Libellenzeit – Die einen haben wir gesucht, die anderen kamen zu uns

Mitte August waren wir im Ilmtal unterwegs, um mal wieder gezielt nach Libellen zu schauen. Dass der Tag ganz im Zeichen von Libellen stehen würde, konnte ich gleich nach dem Aufstehen vor dem Schlafzimmerfenster feststellen und damit sind wir bei der ersten Art:

  1. Da hing einfach mal eine weibliche Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) am Efeu! Hier in der Gegend hatte ich bis dato noch gar keine, in Thüringen steht sie in der Roten Liste als gefährdet (3). Gemein ist den Quelljungfern, dass sie als Reproduktionshabitate saubere Fließgewässer benötigen; oft sind das kleine Wald- oder eben Quellbäche, die sowohl beschattet, aber auch warm genug sind. Auf die Zweigestreifte Quelljungfer trifft das auch zu, sie besiedelt aber u.U. auch Flüsse, wenn sie nicht zu groß sind – also scheint es nicht unwahrscheinlich, dass sie von der Saale nebenan kommt; wobei nicht auszuschließen ist, dass sie auch von einem kleineren Bachlauf stammen könnte und eine etwas weitere Strecke geflogen ist.
  2. Eine gleichermaßen häufige wie auch beeindruckende Großlibelle, ist die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cynaea). Hier waren mehrere Männchen am Waldsaum um den sumpfigen Weiher auf Patrouille, dieses Individuum hat sich kurz hingesetzt, was dann gleich schamlos für eine Fotosession ausgenutzt wurde Denn mitten am Tag sieht man sie nicht oft ruhen. Neben der Großen Königslibelle gehört die Blaugrüne Mosaikjungfer mit zu unseren größten heimischen Libellenarten. Das namensgebende blaugrüne Mosaikmuster des Abdomens zeigen übrigens nur die Männchen, die Weibchen sind rein grün gemustert. Am ehesten Verwechslungsgefahr besteht mit der ebenfalls häufigen Herbst-Mosaikjungfer; hier empfiehlt sich ein Blick auf die Seiten des Thorax, weil die Herbst-Mosaikjungfer deutlich mehr Braun zeigt.
  3. Die Gattung der Binsenjungfern (Lestes spec.) bietet immer wieder Anlass zu Verwechslungsmöglichkeiten, wichtige Differenzierungsmerkmale sind hier Flügelmale, Thorax-Zeichnung, die ersten Abdominalsegmente des Männchens sowie der Eiablageapparat des Weibchens. Das Foto zeigt ein Männchen der Gemeinen Binsenjungfer (Lestes sponsa). Sie sieht auf dem ersten und zweiten Blick der deutlich selteneren Glänzenden Binsenjungfer sehr ähnlich, allerdings fehlt den Männchen der hier gezeigten Art der glänzende metallic-Überzug der ersten Abdominalsegmente. Die Art mag kleine, besonnte Gewässer wie Weiher oder Teiche, die sich durch eine hohe Vegetationsdichte auszeichnen.
  4. Eine super häufige Sommerart ist die hier gezeigte (weibliche) Gemeine Heidelibelle (Sypetrum vulgatum). Sie gehört mit der Großen Heidelibelle einem Artkomplex an, der sich oft durch die Thoraxzeichnung des Männchens ausdifferenzieren lässt – dies geht aber nur bedingt bis gar nicht bei Weibchen und bei Jungtieren oder abgeflogenen Individuen schon gar nicht. Ein absolut sicheres Unterscheidungsmerkmal ist hier auf dem Foto von vorn gut zu sehen: die schwarze Stirnzeichnung läuft bei der Gemeinen Heidelibelle herab und um die Innenseiten der Augen herum. Bei der Großen Heidelibelle ist dies nicht der Fall.
  5. Eine eher lückig und ungleichmäßig verbreitete Binsenjungfern-Art, ist die Kleine Binsenjungfer (Lestes virens), hier ein Männchen. Für mich war es ein Erstfund, in Thüringen steht die Art in der Roten Liste als gefährdet (3). Einige Merkmale der Art sind die rötlich-braunen Flügelmale, die beidseitig mit weißen Strichen eingefasst sind. Zudem sind die Unterseiten des Hinterkopfes hellgelb abgesetzt, die Antehumeralstreifen sehr schmal und die Zeichnungen des Thorax zeigen keine Zacken o.ä.
  6. Wir haben sie schon länger gesucht und in dem Fall hatten wir auch einen Tipp bekommen: die unfassbar schicke Schwarze Heidelibelle (Sympetrum dange), hier mehrere verschiedene Männchen – was für ein geiles Teil! Weibchen und Jungtiere hatten wir keine gesehen, sie zeigen zum Schwarz noch deutliche Gelbanteile und erinnern damit etwas an riesige Wespen, was nicht minder chic ist! Die Art ist sehr lückig verbreitet und besiedelt eher nährstoffärmere Flachgewässer und Verlandungszonen, die sie meist in Heide- oder Moorlandschaften findet, was auch erklärt, warum sie nicht so oft antrifft. Die Eiablage findet im Uferbereich im flachen Bereich oder direkt auf nass-feuchtem Untergrund wie Moosen statt.

Über Heinrich, seltene Libellen und kegelförmige Bienen

  1. Was man nicht alles so auf der Wiese am Waldrand findet, bspw. Heinrich, den Hirschkäfer Schon etwas müde und geschafft, hatte der klein…ääh große Kerl sichtlich Schwierigkeiten sich durch die Grashalme zu bewegen. Die Männchen sind unverkenn- und unverwechselbar, die Weibchen der Art erinnern an zu groß geratene Balkenschröter, mit denen sie oft verwechselt werden, zeigen aber auch diese lederfarbige Rotbraun der Flügeldecken – neben der auffallend Größe natürlich. Der Hirschkäfer ist eine tolle Art, um den Fokus beim Thema Insektenschutz mal wieder ein bisschen in die richtige Richtung nachzujustieren: Das Larvalstadium zieht sich für gewöhnlich über 5 bis 7 Jahre, im Extremfall sogar 8 Jahre! Während die erwachsenen Tiere wenige Wochen alt werden, wenn überhaupt. Und was brauchen die Larven? Totholz! Richtig viel, richtig dick und am besten schon etwas zersetzt, so dass sie im sogenannten Mulm leben und fressen können.
  2. Praktisch an der selben Pfütze in einem Tagebau, wo ich sie schon einmal beobachtet hatte, habe ich sie wiedergefunden: Sie in der Region sehr seltene Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio). Alle Bilder zeigen männliche Individuen, ein orangefarbiges Weibchen ist leider im Moment des Auslösens abgedüst. Deutlich häufiger ist die Zwillingsart, die Große Pechlibelle. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zeigt sich bei Männchen am 8. und 9. Segment des Abdomens: Das Segment 8 ist zur Hälfte schwarz gefüllt, das 9. ist blau. Bei der Großen Pechlibelle ist dagegen das 8. Segment komplett blau und sonst alles schwarz. Die Kleine Pechlibelle ist eine typische Pionierart, die stark besonnte und temporäre Kleingewässer (Pfützen, Fahrspuren, Tümpel, Mulden,…) an Ruderalstandorten u.ä. besiedelt.
  3. Im selben Tagebau wie die Kleine Pechlibelle, hat sich diese Besonderheit gezeigt: Ein junges, nicht ausgefärbtes Männchen des Kleinen Blaupfeils (Orthetrum coerulescens). Die wärmeliebende Art kommt in Deutschland nur sehr lückig und zerstreut vor. Zu ihren bevorzugten Biotoptypen langsam fließende Gewässer wie Quellmoore, Seeabflüsse, Gräben, kleine Wiesenbäche oder wie hier: Rinnsale in Tagebauen.
  4. Diese Biene mit dem proportional großen Dickkopf und dem nach hinten kegelartig kleiner werdenden Körper gehört passenderweise zur Gattung der Kegelbienen. Die Weibchen lassen sich besser bestimmen, wobei das Wildbienen genrell kein einfaches Thema ist, das hier sollte ein Männchen der Schuppenhaarigen Kegelbiene (Coelioxys afer) sein, das auf einer Wiesen-Flockenblume sitzt. Kegelbienen gehören verhaltensbiologisch zu den Kuckucksbienen, d.h. sie parasitieren andere Wildbienenarten und sind damit weder böse, noch unerwünscht – ganz im Gegenteil: Solche Arten tragen Sorge dafür, dass keine Art zu dominant auftreten oder bestehende Ressourcen einseitig ausnutzen kann. Außerdem zwingen sie ihre potentiellen Wirte damit zu der Anstrengung, stets im Sinne der Fitness angepasst zu sein und ein starkes, gesundes Genom (weiter)zuentwickeln. Parasitäre Arten sorgen also salopp gesagt dafür, dass alle anderen nicht zu träge werden und sich gehen lassen

Einige besondere Libellen

Bei einer Runde um eine der lacken im Bereich des Neusiedler Sees, hatten wir eine Menge Libellen. Einige der Arten, darunter auch ein paar besondere Arten, stelle ich mit den folgenden Fotos vor.

  1. Die Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum), hier ein frisch geschlüpftes Weibchen, gehört zu einer Art, die man sehr oft beobachten kann. Markant, vor allem bei Weibchen oder nicht ausgefärbten Individuen, sind die komplett schwarzen Beine, während diese bei einigen anderen Heidelibellen u.a. hellgelb geschient sind. Besondere Präferenzen bei der Habitatwahl, außer einer ordentlichen Besonnung, hat diese eher generalistische Art nicht.
  2. Die Fotos zeigen jeweils ein männliches und weibliches Individuum der Frühen Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii). Bei einigen Libellenarten ist die Augenfarbe variabel, bei einigen dagegen bestimmungsrelevant – zu letzterer Gruppe gehört diese Art. Die im unteren Bereich blau gefärbten Augen zeigen sich bei beiden Geschlechtern in jedem Alter. Die Frühe Heidelibelle ist eine Wanderlibelle. Die überschaubaren Beobachtungen in Deutschland sind vor allem vom Einflug aus dem Süden abhängig – die in Deutschland geschlüpften Individuen wandern ähnlich wie bspw. der Distelfalter, wieder zurück gen Süden in die mediterrane Heimat. Hier im Bereich des Neusiedler Sees bei Österreich und Ungarn hatten wir es dagegen mit einer ordentlichen Anzahl dieser südlichen Art zu tun.
  3. So etwas wie die Blaumeise unter den Libellen, ist die Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum), die hier mit zwei verschiedenen Männchen zu sehen ist. Der Vergleich ist jetzt nicht auf die durchaus passende Farbe bezogen, sondern auf ihre weite Verbreitung und Häufigkeit. Die Art mag vor allem große Stillgewässer mit überschaubarer Vegetation und kann dabei in großer Individuenzahl auftreten. Was sie von vielen auf den ersten Blick ähnlich aussehenden Azurjungfern unterscheidet, ist der bei beiden Geschlechtern sehr sauber wirkende Thorax an der Seite: Unter den Humeralstrreifen sind keine der sonst typischen dünnen schwarzen Striche zu sehen.
  4. Wenn eine sonst typischerweise rot gefärbte Heidelibelle, gelb ist, muss das nicht zwangsläufig heißen, dass es ein Weibchen. So wie hier kann es sich auch um ein noch nicht ausgefärbtes, frisch geschlüpftes Männchen handeln. Bei der Art handelt es sich um die Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum). In diesem Stadium taugen die sonst markanten gelben Streifen des Thorax der Zwillingsart Große Heidelibelle nicht zur Unterscheidung. Wiederum in sehr späten Stadien können diese auch durch Verschleißerscheinungen verblassen. Das sicherste Merkmal ist daher oft ein Blick frontal ins Gesicht: die schwarze herablaufende Stirnzeichnung zeigt nur die Gemeine Heidelibelle; bei der Großen Heidelibelle läuft sie nicht herunter.
  5. Eine große Überraschung für uns, war der massive Einflug der Südlichen Mosaikjungfer (Aeshna affinis), von denen teilweise richtige Wolken im Bereich des Neusiedler Sees zu beobachten waren. Diese südeuropäische Wanderlibelle bevorzugt flachere, kleine Gewässer mit viel Schilf und breitet sich aufgrund der Klimaerwärmung weiter gen Norden aus und Beobachtungen in Deutschland nehmen zu. Auf den Fotos ist ein noch junges Männchen zu sehen.
  6. Die Färbung und der Habitus hat an die typische Westliche Weidenjungfer erinnert, aber vor allem zwei Dinge haben so gar nicht dazu gepasst: Der Thorax ist frei von der typischen Zacke und die Flügelmale sind mit 2 Farben dreigeteilt: Weiß-Braunschwarz-Weiß. Damit ist es die Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus). Die Art ist recht spezialisiert und bewohnt voll besonnte und sehr kleine, teils austrocknende Gewässer mit dichtem Bewuchs.

Die Libellen waren los

Heute wieder ein Rückblick zu unserem Neusiedler-See Urlaub, bei dem wir Ende Mai einen Abstecher in einen ungarischen Moorwald unternommen haben. Neben unzähligen anderen Arten, haben wir 10 Libellenarten an dem Tag bestimmt; vom Spitzenfleck, Große Königslibelle, Großen Pechlibelle und der Südlichen Mosaikjungfer habe ich nur Belegfotos angefertigt, die anderen Arten haben es auf recht ansehbare Fotos geschafft.

  1. Die Blaue Federlibelle (Platycnemis pennipes) ist nicht immer blau gefärbt wie man sehen kann: hierbei handelt es sich um ein juveniles Weibchen, was sich gerade ausfärbt und noch in einer Übergangsmorphe ist. Die zierliche Art ist häufig und weit verbreitet.
  2. Auch männliche Vertreter dieser Art zeigen nicht immer das typische Erscheinungsbild; ähnlich wie auch bei den Vögeln, ähneln viele junge Männchen den Weibchen. Hier ist eine sehr junge männliche Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) zu sehen. Die Unterscheidung des Geschlechts erfolgt über strukturelle physiologische Merkmale wie die Hinterleibsanhänge oder aber der bei Männchen arttypisch und keulenförmig verbreitete hintere Abdomenteil. Die folgenden 3 Fotos einer gelblichen Großlibelle zeigen dann ein juveniles Weibchen.
  3. So eine prächtige Libelle trägt auch einen passenden Namen: Es ist ein Männchen der Gebänderten Prachtlibelle (Calopteryx splendens). Wichtig ist, wenn man schon Trivialnamen nutzt, diese auch richtig zu nutzen: So ist oft nur von „der Prachtlibelle“ die Rede, dabei haben wir in Mitteleuropa ja 2 Prachtlibellen-Arten. Die Art ist eher selten Stillgewässern zu finden, sondern hauptsächlich an sauberen Fließgewässern mit ausreichend Ufervegetation.
  4. Eine Moosjungfer zu finden und beobachten zu können, ist immer ein freudiges Ergebnis, alle Arten der Gattung sind sehr lückenhaft verbreitet – Dazu kommt dieses markante und wunderschöne Aussehen mit gelb-roten Zeichnungen auf schwarzem Körper wie hier bei der Großen Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis). Das „Moos“ im Trivialnamen (=Moor) trifft so einigermaßen zu: Die Große Moosjungfer ist tatsächlich in Hoch- und Übergangsmooren zu finden, aber auch an deren feuchten Rändern, Waldweihern, Kleingewässern und teilweise in Auenlandschaften. Wichtig sind ihr kleine, organische sonnenexponierte Gewässer, die allerdings nicht austrocknen sollten. Bild 1 der 3er-Reihe zeigt ein adultes Männchen (über einem Weibchen) und die anderen beiden Bilder zeigen jeweils ein adultes Weibchen. Wundervoll oder?
  5. Beim Großen Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), dem häufigsten Vertreter der Gattung, sollte man sich auch nicht vom Namen irreführen lassen: adulte Männchen tragen das namensgebende Blau, aber weder juvenile Männchen noch juvenile Weibchen – so wie dieses auf dem ersten Bild, während Bild 2 das typische Männchen zeigt. Die Weibchen dunkeln im Alter nach und das warme Gelb weicht eher einem gedeckten gelb-grau-Ton.
  6. Die Art ist so etwas wie die Kohlmeise unter den Libellen und praktisch überall und das auch in größerer Zahl zu finden: Die Hufeisen-Azurjungfer. Das skurril anmutende Bild zeigt 2 Pärchen beim Tandem während der Eiablage. Man sieht wie die Weibchen (unten) ihren Hinterleib ins Wasser halten, um die Eier zu legen. Das Festhalten der Männchen soll sicherstellen, dass ihre Herzensdamen nicht noch auf andere Ideen kommen Interessant, dass jede Libellenart ihre eigene Variante der Eiablage hat: Mal im Tandem, mal ohne, mal die Eier aus Luft ins Wasser geworfen, mal direkt in pflanzen, mal während des Schwirrfluges sanft ins Wasser gelegt, mal beim Festhalten an Vegetation ins Wasser gelegt usw.

Falter, Libellen, Pflanzen – Ende August

Gestern waren wir in einem FFH-Gebiet kartieren und haben 175 Arten, hauptsächlich an Schmetterlingen, Vögeln, Libellen und Pflanzen erfasst. Einige der schöneren Fotos, die dabei entstanden sind, zeige ich heute.

1. Die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) – hier ein Weibchen – ist zusammen mit der seltenen Sibirischen Winterlibelle, die einzige unserer Libellen, die als Imago den Winter überdauert und damit die deutlich längste Lebenszeit aller Libellen aufweist. Den Winter verbringen sie aber nicht am Gewässer, sondern ziehen sich an Waldränder und -lichtungen zurück, wo sie mit ihrer dezenten Braunfärbung, hängend an Vegetation, gar nicht auffallen.

2. Wie schon neulich geschrieben, ist das Auftreten der Karden-Sonneneule (Heliothis viriplaca) sehr wechselhaft, da diese eher unstet und sehr wanderfreudig ist. In meiner Region in Thüringen hatte ich zuvor noch nie so dermaßen viele Individuen umherfliegen; das kenne ich sonst eher von bspw. der Braunen Tageule. Die Karden-Sonneneule lässt sich ebenso wie die zuletzt genannte Art auch gut am Tag beim Nektarbesuch beobachten. Wir hatten sie an der Krausen Distel und Schwarznessel beobachtet.

3. Ein weiterer historischer Erstfund dieses Jahr: Der Zweibrütige Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus armoricanus) wurde bislang noch nie in diesem Quadranten gemeldet. Die Art breitet sich auf Grund des Klimawandels seit geraumer Zeit aus Richtung Südwest weiter gen Nordosten aus und ist beim Aufmerksamen Beobachten immer öfter nachzuweisen.

4. Normalerweise sieht man diesen Falter als Imago nicht ganz so oft – im Gegensatz zu seinen strahlend weißen Eiern an Schlehe und Pflaume im Winter. Hier hat es abermals geklappt und ein schönes Weibchen des Nierenfleck-Zipfelfalters (Thecla betulae) hat sich – eher untypisch – zur Nektarsuche auf der Kanadischen Goldrute niedergelassen.

5. Eigentlich ist er gar nicht so selten und anspruchsvoll, genießt aber auch auf Grund seines Status als Anhang II FFH-Art besondere Aufmerksamkeit: Der Russische Bär (Euplagia quadripunctaria), der auch aktuell Schmetterling des Jahres ist. Hier saugt er Nektar von der Kleinen Bibernelle.

6. Fehlt da nicht etwas? So etwas wie ein Stängel? Nein – Das muss so! Es handelt sich um die – Nomen est Omen – Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaulon). Sie ist gar nicht so häufig und in Deutschland eher lückig verbreitet und auch weltweit auf eher zentrale Teile Europas beschränkt. Die Art wächst auf Halbtrockenrasen und Wegrändern und mag es lieber warm, gerne basisch (Kalk) und eher trocken als nass.

Schöne Funde an Waldteichen

Letztes Wochenende waren wir insbesondere zur Libellensuche in einem Teichgebiet im Ilmenauer Landkreis unterwegs und haben mit 18 Arten an einem Nachmittag einen tollen Kartiererfolg gehabt. Auch besondere Schmetterlinge wie der Kleine Eisvogel oder Feurige Perlmuttfalter waren zu sehen, außerdem toll Vogelarten wie der Schwarzmilan und Fischadler. Da ich ohnehin noch unzählige Vogelfotos habe, habe ich mich mit dem Makro auf die kleineren Tierchen konzentriert.

1. Sie trägt zwar das „Gemein“ im Namen, aber heutzutage heißt das ja bekanntlich nicht mehr soviel, denn so oft trifft man die Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa) nicht an; auf dem Foto ein Weibchen. Bei den Binsenjungfern ist ein Makrofoto unerlässlich, um die Art zweifelsfrei zu bestimmen, da die diagnostischen Merkmale zur Artdifferenzierung oft sehr diffizil sind. Ausschlag gebend bei Weibchen der Art sind u.a. dass das 1. Segment des Abdomens seitlich keinen metallischen Fleck aufweist sowie ein deutlich spitzes Basalstück am Übergang vom 9. zum 10. Segment unterseitig – beides auf den Fotos zu erkennen.

Die ersten Gemeinen Binsenjungfern schlüpfen ab Mai, deren Hauptflugzeit liegt aber zwischen Ende Juni und September. Sie kommt auf gut besonnten Stillgewässern mit ausreichender Vegetation vor.

2. Die schönen wie auch hoch spezialisierten Quelljungfern sind auf Grund ihrer bevorzugten Lebensräume und Ansprüche allgemein selten, die hier gezeigte Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) steht in Thüringen auf der Roten Liste als gefährdet (3); das Foto zeigt ein Männchen. Die Art bevorzugt eher Mittelgebirgslandschaften und reproduziert sich dort in sommerwarmen Fließgewässern wie beschattete Waldbäche, Wiesenbäche- und Rinnsäle sowie Gräben, solange diese Gewässer nicht zu schmutzig sind, zu breit oder zu strömungsintensiv sind.

Bei den Quelljungfern muss man genau hinsehen, recht ähnlich ist bspw. auch die Gestreifte Quelljungfer, die hat allerdings nur jeweils einen Streifen an an den Segmentübergängen.

3. Immer schön zu sehen – wenn man sie nicht übersieht, sind auch unsere normalen Grünfrösche, die einem schwer zu differenzierenden Artkomplex aus 3 Arten angehören, wovon die 3. Art ein Hybrid aus den beiden anderen ist. Die Haupt-Laichzeit der Grünfrösche liegt zwischen Mai und Juni, ab Ende August findet so langsam – je nach Witterung und Entfernung – die Rückwanderung zu den Überwinterungsquartieren statt.

4. Was haben Waldeidechse, Mooreidechse und Bergeidechse gemein? Nun – Alles! Es ist tatsächlich die gleiche Art Zootoca vivipara, der man je nach Lebensraum nur unterschiedliche Trivialnamen zuteilt. Der interessanteste Aspekt dieser Art mit dem relativ kleinen Köpfchen verbirgt sich im Artepitheton des wissenschaftlichen Namens: vivipar = lebensgebärend. Nun ist ja bekannt, dass Reptilien Eier legen und auch die Waldeidechse lässt ihre Jungen in Eiern heranwachsen – im Unterschied zu anderen Echsen aber nicht außerhalb, sondern innerhalb des Körpers.

Besondere Libellen beim Tagebau

Beim Kartieren am Rande eines Tagebaus mit Ruderalflächen, Gewässern und Schlickflächen konnten wir an einem Nachmittag 12 Libellenarten finden. Zwei besondere Arten, die beide mit ihrer strahlenden Augenfarbe auffallen, stelle ich hier mit Fotos vor.

1. Das Kleine Granatauge (Erythromma viridulum) hat seinen Namen nicht von ungefähr, wobei es nur die Männchen sind, die mit den roten Augen auffallen. Große Verwechslungsgefahr besteht mit dem Großen Granatauge (Erythromma najas): Hier sollte man bei Männchen auf das 8. Hinterleibssegment schauen und beim Weibchen auf den Antehumeralstreifen. Beide Arten weisen auch ähnliche Lebensraumvorlieben auf: Langsam fließende oder Stillgewässer mit Tauchblatt- bzw. Schwimmblattvegetation.

2. Das Saphirauge (Erythromma lindenii) trägt wie auch die Granataugen einen Trivialnamen, der auf die markante Augenfarbe hinweist – auch hier wieder nur beim Männchen. Die Art lief früher mal unter dem Namen Pokaljungfer und ist in Deutschland sehr lückig verbreitet. Als wärmeliebende Art, dürfte sie sich im Zuge des Klimawandels zukünftig weiter ausbreiten. Kiesgruben und Abbaugewässer sind typische Fundorte dieser Art; sie profitiert also von diesen durch Menschen geschaffenen Sekundärlebensräumen.

Zwei häufige Insekten

Heute gibt es je einen häufigen Vertreter aus meinen beiden liebsten Ordnungen der Insekten: Libellen & Schmetterlinge. Beide Arten habe ich im September vor die Linse bekommen.

Die Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum) ist eine häufige und weit verbreitete Libellenart. Unter für sie günstigen Bedingungen kann man sie sogar bis in den November hinein fliegen sehen. Die Bestimmung von Heidelibellen kann mitunter ganz schön kniffelig sein und es kommt oft auf Perspektive und Details an. Hier ist der Fall ganz eindeutig: gelb gestreifte Beine, deutliche gelbe Striche auf dem Thorax sowie kein herablaufender schwarzer Strich an der Stirn – Das sind die wichtigsten Merkmale der Art. Das Foto zeigt ein noch nicht ganz so altes weibliches Individuum.

Der hier abgebildete Falter ist ebenfalls weit verbreitet, häufig und fällt auch mit einer langen Flugzeit von Mai bis Mitte Oktober auf – Es ist der Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus), der wegen seiner Häufigkeit unter den Bläulingen auch als Gemeiner Bläuling bezeichnet wird. Auf dem Foto kann man ein abgeflogenes Weibchen erkennen; auch diese können sowohl außen als auch innen teils deutlich blau bestäubt sein.

Es blüht im März

Im zeitigen Frühjahr zeigen sich für den aufmerksamen Beobachter neben den ins Auge fallenden Blüten, auch oftmals kleinere und filigrane Schönheiten bis hin zu – richtig gelesen – Libellen

1) An den Blättern sieht man gleich, dass es ein Fingerkraut ist und zu der Zeit bleibt auch nicht viel Auswahl bei der Bestimmung. Folgerichtig sehen wir das Frühlings-Fingerkraut (Potentilla neumanniana).

2) Wenn man im Frühling den Blick auf mageren, steinigen Standorten wie bspw. Wegränder mal nach unten richtet, kann man diese winzigen Schönheiten entdecken: Frühlings-Hungerblümchen (Draba verna). Sie wachsen i.d.R. nicht höher als 15cm, meist bleiben sie deutlich unter 10cm.

3) Dass Gräser nicht unbedingt langweilig oder schwierig zu bestimmen sein müssen, zeigt uns das wirklich schöne Kalk-Blaugras (Sesleria caerulea), was hier auf besonnten mageren Muschelkalk-Hängen gewachsen ist.

4) Ein toller nicht so häufiger Anblick ist der, des Echten Seidelbastes (Daphne mezereum). Man findet ihn in Buchenwäldern, er hat es gerne felsig und kalkhaltig.

5) Nun, hier ist die versprochene Libelle, es handelt sich um die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca). Von all unseren Libellen erreicht sie als Imago (erwachsenes Insekt) die längste Lebensdauer: Bis zu 11 Monate! Den Winter verbringt sie ruhend, versteckt und ideal getarnt in Wäldern und am Waldrand haben wir sie dann auch gefunden.

Verschiedene Libellen von einer renaturierten Kiesgrube im August

Aus dem August stammen die heutigen Fotos von Libellen einer renaturierten Kiesgrube. Es waren natürlich noch mehr Arten vor Ort, aber hier zeige ich nur die ansprechendsten Fotos.

1. Die Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) ist sehr häufig, das Bild zeigt ein Männchen. Im Gegensatz zu einigen anderen Heidelibellen sind die Beinschienen komplett schwarz und ohne hellgelbe Streifen! Die Männchen weisen zudem eine arttypische keulenartige Verbreiterung der hinteren Abdominalsegmente auf.

2.+3. Hier sehen wir die sehr hübsche Feuerlibelle (Crocothemis erythraea). Der Name passt, da bei den Männchen sogar noch die Beine rot sind und die ganze Libelle wie rot glühend wirkt. Foto 2 zeigt dagegen ein Weibchen, was etwas unscheinbarer daherkommt, sich aber gut von den weiblichen Heidelibellen abgrenzen lässt – bspw. über die hellen Beine.

4. Eine der generell häufigsten Libellen ist die Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum), hier sehen wir ein Männchen, was auf dem 2. Segment den namensgebenden Becher trägt (hier nur andeutungsweise zu erkennen).

5.+6. Von den Blaupfeilen findet man diese Art bei uns am häufigsten: Es ist der Große Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), hier ein Männchen von vorne und hinten. Nicht nur die lädierten Flügel, auch die verblassende Farbe auf dem Abdomen weisen darauf hin, dass es ein verhältnismäßig altes Individuum ist. Wobei „alt“ wirklich relativ ist: Währen die Larven mitunter mehrere Jahre leben und unter Wasser verbringen, werden die Imagines – die erwachsenen Libellen – nur Wochen bis sehr selten wenige Monate alt.

7. Die letzte Art erinnert ein wenig an die verwandte Blaugrüne Mosaikjungfer, ist aber kleiner und hat u.a. mehr Braun auf dem Thorax und andere Zeichnungselemente: Es ist die Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta).