Es flattert, kriecht und blüht

Bei allen negativen Veränderungen in der Landschaft, gibt es hier und da immer noch ein paar schöne Inseln, wo sich tolle Arten oder Bestandsdichten finden lassen. Man muss nur leider heutzutage immer öfter gezielt danach suchen. Folgend gibt’s ein paar frische Fotos aus aktuellen Kartierungen der Tage.

  1. Na, wer hing denn da an einer abgefressenen Knoblauchsrauke? Es ist eine ausgewachsene Raupe vom Aurorafalter (Anthocharis cardamines), die sich demnächst verpuppen wird und als Puppe bis zum nächsten Jahr die Zeit verschläft. Deswegen ist es wichtig, dass nicht überall gleichzeitig alles raspelkurz gemäht wird. Die Knoblauchsrauke ist zusammen mit dem Wiesen-Schaumkraut die wichtigste Nahrungspflanze der Raupen dieser Art.
  2. Yeah – mal wieder eine lustige Langhornmotte (Adelidae) – dieses Mal eine Art aus dem De Geers Langhornfalter-Artkomplex. Erst 2016 hat man diese 1 Art in 3 separate Arten aufgesplittet; rein von der Verbreitung aus betrachtet, handelt es sich wahrscheinlich um den klassischen De Geers Langhornfalter (Nemophora degeerella). Interessant ist, dass diese Raupen welkes, feuchtes Falllaub aus dem Vorjahr fressen! Es gibt wirklich auf ALLES eine Spezialisierung von irgendeinem Falter; außerdem zeigt es, dass es gut ist, etwas Laub im Garten herumliegen zu haben.
  3. Wer es kennt, erkennt es sofort: Die Raupe vom Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae), die hauptsächlich am Gewöhnlichen Hornklee frisst. Interessant ist, dass sich Widderchen nicht einfach so verpuppen, sondern sich vorher einen Kokon spinnen.
  4. Ein Scheckenfalter am Großen Ehrenpreis – passenderweise ist es der Ehrenpreis-Scheckenfalter (Melitaea aurelia). Ganz so leicht ist es mit der Bestimmung nicht, denn die berüchtigte 3er-Bande aus M. aurelia/athalia/britomartis erfordert schon Kenntnis, Geduld und gute Literatur zur korrekten Bestimmung; mitunter geistert auch die Aussage herum, dass man die Arten morphologisch nicht sauber trennen könnte, was so einfach nicht stimmt. Neben dem Habitat, gibt eine ganze Menge Unterscheidungsmerkmale, für die man die Falter in die Hand nehmen oder von allen Seiten detailliert fotografieren sollte. Das Helmholtz-Zentrum hat für das Tagfalter–Monitoring wirklich hervorragende Diagnosetafeln erstellt. Die Art fliegt auf offenen (Kalk-)Magerrasen, die nicht zu stark verbuscht sind und wo sich die Raupen von Wegerich-Arten als auch Zottigem Klappertopf und Großem Ehrenpreis ernähren können.
  5. Ein schönes Beispiel für die Schönheit heimischer Stauden und leider auch deren Rückgang, ist der Große Ehrenpreis (Veronica teucrium) – warum pflanzen Leute nicht so etwas in ihren Garten? Der Große Ehrenpreis sieht nicht nur hübsch aus und wird sehr gerne von Insekten besucht, er ist zudem Raupenentwicklungspflanze einiger seltener Arten.
  6. 9 Individuen habe ich recht nah beieinander auf, um und in Schlehengebüsch gefunden. Das Verhalten würde auch zum Nierenfleck-Zipfelfalter passen, aber als sie dann doch mal geruht haben, war klar, dass es Pflaumen-Zipfelfalter (Satyrium pruni) sind. Die Schlehe ist dort ihre Eiablage- und Raupenfutterpflanze, was wenig überrascht – die Schlehe ist ja die Stammform der Pflaume. Beim Nektarbesuch ist der Falter nicht wirklich oft anzutreffen, da hilft ein Blick in und auf die Sträucher schon eher.
  7. Im gleichen Gebiet, wo ich auf den Ehrenpreis-Scheckenfalter (Melitaea aurelia) hatte, waren auch die Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea athalia) unterwegs. Alles, was ich zur Bestimmung im anderen Beitrag geschrieben habe, trifft auch hier zu und dass beide Arten in guten Biotopen syntop fliegen, ist gar nicht ungewöhnlich. Der Falter fliegt gerne auf offenen und trockenen Standorten wie mageren Halbtrockenrasen; dort fressen die Raupen am liebsten an Spitzwegerich und Mittleren Wegerich, aber auch an Leinkraut, Großen Ehrenpreis, Augentrost, Arznei-Baldrian u.a. Es scheint deutliche regionale Präferenzen zu geben bzw. regionale Spezialisierungen auf eine bestimmte der erwähnten Pflanzen, wie dies auch schon bei anderen Faltern beobachtet wurde.

Maivögel

Im heutigen Beitrag geht’s mal wieder um die Avifauna und ich zeige ein paar Arten aus einem vergangenen Mai.

Seit 2004 die ganzjährige Schonzeit des Graureihers aufgehoben wurde, sind die Brutbestände hier um 66% zurückgegangen! Der Brutbestand der Art in Thüringen lag bei um die 1.000 Brutpaaren, im Durchschnitt der letzten Jahre werden Jahr für Jahr 487 Individuen geschossen. Da ist der massive Bestandsrückgang auch keine Überraschung. Das Foto zeigt ein Individuum im Flug im Mai im vollen Prachtkleid, zum Glück nicht bei mir in Thüringen, sondern Ungarn, wo die Art streng geschützt ist.

Mit einer Flügelspannweite von 110-130cm (Extremwerte 109-136cm), ist der „Mausi“ zumindest von der Spannweite her deutlich kleiner als der Rotmilan und im Bereich eines Kolkraben. Wenn letztgenannte in der Thermik kreisen, kann das durchaus bussardähnlich wirken. Generell, aber insbesondere zur Brutzeit muss sich der „Mauser“ in Acht geben: So wie auch andere Greifvögel, sind die potenziellen Prädationsopfer nicht gerade begeistert über sein Erscheinen. Anfang konnte ich eine Verbrüderung ala „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ beobachten und ein Turmfalkenterzel hat einen zum Horst fliegenden Mäusebussard gemeinsam mit einer Rabenkrähe verprügelt oder korrekt ausgedrückt: gehasst.

Das Foto zeigt ein Rohrweihen-Terzel, der schnittig eine Kurve fliegt – ob er wohl etwas gehört hat, bspw. verräterische Laute einer Beute? Was man eher den Eulen zuschreibt, könnte vielleicht zukünftig auch in die Bücher über Rohrweihen kommen. In einer frischen Studie, die 2025 erschien hat man Gehirne von Weihen mikroskopisch untersucht als auch die Schädel detailliert per CT vermessen. Heraus kam, dass Weihen sich u.a. dahingehend deutlich von anderen Habichtartigen (Accipitriformes), dass sie deutlich größere Gehörgänge als auch Hirnanteile zur auditiven Verarbeitung aufweisen. Andere Anpassungen wie asymmetrische Gehörgänge (seihe Eulen) wurden dagegen nicht gefunden. Das sind aber zumindest schon einmal starke Indizien dafür, dass Weihen ihr Gehör bei der Jagd stärker oder ganz allgemein überhaupt, einsetzen als andere Greifvögel. Vielleicht hängt dies auch mit ihren tiefen Jagdflügen zusammen?

Die zierlich und elegant wirkenden Säbelschnäbler haben sich am Neusiedler See als Brutvögel toll und oft beobachten lassen. Ihre Nester sind wie bei vielen Limikolen eher Mulden und werden mit ein wenig Vegetationsmaterial ausgekleidet und in Feuchtwiesen, auf Schlick, Schlamm oder Spülsäumen errichtet.

Oft sieht man bei vielen Arten eher Männchen, auch auf Fotos. Das liegt nicht nur an den meist kräftigeren Prachtkleidern, sondern natürlich auch an der Verhaltensbiologie: Die Weibchen brüten und das Männchen sucht Nahrung, bewacht sein Revier, singt usw. Hier hat sich aber das Weibchen vom Schwarzkehlchen exponiert gezeigt. Ein Schwarzkehlchen-Revier ist ganz gut zu entdecken, da man entweder die kontrastreichen Männchen auf Ansitzwarten sieht oder sowohl die harten, schmätzenden Rufe als auch den Gesang des Männchens hört: eine kurze Strophe mit rauen Elementen.

Anfang Juni vor dem Makro

Im heutigen Beitrag zeige ich auch wieder ganz aktuelle Fotos, die „nebenbei“ bei einer Artenkartierung in einem strukturreichen, halboffenen Waldstück und einer Magerwiese entstanden sind.

  1. Fleißig dabei, um den Fortbestand ihrer Art zu sichern, waren diese beiden Huflattich-Wickler (Epiblema sticticana), von denen an diesem Tag auch einige unterwegs waren. Die Raupen so gut wie ausschließlich an und von Huflattich, der im Gebiet in großen Mengen vorkommt. Kniffelig ist die rein äußerliche Unterscheidung zur Verwechslungsart Epiblema cirsiana.
  2. Eine hübsche Überraschung hat sich auf sandigen Waldwegen auf einer Lichtung bzw. Kahlschlagsfläche gezeigt: Hier haben sich Feld-Sandlaufkäfer (Cicindela campestris) wohlgefühlt. In unseren stark anthropogen beeinflussten Breiten, funktioniert das „Natur Natur sein lassen“ leider nicht mehr, da wir bereits zuviele Schlüsselarten aus den Ökosystemen entfernt haben. Das führt zu der Situation, dass es eben auch menschliche Eingriffe sein können – teils müssen – die vielen Arten ein Habitat bieten; eben wie offen geschlagene Flächen im Wald oder (unbefestigte!) Wege.
  3. Mit einer sehr hübschen Zeichnung ist die Gelblinien-Spannereule (Trisateles emortualis) aufgefallen. Der Trivialname deutet es schon an: Es ist ein Eulenfalter (Noctuidae), der wie ein Spanner (Geometridae) aussieht und zwar nicht nur auf den ersten Blick! Etwas deutlicher und klarer ist die Familienzugehörigkeit dann beim Blick auf die Raupen.
  4. Na, wer hüpft denn da herum? Zur exakten Bestimmung musste ich das kleine Kerlchen dann doch mal fangen, was doch nicht ganz so einfach war, so klein, glitschig und flink wie er war. Nach Rücksprache mit einem Amphibienexperten sind wir dann bei einem subadulten Grasfrosch gelandet. Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte das nur ein Gähnen bei Naturfreunden, Gartenbesitzern, Landwirten oder Amphibienexperten hervorgerufen – sind sie zu früheren Zeiten in regelrechten Massen und 3-stelligen Zahlen über Äcker und Wiesen (Name) gewandert. Anno 2026 ist jedes einzelne Individuum schon eine kleine Sensation.
  5. Hier hat sich jemand eine Bude gebaut Klassischer Raupensack eines Rauch-Sackträgers, aber der hier ist mir aus mehreren Gründen besonders ins Auge gefallen: Er war deutlich größer als die üblichen vom Kleinen Rauch-Sackträger (Psyche casta) und hing auch anders da; so am Blatt mitten im Wald. Mit gemessenen 13-14mm ist die Bestimmung auch abgesichert, es ist der Große Rauch-Sackträger (Psyche crassiorella). In den Raupensäcken leben und überwinternd die Raupen; die Männchen schlüpfen als winzige, wuschelige schwarze Schmetterlinge, während das Weibchen als Art Raupe als Stubenhocker in der Bude bleibt.
  6. Was für eine hübsch gezeichnete Federmotte haben wir denn hier! Und endlich mal schön in einer natürlichen Umgebung für ein hübsches Foto. Es handelt sich um Platyptilia gonodactyla mit dem wenig etablierten Trivialnamen Habichtskraut-Federmotte. Bei Kleinschmetterlingen sollte man bei der Verwendung der Trivialnamen aufpassen; so werden hin- und wieder vollkommen anderen Federmotten auch unter diesem Namen geführt. Bei der Bestimmung sollte man auch wissen, was man tut und besonders detaillierte Aufnahmen von u.a. den Federn machen – dort liegt in der schwarzen Zeichnung die morphologische Unterscheidung zur Zwillingsart Platyptilia nemoralis. Die Raupen unserer Art leben an Huflattich und Pestwurz.
  7. Hier haben wir…nein, nicht den Goldzünsler, sondern den Purpurroten Zünsler (Pyrausta purpuralis) (siehe Lepiforum). Wichtig bei diesen Artkomplexen, die alle recht variabel und ähnlich aussehen, ist u.a. der Verlauf der gelben Linie auf den Vorderflügeloberseiten sowie deren relative auslaufende Position im Verhältnis zur Position der Mittelinie der Hinterflügeloberseiten. Also Augen auf!
  8. Wenn es lange Fühler hat, muss ich es mir auf jeden Fall ansehen – es hat schon etwas ulkiges. Unzweifelhaft sitzt hier ein Bockkäfer, genauer gesagt, ist es der Scheckhorn-Distelbock (Agapanthia villosoviridescens). Die Larven entwickeln sich in den Stängeln typischer als „Unkraut“ verpöhnten Pflanzen wie Brennnessel und den namensgebenden Disteln. Wer also ein Insektenhotel bauen will: Kratzdisteln pflanzen oder stehen lassen, fertig. Schmetterlingsraupen fressen die Blätter, Wildbienen und Falter besuchen die Blüten, Stieglitze und andere Vögel fressen die Distelsamen. Bei diesem Kommen und Gehen passt der Begriff „Hotel“ schon besser.
  9. Dieser Schöne Marienkäfer ist der…nunja… Schöne Marienkäfer (Sospita vigintiguttata). Die frisch geschlüpften Imagines zeigen sich noch mit weißen Punkten, die mit dem Alter nachdunkeln und sich ins Gelblich-Orange färben. Die Art ist recht verbreitet, kommt aber überall nur selten und vereinzelt vor.
  10. Vielleicht kennt sie der ein oder andere Gärtner, wenn er oder sie so etwas wie Pastinak, Fenchel oder Dill hat oder Wilde Möhre wachsen lässt. Hier hat sich die Raupe von Wiesen-Silau, auch Wiesen-Silge, (Silaum silaus) ernährt. Es ist natürlich die Raupe vom wunderschönen Schwalbenschwanz (Papilio machaon), die noch in einem jungen Stadium is(s)t. Theoretisch könnte man den Falter auf jeder Wiese bis in den Stadtbereich hinein beobachten, aber die Grünflächenämter – wie bei mir in Rudolstadt – arbeiten unermüdlich daran, möglichst jede Raupe, Ei und Nahrungspflanze abzumähen und eine Art afrikanische Steppe zu hinterlassen.
  11. Von dieser Art, dem Schwarzbraunbinden-Blattspanner (Xanthorhoe montanata), hatten wir gleich mehrere Individuen gefunden. Es zeigt einmal mehr wie wertvoll solche Zufallssichtungen von Nachtfaltern am Tag sind: Trotz systematischer Erfassung an zig Standorten im ganzen Umland, hatten wir die Art noch nie am Licht. Dafür schon mehrmals am Tag, u.a. auch bei Urlaubstouren in der Eifel und im Berchtesgadener Land. Daher gilt auch folgendes an alle Naturfreunde und Artenkenner: Meldet doch mal bitte eure Funde auch Was nicht gemeldet wird und nicht erfasst ist, existiert auch nicht – zumindest nicht für Behörden und co.
  12. Achja, die Langhornmotten (Adelidae) sind immer wieder so lustig mit ihren namensgebenden langen Fühlern. Hier ist es die Skabiosen-Langhornmotte (Nemophora metallica), die mit einigen Individuen die Wiesen-Witwenblumen (Knautia arvensis) an dem Tag besiedelt hat.

Einblick in die Nachtfalterkartierung Ende Mai

Am vorletzten Maitag bzw. -nacht, hat es vom Timing und den Bedingungen gepasst, dass wir mal wieder raus in die Nacht zum Nachtfalterleuchten und -ködern sind. Der beinahe-Vollmond war dabei irrelevant, da er im gewählten Gebiet durch Hangwälder verdeckt wird. Apropos Gebiet: Dass es sich um eines, der von mir betreuten Schutzgebiete handelt, macht so eine Erfassung natürlich immer noch ein Stück weit spannender, interessanter und aufschlussreicher.

Das Biotop zeichnet sich durch verschiedene mosaikartig angeordnete Habitate und Lebensräume aus: Von mageren, extensiven Wiesen mit Zottigen Klappertopf, Wiesen-Salbei, Großen Zweiblatt, Wiesen-Witwenblume, Wiesen-Schlüsselblume, Wiesen-Silau usw. bis hin zu Orchideen-Rotbuchenwälder, Edellaubwälder, Kiefern-Mischwälder und Sträuchersäumen.

Wir hatten 52 Arten mit 83 Individuen und waren von 21:30Uhr – 1:10Uhr aktiv. Viel Spaß mit den Collagen!