Ich bin jung und brauch‘ die Nuss

Im Juli war dieser juvenile Buntspecht dabei zu beobachten, wie er sich an der Sammelfrucht der Haselnuss zu schaffen machte. Gut, wenn man so ein breites Nahrungsspektrum verdauen kann: Ob Meisenknödel im Winter, Haselnüsse, Obst wie Kirschen und natürlich die obligatorsichen Insekten – diese große ökologische Amplitude ist mit verantwortlich für den Erfolg und positiven Bestandstrend der Art.

Das typische Gelege des Buntspechts umfasst 4-7 Eier, die in einer selbst gezimmerten Laubholz-Höhle gelegt werden. Monotone Nadelforste mit Fichte, Kiefer oder Douglasie sind also selbst für diesen ökologischen Generalisten wertlos. Die Höhlen werden dabei meist jährlich neu angelegt, aber mitunter auch wieder benutzt.

Für einen Vogel dieser Größe hat der Buntspecht eine wirklich extrem kurze Brutzeit: Mitunter wird nur 10 Tage gebrütet, nach weiteren 3 Wochen sind die Nestlinge dann flügge und werden anschließend noch 2-3 Wochen von den Eltern geführt. Der junge Specht auf dem Foto hat dies bereits alles hinter sich und musste sich nun selbst behaupten.

Alltäglich und außergewöhnlich

Ringeltauben sind als anpassungsfähige Kulturfolge heutzutage allgegenwärtig, beinahe schon „langweilig“. Dabei gibt es bei unseren Taubenarten einige interessante Eigenarten, die sie von anderen Ordnungen wie den Sperlingsvögeln, deutlich unterscheiden.

Zwar besitzen auch Tauben eine Bürzeldrüse, die aber nur wenig Sekret produziert. Die Einfettung und Imprägnierung des Gefieders erfolgt stattdessen primär über Puderdunen: stetig nachwachsende, spezielle Dunenfedern, deren oberer Teil zu einem fettigen Staub zerfällt und sich im Gefieder verteilt.

Auch bemerkenswert ist die Fähigkeit aktiv zu Trinken bzw. zu Schlucken, während andere Vögel Schöpfen und die Schwerkraft zum Trinken nutzen müssen.

Eine weitere Besonderheit stellt die Kropfmilch dar: ein protein- und fettreiches Sekret, was beide Elterntiere im Kropf zur Brutzeit aus aufgenommener Nahrung produzieren und damit ihre Jungen füttern.

Man sieht: Auch wenn man beinahe täglich an bestimmten Lebewesen, die quasi schon zum Inventar einer Gegend gehören, vorbeigeht, ist es interessant und für den eigenen Horizon gewinnbringend, sich damit zu beschäftigen.

Schmetterlinge im feuchten Moorwald bei Ungarn am Neusiedler See

Aus der gleichen Ecke wie die Fotos vom letzten Beitrag mit dem Großen Feuerfalter, stammen die heutigen Falterfotos: in grober Nähe vom Neusiedler See, auf ungarischer See in einem feuchten, urigen Moorwald.

1) Der wuschelige und gar nicht so kleine Freund auf den ersten Bildern, ist die Raupe des Braunen Bären (Arctia caja) im letzten Larvalstadium L5. Der Vertreter aus der Unterfamilie Arctiinae ist ein wunderschön gezeichneter Nachtfalter, dem man seine Verwandtschaft mit dem ungleich bekannteren und häufigeren Russischen Bären deutlich ansehen kann. Mittlerweile findet man die Art nicht mehr so häufig, auch bei unseren systematischen Erfassungen in heimischen Gefilden mit Licht und Köder, hatten wir den erwachsenen Falter erst einmal. Als Futterpflanzen bevorzugen die Raupen verschiedene Labkraut-Arten wie Echtes Labkraut, Waldmeister usw.

2) Ein nicht so alltäglicher und unser Erstfund, war das Erlenmoor-Flechtenbärchen (Pelosia muscerda). Das dürfte vor allem dem Lebensraum geschuldet sein, denn die Art findet man nur in feuchten Wäldern und davon findet man zumindest in Deutschland leider nicht mehr so viele. Man macht es sich heutzutage immer recht bequem und schiebt es allein auf den Klimawandel, dabei wird vergessen, dass deutsche Wälder für die Fichtenplantagen u.a. mit Drainagerohren entwässert wurden; Moore und Feuchtwiesen mit Entwässerungsgraben ausgetrocknet, Auen durch Kanalisation trockengelegt und Bachläufe gekappt wurden. Auch eine tägliche Flächenversieglung von über 50ha vermindert bodenverfügbares Wasser.

3) Die Bilder erzählen eine kleine Geschichte: Frau Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) setzte sich auf den Hopfen-Schneckenklee – der bereits durch Raupen angefressen wurde – und legte ein Ei darauf ab! Auf dem zweiten Foto kann man das grünliche, halbkugeklförmige Ei dann rechts auf dem Blatt erkennen.

4) Es ist die abgebildete Unterseite, die diesem Tagfalter seinen Deutschen Trivalnamen verliehen hat: Das Landkärtchen (Araschnia levana), hier Ende Mai in der dunklen Sommergeneration. 2023 war das Landkärtchen Insekt des Jahres. Zur Fortpflanzung ist es zwingend auf das Vorhandensein von Brennnesseln angewiesen, diese sind seine wichtigste Nahrungspflanze.

5) Hier sind 2 Fotos von einem der Dickkopffalter (Hesperiidae), die es mir besonders angetan haben Zu sehen ist der Schwarzkolbige Braun-Dickkopffalter (Thymelicus lineola) bei der Nektaraufnahme an Wilder Sumpfkresse. Bei den Braun-Dickkopffaltern kommt es bei der Bestimmung auf kleine Merkmale wie die Farbe der Fühlerkolbenspitzen an. Die Raupen leben an verschiedenen Gräsern und sind damit wichtige Botschafter dafür, welchen Schaden intensiven Mähen in Parks und Gärten anrichten kann.

6) Ein toller Vertreter der Kleinschmetterlinge, hier ein Zünsler (Pyralidae), ist der Seerosenzünsler (Elophila nymphaeata). Da soll nochmal einer sagen, dass Nachtlfalter oder insbesondere Zünsler und Motten nicht auch toll aussehen! Die Eier werden vom Weibchen, durch Herunterbiegens des Hinterleibs unter die Wasseroberfläche, unter das jeweilige Blatt der Schwimmvegetation abgelegt. Als Nahrungspflanze dienen dabei nicht nur die namensgebenden Seerosen, sondern auch Wasser-Knöterich, Kleine Wasserlinse oder Schwimmendes Laichkraut.

Der Große Feuerfalter

Ein ebenso schöner wie auch rarer Vertreter der Feuerfalter hat sich Ende Mai in einem urigen, abgelegenen Moorwald in Ungarn gezeigt: ein Männchen vom Großen Feuerfalter (Lycaena dispar) beim Nektarbesuch auf Wilder Sumpfkresse.

Wie auch einige andere Feuerfalter, ist die Art ein Bewohner feuchter Lebensräume wie Feuchtwiesen, Moore und weit Flussauen. Auf Grund der Zerstörung eben dieser Lebensräume ist es nicht verwunderlich, dass der Falter entsprechend selten ist und bspw. in Deutschland auf der Roten Liste als stark gefährdet geführt wird. Auch europaweit ist der Große Feuerfalter streng geschützt, u.a. als FFH-Art nach Anhang II und IV.

Als Raupenfutterpflanze dienen nicht saure Ampfer-Arten wie Teich-Ampfer, Krauser Ampfer oder Wasser-Ampfer. Damit zeigt sich abermals, dass es oft typische „Unkräuter“ oder manchmal (ehemalige) Allerwelts-Arten sind, die Schmetterlinge zwingend zur Fortpflanzung benötigen; ebenso wie die Erhaltung solcher Lebensraum-Typen wie Feuchtwiesen, die nach wie vor entwässert oder wirtschaftlich intensiv ausgebeutet werden.