Orchideen und weitere besondere Pflanzen im NSG

Anfang Mai haben sich in einem Naturschutzgebiet um die Ecke einige schöne Pflanzen in einem kalkreichen Orchideen-Rotbuchenwald sehen lassen.

  1. Man erkennt sofort einen Vertreter der Ragwurzen; eine Orchideen-Gattung, die mit ihrer Blüte – immer eine Imitation eines weiblichen Insekts, hier Fliegen – die Herren der jeweiligen Art wuschig machen wollen. Damit ist auch die Art bestimmt, es die Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera). Während die 6-beinigen Kerlchen dann denken, sie kämen zum Zuge, tun sie der Orchidee einen gefallen, da sie beim „Begatten“ der Blüte Pollen mitnehmen und woanders wieder abgeben. Von der Ragwurzen ist die Fliegen-Ragwurz am weitesten verbreitet, reagiert aber sehr empfindlich auf zu viel Nährstoffeintrag.
  2. Diese Pflanze mit den schönen samtigen Blüten trägt den tollen Namen Gewöhnliches Katzenpfötchen (Antennaria dioica). In Deutschland gilt die Art als gefährdet (Rote Liste 3), in Thüringen sogar als vom Aussterben bedroht (1)! Wie bei fast allen Pflanzen ist Nährstoffeintrag ein wichtiger Grund für die Gefährdung.
  3. Sozusagen das Busch-Windröschen im Maxiformat und etwas später mit er Blüte dran: Die Rote Liste Art Großes Windröschen (Anemonoides sylvestris). Die Art mag magere basische Böden (Kalk) und eher lichte halboffene Standorte wie Waldränder (wie hier) oder Randbereiche von Halbtrockenrasen.
  4. Eine wirklich schöne sowie üppig blühende Orchidee, ist das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea), was wir hier mit wenigen Individuen gefunden haben. Die Art mag es kalkreich und nährstoffarm und besiedelt Orte lichten Schattens, also offene Wälder oder leicht verbuschte Trockenrasen.
  5. Immer wieder einen Blick wert, sind die kleinen Kreuzblümchen-Arten, in dem Fall ist es das Schopf-Kreuzblümchen (Polygala comosa). Die auch Schopfige Kreuzblume genannte Art, mag nährstoffarme Kalk-Halbtrockenrasen und kommt im Süden häufiger als im Norden vor.
  6. Eine Orchidee, die wir in Massen jenseits von 200 Individuen gefunden haben, ist das Weiße Waldvöglein – ein typischer Besiedler des Lebensraumtyps Orchideen-Rotbuchenwälder und unter den Orchideen eine eher häufige Art. Das „häufig“ ist natürlich relativ zu sehen. Je nachdem wie Wälder bewirtschaftet werden, kann man sich auch jahrelang durch Wälder bewegen und keinen einzigen Vertreter dieser Art finden. Wichtig ist ein basischer, magerer Grund, auf den ausreichend Licht fällt. Also in wirklich allem das exakte Gegenteil der in Thüringen eingeführten und weit verbreiteten Kiefern-, Douglasien- und Fichtenforste, denen zum Glück der Borkenkäfer den Garaus macht!

Wolli hat seine Freunde mitgebracht


Die Tage war am Rand eines NSG ordentlich Aktivität auf einem sandigen Weg auszumachen: Nicht nur geschäftige Wildbienen, sondern auch ihre Antagonisten – die Wollschweber (Familie Bombylidae). Das zeigt mehrere Dinge an: Dass es oftmals Störstellen wie Wege, Wegränder etc sind, die ein interessantes Habitat darstellen, da viele natürliche Offenstellen durch fehlen von Weidetieren, Nährstoffeintrag und Sukzession, Aufforstung oder Versiegelung verloren gehen, aber es zeigt auch wie das Vorkommen einer Art, einen ganzen Rattenschwanz weiterer Arten nach sich ziehen kann.

Wildbienen brauchen sandiges Substrat für ihre Brutröhren und genau die Wildpflanzen, auf die sie sich spezialisiert haben. Geht es den Wildbienen gut, tauchen auch die „Wollis“ auf, deren Larven parasitär an Wildbienengelegen leben. Das alles wiederum ist natürlich auch tolles Futter für die Vögel – am Anfang der Kette steht jedoch der Sand und die Wildpflanzen.

Aber damit nun erst einmal zu den Wollis: Bei der Menge an Gewusel hat es sich gelohnt, einfach mit der Kamera drauf zu halten, da schon einige vom Habitus etwas anders als der übliche Große Wollschweber (Bombylius major) gewirkt haben. Und siehe da, 3 Arten konnten mithilfe des „Bestimmungsschlüssel für Wollschweber (Diptera: Bombyliidae)“ von Klaus von der Dunk bestimmt werden.

1. Natürlich der Klassiker, der Große Wollschweber Bombylius major. Er ist der häufigste Vertreter seiner Familie und weist die typische Zeichnung auf seinen Flügeln auf, die Beine sind rötlich, an der Antennenwurzel wachsen lange dunkle Haare.

2. Die Art ist ein typisches Beispiel für die Bestimmungsschwierigkeiten bei Insekten, die sowohl viele populäre Bestimmungsbücher als auch Apps verschweigen: Das ist nämlich nur auf den ersten und zweiten Blick ein Großer Wolli (B. major). Man sieht klar, dass die Flügelzelle R1, die liegt oben recht weit außen, nur zur Hälfte dunkel gefärbt ist und der Bogen außen herum dadurch deutlich kurviger und größer wirkt als beim Großen Wollschweber. Damit ist das wichtigste Merkmal von Bombylius fimbriatus zu sehen.

3 & 4 Deutlich kleiner als die beiden anderen und auch schon auf dem ersten Blick mit einer kleineren Flügelzeichnung ausgestattet, ist Bombylius analis. Das kniffeligste war hier eher, dass in dem in die Jahre gekommenen Bestimmungsschlüssel noch vom alten Synonym Bombylius undatus die Rede ist; mittlerweile ist aber B. analis etabliert. Naja, soviel dazu, dass Entomologen immer so viel Wert auf die wissenschaftlichen Bezeichnungen legen, weil die ja eindeutiger sein sollen

Foto 5 zeigt B. major und B. fimbriatus zusammen.

Jedenfalls: Augen auf, wenn die Wollis unterwegs sind!

Kindchenschema

Bei den Zwergtauchern ist es so, dass schon die adulten Tiere mit ihren relativ großen Kulleraugen, dem für Lappentaucher kurzen Schnabel und der geringen Größe von 23-29cm, dem typischen Kindchenschema entsprechen. Umso niedlicher wirken dann erst die Küken als Pulli (Mit Dunenkleid) – Hier einmal auf Fotos von Ende Mai zu sehen sowie noch zwei ältere Bild von einem fütternden Elterntier aus dem September.

Hierzulande ist es nicht ungewöhnlich, dass Vertreter der Lappentaucher recht späte Brutzeiten haben und man frisch flügge Jungtiere im September sieht, so auch beim verwandten Haubentaucher. Die Nahaufnahmen von dem Jungtier vom Mai stammen dann auch vom Neusiedler See, wo die Bruten auf Grund der geografischen Lage wohl früher stattfinden.

Typisch für alle Lappentaucher ist die Nahrungssuche jagend unter Wasser. Der Zwergtaucher macht dabei Jagd auf kleine Fische, Wasserinsekten und Mollusken (Weichtiere). Wobei „klein“ relativ ist, wenn man sich die fette Beute auf dem einen Foto anschaut

Bekannt wie ein bunter Hund

Bekannt wie ein bunter Hund

Sobald es knallig bunt wird, gibt es auch bei Erwachsenen kein Halten mehr und anhand der Fotos in Vogelgruppe und Fotoseiten, könnte man fast meinen, der Bienenfresser wäre mit dem Eisvogel der häufigste Vogel in Deutschland

Diesen kleinen Seitenhieb mal beiseite lassend, haben wir uns natürlich auch gefreut, als wir in einer urigen ungarischen Landschaft unweit des Neusiedler Sees die Bienenfresser beobachten konnten. Der Name klingt nicht gerade schmeichelhaft, aber Großinsektenfresser wäre nun auch nicht besser…

Denn neben den namensgebenden Bienen und auch Wespen, bei denen geschickt der Stachel vorm Verzehr entfernt bzw. das Gift aus dem Hinterleib gedrückt wird, stehen u.a. noch Heuschrecken, Schmetterlinge und Libellen auf der Speisekarte.

Man sagt und man beobachtet es auch, dass sich die Art aufgrund des Klimawandels weiter gen Norden ausbreitet. Ganz so einfach ist die Rechnung nicht, denn ähnlich wie auch beim wärmeliebenden Wiedehopf, gehören dazu noch ökologische Faktoren wie das Vorhandensein von passenden Brutplätzen, eine nicht zu intensive Landbewirtschaftung und damit einhergehend auch nennenswerte Zahlen an großen Insekten.

Dazu eine Anekdote: Während ich in Deutschland Großlibellen oder die meisten Schmetterlinge einzeln abzähle und erfasse, hatten wir es dort mit Schwärmen bzw. regelrechten Wolken zu tun. Dasselbe bei Nachtfaltern im Scheinwerferlicht des Autos, Fliegen am Gewässer oder Bläulingen auf Wiesen – eine vollkommene andere Welt als in Mitteleuropa.

Wie und wo genau sich welche Arten zukünftig ausbreiten könnten, beruht oft auf rein mathematischen Modellen zu Wetterdaten und die Vorhersagen zu Artenverbreitungen lagen in Vergangenheit schon oft daneben. Halten wir also Augen und Ohren auf, wo der Bienenfresser auftauchen wird und wo nicht.