An einer Schlehe (Prunus spinosa) konnte ich dieses überwinternde Ei vom Pflaumen-Zipfelfalter (Satyrium pruni) entdecken. Mit dem Laubaustrieb wird auch die Raupe schlüpfen und sich daran bis zur Verpuppung groß fressen. Diese Art entdeckt man nicht so leicht; zum Einen ist sie nicht ganz so häufig, zum Anderen sind die Eier durch den schmutzigen Eindruck sehr gut auf der Borke getarnt. Deutlich leichter und öfter findet man dagegen die Eier vom Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae) auf der Schlehe. Diese sind etwas höher gewölbt und strahlend weiß.
In Thüringen kommt der Pflaumen-Zipfelfalter verbreitet, aber lückig vor und i.d.R. nicht in großer Abundanz (Individuendichte).
Durch unzähliges Fotografieren, Kartierungen sowie Literaturstudium hat man ja irgendwann schon einen guten oder zumindest groben Überblick über die Tagfalter-Fauna in (Mittel)Europa. Man ist mit allen Familien vertraut und weiß, dass es bspw. in Südeuropa noch andere Perlmuttfalter-Arten gibt, weitere Bläulinge und besondere Edelfalter wie den Erdbeerbaumfalter.
Aber DAMIT haben wir nicht gerechnet: abseits auf einem Feldweg in Ungarn im Mai ’24, südöstlich vom Neusiedler See am Rand eines urigen Moorwaldes, saßen sie auf der Erde und haben Minerale aufgenommen. Tagfalter mit sonderbarer Flügelform, wie ein großer C-Falter, ein noch nie gesehenes Oberseitenmuster mit eckigen orangen Flecken und dann diese Schnute! Klar, es handelt sich dabei um die Palpen, die alle Schmetterlinge aufweisen. Aber für gewöhnlich sind sie bei Tagfaltern nach oben gebogen. Schnurgerade nach vorn gestreckt kennt man das eher von einigen Nachtfalter.
Unser unbekannter Falterfreund hat sich dann als Zügelbaumfalter oder auch Zürgelbaum-Schnauzenfalter (Libythea celtis) herausgestellt. Das ist eine südeuropäische Tagfalter-Art, die dort an ihre nördliche Verbreitungsgrenze stößt, sich tendenziell aber wohl weiter gen Norden ausbreitet. Woher der Namenszusatz „Schauzenfalter“ kommt, brauche ich bei dieser Schnute sicher nicht erläutern
Das Zürgelbaum im Namen bezieht sich auf die gleichnamige Pflanze, welche zugleich die einzige Raupenfutterpflanze dieses Schmetterlings darstellt.
Beim Neusiedlersee-Urlaub auf der ungarischen Seite im Mai ’24 war das Terrassenlicht am Abend nicht nur beim Abendessen hilfreich, sondern auch um einige Nachtfalter anzulocken, zu fotografieren und zu bestimmen. Neben bekannten Arten und Arten, die man eher gerade noch so im südlichen Deutschland findet, waren auch Arten dabei, die ich in Thüringen eher nicht antreffen werde.
1) Der Rotbandspanner (Rhodostrophia vibicaria) ähnelt dem häufigen Ampferspanner vor allem in Farbgebung, Erscheinungsbild und Bänderung, weist aber nicht die typischen spitz gezackten Hinterflügel auf.
2) Dieser hübsch gezeichnete Zünsler, Cynaeda pustulalis – ohne Deutschen Trivialnamen, kommt nur in Süd- bzw. Südosteuropa vor. Die Art mag warme, steppenartige und oft sandige Offenlandschaften, auf denen Arten der Gattung Ochsenzunge (Anchusa spec.) vorkommen, an denen die Raupen fressen.
3) Das Weißgraue Flechtenbärchen (Eilema caniola) ist auch in Deutschland wohlbekannt. Die Raupen der Flechtenbärchen-Arten (Eilema spec.) haben tatsächlich diese besondere Nahrungsvorliebe: Flechten!
4) Noch ein wunderschönes Zünsler ist der Heuzünsler (Hypsopygia costalis). Das Heu im Namen rührt daher, da die Raupen der Art getrocknete Pflanzenteile fressen.
5) Die Lichtnelkeneule (Hadena bicruris) ist auf Nelkengewächse spezialisiert; dabei ist die Familie der Nelkengewächse gemeint. Die Raupen fressen also nicht nur an bspw. Karthäuser-Nelke, sondern auch an Arten der Gattung Silene spec. wie dem Seifenkraut. Vor einigen Jahren hat man die Art in 2 Arten aufgesplittet, wie es neuerdings oft bei den Schmetterlingen passiert – dies ist allerdings unter Wissenschaftlern umstritten und es gibt deutliche Hinweise (DNA Barcoding & morphologische Hybride der 2 Formen), dass es nun doch keine eigenständigen Taxone sind. Daher bleibt die Bestimmung auch bei Hadena bicruris.
6) Noch ein Falter mit Liguster im Namen: Ligusterwickler (Clepsis consimilana). Das Foto zeigt ein stark abgeflogenes Männchen; die Art weist einen Geschlechtsdimorphismus auf, denn die Weibchen zeigen nicht die dunklen Bänder, sondern eine netzartige Oberflächenmusterung. Liguster scheint tatsächlich die wichtigste Nahrungspflanze zu sein, die Raupen scheinen es dabei wohl vor allem auf getrocknete Blätter abgesehen zu haben.
7) Richtig schön gezeichnet hat sich das weit verbreitete Eichen-Wicklereulchen (Nycteola revayana) gezeigt. Die Art kommt überall dort vor, wo es Eichen gibt, an denen die Raupen fressen können.
8 ) Ein ganz toller Fund war der Rohrbohrer (Phragmataecia castaneae): hier hatten wir Glück, dass sich unser Ferienhaus gar nicht weit weg vom Neusiedler See und dem Schilfgürtel befunden hat; der Name kommt nicht von ungefähr, den die Art lebt ausschließlich am bzw. vom Schilf.
9) Schon einige Flugmeilen hat offensichtlich die Steppenheiden-Spannereule (Polypogon plumigeralis) gesehen. In Deutschland ist die Art selten und auf den Südwesten beschränkt; ihr Verbreitungsgebiet reicht aber sehr weit von Nordwestafrika über Mitteleuropa bis nach Zentralasien. Der Trivialname passt, denn die Steppenheiden-Spannereule mag Ödländereien und Steppen.
10) Die Fotos zeigen alle die gleiche Art, die auch in Deutschland – wenn auch nicht häufig – verbreitet ist. Es ist das Vierpunkt-Flechtenbärchen (Lithosia quadra). Das namensgebende Merkmal zeigt allerdings nur das Weibchen, wobei alle 4 Punkte nur bei geöffneten Flügeln zu sehen sind, in typischer Ruhehaltung wird ein Punkt stets verdeckt. Das Männchen sieht dagegen vollkommen anders aus und zeigt auf den Vorderflügeloberseiten eine silbrige Grundfärbung mit orangen Ansätzen, während die Spitzen ins Dunkelgrau übergehen.
11) Das Weißliche Graueulchen (Meganola albula) kommt auch in Deutschland vor, für uns war dies aber der Erstfund. Die Art lebt recht versteckt und kommt zwar weit verbreitet, aber nicht in hoher Dichte vor. Es gibt noch viele weitere Trivialnamen für diesen Eulenfalter, einige davon tragen „Brombeere“ im Titel. Diese ist tatsächlich eine wichtige Futterpflanze für due Raupen, jedoch nicht die einzige. Es werden auch Blätter von Heidelbeeren, Erdbeeren und anderer Gewächse gefressen.
Bei einer schönen Tour in der überraschend warmen Novembersonne heute haben sich nicht nur Gemeine und Große Heidelibellen und noch hier verbleibende Zugvögel gezeigt sowie außergewöhnlich spät blühende Pflanzen, sondern auch eine besondere Raupe, an der ich glatt vorbeigelaufen wäre, wenn meine Begleitung sie nicht entdeckt hätte: Es ist die ausgewachsene Raupe der Schafgarben-Silbereule (Macdunnoughia confusa).
Das Besondere an dieser Art ist, dass sie in Deutschland einst nur ein von Süden einfliegender Wanderfalter war, dessen Raupen den Winter nicht überstanden haben. Mittlerweile gibt es viele bodenständigen Populationen in Deutschland, besonders in tieferen und milderen Lagen, in denen die überwinternden Raupen die klimawandelbedingten wärmeren Winter überstehen – Damit kann die überwinternde Generation im folgenden Frühjahr den Reproduktionszyklus von Neuem beginnen. In jedem Fall fliegen aber weiterhin Imagines aus dem Süden ein und verstärken damit die hiesigen Populationen. In Thüringen wird die Art bislang noch nicht sehr oft gemeldet.
Die Raupen ernähren sich nicht nur von der namensgebenden Schafgarbe, sondern auch von anderen Ruderal- und Krautpflanzen wie Feld-Beifuß, Purpurroter Taubnessel oder verschiedenen Korbblütlern wie dem Fuchsschem Greiskraut.
Die vorgefunden Spuren reichten als Beweise, um den Täter zu überführen: Es ist der Große Birken-Glasflügler (Synanthedon scoliaeformis) – aber erst einmal von Vorne.
Es gibt Schmetterlinge, die lassen sich recht schwierig nachweisen und beobachten, bspw. alle Vertreter der Familie der Glasflügler (Sesiidae). Den Namen tagen sie aufgrund der unbeschuppten Flügel, was sie transparent erscheinen lässt – Dazu kommt die Mimikry als vermeintlich wehrhafte Wespe. Dabei handelt es sich einfach nur um harmlose, sehr kleine Schmetterlinge. Zufallsbeobachtungen sind generell recht selten; systematisch kartiert wird mittels verschiedener Pheromone. Ein anderer Weg bzw. eine Ergänzung ist die Suche nach Eiern oder Spuren der Raupen wie hier an den Hänge-Birken. (Betula pendula).
Die knapp 40 in Deutschland vorkommenden Arten sind hochspezialisierte, ähnlich wie z.B. die Blütenspanner aus der Familie der Spanner (Geometridae). Das ist eine der Grundvoraussetzung für diese Art von Nachweismethode, die andere ist die Tatsache, dass die Raupen sich nicht von Blättern, sondern Holz ernähren. Sie fressen sich in Äste oder Stämme und ernähren sich innen vom Holz – verschließen das Schlupfloch aber wieder mit einem Deckel. Die magere Kost führt zu einer langsameren Entwicklung als bei anderen Faltern, aber früher oder später entwickelt sich die Raupe, verpuppt sich und möchte als Falter hinaus. Dazu öffnet sie ihren zuvor selbst erstellten Deckel vom Fraßloch, schlüpft hinaus und genau das sehen wir auf den Fotos – die Schlupflöcher.
Man findet damit sozusagen den Reproduktionsnachweis vom letzten Schlupf; je nach Zustand der Löcher kann man abschätzen, ob das in der vorherigen Saison passiert oder schon länger zurückliegt. Nicht nur durch die Verwitterung, sondern auch durch das Längenwachstum von Gehölzen, ziehen sich über die Jahre auch die Schlupflöcher in die Länge. Also gilt: je näher die Form des Schlupflochs einem perfekt runden Kreis ähnelt, desto aktueller der Nachweis.
Ende Mai gab es an einer der umgebenden Lacken des Neusiedler Sees eine große Menge an Schmetterlingen zu bestaunen. Groß war die dabei nicht nur die Menge der Arten, sondern auch Individuen: Auf kilometerweiten Magerrasen fanden sich bereits direkt am Wegrand teils bis zu 6 Bläulinge an einer Pflanze, irgendwann kann man nur noch grob schätzen und kommt problemlos auf 3-stellige Zahlen. Das sind Beobachtungen, die in Deutschland nur noch relikthaft möglich sind, aber kommen wir nun zu einigen Arten:
1. Schon etwas abgeflogen, aber noch deutlich zu erkennen, ist dieser Ampferspanner (Timandra comae). Die Art ist häufig und weit verbreitet und kann je nach Bedingungen von April bis Oktober beobachtet werden. Namensgebende Arten aus der Gattung von Ampfer (Rumex spec.) sind tatsächlich wichtige Nahrungspflanzen, aber auch Knöterichgewächse (Polygonum spec.).
2. Markant für diese Gattung (Plebejus spec. bzw. Silberfleck-Bläulinge) die metallisch, silbrig-blau schimmernden Flecken auf den hinteren Dots der Vorderflügel. Hier handelt es sich um den weit verbreiteten Argus-Bläuling (Plebejus argus). Die ersten beiden Fotos zeigen jeweils das bestimmungsrelevante Männchen, die anderen beiden Weibchen. Aus der schwierigen 3er-Gruppe der hier vorkommenden Plebejus-Arten P. argus/argyrognomon/idas, ist P. argus am einfachsten zu bestimmen: Die Männchen zeigen oberseitig einen deutlich dicken, dunklen Flügelrand und die vorderen Tibia sind bedornt. Man findet ihn in verschiedenen Offenland-Lebensräumen von Heiden, Trockenrasen bis zu Mooren.
3. Dieser unscheinbare Vertreter der Nachtfalter bzw. Spanner (Geometridae) ist der Braungestreifte Kleinspanner (Scopula virgulata). Für uns ein sehr toller Fund, da die Art in Deutschland selten geworden ist und teils eher südlich vorkommt, sodass wir sie bei systematischen Erfassungen am Licht wohl eher nicht (mehr) vorfinden werden. Der Spanner mag eher trocken-warme Standorte wie Magerrasen.
4. Immer schön anzusehen ist der Distelfalter (Vanessa cardui), hier am ebenso schönen, bestandsbildenden Hain-Salbei zur Nektaraufnahme. Der Distelfalter fliegt jährlich in 4 Generationen aus dem Mittelmeerraum, teils aus Nordafrika, bis zu uns nach Mitteleuropa, um dann später im Herbst wieder zurückzufliegen. Über zersiedelte Landschaften, Berge, Seen und teils sogar das Mittelmeer – Unglaubliche Leistung!
5. Einer der wenigen Falter, die auch hierzulande noch in hoher Abundanz (Individuenzahl) auftreten, ist das Große Ochsenauge (Maniola jurtina), was sich in der Zeichnung und Anlage der Augenfleck variabel zeigt.
6. Ebenfalls überall verbreitet und überall häufig ist der Kulturfolger Kleiner Kohlweißling (Pieris rapae). Zu sehen ist er hier an zwei wunderbaren Beispielen für schöne Falter-Pflanzen: Hain-Salbei und Wiesen-Witwenblume.
7. Immer wieder herrlich sind die abnormal lang gestalteten Fühler von Arten aus der Familie der Langhornmotten (Adelidae). Die Art, die wir hier auf dem Fruchtstand einer Wiesen-Witwenblume sehen, ist Nematopogon adansoniella mit dem eher wenig etablierten Trivialnamen Laubholz-Langhornmotte. Die Raupen entwickeln sich an verschiedenen Laubgewächsen wie Rotbuche, Stiel-Eiche, Schlehe usw.
8. Dieses kleine hübsche Kerlchen ist der Ödlandzünsler (Sitochroa verticalis). Er besiedelt verschieden Offenlandlebensräume und seine Raupen fressen u.a. an Weiden-Alant, Skabiosen-Flockenblume, Beifuß-Arten, Acker-Kratzdistel und weiteren. Angaben über die Brennnessel als Nahrungspflanze sind in Zweifel zu ziehen und beruhen wohl eher auf der Verwechslung mit dem Blassen Nesselzünsler.
9. Na, wer hat’s erkannt? So schaut „unser Kolibri“ aus, wenn er ruht. Die Rede ist natürlich von dem zur Familie der Schwärmer gehörenden Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum). Da das Taubenschwänzchen bei seinen Wanderungen von Südeuropa nach Mitteleuropa auf der Nektarsuche auch viele Gärten besucht, eignet es sich als gutes Beispiel dafür, wie zwei Beobachter mit ihren Augen vollkommen verschiedene Dinge wahrnehmen können:
Viele sind begeistert, wenn die Art an ihren groß gezüchteten Zuchtpflanzen wie Pelargonien (=Geranien) unterwegs ist und freuen sich über den vermeintlichen Nektarbesuch. Was man sieht, muss man aber auch interpretieren, einordnen und verstehen: Solche Pflanzen produzieren gar keinen oder kaum Nektar; was man also beobachtet ist, wie sich ein hungriges Insekten mit hoher Stoffwechselrate zu Tode fliegt und auf der Suche nach Nektar keinen findet. Deswegen sind auch Ansammlungen von bspw. toten Hummeln ein menschengemachtes Neuzeit-Phänomen.
Für seinen Nachwuchs braucht die Art dagegen so wie die meisten Schmetterlinge krautige Pflanzen, in dem Fall Labkräuter wie das Wiesen-Labkraut.
10. Der Wegerich-Scheckenfalter (Melitaea cinxia) gehört zum Tribus der Scheckenfalter und ist wie alle seine Verwandten mittlerweile selten und in geringer Zahl anzutreffen, wobei er eher noch zu den häufigeren Arten zählt – Das ist aber eher relativ gemeint. Die Art besiedelt magere und wärmebegünstigte Trockenrasen mit Vorkommen von Wegerich-Arten oder Großem Ehrenpreis. Die Art ist also von Eutrophierung, Lebensraumverlust und falscher Habitatpflege (Sukzession, Intensivmahd, Intensivbeweidung) betroffen.
Von der Bestimmung her gehört der Wegerich-Scheckenfalter zu den einfachen Arten; die wichtigsten Merkmale sind unterseitig zu sehen und in diesem Fall bspw. die schwarzen Punkte in den orangen Kästchen der Postdiskalbinde.
Ende Mai gab es an der Langen Lacke des Neusiedler Sees Unmengen von Beilfleck-Widderchen (Zygaena loti) zu sehen. Die Art fliegt auch hier in Thüringen, bevorzugt auf kalkreichen Trockenrasen und die Raupen entwickeln sich an Hufeisenklee, Bunter Kronwicke und Gewöhnlichem Hornklee. Der namensgebende beilförmige Fleck zeigt sich meist Richtung Vorderflügelrand, also am Apex und kann mal mehr oder weniger stark verwaschen oder deutlich sein. Vorsicht ist bei dem extrem variablen Sechsfleck-Widderchen geboten: besonders verwaschen gezeichnete Individuen erinnern dann mitunter an das Beilfleck-Widderchen. Wichtig bei der Bestimmung sind u.a. die sehr hellen Beine der Art.
Auf den Fotos sieht man zweierlei: Zum einen, die Nektaraufnahme auf der bei Faltern und besonders auch Widderchen beliebten Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis) – Generell fliegen Falter besonders gern auf lila Blüten. Zum anderen sieht man hier Männchen und Weibchen bei der Paarung, wobei sich die Weibchen durch hellere Vorderflügel und zwei helle Halskrausen vom Männchen unterscheiden.
Wenn die Flugzeit bei vielen Bienen schon wieder durch ist, fängt die Efeu-Seidenbiene (Colletes hederae) gerade einmal an. Kein Wunder, der namensgebende Efeu ist ihre wichtigste Nektarquelle und wird auch zur Aufzucht der Larven benötigt und dieser fängt erst zu dieser Zeit zu blühen an. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Efeu-Seidenbiene als eigene Art beschrieben wurde: Erst in den frühen 90ern hat man sie von der sehr ähnlich aussehenden Heidekraut-Seidenbiene (Colletes succinctus) getrennt, da die Spezialisierung auf so unterschiedliche Pflanzen wie Besenheide und Efeu, die in vollkommen verschiedenen Biotop-Typen vorkommen, doch zunehmend merkwürdig erschien – Folgeuntersuchungen bestätigten die Eigenständigkeit der Arten.
Dank deren Bestäubung und auch der von vielen Schwebfliegen usw. kann der dann befruchtete Efeu im Winter seine Beeren bilden – Eine Nahrungsquelle für über 60 Vogelarten und das zu einer Zeit, wo sie Nahrung dringend nötig haben, da diese nicht so leicht verfügbar ist.
Heute gibt’s mal wieder eine etwas buntere Mischung aus Insekten der letzten Zeit; ohne große Vorworte kommen wir gleich zu den spannenden Arten:
1. Ein häufiger Sommerfalter aus der Familie der Spanner (Geometridae), der auch gut zu bestimmen ist, ist der mit dem langen Namen Braunbinden-Wellenstriemenspanner (Scotopteryx chenopodiata). Die Art kommt weit verbreitet und flächendeckend vor und besiedelt sowohl Wiesen als auch Waldränder. Als Nahrungspflanze der Raupen dienen verschiedene Wicken, Platterbsen und Ginster.
2. Es gibt unter den Graszünslern eine Menge wirklich prächtiger Schönheiten; der hier gezeigte Catoptria falsella gehört mit dazu. Die Falter fliegen in einer Generation von Mai bis in den Oktober und deren Raupen fressen nicht an Gräsern, sondern Moosen. Diese kommen sogar auf den Belegen von Dächern oder Mauern vor, weshalb diese recht robuste und anpassungsfähige Art auch weit verbreitet ist.
3. Skorpionsfliegen gehören wie Libellen und Schmetterlinge zu meinen Lieblingsinsekten – hier sehen wir ein Weibchen der Deutschen Skorpionsfliege (Panorpa germanica). Das typische seitlich liegende Y-Muster der Flügel ist bei diesem Individuum so gut wie gar nicht ausgeprägt, zur Bestimmung führten dann die Verteilung und Größe der anderen Flecken. Diese Form von Variabilität ist unter Skorpionsfliegen allerdings normal und verbreitet. Diese kleinen scheuen Tierchen ernähren sich hauptsächlich von (Insekten)aas, heruntergefallenen Früchten, Nektar und Honigtau von Blattläusen.
4. Der Heu-Zwergspanner (Idaea inquinata) trägt seinen Namen, da seine Raupen tatsächlich vertrocknete Pflanzenteile wie Heu fressen. Problematisch ist das aber nur, wenn es sich um getrocknete Teeblätter handelt oder aber das eigene Herbarium aufgefressen wird! Das wurde tatsächlich schon beobachtet. Allerdings kommt die Art nirgendwo wirklich häufig vor und steht mitunter auch in den Roten Listen.
5. Dieser schöne und auffällige Bockkäfer konnte nicht weitergehen ohne wenigstens ein paar Fotos dazulassen. Der Hornissenbock (Plagionotus detritus) steht in Thüringen aktuell auf der Roten Liste als gefährdet (3), deutschlandweit auf der Vorwarnliste. Die Art ist eher wärmelieben und – bislang – eher selten in Mitteleuropa. Die Larven fressen gerne in toten oder kranken Bäumen am Holz, am liebsten der Eiche, daher auch der zweite Trivialname Bunter Eichen-Widderbock.
6. Dieser auf den ersten Blick etwas unscheinbare Spanner ist flächendeckend, aber nicht überall häufig verbreitet, es ist der Randfleck-Kleinspanner (Scopula marginepunctata). In Deutschland gilt die Art als ungefährdet, hier in Thüringen steht sie in er Roten Liste als gefährdet (3). Wichtig für die Art sind sonnige, krautreiche Flächen mit Beständen an Beifuß, Thymian oder Dost.
7. Ein schöner Besucher am Köder war die Vielzahn-Johanniskrauteule (Actinotia polyodon), die passend zum Namen auf das Vorhandensein von Tüpfel-Johanniskraut angewiesen ist. Aufpassen sollte man bei der Bestimmung, da die Trockenrasen-Johanniskrauteule (Actinotia radiose) ihr sehr ähnlich sieht. In zwei Generationen fliegen die Falter von April/Mai bis August/September.
8. Der Zweifarbige Waldrebenspanner (Horisme vitalbata) ist ein hübscher Vertreter der Spanner, dessen Raupen sich von Waldreben-Arten ernähren. Als Lebensräume dienen Waldränder und Gebüsche, aber auch Siedlungs- und Gartenbereiche. In Deutschland ist die Art recht lückig verbreitet.
Beim heutigen Kartieren in einem kleinen Naturschutzgebiet kamen 17 Tagfalter-Arten zusammen – nebst anderem schönen Beobachtungen wie einen Mehlschwalben jagenden Baumfalken. Beim Fotografieren habe ich mich nur auf Arten konzentriert, von denen ich noch nicht viele Bilder habe – lustigerweise haben alle das modische Accessoire eines Zipfels Mehr dazu bei den Artvorstellungen.
1. Durch die Kartierungen und vor allem die Suche nach überwinternden Eiern, ist mir bekannt, dass der Blaue Eichen-Zipfelfalter (Favonius quercus) weit verbreitet und häufig ist, wenn er auch letztes Jahr ein eher schlechtes Jahr hatte. Das ändert aber nichts daran, dass man die Imagines (erwachsenen) Falter fast nie zu Gesicht bekommt – sie haben schlichtweg keinen Grund sich oft auf Augenhöhe der Menschen zu begeben. Nektar interessiert sie eher nicht; ab und an kommen sie mal herunter, um Minerale aus Schlammpfützen aufzunehmen. Ansonsten halten sie sich in den Kronen von Eichen auf, da sie durch dieses „Tree-Toping“ einen passenden Partner finden und die Weibchen ihre Eier anschließend an die Knospen der Eichen ablegen.
2. Dieser schöne Falter gehört ebenso zu den Bläulingen und hat sogar ein Zipfelchen am Ende der Hinterflügel, ist mit den Zipfelfaltern aber nicht verwandt – der Kurzschwänzige Bläuling (Cupido argiades). Diese wärmeliebende Art legt bedingt durch den Klimawandel aktuell eine unglaubliche Ausbreitungsleistung hin. In diesem Jahr gab es bereits Nachweise an historisch bislang noch nie besiedelten Quadranten. Der Kurzschwänzige Bläuling mag strukturierte, buschige Wiesen oder Lichtungen. Seine Raupen entwickeln sich an Gewöhnlichen Hornklee, Bunter Kronwicke, Luzerne, Rot-Klee, und einigen anderen verwandten Pflanzen.
3. Früher hielt man den Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae), dessen Raupen sich bevorzugt an Schlehen (Prunus spinosa), aber auch an anderen Prunus-Arten entwickeln, für einen seltenen, lückig verbreiteten Falter. Das lag daran, dass die Art nicht beim Nektarbesuch zu sehen ist und eher im Buschwerk versteckt lebt – außer, wenn sie wie hier zum Aufschleckern von Mineralen herauskommt. Erst die systematische Kartierung der Überwinterungsstadien – der Eier – brachte zutage, dass die Art nahezu lückenlos überall vorkommt, wo es Schlehen gibt. Im Normalfall hat der Falter wie auch die anderen Zipfelfalter seine Flügel zusammengeklappt, es war also ein absoluter Glücksfall, dass er gerade beim Minerale-Aufschleckern von Wolken beschattet wurde und sich dann aufgeklappt hat, sodass die vollen Oberseiten zu sehen sind. Noch besser, dass man hier ein Weibchen sieht – nur sie tragen die namensgebenden orangen nierenförmigen Flecken.