Schmetterlinge, Bockkäfer und Spinne – Gekrabbel vom August im Wald

Letzten August habe ich, ausgerüstet mit dem Makro, den Fokus in einem unserer schön strukturierten Naturschutz-Wälder wortwörtlich mal eher auf Pflanzen und Insekten gelegt. Die Pflanzen habe ich im letzten Beitrag vorgestellt, heute geht’s um Insekten (und eine Spinne).

Es geht los mit dem Admiral auf einer beliebten Nektarquelle, dem Gewöhnlichen Wasserdost.

Er dachte wirklich, er könnte sich vor mir verstecken, aber er ist dann doch noch auf einem Foto gelandet: Der Blasse Nesselzünsler (Patania ruralis), der sich hier an der Unterseite eines Brennnesselblattes versteckt hält.

Eine Besonderheit im Gebiet war die folgende Fliege, bei der man kein Experte sein muss, um zu sehen, dass sie schon auffällig ist: Abgesehen vom schönen orangen Wuschel, haben die Flügel deutlich Blau das Licht reflektiert. Es handelt sich hierbei um ein Männchen der Blauschiller-Wanzenfliege (Phasia hemiptera). Die Besonderheit bei der Beobachtung ist, dass sie eine eher wärmeliebende Art ist und ich sie in einem eher feuchten Mischwald auf 403 m ü. NHN gefunden habe. Wie der Name andeutet, parasitiert sie Wanzen.

Dieser bekannte und häufige Falter auf dem Gewöhnlichen Wasserdost ist der C-Falter. Das namensgebende C sieht man auf der Hinterflügelunterseite und spiegelt sich auch im Artepitheton des wissenschaftlichen Namens wieder: Polygonia c-album.

Auch, wenn sie Gartenkreuzspinne heißt, kann man diese ebenso schön wie markant gezeichnete Spinne im Wald finden.

Die beiden Bockkäfer der folgenden Fotos gehören einer Art an, dem Rothalsbock (Stictoleptura rubra). Verwirrend ist nicht nur, dass die Art bereist mehreren anderen Gattungen zugeordnet wurde, sondern auch der Geschlechtsdimorphismus: Das erste Bild mit den ockergelben Flügeldecken zeigt das Männchen, während das zweite Foto mit dem namensgebenden roten Hals das Weibchen zeigt.

Zuletzt ein richtiger Oschi von einem Käfer, der eilig über den Waldboden geflitzt ist: Ein weiblicher Sägebock.

Ein wenig Farbe vom letzten August

Der Winter ist eine schöne Zeit, um mal ein paar liegende gebliebene Pflanzenfotos zu bearbeiten und sich an den Farben zu erfreuen Entstanden sind die Bilder Mitte August in einem NSG-Wald mit Bächen und strukturreichen Flächen.

Die ersten Fotos zeigen mal nicht das Jakos-Greiskraut (auch Kreuzkraut genannt), sondern das Fuchssche Greiskraut. Es ist eine Art feuchter Mischwälder und passt daher wunderbar ins Gebiet, wo es auf einer Lichtung wuchs.

Die nächste gelb blühende Pflanze mag es auch eher nass und daher habe ich sie auch am Bachlauf gefunden: Es ist der Gewöhnliche Gilbweiderich.

Foto 5 diente auf einer Lichtung als Nektar-Bar für zahlreiche Insekten und insbesondere auch Schmetterlinge und ist der Gewöhnliche Wasserdost.

Die Fotos 6-8 gehören gewissermaßen zusammen: der echt winzige, metallisch blau schimmernde Käfer ist der Himmelblaue Blattkäfer (Chrysolina coerulans), der sich an Minz-Arten entwickelt und vor allem da war er auch zu finden: Auf einer Ross-Minze (letzten beiden Bilder). Wenn man davor steht riecht es wirklich nach Minze; in er asiatischen Küche wird diese Art auch kulinarisch genutzt, in Europa werden eher mildere Sorten genommen.

Gleich zu sehen ist, dass die nächsten Bilder eine Glockenblume zeigen; in dem Fall ist es die Rundblättrige Glockenblume. Mit Rundblättrig sind offensichtlich nicht die dünn-lanzettlichen Laubblätter am Stängel gemeint, sondern die Grundblätter unten am Boden. Noch verwirrender ist das ganze, da zur Blütezeit die Grundblätter oft schon verwelkt sind.

Eine Sichtung, über die ich mich besonders gefreut habe, war die letzte Art: Es ist der Sumpf-Storchschnabel. Nomen est Omen – Auch diese Art mag es feucht und sogar nass, ich habe sie auch direkt am Bachlauf vorgefunden. Markant sind die Blütenadern, die Blattform und dass die Blüten zu zweit aus der, mit rückwärts gerichteten Haaren besetzten, Sprossachse wachsen. Je weit nördlich man schaut, desto seltener ist die Art zu finden.

Kolkraben-Trupps

Heute gab es ordentlich Aktivitäten von den Kolkraben zu beobachten und auch zu hören, denn mehrere kleine Trupps haben mit ihren markanten rauen Grog-Rufen das Gebiet überflogen.

Im Flug zeigt der Kolkrabe besonders lange, einzeln abstehende Finger (Handschwingen) und einen markant keilförmigen Schwanz. Der Schnabel ist massiver als bei der Raben- bzw. Aaskrähe und dessen oberseitige Befiederung länger. Auch unverwechselbar sind die länglichen Halsfedern, die beim Rufen regelrecht abstehen und seinem Hals ein dickes Aussehen verleihen.

Unverkennbar ist sein typisches Rufen: “Grog”, tief und rollend, was man mittlerweile wieder oft in unseren Wäldern vernehmen kann – Dort ist er nämlich hauptsächlich anzutreffen, auch wenn er durchaus in anderen Habitaten vorkommen kann. “Mittlerweile wieder”, da es zwischenzeitlich gar nicht gut für den Kolkraben aussah: Massive Verfolgung und Bejagung haben seine Bestände Anfang des letzten Jahrhunderts auf kleine Rest schrumpfen lassen. In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts war es dann der katastrophale und industrialisierte Umgang mit unseren Wäldern, die ihn zu einem seltenen Vogel haben werden lassen. Glücklicherweise hat ein Umdenken stattgefunden und die Kolkrabenbestände konnten sich wieder gut erholen.

Ein schöner und variabler Trupp Rohrammern

Eine nette Überraschung am sonnigen Samstag war dieser kleine Trupp aus 7 Individuen, die am Feld- und Wegesrand auf Nahrungssuchen waren. Dass sie im Winter eher auf Feldern als wie zur Brutzeit um Feuchtgebiete (Seggen-&Hochstaudenflure, Röhricht) herum vorkommen, gehört dabei zum normalen Verhaltensrepertoire. Oft sind sie dabei auch mit anderen samensuchenden Vögeln wie Goldammern, Buch- oder Bergfinken vergesellschaftet, an dem Tag waren sie allerdings unter sich.

Was man auf den Fotos sehen kann ist, dass sie alle ein wenig anders aussehen. Im Januar befinden sie sich größtenteils noch im Schlichtkleid, allerdings gibt es keine harte Grenze als Übergang zum Prachtkleid, da sie zu den Vögeln gehören, die ihr Prachtkleid durch Abnutzung des Schlichtkleids freilegen. Dazu kommt neben dem Geschlechtsdimorphismus auch noch, dass junge Individuen im 1. Winter (2. Foto) auch noch etwas anders, vor allem heller, aussehen.

So war es nicht nur deshalb eine schöne Beobachtung, da Rohrammern oft nicht so leicht zu entdecken sind, sondern weil man sich hier schön die individuell ausgebildeten Merkmale vor Augen führen konnte.