Falter, Libellen, Pflanzen – Ende August

Gestern waren wir in einem FFH-Gebiet kartieren und haben 175 Arten, hauptsächlich an Schmetterlingen, Vögeln, Libellen und Pflanzen erfasst. Einige der schöneren Fotos, die dabei entstanden sind, zeige ich heute.

1. Die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) – hier ein Weibchen – ist zusammen mit der seltenen Sibirischen Winterlibelle, die einzige unserer Libellen, die als Imago den Winter überdauert und damit die deutlich längste Lebenszeit aller Libellen aufweist. Den Winter verbringen sie aber nicht am Gewässer, sondern ziehen sich an Waldränder und -lichtungen zurück, wo sie mit ihrer dezenten Braunfärbung, hängend an Vegetation, gar nicht auffallen.

2. Wie schon neulich geschrieben, ist das Auftreten der Karden-Sonneneule (Heliothis viriplaca) sehr wechselhaft, da diese eher unstet und sehr wanderfreudig ist. In meiner Region in Thüringen hatte ich zuvor noch nie so dermaßen viele Individuen umherfliegen; das kenne ich sonst eher von bspw. der Braunen Tageule. Die Karden-Sonneneule lässt sich ebenso wie die zuletzt genannte Art auch gut am Tag beim Nektarbesuch beobachten. Wir hatten sie an der Krausen Distel und Schwarznessel beobachtet.

3. Ein weiterer historischer Erstfund dieses Jahr: Der Zweibrütige Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus armoricanus) wurde bislang noch nie in diesem Quadranten gemeldet. Die Art breitet sich auf Grund des Klimawandels seit geraumer Zeit aus Richtung Südwest weiter gen Nordosten aus und ist beim Aufmerksamen Beobachten immer öfter nachzuweisen.

4. Normalerweise sieht man diesen Falter als Imago nicht ganz so oft – im Gegensatz zu seinen strahlend weißen Eiern an Schlehe und Pflaume im Winter. Hier hat es abermals geklappt und ein schönes Weibchen des Nierenfleck-Zipfelfalters (Thecla betulae) hat sich – eher untypisch – zur Nektarsuche auf der Kanadischen Goldrute niedergelassen.

5. Eigentlich ist er gar nicht so selten und anspruchsvoll, genießt aber auch auf Grund seines Status als Anhang II FFH-Art besondere Aufmerksamkeit: Der Russische Bär (Euplagia quadripunctaria), der auch aktuell Schmetterling des Jahres ist. Hier saugt er Nektar von der Kleinen Bibernelle.

6. Fehlt da nicht etwas? So etwas wie ein Stängel? Nein – Das muss so! Es handelt sich um die – Nomen est Omen – Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaulon). Sie ist gar nicht so häufig und in Deutschland eher lückig verbreitet und auch weltweit auf eher zentrale Teile Europas beschränkt. Die Art wächst auf Halbtrockenrasen und Wegrändern und mag es lieber warm, gerne basisch (Kalk) und eher trocken als nass.

Schöne Funde an Waldteichen

Letztes Wochenende waren wir insbesondere zur Libellensuche in einem Teichgebiet im Ilmenauer Landkreis unterwegs und haben mit 18 Arten an einem Nachmittag einen tollen Kartiererfolg gehabt. Auch besondere Schmetterlinge wie der Kleine Eisvogel oder Feurige Perlmuttfalter waren zu sehen, außerdem toll Vogelarten wie der Schwarzmilan und Fischadler. Da ich ohnehin noch unzählige Vogelfotos habe, habe ich mich mit dem Makro auf die kleineren Tierchen konzentriert.

1. Sie trägt zwar das „Gemein“ im Namen, aber heutzutage heißt das ja bekanntlich nicht mehr soviel, denn so oft trifft man die Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa) nicht an; auf dem Foto ein Weibchen. Bei den Binsenjungfern ist ein Makrofoto unerlässlich, um die Art zweifelsfrei zu bestimmen, da die diagnostischen Merkmale zur Artdifferenzierung oft sehr diffizil sind. Ausschlag gebend bei Weibchen der Art sind u.a. dass das 1. Segment des Abdomens seitlich keinen metallischen Fleck aufweist sowie ein deutlich spitzes Basalstück am Übergang vom 9. zum 10. Segment unterseitig – beides auf den Fotos zu erkennen.

Die ersten Gemeinen Binsenjungfern schlüpfen ab Mai, deren Hauptflugzeit liegt aber zwischen Ende Juni und September. Sie kommt auf gut besonnten Stillgewässern mit ausreichender Vegetation vor.

2. Die schönen wie auch hoch spezialisierten Quelljungfern sind auf Grund ihrer bevorzugten Lebensräume und Ansprüche allgemein selten, die hier gezeigte Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) steht in Thüringen auf der Roten Liste als gefährdet (3); das Foto zeigt ein Männchen. Die Art bevorzugt eher Mittelgebirgslandschaften und reproduziert sich dort in sommerwarmen Fließgewässern wie beschattete Waldbäche, Wiesenbäche- und Rinnsäle sowie Gräben, solange diese Gewässer nicht zu schmutzig sind, zu breit oder zu strömungsintensiv sind.

Bei den Quelljungfern muss man genau hinsehen, recht ähnlich ist bspw. auch die Gestreifte Quelljungfer, die hat allerdings nur jeweils einen Streifen an an den Segmentübergängen.

3. Immer schön zu sehen – wenn man sie nicht übersieht, sind auch unsere normalen Grünfrösche, die einem schwer zu differenzierenden Artkomplex aus 3 Arten angehören, wovon die 3. Art ein Hybrid aus den beiden anderen ist. Die Haupt-Laichzeit der Grünfrösche liegt zwischen Mai und Juni, ab Ende August findet so langsam – je nach Witterung und Entfernung – die Rückwanderung zu den Überwinterungsquartieren statt.

4. Was haben Waldeidechse, Mooreidechse und Bergeidechse gemein? Nun – Alles! Es ist tatsächlich die gleiche Art Zootoca vivipara, der man je nach Lebensraum nur unterschiedliche Trivialnamen zuteilt. Der interessanteste Aspekt dieser Art mit dem relativ kleinen Köpfchen verbirgt sich im Artepitheton des wissenschaftlichen Namens: vivipar = lebensgebärend. Nun ist ja bekannt, dass Reptilien Eier legen und auch die Waldeidechse lässt ihre Jungen in Eiern heranwachsen – im Unterschied zu anderen Echsen aber nicht außerhalb, sondern innerhalb des Körpers.

Besondere Libellen beim Tagebau

Beim Kartieren am Rande eines Tagebaus mit Ruderalflächen, Gewässern und Schlickflächen konnten wir an einem Nachmittag 12 Libellenarten finden. Zwei besondere Arten, die beide mit ihrer strahlenden Augenfarbe auffallen, stelle ich hier mit Fotos vor.

1. Das Kleine Granatauge (Erythromma viridulum) hat seinen Namen nicht von ungefähr, wobei es nur die Männchen sind, die mit den roten Augen auffallen. Große Verwechslungsgefahr besteht mit dem Großen Granatauge (Erythromma najas): Hier sollte man bei Männchen auf das 8. Hinterleibssegment schauen und beim Weibchen auf den Antehumeralstreifen. Beide Arten weisen auch ähnliche Lebensraumvorlieben auf: Langsam fließende oder Stillgewässer mit Tauchblatt- bzw. Schwimmblattvegetation.

2. Das Saphirauge (Erythromma lindenii) trägt wie auch die Granataugen einen Trivialnamen, der auf die markante Augenfarbe hinweist – auch hier wieder nur beim Männchen. Die Art lief früher mal unter dem Namen Pokaljungfer und ist in Deutschland sehr lückig verbreitet. Als wärmeliebende Art, dürfte sie sich im Zuge des Klimawandels zukünftig weiter ausbreiten. Kiesgruben und Abbaugewässer sind typische Fundorte dieser Art; sie profitiert also von diesen durch Menschen geschaffenen Sekundärlebensräumen.

Zwei häufige Insekten

Heute gibt es je einen häufigen Vertreter aus meinen beiden liebsten Ordnungen der Insekten: Libellen & Schmetterlinge. Beide Arten habe ich im September vor die Linse bekommen.

Die Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum) ist eine häufige und weit verbreitete Libellenart. Unter für sie günstigen Bedingungen kann man sie sogar bis in den November hinein fliegen sehen. Die Bestimmung von Heidelibellen kann mitunter ganz schön kniffelig sein und es kommt oft auf Perspektive und Details an. Hier ist der Fall ganz eindeutig: gelb gestreifte Beine, deutliche gelbe Striche auf dem Thorax sowie kein herablaufender schwarzer Strich an der Stirn – Das sind die wichtigsten Merkmale der Art. Das Foto zeigt ein noch nicht ganz so altes weibliches Individuum.

Der hier abgebildete Falter ist ebenfalls weit verbreitet, häufig und fällt auch mit einer langen Flugzeit von Mai bis Mitte Oktober auf – Es ist der Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus), der wegen seiner Häufigkeit unter den Bläulingen auch als Gemeiner Bläuling bezeichnet wird. Auf dem Foto kann man ein abgeflogenes Weibchen erkennen; auch diese können sowohl außen als auch innen teils deutlich blau bestäubt sein.

Es blüht im März

Im zeitigen Frühjahr zeigen sich für den aufmerksamen Beobachter neben den ins Auge fallenden Blüten, auch oftmals kleinere und filigrane Schönheiten bis hin zu – richtig gelesen – Libellen

1) An den Blättern sieht man gleich, dass es ein Fingerkraut ist und zu der Zeit bleibt auch nicht viel Auswahl bei der Bestimmung. Folgerichtig sehen wir das Frühlings-Fingerkraut (Potentilla neumanniana).

2) Wenn man im Frühling den Blick auf mageren, steinigen Standorten wie bspw. Wegränder mal nach unten richtet, kann man diese winzigen Schönheiten entdecken: Frühlings-Hungerblümchen (Draba verna). Sie wachsen i.d.R. nicht höher als 15cm, meist bleiben sie deutlich unter 10cm.

3) Dass Gräser nicht unbedingt langweilig oder schwierig zu bestimmen sein müssen, zeigt uns das wirklich schöne Kalk-Blaugras (Sesleria caerulea), was hier auf besonnten mageren Muschelkalk-Hängen gewachsen ist.

4) Ein toller nicht so häufiger Anblick ist der, des Echten Seidelbastes (Daphne mezereum). Man findet ihn in Buchenwäldern, er hat es gerne felsig und kalkhaltig.

5) Nun, hier ist die versprochene Libelle, es handelt sich um die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca). Von all unseren Libellen erreicht sie als Imago (erwachsenes Insekt) die längste Lebensdauer: Bis zu 11 Monate! Den Winter verbringt sie ruhend, versteckt und ideal getarnt in Wäldern und am Waldrand haben wir sie dann auch gefunden.

Verschiedene Libellen von einer renaturierten Kiesgrube im August

Aus dem August stammen die heutigen Fotos von Libellen einer renaturierten Kiesgrube. Es waren natürlich noch mehr Arten vor Ort, aber hier zeige ich nur die ansprechendsten Fotos.

1. Die Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) ist sehr häufig, das Bild zeigt ein Männchen. Im Gegensatz zu einigen anderen Heidelibellen sind die Beinschienen komplett schwarz und ohne hellgelbe Streifen! Die Männchen weisen zudem eine arttypische keulenartige Verbreiterung der hinteren Abdominalsegmente auf.

2.+3. Hier sehen wir die sehr hübsche Feuerlibelle (Crocothemis erythraea). Der Name passt, da bei den Männchen sogar noch die Beine rot sind und die ganze Libelle wie rot glühend wirkt. Foto 2 zeigt dagegen ein Weibchen, was etwas unscheinbarer daherkommt, sich aber gut von den weiblichen Heidelibellen abgrenzen lässt – bspw. über die hellen Beine.

4. Eine der generell häufigsten Libellen ist die Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum), hier sehen wir ein Männchen, was auf dem 2. Segment den namensgebenden Becher trägt (hier nur andeutungsweise zu erkennen).

5.+6. Von den Blaupfeilen findet man diese Art bei uns am häufigsten: Es ist der Große Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), hier ein Männchen von vorne und hinten. Nicht nur die lädierten Flügel, auch die verblassende Farbe auf dem Abdomen weisen darauf hin, dass es ein verhältnismäßig altes Individuum ist. Wobei „alt“ wirklich relativ ist: Währen die Larven mitunter mehrere Jahre leben und unter Wasser verbringen, werden die Imagines – die erwachsenen Libellen – nur Wochen bis sehr selten wenige Monate alt.

7. Die letzte Art erinnert ein wenig an die verwandte Blaugrüne Mosaikjungfer, ist aber kleiner und hat u.a. mehr Braun auf dem Thorax und andere Zeichnungselemente: Es ist die Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta).

Herbst-Arten

Heute war bei ungewöhnlich viel Sonnenschein einiges bei Libellen, anderen Insekten und Zugvögeln los. Bergfinken fliegen schon seit einiger Zeit ein, gestern und heute kamen kleine Trupps aus Wiesenpiepern durch. Bei den Libellen sind vor allem die spätfliegenden Heidelibellen und Mosaikjungfern noch ordentlich vertreten, zu Libellen aber später mehr.

Das Bild zeigt einen Grünfink und zwar nicht das strahlend gelbgrüne Männchen, sondern das eher matte Weibchen, welches leichte Strichel und nur vereinzeltes Grün zeigt. Markant sind auch hier die gelben Flügelaußenkanten.

Es geht los mit einer Art, die außer früh Morgens eher selten mal ruht und zu unseren größten Libellen zählt: Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea), hier ein Männchen. Für diese Art ist der 25.10. schon eine sehr spätes Datum; auch das gleichzeitige Auftreten mit der Herbst-Mosaikjungfer ist eher ungewöhnlich.

Apropos Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta) – eine DER typischen Vertreter gegen Ende der Libellensaison, war natürlich auch ordentlich unterwegs. Auch hier habe ich mich sehr über die Fotogelegenheit gefreut, da die Mosaikjungfern nicht oft still sitzen.

Die Wildbiene ist wahrscheinlich ein Vertreter der Furchenbienen, Gattung Lasioglossum spec. Es ist eine polylektisch lebende Art, da sie hier auch mit der invasiven Kanadischen Goldrute zurechtkam. Hinweise zur genaueren Bestimmung werden gerne entgegen genommen

Am Ende noch eine spät blühende Pflanze, ein Neophyt aus Südafrika: Das Schmalblättrige Greiskraut bzw. Kreuzkraut (Senecio inaequidens).

Von besonderen Libellen, knutschenden Fröschen und einfliegenden Gelblingen

Im heutigen Beitrag geht es um ein paar Fotos von gestern sowie Mitte August, die einige schöne Arten und besondere Momente zeigen.

1. In den Hochstaudenfluren von der Großen Brennnessel hat sich genauen Blick eine Puppe vom Admiral (Vanesse atalanta) versteckt. Solche glänzenden Goldflecken weisen auch Puppen vom Tagpfauenauge auf, aber beim genauen Blick lassen sich die Arten gut unterscheiden. Aufpassen muss auch bei den extrem variablen Raupen vom Admira, einige Morphe sehen denen vom Tagpfauenauge mitunter auch recht ähnlich.

2. Ein Erstfund für uns und sowohl das Gebiet, war diese Libelle aus der Familie der Falkenlibellen. Es handelt sich um die nicht häufige Glänzende Smaragdlibelle (Somatochlora metallica). Wie bei vielen Libellen sind wichtige Bestimmungsmerkmale oft recht filigrane Elemente. Das sicherste Merkmal hier ist die gelbe Zeichnung der Stirn.

3. Hier war eine weibliche Libelle immer wieder dabei, ihr Abdomenende stoßhaft ins Wasser zu tauchen – Also ein Weibchen bei der Eiablage. Die Art ist der Große Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), Zustand und Färbung verraten ein fortgeschrittenes Alter.

4. Eine witzige Momentaufnahme boten diese beiden Grünfrösche, die in dieser Post verharrt haben

5. Hier kam im Gebiet von Kiesseen und aktivem Tagebau eine dicke Raupe des Weges gekrochen. Das Analhorn verrät schon beim ersten flüchtigen Blick die Zugehörigkeit zur Familie der Schwärmer (Sphingidae) und bei der Art handelt es sich um den Labkraut-Schwärmer. Der ist recht verbreitet, aber nirgends häufig und kommt nur vereinzelt vor – in Thüringen steht er auf der Roten Liste auf der 2, also stark gefährdet. Mit Weidenröschen- und Labkraut-Arten, scheint die Art zwar nicht sonderlich anspruchsvoll, aber die passende Larvalnahrung ist nur die halbe Miete. Mikroklima, Habitatrequisiten, passendes Substrat zum Eingraben (Schwärmerraupen graben sich in den Boden und verpuppen sich dort), uvm. spielt eine ebenso wichtige Rolle.

6. Neben vielen herumfliegenden Goldenen Achten (Colias hyale) konnten wir zweifelsfrei 3 Postillions bestimmen; die Fotos zeigen erst ein Männchen und dann das Weibchen mit den durchscheinenden weißen Punkten auf dem Schwarz der Apikalregion. Der Postillion oder Postillion heißt auch Wandergelbling – ein zutreffender Name, da dies eine südliche Art ist, die in unterschiedlicher Stärke zu uns einwandert. Für unsere Region eine schöne Besonderheit und dass es mal mit Bildern geklappt hat, war noch schöner.

7. Klar zu sehen eine Sedum-Art, also eine Art der Fetthennen/Mauerpfeffer. Hier ist es die Purpur-Fetthenne (Sedum telephium), die uns zuvor noch nicht aufgefallen war.

Da ist sie also – Die Kleine Pechlibelle

Irgendwann nach vielen Hunderten Großen Pechlibellen (Ischnura elegans), fragt man sich schon, wann man mal die nah verwandte Verwechslungsart Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio) zu Gesicht bekommt. Gestern war es dann endlich soweit und wie einige schöne Funde in letzter Zeit, so war auch dieser mal wieder in einem Tagebau zu finden.

Das passt zu den Habitatansprüchen der Art, da sie kein Generalist wie die Große Pechlibelle ist, sondern sich auf vegetationsarme Tümpel, temporäre Schwemmflächen oder wassergefüllte Fahrspuren spezialisiert hat. Damit passt sie gut zu Ruderal- und Ödlandflächen wie auf aktiven Tagebauen oder ehemalige Tagebaue, sofern dort der Sukzession Einhalt geboten werden sollte.

Die sichere Bestimmung gelingt beim Männchen über die Abdominalsegmente 8 und 9. Während bei der Großen Pechlibelle das 8. Segment ganz blau gefärbt ist, ist dieses bei der Kleinen Pechlibelle nur zu 1/3 gefärbt, dafür ist aber das 9. komplett blau. Das Weibchen dagegen ist im jungen Stadium knallig orange und wird später türkisfarben und zeigt auf den hinteren Segmenten gar keines dieser „Schlusslichter“, ist also durchgehend schwarz.

Einige schöne Insekten der letzten Zeit

Heute zeige ich ein paar schöne Insektenbeobachtungen der letzten Zeit, über die ich bisher noch nicht berichtet habe.

Bei einer 10km Kartierrunde in einem schönen lichten, strukturierten und beweideten Wald, der auch Naturschutz- und Vogelschutzgebiet ist, habe ich nach über 30 Kaisermänteln und 7 Russischen Bären, dann auch diesen Falter gefunden: Der Feurige Perlmuttfalter (Fabriciana adippe), der hier Nektar von einer Lanzett-Kratzdistel aufnimmt.

Der kleine Dickkopffalter, der hier auf einer feuchten Wiese auf Großem Wiesenknopf ruht, ist ein noch verhältnismäßig neuer Bewohner in Thüringen. Es ist der Zweibrütige Dickkopffalter (Pyrgus armoricanus), der aus eher wärmeren Gegenden die letzten Jahre von Südwesten her nach Deutschland eingewandert ist und mittlerweile weit verbreitet zu finden ist.

Dieses Libellenmännchen mit den spitzen Zackenmustern auf den hinteren Segmenten des Abdomens, der pokalähnlichen Zeichnung auf dem zweiten Abdomen sowie den leuchtend saphirblauen Augen, ist das Saphirauge, früher Pokal-Azurjungfer (Erythromma lindeni) genannt. In Thüringen wird die Art in der Roten Liste als R geführt – Extrem selten. Wir haben sie in einem Kiesabbau gefunden und das passt zu Literaturangaben, nachdem sie Tagebaue und andere xerotherme Ruderalflächen bevorzugt und oft mit der Westlichen Keiljungfer im gleichen Gebiet vorkommt. Letztgenannte Art konnten wir schon vor einiger Zeit im Gebiet nachweisen. Mit zunehmenden Klimawandel ist auch mit einer Zunahme des Saphirauges zu rechnen; ähnliche Entwicklungen konnte man bei anderen wärmeliebenden, südlichen Arten bereits beobachten: Wespenspinne, Gottesanbeterin, Zweibrütiger Dickkopffalter uvm.

Eine besonders schöne Beobachtung konnten wir hier machen: Ein Schwalbenschwanz-Weibchen (Papilio machaon) bei der Ei-Ablage an jungen Exemplaren der Wilden Möhre. Hier am Rand des Kies-Tagebaus haben die gelben, kugelrunden Eier tatsächlich eine realistische Chance auf eine volle Entwicklung. Das ist mit dem exzessiven Mähen von Gärten, aber auch von städtischen Flächen, leider mittlerweile eine Ausnahme geworden. Entweder gehen die Eier bzw. Raupen beim Mähen verloren oder alles ist millimeterkurz kahlgeschoren, sodass keine Pflanzen mehr zur Eiablage vorhanden sind. Dabei ist der Schwalbenschwanz eine eher anspruchslose Art und bevorzugt für seine Raupen lediglich Doldenblütler, wie Wilde Möhre oder Pastinak, die als typische Ruderalgewächse überall quasi von alleine wachsen – wenn man sie denn mal lässt und nicht als Unkräuter vernichtet.