Einige besondere Libellen

Bei einer Runde um eine der lacken im Bereich des Neusiedler Sees, hatten wir eine Menge Libellen. Einige der Arten, darunter auch ein paar besondere Arten, stelle ich mit den folgenden Fotos vor.

  1. Die Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum), hier ein frisch geschlüpftes Weibchen, gehört zu einer Art, die man sehr oft beobachten kann. Markant, vor allem bei Weibchen oder nicht ausgefärbten Individuen, sind die komplett schwarzen Beine, während diese bei einigen anderen Heidelibellen u.a. hellgelb geschient sind. Besondere Präferenzen bei der Habitatwahl, außer einer ordentlichen Besonnung, hat diese eher generalistische Art nicht.
  2. Die Fotos zeigen jeweils ein männliches und weibliches Individuum der Frühen Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii). Bei einigen Libellenarten ist die Augenfarbe variabel, bei einigen dagegen bestimmungsrelevant – zu letzterer Gruppe gehört diese Art. Die im unteren Bereich blau gefärbten Augen zeigen sich bei beiden Geschlechtern in jedem Alter. Die Frühe Heidelibelle ist eine Wanderlibelle. Die überschaubaren Beobachtungen in Deutschland sind vor allem vom Einflug aus dem Süden abhängig – die in Deutschland geschlüpften Individuen wandern ähnlich wie bspw. der Distelfalter, wieder zurück gen Süden in die mediterrane Heimat. Hier im Bereich des Neusiedler Sees bei Österreich und Ungarn hatten wir es dagegen mit einer ordentlichen Anzahl dieser südlichen Art zu tun.
  3. So etwas wie die Blaumeise unter den Libellen, ist die Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum), die hier mit zwei verschiedenen Männchen zu sehen ist. Der Vergleich ist jetzt nicht auf die durchaus passende Farbe bezogen, sondern auf ihre weite Verbreitung und Häufigkeit. Die Art mag vor allem große Stillgewässer mit überschaubarer Vegetation und kann dabei in großer Individuenzahl auftreten. Was sie von vielen auf den ersten Blick ähnlich aussehenden Azurjungfern unterscheidet, ist der bei beiden Geschlechtern sehr sauber wirkende Thorax an der Seite: Unter den Humeralstrreifen sind keine der sonst typischen dünnen schwarzen Striche zu sehen.
  4. Wenn eine sonst typischerweise rot gefärbte Heidelibelle, gelb ist, muss das nicht zwangsläufig heißen, dass es ein Weibchen. So wie hier kann es sich auch um ein noch nicht ausgefärbtes, frisch geschlüpftes Männchen handeln. Bei der Art handelt es sich um die Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum). In diesem Stadium taugen die sonst markanten gelben Streifen des Thorax der Zwillingsart Große Heidelibelle nicht zur Unterscheidung. Wiederum in sehr späten Stadien können diese auch durch Verschleißerscheinungen verblassen. Das sicherste Merkmal ist daher oft ein Blick frontal ins Gesicht: die schwarze herablaufende Stirnzeichnung zeigt nur die Gemeine Heidelibelle; bei der Großen Heidelibelle läuft sie nicht herunter.
  5. Eine große Überraschung für uns, war der massive Einflug der Südlichen Mosaikjungfer (Aeshna affinis), von denen teilweise richtige Wolken im Bereich des Neusiedler Sees zu beobachten waren. Diese südeuropäische Wanderlibelle bevorzugt flachere, kleine Gewässer mit viel Schilf und breitet sich aufgrund der Klimaerwärmung weiter gen Norden aus und Beobachtungen in Deutschland nehmen zu. Auf den Fotos ist ein noch junges Männchen zu sehen.
  6. Die Färbung und der Habitus hat an die typische Westliche Weidenjungfer erinnert, aber vor allem zwei Dinge haben so gar nicht dazu gepasst: Der Thorax ist frei von der typischen Zacke und die Flügelmale sind mit 2 Farben dreigeteilt: Weiß-Braunschwarz-Weiß. Damit ist es die Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus). Die Art ist recht spezialisiert und bewohnt voll besonnte und sehr kleine, teils austrocknende Gewässer mit dichtem Bewuchs.

Rohrweihen-Pärchen zusammen in der Luft

Eine schöne wildlife-Flugshow hat uns dieses Rohrweihen-Pärchen Ende Mai geliefert. Ihre erste Brutzeit haben Rohrweihen meist im Alter von zwei oder drei Kalenderjahren. Es ist so, dass einige Jungvögel, wie bei anderen Greifvögeln auch, mitunter im Überwinterungsquartier übersommern und dort einen zweiten Winter verbringen, bevor sie dann adult und geschlechtsreif im dritten Kalenderjahr in die europäischen Brutgebiete zurückkehren.

Das Phänomen des Übersommerns können wir auch in Deutschland sehen, wenn typische Wintergäste aus dem Norden wie bspw. Weißwangengänse, hier im Sommerhalbjahr zu beobachten sind, ohne dass sie dabei zur Brut schreiten würden. Aber zurück zur Rohrweihe: Die Balz wird durch das Männchen initiiert, welches mit halsbrecherischen Sturzflügen und Scheinangriffen das Weibchen zu beeindrucken versucht, bevor es seiner Auserwählten Beute als Brautgeschenk – natürlich mitten in der Luft als „Wurfsendung“ – überreicht. Das ist auch ähnlich wie beim Habicht die Phase im Jahr, wo man die nicht sonderlich ruffreudigen Rohrweihen auch mal hören kann.

Gänzlich verschiedene Schmetterlinge bei einer Tour um die Zicklacke

Heute gibt’s wieder einen Schmetterlingsbeitrag mit Fotos aus einem vergangenen Urlaub, Ende Mai am Neusiedler See, bei einer Runde um eine der Lacken.

  1. Selten finde ich sie auch mal bei mir in der Gegend, in der Ecke um den Neusiedler See hatten wir sie quasi überall: Die Ackerwinden-Trauereule (Tyta luctuosa). Vom Namen her kann man sich tatsächlich einige Eigenschaften ableiten – das funktioniert aber nicht immer! Die Raupen leben ausschließlich an der Acker-Winde, die Art gehört zu den Eulenfaltern und das „Trauer“ steht bei Trivialnamen bekanntlich immer für ein dunkles äußeres Erscheinungsbild.
  2. Zu den eher noch häufigen Widderchen gehört das recht variable Beilfleck-Widderchen (Zygaena loti). So wie alle Widderchen und generell auch sehr viele Falter, vor allem Tagfalter, haben sie eine Vorliebe für lila Blumen – Hier eine Vogel-Wicke. Damit es überhaupt erst zum Falter kommt, müssen sich allerdings erst einmal die Raupen entwickeln – ein Aspekt, den viele Gärtner und vor allem Gärtnereien unter den Tisch fallen lassen, wenn sie ihren Kunden den größten Quatsch andrehen. Beim Beilfleck-Widderchen braucht es Hufeisenklee, Bunte Kronwicke oder Gewöhnlichen Hornklee als Futter für die Raupen.
  3. Einige Vertreter der Spanner ähneln auf dem ersten Blick schon dem Klischee der „graubraunen Motte“, wobei diese Familie eine unheimlich große Variationsbreite Zeichnungen und Farben aufweist. Und selbst bei den nicht so bunten Arten, lassen sich bei genauem Blick unheimlich viele filigrane und schöne Details erkennen, so wie hier bei der sehr variablen Art Marmorierter Kleinspanner (Scopula immorata). Die Raupen ernähren sich von verschiedenen Kräutern, wobei Thymian und Echter Dost (=Oregano) eine besondere Rolle zu spielen scheinen.
  4. Dieser Dickkopffalter aus der schwierigen Pyrgus-Artengruppe fällt mit seinen kräftigen weißen „Zähnen“ auf den Hinterflügeloberseiten sowie den aus der Reihe tanzenden Kästchen im Postdiskalbereich der Vorderflügel auf. Es ist der Mehrbrütige Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus armoricanus), der tatsächlich mindestens zwei Generationen im ausbildet, je nach Lage und Witterung auch eine unvollständige dritte.
  5. Zu sehen an Bunter Kronwicke, Gewöhnlichem Natternkopf und Luzerne: Der Resedafalter (Pontia edusa). Bei der Art ist der wissenschaftliche Name wichtig, da es noch einen weiteren Resedafalter gibt, Pontia daplidice, der Süd- und Südwesteuropa sowie Nordafrika besiedelt.
  6. Einen schönen Namen hat das Silbereulchen (Deltote bankiana) abbekommen. Die Art ist eher lokal verbreitet und mag es nicht zu trocken, besiedelt gerne Feuchtwiesen, Ufer oder wechselfeuchte Wiesen sowie Waldlichtungen. Als Raupennahrung stehen verschiedene Gräser auf dem Speiseplan.
  7. Mit einem hübschen rötlichen Grundton ist der Violettrote Kleinspanner (Scopula rubiginata) ausgestattet. Sie sind auch in DE verbreitet, hier aber recht lückig. Als Habitat kommen trockene Magerwiesen, Ödland, Heiden u.ä. Biotope in Betracht. Wie auch bei anderen Scopula-Arten, leben die Raupen an verschiedenen Kräutern; eine Präferenz wurde für Thymian, Besenheide, Wiesen-Sauerampfer und Gewöhnlichen Beifuß festgestellt.
  8. Die Weiße Winden-Federmotte (Pterophorus pentadactyla) gehört mit zu den größten Vertretern ihrer Familie, die der Federmotten. Immer wieder faszinierend anzusehen sind die filigranen Federstrukturen der mehrteiligen Flügel. Für Deutschland sind ungefähr 70 Arten aus der Familie der Federmotten dokumentiert, deren Bestimmung mitunter sehr schwierig sein kann, wenn es bspw. bei einigen Arten auf Zeichnungsdetails der Federspitzen ankommt.

Ein paar Besonderheiten von heute

Bei einer Kartierrunde heute waren noch nebenbei für zwei Dinge Zeit: Kräuter zum Trocknen sammeln (Tee für den Winter) und ein paar ausgewählte Fotos besonderer Arten, die ich bislang noch nicht oft oder gar nicht vor der Linse hatte.

  1. Für jemanden wie mich, der ’89 geboren ist, ist so etwas immer befremdlich zu hören, diese oder jene Art ist (in alter Literatur) oder war mal (in aktueller Literatur) eine Allerweltspflanze. Das Shifting Baselines Syndrom lässt grüßen. Und damit sind wir schon beim Echten Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea), was man heute leider recht selten sieht. Zurecht sind daher alle Arten der Gattung gesetzlich besonders geschützt. Das Echte Tausendgüldenkraut ist dabei die Art der Gattung, die noch als relativ häufig gilt. Interessant ist die Zugehörigkeit zur Familie der Enziangewächse, was die Bitterkeit als auch die Verwendung für Kräuterliköre oder als Heilkraut erklärt. Das Echte Tausendgüldenkraut braucht viel Licht, benötigt magere Böden und mag es dabei aber nicht zu trocken – zu starke Sukzession als auch Nährstoffeintrag und Trockenlegung ehemaliger Feuchtgebiete gefährden die Bestände.
  2. Auf einer sandigen Rohbodenstelle waren diese leuchtenden, wunderschönen Nelken zu sehen – es handelt sich dabei um die gesetzlich besonders geschützte Raue Nelke (Dianthus armeria). Man findet sie auf mageren Halbtrockenrasen entlang von Saumstrukturen wie Sträuchern oder Wäldern. In Thüringen steht die Art in der Roten Liste als stark gefährdet, umso schöner ist der Wiederfund an dem Standort. Ein markantes Bestimmungsmerkmal stellen die weißen Punkte auf den Kronblättern dar.
  3. Bei den Gespinstmotten der Gattung Yponomeuta spec. verhält es sich für gewöhnlich so, dass einige Imagines überhaupt nicht auf Artebene anzusprechen sind, man braucht die Raupen an der jeweiligen spezialisierten Nahrungspflanze und bestimmt dann über die Nahrungspflanze. Aber natürlich gibt es wie überall Ausnahmen, so gibt es gleich 3 Arten, die sich am Gewöhnlichen Pfaffenhütchen entwickeln: Y. plumbella, Y. cagnagella, Y. irrorella. Glücklicherweise war die Natur so nett, genau bei den Arten dafür zu sorgen, dass es hier die Imagines sind, die sich leicht unterscheiden lassen! Hier haben wir Yponomeuta plumbella, unverwechselbar mit den dicken schwarzen Flecken auf den Flügeln.