Kleiner Eisvogel in Fotolaune

Im Wald in unmittelbarer Nähe eines Kalkflachmoors und Feuchtwiesen, sind entlang von Waldwegen und lichten Stellen Unmengen dieses Wald-Tagfalters geflogen, den man sonst höchstens mal vereinzelt antrifft: Der Kleine Eisvogel (Limenitis camilla).

Die Art erreicht eine Flügelspannweite von 45-52mm und ist damit etwas kleiner als der Kaisermantel. Die Raupen entwickeln sich an Roter Heckenkirsche, an denen man sie im Winter auch im Hibernarium, einer selbst gesponnenen Blatttüte, finden kann. Auf Blüten findet man sie nicht so häufig, dafür aber gerne auf Waldwegen oder Kot sitzend – Dort holen sie sich Minerale oder saugen die zuckerhaltigen Ausscheidungen von Blattläusen auf. Die Männchen dieser Art gehören mit zu den Tagfaltern, die durch ein Revier patrouillieren, um Konkurrenten fernzuhalten und Weibchen zu finden. Daher findet man sie oft wie sie Waldwege oder -säume entlang fliegen.

Winzige Falter, kleine besondere Eier und die heimische Goldrute

  1. Auf dem bei Insekten beliebten Rainfarn, saß ein Vertreter der kleinen Spreizflügelfalter (Choreutidae), der Brennnessel-Spreizflügler (Anthophila fabriciana) mit seinem recht variablen Erscheinungsbild.Die Blütenköpfchen des Rainfarns sind ja ein vertrauter Anblick, so dass sich jeder selbst zusammenreimen kann wie winzig diese Falterchen sind. Obwohl die Art tagaktiv und nicht selten ist und oft beim Blütenbesuch zugange ist, wird sie auf Grund ihrer Größe oft übersehen.
  2. Gezielt habe ich in einem bekannten Vorkommensgebiet an südexponierten xerothermen Schieferhängen in Gewässernähe nach Nachweisen vom seltenen und gefährdeten (RL: 1) Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion) gesucht. Imagines und Raupen waren nicht zu sehen, aber dafür knapp 50 Eier + einige leere Eihüllen! Und zwar an seiner lokalen Lieblingspflanze, die Große Fetthenne in der Unterart Hylotelephium telephium maximum. Die Bedrohungsursachen kann man in den entsprechenden Habitaten oft ohne Umwege sehen: Oft wuchernde und invasive Robinien, hier die ebenfalls invasiven Walnussbäume sowie die allgemeine Sukzession, die noch durch die Eutrophierung der Landschaft beschleunigt wird.
  3. Schon interessant: Jeder kennt die Kanadische Goldrute; klar sie steht nicht nur in Gärten, sie überwuchert auch ganze Wiesen und Naturschutzgebiete, degradiert die Artenvielfalt und trotzdem kann man sie überall kaufen. Was weniger bekannt ist: Wir haben auch eine heimische Goldrute, die Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea). Bei der Auswahl an Pflanzen in Gärtnereien, könnte man meinen, dass die Verantwortlichen bereits alle 3.000 mitteleuropäischen Blühpflanzen kennen und für doof befunden haben, anders ist der unsere Natur schädigende Wahnsinn, der dort abläuft, wohl nicht zu erklären

Falter im Feuchtgebiet

Auf feuchten Bergwiesen in den Auen eines Baches, haben sich am Sonntag im Thüringer Schiefergebirge einige schöne Arten finden lassen. Von 3 der 120 erfassten Arten, zeige ich einige Fotos im heutigen Beitrag.

  1. Nicht unbedingt wie im Lehrbuch haben sich hier die Grünwidderchen gezeigt. Foto 1 zeigt ein stark abgeflogenes Männchen, das 2. Foto ein etwas abgeflogenes Weibchen, was im Licht eher blau als grün schimmerte. Die Bestimmung von Grünwidderchen ist so eine Sache…erst einmal zur Gattung: Adscita spec. zeigen dicke Fühlerspitzen, Jordanita spec. dagegen spitze Fühlerenden. Ohne Genitaluntersuchung geht es an der Stelle theoretisch nicht weiter, aber vom Vorkommensgebiet bleibt nur eine Art übrig, das ist das Ampfer-Grünwidderchen (Adscita statices).
  2. Immer ein schönes Erlebnis im Thüringer Schiefergebirge sind die Begegnungen mit dem attraktiven Dukaten-Feuerfalter (Lycaena virgaureae) – das Männchen mit leuchtend orangen Innenseiten, das Weibchen mit Punkten und Braunanteilen. Die Art lebt am Großem und Kleinem Sauerampfer und besiedelt magere, kalkarme Flächen in Mittelgebirgslagen, wo sie viele Blüten besucht. Hier waren es Gewöhnliche Schafgarbe und Rainfarn. Apropos Rainfarn: Beim letzten Foto hat sich unten rechts ein Gast aufs Bild geschlichen: Aller Wahrscheinlichkeit nach ein Weibchen der Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus). Sie bevorzugen Pollen von Korbblütlern und am liebsten tatsächlich vom Rainfarn. Allein eine einzige Staude an Rainfarn ist damit schon ein besseres Insektenhotel als der Quatsch, der einem in Baumarkt und co angedreht wird.
  3. Ein Kokon bzw. genauer gesagt, die eine leere Hülle davon, eine Exuvie also. Wer ist denn da geschlüpft? Auf den ersten Blick war klar, dass es sich um ein Widderchen handelt. Es wirkt kürzer als das übliche vom Sechsfleck-Widderchen, aber vor allem hingen die beiden gefunden Exuvien an Binsen auf einer moorigen Feuchtwiese, umgeben von großen Beständen Sumpf-Hornklee. Und damit sind wir beim Urheber: Hier sind die seltenen Sumpfhornklee-Widderchen (Zygaena trifoli) geschlüpft. Die Art steht in Thüringen auf der Roten Liste als 1 – vom Aussterben bedroht. Die Ursachen dürften niemanden überraschen: Trockenlegung von Feuchtgebieten, Umwandlung von wertvollem Feuchtgrünland in Intensiv-Landwirtschaftsflächen als auch Eutrophierung (Nährstoffeintrag).

Über Heinrich, seltene Libellen und kegelförmige Bienen

  1. Was man nicht alles so auf der Wiese am Waldrand findet, bspw. Heinrich, den Hirschkäfer Schon etwas müde und geschafft, hatte der klein…ääh große Kerl sichtlich Schwierigkeiten sich durch die Grashalme zu bewegen. Die Männchen sind unverkenn- und unverwechselbar, die Weibchen der Art erinnern an zu groß geratene Balkenschröter, mit denen sie oft verwechselt werden, zeigen aber auch diese lederfarbige Rotbraun der Flügeldecken – neben der auffallend Größe natürlich. Der Hirschkäfer ist eine tolle Art, um den Fokus beim Thema Insektenschutz mal wieder ein bisschen in die richtige Richtung nachzujustieren: Das Larvalstadium zieht sich für gewöhnlich über 5 bis 7 Jahre, im Extremfall sogar 8 Jahre! Während die erwachsenen Tiere wenige Wochen alt werden, wenn überhaupt. Und was brauchen die Larven? Totholz! Richtig viel, richtig dick und am besten schon etwas zersetzt, so dass sie im sogenannten Mulm leben und fressen können.
  2. Praktisch an der selben Pfütze in einem Tagebau, wo ich sie schon einmal beobachtet hatte, habe ich sie wiedergefunden: Sie in der Region sehr seltene Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio). Alle Bilder zeigen männliche Individuen, ein orangefarbiges Weibchen ist leider im Moment des Auslösens abgedüst. Deutlich häufiger ist die Zwillingsart, die Große Pechlibelle. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zeigt sich bei Männchen am 8. und 9. Segment des Abdomens: Das Segment 8 ist zur Hälfte schwarz gefüllt, das 9. ist blau. Bei der Großen Pechlibelle ist dagegen das 8. Segment komplett blau und sonst alles schwarz. Die Kleine Pechlibelle ist eine typische Pionierart, die stark besonnte und temporäre Kleingewässer (Pfützen, Fahrspuren, Tümpel, Mulden,…) an Ruderalstandorten u.ä. besiedelt.
  3. Im selben Tagebau wie die Kleine Pechlibelle, hat sich diese Besonderheit gezeigt: Ein junges, nicht ausgefärbtes Männchen des Kleinen Blaupfeils (Orthetrum coerulescens). Die wärmeliebende Art kommt in Deutschland nur sehr lückig und zerstreut vor. Zu ihren bevorzugten Biotoptypen langsam fließende Gewässer wie Quellmoore, Seeabflüsse, Gräben, kleine Wiesenbäche oder wie hier: Rinnsale in Tagebauen.
  4. Diese Biene mit dem proportional großen Dickkopf und dem nach hinten kegelartig kleiner werdenden Körper gehört passenderweise zur Gattung der Kegelbienen. Die Weibchen lassen sich besser bestimmen, wobei das Wildbienen genrell kein einfaches Thema ist, das hier sollte ein Männchen der Schuppenhaarigen Kegelbiene (Coelioxys afer) sein, das auf einer Wiesen-Flockenblume sitzt. Kegelbienen gehören verhaltensbiologisch zu den Kuckucksbienen, d.h. sie parasitieren andere Wildbienenarten und sind damit weder böse, noch unerwünscht – ganz im Gegenteil: Solche Arten tragen Sorge dafür, dass keine Art zu dominant auftreten oder bestehende Ressourcen einseitig ausnutzen kann. Außerdem zwingen sie ihre potentiellen Wirte damit zu der Anstrengung, stets im Sinne der Fitness angepasst zu sein und ein starkes, gesundes Genom (weiter)zuentwickeln. Parasitäre Arten sorgen also salopp gesagt dafür, dass alle anderen nicht zu träge werden und sich gehen lassen

Überraschung mitten am Tag

In einem der von mir betreuten Schutzgebiete wollen wir im Juli mal wieder Nachtfalter leuchten und kartieren und eine der Arten, die ich da hoffe zu finden, ist das Große Eichenkarmin (Catocala sponsa). Nun war ich die Tage in meinem anderen Gebiet unterwegs und nach ein paar nicht so schönen Sachen, haben dann doch zwei Dinge meine Laune gleich gehoben: Im angrenzenden Wald kam mir ein Russischer Bär (Euplagia quadripunctaria) entgegengeflogen und da flattert noch etwas, um einen Stamm, was sich anschließend augenscheinlich auf die Rückseite gesetzt hat. Ich dachte sofort an eines der Ordensbänder (Catocala spec.) und beim Blick darauf war gleich klar, dass es sich nicht um das übliche Rote Ordensband (C. nupta) handelte. Markant sind zum Einen die Vorderflügeloberseiten – diese sehen beim Kleinen Eichenkarmin (Catocala promissa) allerdings fast genauso aus. Bestimmungsrelevant ist die zur Mitte hin gezackte schwarze Mittelbinde auf den roten Hinterflügeloberseiten.

Tatsächlich saß mein erstes Großes Eichenkarmin (Catocala sponsa) vor mir! In Deutschland gilt die Art als ungefährdet, ist aber sehr lückig verbreitet, während sie in Thüringen auf der Roten Liste als gefährdet (3) eingestuft ist.

Der Falter lebt in eichenreichen Laubwäldern und ist von den Eichen auch abhängig, da sie die einzige Nahrungspflanze der Raupen darstellen.

Besondere Falter im Thüringer Schiefergebirge

Die Tage war ich im Thüringer Schiefergebirge unterwegs und es schön zu sehen, dass es doch noch intakte Feuchtwiesen, Bergbäche und feuchte Schluchtwälder gibt. Dementsprechend gab es einige schöne Arten zu beobachten, von denen ich einen kleinen Teil anhand meiner Fotos vorstelle.

  1. Der Braune Feuerfalter (Lycaena tityrus) gehört mit dem Kleinen Feuerfalter zu den eher – relativ – häufigen Vertretern aus er Unterfamilie der Feuerfalter (Lycaeninae). Man findet ihn nicht nur auf den für Feuerfalter typischen Feuchtwiesen, sondern auch an trockeneren Standorten. Wichtig ist das Vorhandensein seiner Nahrungspflanzen: Kleiner und Großer Sauerampfer. Das Foto zeigt ein männliches Individuum ruhend auf Wirbeldost.
  2. Wem entlockt dieser Anblick nicht ein verzaubertes „Ahhh“? ;D Das Männchen vom Dukaten-Feuerfalter (Lycaena virgaureae) leuchtet einem quasi direkt im Flug entgegen, das Weibchen zeigt innenseitig viele Braun-Anteile. Auch diese Art lebt wie bspw. der Braune Feuerfalter an Großem und Kleinem Sauerampfer, ist aber ökologisch spezialisierter. Als Biotop bevorzugt der Dukaten-Feuerfalter magere, kalkarme Flächen in Mittelgebirgslagen, wo sie viele Blüten besuchen. Hier waren es u.a. Acker-Kratzdistel und Arznei-Thymian.
  3. Bei dem Großen Perlmuttfalter (Speyeria aglaja) habe ich der Dame auf den ersten beiden Bildern den Vortritt gelassen, bis sich zwei Männchen jeweils im Anschluss zeigen. Die Weibchen waren deutlich größer und besonders imposant fand ich die deutlich kontrastreichere, leicht schillernde Zeichnung der Oberseite; am schönsten lassen sich Perlmuttfalter jedoch durch die Flügelunterseiten bestimmen. Die Raupen fressen wie die meisten Perlmuttfalter an verschiedenen Veilchen, wichtig ist der Lebensraum: strukturreiche Lichtwälder, Bergwiesen oder Moore. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Art im Laufe der Zeit stark abgenommen hat. Die Nektarpflanze auf den Fotos ist die Perücken-Flockenblume, die in Deutschland sehr lückig und lokal verbreitet ist.
    Nachtrag: Auf Bild 3 hat sich ein Feuriger Perlmuttfalter (Fabriciana adippe) eingeschlichen!
  4. Ihn habe ich mehrmals gesucht und nur manchmal gefunden, den Mädesüß-Perlmuttfalter (Brenthis ino). Der Name ist Programm: die Art ist hauptsächlich auf das Echte Mädesüß als Nahrungspflanze spezialisiert und damit ergibt sich auch der Lebensraumanspruch an Feuchtwiesen, feuchte Waldwiesen an Bächen usw. Das heißt aber noch nicht, dass man ihn gleich dort findet und wenn, dann meist eher vereinzelt. Man sollte auch potenzielle Nektarpflanzen im Auge behalten, die wie bei vielen Schmetterlingen, am besten violett sind: Wiesen-Witwenblume, Tauben-Skabiose, verschiedene Disteln, verschiedene Flockenblumen, Dost, Thymian usw. Auf meinen Fotos sitzt er auf der Wiesen-Witwenblume und Arznei-Thymian.
  5. Nur sehr lückig und lokal in Deutschland verbreitet, ist die Perücken Flockenblume (Centaurea pseudophrygia), die nach der Roten Liste Deutschlands als gefährdet gilt. Als Standort bevorzugt die Art feuchte Bergwiesen und Silikatmagerrasen, auch kalkfreie Waldsäume, solange es nicht zu trocken ist.

Einige besondere Libellen

Bei einer Runde um eine der lacken im Bereich des Neusiedler Sees, hatten wir eine Menge Libellen. Einige der Arten, darunter auch ein paar besondere Arten, stelle ich mit den folgenden Fotos vor.

  1. Die Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum), hier ein frisch geschlüpftes Weibchen, gehört zu einer Art, die man sehr oft beobachten kann. Markant, vor allem bei Weibchen oder nicht ausgefärbten Individuen, sind die komplett schwarzen Beine, während diese bei einigen anderen Heidelibellen u.a. hellgelb geschient sind. Besondere Präferenzen bei der Habitatwahl, außer einer ordentlichen Besonnung, hat diese eher generalistische Art nicht.
  2. Die Fotos zeigen jeweils ein männliches und weibliches Individuum der Frühen Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii). Bei einigen Libellenarten ist die Augenfarbe variabel, bei einigen dagegen bestimmungsrelevant – zu letzterer Gruppe gehört diese Art. Die im unteren Bereich blau gefärbten Augen zeigen sich bei beiden Geschlechtern in jedem Alter. Die Frühe Heidelibelle ist eine Wanderlibelle. Die überschaubaren Beobachtungen in Deutschland sind vor allem vom Einflug aus dem Süden abhängig – die in Deutschland geschlüpften Individuen wandern ähnlich wie bspw. der Distelfalter, wieder zurück gen Süden in die mediterrane Heimat. Hier im Bereich des Neusiedler Sees bei Österreich und Ungarn hatten wir es dagegen mit einer ordentlichen Anzahl dieser südlichen Art zu tun.
  3. So etwas wie die Blaumeise unter den Libellen, ist die Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum), die hier mit zwei verschiedenen Männchen zu sehen ist. Der Vergleich ist jetzt nicht auf die durchaus passende Farbe bezogen, sondern auf ihre weite Verbreitung und Häufigkeit. Die Art mag vor allem große Stillgewässer mit überschaubarer Vegetation und kann dabei in großer Individuenzahl auftreten. Was sie von vielen auf den ersten Blick ähnlich aussehenden Azurjungfern unterscheidet, ist der bei beiden Geschlechtern sehr sauber wirkende Thorax an der Seite: Unter den Humeralstrreifen sind keine der sonst typischen dünnen schwarzen Striche zu sehen.
  4. Wenn eine sonst typischerweise rot gefärbte Heidelibelle, gelb ist, muss das nicht zwangsläufig heißen, dass es ein Weibchen. So wie hier kann es sich auch um ein noch nicht ausgefärbtes, frisch geschlüpftes Männchen handeln. Bei der Art handelt es sich um die Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum). In diesem Stadium taugen die sonst markanten gelben Streifen des Thorax der Zwillingsart Große Heidelibelle nicht zur Unterscheidung. Wiederum in sehr späten Stadien können diese auch durch Verschleißerscheinungen verblassen. Das sicherste Merkmal ist daher oft ein Blick frontal ins Gesicht: die schwarze herablaufende Stirnzeichnung zeigt nur die Gemeine Heidelibelle; bei der Großen Heidelibelle läuft sie nicht herunter.
  5. Eine große Überraschung für uns, war der massive Einflug der Südlichen Mosaikjungfer (Aeshna affinis), von denen teilweise richtige Wolken im Bereich des Neusiedler Sees zu beobachten waren. Diese südeuropäische Wanderlibelle bevorzugt flachere, kleine Gewässer mit viel Schilf und breitet sich aufgrund der Klimaerwärmung weiter gen Norden aus und Beobachtungen in Deutschland nehmen zu. Auf den Fotos ist ein noch junges Männchen zu sehen.
  6. Die Färbung und der Habitus hat an die typische Westliche Weidenjungfer erinnert, aber vor allem zwei Dinge haben so gar nicht dazu gepasst: Der Thorax ist frei von der typischen Zacke und die Flügelmale sind mit 2 Farben dreigeteilt: Weiß-Braunschwarz-Weiß. Damit ist es die Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus). Die Art ist recht spezialisiert und bewohnt voll besonnte und sehr kleine, teils austrocknende Gewässer mit dichtem Bewuchs.

Ein paar Besonderheiten von heute

Bei einer Kartierrunde heute waren noch nebenbei für zwei Dinge Zeit: Kräuter zum Trocknen sammeln (Tee für den Winter) und ein paar ausgewählte Fotos besonderer Arten, die ich bislang noch nicht oft oder gar nicht vor der Linse hatte.

  1. Für jemanden wie mich, der ’89 geboren ist, ist so etwas immer befremdlich zu hören, diese oder jene Art ist (in alter Literatur) oder war mal (in aktueller Literatur) eine Allerweltspflanze. Das Shifting Baselines Syndrom lässt grüßen. Und damit sind wir schon beim Echten Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea), was man heute leider recht selten sieht. Zurecht sind daher alle Arten der Gattung gesetzlich besonders geschützt. Das Echte Tausendgüldenkraut ist dabei die Art der Gattung, die noch als relativ häufig gilt. Interessant ist die Zugehörigkeit zur Familie der Enziangewächse, was die Bitterkeit als auch die Verwendung für Kräuterliköre oder als Heilkraut erklärt. Das Echte Tausendgüldenkraut braucht viel Licht, benötigt magere Böden und mag es dabei aber nicht zu trocken – zu starke Sukzession als auch Nährstoffeintrag und Trockenlegung ehemaliger Feuchtgebiete gefährden die Bestände.
  2. Auf einer sandigen Rohbodenstelle waren diese leuchtenden, wunderschönen Nelken zu sehen – es handelt sich dabei um die gesetzlich besonders geschützte Raue Nelke (Dianthus armeria). Man findet sie auf mageren Halbtrockenrasen entlang von Saumstrukturen wie Sträuchern oder Wäldern. In Thüringen steht die Art in der Roten Liste als stark gefährdet, umso schöner ist der Wiederfund an dem Standort. Ein markantes Bestimmungsmerkmal stellen die weißen Punkte auf den Kronblättern dar.
  3. Bei den Gespinstmotten der Gattung Yponomeuta spec. verhält es sich für gewöhnlich so, dass einige Imagines überhaupt nicht auf Artebene anzusprechen sind, man braucht die Raupen an der jeweiligen spezialisierten Nahrungspflanze und bestimmt dann über die Nahrungspflanze. Aber natürlich gibt es wie überall Ausnahmen, so gibt es gleich 3 Arten, die sich am Gewöhnlichen Pfaffenhütchen entwickeln: Y. plumbella, Y. cagnagella, Y. irrorella. Glücklicherweise war die Natur so nett, genau bei den Arten dafür zu sorgen, dass es hier die Imagines sind, die sich leicht unterscheiden lassen! Hier haben wir Yponomeuta plumbella, unverwechselbar mit den dicken schwarzen Flecken auf den Flügeln.

Nachtschwalbenschwanz am Tag

Der Titel klingt nun etwas merkwürdig und mit dem allseits bekannten Schwalbenschwanz (Papilio machaon) aus der Familie der Ritterfalter, hat der Nachtschwalbenschwanz (Ourapteryx sambucaria) nur die Zipfel der Hinterflügel gemein. Der zweite Trivalname der Art, Holunderspanner, weist auf seine Zugehörigkeit zur Familie der Spanner (Geometridae) hin. Blätter von Schwarzen und Roten Holunder gehören tatsächlich zu den wichtigen Raupennahrungspflanzen, ebenso aber auch andere strauchige Gehölze wie Efeu oder Schlehe.

Die Art ist weit über Deutschland verbreitet, weist jedoch auch Vorkommenslücken auf und die immer wieder zu lesende „Häufigkeit“ kann ich so nicht bestätigen. Trotz systematischer Erfassungen in mehreren passenden Habitaten und vieler Leuchtnächte zur Flugzeit, hatten wir die Art erst exakt 1x am Licht. Umso erfreulicher war dieser Zufallsfund am Tag auf einem Industriegelände. Apropos Vorkommen und Habitat: Der hübsche Falter mag es gerne strukturreich und buschig und besiedelt strauchige Waldsäume, passende Gärten usw.

Einblick in die letzte Nachtfalterkartierung vom 13.06.

Heute verschone ich euch mal mit längeren Texten Dafür gibt es umso Bilder zu bestaunen, welche erstaunlich bunt und vielfältig sind, denn es geht um Nachtfalter. Am 13.06. haben wir wieder geleuchtet, geködert, kartiert, jungen Waldkauzästlingen gelauscht und überfliegende Waldschnepfen beobachtet, während im Hintergrund eine Wildkatze maunzte. Ganz schön was los im Wald bei Nacht. Standort war eine Lichtung mit Pionierstandort im Mischwald der Uhlstädter Heide.

Wir konnten 75 Arten mit 134 Individuen erfassen. Viel Spaß mit den Collagen!