Kartierurlaub in der Thüringischen Vorderrhön Tag 3

Heute geht es mit einem großen Schwung Bilder aus der Vorderrhön vom Juli wieder munter weiter. An diesem Tag hatten wir mehrere Ecken der Hohen Geba durchkartiert und waren vor allem auf den Triften unterwegs. Bei dem langen Tag und den vielen Biotoptypen haben wir es an dem Tag auf 208 Arten gebracht Einen winzigen Ausschnitt diesen Artenpotpourris stelle ich im heutigen Beitrag vor.

Wie auch bei den letzten Touren dort, sind uns wieder Komma-Dickkopffalter (Hesperia comma) und die tagaktive Grüneule (Calamia tridens) begegnet. Interessante florale Funde waren der Färber-Ginster (Genista tinctoria) und eine besondere Skabiose: Zwischen den Tauben-Skabiosen und Wiesen-Witwenblumen, hat dieses Exemplar doch etwas anders gewirkt. Ein genauer Blick an die Kelchblätter hat gezeigt, dass ihr die typischen schwarzen Borsten der Tauben-Skabiose fehlen und der Geruchstest hat es dann final bestätigt: Es war ein Exemplar der seltenen Duft-Skabiose bzw. Grauen Skabiose (Scabiosa canescens), eine Rote Liste Art und laut Floraweb wäre dies ein bislang unkartierter Fund.

Nicht selten, aber schön anzusehen, ist die Gemeine Waldschwebfliege (Volucella pellucens) und wer sich das zweite Bild genau ansieht, entdeckt einen blinden Passagier: an der Seite des Abdomens klebt ein Ei! Die Schwebfliege, die selbst gerne mal Hummeln und co parasitiert, wurde also selbst parasitiert – typisch Insektenwelt

Mal nicht als Ei, sondern als blütenbesuchender Imago, hat sich der Kreuzdorn-Zipfelfalter (Satyrium spini) gezeigt – hier wie viele andere am Gewöhnlichen Dost. Warum verkaufen Gärtnereien und Baumärkte diese Wildpflanze nicht als insektenfreundlich? Die ist es nämlich tatsächlich.

Nachdem wir am ersten Tag in der Vorderrhön gleich als eine der ersten Arten einen Rotklee-Bläuling (Cyaniris semiargus) als Erstfund hatten, waren an diesem Tag auch noch einmal schöne Fotos für mich drinnen. Ein älterer Trivialname der Art ist eigentlich viel passender: Violetter Waldbläuling. Die Art bewohnt zwar keine Wälder an sich, aber feuchte Wald- und Strauchsäume und Magerwiesen in Waldnähe; zudem wirkt die Art im Flug deutlich dunkelblauer als andere Bläulinge. Rotklee ist tatsächlich nur eine von vielen möglichen Raupenfutterpflanzen, diese fressen auch an anderen Schmetterlingsblütlern wie Gewöhnlicher Hornklee, Wiesen-Platterbse, Vogel-Wicke, Weiß-Klee uvm.

Unzählige weitere Arten haben es nicht aufs Foto, aber unsere Artenliste geschafft, bspw. Mittelspecht, Neuntöter, Weidenmeise, Gimpel, Vogel-Nestwurz, Hügel-Meier, Großblütige Braunelle, Sichelblättriges Hasenohr, Malven-Dickkopffalter, Kleiner Esparsetten-Bläuling und unzählige mehr.

Nachtfalterkartierung Mitte September

Heute gibt’s mal wieder eine kleine Collage zur letzten Nachtfalterkartierung, bei der sich auch einige schöne Rote Listen-Arten wie Grüneule (Calamia tridens), Blaues Ordensband (Catocala fraxini), Eichenwald-Winkeleule (Mesogona acetosellae), Schmalflügelige Bandeule (Noctua orbona) uvm. gezeigt haben. Viel Spaß beim Durchsehen!

Kartierurlaub in der Thüringischen Vorderrhön Tag 2

Im heutigen Beitrag gibt es eine reiche Fotoauswahl vom 2. Tag unserer Vorderrhön-Kartierung im Juli. Wir hatten eine Menge Arten (194) an dem Tag, was auch der langen Runde mit vielen Biotoptypen geschuldet war: Muschelkalk-Trockenrasenhänge, skelettierte und schafbeweidete Ödland-Schutthänge in südexponierter Lage, Feldraine, extensive Bergmähwiesen, Waldsäume und lichte Mischwälder.

Die Artnamen stehen beim jeweiligen Foto, auf Grund der Menge an Fotos verzichte ich heute mal auf ausführliche Artporträts und erwähne im folgenden nur einige der besonderen Funde: Eines der Highlights waren die erhofften Bewohner der kargen skelettierten Fels- und Trockenrasenhänge, die zahlreich aufgetreten sind: 20 Berghexen (Chazara briseis) und 14 Ockerbindige Samtfalter (Hipparchia semele), die in Thüringen als vom Aussterben bedroht bzw. stark gefährdet gelten. Von den Silberflecken-Bläulingen (Plebejus spec.) waren auch auf dieser Runde wieder die Kronwicken-Bläulinge (Plebejus argyrognomon) nachzuweisen und zu fotografieren.

Interessant und erfreulich war auch das regelmäßige Auftreten der Komma-Dickkopffalter (Hesperia comma) sowie des tagaktiven Eulenfalters Grüneule (Calamia tridens), die wir täglich hatten. Auf den sandigen Böden des sonnenverwöhnten Offenlandes durften natürlich nicht die Blauflügeligen Ödlandschrecken fehlen, die man mittlerweile quasi überall findet – im Gegensatz zur Rotflügeligen Schnarrschrecke, die wir dort auch reichlich sehen und hören konnten. Schön anzusehen war auch der Zickzacklinien-Trauerschweber (Hemipenthes morio), der sich auch für ein Foto zur Ruhe setzte

Am Zenit der Runde und quasi so langsam den Rückweg durch einen lichten Wald ansteuernd, gab es dann noch einige nette Überraschungen, die sowohl auf die Liste als auch den Sensor der Kamera kamen: Das Große Hexenkraut (Circaea lutetiana) sowie die Hecken-Wicke (Vicia dumetorum) als Pflanzen, die man nicht so häufig findet und dann: eine gefühlt riesige Erscheinung, die sich anmutig auf die Hain-Klette gesetzt hat. Ein weiblicher, schon stark abgeflogener, aber nicht minder flugfähig und beeindruckender, Großer Schillerfalter (Apatura iris). Die Raupen der Art sind an Sal-Weide gebunden und bewohnen meist eher feuchtere, lichte Laubwälder, unter gegebenen Umständen aber auch mal trockenere Wälder, solange es ausreichend Sal-Weide und Licht gibt. Die Imagines sind trotz ihrer Größe schwer zu erfassen und zu beobachten, da sie sich oft weit oben im Kronenbereich von Bäumen aufhalten.

Mit Wachtel, Mittelspecht, Neuntöter, Waldlaubsänger und co haben sich natürlich auch einige besondere Vogelarten auditiv bemerkbar gemacht. Demnächst geht es dann weiter mit einem Beitrag von Tag 3!

Kartierurlaub in der Thüringischen Vorderrhön Tag 1

Speziell für die Tagfalterkartierung, aber auch generell, um die Gegend, Lebensräume und Arten kennenzulernen, waren wir diesen Juli für einige Tage in der thüringischen Vorderrhön unterwegs und haben alles erfasst, was nicht niet- und nagelfest war. Bevor es also wieder mit der Aufarbeitung älterer Fotos weitergeht und auch mal wieder einige Vögel gezeigt werden, geht es erstmal um die „Lepis“.

  1. Die Art finde ich bei mir in der Gegend nicht so häufig und eher lückig, bei der Hohen Geba hat sie sich auch gezeigt: Die Ackerwinden-Trauereule (Tyta luctuosa). Vom Namen her kann man sich tatsächlich einige Eigenschaften ableiten – das funktioniert aber nicht immer! Die Raupen leben ausschließlich an der Acker-Winde, die Art gehört zu den Eulenfaltern und das „Trauer“ steht bei Trivialnamen bekanntlich immer für ein dunkles äußeres Erscheinungsbild.
  2. Sie war eine der Gründe für unserer Reise ab 20. Juli, da sie erst recht spät anfängt zu fliegen, die auf Grund ihrer Seltenheit und Gefährdung beinahe schon mystische Berghexe (Chazara briseis). Während man viele Tagfalter gern auf Blüten sitzen sieht, sieht man die Berghexe auf – Steinen. Am besten, wenn noch schön die Sonne drauf scheint, dabei bewohnt sie ohnehin gerne sonnenverwöhnte Orte wie südexponierte, stark beweidete und karge Hänge; gerne mit skelettierten Böden, also offenen Felsen. Außer hier in der Vorderrhön, findet man sie in Thüringen noch in passenden Biotopen im Harz und ansonsten sieht es recht düster aus. Nicht verwunderlich, dass sie sowohl in Thüringen als auch Deutschland auf der Roten Liste als vom Aussterben bedroht (1) gilt. Die Gefährdungsursachen liegen im Lebensraumverlust begründet; also dem Verlust offener Berghänge durch Aufgabe der Schafbeweidung, Aufforstung, Sukzession – gerade auch durch massive Eutrophierung der Landschaft.
  3. Eine hübsche kleine Pflanze, die immer mal wieder auf den Berghängen in der Vorderrhön zu beobachten war, war der lustig klingende Hügel-Meier (Asperula cynanchica). Die Art mag kalkreiche (basische) und lockere Böden in Trockenrasen. In Deutschland findet man den Hügel-Meier in sehr lückiger Verbreitung und auch auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Arten.
  4. Gut zu erkennen ist die Zugehörigkeit des Bläulings zur Gattung des Silberflecken-Komplexes (Plebejus spec.). Dieses Mal ist es allerdings nicht der verbreitet recht häufige Argus-Bläuling, dazu fehlt ihm u.a. der innenseitig dicke schwarze Flügelrand. Es blieben noch zwei Kandidaten übrig und da es vom Idas-Bläuling in der weiteren Umgebung noch keinen Nachweis gab, dafür gesicherte Nachweise vom Kronwicken-Bläuling (Plebejus argyrognomon), konnten wir das auch klären. Die Fotos zeigen ein Männchen auf dem Gewöhnlichen Hornklee, die Raupen fressen vor allem an Bunter Kronwicke.
  5. Eine sehr wanderfreudige und unstete Art mit entsprechenden Schwankungen der Bestandsdynamik und Verbreitungsschwerpunkten, ist dieser Vertreter der Nachtfalter (Eulenfalter, Noctuidae), die Karden-Sonneneule (Heliothis viriplaca), welche dort gut unterwegs waren. Hier hat sich ein Individuum zur Nektaraufnahme auf der bei Insekten und insbesondere Schmetterlingen, sehr beliebten Skabiosen-Flockenblume niedergelassen.
  6. Zwei Fotos einer besonderen Art: Das erste zeigt ein Männchen und bei den durchscheinenden Dots vermisst man den icarus-typischen Basaldot der Vorderflügel. Das zweite Foto zeigt ein Weibchen, die Vorderflügelunterseite ist zwar nicht zu sehen, da verdeckt, die Hinterflügel zeigen aber sehr deutlich, dass die oberen 2 Dots der 3er-Reihe deutlich dichter zusammenstehen, als beim überall vorkommenden Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus). Damit ist die Art zweifelsfrei als Kleiner Esparsetten-Bläuling (Polyommatus thersites) bestimmt. Die Art ist lückig verbreitet und nicht häufig und ist dem Namen passend nach an das Vorhandensein an Saat-Esparsetten auf Halbtrockenrasen gebunden.
  7. Ein sehr häufiger Tagfalter mit großer ökologischer Amplitude (=Generalist), ist das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus). Das frische Individuum ist mit einer besonders kräftigen hellen Binde und außergewöhnlich ausgeprägten Hinterflügel-Augen aufgefallen, was allerdings unter die normale Variation zwischen Individuen fällt.
  8. Eine große Freude für mich als Freund der Dickkopffalter (Hesperiidae), war das außergewöhnlich starke Vorkommen des eigentlich eher seltenen Komma-Dickkopffalters (Hesperia comma). Sowohl ober- als auch unterseitig lässt sich die Art gut bestimmen. Sie ist heutzutage deutlich seltener und in der Habitatwahl anspruchsvoller als einige der verwandten Arten. Nach Angaben früher Lepidopterologen (Schmetterlingsforschern) war die Art einst sehr häufig und weit verbreitet, was heute so gar nicht mehr zutrifft. Als Besiedler magerer und offener Halbtrockenrasen, gehören Eutrophierung, Verbuschung oder Intensivnutzung zu den Hauptursachen der Gefährdung.
  9. Ein echtes Suchbild; ich konnte den Falter gut sehen, da ich seinen Flug samt Landung verfolgt habe. Es ist der Mauerfuchs (Lasiommata megera), den man in warmen und offenen, oft auch steinigen, Gelände findet. Dort fallen vor allem die umherpatroullierenden Männchen auf.
  10. Eigentlich kann man Mitte Juli genug Imagines beobachten, so dass man nicht unbedingt noch zielgerichtet Eier suchen muss. Es war allerdings schon am frühen Abend, die Witterung kühl, die letzten Sonnenstrahlen hinter Wolken verschwunden und die Aktivität der Falter kaum noch bemerkbar. Da kann man schon einmal einen intensivere Blick in die Schlehensträucher werfen Und was sich da gezeigt hat, waren die Eier vom Pflaumen-Zipfelfalter (Satyrium pruni), die aufgrund des „schmutzigen“ Habitus und des Eiablageorts deutlich schwieriger zu sehen sind, als bspw. die vom Nierenfleck-Zipfelfalter.
  11. Beim abendlichen Blick in die Schlehenhecken, als ohnehin nicht mehr viel los war mit Tagfalteraktivität, haben wir als Bonus zu den Eiern vom Pflaumen-Zipfelfalter, ordentlich Geschwirre von winzigen Nachtfaltern bemerkt. Argyresthia pruniella ist ein Vertreter einer witzigen Gattung von Motten, die in Ruhehaltung ihre Hinterbeine einklappen und so aussehen, als würden sie einen Handstand machen. Die Raupen leben in und von Trieben und Knospen und später auch in den sich entwickelnden Früchten – in dem Fall Schlehe.
  12. Ein wunderbarer Fund, den wir schon lange mal machen wollten, war dieser: Der Rotklee-Bläuling (Cyaniris semiargus). Ein älterer Trivialname ist eigentlich viel passender: Violetter Waldbläuling. Die Art bewohnt zwar keine Wälder an sich, aber feucht Wald- und Strauchsäume und Magerwiesen in Waldnähe; zudem wirkt die Art im Flug deutlich dunkelblauer als andere Bläulinge. Rotklee ist tatsächlich nur eine von vielen möglichen Raupenfutterpflanzen, diese fressen auch an anderen Schmetterlingsblütlern wie Gewöhnlicher Hornklee, Wiesen-Platterbse, Vogel-Wicke, Weiß-Klee uvm.
  13. Ein schöner Fund auf einer Skabiosen-Flockenblume, war dieser hübsche Zünsler Selagia spadicella. Wie bei so einigen Kleinschmetterlingen stehen auch hier zur Lebensweise noch einige Fragezeichen im Raum; gesichert ist der Nachweise der Raupenfutterpflanze Besenheide – allerdings zeigt sich die Art auch in Lebensräumen ohne diese. Die Art ist mit Lücken in ganz Deutschland verbreitet.
  14. Nur noch zu schätzende Massen waren vom Silbergrünen Bläuling (Lysandra coridon) zu sehen; eine Art von Kalkmagerrasen in eher trocken-warmen Biotopen, die dann gerne mal in Massen auftritt. Die primäre Nahrungspflanze der Raupen ist der Gewöhnliche Hufeisenklee; ein Schmetterlingsblütler, der warm-trockene und magere Kalkstandorte besiedelt, womit sich auch erklärt, warum der Falter dort fliegt, wo er fliegt.
  15. Ein sehr frisches und kräftig gefärbtes Individuum vom Violettroten Kleinspanner (Scopula rubiginata) konnte ich hier fotografieren. Die Art ist weit verbreitet und nicht selten; man findet sie in trockenen und warmen Biotopen wie Halbtrockenrasen, Ödland, Brachen oder Heiden. Die Raupen wurden schon an einigen verschiedenen Kräutern wie Thymian, Besenheide, Wiesen-Sauerampfer und Gewöhnlichen Beifuß gefunden.

Impressionen der Leuchtnacht vom 15.08.

Heute ist’s mal wieder Zeit für eine schöne bunte Collage aus unzähligen Makrofotos von Faltern (aber nicht nur, siehe letzte Seite). Mitte August waren wir wieder in einem der von mir betreuten Schutzgebiete leuchten und ködern und dass es noch früh um 4 20°C war, hatte sicher seinen Anteil daran, dass wir einen unglaublichen Anflug hatten. Die Collagen zeigen natürlich nur einen kleinen Teil der 106 Arten und rund 560 Individuen, die wir hatten. Viel Spaß beim Durchsehen!

Libellenzeit – Die einen haben wir gesucht, die anderen kamen zu uns

Mitte August waren wir im Ilmtal unterwegs, um mal wieder gezielt nach Libellen zu schauen. Dass der Tag ganz im Zeichen von Libellen stehen würde, konnte ich gleich nach dem Aufstehen vor dem Schlafzimmerfenster feststellen und damit sind wir bei der ersten Art:

  1. Da hing einfach mal eine weibliche Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) am Efeu! Hier in der Gegend hatte ich bis dato noch gar keine, in Thüringen steht sie in der Roten Liste als gefährdet (3). Gemein ist den Quelljungfern, dass sie als Reproduktionshabitate saubere Fließgewässer benötigen; oft sind das kleine Wald- oder eben Quellbäche, die sowohl beschattet, aber auch warm genug sind. Auf die Zweigestreifte Quelljungfer trifft das auch zu, sie besiedelt aber u.U. auch Flüsse, wenn sie nicht zu groß sind – also scheint es nicht unwahrscheinlich, dass sie von der Saale nebenan kommt; wobei nicht auszuschließen ist, dass sie auch von einem kleineren Bachlauf stammen könnte und eine etwas weitere Strecke geflogen ist.
  2. Eine gleichermaßen häufige wie auch beeindruckende Großlibelle, ist die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cynaea). Hier waren mehrere Männchen am Waldsaum um den sumpfigen Weiher auf Patrouille, dieses Individuum hat sich kurz hingesetzt, was dann gleich schamlos für eine Fotosession ausgenutzt wurde Denn mitten am Tag sieht man sie nicht oft ruhen. Neben der Großen Königslibelle gehört die Blaugrüne Mosaikjungfer mit zu unseren größten heimischen Libellenarten. Das namensgebende blaugrüne Mosaikmuster des Abdomens zeigen übrigens nur die Männchen, die Weibchen sind rein grün gemustert. Am ehesten Verwechslungsgefahr besteht mit der ebenfalls häufigen Herbst-Mosaikjungfer; hier empfiehlt sich ein Blick auf die Seiten des Thorax, weil die Herbst-Mosaikjungfer deutlich mehr Braun zeigt.
  3. Die Gattung der Binsenjungfern (Lestes spec.) bietet immer wieder Anlass zu Verwechslungsmöglichkeiten, wichtige Differenzierungsmerkmale sind hier Flügelmale, Thorax-Zeichnung, die ersten Abdominalsegmente des Männchens sowie der Eiablageapparat des Weibchens. Das Foto zeigt ein Männchen der Gemeinen Binsenjungfer (Lestes sponsa). Sie sieht auf dem ersten und zweiten Blick der deutlich selteneren Glänzenden Binsenjungfer sehr ähnlich, allerdings fehlt den Männchen der hier gezeigten Art der glänzende metallic-Überzug der ersten Abdominalsegmente. Die Art mag kleine, besonnte Gewässer wie Weiher oder Teiche, die sich durch eine hohe Vegetationsdichte auszeichnen.
  4. Eine super häufige Sommerart ist die hier gezeigte (weibliche) Gemeine Heidelibelle (Sypetrum vulgatum). Sie gehört mit der Großen Heidelibelle einem Artkomplex an, der sich oft durch die Thoraxzeichnung des Männchens ausdifferenzieren lässt – dies geht aber nur bedingt bis gar nicht bei Weibchen und bei Jungtieren oder abgeflogenen Individuen schon gar nicht. Ein absolut sicheres Unterscheidungsmerkmal ist hier auf dem Foto von vorn gut zu sehen: die schwarze Stirnzeichnung läuft bei der Gemeinen Heidelibelle herab und um die Innenseiten der Augen herum. Bei der Großen Heidelibelle ist dies nicht der Fall.
  5. Eine eher lückig und ungleichmäßig verbreitete Binsenjungfern-Art, ist die Kleine Binsenjungfer (Lestes virens), hier ein Männchen. Für mich war es ein Erstfund, in Thüringen steht die Art in der Roten Liste als gefährdet (3). Einige Merkmale der Art sind die rötlich-braunen Flügelmale, die beidseitig mit weißen Strichen eingefasst sind. Zudem sind die Unterseiten des Hinterkopfes hellgelb abgesetzt, die Antehumeralstreifen sehr schmal und die Zeichnungen des Thorax zeigen keine Zacken o.ä.
  6. Wir haben sie schon länger gesucht und in dem Fall hatten wir auch einen Tipp bekommen: die unfassbar schicke Schwarze Heidelibelle (Sympetrum dange), hier mehrere verschiedene Männchen – was für ein geiles Teil! Weibchen und Jungtiere hatten wir keine gesehen, sie zeigen zum Schwarz noch deutliche Gelbanteile und erinnern damit etwas an riesige Wespen, was nicht minder chic ist! Die Art ist sehr lückig verbreitet und besiedelt eher nährstoffärmere Flachgewässer und Verlandungszonen, die sie meist in Heide- oder Moorlandschaften findet, was auch erklärt, warum sie nicht so oft antrifft. Die Eiablage findet im Uferbereich im flachen Bereich oder direkt auf nass-feuchtem Untergrund wie Moosen statt.

Falter im Feuchtgebiet

Auf feuchten Bergwiesen in den Auen eines Baches, haben sich am Sonntag im Thüringer Schiefergebirge einige schöne Arten finden lassen. Von 3 der 120 erfassten Arten, zeige ich einige Fotos im heutigen Beitrag.

  1. Nicht unbedingt wie im Lehrbuch haben sich hier die Grünwidderchen gezeigt. Foto 1 zeigt ein stark abgeflogenes Männchen, das 2. Foto ein etwas abgeflogenes Weibchen, was im Licht eher blau als grün schimmerte. Die Bestimmung von Grünwidderchen ist so eine Sache…erst einmal zur Gattung: Adscita spec. zeigen dicke Fühlerspitzen, Jordanita spec. dagegen spitze Fühlerenden. Ohne Genitaluntersuchung geht es an der Stelle theoretisch nicht weiter, aber vom Vorkommensgebiet bleibt nur eine Art übrig, das ist das Ampfer-Grünwidderchen (Adscita statices).
  2. Immer ein schönes Erlebnis im Thüringer Schiefergebirge sind die Begegnungen mit dem attraktiven Dukaten-Feuerfalter (Lycaena virgaureae) – das Männchen mit leuchtend orangen Innenseiten, das Weibchen mit Punkten und Braunanteilen. Die Art lebt am Großem und Kleinem Sauerampfer und besiedelt magere, kalkarme Flächen in Mittelgebirgslagen, wo sie viele Blüten besucht. Hier waren es Gewöhnliche Schafgarbe und Rainfarn. Apropos Rainfarn: Beim letzten Foto hat sich unten rechts ein Gast aufs Bild geschlichen: Aller Wahrscheinlichkeit nach ein Weibchen der Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus). Sie bevorzugen Pollen von Korbblütlern und am liebsten tatsächlich vom Rainfarn. Allein eine einzige Staude an Rainfarn ist damit schon ein besseres Insektenhotel als der Quatsch, der einem in Baumarkt und co angedreht wird.
  3. Ein Kokon bzw. genauer gesagt, die eine leere Hülle davon, eine Exuvie also. Wer ist denn da geschlüpft? Auf den ersten Blick war klar, dass es sich um ein Widderchen handelt. Es wirkt kürzer als das übliche vom Sechsfleck-Widderchen, aber vor allem hingen die beiden gefunden Exuvien an Binsen auf einer moorigen Feuchtwiese, umgeben von großen Beständen Sumpf-Hornklee. Und damit sind wir beim Urheber: Hier sind die seltenen Sumpfhornklee-Widderchen (Zygaena trifoli) geschlüpft. Die Art steht in Thüringen auf der Roten Liste als 1 – vom Aussterben bedroht. Die Ursachen dürften niemanden überraschen: Trockenlegung von Feuchtgebieten, Umwandlung von wertvollem Feuchtgrünland in Intensiv-Landwirtschaftsflächen als auch Eutrophierung (Nährstoffeintrag).

Über Heinrich, seltene Libellen und kegelförmige Bienen

  1. Was man nicht alles so auf der Wiese am Waldrand findet, bspw. Heinrich, den Hirschkäfer Schon etwas müde und geschafft, hatte der klein…ääh große Kerl sichtlich Schwierigkeiten sich durch die Grashalme zu bewegen. Die Männchen sind unverkenn- und unverwechselbar, die Weibchen der Art erinnern an zu groß geratene Balkenschröter, mit denen sie oft verwechselt werden, zeigen aber auch diese lederfarbige Rotbraun der Flügeldecken – neben der auffallend Größe natürlich. Der Hirschkäfer ist eine tolle Art, um den Fokus beim Thema Insektenschutz mal wieder ein bisschen in die richtige Richtung nachzujustieren: Das Larvalstadium zieht sich für gewöhnlich über 5 bis 7 Jahre, im Extremfall sogar 8 Jahre! Während die erwachsenen Tiere wenige Wochen alt werden, wenn überhaupt. Und was brauchen die Larven? Totholz! Richtig viel, richtig dick und am besten schon etwas zersetzt, so dass sie im sogenannten Mulm leben und fressen können.
  2. Praktisch an der selben Pfütze in einem Tagebau, wo ich sie schon einmal beobachtet hatte, habe ich sie wiedergefunden: Sie in der Region sehr seltene Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio). Alle Bilder zeigen männliche Individuen, ein orangefarbiges Weibchen ist leider im Moment des Auslösens abgedüst. Deutlich häufiger ist die Zwillingsart, die Große Pechlibelle. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zeigt sich bei Männchen am 8. und 9. Segment des Abdomens: Das Segment 8 ist zur Hälfte schwarz gefüllt, das 9. ist blau. Bei der Großen Pechlibelle ist dagegen das 8. Segment komplett blau und sonst alles schwarz. Die Kleine Pechlibelle ist eine typische Pionierart, die stark besonnte und temporäre Kleingewässer (Pfützen, Fahrspuren, Tümpel, Mulden,…) an Ruderalstandorten u.ä. besiedelt.
  3. Im selben Tagebau wie die Kleine Pechlibelle, hat sich diese Besonderheit gezeigt: Ein junges, nicht ausgefärbtes Männchen des Kleinen Blaupfeils (Orthetrum coerulescens). Die wärmeliebende Art kommt in Deutschland nur sehr lückig und zerstreut vor. Zu ihren bevorzugten Biotoptypen langsam fließende Gewässer wie Quellmoore, Seeabflüsse, Gräben, kleine Wiesenbäche oder wie hier: Rinnsale in Tagebauen.
  4. Diese Biene mit dem proportional großen Dickkopf und dem nach hinten kegelartig kleiner werdenden Körper gehört passenderweise zur Gattung der Kegelbienen. Die Weibchen lassen sich besser bestimmen, wobei das Wildbienen genrell kein einfaches Thema ist, das hier sollte ein Männchen der Schuppenhaarigen Kegelbiene (Coelioxys afer) sein, das auf einer Wiesen-Flockenblume sitzt. Kegelbienen gehören verhaltensbiologisch zu den Kuckucksbienen, d.h. sie parasitieren andere Wildbienenarten und sind damit weder böse, noch unerwünscht – ganz im Gegenteil: Solche Arten tragen Sorge dafür, dass keine Art zu dominant auftreten oder bestehende Ressourcen einseitig ausnutzen kann. Außerdem zwingen sie ihre potentiellen Wirte damit zu der Anstrengung, stets im Sinne der Fitness angepasst zu sein und ein starkes, gesundes Genom (weiter)zuentwickeln. Parasitäre Arten sorgen also salopp gesagt dafür, dass alle anderen nicht zu träge werden und sich gehen lassen

Einblick in die letzte Nachtfalterkartierung vom 13.06.

Heute verschone ich euch mal mit längeren Texten Dafür gibt es umso Bilder zu bestaunen, welche erstaunlich bunt und vielfältig sind, denn es geht um Nachtfalter. Am 13.06. haben wir wieder geleuchtet, geködert, kartiert, jungen Waldkauzästlingen gelauscht und überfliegende Waldschnepfen beobachtet, während im Hintergrund eine Wildkatze maunzte. Ganz schön was los im Wald bei Nacht. Standort war eine Lichtung mit Pionierstandort im Mischwald der Uhlstädter Heide.

Wir konnten 75 Arten mit 134 Individuen erfassen. Viel Spaß mit den Collagen!

Gelblichweißer Kleinspanner, Kleines Wintergrün und Schrotbock

Bevor ich weiter mit älteren noch nicht aufgearbeiteten Fotos mache, gibt es nochmal ein paar ganz aktuelle aus einem lichten und südexponierten Kiefern-Eichenwald, den ich betreue. Drei gänzlich verschiedene Arten habe ich für den Beitrag mitgebracht.

  1. Der Gelblichweiße Kleinspanner (Scopula floslactata) war mein Erstfund an dem Tag; trotz systematischer Kartierung mit Leuchtturm und co., hat er sich bislang noch nicht gezeigt – ein schöner Fund am Tag. Die Art bewohnt Wälder und die Raupen fressen wohl an verschiedenen Pflanzen, wobei die Heidelbeere eine größere Rolle zu spielen scheint.
  2. Das Kleine Wintergrün (Pyrola minor) ist eine sehr hübsche sowie leicht zu übersehene Pflanze, was in der Krautschicht von nährstoffarmen Wäldern wachsen kann. Die Art steht sowohl in der Roten Liste Thüringens als auch Deutschlands als gefährdet (3).
  3. Ein hübscher Käfer, den ich auch im Moment des Abflugs fotografieren konnte, war der Schrotbock (Rhagium inquisitor). Man findet Schrotböcke in Nadelwäldern, wo sie wie so viele Käfer und auch insbesondere Bockkäfer, auf Totholz angewiesen sind, von dem sich die Larven ernähren. Die Imagines (erwachsenen Tiere) ernähren sich dagegen von Blütenteilen und – Baumharz! Sehr interessant.