuche, wohl für ihren hungrigeren Nachwuchs, beobachten. Die Haubenmeise unterscheidet sich durch einige Verhaltensweisen von ihren Verwandten, bspw. indem sie selbst ihre Höhlen zimmert, was bei den Meisen sonst nur die Weidenmeise tut. Außerdem fängt sie von unseren Meisen am frühesten mit der Brut an; ungewöhnlich ist auch, dass Haubenmeisen wohl in monogamer Dauerehe leben und das revierinhabende Paar das ganze Jahr über beisammen bleibt.

Harte Winter scheinen den Frisurenträgern unter den Meisen weniger zuzusetzen als bspw. Kohl- und BLaumeisen. Man vermutet, dass dies an ihrem Habitat (Nadelwälder) und damit Ernährungsgewohnheiten liegt, denn fettreiche Koniferensamen bilden eine ergiebige Nahrungsquelle im Winter.

Herr und Frau Fasan unterwegs

Im Sommer entstanden die Fotos der beiden Jagdfasane. Zu der Zeit grenzen die Männchen lautstark ihre Reviere mit einem heiseren “Gök Gök” ab, während man zur Winterzeit auch auch gemischte, kleinere Trupps ausmachen kann. Beider Körperlänge, die von 52-90cm reicht (Hähne 70-90cm, Hühner 55-70cm) entfällt der Großteil auf die langen Schwanzfedern.

Der Name Jagdfasan lässt auch schon vermuten, warum dieser eigentlich aus Mittelasien stammende bunte Hühnervogel bei uns zu finden ist: Er wird bei uns gezüchtet und für die Jagd ausgesetzt. Schon die alten Römer haben diesen Vogel, der vor allem in China und anliegenden Ländern vorkommt, in Europa für die Jagd ausgewildert. Auf dem Gebiet vom heutigen Deutschland vermutet man die ersten Auswilderungen zur Zeit des Mittelalters als auch entsprechende Fasanerien entstanden sind.

Die Fasane, die man bei uns sehen kann, sind bei der Zucht aus verschiedenen Unterarten hervor gegangen und werden als Jagdfasan bezeichnet. Von alleine wäre dieser Neozoon ohne Auswilderungen wahrscheinlich nicht in der Lage die Population aufrecht zu erhalten. Harte Winter sowie Prädation setzen dem hier nicht heimischen Vogel entsprechend zu.