Anfang Mai haben sich in einem Naturschutzgebiet um die Ecke einige schöne Pflanzen in einem kalkreichen Orchideen-Rotbuchenwald sehen lassen.
- Man erkennt sofort einen Vertreter der Ragwurzen; eine Orchideen-Gattung, die mit ihrer Blüte – immer eine Imitation eines weiblichen Insekts, hier Fliegen – die Herren der jeweiligen Art wuschig machen wollen. Damit ist auch die Art bestimmt, es die Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera). Während die 6-beinigen Kerlchen dann denken, sie kämen zum Zuge, tun sie der Orchidee einen gefallen, da sie beim „Begatten“ der Blüte Pollen mitnehmen und woanders wieder abgeben. Von der Ragwurzen ist die Fliegen-Ragwurz am weitesten verbreitet, reagiert aber sehr empfindlich auf zu viel Nährstoffeintrag.
- Diese Pflanze mit den schönen samtigen Blüten trägt den tollen Namen Gewöhnliches Katzenpfötchen (Antennaria dioica). In Deutschland gilt die Art als gefährdet (Rote Liste 3), in Thüringen sogar als vom Aussterben bedroht (1)! Wie bei fast allen Pflanzen ist Nährstoffeintrag ein wichtiger Grund für die Gefährdung.
- Sozusagen das Busch-Windröschen im Maxiformat und etwas später mit er Blüte dran: Die Rote Liste Art Großes Windröschen (Anemonoides sylvestris). Die Art mag magere basische Böden (Kalk) und eher lichte halboffene Standorte wie Waldränder (wie hier) oder Randbereiche von Halbtrockenrasen.
- Eine wirklich schöne sowie üppig blühende Orchidee, ist das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea), was wir hier mit wenigen Individuen gefunden haben. Die Art mag es kalkreich und nährstoffarm und besiedelt Orte lichten Schattens, also offene Wälder oder leicht verbuschte Trockenrasen.
- Immer wieder einen Blick wert, sind die kleinen Kreuzblümchen-Arten, in dem Fall ist es das Schopf-Kreuzblümchen (Polygala comosa). Die auch Schopfige Kreuzblume genannte Art, mag nährstoffarme Kalk-Halbtrockenrasen und kommt im Süden häufiger als im Norden vor.
- Eine Orchidee, die wir in Massen jenseits von 200 Individuen gefunden haben, ist das Weiße Waldvöglein – ein typischer Besiedler des Lebensraumtyps Orchideen-Rotbuchenwälder und unter den Orchideen eine eher häufige Art. Das „häufig“ ist natürlich relativ zu sehen. Je nachdem wie Wälder bewirtschaftet werden, kann man sich auch jahrelang durch Wälder bewegen und keinen einzigen Vertreter dieser Art finden. Wichtig ist ein basischer, magerer Grund, auf den ausreichend Licht fällt. Also in wirklich allem das exakte Gegenteil der in Thüringen eingeführten und weit verbreiteten Kiefern-, Douglasien- und Fichtenforste, denen zum Glück der Borkenkäfer den Garaus macht!