Anfang Juni vor dem Makro

Im heutigen Beitrag zeige ich auch wieder ganz aktuelle Fotos, die „nebenbei“ bei einer Artenkartierung in einem strukturreichen, halboffenen Waldstück und einer Magerwiese entstanden sind.

  1. Fleißig dabei, um den Fortbestand ihrer Art zu sichern, waren diese beiden Huflattich-Wickler (Epiblema sticticana), von denen an diesem Tag auch einige unterwegs waren. Die Raupen so gut wie ausschließlich an und von Huflattich, der im Gebiet in großen Mengen vorkommt. Kniffelig ist die rein äußerliche Unterscheidung zur Verwechslungsart Epiblema cirsiana.
  2. Eine hübsche Überraschung hat sich auf sandigen Waldwegen auf einer Lichtung bzw. Kahlschlagsfläche gezeigt: Hier haben sich Feld-Sandlaufkäfer (Cicindela campestris) wohlgefühlt. In unseren stark anthropogen beeinflussten Breiten, funktioniert das „Natur Natur sein lassen“ leider nicht mehr, da wir bereits zuviele Schlüsselarten aus den Ökosystemen entfernt haben. Das führt zu der Situation, dass es eben auch menschliche Eingriffe sein können – teils müssen – die vielen Arten ein Habitat bieten; eben wie offen geschlagene Flächen im Wald oder (unbefestigte!) Wege.
  3. Mit einer sehr hübschen Zeichnung ist die Gelblinien-Spannereule (Trisateles emortualis) aufgefallen. Der Trivialname deutet es schon an: Es ist ein Eulenfalter (Noctuidae), der wie ein Spanner (Geometridae) aussieht und zwar nicht nur auf den ersten Blick! Etwas deutlicher und klarer ist die Familienzugehörigkeit dann beim Blick auf die Raupen.
  4. Na, wer hüpft denn da herum? Zur exakten Bestimmung musste ich das kleine Kerlchen dann doch mal fangen, was doch nicht ganz so einfach war, so klein, glitschig und flink wie er war. Nach Rücksprache mit einem Amphibienexperten sind wir dann bei einem subadulten Grasfrosch gelandet. Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte das nur ein Gähnen bei Naturfreunden, Gartenbesitzern, Landwirten oder Amphibienexperten hervorgerufen – sind sie zu früheren Zeiten in regelrechten Massen und 3-stelligen Zahlen über Äcker und Wiesen (Name) gewandert. Anno 2026 ist jedes einzelne Individuum schon eine kleine Sensation.
  5. Hier hat sich jemand eine Bude gebaut Klassischer Raupensack eines Rauch-Sackträgers, aber der hier ist mir aus mehreren Gründen besonders ins Auge gefallen: Er war deutlich größer als die üblichen vom Kleinen Rauch-Sackträger (Psyche casta) und hing auch anders da; so am Blatt mitten im Wald. Mit gemessenen 13-14mm ist die Bestimmung auch abgesichert, es ist der Große Rauch-Sackträger (Psyche crassiorella). In den Raupensäcken leben und überwinternd die Raupen; die Männchen schlüpfen als winzige, wuschelige schwarze Schmetterlinge, während das Weibchen als Art Raupe als Stubenhocker in der Bude bleibt.
  6. Was für eine hübsch gezeichnete Federmotte haben wir denn hier! Und endlich mal schön in einer natürlichen Umgebung für ein hübsches Foto. Es handelt sich um Platyptilia gonodactyla mit dem wenig etablierten Trivialnamen Habichtskraut-Federmotte. Bei Kleinschmetterlingen sollte man bei der Verwendung der Trivialnamen aufpassen; so werden hin- und wieder vollkommen anderen Federmotten auch unter diesem Namen geführt. Bei der Bestimmung sollte man auch wissen, was man tut und besonders detaillierte Aufnahmen von u.a. den Federn machen – dort liegt in der schwarzen Zeichnung die morphologische Unterscheidung zur Zwillingsart Platyptilia nemoralis. Die Raupen unserer Art leben an Huflattich und Pestwurz.
  7. Hier haben wir…nein, nicht den Goldzünsler, sondern den Purpurroten Zünsler (Pyrausta purpuralis) (siehe Lepiforum). Wichtig bei diesen Artkomplexen, die alle recht variabel und ähnlich aussehen, ist u.a. der Verlauf der gelben Linie auf den Vorderflügeloberseiten sowie deren relative auslaufende Position im Verhältnis zur Position der Mittelinie der Hinterflügeloberseiten. Also Augen auf!
  8. Wenn es lange Fühler hat, muss ich es mir auf jeden Fall ansehen – es hat schon etwas ulkiges. Unzweifelhaft sitzt hier ein Bockkäfer, genauer gesagt, ist es der Scheckhorn-Distelbock (Agapanthia villosoviridescens). Die Larven entwickeln sich in den Stängeln typischer als „Unkraut“ verpöhnten Pflanzen wie Brennnessel und den namensgebenden Disteln. Wer also ein Insektenhotel bauen will: Kratzdisteln pflanzen oder stehen lassen, fertig. Schmetterlingsraupen fressen die Blätter, Wildbienen und Falter besuchen die Blüten, Stieglitze und andere Vögel fressen die Distelsamen. Bei diesem Kommen und Gehen passt der Begriff „Hotel“ schon besser.
  9. Dieser Schöne Marienkäfer ist der…nunja… Schöne Marienkäfer (Sospita vigintiguttata). Die frisch geschlüpften Imagines zeigen sich noch mit weißen Punkten, die mit dem Alter nachdunkeln und sich ins Gelblich-Orange färben. Die Art ist recht verbreitet, kommt aber überall nur selten und vereinzelt vor.
  10. Vielleicht kennt sie der ein oder andere Gärtner, wenn er oder sie so etwas wie Pastinak, Fenchel oder Dill hat oder Wilde Möhre wachsen lässt. Hier hat sich die Raupe von Wiesen-Silau, auch Wiesen-Silge, (Silaum silaus) ernährt. Es ist natürlich die Raupe vom wunderschönen Schwalbenschwanz (Papilio machaon), die noch in einem jungen Stadium is(s)t. Theoretisch könnte man den Falter auf jeder Wiese bis in den Stadtbereich hinein beobachten, aber die Grünflächenämter – wie bei mir in Rudolstadt – arbeiten unermüdlich daran, möglichst jede Raupe, Ei und Nahrungspflanze abzumähen und eine Art afrikanische Steppe zu hinterlassen.
  11. Von dieser Art, dem Schwarzbraunbinden-Blattspanner (Xanthorhoe montanata), hatten wir gleich mehrere Individuen gefunden. Es zeigt einmal mehr wie wertvoll solche Zufallssichtungen von Nachtfaltern am Tag sind: Trotz systematischer Erfassung an zig Standorten im ganzen Umland, hatten wir die Art noch nie am Licht. Dafür schon mehrmals am Tag, u.a. auch bei Urlaubstouren in der Eifel und im Berchtesgadener Land. Daher gilt auch folgendes an alle Naturfreunde und Artenkenner: Meldet doch mal bitte eure Funde auch Was nicht gemeldet wird und nicht erfasst ist, existiert auch nicht – zumindest nicht für Behörden und co.
  12. Achja, die Langhornmotten (Adelidae) sind immer wieder so lustig mit ihren namensgebenden langen Fühlern. Hier ist es die Skabiosen-Langhornmotte (Nemophora metallica), die mit einigen Individuen die Wiesen-Witwenblumen (Knautia arvensis) an dem Tag besiedelt hat.

Einblick in die Nachtfalterkartierung Ende Mai

Am vorletzten Maitag bzw. -nacht, hat es vom Timing und den Bedingungen gepasst, dass wir mal wieder raus in die Nacht zum Nachtfalterleuchten und -ködern sind. Der beinahe-Vollmond war dabei irrelevant, da er im gewählten Gebiet durch Hangwälder verdeckt wird. Apropos Gebiet: Dass es sich um eines, der von mir betreuten Schutzgebiete handelt, macht so eine Erfassung natürlich immer noch ein Stück weit spannender, interessanter und aufschlussreicher.

Das Biotop zeichnet sich durch verschiedene mosaikartig angeordnete Habitate und Lebensräume aus: Von mageren, extensiven Wiesen mit Zottigen Klappertopf, Wiesen-Salbei, Großen Zweiblatt, Wiesen-Witwenblume, Wiesen-Schlüsselblume, Wiesen-Silau usw. bis hin zu Orchideen-Rotbuchenwälder, Edellaubwälder, Kiefern-Mischwälder und Sträuchersäumen.

Wir hatten 52 Arten mit 83 Individuen und waren von 21:30Uhr – 1:10Uhr aktiv. Viel Spaß mit den Collagen!

Was gerade so krabbelt, kreucht und fleucht

Ganz frische Fotos von gestern aus einem lichten, wärmeexponierten Eichenwald mit Kiefernanteilen.

  1. Der Moorwald-Adlerfarnspanner (Petrophora chlorosata) ist nicht unbedingt eine der Arten, die ich im Gebiet erwarten würde. Der namensgebende Adlerfarn stellt die wichtigste Raupenfutterpflanze dar, allerdings zeigen Zuchten mit Raupen als auch Vorkommen und adlerfarnfreien Gebieten, dass die Raupen mitunter auch an anderen Farnen fressen.
  2. An den Blättern einer Zitter-Pappel hat genüsslich eine Schmetterlingsraupe geknuspert. Mit der länglichen Gestalt und den fehlenden (falschen) Bauchbeinen, erkennt man gleich eine Spannerraupe (Geometridae). Es handelt sich um den Orangegelben Breitflügelspanner (Agriopis aurantiaria), der ab Herbst fliegt. Die Raupen fressen nicht nur an der bei Schmetterlingen äußerst beliebten Zitter-Pappel, sondern auch an vielen anderen Laubbäumen.
  3. Ein verbreiteter und relativ häufiger Käfer in unseren Wäldern und für seine Familie, die der Bockkäfer, noch recht gut zu bestimmende Art, ist der Waldbock (Spondylis buprestoides). Seine Beißerchen wirken beeindruckend, aber auf meiner Hand war er sehr friedlich Die kräftigen Kiefern dienen zur Verteidigung, aber primär, um sich durch Totholz von Kiefernstümpfen zu nagen – dort werden die Eier abgelegt und von dort müssen die erwachsenen Käfer (Imagines) sich sozusagen auch wieder herausbeißen. Während die Imagines nur wenige Wochen leben und in dieser Zeit keinerlei Nahrung zu sich nehmen, dauert das Larvalstadium 2-3 Jahre.
  4. Ich finde die Wollschweber (Bombylidae) einfach herrlich anzusehen und zu beobachten und zu dieser Familie gehört auch dieser Wolli: der Zickzacklinien-Trauerschweber (Hemipenthes morio). Wichtig ist bei der Bestimmung der genaue Blick, vor allem auf die Flügel: Denn es gibt auch dunkle Wollis, denen bspw. die Zacken im Flügelmuster fehlen.
  5. Sehr entspannt und gut zu bestimmen, war dieser Fallkäfer: Der Zweipunktige Fallkäfer (Cryptocephalus bipunctatus). Die Käferfamilie hat daher ihren lustigen Namen, da sich ihre Vertreter bei Störungen einfach zu Boden fallen lassen. Das kann man aber mitunter auch bei anderen Käferfamilien wie bspw. den Weichkäfern oder auch einigen Schmetterlingen wie bspw. einigen Eulenfaltern, beobachten.

Frisches Ei, abseilende Raupe, winzige Motte, seltene Tagfalter wuscheliger Nachtfalter

Am Waldrand auf mageren Halbtrockenrasen haben wir in einem NSG einige schöne Falter kartieren können: Von Tag- über Nachtfalter, von frisch abgelegten Eiern über Raupen bis zum Imago (erwachsenes Insekt).

  1. Der Grüne Zipfelfalter (Callophrys rubi) wird auch Brombeer-Zipfelfalter genannt und man sieht ihn gar nicht mehr so häufig hier. Die Raupen sind bei der Wahl ihrer Nahrungspflanze gar nicht so anspruchsvoll, aber die Imagines bevorzugen sehr strukturreiche warme und halboffene Landschaften wie bspw. strauchreiche Waldlichtungen mit viel Sonne oder Ränder bzw. Gebüschsäume von südexponierten Halbtrockenrasen.
  2. Ein richtig toller Fund, der Kleine Esparsetten-Bläuling (Polyommatus thersites); auf den Bildern verschiedene Weibchen, bis auf das Männchen auf dem Finger. Die Art weist extreme Ähnlichkeit mit dem weit verbreiteten und häufigen Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) auf. Die Unterschiede zeigen sich am fehlenden Basaldot der Vorderflügelunterseite (weisen seltene Formen von P. icarus auch auf) sowie der Ausrichtung der 3er-Punktreihe der Hinterflügelunterseite: Der mittelste liegt außerhalb der Mitte Richtung Apex verschoben, bei P. icarus liegt er mittig bzw. Richtung Flügelwurzel verschoben. Die Art ist also zum Einen nicht leicht zu erkennen, aber auch nicht so häufig. Der Trivialname passt auch, der Kleine Esparsetten-Bläuling legt seine Eier am liebsten an die Saat-Esparsette.
  3. Wenn ihre Flugzeit beginnt, kann man sie öfter mal irgendwo ruhend am Tag finden, mitunter auch an Fenstern und Hauswänden: Es ist einer der Wurzelbohrer, hier der Kleine Hopfen-Wurzelbohrer (Korscheltellus lupulina). Die Raupen fressen nicht nur am Hopfen, sondern an einer Vielzahl verschiedener Pflanzen wie Ampfer-Arten, Brennnessel, natürlich auch Hopfen, aber auch Kartoffeln, Weizen uvm. Dabei fressen sie keine Blätter, sondern wie im Namen erwähnt, an Wurzeln.
  4. Selbst beim Leuchten nach Nachtfalter, sind sie nur mit geschultem Auge von einer Fliege zu unterscheiden, es war daher ein lustiger Zufall, dass ich sie entdeckt habe: Die Kohlschabenmotte (Plutella xylostella). Um einen Eindruck der Größe zu bekommen, muss man sich wirklich vor Augen halten, dass sie hier auf einem ganz gewöhnlichen Grashalm sitzt, die Tierchen sind gerade einmal 6-10mm lang!
  5. Es war nicht das erste Mal, dass ich live dabei war, aber es war wieder faszinierend: Die Eiablage vom Tintenfleck-Weißling (Artkomplex Leptidea juvernica/sinapis), dieses Mal am Gewöhnlichen Hornklee. Dieses Foto spricht mehr als Tausend Worte und macht greif und ansehbar, was für ein Massaker eigentlich permanent in Deutschen Gärten und Kommunen angerichtet wird, wenn gemäht wird, als wäre es eine olympische Disziplin.
  6. Wie bei Mission Impossible hing diese Raupe am seidenen Faden in der Luft, wobei der dünne Spinnfaden selbst mit Blitzlicht kaum zu sehen war. Es ist die Raupe der Zweifleck-Kätzcheneule, die sich hier von einer Sommer-Linde abgeseilt hat – neben anderen Laubbäumen eine ihrer Nahrungspflanzen.