Er mausert sich

Man könnte zu einem jungen, unerfahrenen Seeadler ja meinen, der mausere sich schon noch – hier ist das im doppelten Sinn wörtlich zu nehmen Die eher mittelmäßigen Bilder zeigen einen vorjährigen Seeadler, also im 2. Kalenderjahr, der über einem Moorsee in einem ungarischen Wald gekreist ist.

Die Mauser wurde ja schon angesprochen; tatsächlich ist dies eines der wichtigen Merkmale zur korrekten Altersbestimmung von langlebigen Vögeln, welche eine entsprechend lange Entwicklungszeit bis zum finalen adulten Stadium aufweisen – so wie in dem Fall beim Seeadler 7 Jahre. Man sieht deutlich abgenutzte, juvenile Hand- und Armschwingen, welche man zum Teil auch noch im 3. Kalenderjahr sehen könnte. Allerdings wären da bereits deutlich mehr Federn vermausert. Hier sieht man es an einigen Armschwingen, aber ganz besonders deutlich an den inneren Handschwingen, die komplett frisch sind: H5-H1 und das entsprich exakt dem typischen Mauserstatus eines Seeadlers im 2. KJ zu der Zeit.

Hilfreich sind solche Details auch, um in einem Gebiet Doppelzählungen zu vermeiden und zu erkennen wieviele Individuen denn immer wieder auftauchen. Manchmal ist auch das komplette Gegenteil der Fall und man unterschätzt die Anzahl, da man meinte, es wären immer die 1-2 gleichen, die wiederkommen und kreisen. In zwei Fällen haben sich dann statt 2 vermuteten, 4 verschiedene Individuen sicher bestimmen lassen.

In der freien Natur kann es ein Seeadler – als Ausnahme und mit sehr viel Glück – auf stolze 36 Jahre bringen, in der Gefangenschaft gehaltene Tiere sollen es wohl auf über 40 Jahre bringen.

Blindschleiche klein und groß

Die bis zu 22cm lange Blindschleiche ist keine Schlange, schaut euch mal das Köpfchen und die Augen an. Das Reptil gehört zu den Schleichen und ist in Deutschland der einzige Vertreter der Familie. Blind sind sie natürlich nicht, hier ist es so, dass „blind“ wohl aus dem Altdeutschen kommt und so etwas wie „blendend/glänzend“ heißt und sich auf die glatte Schuppenhaut bezieht.

Interessant ist, dass neue genetische Untersuchungen das Taxon Blindschleiche in Europa in mittlerweile in 5 Arten unterteilt haben; die in Deutschland anzutreffende Art ist damit neuerdings die Westliche Blindschleiche (Anguis fragilis). Der Grund, dass dies erst die letzten Jahre aufgefallen ist, liegt daran, dass die Arten morphologisch schwer bis kaum zu unterscheiden sind, während die Genetik auf deutliche Unterschiede hinweist.

Und etwas anderes interessantes, aber deutlich offensichtlicheres ist die wunderschöne Färbung und Zeichnung, welche die Jungtiere aufweisen. Auf den Fotos von Ende März seht ihr ein Jungtier und ausgewachsenes Individuum.

Kleiner grüner Drache

Ende März ging mir ein kleiner Drache vors Makro-Objektiv

Es ist ja gemeinhin bekannt (oder?), dass sich männliche Zauneidechsen durch ihre grünliche Färbung an Kopf, Bauch und Flanken hervortun, während die Weibchen gänzlich so bräunlich gefärbt sind wie beim Männchen der Rücken. Das stimmt so aber nur mit der Einschränkung >Paarungszeit im Frühjahr<. Ab Spätsommer sind auch die Männchen bräunlich gefärbt.

Zur Paarung im Frühling (März bis Mai) gehört der Paarungs- bzw. Flankenbiss dazu: Das Männchen hält sich mittels Biss am Weibchen fest und beißt sich auf diese Weise immer weiter nach vorn am Körper, bis es zur Kopulation kommt. Zu Verletzungen kommt es dabei i.d.R. nicht.

Schöner Zufallsfund und schöner Bär

Die Tage haben wir im Zuge des Moduls Spechtmonitorung des MsB in einem SPA und NSG-Wald einen schönen Zufallsfund gemacht: Die überwinternde Raupe des Schönbären (Callimorpha dominula), ein Vertreter aus der Familie der Erebidae, der zu den Bärenspinnern (Arctiinae) gehört. In der Roten Liste für Thüringen ist die Art nicht geführt, wir hatten ihn aber nur exakt einmal im Juni am Licht und auch nur an einem der vielen Orte, die wir kartieren; im Gegensatz zum verwandten Russischen Bären (Euplagia quadripunctaria), den man quasi überall finden kann. Der Raupenfund ist ein schönes Beispiel zur Wichtigkeit von Zufallsfunden, systematische oder ortsgebundene Kartierungen können nicht alles abdecken. Daher ist auch wichtig, dass Artenkenner und Naturbeobachter ihre Daten auch eintragen, daran hapert es leider oft.

Die Art bzw. deren Raupen ernähren sich polyphag von vielen verschiedenen Kräutern, Stauden, Sträuchern und Laubgehölzen; darunter Himbeere, Brennnessel, Greiskräuter usw. Als Habitat im Wald bevorzugen sie vor allem feuchte, strukturreiche Stellen mit viel Unterwuchs auf Lichtungen, Schluchten, Randstrukturen.

Damit ihr auch seht, warum die Art ihren schönen Namen hat, habe ich noch zwei ältere Fotos von unserem Lichtfang beigefügt