Gewöhnliche und außergewöhnliche Pflanzen der letzten Tage

Aktuelle Fotos von Mitte April zeigen einige Pflanzen in der Umgebung von Rotbuchen-Orchideenwäldern, Muschelkalk-Halbtrockenrasen und Muschelkalk-Berghängen.

  1. Traubenhyazinthen kennt wohl jeder, aber die Mühe mit der genauen Bestimmung machen sich wohl nur die wenigsten. Wir haben einige heimische, teils seltene Arten, in Deutschland, meist findet man jedoch nur Garten- und Parkflüchtlinge wie hier die Armenische Traubenhyazinthe (Muscari armeniacum). Einen praxisnahen und intuitiv zu bedienenden Bestimmungsschlüssel gibt es von Klaus Adolphi & Claus Mückschel hier: Hinweise zur Bestimmung und Kartierung von Muscari-Arten.
  2. Ein sehr interessanter und spezieller Fund war dieser weißblühende Kreuzblütler, den wir an Muschelkalk-Berghängen am Rand eines Orchideen-Rotbuchenwaldes auf einer Bergkuppe gefunden haben: Berg-Hellerkraut (Noccaea montana). Die Art ist sowohl in Thüringen, Deutschland sowie im gesamten Verbreitungsgebiet in Mitteleuropa sehr lückig, verstreut und selten vorkommend und steht auch auf der Roten Liste DE und TH auf der 3.
  3. Echtes Kopfzerbrechen hat mir wieder einmal der Fund eines Kreuzblümchens (Polygala spec.) bereitet. Nach der Freude über den Fund, erwies sich die Bestimmung bis auf Artebene als wieder einmal sehr schwierig, obwohl diese Gattung in Deutschland sehr artenarm ist. Dank der Mithilfe zwei engagierter Botaniker sind wir nun also beim Sumpf-Kreuzblümchen (Polygala amarella). Das klingt etwas ulkig an einem Trockenrasen-Hang, aber die Art besiedelt wohl tatsächlich auch mal gegenteilige Habitate. Ähnlich ging es mir schon einmal mit einem Faulbaum auf einem xerothermen Kalk-Trocken-Schuttrasen; bekannter ist das Phänomen auch bei Eschen, die ja eigentlich Auwald-Gewächse sind, aber manche Sippen dann trockene Standorte besiedeln.
  4. In einem waldigen Bereich hat sich dann noch der vorjährige Fruchtstand einer gar nicht so seltenen Orchidee gezeigt: Die Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis), deren vertrocknete Brauntöne auch mitten zur Vegetationsperiode nicht wirklich anders aussehen und die daher sicher oft übersehen wird.

Kleiner grüner Drache

Ende März ging mir ein kleiner Drache vors Makro-Objektiv

Es ist ja gemeinhin bekannt (oder?), dass sich männliche Zauneidechsen durch ihre grünliche Färbung an Kopf, Bauch und Flanken hervortun, während die Weibchen gänzlich so bräunlich gefärbt sind wie beim Männchen der Rücken. Das stimmt so aber nur mit der Einschränkung >Paarungszeit im Frühjahr<. Ab Spätsommer sind auch die Männchen bräunlich gefärbt.

Zur Paarung im Frühling (März bis Mai) gehört der Paarungs- bzw. Flankenbiss dazu: Das Männchen hält sich mittels Biss am Weibchen fest und beißt sich auf diese Weise immer weiter nach vorn am Körper, bis es zur Kopulation kommt. Zu Verletzungen kommt es dabei i.d.R. nicht.

Besondere Frühblüher

Jetzt Ende März gab es bei mir in der Gegend einige schöne, interessante und teils auch seltene Frühblüher zu entdecken.

  1. Die Gewöhnliche Pestwurz (Petasites hybridus) fällt mit ihren dichten lila-rosa Traubenblüten auf. Man findet sie da, wo es schön nass ist: an Ufern von Fließgewässern, Feuchtwiesen, Auenlandschaften und sickerfeuchten Böden. Nach der Blüte erscheinen dann die sehr markanten sowie auffälligen riesigen Blättern, die man bei Ausmaßen von 60x100cm glatt mal als Regenschirm-Ersatz benutzen könnte Wie viele Arten mit traubig übereinander stehenden Blüten, blühen diese nacheinander von oben nach unten auf, um sich nicht selbst zu bestäuben – das kann man gut an den beiden verschiedenen Individuen sehen, die einen Unterschiedlichen Blütenstand zeigen. Das zweite Bild der jüngeren Pestwurz wurde von meiner Partnerin fotografiert.
  2. Hier sieht man, noch von der vorherigen Saison, eine Gewöhnliche Golddistel (Carlina vulgaris), auch Kleine Eberwurz genannt. Die eher kleine, wenig auffällige Pflanze wächst auf Mager- und Halbtrockenrasen und hat es gern kalkig. Das 2. Bild der Golddistel zeigt, warum es so wichtig ist, den Winter über verblühte und vertrocknete Stauden stehen zu lassen: Hier überwintern bspw. Siebenpunkt-Marienkäfer.
  3. Ein echtes Highlight im März und April ist die hier wachsende Kuhschelle bzw. Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), die in der Roten Liste Deutschlands als gefährdet (3) eingestuft ist. Die Art mag es wie alle seltenen Pflanzen mager und wächst eher auf trockenen, warmen sowie kalkhaltigen Böden.
  4. Ein schöner Fund auf einem Kalk-Halbtrockenrasen am Waldrand war dieses besondere Veilchen, was durch folgende Merkmale aufgefallen ist: farbschwache Blütenblätter, einreihige behaarte Stängel, große trichterförmige Blätter sowie ein sehr langer, spitzer und heller Sporn hinter der Blüte. Es handelt sich um das seltene und sehr lückig verbreitete Wunder-Veilchen (Viola mirabilis).

Die Libellen waren los

Heute wieder ein Rückblick zu unserem Neusiedler-See Urlaub, bei dem wir Ende Mai einen Abstecher in einen ungarischen Moorwald unternommen haben. Neben unzähligen anderen Arten, haben wir 10 Libellenarten an dem Tag bestimmt; vom Spitzenfleck, Große Königslibelle, Großen Pechlibelle und der Südlichen Mosaikjungfer habe ich nur Belegfotos angefertigt, die anderen Arten haben es auf recht ansehbare Fotos geschafft.

  1. Die Blaue Federlibelle (Platycnemis pennipes) ist nicht immer blau gefärbt wie man sehen kann: hierbei handelt es sich um ein juveniles Weibchen, was sich gerade ausfärbt und noch in einer Übergangsmorphe ist. Die zierliche Art ist häufig und weit verbreitet.
  2. Auch männliche Vertreter dieser Art zeigen nicht immer das typische Erscheinungsbild; ähnlich wie auch bei den Vögeln, ähneln viele junge Männchen den Weibchen. Hier ist eine sehr junge männliche Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) zu sehen. Die Unterscheidung des Geschlechts erfolgt über strukturelle physiologische Merkmale wie die Hinterleibsanhänge oder aber der bei Männchen arttypisch und keulenförmig verbreitete hintere Abdomenteil. Die folgenden 3 Fotos einer gelblichen Großlibelle zeigen dann ein juveniles Weibchen.
  3. So eine prächtige Libelle trägt auch einen passenden Namen: Es ist ein Männchen der Gebänderten Prachtlibelle (Calopteryx splendens). Wichtig ist, wenn man schon Trivialnamen nutzt, diese auch richtig zu nutzen: So ist oft nur von „der Prachtlibelle“ die Rede, dabei haben wir in Mitteleuropa ja 2 Prachtlibellen-Arten. Die Art ist eher selten Stillgewässern zu finden, sondern hauptsächlich an sauberen Fließgewässern mit ausreichend Ufervegetation.
  4. Eine Moosjungfer zu finden und beobachten zu können, ist immer ein freudiges Ergebnis, alle Arten der Gattung sind sehr lückenhaft verbreitet – Dazu kommt dieses markante und wunderschöne Aussehen mit gelb-roten Zeichnungen auf schwarzem Körper wie hier bei der Großen Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis). Das „Moos“ im Trivialnamen (=Moor) trifft so einigermaßen zu: Die Große Moosjungfer ist tatsächlich in Hoch- und Übergangsmooren zu finden, aber auch an deren feuchten Rändern, Waldweihern, Kleingewässern und teilweise in Auenlandschaften. Wichtig sind ihr kleine, organische sonnenexponierte Gewässer, die allerdings nicht austrocknen sollten. Bild 1 der 3er-Reihe zeigt ein adultes Männchen (über einem Weibchen) und die anderen beiden Bilder zeigen jeweils ein adultes Weibchen. Wundervoll oder?
  5. Beim Großen Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), dem häufigsten Vertreter der Gattung, sollte man sich auch nicht vom Namen irreführen lassen: adulte Männchen tragen das namensgebende Blau, aber weder juvenile Männchen noch juvenile Weibchen – so wie dieses auf dem ersten Bild, während Bild 2 das typische Männchen zeigt. Die Weibchen dunkeln im Alter nach und das warme Gelb weicht eher einem gedeckten gelb-grau-Ton.
  6. Die Art ist so etwas wie die Kohlmeise unter den Libellen und praktisch überall und das auch in größerer Zahl zu finden: Die Hufeisen-Azurjungfer. Das skurril anmutende Bild zeigt 2 Pärchen beim Tandem während der Eiablage. Man sieht wie die Weibchen (unten) ihren Hinterleib ins Wasser halten, um die Eier zu legen. Das Festhalten der Männchen soll sicherstellen, dass ihre Herzensdamen nicht noch auf andere Ideen kommen Interessant, dass jede Libellenart ihre eigene Variante der Eiablage hat: Mal im Tandem, mal ohne, mal die Eier aus Luft ins Wasser geworfen, mal direkt in pflanzen, mal während des Schwirrfluges sanft ins Wasser gelegt, mal beim Festhalten an Vegetation ins Wasser gelegt usw.

Blick nach unten

Nach einer Runde Brutvogelkartierung standen in zwei meiner betreuten Schutzgebiete kleinere Maßnahmen an, dabei haben sich am Boden zwei gänzlich andere, schöne Frühblüher gezeigt.

Gras klingt erst einmal wenig spektakulär, jedoch sind Wildgräser für unsere Ökosystem unverzichtbar; viele Schmetterlingsraupen haben sich bspw. an bestimmte Gräser als Nahrungspflanze spezialisiert. Aber mitunter sind auch Arten bei den Gräsern vertreten, die auch etwas fürs Auge bieten: So wie die blühende Erd-Segge (Carex humilis). Die Art zeigt sehr kurze Sprossachsen und 20-40cm lange Blätter sowie den auffallend hübschen gelben Blütenstand und ist keine häufige Art; in Deutschland steht sie auf der Vorwarnliste. Die Art passt wunderbar in die dortige Pflanzengesellschaft aus wärmeexponierten trockenen Eichen-Hängen.

Ein wenig bunter ist die zweite Art: Das Leberblümchen (Hepatica nobilis); ein klassischer Frühblüher sowie Kalkanzeiger. Das Gebiet zeichnet sich durch Edellaub-Mischwälder sowie Halbtrockenrasen auf Muschelkalk aus und bietet dem Leberblümchen somit ein tolles, passendes Habitat. Die markanten, einfach zu bestimmenden Blätter eines blühenden Individuums kann man oft vergebens suchen: Diese erscheinen erst nach er Blüte; die Blätter, die aktuell zu sehen sind, stammen noch aus der letzten Saison.

Frühblüher

Als die letzte Kälteperiode den Staffelstab weiter an die ersten richtig warmen und sonnigen Tage gereicht hat, sind die Frühblüher gleich voll durchgestartet. Wobei ich die ersten aufblühenden weiblichen Hasel-Blüten schon Anfang Februar gesehen habe. Aber nun sind allerorten Schneeglöckchen, Märzenbecher und co zu sehen – während die Winterlinge teils schon wider abblühen.

Von einer heutigen Tour habe ich den Acker-Gelbstern (Gagea villosa) mitgebracht; ein heimischer Frühblüher nährstoffreicher Standorte. Bei den Gelbsternen muss man für eine korrekte Bestimmung auch genau hingucken: Der Wiesen-Gelbstern blüht meist etwas später und ist im Gegensatz zum Acker-Gelbstern nicht fein bewimpert/behaart. Die Hochblätter sind beim Acker-Gelbstern gegenständig, beim Wiesen-Gelbstern wechselständig; außerdem weist das Grundblatt vom Wiesen-Gelbstern eine tiefe Rille auf.

Eine weitere Art ist der Wald-Gelbstern, den man eher außerhalb von Siedlungen findet. Dieser ist wie der Wiesen-Gelbstern ebenfalls nicht behaart und die Blätterspitzen haben von diesen drei Arten die deutlichste „Kapuze“. Wiesen- und Wald-Gelbstern haben jeweils nur ein Grundblatt, der hier gezeigte Acker-Gelbstern weist dagegen 2 Grundblätter auf.

Highlight am Neusiedler See ist nicht unbedingt der See

Der Neusiedler See, der in Österreich und Ungarn liegt und dessen Seewinkel im Südosten Teil des Nationalparks ist, ist für seine unglaubliche Weite und das flache Wasser bekannt – ein Eldorado für viele Brut- und Zugvögel. Noch interessanter sind aber eigentlich die vielen Salzlacken drumherum, die gigantischen Schilfflächen und vor allem: die extensiven Grünländereien. Diese weite an extensivem Grünland kann man sich im übernutzten, dicht besiedelten Deutschland kaum vorstellen und das schlägt sich auch bei den Insekten nieder: alle 2m eine Pflanze mit 6 Argus-Bläulingen dran, Fliegenschwärme so dicht, dass man denken könnte es raucht von einem Brand, soviele Tausende Eulenfalter nachts im Scheinwerferlicht als würde es schneien usw.

Ein winziger Teil dieser Landschaft und der Pflanzen wird mit den heutigen Fotos vorgestellt.

1) Wiesen bis zum Horizont voller Stauden, Kräuter und mit großer Artenvielfalt – hier im Fokus der dort häufig vorkommende Hain-Salbei, auch Steppen-Salbei (Salvia nemorosa) genannt. In Deutschland kommt die Art eher zerstreut, lokal und recht selten vor.

2) Auffällig mit dem langen Sporn und mittlerweile auch ein seltener Anblick in Deutschland, war der Gewöhnliche Feldrittersporn (Consolida regalis). Wobei man dazu sagen muss, dass die Art zu den Archäophyten gehört: Also seit längerem (vor Kolumbus) eingebürgert ist, ursprünglich aber nicht zu den heimischen Wildpflanzen zählte. Der Ursprung der Art liegt eher in Südeuropa und Westasien.

3) Eine uns schon vertrautere Pflanze war der Gewöhnliche Steinklee (Melilotus officinalis), der auch Gelber Steinklee genannt wird. Die Pflanze findet auf Rohböden- oder Störstellen wie Wegrändern, Steinbrüchen, Schuttflächen, Felshängen oder Bahndämmen.

4) Was von weitem noch an Aufrechten Ziest erinnerte, entpuppte sich dann als Österreichischer Salbei (Salvia austriaca). Auffällig sind die langen weißen Griffel und wenn man sich die Pflanze in lila vorstellt, ähnelt sie von der Blüte dann auch stark unserem bekannten Wiesen-Salbei.

5) Die Wilde Malve (Malva sylvestris) ist auch in Deutschland beheimatet und mit ihren sehr großen sowie kontrastreichen Blüten ein echter Hingucker! Das gefällt auch unseren Insekten, u.a. der Malven-Dickkopffalter (Carcharodus alceae) ist auf diese und verwandte Malven angewiesen. Wer sich da noch Zuchtpflanzen oder Blumen aus Nordamerika in den Garten holt, dem ist echt nicht mehr zu helfen

Spurensicherung an der Birke

Die vorgefunden Spuren reichten als Beweise, um den Täter zu überführen: Es ist der Große Birken-Glasflügler (Synanthedon scoliaeformis) – aber erst einmal von Vorne.

Es gibt Schmetterlinge, die lassen sich recht schwierig nachweisen und beobachten, bspw. alle Vertreter der Familie der Glasflügler (Sesiidae). Den Namen tagen sie aufgrund der unbeschuppten Flügel, was sie transparent erscheinen lässt – Dazu kommt die Mimikry als vermeintlich wehrhafte Wespe. Dabei handelt es sich einfach nur um harmlose, sehr kleine Schmetterlinge. Zufallsbeobachtungen sind generell recht selten; systematisch kartiert wird mittels verschiedener Pheromone. Ein anderer Weg bzw. eine Ergänzung ist die Suche nach Eiern oder Spuren der Raupen wie hier an den Hänge-Birken. (Betula pendula).

Die knapp 40 in Deutschland vorkommenden Arten sind hochspezialisierte, ähnlich wie z.B. die Blütenspanner aus der Familie der Spanner (Geometridae). Das ist eine der Grundvoraussetzung für diese Art von Nachweismethode, die andere ist die Tatsache, dass die Raupen sich nicht von Blättern, sondern Holz ernähren. Sie fressen sich in Äste oder Stämme und ernähren sich innen vom Holz – verschließen das Schlupfloch aber wieder mit einem Deckel. Die magere Kost führt zu einer langsameren Entwicklung als bei anderen Faltern, aber früher oder später entwickelt sich die Raupe, verpuppt sich und möchte als Falter hinaus. Dazu öffnet sie ihren zuvor selbst erstellten Deckel vom Fraßloch, schlüpft hinaus und genau das sehen wir auf den Fotos – die Schlupflöcher.

Man findet damit sozusagen den Reproduktionsnachweis vom letzten Schlupf; je nach Zustand der Löcher kann man abschätzen, ob das in der vorherigen Saison passiert oder schon länger zurückliegt. Nicht nur durch die Verwitterung, sondern auch durch das Längenwachstum von Gehölzen, ziehen sich über die Jahre auch die Schlupflöcher in die Länge. Also gilt: je näher die Form des Schlupflochs einem perfekt runden Kreis ähnelt, desto aktueller der Nachweis.

Schöne Funde an Waldteichen

Letztes Wochenende waren wir insbesondere zur Libellensuche in einem Teichgebiet im Ilmenauer Landkreis unterwegs und haben mit 18 Arten an einem Nachmittag einen tollen Kartiererfolg gehabt. Auch besondere Schmetterlinge wie der Kleine Eisvogel oder Feurige Perlmuttfalter waren zu sehen, außerdem toll Vogelarten wie der Schwarzmilan und Fischadler. Da ich ohnehin noch unzählige Vogelfotos habe, habe ich mich mit dem Makro auf die kleineren Tierchen konzentriert.

1. Sie trägt zwar das „Gemein“ im Namen, aber heutzutage heißt das ja bekanntlich nicht mehr soviel, denn so oft trifft man die Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa) nicht an; auf dem Foto ein Weibchen. Bei den Binsenjungfern ist ein Makrofoto unerlässlich, um die Art zweifelsfrei zu bestimmen, da die diagnostischen Merkmale zur Artdifferenzierung oft sehr diffizil sind. Ausschlag gebend bei Weibchen der Art sind u.a. dass das 1. Segment des Abdomens seitlich keinen metallischen Fleck aufweist sowie ein deutlich spitzes Basalstück am Übergang vom 9. zum 10. Segment unterseitig – beides auf den Fotos zu erkennen.

Die ersten Gemeinen Binsenjungfern schlüpfen ab Mai, deren Hauptflugzeit liegt aber zwischen Ende Juni und September. Sie kommt auf gut besonnten Stillgewässern mit ausreichender Vegetation vor.

2. Die schönen wie auch hoch spezialisierten Quelljungfern sind auf Grund ihrer bevorzugten Lebensräume und Ansprüche allgemein selten, die hier gezeigte Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) steht in Thüringen auf der Roten Liste als gefährdet (3); das Foto zeigt ein Männchen. Die Art bevorzugt eher Mittelgebirgslandschaften und reproduziert sich dort in sommerwarmen Fließgewässern wie beschattete Waldbäche, Wiesenbäche- und Rinnsäle sowie Gräben, solange diese Gewässer nicht zu schmutzig sind, zu breit oder zu strömungsintensiv sind.

Bei den Quelljungfern muss man genau hinsehen, recht ähnlich ist bspw. auch die Gestreifte Quelljungfer, die hat allerdings nur jeweils einen Streifen an an den Segmentübergängen.

3. Immer schön zu sehen – wenn man sie nicht übersieht, sind auch unsere normalen Grünfrösche, die einem schwer zu differenzierenden Artkomplex aus 3 Arten angehören, wovon die 3. Art ein Hybrid aus den beiden anderen ist. Die Haupt-Laichzeit der Grünfrösche liegt zwischen Mai und Juni, ab Ende August findet so langsam – je nach Witterung und Entfernung – die Rückwanderung zu den Überwinterungsquartieren statt.

4. Was haben Waldeidechse, Mooreidechse und Bergeidechse gemein? Nun – Alles! Es ist tatsächlich die gleiche Art Zootoca vivipara, der man je nach Lebensraum nur unterschiedliche Trivialnamen zuteilt. Der interessanteste Aspekt dieser Art mit dem relativ kleinen Köpfchen verbirgt sich im Artepitheton des wissenschaftlichen Namens: vivipar = lebensgebärend. Nun ist ja bekannt, dass Reptilien Eier legen und auch die Waldeidechse lässt ihre Jungen in Eiern heranwachsen – im Unterschied zu anderen Echsen aber nicht außerhalb, sondern innerhalb des Körpers.

Kleines & Großes der letzten Tage

Auch wieder aktuelle Fotos, bevor ich mich mal wieder der Aufarbeitung des nie enden wollenden Bild-Archivs unbearbeiteter Fotos widmen werde. Die Fotos stammen vom letzten Wochenende vom Rande eines Tagebaus mit Flut- und Ruderalflächen – so wie auch der letzte Beitrag über Libellen und Feldsperlinge.

1. Während der ausgewachsene Falter (Imago) eher in unscheinbaren gräulichen bis bräunlichen Morphen auftritt und höchstens mit dem kreisrunden Ringmakel und einem hellen Fleck der hinteren Querbinde auffällt, sind seine Raupen ein echter bunter Hingucker: Ampfer-Rindeneule (Acronicta rumicis), hier mit einer ausgewachsenen Raupe. Die Raupen leben sehr polyphag und sind entgegen dem Namen nach nicht auf Ampfer spezialisiert, sondern fressen auch an Laubbäumen und Sträuchern, an vielen Stauden und krautigen Pflanzen. Sie weisen also ökologisch eine große Amplitude auf oder vereinfacht gesagt: Die Art ist ein Generalist und kein Spezialist. Daher ist sie weit verbreitet und häufig; wir hatten zuletzt bei der systematischen Erfassung über Licht und Köder bei Nacht auch mehrere Individuen der Art.

2. Ich hatte zum Libellenfotografieren die Kamera griffbereit in der Hand, als dieser Nutria (Myocastor coypus) aus seinem Bau kam und mir eine schöne Porträtaufnahme ermöglichte. Die Art stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde wegen ihres Pelzes nach Deutschland eingeführt, ist also ein Neozoon. Ein weiterer Neozoon mit dem der Nutria oft verwechselt wird, ist deutlich kleinere Bisam (Ondatra zibethicus) und die dritte Verwechslungsart im Bunde ist der heimische, deutlich große Biber (Castor fiber).

Nutrias besitzen wie der Bisam einen dicken, runden Schwanz und kein Biber-Paddel. Der Schwanz des kleinen Bisams ist im Vergleich zum Nutria-Schwanz etwas platter und ovaler. Beim Porträtfoto erkennt man gut das typische, stumpfe Schnauzenprofil des Nutrias mit dicken weißen Barthaaren. Bisams haben ein spitzes Profil und beim Biber ist an der Schnauze gar nichts helles zu sehen.

Markant sind auch die Größenunterschiede: mit 35cm (ohne Schwanz) ist der Bisam nur halb so groß wie ein Nutria (65cm ohne Schwanz) und der heimische Biber wiederum fast doppelt so groß wie ein Nutria (100cm ohne Schwanz).

3. Eine typische Sommer-Art auf Wiesen, Ruderalflächen, Wegrändern etc. ist der Olivbraune Zünsler (Pyrausta despicata). Markant und zugleich wunderschön sind die komplex gezeichneten Hinterflügel, die eher an die Zeichnungsmuster typischer Eulenfalter (Noctuidae) erinnern, mit denen er jedoch kein bisschen verwandt ist. Auf den ersten Blick recht ähnlich wirkt bspw. das Hornkraut-Tageulchen (Panemeria tenebrata).

4. Unverkennbar haben wir es mit einem Vertreter der Federmotten (Pterophoridae) zu tun: Platyptilia gonodactyla. Die Art ist ein schönes Beispiel dafür wie Insektenbestimmung mitunter funktioniert, welche Merkmale oft relevant sind und wo auch die Grenzen von Bestimmungs-Apps liegen. Platyptilia nemoralis sieht nämlich exakt genauso aus; das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist der Verlauf der dunklen Federchen am Hinterflügel. Die hier gezeigte Art Platyptilia gonodactyla zeigt eine Art schwarzes Rechteck, bei der Verwechslungsart wäre es ein rechtwinkliges, langgezogenes Dreieck. Im Lepiforum ist wie so oft ein tolles Anschauungsbeispiel zu finden.

5. Eine schöne regionale Besonderheit, die hier in der Gegend fliegt und sich auch reproduziert, ist der Resedafalter (Pontia edusa). Bei der Art sollte man unbedingt auf den wissenschaftlichen Artbegriff achten, es gibt noch einen zweiten Resedafalter, der eher in Süd-Westeuropa unterwegs ist: Pontia daplidice. „Unser“ Reseda ist in Thüringen recht lückig verbreitet, in sehr vielen Quadranten gibt es keine Nachweise zum Vorkommen der Art. Aufpassen zum Ende des Frühlings/Beginn des Sommers, wenn noch Aurorafalter (Anthocharis cardamines) unterwegs sind und die ersten Resedas starten. Bei einem flüchtigen Blick aus der Ferne erinnert die Unterseite an ein Weibchen des Aurorafalters. Aber sowohl die Zeichnung der Musterung als auch die schwarzen Stellen am Apex der Oberseiten sind dann doch deutlich anders.