Highlight am Neusiedler See ist nicht unbedingt der See

Der Neusiedler See, der in Österreich und Ungarn liegt und dessen Seewinkel im Südosten Teil des Nationalparks ist, ist für seine unglaubliche Weite und das flache Wasser bekannt – ein Eldorado für viele Brut- und Zugvögel. Noch interessanter sind aber eigentlich die vielen Salzlacken drumherum, die gigantischen Schilfflächen und vor allem: die extensiven Grünländereien. Diese weite an extensivem Grünland kann man sich im übernutzten, dicht besiedelten Deutschland kaum vorstellen und das schlägt sich auch bei den Insekten nieder: alle 2m eine Pflanze mit 6 Argus-Bläulingen dran, Fliegenschwärme so dicht, dass man denken könnte es raucht von einem Brand, soviele Tausende Eulenfalter nachts im Scheinwerferlicht als würde es schneien usw.

Ein winziger Teil dieser Landschaft und der Pflanzen wird mit den heutigen Fotos vorgestellt.

1) Wiesen bis zum Horizont voller Stauden, Kräuter und mit großer Artenvielfalt – hier im Fokus der dort häufig vorkommende Hain-Salbei, auch Steppen-Salbei (Salvia nemorosa) genannt. In Deutschland kommt die Art eher zerstreut, lokal und recht selten vor.

2) Auffällig mit dem langen Sporn und mittlerweile auch ein seltener Anblick in Deutschland, war der Gewöhnliche Feldrittersporn (Consolida regalis). Wobei man dazu sagen muss, dass die Art zu den Archäophyten gehört: Also seit längerem (vor Kolumbus) eingebürgert ist, ursprünglich aber nicht zu den heimischen Wildpflanzen zählte. Der Ursprung der Art liegt eher in Südeuropa und Westasien.

3) Eine uns schon vertrautere Pflanze war der Gewöhnliche Steinklee (Melilotus officinalis), der auch Gelber Steinklee genannt wird. Die Pflanze findet auf Rohböden- oder Störstellen wie Wegrändern, Steinbrüchen, Schuttflächen, Felshängen oder Bahndämmen.

4) Was von weitem noch an Aufrechten Ziest erinnerte, entpuppte sich dann als Österreichischer Salbei (Salvia austriaca). Auffällig sind die langen weißen Griffel und wenn man sich die Pflanze in lila vorstellt, ähnelt sie von der Blüte dann auch stark unserem bekannten Wiesen-Salbei.

5) Die Wilde Malve (Malva sylvestris) ist auch in Deutschland beheimatet und mit ihren sehr großen sowie kontrastreichen Blüten ein echter Hingucker! Das gefällt auch unseren Insekten, u.a. der Malven-Dickkopffalter (Carcharodus alceae) ist auf diese und verwandte Malven angewiesen. Wer sich da noch Zuchtpflanzen oder Blumen aus Nordamerika in den Garten holt, dem ist echt nicht mehr zu helfen

Spurensicherung an der Birke

Die vorgefunden Spuren reichten als Beweise, um den Täter zu überführen: Es ist der Große Birken-Glasflügler (Synanthedon scoliaeformis) – aber erst einmal von Vorne.

Es gibt Schmetterlinge, die lassen sich recht schwierig nachweisen und beobachten, bspw. alle Vertreter der Familie der Glasflügler (Sesiidae). Den Namen tagen sie aufgrund der unbeschuppten Flügel, was sie transparent erscheinen lässt – Dazu kommt die Mimikry als vermeintlich wehrhafte Wespe. Dabei handelt es sich einfach nur um harmlose, sehr kleine Schmetterlinge. Zufallsbeobachtungen sind generell recht selten; systematisch kartiert wird mittels verschiedener Pheromone. Ein anderer Weg bzw. eine Ergänzung ist die Suche nach Eiern oder Spuren der Raupen wie hier an den Hänge-Birken. (Betula pendula).

Die knapp 40 in Deutschland vorkommenden Arten sind hochspezialisierte, ähnlich wie z.B. die Blütenspanner aus der Familie der Spanner (Geometridae). Das ist eine der Grundvoraussetzung für diese Art von Nachweismethode, die andere ist die Tatsache, dass die Raupen sich nicht von Blättern, sondern Holz ernähren. Sie fressen sich in Äste oder Stämme und ernähren sich innen vom Holz – verschließen das Schlupfloch aber wieder mit einem Deckel. Die magere Kost führt zu einer langsameren Entwicklung als bei anderen Faltern, aber früher oder später entwickelt sich die Raupe, verpuppt sich und möchte als Falter hinaus. Dazu öffnet sie ihren zuvor selbst erstellten Deckel vom Fraßloch, schlüpft hinaus und genau das sehen wir auf den Fotos – die Schlupflöcher.

Man findet damit sozusagen den Reproduktionsnachweis vom letzten Schlupf; je nach Zustand der Löcher kann man abschätzen, ob das in der vorherigen Saison passiert oder schon länger zurückliegt. Nicht nur durch die Verwitterung, sondern auch durch das Längenwachstum von Gehölzen, ziehen sich über die Jahre auch die Schlupflöcher in die Länge. Also gilt: je näher die Form des Schlupflochs einem perfekt runden Kreis ähnelt, desto aktueller der Nachweis.

Schöne Funde an Waldteichen

Letztes Wochenende waren wir insbesondere zur Libellensuche in einem Teichgebiet im Ilmenauer Landkreis unterwegs und haben mit 18 Arten an einem Nachmittag einen tollen Kartiererfolg gehabt. Auch besondere Schmetterlinge wie der Kleine Eisvogel oder Feurige Perlmuttfalter waren zu sehen, außerdem toll Vogelarten wie der Schwarzmilan und Fischadler. Da ich ohnehin noch unzählige Vogelfotos habe, habe ich mich mit dem Makro auf die kleineren Tierchen konzentriert.

1. Sie trägt zwar das „Gemein“ im Namen, aber heutzutage heißt das ja bekanntlich nicht mehr soviel, denn so oft trifft man die Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa) nicht an; auf dem Foto ein Weibchen. Bei den Binsenjungfern ist ein Makrofoto unerlässlich, um die Art zweifelsfrei zu bestimmen, da die diagnostischen Merkmale zur Artdifferenzierung oft sehr diffizil sind. Ausschlag gebend bei Weibchen der Art sind u.a. dass das 1. Segment des Abdomens seitlich keinen metallischen Fleck aufweist sowie ein deutlich spitzes Basalstück am Übergang vom 9. zum 10. Segment unterseitig – beides auf den Fotos zu erkennen.

Die ersten Gemeinen Binsenjungfern schlüpfen ab Mai, deren Hauptflugzeit liegt aber zwischen Ende Juni und September. Sie kommt auf gut besonnten Stillgewässern mit ausreichender Vegetation vor.

2. Die schönen wie auch hoch spezialisierten Quelljungfern sind auf Grund ihrer bevorzugten Lebensräume und Ansprüche allgemein selten, die hier gezeigte Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) steht in Thüringen auf der Roten Liste als gefährdet (3); das Foto zeigt ein Männchen. Die Art bevorzugt eher Mittelgebirgslandschaften und reproduziert sich dort in sommerwarmen Fließgewässern wie beschattete Waldbäche, Wiesenbäche- und Rinnsäle sowie Gräben, solange diese Gewässer nicht zu schmutzig sind, zu breit oder zu strömungsintensiv sind.

Bei den Quelljungfern muss man genau hinsehen, recht ähnlich ist bspw. auch die Gestreifte Quelljungfer, die hat allerdings nur jeweils einen Streifen an an den Segmentübergängen.

3. Immer schön zu sehen – wenn man sie nicht übersieht, sind auch unsere normalen Grünfrösche, die einem schwer zu differenzierenden Artkomplex aus 3 Arten angehören, wovon die 3. Art ein Hybrid aus den beiden anderen ist. Die Haupt-Laichzeit der Grünfrösche liegt zwischen Mai und Juni, ab Ende August findet so langsam – je nach Witterung und Entfernung – die Rückwanderung zu den Überwinterungsquartieren statt.

4. Was haben Waldeidechse, Mooreidechse und Bergeidechse gemein? Nun – Alles! Es ist tatsächlich die gleiche Art Zootoca vivipara, der man je nach Lebensraum nur unterschiedliche Trivialnamen zuteilt. Der interessanteste Aspekt dieser Art mit dem relativ kleinen Köpfchen verbirgt sich im Artepitheton des wissenschaftlichen Namens: vivipar = lebensgebärend. Nun ist ja bekannt, dass Reptilien Eier legen und auch die Waldeidechse lässt ihre Jungen in Eiern heranwachsen – im Unterschied zu anderen Echsen aber nicht außerhalb, sondern innerhalb des Körpers.

Kleines & Großes der letzten Tage

Auch wieder aktuelle Fotos, bevor ich mich mal wieder der Aufarbeitung des nie enden wollenden Bild-Archivs unbearbeiteter Fotos widmen werde. Die Fotos stammen vom letzten Wochenende vom Rande eines Tagebaus mit Flut- und Ruderalflächen – so wie auch der letzte Beitrag über Libellen und Feldsperlinge.

1. Während der ausgewachsene Falter (Imago) eher in unscheinbaren gräulichen bis bräunlichen Morphen auftritt und höchstens mit dem kreisrunden Ringmakel und einem hellen Fleck der hinteren Querbinde auffällt, sind seine Raupen ein echter bunter Hingucker: Ampfer-Rindeneule (Acronicta rumicis), hier mit einer ausgewachsenen Raupe. Die Raupen leben sehr polyphag und sind entgegen dem Namen nach nicht auf Ampfer spezialisiert, sondern fressen auch an Laubbäumen und Sträuchern, an vielen Stauden und krautigen Pflanzen. Sie weisen also ökologisch eine große Amplitude auf oder vereinfacht gesagt: Die Art ist ein Generalist und kein Spezialist. Daher ist sie weit verbreitet und häufig; wir hatten zuletzt bei der systematischen Erfassung über Licht und Köder bei Nacht auch mehrere Individuen der Art.

2. Ich hatte zum Libellenfotografieren die Kamera griffbereit in der Hand, als dieser Nutria (Myocastor coypus) aus seinem Bau kam und mir eine schöne Porträtaufnahme ermöglichte. Die Art stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde wegen ihres Pelzes nach Deutschland eingeführt, ist also ein Neozoon. Ein weiterer Neozoon mit dem der Nutria oft verwechselt wird, ist deutlich kleinere Bisam (Ondatra zibethicus) und die dritte Verwechslungsart im Bunde ist der heimische, deutlich große Biber (Castor fiber).

Nutrias besitzen wie der Bisam einen dicken, runden Schwanz und kein Biber-Paddel. Der Schwanz des kleinen Bisams ist im Vergleich zum Nutria-Schwanz etwas platter und ovaler. Beim Porträtfoto erkennt man gut das typische, stumpfe Schnauzenprofil des Nutrias mit dicken weißen Barthaaren. Bisams haben ein spitzes Profil und beim Biber ist an der Schnauze gar nichts helles zu sehen.

Markant sind auch die Größenunterschiede: mit 35cm (ohne Schwanz) ist der Bisam nur halb so groß wie ein Nutria (65cm ohne Schwanz) und der heimische Biber wiederum fast doppelt so groß wie ein Nutria (100cm ohne Schwanz).

3. Eine typische Sommer-Art auf Wiesen, Ruderalflächen, Wegrändern etc. ist der Olivbraune Zünsler (Pyrausta despicata). Markant und zugleich wunderschön sind die komplex gezeichneten Hinterflügel, die eher an die Zeichnungsmuster typischer Eulenfalter (Noctuidae) erinnern, mit denen er jedoch kein bisschen verwandt ist. Auf den ersten Blick recht ähnlich wirkt bspw. das Hornkraut-Tageulchen (Panemeria tenebrata).

4. Unverkennbar haben wir es mit einem Vertreter der Federmotten (Pterophoridae) zu tun: Platyptilia gonodactyla. Die Art ist ein schönes Beispiel dafür wie Insektenbestimmung mitunter funktioniert, welche Merkmale oft relevant sind und wo auch die Grenzen von Bestimmungs-Apps liegen. Platyptilia nemoralis sieht nämlich exakt genauso aus; das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist der Verlauf der dunklen Federchen am Hinterflügel. Die hier gezeigte Art Platyptilia gonodactyla zeigt eine Art schwarzes Rechteck, bei der Verwechslungsart wäre es ein rechtwinkliges, langgezogenes Dreieck. Im Lepiforum ist wie so oft ein tolles Anschauungsbeispiel zu finden.

5. Eine schöne regionale Besonderheit, die hier in der Gegend fliegt und sich auch reproduziert, ist der Resedafalter (Pontia edusa). Bei der Art sollte man unbedingt auf den wissenschaftlichen Artbegriff achten, es gibt noch einen zweiten Resedafalter, der eher in Süd-Westeuropa unterwegs ist: Pontia daplidice. „Unser“ Reseda ist in Thüringen recht lückig verbreitet, in sehr vielen Quadranten gibt es keine Nachweise zum Vorkommen der Art. Aufpassen zum Ende des Frühlings/Beginn des Sommers, wenn noch Aurorafalter (Anthocharis cardamines) unterwegs sind und die ersten Resedas starten. Bei einem flüchtigen Blick aus der Ferne erinnert die Unterseite an ein Weibchen des Aurorafalters. Aber sowohl die Zeichnung der Musterung als auch die schwarzen Stellen am Apex der Oberseiten sind dann doch deutlich anders.

Mittlerweile rar

Während die großen Flaggschiff-Arten des Naturschutzes große Aufmerksamkeit und Schutzbemühungen genießen, sterben viele ehemalige Allerweltsvögel leise weg. Ein Beispiel ist der Feldsperling, der dieses Schicksal mit vielen weiteren Feuchtwiesen-, Wiesen- und Ackerrandbewohnern teilt.

Es sei hier noch einmal explizit auf die Unterschiede zum Haussperling verwiesen, da u.a. die NABU-Gartenvogelzählung zeigt, dass viele Leute einen Feldsperling nicht sicher erkennen können: Der Feldsperling hat stets einen schwarzen Wangenfleck und beide Geschlechter sehen gleich aus. Unserem männlichen Haussperling fehlt der schwarze Wangenfleck und er hat außerdem eine graue Kappe; die Weibchen sind hierzulande unverwechselbar. Das Foto zeigt ein mauserndes Individuum im Juli.

Aktuell gibt es Aufrufe zum Einsenden gefundener Totfunde als Untersuchungsobjekte, da man die toten Vögel auf Krankheiten und Toxine untersuchen will. Dabei sollte der Rückgang der Art eigentlich niemanden überraschen; warum sollte der Feldsperling unter den Wiesen- und Ackervögeln eine Ausnahme darstellen? Die Hauptursachen sind bekannt: Nahrungsmangel (Insekten und Sämereien), Strukturmangel riesiger Ackerschläge führt zu Problemen beim Schutz vor Prädation als auch Mangel an Brutplätzen (Höhlenbrüter), Pestizideinsatz führt nicht nur zu weniger Insekten, sondern hinterlasst an diesen auch Rückstände, die zu Vergiftungen führen können – all das ist bei anderen Vögeln schon gut untersucht und durch unzählige Studien belegt.

Aktuell steht die Art in DE auf der Vorwarnliste, es ist vollkommen klar abzusehen, dass der Feldsperling in der nächsten Fassung der Roten Liste hochgestuft wird. Die aktuellen Brutvogelkartierungen zeigen einen erschreckenden Erhaltungszustand an.

Wildpflanzen im Juli

1. Diese schöne Pflanze mit den rosa überhauchten weißen Kronenblättern, ist die Acker-Winde (Convolvulus arvensis). Die Acker-Winde ist eine Schlingpflanze, die kriechend zwischen und auf anderen Pflanzen wächst. Da sie sehr hartnäckig ist, gilt diese schöne Pflanze nicht wenigen als Unkraut – Unsere Insekten sehen das anders. So sind z.B. mit passendem Namen die Ackerwinden-Trauereule und das Ackerwinden-Bunteulchen zwingend auf die Art als Raupenfutterpflanze angewiesen. Und wer sich diese schönen Falter einmal ansieht, wird sicher auch Erbarmen mit der Acker-Winde haben

2. Die Dornige Hauhechel (Ononis spinosa) wächst auf mageren Wiesen und Weiden und generell eher basische Böden; man findet sie also eher auf den Muschelkalk-Platten. Die Art wächst bis zu 80cm hoch und ist wie es der Name sagt, an den Zweigen bedornt. Gerade für Wildbienen ist sie eine wertvolle Pflanze.

3. Der Kleine Odermennig (Agrimonia eupatoria) fällt mit seinem gelben, ährigen Blütenstand auf. Man kann die Art auch sammeln, trocknen und als Tee zubereiten; das adstringierende, entzündungshemmende Kraut hilft u.a. bei Entzündungen, Durchfall und wirkt unterstützend auf Leber und Galle. Auffallend sind die kugeligen und kletten-artigen Samen, die sich gerne an Hosen, Schuhen etc. festkrallen

4. Schön anzusehen ist der Krause Ampfer (Rumex crispus) mit seinem dunkelroten Fruchtstand. Genrell gehören Arten aus der Gattung Ampfer (Rumex sepc.) zu den ähnlich unterschätzten Pflanzen wie Disteln, was die Wichtigkeit für Insekten betrifft. Unheimlich viele Schmetterlingsarten wie bspw. ein Großteil der Feuerfalter-Arten, ist zur Entwicklung auf Ampfer angewiesen. Wenn also irgendwo Ampfer als vermeintliches „Unkraut“ herumsteht, ist damit deutlich mehr für Schmetterlinge getan als mit bunten „Schmetterlingswiesen“.

5. Er sieht aus wie ein hochgewachsener Hornklee mit besonders schmal-lanzettlichen Blättern oder aber auch wie eine gelbe Luzerne – Die Rede ist vom Sichelklee (Medicago falcata). Der Gattungsname zeigt es an, dass die Art auch eher mit der Luzerne als dem Klee verwandt ist und ein weiterer Trivialname ist dann auch Gelbe Luzerne.

6. Eine Pflanze, die gut für Raupen ist, wunderschön in der Blüte aussieht und zudem ein Nektar-Magnet für Wildbienen und Schmetterlinge ist – All das ist die Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa). Wenn man magere Trockenrasen mit größeren Beständen dieser Art auffindet, ist da richtig Action angesagt. Das tolle ist, dass sich die Art auch wunderbar für den eigenen Garten eignet.

    Schöne Blütenbesucher auf Steilhängen

    Einige Eindrücke der gestrigen Tour in heimischen Gefilden zeigt der heutige Beitrag. Das Habitat war ein Naturschutzgebiet auf Silikat-Steilhängen, teils mit Mischwald, teils mit Waldkiefern bewachsen. Im waldigen Bereich, wo u.a. Elsbeere und Wildbirne gewachsen ist, waren rufende Kleinspechte eines der avifaunistischen Highlights. Besonders interessant – vor allem für Insekten – waren die offenen Felshänge, extensives Grünland auf der Kuppe und: Die offen gehaltenen Schneisen für Stromtrassen!

    Man muss sich heutzutage immer wieder vor Augen halten, dass wir nicht mehr in den 60ern oder 70ern leben. Ob nun aktive oder ehemalige Tagebaue, große Industriegelände oder Schneisen für Stromtrassen – all diese Sekundärbiotope, die auf den ersten Blick nach Zerstörung aussehen, gehören mittlerweile zu den wertvollsten Biotopen überhaupt. Das sagt natürlich auch viel über unseren Umgang mit Äckern, Gärten, oder Grünlandflächen aus.

    Aber schauen wir uns an, was es auf den Fotos zu sehen gibt:

    1. Für ein Widderchen (Zygaenidae) leicht zu bestimmen und ein besonders schöner Anblick obendrein, ist das Esparsetten-Widderchen, auch Krainer Widderchen genannt (Zygaena carniolica). Es labt sich hier am Nektar des Gewöhnlichen Dostes (Origanum vulgare) oder auch einfach: Wilder Oregano. In Thüringen ist die Art recht lückig verbreitet und ein Fund immer wieder eine tolle Sache.

    2. Der Besucher, der sich zum Widderchen dazugesellt hat, ist der Magerrasen-Perlmuttfalter (Boloria dia). Die Art gehört zu den kleineren Perlmuttfaltern (Argynnini) und lebt auf mageren Halbtrockenrasen und Muschelkalkrasen. Wie so viele Perlmuttfalter sind die Raupen zwingen auf Veilchen (Viola spec.) angewiesen, die Art bevorzugt vor allem das Raue Veilchen (Viola hirta).

    3. Auf den leuchtend gelben Blüten des Jakobs-Kreuzkrautes, auch Jakobs-Greiskraut (Jacobaea vulgaris) genannt, fand sich diese interessante Motte beim Nektarschlürfen ein. Es handelt sich um Scythris scopolella, also um einen Vertreter der Ziermotten (Scythrididae). Die Art bewohnt gerne felsige, trockene Orte und man vermutet u.a. Weißen Mauerpfeffer als Nahrungspflanze der Raupen – aber so ganz genau weiß es bislang niemand. Ein Beispiel dafür, dass es auch hierzulande noch unzählige Arten gibt, über die ganz relevante Informationen zur Biologie komplett fehlen oder ungesichert sind.

    Wundervolle heimische Flora auf extensivem Grünland und lichtem Waldmeister-Buchenwald

    Aus dem gleichen Gebiet wie auch die Orchideen aus dem letzten Beitrag, stammen die heutigen Fotos.

    1. Für einige mag es vielleicht unscheinbar wirken, uns ist dieses Gewächs gleich aufgefallen – sicher, weil man es sonst nicht unbedingt sieht. Es ist das Grünliche Wintergrün (Pyrola chlorantha). Hier ist es in einem lichten Waldmeister-Buchenwald auf Muschelkalk gewachsen. Sowohl in Thüringen als auch für ganz Deutschland steht die Art in der Roten Liste als stark gefährdet (2). Gefährdungsursachen sind u.a. zu intensive Forstbewirtschaftung, Lebensraumverlust durch Monokulturen, Strukturverlust durch Sukzession, Trockenlegung, zuviel Nährstoffeintrag durch Luft, Dünger oder stickstoffbindende und i.d.R. invasive Pflanzen.

    2. Eigentlich kann es einen nachdenklich stimmen, wenn man sich über die Sichtung eines (ehem.) Allerweltbaums so erfreut, wie hier an der alten Silber-Pappel (Populus alba) am Siedlungsrand. Das war auch leider das einzige Individuum – Was einen nachdenklich macht, ist die Tatsache, dass dort – auch im Schutzgebiet – nordamerikanische Bäume wie Schwarz-Kiefer (Pinus nigra) oder Robinie (Robinia pseudoacacia) deutlich häufiger zu finden waren, genauer gesagt zu Hunderten. Eine Beobachtung, die man mittlerweile überall in Deutschland tätigen kann. Über 80 Schmetterlingsraupen, inklusive vieler Spezialisten, sind auf diese Art als Entwicklungspflanze angewiesen! Noch dazu schaut die Silber-Pappel doch auch richtig klasse aus, man beachte die hell leuchtenden Blätter unterseitig und die schön geaderte Oberseite.

    3. Man könnte es auf den ersten Blick, gerade in Bezug auf Habitus und Blätter, glatt für eine Orchidee halten. Die Weiße Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) ist mit diesen aber gar nicht verwandt und gehört zu den Hundsgiftgewächsen (Apocynaceae). Die Art mag gerne lichte, kalkhaltige Wälder und genau das hat sie dort auch vorgefunden.

    4. Keine einzelne Art, eher ein Lebensraumtyp ist hier zu sehen: magere Halbtrockenrasen auf Muschelkalk, die extensiv bspw. durch Pferdebeweidung bewirtschaftet werden. Einige Arten, die man hier sehen kann sind: Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Saat-Esparsette (Onobrychis viciifolia), Gewöhnlicher Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), Rotklee (Trifolium pratense), Feld-Klee (Trifolium campestre), Mittlerer Wegerich (Plantago media). Im weiteren Umfeld gab es auch Schmalblättrige Wicke (Vicia sativa), Gewöhnlichen Hornklee (Lotus corniculatus) und viele viele mehr. An dem Nachmittag haben wir an Vögeln, Pflanzen, Schmetterlingen und einzelnen anderen Insekten 160 Arten kartiert.

    Orchideen im lichten Buchenwald

    Ende Mai ging es in einen lichten Thüringer Buchenwald auf Kalkgrund. Der basische, magere Boden sorgt mit der lichten Waldstruktur und dem einfallenden Licht sowie unzähligen über Jahrzehnte und Jahrhunderte entwickelten Mikrobiom im Boden dafür, dass dies ein idealer Ort für seltene Pflanzen wie einige Orchideen ist.

    1. Der Frauenschuh, eigentlich Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus), ist nicht nur optisch eine der eindrucksvollsten Orchideen; der erste Austrieb kann 3-4 Jahre dauern und die erste Blüte sogar bis zu 16 Jahre! Wenn man sich dann noch vor Augen führt, dass eine Pflanze durch Ausläufer bis über 300 Jahre alt werden, sollte klar sein, warum man das Wegegebot in Schutzgebieten beachten und auch keine Orchideen pflücken sollte. Am Standort gibt es regelmäßige Managementmaßnahmen, um den Erhaltungszustand günstig zu halten wie bspw. Zurückhalten des Aufwuchses (Gehölzsukzession). Ein Problem stellen die invasiven Robinien dar, die nicht nur immer wieder Stockausschläge und Ausläufer bilden, sondern den Boden durch ihr eigenes Mikrobiom mit Stickstoff anreichern. Das Endstadium einer anfangs mageren Wiese mit Robinien ist daher eine artenarme Fettwiese mit hauptsächlich stickstoffliebenden Arten wie Löwenzahn.

    In Thüringen steht der Frauenschuh auf der Roten Liste als stark gefährdet (2), deutschlandweit als gefährdet (3).

    2. Eine Orchidee, die ich bislang eher von mageren Kalk-Trockenrasen kannte, war das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea), welches sich auch recht gut bestimmen lässt. In Deutschland steht als als gefährdet (3) auf der Roten Liste. Die Art fängt oft schon recht früh an zu blühen und kann ab Ende April (je nach Lage) in der Blüte beobachtet werden.

    3. 2017 war es Orchidee des Jahres, das Weiße Waldvöglein (Cephalanthera damasonium). Die Blüten dieser Art gehen nur selten und bei sehr günstigen Bedingungen weit auf (warmer Sonnenschein), daher ist die Selbstbestäubung die Regel. Das verwandte Schwertblättrige Waldvöglein sieht ähnlich aus, hat aber deutlich schmalere, lange lanzettliche Blätter.

    Interessante Pflanzenfunde Anfang Mai vor der Haustür

    Im selben Habitat wie der Gartenrotschwanz aus dem letzten Beitrag, stelle ich im heutigen Beitrag eine kleine Auswahl von Pflanzen vor, die wir bei Pferdeweiden, an Feldrainen sowie auf extensiv genutztem Grünland gefunden haben. Die nächsten Tage kommen dann noch Schmetterlinge & weitere Insekten dazu.

    1. Von April bis August zeigen sich die weißen Blüten des recht niedrig wachsenden Acker-Hornkrauts (Cerastium arvense). Die Pflanze findet man an Wegrändern, Ruderalstellen, Schuttflächen oder mageren Wiesen.

    2. Richtig edel wirken die großen Blüten des Doldigen Milchsterns (Ornithogalum umbellatum). Die weißen Blüten dieser Art öffnen sich nur bei Sonnenschein

    3. Ein besonderer Fund war diese Pflanze: Der Knöllchen Steinbrech (Saxifraga granulata). Wie die meisten Pflanzen benötigt die Art magere Stellen und ist daher recht selten geworden. In Deutschland steht die auf der Vorwarnliste, sie ist außerdem streng geschützt. Eine Besonderheit beim Fund war die Stelle: In Teichnähe eines Parks am Rand einer Siedlung! Der Boden hat auch andere magerkeitsliebende Pflanzen wie Wiesen-Schlüsselblumen angezogen.

    4. Verwandt mit dem Acker-Hornkraut aus vorherigen Fotos, ist das Quellen-Hornkraut (Cerastium fontanum). Die Pflanzen ist recht zierlich und mag es deutlich feuchter als seine Verwandtschaft.

    5. Ein schön anzusehender Vertreter aus der Familie der Storchschnabelgewächse ist der Gewöhnliche Reiherschnabel (Erodium cicutarium), hier in der Variante Primelähnlicher Reiherschnabel (Erodium cicutarium var. primulaceum). Warum sich Leute bei so schönen heimischen Vertretern dann Geranien (Pelargonien) – also Storchschnabelgewächse aus Südafrika – in die Gärten holen, kann ich nicht erklären. Heimsiche Storchschanbel-Arten sehen nicht nur gut aus, sondern bieten auch einen Wert für Insekten.

    6. Noch ein toller Storchschnabelfund war der Weicher Storchschnabel (Geranium molle). Man findet ja meist nur den eingebürgerten Pyrenäen-Storchschnabel, dabei gibt es auch eine Menge interessante heimische Arten. Die Art ähnelt dem Kleinen Storchschnabel, aber wie es der Name andeutet, ist der Weiche Storchschnabel deutlich dicht flaumig behaart.