Kartierurlaub in der Thüringischen Vorderrhön Tag 1

Speziell für die Tagfalterkartierung, aber auch generell, um die Gegend, Lebensräume und Arten kennenzulernen, waren wir diesen Juli für einige Tage in der thüringischen Vorderrhön unterwegs und haben alles erfasst, was nicht niet- und nagelfest war. Bevor es also wieder mit der Aufarbeitung älterer Fotos weitergeht und auch mal wieder einige Vögel gezeigt werden, geht es erstmal um die „Lepis“.

  1. Die Art finde ich bei mir in der Gegend nicht so häufig und eher lückig, bei der Hohen Geba hat sie sich auch gezeigt: Die Ackerwinden-Trauereule (Tyta luctuosa). Vom Namen her kann man sich tatsächlich einige Eigenschaften ableiten – das funktioniert aber nicht immer! Die Raupen leben ausschließlich an der Acker-Winde, die Art gehört zu den Eulenfaltern und das „Trauer“ steht bei Trivialnamen bekanntlich immer für ein dunkles äußeres Erscheinungsbild.
  2. Sie war eine der Gründe für unserer Reise ab 20. Juli, da sie erst recht spät anfängt zu fliegen, die auf Grund ihrer Seltenheit und Gefährdung beinahe schon mystische Berghexe (Chazara briseis). Während man viele Tagfalter gern auf Blüten sitzen sieht, sieht man die Berghexe auf – Steinen. Am besten, wenn noch schön die Sonne drauf scheint, dabei bewohnt sie ohnehin gerne sonnenverwöhnte Orte wie südexponierte, stark beweidete und karge Hänge; gerne mit skelettierten Böden, also offenen Felsen. Außer hier in der Vorderrhön, findet man sie in Thüringen noch in passenden Biotopen im Harz und ansonsten sieht es recht düster aus. Nicht verwunderlich, dass sie sowohl in Thüringen als auch Deutschland auf der Roten Liste als vom Aussterben bedroht (1) gilt. Die Gefährdungsursachen liegen im Lebensraumverlust begründet; also dem Verlust offener Berghänge durch Aufgabe der Schafbeweidung, Aufforstung, Sukzession – gerade auch durch massive Eutrophierung der Landschaft.
  3. Eine hübsche kleine Pflanze, die immer mal wieder auf den Berghängen in der Vorderrhön zu beobachten war, war der lustig klingende Hügel-Meier (Asperula cynanchica). Die Art mag kalkreiche (basische) und lockere Böden in Trockenrasen. In Deutschland findet man den Hügel-Meier in sehr lückiger Verbreitung und auch auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Arten.
  4. Gut zu erkennen ist die Zugehörigkeit des Bläulings zur Gattung des Silberflecken-Komplexes (Plebejus spec.). Dieses Mal ist es allerdings nicht der verbreitet recht häufige Argus-Bläuling, dazu fehlt ihm u.a. der innenseitig dicke schwarze Flügelrand. Es blieben noch zwei Kandidaten übrig und da es vom Idas-Bläuling in der weiteren Umgebung noch keinen Nachweis gab, dafür gesicherte Nachweise vom Kronwicken-Bläuling (Plebejus argyrognomon), konnten wir das auch klären. Die Fotos zeigen ein Männchen auf dem Gewöhnlichen Hornklee, die Raupen fressen vor allem an Bunter Kronwicke.
  5. Eine sehr wanderfreudige und unstete Art mit entsprechenden Schwankungen der Bestandsdynamik und Verbreitungsschwerpunkten, ist dieser Vertreter der Nachtfalter (Eulenfalter, Noctuidae), die Karden-Sonneneule (Heliothis viriplaca), welche dort gut unterwegs waren. Hier hat sich ein Individuum zur Nektaraufnahme auf der bei Insekten und insbesondere Schmetterlingen, sehr beliebten Skabiosen-Flockenblume niedergelassen.
  6. Zwei Fotos einer besonderen Art: Das erste zeigt ein Männchen und bei den durchscheinenden Dots vermisst man den icarus-typischen Basaldot der Vorderflügel. Das zweite Foto zeigt ein Weibchen, die Vorderflügelunterseite ist zwar nicht zu sehen, da verdeckt, die Hinterflügel zeigen aber sehr deutlich, dass die oberen 2 Dots der 3er-Reihe deutlich dichter zusammenstehen, als beim überall vorkommenden Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus). Damit ist die Art zweifelsfrei als Kleiner Esparsetten-Bläuling (Polyommatus thersites) bestimmt. Die Art ist lückig verbreitet und nicht häufig und ist dem Namen passend nach an das Vorhandensein an Saat-Esparsetten auf Halbtrockenrasen gebunden.
  7. Ein sehr häufiger Tagfalter mit großer ökologischer Amplitude (=Generalist), ist das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus). Das frische Individuum ist mit einer besonders kräftigen hellen Binde und außergewöhnlich ausgeprägten Hinterflügel-Augen aufgefallen, was allerdings unter die normale Variation zwischen Individuen fällt.
  8. Eine große Freude für mich als Freund der Dickkopffalter (Hesperiidae), war das außergewöhnlich starke Vorkommen des eigentlich eher seltenen Komma-Dickkopffalters (Hesperia comma). Sowohl ober- als auch unterseitig lässt sich die Art gut bestimmen. Sie ist heutzutage deutlich seltener und in der Habitatwahl anspruchsvoller als einige der verwandten Arten. Nach Angaben früher Lepidopterologen (Schmetterlingsforschern) war die Art einst sehr häufig und weit verbreitet, was heute so gar nicht mehr zutrifft. Als Besiedler magerer und offener Halbtrockenrasen, gehören Eutrophierung, Verbuschung oder Intensivnutzung zu den Hauptursachen der Gefährdung.
  9. Ein echtes Suchbild; ich konnte den Falter gut sehen, da ich seinen Flug samt Landung verfolgt habe. Es ist der Mauerfuchs (Lasiommata megera), den man in warmen und offenen, oft auch steinigen, Gelände findet. Dort fallen vor allem die umherpatroullierenden Männchen auf.
  10. Eigentlich kann man Mitte Juli genug Imagines beobachten, so dass man nicht unbedingt noch zielgerichtet Eier suchen muss. Es war allerdings schon am frühen Abend, die Witterung kühl, die letzten Sonnenstrahlen hinter Wolken verschwunden und die Aktivität der Falter kaum noch bemerkbar. Da kann man schon einmal einen intensivere Blick in die Schlehensträucher werfen Und was sich da gezeigt hat, waren die Eier vom Pflaumen-Zipfelfalter (Satyrium pruni), die aufgrund des „schmutzigen“ Habitus und des Eiablageorts deutlich schwieriger zu sehen sind, als bspw. die vom Nierenfleck-Zipfelfalter.
  11. Beim abendlichen Blick in die Schlehenhecken, als ohnehin nicht mehr viel los war mit Tagfalteraktivität, haben wir als Bonus zu den Eiern vom Pflaumen-Zipfelfalter, ordentlich Geschwirre von winzigen Nachtfaltern bemerkt. Argyresthia pruniella ist ein Vertreter einer witzigen Gattung von Motten, die in Ruhehaltung ihre Hinterbeine einklappen und so aussehen, als würden sie einen Handstand machen. Die Raupen leben in und von Trieben und Knospen und später auch in den sich entwickelnden Früchten – in dem Fall Schlehe.
  12. Ein wunderbarer Fund, den wir schon lange mal machen wollten, war dieser: Der Rotklee-Bläuling (Cyaniris semiargus). Ein älterer Trivialname ist eigentlich viel passender: Violetter Waldbläuling. Die Art bewohnt zwar keine Wälder an sich, aber feucht Wald- und Strauchsäume und Magerwiesen in Waldnähe; zudem wirkt die Art im Flug deutlich dunkelblauer als andere Bläulinge. Rotklee ist tatsächlich nur eine von vielen möglichen Raupenfutterpflanzen, diese fressen auch an anderen Schmetterlingsblütlern wie Gewöhnlicher Hornklee, Wiesen-Platterbse, Vogel-Wicke, Weiß-Klee uvm.
  13. Ein schöner Fund auf einer Skabiosen-Flockenblume, war dieser hübsche Zünsler Selagia spadicella. Wie bei so einigen Kleinschmetterlingen stehen auch hier zur Lebensweise noch einige Fragezeichen im Raum; gesichert ist der Nachweise der Raupenfutterpflanze Besenheide – allerdings zeigt sich die Art auch in Lebensräumen ohne diese. Die Art ist mit Lücken in ganz Deutschland verbreitet.
  14. Nur noch zu schätzende Massen waren vom Silbergrünen Bläuling (Lysandra coridon) zu sehen; eine Art von Kalkmagerrasen in eher trocken-warmen Biotopen, die dann gerne mal in Massen auftritt. Die primäre Nahrungspflanze der Raupen ist der Gewöhnliche Hufeisenklee; ein Schmetterlingsblütler, der warm-trockene und magere Kalkstandorte besiedelt, womit sich auch erklärt, warum der Falter dort fliegt, wo er fliegt.
  15. Ein sehr frisches und kräftig gefärbtes Individuum vom Violettroten Kleinspanner (Scopula rubiginata) konnte ich hier fotografieren. Die Art ist weit verbreitet und nicht selten; man findet sie in trockenen und warmen Biotopen wie Halbtrockenrasen, Ödland, Brachen oder Heiden. Die Raupen wurden schon an einigen verschiedenen Kräutern wie Thymian, Besenheide, Wiesen-Sauerampfer und Gewöhnlichen Beifuß gefunden.

Impressionen der Leuchtnacht vom 15.08.

Heute ist’s mal wieder Zeit für eine schöne bunte Collage aus unzähligen Makrofotos von Faltern (aber nicht nur, siehe letzte Seite). Mitte August waren wir wieder in einem der von mir betreuten Schutzgebiete leuchten und ködern und dass es noch früh um 4 20°C war, hatte sicher seinen Anteil daran, dass wir einen unglaublichen Anflug hatten. Die Collagen zeigen natürlich nur einen kleinen Teil der 106 Arten und rund 560 Individuen, die wir hatten. Viel Spaß beim Durchsehen!

Komma nicht vergessen

Ohne Komma wären nicht nur eine Sätze schwierig und missverständlich zu entschlüsseln, auch die Familie der Hesperiidae wäre um eine Art ärmer Dieses Jahr lief es mit der Beobachtung von Komma-Dickkopffaltern (Hesperia comma) bei mir wirklich gut. Das Foto von heute zeigt ihn am Rand einer Pfütze, wie er friedlich und sehr lange Minerale über seinen Saugrüssel aufnimmt. Schon früher im Jahr war er dort im Gebiet – ein ehem. Kalksteinbruch mit mageren Halbtrockenrasen und Schutthängen – aufzufinden.

Schöne Funde auf Muschelkalk-Berghängen in der letzten August-Dekade

Heute war ich auf skelettreichen Schutt-Trockenrasen auf Muschelkalk in südexponierter Lage unterwegs und hab von 2 schönen Arten Fotos aus jeweils 2 Lebensstadien mitgebracht, aber lest selbst:

  1. In Thüringen steht es in der Roten Liste als gefährdet (3), in Deutschland sogar als stark gefährdet (2): Das Bergkronwicken-Widderchen (Zygaena fausta). 3 wunderschöne verschiedene Individuen konnte ich finden, zur Nektaraufnahme wurde die Skabiosen-Flockenblume und die Berg-Aster angeflogen. Die Art ist streng an den Lebensraumtyp wärmebegünstigter, offener Waldsäume in schuttiger Hanglage auf Muschelkalk als auch ihre Raupenfutterpflanze, die namensgebende Bergkronwicke, gebunden. Und damit sind wir schon beim Thema: Immerhin einen Eispiegel mit 8 knallgelben Eiern konnte ich an einer Bergkronwicke finden.
  2. In meiner Region habe ich von der ersten fliegenden Generation der Himmelblauen Bläulinge (Lysandra bellargus) nicht wirklich was gemerkt; wobei die Art auch immer stark unterschiedlich gute Jahre hat. Jetzt im Spätsommer geht es aber nochmal richtig los: wie üblich mit dem Silbergrünen Bläuling (Lysandra coridon) vergesellschaftet, haben sich über 30 Individuen blicken lassen. Gerade die Männchen (Name!) fallen schon aus weiter Entfernung auf. Die skelettreichen, xerothermen Muschelkalkhänge bieten der Art einen guten Lebensraum und entsprechend waren auch viele Individuen der wichtigsten Raupenfutterpflanze zu finden, den Gewöhnlichen Hufeisenklee. Immerhin 3 Mal konnte ich auch ein Ei an den Blättern finden.

Kleiner Eisvogel in Fotolaune

Im Wald in unmittelbarer Nähe eines Kalkflachmoors und Feuchtwiesen, sind entlang von Waldwegen und lichten Stellen Unmengen dieses Wald-Tagfalters geflogen, den man sonst höchstens mal vereinzelt antrifft: Der Kleine Eisvogel (Limenitis camilla).

Die Art erreicht eine Flügelspannweite von 45-52mm und ist damit etwas kleiner als der Kaisermantel. Die Raupen entwickeln sich an Roter Heckenkirsche, an denen man sie im Winter auch im Hibernarium, einer selbst gesponnenen Blatttüte, finden kann. Auf Blüten findet man sie nicht so häufig, dafür aber gerne auf Waldwegen oder Kot sitzend – Dort holen sie sich Minerale oder saugen die zuckerhaltigen Ausscheidungen von Blattläusen auf. Die Männchen dieser Art gehören mit zu den Tagfaltern, die durch ein Revier patrouillieren, um Konkurrenten fernzuhalten und Weibchen zu finden. Daher findet man sie oft wie sie Waldwege oder -säume entlang fliegen.

Winzige Falter, kleine besondere Eier und die heimische Goldrute

  1. Auf dem bei Insekten beliebten Rainfarn, saß ein Vertreter der kleinen Spreizflügelfalter (Choreutidae), der Brennnessel-Spreizflügler (Anthophila fabriciana) mit seinem recht variablen Erscheinungsbild.Die Blütenköpfchen des Rainfarns sind ja ein vertrauter Anblick, so dass sich jeder selbst zusammenreimen kann wie winzig diese Falterchen sind. Obwohl die Art tagaktiv und nicht selten ist und oft beim Blütenbesuch zugange ist, wird sie auf Grund ihrer Größe oft übersehen.
  2. Gezielt habe ich in einem bekannten Vorkommensgebiet an südexponierten xerothermen Schieferhängen in Gewässernähe nach Nachweisen vom seltenen und gefährdeten (RL: 1) Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion) gesucht. Imagines und Raupen waren nicht zu sehen, aber dafür knapp 50 Eier + einige leere Eihüllen! Und zwar an seiner lokalen Lieblingspflanze, die Große Fetthenne in der Unterart Hylotelephium telephium maximum. Die Bedrohungsursachen kann man in den entsprechenden Habitaten oft ohne Umwege sehen: Oft wuchernde und invasive Robinien, hier die ebenfalls invasiven Walnussbäume sowie die allgemeine Sukzession, die noch durch die Eutrophierung der Landschaft beschleunigt wird.
  3. Schon interessant: Jeder kennt die Kanadische Goldrute; klar sie steht nicht nur in Gärten, sie überwuchert auch ganze Wiesen und Naturschutzgebiete, degradiert die Artenvielfalt und trotzdem kann man sie überall kaufen. Was weniger bekannt ist: Wir haben auch eine heimische Goldrute, die Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea). Bei der Auswahl an Pflanzen in Gärtnereien, könnte man meinen, dass die Verantwortlichen bereits alle 3.000 mitteleuropäischen Blühpflanzen kennen und für doof befunden haben, anders ist der unsere Natur schädigende Wahnsinn, der dort abläuft, wohl nicht zu erklären

Falter im Feuchtgebiet

Auf feuchten Bergwiesen in den Auen eines Baches, haben sich am Sonntag im Thüringer Schiefergebirge einige schöne Arten finden lassen. Von 3 der 120 erfassten Arten, zeige ich einige Fotos im heutigen Beitrag.

  1. Nicht unbedingt wie im Lehrbuch haben sich hier die Grünwidderchen gezeigt. Foto 1 zeigt ein stark abgeflogenes Männchen, das 2. Foto ein etwas abgeflogenes Weibchen, was im Licht eher blau als grün schimmerte. Die Bestimmung von Grünwidderchen ist so eine Sache…erst einmal zur Gattung: Adscita spec. zeigen dicke Fühlerspitzen, Jordanita spec. dagegen spitze Fühlerenden. Ohne Genitaluntersuchung geht es an der Stelle theoretisch nicht weiter, aber vom Vorkommensgebiet bleibt nur eine Art übrig, das ist das Ampfer-Grünwidderchen (Adscita statices).
  2. Immer ein schönes Erlebnis im Thüringer Schiefergebirge sind die Begegnungen mit dem attraktiven Dukaten-Feuerfalter (Lycaena virgaureae) – das Männchen mit leuchtend orangen Innenseiten, das Weibchen mit Punkten und Braunanteilen. Die Art lebt am Großem und Kleinem Sauerampfer und besiedelt magere, kalkarme Flächen in Mittelgebirgslagen, wo sie viele Blüten besucht. Hier waren es Gewöhnliche Schafgarbe und Rainfarn. Apropos Rainfarn: Beim letzten Foto hat sich unten rechts ein Gast aufs Bild geschlichen: Aller Wahrscheinlichkeit nach ein Weibchen der Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus). Sie bevorzugen Pollen von Korbblütlern und am liebsten tatsächlich vom Rainfarn. Allein eine einzige Staude an Rainfarn ist damit schon ein besseres Insektenhotel als der Quatsch, der einem in Baumarkt und co angedreht wird.
  3. Ein Kokon bzw. genauer gesagt, die eine leere Hülle davon, eine Exuvie also. Wer ist denn da geschlüpft? Auf den ersten Blick war klar, dass es sich um ein Widderchen handelt. Es wirkt kürzer als das übliche vom Sechsfleck-Widderchen, aber vor allem hingen die beiden gefunden Exuvien an Binsen auf einer moorigen Feuchtwiese, umgeben von großen Beständen Sumpf-Hornklee. Und damit sind wir beim Urheber: Hier sind die seltenen Sumpfhornklee-Widderchen (Zygaena trifoli) geschlüpft. Die Art steht in Thüringen auf der Roten Liste als 1 – vom Aussterben bedroht. Die Ursachen dürften niemanden überraschen: Trockenlegung von Feuchtgebieten, Umwandlung von wertvollem Feuchtgrünland in Intensiv-Landwirtschaftsflächen als auch Eutrophierung (Nährstoffeintrag).

Überraschung mitten am Tag

In einem der von mir betreuten Schutzgebiete wollen wir im Juli mal wieder Nachtfalter leuchten und kartieren und eine der Arten, die ich da hoffe zu finden, ist das Große Eichenkarmin (Catocala sponsa). Nun war ich die Tage in meinem anderen Gebiet unterwegs und nach ein paar nicht so schönen Sachen, haben dann doch zwei Dinge meine Laune gleich gehoben: Im angrenzenden Wald kam mir ein Russischer Bär (Euplagia quadripunctaria) entgegengeflogen und da flattert noch etwas, um einen Stamm, was sich anschließend augenscheinlich auf die Rückseite gesetzt hat. Ich dachte sofort an eines der Ordensbänder (Catocala spec.) und beim Blick darauf war gleich klar, dass es sich nicht um das übliche Rote Ordensband (C. nupta) handelte. Markant sind zum Einen die Vorderflügeloberseiten – diese sehen beim Kleinen Eichenkarmin (Catocala promissa) allerdings fast genauso aus. Bestimmungsrelevant ist die zur Mitte hin gezackte schwarze Mittelbinde auf den roten Hinterflügeloberseiten.

Tatsächlich saß mein erstes Großes Eichenkarmin (Catocala sponsa) vor mir! In Deutschland gilt die Art als ungefährdet, ist aber sehr lückig verbreitet, während sie in Thüringen auf der Roten Liste als gefährdet (3) eingestuft ist.

Der Falter lebt in eichenreichen Laubwäldern und ist von den Eichen auch abhängig, da sie die einzige Nahrungspflanze der Raupen darstellen.

Besondere Falter im Thüringer Schiefergebirge

Die Tage war ich im Thüringer Schiefergebirge unterwegs und es schön zu sehen, dass es doch noch intakte Feuchtwiesen, Bergbäche und feuchte Schluchtwälder gibt. Dementsprechend gab es einige schöne Arten zu beobachten, von denen ich einen kleinen Teil anhand meiner Fotos vorstelle.

  1. Der Braune Feuerfalter (Lycaena tityrus) gehört mit dem Kleinen Feuerfalter zu den eher – relativ – häufigen Vertretern aus er Unterfamilie der Feuerfalter (Lycaeninae). Man findet ihn nicht nur auf den für Feuerfalter typischen Feuchtwiesen, sondern auch an trockeneren Standorten. Wichtig ist das Vorhandensein seiner Nahrungspflanzen: Kleiner und Großer Sauerampfer. Das Foto zeigt ein männliches Individuum ruhend auf Wirbeldost.
  2. Wem entlockt dieser Anblick nicht ein verzaubertes „Ahhh“? ;D Das Männchen vom Dukaten-Feuerfalter (Lycaena virgaureae) leuchtet einem quasi direkt im Flug entgegen, das Weibchen zeigt innenseitig viele Braun-Anteile. Auch diese Art lebt wie bspw. der Braune Feuerfalter an Großem und Kleinem Sauerampfer, ist aber ökologisch spezialisierter. Als Biotop bevorzugt der Dukaten-Feuerfalter magere, kalkarme Flächen in Mittelgebirgslagen, wo sie viele Blüten besuchen. Hier waren es u.a. Acker-Kratzdistel und Arznei-Thymian.
  3. Bei dem Großen Perlmuttfalter (Speyeria aglaja) habe ich der Dame auf den ersten beiden Bildern den Vortritt gelassen, bis sich zwei Männchen jeweils im Anschluss zeigen. Die Weibchen waren deutlich größer und besonders imposant fand ich die deutlich kontrastreichere, leicht schillernde Zeichnung der Oberseite; am schönsten lassen sich Perlmuttfalter jedoch durch die Flügelunterseiten bestimmen. Die Raupen fressen wie die meisten Perlmuttfalter an verschiedenen Veilchen, wichtig ist der Lebensraum: strukturreiche Lichtwälder, Bergwiesen oder Moore. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Art im Laufe der Zeit stark abgenommen hat. Die Nektarpflanze auf den Fotos ist die Perücken-Flockenblume, die in Deutschland sehr lückig und lokal verbreitet ist.
    Nachtrag: Auf Bild 3 hat sich ein Feuriger Perlmuttfalter (Fabriciana adippe) eingeschlichen!
  4. Ihn habe ich mehrmals gesucht und nur manchmal gefunden, den Mädesüß-Perlmuttfalter (Brenthis ino). Der Name ist Programm: die Art ist hauptsächlich auf das Echte Mädesüß als Nahrungspflanze spezialisiert und damit ergibt sich auch der Lebensraumanspruch an Feuchtwiesen, feuchte Waldwiesen an Bächen usw. Das heißt aber noch nicht, dass man ihn gleich dort findet und wenn, dann meist eher vereinzelt. Man sollte auch potenzielle Nektarpflanzen im Auge behalten, die wie bei vielen Schmetterlingen, am besten violett sind: Wiesen-Witwenblume, Tauben-Skabiose, verschiedene Disteln, verschiedene Flockenblumen, Dost, Thymian usw. Auf meinen Fotos sitzt er auf der Wiesen-Witwenblume und Arznei-Thymian.
  5. Nur sehr lückig und lokal in Deutschland verbreitet, ist die Perücken Flockenblume (Centaurea pseudophrygia), die nach der Roten Liste Deutschlands als gefährdet gilt. Als Standort bevorzugt die Art feuchte Bergwiesen und Silikatmagerrasen, auch kalkfreie Waldsäume, solange es nicht zu trocken ist.

Ein paar Besonderheiten von heute

Bei einer Kartierrunde heute waren noch nebenbei für zwei Dinge Zeit: Kräuter zum Trocknen sammeln (Tee für den Winter) und ein paar ausgewählte Fotos besonderer Arten, die ich bislang noch nicht oft oder gar nicht vor der Linse hatte.

  1. Für jemanden wie mich, der ’89 geboren ist, ist so etwas immer befremdlich zu hören, diese oder jene Art ist (in alter Literatur) oder war mal (in aktueller Literatur) eine Allerweltspflanze. Das Shifting Baselines Syndrom lässt grüßen. Und damit sind wir schon beim Echten Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea), was man heute leider recht selten sieht. Zurecht sind daher alle Arten der Gattung gesetzlich besonders geschützt. Das Echte Tausendgüldenkraut ist dabei die Art der Gattung, die noch als relativ häufig gilt. Interessant ist die Zugehörigkeit zur Familie der Enziangewächse, was die Bitterkeit als auch die Verwendung für Kräuterliköre oder als Heilkraut erklärt. Das Echte Tausendgüldenkraut braucht viel Licht, benötigt magere Böden und mag es dabei aber nicht zu trocken – zu starke Sukzession als auch Nährstoffeintrag und Trockenlegung ehemaliger Feuchtgebiete gefährden die Bestände.
  2. Auf einer sandigen Rohbodenstelle waren diese leuchtenden, wunderschönen Nelken zu sehen – es handelt sich dabei um die gesetzlich besonders geschützte Raue Nelke (Dianthus armeria). Man findet sie auf mageren Halbtrockenrasen entlang von Saumstrukturen wie Sträuchern oder Wäldern. In Thüringen steht die Art in der Roten Liste als stark gefährdet, umso schöner ist der Wiederfund an dem Standort. Ein markantes Bestimmungsmerkmal stellen die weißen Punkte auf den Kronblättern dar.
  3. Bei den Gespinstmotten der Gattung Yponomeuta spec. verhält es sich für gewöhnlich so, dass einige Imagines überhaupt nicht auf Artebene anzusprechen sind, man braucht die Raupen an der jeweiligen spezialisierten Nahrungspflanze und bestimmt dann über die Nahrungspflanze. Aber natürlich gibt es wie überall Ausnahmen, so gibt es gleich 3 Arten, die sich am Gewöhnlichen Pfaffenhütchen entwickeln: Y. plumbella, Y. cagnagella, Y. irrorella. Glücklicherweise war die Natur so nett, genau bei den Arten dafür zu sorgen, dass es hier die Imagines sind, die sich leicht unterscheiden lassen! Hier haben wir Yponomeuta plumbella, unverwechselbar mit den dicken schwarzen Flecken auf den Flügeln.