Heute wieder ein Rückblick zu unserem Neusiedler-See Urlaub, bei dem wir Ende Mai einen Abstecher in einen ungarischen Moorwald unternommen haben. Neben unzähligen anderen Arten, haben wir 10 Libellenarten an dem Tag bestimmt; vom Spitzenfleck, Große Königslibelle, Großen Pechlibelle und der Südlichen Mosaikjungfer habe ich nur Belegfotos angefertigt, die anderen Arten haben es auf recht ansehbare Fotos geschafft.
- Die Blaue Federlibelle (Platycnemis pennipes) ist nicht immer blau gefärbt wie man sehen kann: hierbei handelt es sich um ein juveniles Weibchen, was sich gerade ausfärbt und noch in einer Übergangsmorphe ist. Die zierliche Art ist häufig und weit verbreitet.
- Auch männliche Vertreter dieser Art zeigen nicht immer das typische Erscheinungsbild; ähnlich wie auch bei den Vögeln, ähneln viele junge Männchen den Weibchen. Hier ist eine sehr junge männliche Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) zu sehen. Die Unterscheidung des Geschlechts erfolgt über strukturelle physiologische Merkmale wie die Hinterleibsanhänge oder aber der bei Männchen arttypisch und keulenförmig verbreitete hintere Abdomenteil. Die folgenden 3 Fotos einer gelblichen Großlibelle zeigen dann ein juveniles Weibchen.
- So eine prächtige Libelle trägt auch einen passenden Namen: Es ist ein Männchen der Gebänderten Prachtlibelle (Calopteryx splendens). Wichtig ist, wenn man schon Trivialnamen nutzt, diese auch richtig zu nutzen: So ist oft nur von „der Prachtlibelle“ die Rede, dabei haben wir in Mitteleuropa ja 2 Prachtlibellen-Arten. Die Art ist eher selten Stillgewässern zu finden, sondern hauptsächlich an sauberen Fließgewässern mit ausreichend Ufervegetation.
- Eine Moosjungfer zu finden und beobachten zu können, ist immer ein freudiges Ergebnis, alle Arten der Gattung sind sehr lückenhaft verbreitet – Dazu kommt dieses markante und wunderschöne Aussehen mit gelb-roten Zeichnungen auf schwarzem Körper wie hier bei der Großen Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis). Das „Moos“ im Trivialnamen (=Moor) trifft so einigermaßen zu: Die Große Moosjungfer ist tatsächlich in Hoch- und Übergangsmooren zu finden, aber auch an deren feuchten Rändern, Waldweihern, Kleingewässern und teilweise in Auenlandschaften. Wichtig sind ihr kleine, organische sonnenexponierte Gewässer, die allerdings nicht austrocknen sollten. Bild 1 der 3er-Reihe zeigt ein adultes Männchen (über einem Weibchen) und die anderen beiden Bilder zeigen jeweils ein adultes Weibchen. Wundervoll oder?
- Beim Großen Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), dem häufigsten Vertreter der Gattung, sollte man sich auch nicht vom Namen irreführen lassen: adulte Männchen tragen das namensgebende Blau, aber weder juvenile Männchen noch juvenile Weibchen – so wie dieses auf dem ersten Bild, während Bild 2 das typische Männchen zeigt. Die Weibchen dunkeln im Alter nach und das warme Gelb weicht eher einem gedeckten gelb-grau-Ton.
- Die Art ist so etwas wie die Kohlmeise unter den Libellen und praktisch überall und das auch in größerer Zahl zu finden: Die Hufeisen-Azurjungfer. Das skurril anmutende Bild zeigt 2 Pärchen beim Tandem während der Eiablage. Man sieht wie die Weibchen (unten) ihren Hinterleib ins Wasser halten, um die Eier zu legen. Das Festhalten der Männchen soll sicherstellen, dass ihre Herzensdamen nicht noch auf andere Ideen kommen Interessant, dass jede Libellenart ihre eigene Variante der Eiablage hat: Mal im Tandem, mal ohne, mal die Eier aus Luft ins Wasser geworfen, mal direkt in pflanzen, mal während des Schwirrfluges sanft ins Wasser gelegt, mal beim Festhalten an Vegetation ins Wasser gelegt usw.