Winzige Falter, kleine besondere Eier und die heimische Goldrute

  1. Auf dem bei Insekten beliebten Rainfarn, saß ein Vertreter der kleinen Spreizflügelfalter (Choreutidae), der Brennnessel-Spreizflügler (Anthophila fabriciana) mit seinem recht variablen Erscheinungsbild.Die Blütenköpfchen des Rainfarns sind ja ein vertrauter Anblick, so dass sich jeder selbst zusammenreimen kann wie winzig diese Falterchen sind. Obwohl die Art tagaktiv und nicht selten ist und oft beim Blütenbesuch zugange ist, wird sie auf Grund ihrer Größe oft übersehen.
  2. Gezielt habe ich in einem bekannten Vorkommensgebiet an südexponierten xerothermen Schieferhängen in Gewässernähe nach Nachweisen vom seltenen und gefährdeten (RL: 1) Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion) gesucht. Imagines und Raupen waren nicht zu sehen, aber dafür knapp 50 Eier + einige leere Eihüllen! Und zwar an seiner lokalen Lieblingspflanze, die Große Fetthenne in der Unterart Hylotelephium telephium maximum. Die Bedrohungsursachen kann man in den entsprechenden Habitaten oft ohne Umwege sehen: Oft wuchernde und invasive Robinien, hier die ebenfalls invasiven Walnussbäume sowie die allgemeine Sukzession, die noch durch die Eutrophierung der Landschaft beschleunigt wird.
  3. Schon interessant: Jeder kennt die Kanadische Goldrute; klar sie steht nicht nur in Gärten, sie überwuchert auch ganze Wiesen und Naturschutzgebiete, degradiert die Artenvielfalt und trotzdem kann man sie überall kaufen. Was weniger bekannt ist: Wir haben auch eine heimische Goldrute, die Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea). Bei der Auswahl an Pflanzen in Gärtnereien, könnte man meinen, dass die Verantwortlichen bereits alle 3.000 mitteleuropäischen Blühpflanzen kennen und für doof befunden haben, anders ist der unsere Natur schädigende Wahnsinn, der dort abläuft, wohl nicht zu erklären

Über Heinrich, seltene Libellen und kegelförmige Bienen

  1. Was man nicht alles so auf der Wiese am Waldrand findet, bspw. Heinrich, den Hirschkäfer Schon etwas müde und geschafft, hatte der klein…ääh große Kerl sichtlich Schwierigkeiten sich durch die Grashalme zu bewegen. Die Männchen sind unverkenn- und unverwechselbar, die Weibchen der Art erinnern an zu groß geratene Balkenschröter, mit denen sie oft verwechselt werden, zeigen aber auch diese lederfarbige Rotbraun der Flügeldecken – neben der auffallend Größe natürlich. Der Hirschkäfer ist eine tolle Art, um den Fokus beim Thema Insektenschutz mal wieder ein bisschen in die richtige Richtung nachzujustieren: Das Larvalstadium zieht sich für gewöhnlich über 5 bis 7 Jahre, im Extremfall sogar 8 Jahre! Während die erwachsenen Tiere wenige Wochen alt werden, wenn überhaupt. Und was brauchen die Larven? Totholz! Richtig viel, richtig dick und am besten schon etwas zersetzt, so dass sie im sogenannten Mulm leben und fressen können.
  2. Praktisch an der selben Pfütze in einem Tagebau, wo ich sie schon einmal beobachtet hatte, habe ich sie wiedergefunden: Sie in der Region sehr seltene Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio). Alle Bilder zeigen männliche Individuen, ein orangefarbiges Weibchen ist leider im Moment des Auslösens abgedüst. Deutlich häufiger ist die Zwillingsart, die Große Pechlibelle. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zeigt sich bei Männchen am 8. und 9. Segment des Abdomens: Das Segment 8 ist zur Hälfte schwarz gefüllt, das 9. ist blau. Bei der Großen Pechlibelle ist dagegen das 8. Segment komplett blau und sonst alles schwarz. Die Kleine Pechlibelle ist eine typische Pionierart, die stark besonnte und temporäre Kleingewässer (Pfützen, Fahrspuren, Tümpel, Mulden,…) an Ruderalstandorten u.ä. besiedelt.
  3. Im selben Tagebau wie die Kleine Pechlibelle, hat sich diese Besonderheit gezeigt: Ein junges, nicht ausgefärbtes Männchen des Kleinen Blaupfeils (Orthetrum coerulescens). Die wärmeliebende Art kommt in Deutschland nur sehr lückig und zerstreut vor. Zu ihren bevorzugten Biotoptypen langsam fließende Gewässer wie Quellmoore, Seeabflüsse, Gräben, kleine Wiesenbäche oder wie hier: Rinnsale in Tagebauen.
  4. Diese Biene mit dem proportional großen Dickkopf und dem nach hinten kegelartig kleiner werdenden Körper gehört passenderweise zur Gattung der Kegelbienen. Die Weibchen lassen sich besser bestimmen, wobei das Wildbienen genrell kein einfaches Thema ist, das hier sollte ein Männchen der Schuppenhaarigen Kegelbiene (Coelioxys afer) sein, das auf einer Wiesen-Flockenblume sitzt. Kegelbienen gehören verhaltensbiologisch zu den Kuckucksbienen, d.h. sie parasitieren andere Wildbienenarten und sind damit weder böse, noch unerwünscht – ganz im Gegenteil: Solche Arten tragen Sorge dafür, dass keine Art zu dominant auftreten oder bestehende Ressourcen einseitig ausnutzen kann. Außerdem zwingen sie ihre potentiellen Wirte damit zu der Anstrengung, stets im Sinne der Fitness angepasst zu sein und ein starkes, gesundes Genom (weiter)zuentwickeln. Parasitäre Arten sorgen also salopp gesagt dafür, dass alle anderen nicht zu träge werden und sich gehen lassen

Ein paar Besonderheiten von heute

Bei einer Kartierrunde heute waren noch nebenbei für zwei Dinge Zeit: Kräuter zum Trocknen sammeln (Tee für den Winter) und ein paar ausgewählte Fotos besonderer Arten, die ich bislang noch nicht oft oder gar nicht vor der Linse hatte.

  1. Für jemanden wie mich, der ’89 geboren ist, ist so etwas immer befremdlich zu hören, diese oder jene Art ist (in alter Literatur) oder war mal (in aktueller Literatur) eine Allerweltspflanze. Das Shifting Baselines Syndrom lässt grüßen. Und damit sind wir schon beim Echten Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea), was man heute leider recht selten sieht. Zurecht sind daher alle Arten der Gattung gesetzlich besonders geschützt. Das Echte Tausendgüldenkraut ist dabei die Art der Gattung, die noch als relativ häufig gilt. Interessant ist die Zugehörigkeit zur Familie der Enziangewächse, was die Bitterkeit als auch die Verwendung für Kräuterliköre oder als Heilkraut erklärt. Das Echte Tausendgüldenkraut braucht viel Licht, benötigt magere Böden und mag es dabei aber nicht zu trocken – zu starke Sukzession als auch Nährstoffeintrag und Trockenlegung ehemaliger Feuchtgebiete gefährden die Bestände.
  2. Auf einer sandigen Rohbodenstelle waren diese leuchtenden, wunderschönen Nelken zu sehen – es handelt sich dabei um die gesetzlich besonders geschützte Raue Nelke (Dianthus armeria). Man findet sie auf mageren Halbtrockenrasen entlang von Saumstrukturen wie Sträuchern oder Wäldern. In Thüringen steht die Art in der Roten Liste als stark gefährdet, umso schöner ist der Wiederfund an dem Standort. Ein markantes Bestimmungsmerkmal stellen die weißen Punkte auf den Kronblättern dar.
  3. Bei den Gespinstmotten der Gattung Yponomeuta spec. verhält es sich für gewöhnlich so, dass einige Imagines überhaupt nicht auf Artebene anzusprechen sind, man braucht die Raupen an der jeweiligen spezialisierten Nahrungspflanze und bestimmt dann über die Nahrungspflanze. Aber natürlich gibt es wie überall Ausnahmen, so gibt es gleich 3 Arten, die sich am Gewöhnlichen Pfaffenhütchen entwickeln: Y. plumbella, Y. cagnagella, Y. irrorella. Glücklicherweise war die Natur so nett, genau bei den Arten dafür zu sorgen, dass es hier die Imagines sind, die sich leicht unterscheiden lassen! Hier haben wir Yponomeuta plumbella, unverwechselbar mit den dicken schwarzen Flecken auf den Flügeln.

Gelblichweißer Kleinspanner, Kleines Wintergrün und Schrotbock

Bevor ich weiter mit älteren noch nicht aufgearbeiteten Fotos mache, gibt es nochmal ein paar ganz aktuelle aus einem lichten und südexponierten Kiefern-Eichenwald, den ich betreue. Drei gänzlich verschiedene Arten habe ich für den Beitrag mitgebracht.

  1. Der Gelblichweiße Kleinspanner (Scopula floslactata) war mein Erstfund an dem Tag; trotz systematischer Kartierung mit Leuchtturm und co., hat er sich bislang noch nicht gezeigt – ein schöner Fund am Tag. Die Art bewohnt Wälder und die Raupen fressen wohl an verschiedenen Pflanzen, wobei die Heidelbeere eine größere Rolle zu spielen scheint.
  2. Das Kleine Wintergrün (Pyrola minor) ist eine sehr hübsche sowie leicht zu übersehene Pflanze, was in der Krautschicht von nährstoffarmen Wäldern wachsen kann. Die Art steht sowohl in der Roten Liste Thüringens als auch Deutschlands als gefährdet (3).
  3. Ein hübscher Käfer, den ich auch im Moment des Abflugs fotografieren konnte, war der Schrotbock (Rhagium inquisitor). Man findet Schrotböcke in Nadelwäldern, wo sie wie so viele Käfer und auch insbesondere Bockkäfer, auf Totholz angewiesen sind, von dem sich die Larven ernähren. Die Imagines (erwachsenen Tiere) ernähren sich dagegen von Blütenteilen und – Baumharz! Sehr interessant.

Es flattert, kriecht und blüht

Bei allen negativen Veränderungen in der Landschaft, gibt es hier und da immer noch ein paar schöne Inseln, wo sich tolle Arten oder Bestandsdichten finden lassen. Man muss nur leider heutzutage immer öfter gezielt danach suchen. Folgend gibt’s ein paar frische Fotos aus aktuellen Kartierungen der Tage.

  1. Na, wer hing denn da an einer abgefressenen Knoblauchsrauke? Es ist eine ausgewachsene Raupe vom Aurorafalter (Anthocharis cardamines), die sich demnächst verpuppen wird und als Puppe bis zum nächsten Jahr die Zeit verschläft. Deswegen ist es wichtig, dass nicht überall gleichzeitig alles raspelkurz gemäht wird. Die Knoblauchsrauke ist zusammen mit dem Wiesen-Schaumkraut die wichtigste Nahrungspflanze der Raupen dieser Art.
  2. Yeah – mal wieder eine lustige Langhornmotte (Adelidae) – dieses Mal eine Art aus dem De Geers Langhornfalter-Artkomplex. Erst 2016 hat man diese 1 Art in 3 separate Arten aufgesplittet; rein von der Verbreitung aus betrachtet, handelt es sich wahrscheinlich um den klassischen De Geers Langhornfalter (Nemophora degeerella). Interessant ist, dass diese Raupen welkes, feuchtes Falllaub aus dem Vorjahr fressen! Es gibt wirklich auf ALLES eine Spezialisierung von irgendeinem Falter; außerdem zeigt es, dass es gut ist, etwas Laub im Garten herumliegen zu haben.
  3. Wer es kennt, erkennt es sofort: Die Raupe vom Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae), die hauptsächlich am Gewöhnlichen Hornklee frisst. Interessant ist, dass sich Widderchen nicht einfach so verpuppen, sondern sich vorher einen Kokon spinnen.
  4. Ein Scheckenfalter am Großen Ehrenpreis – passenderweise ist es der Ehrenpreis-Scheckenfalter (Melitaea aurelia). Ganz so leicht ist es mit der Bestimmung nicht, denn die berüchtigte 3er-Bande aus M. aurelia/athalia/britomartis erfordert schon Kenntnis, Geduld und gute Literatur zur korrekten Bestimmung; mitunter geistert auch die Aussage herum, dass man die Arten morphologisch nicht sauber trennen könnte, was so einfach nicht stimmt. Neben dem Habitat, gibt eine ganze Menge Unterscheidungsmerkmale, für die man die Falter in die Hand nehmen oder von allen Seiten detailliert fotografieren sollte. Das Helmholtz-Zentrum hat für das Tagfalter–Monitoring wirklich hervorragende Diagnosetafeln erstellt. Die Art fliegt auf offenen (Kalk-)Magerrasen, die nicht zu stark verbuscht sind und wo sich die Raupen von Wegerich-Arten als auch Zottigem Klappertopf und Großem Ehrenpreis ernähren können.
  5. Ein schönes Beispiel für die Schönheit heimischer Stauden und leider auch deren Rückgang, ist der Große Ehrenpreis (Veronica teucrium) – warum pflanzen Leute nicht so etwas in ihren Garten? Der Große Ehrenpreis sieht nicht nur hübsch aus und wird sehr gerne von Insekten besucht, er ist zudem Raupenentwicklungspflanze einiger seltener Arten.
  6. 9 Individuen habe ich recht nah beieinander auf, um und in Schlehengebüsch gefunden. Das Verhalten würde auch zum Nierenfleck-Zipfelfalter passen, aber als sie dann doch mal geruht haben, war klar, dass es Pflaumen-Zipfelfalter (Satyrium pruni) sind. Die Schlehe ist dort ihre Eiablage- und Raupenfutterpflanze, was wenig überrascht – die Schlehe ist ja die Stammform der Pflaume. Beim Nektarbesuch ist der Falter nicht wirklich oft anzutreffen, da hilft ein Blick in und auf die Sträucher schon eher.
  7. Im gleichen Gebiet, wo ich auf den Ehrenpreis-Scheckenfalter (Melitaea aurelia) hatte, waren auch die Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea athalia) unterwegs. Alles, was ich zur Bestimmung im anderen Beitrag geschrieben habe, trifft auch hier zu und dass beide Arten in guten Biotopen syntop fliegen, ist gar nicht ungewöhnlich. Der Falter fliegt gerne auf offenen und trockenen Standorten wie mageren Halbtrockenrasen; dort fressen die Raupen am liebsten an Spitzwegerich und Mittleren Wegerich, aber auch an Leinkraut, Großen Ehrenpreis, Augentrost, Arznei-Baldrian u.a. Es scheint deutliche regionale Präferenzen zu geben bzw. regionale Spezialisierungen auf eine bestimmte der erwähnten Pflanzen, wie dies auch schon bei anderen Faltern beobachtet wurde.

Anfang Juni vor dem Makro

Im heutigen Beitrag zeige ich auch wieder ganz aktuelle Fotos, die „nebenbei“ bei einer Artenkartierung in einem strukturreichen, halboffenen Waldstück und einer Magerwiese entstanden sind.

  1. Fleißig dabei, um den Fortbestand ihrer Art zu sichern, waren diese beiden Huflattich-Wickler (Epiblema sticticana), von denen an diesem Tag auch einige unterwegs waren. Die Raupen so gut wie ausschließlich an und von Huflattich, der im Gebiet in großen Mengen vorkommt. Kniffelig ist die rein äußerliche Unterscheidung zur Verwechslungsart Epiblema cirsiana.
  2. Eine hübsche Überraschung hat sich auf sandigen Waldwegen auf einer Lichtung bzw. Kahlschlagsfläche gezeigt: Hier haben sich Feld-Sandlaufkäfer (Cicindela campestris) wohlgefühlt. In unseren stark anthropogen beeinflussten Breiten, funktioniert das „Natur Natur sein lassen“ leider nicht mehr, da wir bereits zuviele Schlüsselarten aus den Ökosystemen entfernt haben. Das führt zu der Situation, dass es eben auch menschliche Eingriffe sein können – teils müssen – die vielen Arten ein Habitat bieten; eben wie offen geschlagene Flächen im Wald oder (unbefestigte!) Wege.
  3. Mit einer sehr hübschen Zeichnung ist die Gelblinien-Spannereule (Trisateles emortualis) aufgefallen. Der Trivialname deutet es schon an: Es ist ein Eulenfalter (Noctuidae), der wie ein Spanner (Geometridae) aussieht und zwar nicht nur auf den ersten Blick! Etwas deutlicher und klarer ist die Familienzugehörigkeit dann beim Blick auf die Raupen.
  4. Na, wer hüpft denn da herum? Zur exakten Bestimmung musste ich das kleine Kerlchen dann doch mal fangen, was doch nicht ganz so einfach war, so klein, glitschig und flink wie er war. Nach Rücksprache mit einem Amphibienexperten sind wir dann bei einem subadulten Grasfrosch gelandet. Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte das nur ein Gähnen bei Naturfreunden, Gartenbesitzern, Landwirten oder Amphibienexperten hervorgerufen – sind sie zu früheren Zeiten in regelrechten Massen und 3-stelligen Zahlen über Äcker und Wiesen (Name) gewandert. Anno 2026 ist jedes einzelne Individuum schon eine kleine Sensation.
  5. Hier hat sich jemand eine Bude gebaut Klassischer Raupensack eines Rauch-Sackträgers, aber der hier ist mir aus mehreren Gründen besonders ins Auge gefallen: Er war deutlich größer als die üblichen vom Kleinen Rauch-Sackträger (Psyche casta) und hing auch anders da; so am Blatt mitten im Wald. Mit gemessenen 13-14mm ist die Bestimmung auch abgesichert, es ist der Große Rauch-Sackträger (Psyche crassiorella). In den Raupensäcken leben und überwinternd die Raupen; die Männchen schlüpfen als winzige, wuschelige schwarze Schmetterlinge, während das Weibchen als Art Raupe als Stubenhocker in der Bude bleibt.
  6. Was für eine hübsch gezeichnete Federmotte haben wir denn hier! Und endlich mal schön in einer natürlichen Umgebung für ein hübsches Foto. Es handelt sich um Platyptilia gonodactyla mit dem wenig etablierten Trivialnamen Habichtskraut-Federmotte. Bei Kleinschmetterlingen sollte man bei der Verwendung der Trivialnamen aufpassen; so werden hin- und wieder vollkommen anderen Federmotten auch unter diesem Namen geführt. Bei der Bestimmung sollte man auch wissen, was man tut und besonders detaillierte Aufnahmen von u.a. den Federn machen – dort liegt in der schwarzen Zeichnung die morphologische Unterscheidung zur Zwillingsart Platyptilia nemoralis. Die Raupen unserer Art leben an Huflattich und Pestwurz.
  7. Hier haben wir…nein, nicht den Goldzünsler, sondern den Purpurroten Zünsler (Pyrausta purpuralis) (siehe Lepiforum). Wichtig bei diesen Artkomplexen, die alle recht variabel und ähnlich aussehen, ist u.a. der Verlauf der gelben Linie auf den Vorderflügeloberseiten sowie deren relative auslaufende Position im Verhältnis zur Position der Mittelinie der Hinterflügeloberseiten. Also Augen auf!
  8. Wenn es lange Fühler hat, muss ich es mir auf jeden Fall ansehen – es hat schon etwas ulkiges. Unzweifelhaft sitzt hier ein Bockkäfer, genauer gesagt, ist es der Scheckhorn-Distelbock (Agapanthia villosoviridescens). Die Larven entwickeln sich in den Stängeln typischer als „Unkraut“ verpöhnten Pflanzen wie Brennnessel und den namensgebenden Disteln. Wer also ein Insektenhotel bauen will: Kratzdisteln pflanzen oder stehen lassen, fertig. Schmetterlingsraupen fressen die Blätter, Wildbienen und Falter besuchen die Blüten, Stieglitze und andere Vögel fressen die Distelsamen. Bei diesem Kommen und Gehen passt der Begriff „Hotel“ schon besser.
  9. Dieser Schöne Marienkäfer ist der…nunja… Schöne Marienkäfer (Sospita vigintiguttata). Die frisch geschlüpften Imagines zeigen sich noch mit weißen Punkten, die mit dem Alter nachdunkeln und sich ins Gelblich-Orange färben. Die Art ist recht verbreitet, kommt aber überall nur selten und vereinzelt vor.
  10. Vielleicht kennt sie der ein oder andere Gärtner, wenn er oder sie so etwas wie Pastinak, Fenchel oder Dill hat oder Wilde Möhre wachsen lässt. Hier hat sich die Raupe von Wiesen-Silau, auch Wiesen-Silge, (Silaum silaus) ernährt. Es ist natürlich die Raupe vom wunderschönen Schwalbenschwanz (Papilio machaon), die noch in einem jungen Stadium is(s)t. Theoretisch könnte man den Falter auf jeder Wiese bis in den Stadtbereich hinein beobachten, aber die Grünflächenämter – wie bei mir in Rudolstadt – arbeiten unermüdlich daran, möglichst jede Raupe, Ei und Nahrungspflanze abzumähen und eine Art afrikanische Steppe zu hinterlassen.
  11. Von dieser Art, dem Schwarzbraunbinden-Blattspanner (Xanthorhoe montanata), hatten wir gleich mehrere Individuen gefunden. Es zeigt einmal mehr wie wertvoll solche Zufallssichtungen von Nachtfaltern am Tag sind: Trotz systematischer Erfassung an zig Standorten im ganzen Umland, hatten wir die Art noch nie am Licht. Dafür schon mehrmals am Tag, u.a. auch bei Urlaubstouren in der Eifel und im Berchtesgadener Land. Daher gilt auch folgendes an alle Naturfreunde und Artenkenner: Meldet doch mal bitte eure Funde auch Was nicht gemeldet wird und nicht erfasst ist, existiert auch nicht – zumindest nicht für Behörden und co.
  12. Achja, die Langhornmotten (Adelidae) sind immer wieder so lustig mit ihren namensgebenden langen Fühlern. Hier ist es die Skabiosen-Langhornmotte (Nemophora metallica), die mit einigen Individuen die Wiesen-Witwenblumen (Knautia arvensis) an dem Tag besiedelt hat.

Orchideen und weitere besondere Pflanzen im NSG

Anfang Mai haben sich in einem Naturschutzgebiet um die Ecke einige schöne Pflanzen in einem kalkreichen Orchideen-Rotbuchenwald sehen lassen.

  1. Man erkennt sofort einen Vertreter der Ragwurzen; eine Orchideen-Gattung, die mit ihrer Blüte – immer eine Imitation eines weiblichen Insekts, hier Fliegen – die Herren der jeweiligen Art wuschig machen wollen. Damit ist auch die Art bestimmt, es die Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera). Während die 6-beinigen Kerlchen dann denken, sie kämen zum Zuge, tun sie der Orchidee einen gefallen, da sie beim „Begatten“ der Blüte Pollen mitnehmen und woanders wieder abgeben. Von der Ragwurzen ist die Fliegen-Ragwurz am weitesten verbreitet, reagiert aber sehr empfindlich auf zu viel Nährstoffeintrag.
  2. Diese Pflanze mit den schönen samtigen Blüten trägt den tollen Namen Gewöhnliches Katzenpfötchen (Antennaria dioica). In Deutschland gilt die Art als gefährdet (Rote Liste 3), in Thüringen sogar als vom Aussterben bedroht (1)! Wie bei fast allen Pflanzen ist Nährstoffeintrag ein wichtiger Grund für die Gefährdung.
  3. Sozusagen das Busch-Windröschen im Maxiformat und etwas später mit er Blüte dran: Die Rote Liste Art Großes Windröschen (Anemonoides sylvestris). Die Art mag magere basische Böden (Kalk) und eher lichte halboffene Standorte wie Waldränder (wie hier) oder Randbereiche von Halbtrockenrasen.
  4. Eine wirklich schöne sowie üppig blühende Orchidee, ist das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea), was wir hier mit wenigen Individuen gefunden haben. Die Art mag es kalkreich und nährstoffarm und besiedelt Orte lichten Schattens, also offene Wälder oder leicht verbuschte Trockenrasen.
  5. Immer wieder einen Blick wert, sind die kleinen Kreuzblümchen-Arten, in dem Fall ist es das Schopf-Kreuzblümchen (Polygala comosa). Die auch Schopfige Kreuzblume genannte Art, mag nährstoffarme Kalk-Halbtrockenrasen und kommt im Süden häufiger als im Norden vor.
  6. Eine Orchidee, die wir in Massen jenseits von 200 Individuen gefunden haben, ist das Weiße Waldvöglein – ein typischer Besiedler des Lebensraumtyps Orchideen-Rotbuchenwälder und unter den Orchideen eine eher häufige Art. Das „häufig“ ist natürlich relativ zu sehen. Je nachdem wie Wälder bewirtschaftet werden, kann man sich auch jahrelang durch Wälder bewegen und keinen einzigen Vertreter dieser Art finden. Wichtig ist ein basischer, magerer Grund, auf den ausreichend Licht fällt. Also in wirklich allem das exakte Gegenteil der in Thüringen eingeführten und weit verbreiteten Kiefern-, Douglasien- und Fichtenforste, denen zum Glück der Borkenkäfer den Garaus macht!

Gewöhnliche und außergewöhnliche Pflanzen der letzten Tage

Aktuelle Fotos von Mitte April zeigen einige Pflanzen in der Umgebung von Rotbuchen-Orchideenwäldern, Muschelkalk-Halbtrockenrasen und Muschelkalk-Berghängen.

  1. Traubenhyazinthen kennt wohl jeder, aber die Mühe mit der genauen Bestimmung machen sich wohl nur die wenigsten. Wir haben einige heimische, teils seltene Arten, in Deutschland, meist findet man jedoch nur Garten- und Parkflüchtlinge wie hier die Armenische Traubenhyazinthe (Muscari armeniacum). Einen praxisnahen und intuitiv zu bedienenden Bestimmungsschlüssel gibt es von Klaus Adolphi & Claus Mückschel hier: Hinweise zur Bestimmung und Kartierung von Muscari-Arten.
  2. Ein sehr interessanter und spezieller Fund war dieser weißblühende Kreuzblütler, den wir an Muschelkalk-Berghängen am Rand eines Orchideen-Rotbuchenwaldes auf einer Bergkuppe gefunden haben: Berg-Hellerkraut (Noccaea montana). Die Art ist sowohl in Thüringen, Deutschland sowie im gesamten Verbreitungsgebiet in Mitteleuropa sehr lückig, verstreut und selten vorkommend und steht auch auf der Roten Liste DE und TH auf der 3.
  3. Echtes Kopfzerbrechen hat mir wieder einmal der Fund eines Kreuzblümchens (Polygala spec.) bereitet. Nach der Freude über den Fund, erwies sich die Bestimmung bis auf Artebene als wieder einmal sehr schwierig, obwohl diese Gattung in Deutschland sehr artenarm ist. Dank der Mithilfe zwei engagierter Botaniker sind wir nun also beim Sumpf-Kreuzblümchen (Polygala amarella). Das klingt etwas ulkig an einem Trockenrasen-Hang, aber die Art besiedelt wohl tatsächlich auch mal gegenteilige Habitate. Ähnlich ging es mir schon einmal mit einem Faulbaum auf einem xerothermen Kalk-Trocken-Schuttrasen; bekannter ist das Phänomen auch bei Eschen, die ja eigentlich Auwald-Gewächse sind, aber manche Sippen dann trockene Standorte besiedeln.
  4. In einem waldigen Bereich hat sich dann noch der vorjährige Fruchtstand einer gar nicht so seltenen Orchidee gezeigt: Die Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis), deren vertrocknete Brauntöne auch mitten zur Vegetationsperiode nicht wirklich anders aussehen und die daher sicher oft übersehen wird.

Kleiner grüner Drache

Ende März ging mir ein kleiner Drache vors Makro-Objektiv

Es ist ja gemeinhin bekannt (oder?), dass sich männliche Zauneidechsen durch ihre grünliche Färbung an Kopf, Bauch und Flanken hervortun, während die Weibchen gänzlich so bräunlich gefärbt sind wie beim Männchen der Rücken. Das stimmt so aber nur mit der Einschränkung >Paarungszeit im Frühjahr<. Ab Spätsommer sind auch die Männchen bräunlich gefärbt.

Zur Paarung im Frühling (März bis Mai) gehört der Paarungs- bzw. Flankenbiss dazu: Das Männchen hält sich mittels Biss am Weibchen fest und beißt sich auf diese Weise immer weiter nach vorn am Körper, bis es zur Kopulation kommt. Zu Verletzungen kommt es dabei i.d.R. nicht.

Besondere Frühblüher

Jetzt Ende März gab es bei mir in der Gegend einige schöne, interessante und teils auch seltene Frühblüher zu entdecken.

  1. Die Gewöhnliche Pestwurz (Petasites hybridus) fällt mit ihren dichten lila-rosa Traubenblüten auf. Man findet sie da, wo es schön nass ist: an Ufern von Fließgewässern, Feuchtwiesen, Auenlandschaften und sickerfeuchten Böden. Nach der Blüte erscheinen dann die sehr markanten sowie auffälligen riesigen Blättern, die man bei Ausmaßen von 60x100cm glatt mal als Regenschirm-Ersatz benutzen könnte Wie viele Arten mit traubig übereinander stehenden Blüten, blühen diese nacheinander von oben nach unten auf, um sich nicht selbst zu bestäuben – das kann man gut an den beiden verschiedenen Individuen sehen, die einen Unterschiedlichen Blütenstand zeigen. Das zweite Bild der jüngeren Pestwurz wurde von meiner Partnerin fotografiert.
  2. Hier sieht man, noch von der vorherigen Saison, eine Gewöhnliche Golddistel (Carlina vulgaris), auch Kleine Eberwurz genannt. Die eher kleine, wenig auffällige Pflanze wächst auf Mager- und Halbtrockenrasen und hat es gern kalkig. Das 2. Bild der Golddistel zeigt, warum es so wichtig ist, den Winter über verblühte und vertrocknete Stauden stehen zu lassen: Hier überwintern bspw. Siebenpunkt-Marienkäfer.
  3. Ein echtes Highlight im März und April ist die hier wachsende Kuhschelle bzw. Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), die in der Roten Liste Deutschlands als gefährdet (3) eingestuft ist. Die Art mag es wie alle seltenen Pflanzen mager und wächst eher auf trockenen, warmen sowie kalkhaltigen Böden.
  4. Ein schöner Fund auf einem Kalk-Halbtrockenrasen am Waldrand war dieses besondere Veilchen, was durch folgende Merkmale aufgefallen ist: farbschwache Blütenblätter, einreihige behaarte Stängel, große trichterförmige Blätter sowie ein sehr langer, spitzer und heller Sporn hinter der Blüte. Es handelt sich um das seltene und sehr lückig verbreitete Wunder-Veilchen (Viola mirabilis).