Mäusebussard auf dem Kompost

Das klingt etwas merkwürdig, aber dieser junge, frisch flügge Mäusebussard war im Juli noch etwas unbeholfen und hat es sich erst einmal auf einem Kompost- bzw. Grünschnitthaufen einer parkähnlichen Friedhofsanlage bequem gemacht – sogar eine kleine Ansitzwarte gab es

Dass der zukünftige Mäuseschreck aber auch schon ein anmutiger Flieger ist, hat er dann auch noch gezeigt – siehe letztes Foto.

Woran erkennt man nun junge Mäusebussarde, außer dass sie etwas plump auf einem Komposthaufen herumturnen und wenig Scheu zeigen? Zum einen ist die Iris von jungen Mäusebussarden noch sehr hell, diese dunkelt ab dem 2. KJ nach. Altvögel zeigen dagegen eine ganz dunkle Iris. Dann zeigen sich Details im Federkleid, die man so auch von anderen jungen Greifvögeln wie Habicht, Wanderfalke usw. kennt: die typische schmale Querbänderung des Bauchgefieders, ist bei diesjährigen Mäusebussarden noch längs und besteht auch weniger aus Bändern als vielmehr aus lang gezogenen Tropfen bzw. Stricheln. Im Flug zeigt sich ein komplett unverschlissenes Federkleid mit besonders spitzen Handschwingen. Auch die Subterminalbinde am Schwanz ist bei Jungvögeln gänzlich fehlend oder nur schwach ausgeprägt.

Tendenziell ist das Jugendfederkleid auch etwas heller als das adulte Federkleid, vor allem im Bereich von Brust und Bauch, wo sich im adulten Stadium dann später Querbänder zeigen. Das heißt im Umkehrschluss aber natürlich nicht, dass alle hellen Morphen Jungvögel sind – siehe Merkmale oben.

Aufmerksam beim Einkauf für die Kids

Zur Brutzeit waren auf diesem parkähnlichen, großen Friedhof einige Singdrosseln emsig unterwegs, um ihre hungrigen Küken mit ausreichend Proteinen in Form von Insekten, zu versorgen. Beim arttypsichen Sichern während der Nahrungssuche, ist die Singdrossel immer wieder in gestreckter Haltung mit einer Art Schulterblick zu sehen.

Mit einem Gewicht von 60-75g bei einer Körperlänge von 20-22cm, ist die Singdrossel etwas kleiner und weniger massiger als die verwandte Amsel. Diejenigen der Singdrosseln, die im Winter ziehen, können es auch auf ein Gewicht von bis zu 90g schaffen, um ausreichend Fettspeicher für die anstrengende Reise vorrätig zu haben. Das Überwinterungsgebiet liegt dabei im Mittelmeerraum in West- und Südeuropa, Brutpopulationen in diesen Regionen sind Standvögel. In Mitteleuropa und speziell Deutschland ziehen die meisten Singdrosseln – es gibt jedoch klimawandelbedingt eine zunehmende Tendenz an Überwinterern, auch wenn das (noch) nicht die breite Masse, sondern eher einzelne Vögel betrifft.

Die Schnute!

Durch unzähliges Fotografieren, Kartierungen sowie Literaturstudium hat man ja irgendwann schon einen guten oder zumindest groben Überblick über die Tagfalter-Fauna in (Mittel)Europa. Man ist mit allen Familien vertraut und weiß, dass es bspw. in Südeuropa noch andere Perlmuttfalter-Arten gibt, weitere Bläulinge und besondere Edelfalter wie den Erdbeerbaumfalter.

Aber DAMIT haben wir nicht gerechnet: abseits auf einem Feldweg in Ungarn im Mai ’24, südöstlich vom Neusiedler See am Rand eines urigen Moorwaldes, saßen sie auf der Erde und haben Minerale aufgenommen. Tagfalter mit sonderbarer Flügelform, wie ein großer C-Falter, ein noch nie gesehenes Oberseitenmuster mit eckigen orangen Flecken und dann diese Schnute! Klar, es handelt sich dabei um die Palpen, die alle Schmetterlinge aufweisen. Aber für gewöhnlich sind sie bei Tagfaltern nach oben gebogen. Schnurgerade nach vorn gestreckt kennt man das eher von einigen Nachtfalter.

Unser unbekannter Falterfreund hat sich dann als Zügelbaumfalter oder auch Zürgelbaum-Schnauzenfalter (Libythea celtis) herausgestellt. Das ist eine südeuropäische Tagfalter-Art, die dort an ihre nördliche Verbreitungsgrenze stößt, sich tendenziell aber wohl weiter gen Norden ausbreitet. Woher der Namenszusatz „Schauzenfalter“ kommt, brauche ich bei dieser Schnute sicher nicht erläutern

Das Zürgelbaum im Namen bezieht sich auf die gleichnamige Pflanze, welche zugleich die einzige Raupenfutterpflanze dieses Schmetterlings darstellt.

Nachtfalter auf der Veranda in Ungarn – Teil 1

Beim Neusiedlersee-Urlaub auf der ungarischen Seite im Mai ’24 war das Terrassenlicht am Abend nicht nur beim Abendessen hilfreich, sondern auch um einige Nachtfalter anzulocken, zu fotografieren und zu bestimmen. Neben bekannten Arten und Arten, die man eher gerade noch so im südlichen Deutschland findet, waren auch Arten dabei, die ich in Thüringen eher nicht antreffen werde.

1) Der Rotbandspanner (Rhodostrophia vibicaria) ähnelt dem häufigen Ampferspanner vor allem in Farbgebung, Erscheinungsbild und Bänderung, weist aber nicht die typischen spitz gezackten Hinterflügel auf.

2) Dieser hübsch gezeichnete Zünsler, Cynaeda pustulalis – ohne Deutschen Trivialnamen, kommt nur in Süd- bzw. Südosteuropa vor. Die Art mag warme, steppenartige und oft sandige Offenlandschaften, auf denen Arten der Gattung Ochsenzunge (Anchusa spec.) vorkommen, an denen die Raupen fressen.

3) Das Weißgraue Flechtenbärchen (Eilema caniola) ist auch in Deutschland wohlbekannt. Die Raupen der Flechtenbärchen-Arten (Eilema spec.) haben tatsächlich diese besondere Nahrungsvorliebe: Flechten!

4) Noch ein wunderschönes Zünsler ist der Heuzünsler (Hypsopygia costalis). Das Heu im Namen rührt daher, da die Raupen der Art getrocknete Pflanzenteile fressen.

5) Die Lichtnelkeneule (Hadena bicruris) ist auf Nelkengewächse spezialisiert; dabei ist die Familie der Nelkengewächse gemeint. Die Raupen fressen also nicht nur an bspw. Karthäuser-Nelke, sondern auch an Arten der Gattung Silene spec. wie dem Seifenkraut.
Vor einigen Jahren hat man die Art in 2 Arten aufgesplittet, wie es neuerdings oft bei den Schmetterlingen passiert – dies ist allerdings unter Wissenschaftlern umstritten und es gibt deutliche Hinweise (DNA Barcoding & morphologische Hybride der 2 Formen), dass es nun doch keine eigenständigen Taxone sind. Daher bleibt die Bestimmung auch bei Hadena bicruris.

6) Noch ein Falter mit Liguster im Namen: Ligusterwickler (Clepsis consimilana). Das Foto zeigt ein stark abgeflogenes Männchen; die Art weist einen Geschlechtsdimorphismus auf, denn die Weibchen zeigen nicht die dunklen Bänder, sondern eine netzartige Oberflächenmusterung. Liguster scheint tatsächlich die wichtigste Nahrungspflanze zu sein, die Raupen scheinen es dabei wohl vor allem auf getrocknete Blätter abgesehen zu haben.

7) Richtig schön gezeichnet hat sich das weit verbreitete Eichen-Wicklereulchen (Nycteola revayana) gezeigt. Die Art kommt überall dort vor, wo es Eichen gibt, an denen die Raupen fressen können.

8 ) Ein ganz toller Fund war der Rohrbohrer (Phragmataecia castaneae): hier hatten wir Glück, dass sich unser Ferienhaus gar nicht weit weg vom Neusiedler See und dem Schilfgürtel befunden hat; der Name kommt nicht von ungefähr, den die Art lebt ausschließlich am bzw. vom Schilf.

9) Schon einige Flugmeilen hat offensichtlich die Steppenheiden-Spannereule (Polypogon plumigeralis) gesehen. In Deutschland ist die Art selten und auf den Südwesten beschränkt; ihr Verbreitungsgebiet reicht aber sehr weit von Nordwestafrika über Mitteleuropa bis nach Zentralasien. Der Trivialname passt, denn die Steppenheiden-Spannereule mag Ödländereien und Steppen.

10) Die Fotos zeigen alle die gleiche Art, die auch in Deutschland – wenn auch nicht häufig – verbreitet ist. Es ist das Vierpunkt-Flechtenbärchen (Lithosia quadra). Das namensgebende Merkmal zeigt allerdings nur das Weibchen, wobei alle 4 Punkte nur bei geöffneten Flügeln zu sehen sind, in typischer Ruhehaltung wird ein Punkt stets verdeckt. Das Männchen sieht dagegen vollkommen anders aus und zeigt auf den Vorderflügeloberseiten eine silbrige Grundfärbung mit orangen Ansätzen, während die Spitzen ins Dunkelgrau übergehen.

11) Das Weißliche Graueulchen (Meganola albula) kommt auch in Deutschland vor, für uns war dies aber der Erstfund. Die Art lebt recht versteckt und kommt zwar weit verbreitet, aber nicht in hoher Dichte vor. Es gibt noch viele weitere Trivialnamen für diesen Eulenfalter, einige davon tragen „Brombeere“ im Titel. Diese ist tatsächlich eine wichtige Futterpflanze für due Raupen, jedoch nicht die einzige. Es werden auch Blätter von Heidelbeeren, Erdbeeren und anderer Gewächse gefressen.