Blick nach unten

Nach einer Runde Brutvogelkartierung standen in zwei meiner betreuten Schutzgebiete kleinere Maßnahmen an, dabei haben sich am Boden zwei gänzlich andere, schöne Frühblüher gezeigt.

Gras klingt erst einmal wenig spektakulär, jedoch sind Wildgräser für unsere Ökosystem unverzichtbar; viele Schmetterlingsraupen haben sich bspw. an bestimmte Gräser als Nahrungspflanze spezialisiert. Aber mitunter sind auch Arten bei den Gräsern vertreten, die auch etwas fürs Auge bieten: So wie die blühende Erd-Segge (Carex humilis). Die Art zeigt sehr kurze Sprossachsen und 20-40cm lange Blätter sowie den auffallend hübschen gelben Blütenstand und ist keine häufige Art; in Deutschland steht sie auf der Vorwarnliste. Die Art passt wunderbar in die dortige Pflanzengesellschaft aus wärmeexponierten trockenen Eichen-Hängen.

Ein wenig bunter ist die zweite Art: Das Leberblümchen (Hepatica nobilis); ein klassischer Frühblüher sowie Kalkanzeiger. Das Gebiet zeichnet sich durch Edellaub-Mischwälder sowie Halbtrockenrasen auf Muschelkalk aus und bietet dem Leberblümchen somit ein tolles, passendes Habitat. Die markanten, einfach zu bestimmenden Blätter eines blühenden Individuums kann man oft vergebens suchen: Diese erscheinen erst nach er Blüte; die Blätter, die aktuell zu sehen sind, stammen noch aus der letzten Saison.

Frühblüher

Als die letzte Kälteperiode den Staffelstab weiter an die ersten richtig warmen und sonnigen Tage gereicht hat, sind die Frühblüher gleich voll durchgestartet. Wobei ich die ersten aufblühenden weiblichen Hasel-Blüten schon Anfang Februar gesehen habe. Aber nun sind allerorten Schneeglöckchen, Märzenbecher und co zu sehen – während die Winterlinge teils schon wider abblühen.

Von einer heutigen Tour habe ich den Acker-Gelbstern (Gagea villosa) mitgebracht; ein heimischer Frühblüher nährstoffreicher Standorte. Bei den Gelbsternen muss man für eine korrekte Bestimmung auch genau hingucken: Der Wiesen-Gelbstern blüht meist etwas später und ist im Gegensatz zum Acker-Gelbstern nicht fein bewimpert/behaart. Die Hochblätter sind beim Acker-Gelbstern gegenständig, beim Wiesen-Gelbstern wechselständig; außerdem weist das Grundblatt vom Wiesen-Gelbstern eine tiefe Rille auf.

Eine weitere Art ist der Wald-Gelbstern, den man eher außerhalb von Siedlungen findet. Dieser ist wie der Wiesen-Gelbstern ebenfalls nicht behaart und die Blätterspitzen haben von diesen drei Arten die deutlichste „Kapuze“. Wiesen- und Wald-Gelbstern haben jeweils nur ein Grundblatt, der hier gezeigte Acker-Gelbstern weist dagegen 2 Grundblätter auf.

Junger BuFi

Der Sommer ist die Zeit der zerrupft aussehenden Vögel (Mauser) und nimmersatter herumhüpfender Jungvögel. Aus dem Mitte-Ende Juli sind die Fotos von diesem jungen Buchfinken entstanden; ich denke, dass es ein Männchen ist, da der grüngelbe Bürzel besonders farbkräftig leuchtet und bei den Weibchen eher gedeckte Farben aufweist.

Meist besteht das Gelege der spatzengroßen Buchfinken aus 4-5Eiern, wobei die Spannbreit zwischen 3-6 Eiern schwanken kann. Damit es überhaupt zur Eiablage und dem Nestbau durch das Weibchen kommt, geben sich die Herren der Schöpfung alle Mühe um die Gunst einer BuFi-Dame zu gewinnen. Zur Balzzeit ist quasi allerorts der bekannte Gesang mit dem Finkenschlag zu hören. Es lohnt sich, genau hinzuhören: Einige Buchfinken bauen am Ende der Strophe gerne eine kleine Imitation mit ein, meistens der Revierruf vom Buntspecht (Tschüpp!) und es klingt wirklich verdammt gut nachgemacht!

Vom Gesang gibt es noch die „Light-Version“, den Balzruf, der auch nur zur Balzzeit im Frühjahr geäußert wird und oft als „Regenruf“ betitelt wird. Zum Ursprung der Bezeichnung gibt es zwei Erzählungen: Entweder, weil der Buchfink so ausdauernd ruft, dass selbst Regen und trübes Wetter ihn nicht davon abhält und die andere Erzählung liegt im Klang dieses Balzrufes: „trrrrrüb“ und ist damit selbsterklärend

Ein anderer Ruf, den man das ganze Jahr über sehr oft hören kann, ist der Flug- und Standortruf; ein weiches „djüb“.

Prächtiger Alltagsvogel

Oft bewundern Menschen immer das, was sie nun gerade nicht haben. So liegt in der Ornithologie auch oft der Fokus – vor allem der Kamerafokus – auf allem was exotisch oder selten ist. Dabei haben wir auch unter den Vögeln, an denen jeden Tag unbeachtet vorbeispaziert wird, echte Schönheiten: so wie diesen männlichen Buchfink, der sich im Juli im farbstarken Prachtkleid gezeigt hat.

Mit seinem farbprächtigen Auftritt scheint das Buchfinkenmännchen aus seiner Sicht aber schon genug zur Balz beigetragen zu haben, denn bei dieser Art ist es das Weibchen, welches das Nest alleine baut. Dieses sitzt i.d.R. höher gelegen auf einer Astgabel im Baum oder gelegentlich auch mal in Büschen, Kletterpflanzen oder Mauerlöchern im Siedlungsbereich. Gerade an der Außenseite ist das Nest hervorragend durch eine Schicht aus Flechten getarnt.