Die Frisur aerodynamisch angelegt

Einen von mehreren Kiebitzen habe ich an einem der Salzlacken, die um den Neusiedler See herum verteilt liegen, mit aerodynamisch angelegter Frisur erwischt Der Vogel des Jahres hatte auch allen Grund aufzufliegen: Eine Rohrweihe hat das Gebiet überflogen und für die dort brütenden Kiebitze heißt das dann: Aufsteigen und dem potenziellen Prädator der Brut eine auf den Hinterkopf verpassen. So ging die Rohrweihe ob der aufmerksamen Kiebitze leer aus und musste von dannen ziehen.

Durch die weiten und extensiv beweideten Grünländereien aus Feuchtwiesen bis Halbtrocken-Magerrasen, ist die Beobachtung brütender Kiebitze in der Region des Neusiedler Sees etwas ganz normales. Andere hierzulande seltene Brutvögel sind dann meist auch nicht weit: Rotschenkel, Flussregenpfeifer, Stelzenläufer, Uferschnepfen, Löffler, Säbelschnäbler, Große Brachvögel uvm.

Zusammen und mit kleinen Handgriffen viel bewirken

Heute mal ein etwas anderer Beitrag von mir, auch wenn meine Fotos vorkommen, spielen diese nicht die Hauptrolle: Als Mitglied der Fachgruppe Ornithologie und Artenschutz Unteres Schwarzatal habe ich an einer Broschüre gearbeitet, die ich euch hier auch digital zur Verfügung stellen möchte. Um was geht es?

Nun, alle Privatgärten zusammen stellen eine größere Fläche als alle Naturschutzgebiete und viele Menschen möchten etwas gegen das Insektensterben unternehmen. Allerdings ist vielen Leuten nicht klar wieviel Schaden nicht heimische Pflanzen anrichten und was es sonst noch so alles für Mythen gibt.

Die Broschüre ist ein Praxisleitfaden, was man tun KANN, wenn man es MÖCHTE und zeigt viele Beispiele und Vorschläge, wie das geht.

Die Broschüre

Insekten am Oberen Stinkersee beim Neusiedleer See

Von einem schönen Ausflug Ende Mai, an einem der Salzlacken beim Neusiedler See, stelle ich heute eine kleine Insektenauswahl vor.

1. Regelmäßig und deutlich verbreiteter als in unseren heimischen Gefilden, haben wir die Ackerwinden-Trauereule (Tyta luctuosa) gefunden, deren Raupen passend zum Namen tatsächlich gerne an Acker-Winde gehen.

2. Unter den Graszünslern gibt es echte Schönheiten wie der hier gezeigte Chrysocramboides craterella. Eine sichere Artabgrenzung zu C. linetella ist nur über Genitaluntersuchung möglich; die starke Zeichnung, Verbeitung und das Vorkommen am Neusiedler See, sprechen aber wahrscheinlich für die C. craterella.

3. Ein dicker Krabbelkäfer kam hier des Weges gelaufen und erinnerte etwas an unsere Mistkäfer, vor allem an den Wald-Mistkäfer. Es ist (Dank eines Hinweises) ein Riesenkäfer der Gattung Pentodon.

4. Ein Männchen der Großen Pechlibelle (Ischnura elegans) – eine häufige und gut zu bestimmende Libellenart.

5. Mancherorts ist diese Allerweltsart, wie auch sein zeitiger auftretender naher Verwandter (Maikäfer), schon selten geworden: Der Junikäfer (Amphimallon solstitiale).

6. Eine schöne Beobachtung war dieses Libellenpärchen der Kleinen Königslibelle (Anax parthenope) beim sogenannten Tandem. Jede Libellenart hat eigene und unterscheidbare Verhaltensweisen, so auch bei der Eiablage. Bei dieser Art ist es so, dass das Männchen das Weibchen nach der Paarung und anschließend während der Eiablage weiter festhält – so kann kein Konkurrent zum Zug kommen. Die Eier werden vom Weibchen mithilfe eines Lebebohrers in Pflanzenteile gelegt.

7. Zwei Fotos von einem etwas abgeflogenen Mauerfuchs (Lasiommata megera), der Nektar von einer Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum) aufnimmt.

8. Richtig klasse war die Sichtung dieser Libelle, die wir anschließend öfter die Tage rund um den Neusiedler See hatten; die Südliche Binsenjungfer Weibchen (Lestes barbarus). Es ist eine eher mediterrane Art, die allerdings auch recht wanderfreudig ist und auch gelegentlich mal in Deutschland auftaucht.

9. Eine weitere mediterrane und zum Wandern neigende Libellenart, ist die Südliche Mosaikjungfer (Aeshna affinis), die wir regelrecht in Massen vorgefunden haben. An einigen Orten gab es alle paar Hundert Meter regelrechte Wolken dieser und weiterer Großlibellen – Das war am Neusiedler See normal. Eine Erinnerung daran wie kaputt eigentlich die Biosphäre in Deutschland ist.

10. Ein weiterer hübscher Zünsler ist Thisanotia chrysonuchella, der mit einem etwas verwaschenen und stark punktierten Muster auffällt.

11. Bei dieser Art Falter fällt einem gleich die Zugehörigkeit zu einer der beiden Gattungen Idaea oder Scopula auf. Hier handelt es sich um Scopula immutata, den Vierpunkt-Kleinspanner. Wichtig bei der Bestimmung dieser Falter sind nicht nur der exakte Wellenlinienverlauf, sondern auch wo im Verhältnis zu den Linien die Punkte zu sehen sind. Unter oder über der Linie? Mittig oder nah an einer Linie? Gibt es eine Bucht um die Punkte? Das sind Details, die bei der Bestimmung dieser Spanner relevant sind.

Imposante und prächtige Raupen

Wer denkt, dass nur geschlüpfte Schmetterlinge bunt und imposant erscheinen, der wird durch die Raupen vom Wolfsmilchschwärmer (Hyles euphorbiae) eines besseren belehrt. Die Fotos zeigen nacheinander verschiedene Raupenstadien, beginnend bei den jüngsten. Schmetterlingsraupen durchlaufen während der Entwicklung 4 Häutungen, zeigen sich also in 5 Larvalstadien (L1-L5). Bis auf das dunkle L1-Stadium konnten wir alle an der Nahrungspflanze finden: Der Zypressen-Wolfsmilch.

Hilfreich war das Video vom Lepidopterologen Toni Kasiske, der auf seinem Youtube-Kanal immer mal wieder anschaulich zeigt wie man Falter in verschiedenen Stadien findet. Hier war es dann auch wie im Lehrbuch und wir fanden die Raupen an südexponierter, wärmebegünstiger Lage am Wegrand an vorwiegend kleinwüchsigen Exemplaren der Wolfsmilch.

Die kleinsten 2-3cm großen Raupen mit dem schwarzen “Dorn”, dem sogenannten Analhorn, sind im Stadium L2/L3. Die größeren Exemplare mit dem orangen Analhorn sind L4 und die 8cm großen rot-schwarzen Raupen befinden sich im letzten Raupenstadium vor der Verpuppung: L5.