Graue Gartenfigur in der Saale

Am kalten Winterwochenende stand diese graue Gartenfigur regungslos in der Saale und harrte der Dinge Es lässt sich dabei nicht sagen, ob es sich um einen Thüringer Brutvogel handelt oder um einen zugereisten Überwinterer, der aus nördlicheren Ländern vor Schneelagen weggezogen ist.

Damit sind wir auch schon, was Thüringer Brutbestände betrifft, beim Thema:

Seit 2004 die ganzjährige Schonzeit des Graureihers aufgehoben wurde, sind die Brutbestände hier um 66% zurückgegangen! Der Brutbestand der Art in Thüringen lag bei um die 1.000 Brutpaaren, im Durchschnitt der letzten Jahre werden Jahr für Jahr 487 Individuen geschossen. Da ist der massive Bestandsrückgang auch keine Überraschung.

Dabei hilft auch nicht die ebenso subjektive wie auch falsche Aussage, dass man doch immer wieder Graureiher sehen würde – Die Art ist ein Koloniebrüter; Individuen, die man alleine abseits von Kolonien sieht, brüten nicht und erhöhen damit auch nicht die Bestände. Ähnlich bei Sichtungen im Winter, die oft nicht brutfähige Jungvögel oder zugewanderte europäische Gäste sind.

Es gibt einen guten Grund, dass man den ehemaligen „Fischreiher“ zum „Graureiher“ einst umbenannt hat: Er frisst nämlich in beträchtlicher Menge Wühlmäuse wie Feldmäuse oder Schermäuse. Daher sieht man sie auch sehr oft auf Feldern und Äckern – Fische jagen sie dort sicher nicht!

Und gegen eine „Mäuseplage“ wie zuletzt die Gemeinde Unterwellenborn in meiner Region berichtete, antwortete man dann mit Rodentiziden – also Rattengift, welches am Ende der Nahrungskette auch noch unsere Greifvögel und Eulen tötet. Man könnte auch einfach aufhören unsere biologischen Mäusejäger wie den Graureiher zu dezimieren

Schnatterenten auf der Saale

Was ich bei uns im Winter auf der Saale nicht oft finde: Schnatterenten. Die umliegenden Stillgewässer sind zugefroren, noch dazu kam übers Wochenende die Kaltfront hereingebrochen und dann finden sich umso mehr Arten beim Weiterzug oder nicht zugefrorenen Fließgewässern. Das erste Foto zeigt ein Pärchen.

Als Gründelenten tun sie sich mit der Nahrungssuche meist nicht schwer und sind nicht sehr anspruchsvoll. Sie fressen neben Kleintieren im Wasser vor allem Unterwasserpflanzen bzw. deren Partikel. Denn neben dem namensgebenden Gründeln, bei dem sie – Kopf unter Wasser, Schwänzchen in die Höh‘ – in einer Wassertiefe von bis zu 30-50cm Nahrung direkt auflesen oder abzupfen, können sie Insekten oder Pflanzen von der Oberfläche auflesen oder auch Partikel aus dem Wasser sieben. Anders als die „seihenden“ Löffelenten, läuft das bei den Schnatterenten jedoch nicht mit seitlichen Kopfbewegungen auf der Wasseroberfläche: Ist der Schnabel unter Wasser und sie ziehen anschließend die Zunge zurück, entsteht ein Unterdruck, der Wasser samt Nahrungspartikel in den Schnabel zieht. Wenn sie nun die Zunge wieder Richtung Schnabelspitze schieben, drückt es das Wasser aus dem Schnabel heraus – Nicht jedoch Pflanzenteile oder Kleinstlebewesen. Diese bleiben an den Zahnleisten (feine Hornzähnchen) der Schnabelseiten hängen.

Es läuft quasi wie bei einem befiederten, kleinen Wal Wobei dieser „befiederte Wal“ noch ganz andere Tricks auf Lager hat: Es kommt auch vor, dass sie sich in der Nähe von tauchenden Wasservögeln wie Blässrallen aufhalten, um diesen etwas von ihrer Beute wie bspw. Algen abzunehmen. Damit erschließen sie sich (wie auch bspw. Möwen) Nahrungsquellen, an die sie selbst aus physiologischen Gründen nicht herankommen würden.

Die witzigsten Enten

Heute auf der Saale sind unsere beiden witzigsten Entenarten beieinander geschwommen: Die Pfeifente, deren Erpel zur Balz ein lustiges Pfeifen von sich geben und die Schnatterente, deren Erpel wie mit zugehaltener Nase „Mep“ rufen.

Bei der Schnatterente ist ein Erpel zu sehen, die Pfeifente ist ein vorjähriges Weibchen. Die Flügeldecken sind bei den Jungvögeln, wie auch vielen anderen Arten, noch weiß gerändert (statt orange) und es fehlt ihnen auf der Fläche der Decken das orange Muster adulter Weibchen. In Thüringen auf der Saale und umliegenden trifft man Pfeifenten im Winter nicht sehr häufig an, es ist anzunehmen, dass die Pfeifente vor der Kaltfront geflüchtet ist.

Kalte Nase

Die Fotos sind heute bei idealen Vogelbeobachtungsbedingungen entstanden: eine nahende Kaltfront hat zu einer massiven Zugaktivität geführt, während einige andere aufgrund des Tageslichts sowie der zunehmenden Tageslänge schon in Balzstimmung waren und ihren Vollgesang haben hören lassen.

Nicht nur die Nase wird diesem weiblichen Grünspecht bei der Nahrungssuche kalt geworden sein In typischer Erdspecht-Manier, hat die Dame das Laub beiseite geworfen und die obersten Erdschichten aufgepickt, um nach darin verborgenen Insekten, meist Ameisen, zu suchen; verschmäht aber auch so manchen Regenwurm, Spinne oder Schnecke nicht. Diese erwischt der Grüne nicht nur mit der längsten Zunge der Spechte – 10cm kann sie aus dem Schnabel herausgestreckt werden – sondern auch durch die verhornten Spitzen selbiger, die als eine Art Widerhaken fungieren und die Beute festhalten.

Die Art zeigt schon seit längerem einen deutlich positiven Bestandstrend, aktuell wird mit einem Brutbestand von 69.000-125.000 Paaren in Deutschland gerechnet.