Schnatterenten auf der Saale

Was ich bei uns im Winter auf der Saale nicht oft finde: Schnatterenten. Die umliegenden Stillgewässer sind zugefroren, noch dazu kam übers Wochenende die Kaltfront hereingebrochen und dann finden sich umso mehr Arten beim Weiterzug oder nicht zugefrorenen Fließgewässern. Das erste Foto zeigt ein Pärchen.

Als Gründelenten tun sie sich mit der Nahrungssuche meist nicht schwer und sind nicht sehr anspruchsvoll. Sie fressen neben Kleintieren im Wasser vor allem Unterwasserpflanzen bzw. deren Partikel. Denn neben dem namensgebenden Gründeln, bei dem sie – Kopf unter Wasser, Schwänzchen in die Höh‘ – in einer Wassertiefe von bis zu 30-50cm Nahrung direkt auflesen oder abzupfen, können sie Insekten oder Pflanzen von der Oberfläche auflesen oder auch Partikel aus dem Wasser sieben. Anders als die „seihenden“ Löffelenten, läuft das bei den Schnatterenten jedoch nicht mit seitlichen Kopfbewegungen auf der Wasseroberfläche: Ist der Schnabel unter Wasser und sie ziehen anschließend die Zunge zurück, entsteht ein Unterdruck, der Wasser samt Nahrungspartikel in den Schnabel zieht. Wenn sie nun die Zunge wieder Richtung Schnabelspitze schieben, drückt es das Wasser aus dem Schnabel heraus – Nicht jedoch Pflanzenteile oder Kleinstlebewesen. Diese bleiben an den Zahnleisten (feine Hornzähnchen) der Schnabelseiten hängen.

Es läuft quasi wie bei einem befiederten, kleinen Wal Wobei dieser „befiederte Wal“ noch ganz andere Tricks auf Lager hat: Es kommt auch vor, dass sie sich in der Nähe von tauchenden Wasservögeln wie Blässrallen aufhalten, um diesen etwas von ihrer Beute wie bspw. Algen abzunehmen. Damit erschließen sie sich (wie auch bspw. Möwen) Nahrungsquellen, an die sie selbst aus physiologischen Gründen nicht herankommen würden.

Die witzigsten Enten

Heute auf der Saale sind unsere beiden witzigsten Entenarten beieinander geschwommen: Die Pfeifente, deren Erpel zur Balz ein lustiges Pfeifen von sich geben und die Schnatterente, deren Erpel wie mit zugehaltener Nase „Mep“ rufen.

Bei der Schnatterente ist ein Erpel zu sehen, die Pfeifente ist ein vorjähriges Weibchen. Die Flügeldecken sind bei den Jungvögeln, wie auch vielen anderen Arten, noch weiß gerändert (statt orange) und es fehlt ihnen auf der Fläche der Decken das orange Muster adulter Weibchen. In Thüringen auf der Saale und umliegenden trifft man Pfeifenten im Winter nicht sehr häufig an, es ist anzunehmen, dass die Pfeifente vor der Kaltfront geflüchtet ist.

Kalte Nase

Die Fotos sind heute bei idealen Vogelbeobachtungsbedingungen entstanden: eine nahende Kaltfront hat zu einer massiven Zugaktivität geführt, während einige andere aufgrund des Tageslichts sowie der zunehmenden Tageslänge schon in Balzstimmung waren und ihren Vollgesang haben hören lassen.

Nicht nur die Nase wird diesem weiblichen Grünspecht bei der Nahrungssuche kalt geworden sein In typischer Erdspecht-Manier, hat die Dame das Laub beiseite geworfen und die obersten Erdschichten aufgepickt, um nach darin verborgenen Insekten, meist Ameisen, zu suchen; verschmäht aber auch so manchen Regenwurm, Spinne oder Schnecke nicht. Diese erwischt der Grüne nicht nur mit der längsten Zunge der Spechte – 10cm kann sie aus dem Schnabel herausgestreckt werden – sondern auch durch die verhornten Spitzen selbiger, die als eine Art Widerhaken fungieren und die Beute festhalten.

Die Art zeigt schon seit längerem einen deutlich positiven Bestandstrend, aktuell wird mit einem Brutbestand von 69.000-125.000 Paaren in Deutschland gerechnet.

Unscheinbar & oft übersehen

Unscheinbar und oft übersehen ist der Grauschnäpper, ein Vertreter aus der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae), zu der auch Arten wie das Rotkehlchen, Schwarzkehlchen und Hausrotschwanz gehören.

Der Grauschnäpper ist dabei nicht nur rein monoton grau, sondern zeigt an den Flügeln bräunliche Töne; markant sind vor allem die auf hellem Grund kontrastierenden Strichel auf Kopf und Brust, die ihm sein unverwechselbares Aussehen verleihen sowie ein für diese Familie recht kräftiger, dunkler Schnabel.

Aufgrund der Strukturarmut unserer Wälder und moderner Gärten, hat die Art die letzten Jahrzehnte deutlich abgenommen. Der bevorzugte Lebensraum sind die eher ursprünglichen, lichtdurchfluteten Hute- und Laubwälder, Auwälder oder Waldränder. So findet man die Art heute nur in den seltenen strukturreichen Wäldern, oft auch nur am Waldrand, in manchen Parkanlagen, verwilderten Gärten, oder an Schneisen, die durch Wälder führen wie bspw. Stromtrassen.

Sehr selten ist der Grauschnäpper mit einem Brutbestand von 175.000-260.000 Paaren aber nun auch nicht. Aufgrund seiner Lebensweise hoch in Baumkronen sowie seiner unscheinbaren Rufe und Gesänge wird die Art jedoch auch oft von Ornithologen übersehen und überhört.