Bei allen negativen Veränderungen in der Landschaft, gibt es hier und da immer noch ein paar schöne Inseln, wo sich tolle Arten oder Bestandsdichten finden lassen. Man muss nur leider heutzutage immer öfter gezielt danach suchen. Folgend gibt’s ein paar frische Fotos aus aktuellen Kartierungen der Tage.
- Na, wer hing denn da an einer abgefressenen Knoblauchsrauke? Es ist eine ausgewachsene Raupe vom Aurorafalter (Anthocharis cardamines), die sich demnächst verpuppen wird und als Puppe bis zum nächsten Jahr die Zeit verschläft. Deswegen ist es wichtig, dass nicht überall gleichzeitig alles raspelkurz gemäht wird. Die Knoblauchsrauke ist zusammen mit dem Wiesen-Schaumkraut die wichtigste Nahrungspflanze der Raupen dieser Art.
- Yeah – mal wieder eine lustige Langhornmotte (Adelidae) – dieses Mal eine Art aus dem De Geers Langhornfalter-Artkomplex. Erst 2016 hat man diese 1 Art in 3 separate Arten aufgesplittet; rein von der Verbreitung aus betrachtet, handelt es sich wahrscheinlich um den klassischen De Geers Langhornfalter (Nemophora degeerella). Interessant ist, dass diese Raupen welkes, feuchtes Falllaub aus dem Vorjahr fressen! Es gibt wirklich auf ALLES eine Spezialisierung von irgendeinem Falter; außerdem zeigt es, dass es gut ist, etwas Laub im Garten herumliegen zu haben.
- Wer es kennt, erkennt es sofort: Die Raupe vom Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae), die hauptsächlich am Gewöhnlichen Hornklee frisst. Interessant ist, dass sich Widderchen nicht einfach so verpuppen, sondern sich vorher einen Kokon spinnen.
- Ein Scheckenfalter am Großen Ehrenpreis – passenderweise ist es der Ehrenpreis-Scheckenfalter (Melitaea aurelia). Ganz so leicht ist es mit der Bestimmung nicht, denn die berüchtigte 3er-Bande aus M. aurelia/athalia/britomartis erfordert schon Kenntnis, Geduld und gute Literatur zur korrekten Bestimmung; mitunter geistert auch die Aussage herum, dass man die Arten morphologisch nicht sauber trennen könnte, was so einfach nicht stimmt. Neben dem Habitat, gibt eine ganze Menge Unterscheidungsmerkmale, für die man die Falter in die Hand nehmen oder von allen Seiten detailliert fotografieren sollte. Das Helmholtz-Zentrum hat für das Tagfalter–Monitoring wirklich hervorragende Diagnosetafeln erstellt. Die Art fliegt auf offenen (Kalk-)Magerrasen, die nicht zu stark verbuscht sind und wo sich die Raupen von Wegerich-Arten als auch Zottigem Klappertopf und Großem Ehrenpreis ernähren können.
- Ein schönes Beispiel für die Schönheit heimischer Stauden und leider auch deren Rückgang, ist der Große Ehrenpreis (Veronica teucrium) – warum pflanzen Leute nicht so etwas in ihren Garten? Der Große Ehrenpreis sieht nicht nur hübsch aus und wird sehr gerne von Insekten besucht, er ist zudem Raupenentwicklungspflanze einiger seltener Arten.
- 9 Individuen habe ich recht nah beieinander auf, um und in Schlehengebüsch gefunden. Das Verhalten würde auch zum Nierenfleck-Zipfelfalter passen, aber als sie dann doch mal geruht haben, war klar, dass es Pflaumen-Zipfelfalter (Satyrium pruni) sind. Die Schlehe ist dort ihre Eiablage- und Raupenfutterpflanze, was wenig überrascht – die Schlehe ist ja die Stammform der Pflaume. Beim Nektarbesuch ist der Falter nicht wirklich oft anzutreffen, da hilft ein Blick in und auf die Sträucher schon eher.
- Im gleichen Gebiet, wo ich auf den Ehrenpreis-Scheckenfalter (Melitaea aurelia) hatte, waren auch die Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea athalia) unterwegs. Alles, was ich zur Bestimmung im anderen Beitrag geschrieben habe, trifft auch hier zu und dass beide Arten in guten Biotopen syntop fliegen, ist gar nicht ungewöhnlich. Der Falter fliegt gerne auf offenen und trockenen Standorten wie mageren Halbtrockenrasen; dort fressen die Raupen am liebsten an Spitzwegerich und Mittleren Wegerich, aber auch an Leinkraut, Großen Ehrenpreis, Augentrost, Arznei-Baldrian u.a. Es scheint deutliche regionale Präferenzen zu geben bzw. regionale Spezialisierungen auf eine bestimmte der erwähnten Pflanzen, wie dies auch schon bei anderen Faltern beobachtet wurde.