Potpourri schöner Nachtfalter der letzten Kartiernacht

Heute gibt es mal wieder einen kurzen Ein- und Überblick zu unserer letzten Nachtfalterkartierung gegen Ende Juli. Die 6-7h draußen im Gelände machen dabei den geringsten Teil der Arbeit aus, da alle Artbestimmungen noch sorgfältig von uns geprüft werden.

Einige erhoffte Arten wie das Kleine Eichenkarmin (Catocala promissa) oder das Große Eichenkarmin (Catocala sponsa) waren ebenso vertreten wie auch Überraschungen wie die stark bedrohte (Thüringen RL 1) Berberitzeneule (Auchmis detersa). Viel Spaß beim Durchsehen der Collagen.

Kleiner Eisvogel in Fotolaune

Im Wald in unmittelbarer Nähe eines Kalkflachmoors und Feuchtwiesen, sind entlang von Waldwegen und lichten Stellen Unmengen dieses Wald-Tagfalters geflogen, den man sonst höchstens mal vereinzelt antrifft: Der Kleine Eisvogel (Limenitis camilla).

Die Art erreicht eine Flügelspannweite von 45-52mm und ist damit etwas kleiner als der Kaisermantel. Die Raupen entwickeln sich an Roter Heckenkirsche, an denen man sie im Winter auch im Hibernarium, einer selbst gesponnenen Blatttüte, finden kann. Auf Blüten findet man sie nicht so häufig, dafür aber gerne auf Waldwegen oder Kot sitzend – Dort holen sie sich Minerale oder saugen die zuckerhaltigen Ausscheidungen von Blattläusen auf. Die Männchen dieser Art gehören mit zu den Tagfaltern, die durch ein Revier patrouillieren, um Konkurrenten fernzuhalten und Weibchen zu finden. Daher findet man sie oft wie sie Waldwege oder -säume entlang fliegen.

Winzige Falter, kleine besondere Eier und die heimische Goldrute

  1. Auf dem bei Insekten beliebten Rainfarn, saß ein Vertreter der kleinen Spreizflügelfalter (Choreutidae), der Brennnessel-Spreizflügler (Anthophila fabriciana) mit seinem recht variablen Erscheinungsbild.Die Blütenköpfchen des Rainfarns sind ja ein vertrauter Anblick, so dass sich jeder selbst zusammenreimen kann wie winzig diese Falterchen sind. Obwohl die Art tagaktiv und nicht selten ist und oft beim Blütenbesuch zugange ist, wird sie auf Grund ihrer Größe oft übersehen.
  2. Gezielt habe ich in einem bekannten Vorkommensgebiet an südexponierten xerothermen Schieferhängen in Gewässernähe nach Nachweisen vom seltenen und gefährdeten (RL: 1) Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion) gesucht. Imagines und Raupen waren nicht zu sehen, aber dafür knapp 50 Eier + einige leere Eihüllen! Und zwar an seiner lokalen Lieblingspflanze, die Große Fetthenne in der Unterart Hylotelephium telephium maximum. Die Bedrohungsursachen kann man in den entsprechenden Habitaten oft ohne Umwege sehen: Oft wuchernde und invasive Robinien, hier die ebenfalls invasiven Walnussbäume sowie die allgemeine Sukzession, die noch durch die Eutrophierung der Landschaft beschleunigt wird.
  3. Schon interessant: Jeder kennt die Kanadische Goldrute; klar sie steht nicht nur in Gärten, sie überwuchert auch ganze Wiesen und Naturschutzgebiete, degradiert die Artenvielfalt und trotzdem kann man sie überall kaufen. Was weniger bekannt ist: Wir haben auch eine heimische Goldrute, die Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea). Bei der Auswahl an Pflanzen in Gärtnereien, könnte man meinen, dass die Verantwortlichen bereits alle 3.000 mitteleuropäischen Blühpflanzen kennen und für doof befunden haben, anders ist der unsere Natur schädigende Wahnsinn, der dort abläuft, wohl nicht zu erklären

Falter im Feuchtgebiet

Auf feuchten Bergwiesen in den Auen eines Baches, haben sich am Sonntag im Thüringer Schiefergebirge einige schöne Arten finden lassen. Von 3 der 120 erfassten Arten, zeige ich einige Fotos im heutigen Beitrag.

  1. Nicht unbedingt wie im Lehrbuch haben sich hier die Grünwidderchen gezeigt. Foto 1 zeigt ein stark abgeflogenes Männchen, das 2. Foto ein etwas abgeflogenes Weibchen, was im Licht eher blau als grün schimmerte. Die Bestimmung von Grünwidderchen ist so eine Sache…erst einmal zur Gattung: Adscita spec. zeigen dicke Fühlerspitzen, Jordanita spec. dagegen spitze Fühlerenden. Ohne Genitaluntersuchung geht es an der Stelle theoretisch nicht weiter, aber vom Vorkommensgebiet bleibt nur eine Art übrig, das ist das Ampfer-Grünwidderchen (Adscita statices).
  2. Immer ein schönes Erlebnis im Thüringer Schiefergebirge sind die Begegnungen mit dem attraktiven Dukaten-Feuerfalter (Lycaena virgaureae) – das Männchen mit leuchtend orangen Innenseiten, das Weibchen mit Punkten und Braunanteilen. Die Art lebt am Großem und Kleinem Sauerampfer und besiedelt magere, kalkarme Flächen in Mittelgebirgslagen, wo sie viele Blüten besucht. Hier waren es Gewöhnliche Schafgarbe und Rainfarn. Apropos Rainfarn: Beim letzten Foto hat sich unten rechts ein Gast aufs Bild geschlichen: Aller Wahrscheinlichkeit nach ein Weibchen der Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus). Sie bevorzugen Pollen von Korbblütlern und am liebsten tatsächlich vom Rainfarn. Allein eine einzige Staude an Rainfarn ist damit schon ein besseres Insektenhotel als der Quatsch, der einem in Baumarkt und co angedreht wird.
  3. Ein Kokon bzw. genauer gesagt, die eine leere Hülle davon, eine Exuvie also. Wer ist denn da geschlüpft? Auf den ersten Blick war klar, dass es sich um ein Widderchen handelt. Es wirkt kürzer als das übliche vom Sechsfleck-Widderchen, aber vor allem hingen die beiden gefunden Exuvien an Binsen auf einer moorigen Feuchtwiese, umgeben von großen Beständen Sumpf-Hornklee. Und damit sind wir beim Urheber: Hier sind die seltenen Sumpfhornklee-Widderchen (Zygaena trifoli) geschlüpft. Die Art steht in Thüringen auf der Roten Liste als 1 – vom Aussterben bedroht. Die Ursachen dürften niemanden überraschen: Trockenlegung von Feuchtgebieten, Umwandlung von wertvollem Feuchtgrünland in Intensiv-Landwirtschaftsflächen als auch Eutrophierung (Nährstoffeintrag).