Schöner Fund: Moorfrosch

Einer von vielen schönen Funden im ungarischen Moorwald, war der Moorfrosch Ende Mai. Er gehört wie Gras- und Springfrosch zu den Braunfröschen; die Bestimmung kann unter Umständen etwas kniffelig sein. Das Schnauzenprofil ist etwas spitzer als beim Grasfrosch, aber weniger spitz als beim Springfrosch. Die Drüsenleisten auf dem Rücken sind meist deutlich zu sehen, ein unsicheres Merkmal ist der kontrastreich gezeichnete Kopf.

Der Moorfrosch lebt vor allem im Flachland und besiedelt neben den namensgebenden Niedermooren und Randbereichen von Hochmooren, auch Feuchtwiesen, Auwälder und generell Lebensräume mit hohem Grundwasserstand. Wichtig sind ihm strukturreiche Lebensräume und besonnte Uferbereiche.

Die bekannte Blaufärbung der Art betrifft nur die Männchen und das auch nur zu einer recht kurzen Zeit zur Balz im Frühjahr.

Wollige Flieger

So wie man die letzten Tage Anfang April doch nochmal den Pullover drüber ziehen konnte, zeigen sich auch einige der frühen Insekten schön bepelzt.

  1. Die beiden Fotos mit dem Löwenzahnbesucher zeigen eine Graue Sandbiene, auch Grauschwarze Düsterbiene (Andrena cineraria) genannt. Sie ist nicht nur eine früh fliegende, sondern auch recht häufige Art, da sich ökologisch zu den Generalisten gehört. Wie die meisten Solitärbienen, legt sie ihre Brutstätten im (sandigen) Boden an. Wie bei Wildbienen quasi Standard gibt es auch hier Verwechslungsarten, wobei es für Wildbienenverhältnisse relativ einfach ist, diese auseinanderzuhalten: Andrena barbarae zeigt dunklere Flügel und keine schwarze Thoraxbinde und die Weidensandbiene (Andrena vaga) weist ebenfalls keine dunkle Binde auf.
  2. Die Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius) war 2023 Wildbiene des Jahres und fliegt bereits sehr früh – nämlich ab März. Die Brutgänge im Sandboden werden bei allen Arten der Gattung mit Sekreten aus mehreren Drüsenseidig ausgekleidet – Daher auch der Gattungsname. Die Art holt sich ihren Pollen und Nektar bevorzugt von verschiedenen Weiden-Arten, was zu ihrer frühen Flugzeit passt.
  3. Kein Hautflügler wie die beiden Bienen der anderen Beiträge, sondern ein Zweiflügler – sprich Fliege – ist der wollige Kumpel hier: Der Große Wollschweber (Bombylius major). Das fliegende Wolllknäuel passt aber ganz wunderbar in die Beitragsreihe mit den Bienen, da er Wildbienen parasitiert. Die Eier werden an die Niströhren der Wirtsbienen gelegt und die Larven krabbeln dann zur Bienenbrut und leben von dieser – die Imagines, also ausgewachsenen Wollis – ernähren sich dagegen von Nektar. Diese parasitäre Lebensweise macht sie weder gefährlich für Bienen noch böse, sondern die Wollis sind eines von vielen Zahnrädchen, dass dafür sorgt, dass das Ökosystem im Gleichgewicht bleibt. Die Geschichte ist damit außerdem noch nicht zu Ende, denn die Wolli-Larven wiederum können selbst als Wirte dienen und von Schlupfwespen parasitiert werden! Das ganze Spektakel nennt man dann Hyperparasitismus.

Blindschleiche klein und groß

Die bis zu 22cm lange Blindschleiche ist keine Schlange, schaut euch mal das Köpfchen und die Augen an. Das Reptil gehört zu den Schleichen und ist in Deutschland der einzige Vertreter der Familie. Blind sind sie natürlich nicht, hier ist es so, dass „blind“ wohl aus dem Altdeutschen kommt und so etwas wie „blendend/glänzend“ heißt und sich auf die glatte Schuppenhaut bezieht.

Interessant ist, dass neue genetische Untersuchungen das Taxon Blindschleiche in Europa in mittlerweile in 5 Arten unterteilt haben; die in Deutschland anzutreffende Art ist damit neuerdings die Westliche Blindschleiche (Anguis fragilis). Der Grund, dass dies erst die letzten Jahre aufgefallen ist, liegt daran, dass die Arten morphologisch schwer bis kaum zu unterscheiden sind, während die Genetik auf deutliche Unterschiede hinweist.

Und etwas anderes interessantes, aber deutlich offensichtlicheres ist die wunderschöne Färbung und Zeichnung, welche die Jungtiere aufweisen. Auf den Fotos von Ende März seht ihr ein Jungtier und ausgewachsenes Individuum.

Kleiner grüner Drache

Ende März ging mir ein kleiner Drache vors Makro-Objektiv

Es ist ja gemeinhin bekannt (oder?), dass sich männliche Zauneidechsen durch ihre grünliche Färbung an Kopf, Bauch und Flanken hervortun, während die Weibchen gänzlich so bräunlich gefärbt sind wie beim Männchen der Rücken. Das stimmt so aber nur mit der Einschränkung >Paarungszeit im Frühjahr<. Ab Spätsommer sind auch die Männchen bräunlich gefärbt.

Zur Paarung im Frühling (März bis Mai) gehört der Paarungs- bzw. Flankenbiss dazu: Das Männchen hält sich mittels Biss am Weibchen fest und beißt sich auf diese Weise immer weiter nach vorn am Körper, bis es zur Kopulation kommt. Zu Verletzungen kommt es dabei i.d.R. nicht.

Schöner Zufallsfund und schöner Bär

Die Tage haben wir im Zuge des Moduls Spechtmonitorung des MsB in einem SPA und NSG-Wald einen schönen Zufallsfund gemacht: Die überwinternde Raupe des Schönbären (Callimorpha dominula), ein Vertreter aus der Familie der Erebidae, der zu den Bärenspinnern (Arctiinae) gehört. In der Roten Liste für Thüringen ist die Art nicht geführt, wir hatten ihn aber nur exakt einmal im Juni am Licht und auch nur an einem der vielen Orte, die wir kartieren; im Gegensatz zum verwandten Russischen Bären (Euplagia quadripunctaria), den man quasi überall finden kann. Der Raupenfund ist ein schönes Beispiel zur Wichtigkeit von Zufallsfunden, systematische oder ortsgebundene Kartierungen können nicht alles abdecken. Daher ist auch wichtig, dass Artenkenner und Naturbeobachter ihre Daten auch eintragen, daran hapert es leider oft.

Die Art bzw. deren Raupen ernähren sich polyphag von vielen verschiedenen Kräutern, Stauden, Sträuchern und Laubgehölzen; darunter Himbeere, Brennnessel, Greiskräuter usw. Als Habitat im Wald bevorzugen sie vor allem feuchte, strukturreiche Stellen mit viel Unterwuchs auf Lichtungen, Schluchten, Randstrukturen.

Damit ihr auch seht, warum die Art ihren schönen Namen hat, habe ich noch zwei ältere Fotos von unserem Lichtfang beigefügt

Besondere Frühblüher

Jetzt Ende März gab es bei mir in der Gegend einige schöne, interessante und teils auch seltene Frühblüher zu entdecken.

  1. Die Gewöhnliche Pestwurz (Petasites hybridus) fällt mit ihren dichten lila-rosa Traubenblüten auf. Man findet sie da, wo es schön nass ist: an Ufern von Fließgewässern, Feuchtwiesen, Auenlandschaften und sickerfeuchten Böden. Nach der Blüte erscheinen dann die sehr markanten sowie auffälligen riesigen Blättern, die man bei Ausmaßen von 60x100cm glatt mal als Regenschirm-Ersatz benutzen könnte Wie viele Arten mit traubig übereinander stehenden Blüten, blühen diese nacheinander von oben nach unten auf, um sich nicht selbst zu bestäuben – das kann man gut an den beiden verschiedenen Individuen sehen, die einen Unterschiedlichen Blütenstand zeigen. Das zweite Bild der jüngeren Pestwurz wurde von meiner Partnerin fotografiert.
  2. Hier sieht man, noch von der vorherigen Saison, eine Gewöhnliche Golddistel (Carlina vulgaris), auch Kleine Eberwurz genannt. Die eher kleine, wenig auffällige Pflanze wächst auf Mager- und Halbtrockenrasen und hat es gern kalkig. Das 2. Bild der Golddistel zeigt, warum es so wichtig ist, den Winter über verblühte und vertrocknete Stauden stehen zu lassen: Hier überwintern bspw. Siebenpunkt-Marienkäfer.
  3. Ein echtes Highlight im März und April ist die hier wachsende Kuhschelle bzw. Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), die in der Roten Liste Deutschlands als gefährdet (3) eingestuft ist. Die Art mag es wie alle seltenen Pflanzen mager und wächst eher auf trockenen, warmen sowie kalkhaltigen Böden.
  4. Ein schöner Fund auf einem Kalk-Halbtrockenrasen am Waldrand war dieses besondere Veilchen, was durch folgende Merkmale aufgefallen ist: farbschwache Blütenblätter, einreihige behaarte Stängel, große trichterförmige Blätter sowie ein sehr langer, spitzer und heller Sporn hinter der Blüte. Es handelt sich um das seltene und sehr lückig verbreitete Wunder-Veilchen (Viola mirabilis).

Die Libellen waren los

Heute wieder ein Rückblick zu unserem Neusiedler-See Urlaub, bei dem wir Ende Mai einen Abstecher in einen ungarischen Moorwald unternommen haben. Neben unzähligen anderen Arten, haben wir 10 Libellenarten an dem Tag bestimmt; vom Spitzenfleck, Große Königslibelle, Großen Pechlibelle und der Südlichen Mosaikjungfer habe ich nur Belegfotos angefertigt, die anderen Arten haben es auf recht ansehbare Fotos geschafft.

  1. Die Blaue Federlibelle (Platycnemis pennipes) ist nicht immer blau gefärbt wie man sehen kann: hierbei handelt es sich um ein juveniles Weibchen, was sich gerade ausfärbt und noch in einer Übergangsmorphe ist. Die zierliche Art ist häufig und weit verbreitet.
  2. Auch männliche Vertreter dieser Art zeigen nicht immer das typische Erscheinungsbild; ähnlich wie auch bei den Vögeln, ähneln viele junge Männchen den Weibchen. Hier ist eine sehr junge männliche Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) zu sehen. Die Unterscheidung des Geschlechts erfolgt über strukturelle physiologische Merkmale wie die Hinterleibsanhänge oder aber der bei Männchen arttypisch und keulenförmig verbreitete hintere Abdomenteil. Die folgenden 3 Fotos einer gelblichen Großlibelle zeigen dann ein juveniles Weibchen.
  3. So eine prächtige Libelle trägt auch einen passenden Namen: Es ist ein Männchen der Gebänderten Prachtlibelle (Calopteryx splendens). Wichtig ist, wenn man schon Trivialnamen nutzt, diese auch richtig zu nutzen: So ist oft nur von „der Prachtlibelle“ die Rede, dabei haben wir in Mitteleuropa ja 2 Prachtlibellen-Arten. Die Art ist eher selten Stillgewässern zu finden, sondern hauptsächlich an sauberen Fließgewässern mit ausreichend Ufervegetation.
  4. Eine Moosjungfer zu finden und beobachten zu können, ist immer ein freudiges Ergebnis, alle Arten der Gattung sind sehr lückenhaft verbreitet – Dazu kommt dieses markante und wunderschöne Aussehen mit gelb-roten Zeichnungen auf schwarzem Körper wie hier bei der Großen Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis). Das „Moos“ im Trivialnamen (=Moor) trifft so einigermaßen zu: Die Große Moosjungfer ist tatsächlich in Hoch- und Übergangsmooren zu finden, aber auch an deren feuchten Rändern, Waldweihern, Kleingewässern und teilweise in Auenlandschaften. Wichtig sind ihr kleine, organische sonnenexponierte Gewässer, die allerdings nicht austrocknen sollten. Bild 1 der 3er-Reihe zeigt ein adultes Männchen (über einem Weibchen) und die anderen beiden Bilder zeigen jeweils ein adultes Weibchen. Wundervoll oder?
  5. Beim Großen Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), dem häufigsten Vertreter der Gattung, sollte man sich auch nicht vom Namen irreführen lassen: adulte Männchen tragen das namensgebende Blau, aber weder juvenile Männchen noch juvenile Weibchen – so wie dieses auf dem ersten Bild, während Bild 2 das typische Männchen zeigt. Die Weibchen dunkeln im Alter nach und das warme Gelb weicht eher einem gedeckten gelb-grau-Ton.
  6. Die Art ist so etwas wie die Kohlmeise unter den Libellen und praktisch überall und das auch in größerer Zahl zu finden: Die Hufeisen-Azurjungfer. Das skurril anmutende Bild zeigt 2 Pärchen beim Tandem während der Eiablage. Man sieht wie die Weibchen (unten) ihren Hinterleib ins Wasser halten, um die Eier zu legen. Das Festhalten der Männchen soll sicherstellen, dass ihre Herzensdamen nicht noch auf andere Ideen kommen Interessant, dass jede Libellenart ihre eigene Variante der Eiablage hat: Mal im Tandem, mal ohne, mal die Eier aus Luft ins Wasser geworfen, mal direkt in pflanzen, mal während des Schwirrfluges sanft ins Wasser gelegt, mal beim Festhalten an Vegetation ins Wasser gelegt usw.

Anderer Blickwinkel

Einige Arten sind aus naheliegenden und verständlichen Gründen eher unbeliebt, wie bspw. der Apfelwickler (Cydia pomonella), der meist der Übeltäter ist, wenn ein „Wurm“ im Apfel ist. Das ist dann also eine Schmetterlingsraupe. Beim erwachsenen Falter, hat sich bei der Fotosession aber gezeigt, was für schöne Details in der Makroaufnahmen zum Vorschein kommen – so wie auch bei vielen anderen Kleinschmetterlingen. Interessant ist ebenfalls die außergewöhnliche frühe Flugzeit im März.

Der Apfelwickler hat aber auch viele natürliche Feinde wie bspw. Schlupfwespen, welche die Eier parasitieren oder aber Vögel, welche die zwischen der Borke im Kokon überwinternden Larven suchen und aufpicken.

Wenn einem also im Herbst beim Biss in den Gartenapfel ein „Würmchen“ ärgert, dann tröstet vielleicht der Blick auf den hübschen Falter etwas

Da ist er also!

Inspiriert durch die Videos vom guten Toni Kasiske, schaue ich mir auch immer mal die schönen Zitter-Pappeln an, ob ich u.a. an Astverdickungen Schlupflöcher vom Espen-Glasflügler (Sesia melanocephala) finde.

Das ist meist recht schwierig, da entsprechende Äste hoch hängen, die Zitterpappel zu jung ist oder auch in Ermangelung des Baums.

Hier hat es neulich endlich mal geklappt, was auch der Tatsache geschuldet war, dass ich durch den steilen Hang quasi von oben nach unten gucken konnte – und im reichen Espen-Bestand, gab es auch reichlich Funde vom Falter bzw. seiner Spuren!

Die Glasflügler (Sesiidae) sind eine Familie von wirklich kleinen und – außer mit Pheromonen – schwer zu beobachtenden Faltern, die mit ihrer Bienen- und Wespen-Mimikry im Vorbeiflug wahrscheinlich auch oft für eben diese gehalten werden.

Fundort war am Waldrand an einem Graben mit Weichholz-Aue, Fotos leider nur mit dem Handy.

Erster Leucht- und Köderabend für 2026

Die Woche ging es für uns mit der ersten Nachtfalterkartierung für dieses Jahr los; die Bedingungen waren für diese wechselhafte Zeit gut und die Temperatur mild. In dem Biotop, das ich betreue, finden sich Halbtrockenrasen auf Muschelkalk, Edellaubmischwälder und Gebüschsäume.

Endlich hat sich uns auch mal der markante Frühlings-Kreuzflügel (Alsophila aescularia) gezeigt. Gelbfühler-Dickleibspanner (Apocheima hispidaria), Pappel-Dickleibspanner (Biston strataria) sowie die häufige Kieferneule (Panolis flammea), waren besonders attraktive Arten. Ein schöner und hübscher Fund war auch der Violettbraune Rosen-Blattspanner (Earophila badiata) und das Highlight in Bezug auf Seltenheit: Gestrichelter Lappenspanner (Trichopteryx polycommata), der steht in Deutschland auf der Vorwarnliste in Thüringen sogar auf der 2 als stark gefährdet.

Die Arten profitieren von der mosaikarten Landschaft aus vielen Habitatübergängen und einer Menge heimischer Gehölze wie Gew. Liguster, Gew. Schlehe, Stiel-Eichen, verschiedenen Wild-Rosen, usw.