Anfang Juni vor dem Makro

Im heutigen Beitrag zeige ich auch wieder ganz aktuelle Fotos, die „nebenbei“ bei einer Artenkartierung in einem strukturreichen, halboffenen Waldstück und einer Magerwiese entstanden sind.

  1. Fleißig dabei, um den Fortbestand ihrer Art zu sichern, waren diese beiden Huflattich-Wickler (Epiblema sticticana), von denen an diesem Tag auch einige unterwegs waren. Die Raupen so gut wie ausschließlich an und von Huflattich, der im Gebiet in großen Mengen vorkommt. Kniffelig ist die rein äußerliche Unterscheidung zur Verwechslungsart Epiblema cirsiana.
  2. Eine hübsche Überraschung hat sich auf sandigen Waldwegen auf einer Lichtung bzw. Kahlschlagsfläche gezeigt: Hier haben sich Feld-Sandlaufkäfer (Cicindela campestris) wohlgefühlt. In unseren stark anthropogen beeinflussten Breiten, funktioniert das „Natur Natur sein lassen“ leider nicht mehr, da wir bereits zuviele Schlüsselarten aus den Ökosystemen entfernt haben. Das führt zu der Situation, dass es eben auch menschliche Eingriffe sein können – teils müssen – die vielen Arten ein Habitat bieten; eben wie offen geschlagene Flächen im Wald oder (unbefestigte!) Wege.
  3. Mit einer sehr hübschen Zeichnung ist die Gelblinien-Spannereule (Trisateles emortualis) aufgefallen. Der Trivialname deutet es schon an: Es ist ein Eulenfalter (Noctuidae), der wie ein Spanner (Geometridae) aussieht und zwar nicht nur auf den ersten Blick! Etwas deutlicher und klarer ist die Familienzugehörigkeit dann beim Blick auf die Raupen.
  4. Na, wer hüpft denn da herum? Zur exakten Bestimmung musste ich das kleine Kerlchen dann doch mal fangen, was doch nicht ganz so einfach war, so klein, glitschig und flink wie er war. Nach Rücksprache mit einem Amphibienexperten sind wir dann bei einem subadulten Grasfrosch gelandet. Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte das nur ein Gähnen bei Naturfreunden, Gartenbesitzern, Landwirten oder Amphibienexperten hervorgerufen – sind sie zu früheren Zeiten in regelrechten Massen und 3-stelligen Zahlen über Äcker und Wiesen (Name) gewandert. Anno 2026 ist jedes einzelne Individuum schon eine kleine Sensation.
  5. Hier hat sich jemand eine Bude gebaut Klassischer Raupensack eines Rauch-Sackträgers, aber der hier ist mir aus mehreren Gründen besonders ins Auge gefallen: Er war deutlich größer als die üblichen vom Kleinen Rauch-Sackträger (Psyche casta) und hing auch anders da; so am Blatt mitten im Wald. Mit gemessenen 13-14mm ist die Bestimmung auch abgesichert, es ist der Große Rauch-Sackträger (Psyche crassiorella). In den Raupensäcken leben und überwinternd die Raupen; die Männchen schlüpfen als winzige, wuschelige schwarze Schmetterlinge, während das Weibchen als Art Raupe als Stubenhocker in der Bude bleibt.
  6. Was für eine hübsch gezeichnete Federmotte haben wir denn hier! Und endlich mal schön in einer natürlichen Umgebung für ein hübsches Foto. Es handelt sich um Platyptilia gonodactyla mit dem wenig etablierten Trivialnamen Habichtskraut-Federmotte. Bei Kleinschmetterlingen sollte man bei der Verwendung der Trivialnamen aufpassen; so werden hin- und wieder vollkommen anderen Federmotten auch unter diesem Namen geführt. Bei der Bestimmung sollte man auch wissen, was man tut und besonders detaillierte Aufnahmen von u.a. den Federn machen – dort liegt in der schwarzen Zeichnung die morphologische Unterscheidung zur Zwillingsart Platyptilia nemoralis. Die Raupen unserer Art leben an Huflattich und Pestwurz.
  7. Hier haben wir…nein, nicht den Goldzünsler, sondern den Purpurroten Zünsler (Pyrausta purpuralis) (siehe Lepiforum). Wichtig bei diesen Artkomplexen, die alle recht variabel und ähnlich aussehen, ist u.a. der Verlauf der gelben Linie auf den Vorderflügeloberseiten sowie deren relative auslaufende Position im Verhältnis zur Position der Mittelinie der Hinterflügeloberseiten. Also Augen auf!
  8. Wenn es lange Fühler hat, muss ich es mir auf jeden Fall ansehen – es hat schon etwas ulkiges. Unzweifelhaft sitzt hier ein Bockkäfer, genauer gesagt, ist es der Scheckhorn-Distelbock (Agapanthia villosoviridescens). Die Larven entwickeln sich in den Stängeln typischer als „Unkraut“ verpöhnten Pflanzen wie Brennnessel und den namensgebenden Disteln. Wer also ein Insektenhotel bauen will: Kratzdisteln pflanzen oder stehen lassen, fertig. Schmetterlingsraupen fressen die Blätter, Wildbienen und Falter besuchen die Blüten, Stieglitze und andere Vögel fressen die Distelsamen. Bei diesem Kommen und Gehen passt der Begriff „Hotel“ schon besser.
  9. Dieser Schöne Marienkäfer ist der…nunja… Schöne Marienkäfer (Sospita vigintiguttata). Die frisch geschlüpften Imagines zeigen sich noch mit weißen Punkten, die mit dem Alter nachdunkeln und sich ins Gelblich-Orange färben. Die Art ist recht verbreitet, kommt aber überall nur selten und vereinzelt vor.
  10. Vielleicht kennt sie der ein oder andere Gärtner, wenn er oder sie so etwas wie Pastinak, Fenchel oder Dill hat oder Wilde Möhre wachsen lässt. Hier hat sich die Raupe von Wiesen-Silau, auch Wiesen-Silge, (Silaum silaus) ernährt. Es ist natürlich die Raupe vom wunderschönen Schwalbenschwanz (Papilio machaon), die noch in einem jungen Stadium is(s)t. Theoretisch könnte man den Falter auf jeder Wiese bis in den Stadtbereich hinein beobachten, aber die Grünflächenämter – wie bei mir in Rudolstadt – arbeiten unermüdlich daran, möglichst jede Raupe, Ei und Nahrungspflanze abzumähen und eine Art afrikanische Steppe zu hinterlassen.
  11. Von dieser Art, dem Schwarzbraunbinden-Blattspanner (Xanthorhoe montanata), hatten wir gleich mehrere Individuen gefunden. Es zeigt einmal mehr wie wertvoll solche Zufallssichtungen von Nachtfaltern am Tag sind: Trotz systematischer Erfassung an zig Standorten im ganzen Umland, hatten wir die Art noch nie am Licht. Dafür schon mehrmals am Tag, u.a. auch bei Urlaubstouren in der Eifel und im Berchtesgadener Land. Daher gilt auch folgendes an alle Naturfreunde und Artenkenner: Meldet doch mal bitte eure Funde auch Was nicht gemeldet wird und nicht erfasst ist, existiert auch nicht – zumindest nicht für Behörden und co.
  12. Achja, die Langhornmotten (Adelidae) sind immer wieder so lustig mit ihren namensgebenden langen Fühlern. Hier ist es die Skabiosen-Langhornmotte (Nemophora metallica), die mit einigen Individuen die Wiesen-Witwenblumen (Knautia arvensis) an dem Tag besiedelt hat.

Einblick in die Nachtfalterkartierung Ende Mai

Am vorletzten Maitag bzw. -nacht, hat es vom Timing und den Bedingungen gepasst, dass wir mal wieder raus in die Nacht zum Nachtfalterleuchten und -ködern sind. Der beinahe-Vollmond war dabei irrelevant, da er im gewählten Gebiet durch Hangwälder verdeckt wird. Apropos Gebiet: Dass es sich um eines, der von mir betreuten Schutzgebiete handelt, macht so eine Erfassung natürlich immer noch ein Stück weit spannender, interessanter und aufschlussreicher.

Das Biotop zeichnet sich durch verschiedene mosaikartig angeordnete Habitate und Lebensräume aus: Von mageren, extensiven Wiesen mit Zottigen Klappertopf, Wiesen-Salbei, Großen Zweiblatt, Wiesen-Witwenblume, Wiesen-Schlüsselblume, Wiesen-Silau usw. bis hin zu Orchideen-Rotbuchenwälder, Edellaubwälder, Kiefern-Mischwälder und Sträuchersäumen.

Wir hatten 52 Arten mit 83 Individuen und waren von 21:30Uhr – 1:10Uhr aktiv. Viel Spaß mit den Collagen!

Was gerade so krabbelt, kreucht und fleucht

Ganz frische Fotos von gestern aus einem lichten, wärmeexponierten Eichenwald mit Kiefernanteilen.

  1. Der Moorwald-Adlerfarnspanner (Petrophora chlorosata) ist nicht unbedingt eine der Arten, die ich im Gebiet erwarten würde. Der namensgebende Adlerfarn stellt die wichtigste Raupenfutterpflanze dar, allerdings zeigen Zuchten mit Raupen als auch Vorkommen und adlerfarnfreien Gebieten, dass die Raupen mitunter auch an anderen Farnen fressen.
  2. An den Blättern einer Zitter-Pappel hat genüsslich eine Schmetterlingsraupe geknuspert. Mit der länglichen Gestalt und den fehlenden (falschen) Bauchbeinen, erkennt man gleich eine Spannerraupe (Geometridae). Es handelt sich um den Orangegelben Breitflügelspanner (Agriopis aurantiaria), der ab Herbst fliegt. Die Raupen fressen nicht nur an der bei Schmetterlingen äußerst beliebten Zitter-Pappel, sondern auch an vielen anderen Laubbäumen.
  3. Ein verbreiteter und relativ häufiger Käfer in unseren Wäldern und für seine Familie, die der Bockkäfer, noch recht gut zu bestimmende Art, ist der Waldbock (Spondylis buprestoides). Seine Beißerchen wirken beeindruckend, aber auf meiner Hand war er sehr friedlich Die kräftigen Kiefern dienen zur Verteidigung, aber primär, um sich durch Totholz von Kiefernstümpfen zu nagen – dort werden die Eier abgelegt und von dort müssen die erwachsenen Käfer (Imagines) sich sozusagen auch wieder herausbeißen. Während die Imagines nur wenige Wochen leben und in dieser Zeit keinerlei Nahrung zu sich nehmen, dauert das Larvalstadium 2-3 Jahre.
  4. Ich finde die Wollschweber (Bombylidae) einfach herrlich anzusehen und zu beobachten und zu dieser Familie gehört auch dieser Wolli: der Zickzacklinien-Trauerschweber (Hemipenthes morio). Wichtig ist bei der Bestimmung der genaue Blick, vor allem auf die Flügel: Denn es gibt auch dunkle Wollis, denen bspw. die Zacken im Flügelmuster fehlen.
  5. Sehr entspannt und gut zu bestimmen, war dieser Fallkäfer: Der Zweipunktige Fallkäfer (Cryptocephalus bipunctatus). Die Käferfamilie hat daher ihren lustigen Namen, da sich ihre Vertreter bei Störungen einfach zu Boden fallen lassen. Das kann man aber mitunter auch bei anderen Käferfamilien wie bspw. den Weichkäfern oder auch einigen Schmetterlingen wie bspw. einigen Eulenfaltern, beobachten.

Frisches Ei, abseilende Raupe, winzige Motte, seltene Tagfalter wuscheliger Nachtfalter

Am Waldrand auf mageren Halbtrockenrasen haben wir in einem NSG einige schöne Falter kartieren können: Von Tag- über Nachtfalter, von frisch abgelegten Eiern über Raupen bis zum Imago (erwachsenes Insekt).

  1. Der Grüne Zipfelfalter (Callophrys rubi) wird auch Brombeer-Zipfelfalter genannt und man sieht ihn gar nicht mehr so häufig hier. Die Raupen sind bei der Wahl ihrer Nahrungspflanze gar nicht so anspruchsvoll, aber die Imagines bevorzugen sehr strukturreiche warme und halboffene Landschaften wie bspw. strauchreiche Waldlichtungen mit viel Sonne oder Ränder bzw. Gebüschsäume von südexponierten Halbtrockenrasen.
  2. Ein richtig toller Fund, der Kleine Esparsetten-Bläuling (Polyommatus thersites); auf den Bildern verschiedene Weibchen, bis auf das Männchen auf dem Finger. Die Art weist extreme Ähnlichkeit mit dem weit verbreiteten und häufigen Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) auf. Die Unterschiede zeigen sich am fehlenden Basaldot der Vorderflügelunterseite (weisen seltene Formen von P. icarus auch auf) sowie der Ausrichtung der 3er-Punktreihe der Hinterflügelunterseite: Der mittelste liegt außerhalb der Mitte Richtung Apex verschoben, bei P. icarus liegt er mittig bzw. Richtung Flügelwurzel verschoben. Die Art ist also zum Einen nicht leicht zu erkennen, aber auch nicht so häufig. Der Trivialname passt auch, der Kleine Esparsetten-Bläuling legt seine Eier am liebsten an die Saat-Esparsette.
  3. Wenn ihre Flugzeit beginnt, kann man sie öfter mal irgendwo ruhend am Tag finden, mitunter auch an Fenstern und Hauswänden: Es ist einer der Wurzelbohrer, hier der Kleine Hopfen-Wurzelbohrer (Korscheltellus lupulina). Die Raupen fressen nicht nur am Hopfen, sondern an einer Vielzahl verschiedener Pflanzen wie Ampfer-Arten, Brennnessel, natürlich auch Hopfen, aber auch Kartoffeln, Weizen uvm. Dabei fressen sie keine Blätter, sondern wie im Namen erwähnt, an Wurzeln.
  4. Selbst beim Leuchten nach Nachtfalter, sind sie nur mit geschultem Auge von einer Fliege zu unterscheiden, es war daher ein lustiger Zufall, dass ich sie entdeckt habe: Die Kohlschabenmotte (Plutella xylostella). Um einen Eindruck der Größe zu bekommen, muss man sich wirklich vor Augen halten, dass sie hier auf einem ganz gewöhnlichen Grashalm sitzt, die Tierchen sind gerade einmal 6-10mm lang!
  5. Es war nicht das erste Mal, dass ich live dabei war, aber es war wieder faszinierend: Die Eiablage vom Tintenfleck-Weißling (Artkomplex Leptidea juvernica/sinapis), dieses Mal am Gewöhnlichen Hornklee. Dieses Foto spricht mehr als Tausend Worte und macht greif und ansehbar, was für ein Massaker eigentlich permanent in Deutschen Gärten und Kommunen angerichtet wird, wenn gemäht wird, als wäre es eine olympische Disziplin.
  6. Wie bei Mission Impossible hing diese Raupe am seidenen Faden in der Luft, wobei der dünne Spinnfaden selbst mit Blitzlicht kaum zu sehen war. Es ist die Raupe der Zweifleck-Kätzcheneule, die sich hier von einer Sommer-Linde abgeseilt hat – neben anderen Laubbäumen eine ihrer Nahrungspflanzen.

Wolli hat seine Freunde mitgebracht


Die Tage war am Rand eines NSG ordentlich Aktivität auf einem sandigen Weg auszumachen: Nicht nur geschäftige Wildbienen, sondern auch ihre Antagonisten – die Wollschweber (Familie Bombylidae). Das zeigt mehrere Dinge an: Dass es oftmals Störstellen wie Wege, Wegränder etc sind, die ein interessantes Habitat darstellen, da viele natürliche Offenstellen durch fehlen von Weidetieren, Nährstoffeintrag und Sukzession, Aufforstung oder Versiegelung verloren gehen, aber es zeigt auch wie das Vorkommen einer Art, einen ganzen Rattenschwanz weiterer Arten nach sich ziehen kann.

Wildbienen brauchen sandiges Substrat für ihre Brutröhren und genau die Wildpflanzen, auf die sie sich spezialisiert haben. Geht es den Wildbienen gut, tauchen auch die „Wollis“ auf, deren Larven parasitär an Wildbienengelegen leben. Das alles wiederum ist natürlich auch tolles Futter für die Vögel – am Anfang der Kette steht jedoch der Sand und die Wildpflanzen.

Aber damit nun erst einmal zu den Wollis: Bei der Menge an Gewusel hat es sich gelohnt, einfach mit der Kamera drauf zu halten, da schon einige vom Habitus etwas anders als der übliche Große Wollschweber (Bombylius major) gewirkt haben. Und siehe da, 3 Arten konnten mithilfe des „Bestimmungsschlüssel für Wollschweber (Diptera: Bombyliidae)“ von Klaus von der Dunk bestimmt werden.

1. Natürlich der Klassiker, der Große Wollschweber Bombylius major. Er ist der häufigste Vertreter seiner Familie und weist die typische Zeichnung auf seinen Flügeln auf, die Beine sind rötlich, an der Antennenwurzel wachsen lange dunkle Haare.

2. Die Art ist ein typisches Beispiel für die Bestimmungsschwierigkeiten bei Insekten, die sowohl viele populäre Bestimmungsbücher als auch Apps verschweigen: Das ist nämlich nur auf den ersten und zweiten Blick ein Großer Wolli (B. major). Man sieht klar, dass die Flügelzelle R1, die liegt oben recht weit außen, nur zur Hälfte dunkel gefärbt ist und der Bogen außen herum dadurch deutlich kurviger und größer wirkt als beim Großen Wollschweber. Damit ist das wichtigste Merkmal von Bombylius fimbriatus zu sehen.

3 & 4 Deutlich kleiner als die beiden anderen und auch schon auf dem ersten Blick mit einer kleineren Flügelzeichnung ausgestattet, ist Bombylius analis. Das kniffeligste war hier eher, dass in dem in die Jahre gekommenen Bestimmungsschlüssel noch vom alten Synonym Bombylius undatus die Rede ist; mittlerweile ist aber B. analis etabliert. Naja, soviel dazu, dass Entomologen immer so viel Wert auf die wissenschaftlichen Bezeichnungen legen, weil die ja eindeutiger sein sollen

Foto 5 zeigt B. major und B. fimbriatus zusammen.

Jedenfalls: Augen auf, wenn die Wollis unterwegs sind!

Wollige Flieger

So wie man die letzten Tage Anfang April doch nochmal den Pullover drüber ziehen konnte, zeigen sich auch einige der frühen Insekten schön bepelzt.

  1. Die beiden Fotos mit dem Löwenzahnbesucher zeigen eine Graue Sandbiene, auch Grauschwarze Düsterbiene (Andrena cineraria) genannt. Sie ist nicht nur eine früh fliegende, sondern auch recht häufige Art, da sich ökologisch zu den Generalisten gehört. Wie die meisten Solitärbienen, legt sie ihre Brutstätten im (sandigen) Boden an. Wie bei Wildbienen quasi Standard gibt es auch hier Verwechslungsarten, wobei es für Wildbienenverhältnisse relativ einfach ist, diese auseinanderzuhalten: Andrena barbarae zeigt dunklere Flügel und keine schwarze Thoraxbinde und die Weidensandbiene (Andrena vaga) weist ebenfalls keine dunkle Binde auf.
  2. Die Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius) war 2023 Wildbiene des Jahres und fliegt bereits sehr früh – nämlich ab März. Die Brutgänge im Sandboden werden bei allen Arten der Gattung mit Sekreten aus mehreren Drüsenseidig ausgekleidet – Daher auch der Gattungsname. Die Art holt sich ihren Pollen und Nektar bevorzugt von verschiedenen Weiden-Arten, was zu ihrer frühen Flugzeit passt.
  3. Kein Hautflügler wie die beiden Bienen der anderen Beiträge, sondern ein Zweiflügler – sprich Fliege – ist der wollige Kumpel hier: Der Große Wollschweber (Bombylius major). Das fliegende Wolllknäuel passt aber ganz wunderbar in die Beitragsreihe mit den Bienen, da er Wildbienen parasitiert. Die Eier werden an die Niströhren der Wirtsbienen gelegt und die Larven krabbeln dann zur Bienenbrut und leben von dieser – die Imagines, also ausgewachsenen Wollis – ernähren sich dagegen von Nektar. Diese parasitäre Lebensweise macht sie weder gefährlich für Bienen noch böse, sondern die Wollis sind eines von vielen Zahnrädchen, dass dafür sorgt, dass das Ökosystem im Gleichgewicht bleibt. Die Geschichte ist damit außerdem noch nicht zu Ende, denn die Wolli-Larven wiederum können selbst als Wirte dienen und von Schlupfwespen parasitiert werden! Das ganze Spektakel nennt man dann Hyperparasitismus.

Schmetterlinge im feuchten Moorwald bei Ungarn am Neusiedler See

Aus der gleichen Ecke wie die Fotos vom letzten Beitrag mit dem Großen Feuerfalter, stammen die heutigen Falterfotos: in grober Nähe vom Neusiedler See, auf ungarischer See in einem feuchten, urigen Moorwald.

1) Der wuschelige und gar nicht so kleine Freund auf den ersten Bildern, ist die Raupe des Braunen Bären (Arctia caja) im letzten Larvalstadium L5. Der Vertreter aus der Unterfamilie Arctiinae ist ein wunderschön gezeichneter Nachtfalter, dem man seine Verwandtschaft mit dem ungleich bekannteren und häufigeren Russischen Bären deutlich ansehen kann. Mittlerweile findet man die Art nicht mehr so häufig, auch bei unseren systematischen Erfassungen in heimischen Gefilden mit Licht und Köder, hatten wir den erwachsenen Falter erst einmal. Als Futterpflanzen bevorzugen die Raupen verschiedene Labkraut-Arten wie Echtes Labkraut, Waldmeister usw.

2) Ein nicht so alltäglicher und unser Erstfund, war das Erlenmoor-Flechtenbärchen (Pelosia muscerda). Das dürfte vor allem dem Lebensraum geschuldet sein, denn die Art findet man nur in feuchten Wäldern und davon findet man zumindest in Deutschland leider nicht mehr so viele. Man macht es sich heutzutage immer recht bequem und schiebt es allein auf den Klimawandel, dabei wird vergessen, dass deutsche Wälder für die Fichtenplantagen u.a. mit Drainagerohren entwässert wurden; Moore und Feuchtwiesen mit Entwässerungsgraben ausgetrocknet, Auen durch Kanalisation trockengelegt und Bachläufe gekappt wurden. Auch eine tägliche Flächenversieglung von über 50ha vermindert bodenverfügbares Wasser.

3) Die Bilder erzählen eine kleine Geschichte: Frau Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) setzte sich auf den Hopfen-Schneckenklee – der bereits durch Raupen angefressen wurde – und legte ein Ei darauf ab! Auf dem zweiten Foto kann man das grünliche, halbkugeklförmige Ei dann rechts auf dem Blatt erkennen.

4) Es ist die abgebildete Unterseite, die diesem Tagfalter seinen Deutschen Trivalnamen verliehen hat: Das Landkärtchen (Araschnia levana), hier Ende Mai in der dunklen Sommergeneration. 2023 war das Landkärtchen Insekt des Jahres. Zur Fortpflanzung ist es zwingend auf das Vorhandensein von Brennnesseln angewiesen, diese sind seine wichtigste Nahrungspflanze.

5) Hier sind 2 Fotos von einem der Dickkopffalter (Hesperiidae), die es mir besonders angetan haben Zu sehen ist der Schwarzkolbige Braun-Dickkopffalter (Thymelicus lineola) bei der Nektaraufnahme an Wilder Sumpfkresse. Bei den Braun-Dickkopffaltern kommt es bei der Bestimmung auf kleine Merkmale wie die Farbe der Fühlerkolbenspitzen an. Die Raupen leben an verschiedenen Gräsern und sind damit wichtige Botschafter dafür, welchen Schaden intensiven Mähen in Parks und Gärten anrichten kann.

6) Ein toller Vertreter der Kleinschmetterlinge, hier ein Zünsler (Pyralidae), ist der Seerosenzünsler (Elophila nymphaeata). Da soll nochmal einer sagen, dass Nachtlfalter oder insbesondere Zünsler und Motten nicht auch toll aussehen! Die Eier werden vom Weibchen, durch Herunterbiegens des Hinterleibs unter die Wasseroberfläche, unter das jeweilige Blatt der Schwimmvegetation abgelegt. Als Nahrungspflanze dienen dabei nicht nur die namensgebenden Seerosen, sondern auch Wasser-Knöterich, Kleine Wasserlinse oder Schwimmendes Laichkraut.

Gut getarnt durch den Winter

An einer Schlehe (Prunus spinosa) konnte ich dieses überwinternde Ei vom Pflaumen-Zipfelfalter (Satyrium pruni) entdecken. Mit dem Laubaustrieb wird auch die Raupe schlüpfen und sich daran bis zur Verpuppung groß fressen. Diese Art entdeckt man nicht so leicht; zum Einen ist sie nicht ganz so häufig, zum Anderen sind die Eier durch den schmutzigen Eindruck sehr gut auf der Borke getarnt. Deutlich leichter und öfter findet man dagegen die Eier vom Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae) auf der Schlehe. Diese sind etwas höher gewölbt und strahlend weiß.

In Thüringen kommt der Pflaumen-Zipfelfalter verbreitet, aber lückig vor und i.d.R. nicht in großer Abundanz (Individuendichte).

Die Schnute!

Durch unzähliges Fotografieren, Kartierungen sowie Literaturstudium hat man ja irgendwann schon einen guten oder zumindest groben Überblick über die Tagfalter-Fauna in (Mittel)Europa. Man ist mit allen Familien vertraut und weiß, dass es bspw. in Südeuropa noch andere Perlmuttfalter-Arten gibt, weitere Bläulinge und besondere Edelfalter wie den Erdbeerbaumfalter.

Aber DAMIT haben wir nicht gerechnet: abseits auf einem Feldweg in Ungarn im Mai ’24, südöstlich vom Neusiedler See am Rand eines urigen Moorwaldes, saßen sie auf der Erde und haben Minerale aufgenommen. Tagfalter mit sonderbarer Flügelform, wie ein großer C-Falter, ein noch nie gesehenes Oberseitenmuster mit eckigen orangen Flecken und dann diese Schnute! Klar, es handelt sich dabei um die Palpen, die alle Schmetterlinge aufweisen. Aber für gewöhnlich sind sie bei Tagfaltern nach oben gebogen. Schnurgerade nach vorn gestreckt kennt man das eher von einigen Nachtfalter.

Unser unbekannter Falterfreund hat sich dann als Zügelbaumfalter oder auch Zürgelbaum-Schnauzenfalter (Libythea celtis) herausgestellt. Das ist eine südeuropäische Tagfalter-Art, die dort an ihre nördliche Verbreitungsgrenze stößt, sich tendenziell aber wohl weiter gen Norden ausbreitet. Woher der Namenszusatz „Schauzenfalter“ kommt, brauche ich bei dieser Schnute sicher nicht erläutern

Das Zürgelbaum im Namen bezieht sich auf die gleichnamige Pflanze, welche zugleich die einzige Raupenfutterpflanze dieses Schmetterlings darstellt.

Nachtfalter auf der Veranda in Ungarn – Teil 1

Beim Neusiedlersee-Urlaub auf der ungarischen Seite im Mai ’24 war das Terrassenlicht am Abend nicht nur beim Abendessen hilfreich, sondern auch um einige Nachtfalter anzulocken, zu fotografieren und zu bestimmen. Neben bekannten Arten und Arten, die man eher gerade noch so im südlichen Deutschland findet, waren auch Arten dabei, die ich in Thüringen eher nicht antreffen werde.

1) Der Rotbandspanner (Rhodostrophia vibicaria) ähnelt dem häufigen Ampferspanner vor allem in Farbgebung, Erscheinungsbild und Bänderung, weist aber nicht die typischen spitz gezackten Hinterflügel auf.

2) Dieser hübsch gezeichnete Zünsler, Cynaeda pustulalis – ohne Deutschen Trivialnamen, kommt nur in Süd- bzw. Südosteuropa vor. Die Art mag warme, steppenartige und oft sandige Offenlandschaften, auf denen Arten der Gattung Ochsenzunge (Anchusa spec.) vorkommen, an denen die Raupen fressen.

3) Das Weißgraue Flechtenbärchen (Eilema caniola) ist auch in Deutschland wohlbekannt. Die Raupen der Flechtenbärchen-Arten (Eilema spec.) haben tatsächlich diese besondere Nahrungsvorliebe: Flechten!

4) Noch ein wunderschönes Zünsler ist der Heuzünsler (Hypsopygia costalis). Das Heu im Namen rührt daher, da die Raupen der Art getrocknete Pflanzenteile fressen.

5) Die Lichtnelkeneule (Hadena bicruris) ist auf Nelkengewächse spezialisiert; dabei ist die Familie der Nelkengewächse gemeint. Die Raupen fressen also nicht nur an bspw. Karthäuser-Nelke, sondern auch an Arten der Gattung Silene spec. wie dem Seifenkraut.
Vor einigen Jahren hat man die Art in 2 Arten aufgesplittet, wie es neuerdings oft bei den Schmetterlingen passiert – dies ist allerdings unter Wissenschaftlern umstritten und es gibt deutliche Hinweise (DNA Barcoding & morphologische Hybride der 2 Formen), dass es nun doch keine eigenständigen Taxone sind. Daher bleibt die Bestimmung auch bei Hadena bicruris.

6) Noch ein Falter mit Liguster im Namen: Ligusterwickler (Clepsis consimilana). Das Foto zeigt ein stark abgeflogenes Männchen; die Art weist einen Geschlechtsdimorphismus auf, denn die Weibchen zeigen nicht die dunklen Bänder, sondern eine netzartige Oberflächenmusterung. Liguster scheint tatsächlich die wichtigste Nahrungspflanze zu sein, die Raupen scheinen es dabei wohl vor allem auf getrocknete Blätter abgesehen zu haben.

7) Richtig schön gezeichnet hat sich das weit verbreitete Eichen-Wicklereulchen (Nycteola revayana) gezeigt. Die Art kommt überall dort vor, wo es Eichen gibt, an denen die Raupen fressen können.

8 ) Ein ganz toller Fund war der Rohrbohrer (Phragmataecia castaneae): hier hatten wir Glück, dass sich unser Ferienhaus gar nicht weit weg vom Neusiedler See und dem Schilfgürtel befunden hat; der Name kommt nicht von ungefähr, den die Art lebt ausschließlich am bzw. vom Schilf.

9) Schon einige Flugmeilen hat offensichtlich die Steppenheiden-Spannereule (Polypogon plumigeralis) gesehen. In Deutschland ist die Art selten und auf den Südwesten beschränkt; ihr Verbreitungsgebiet reicht aber sehr weit von Nordwestafrika über Mitteleuropa bis nach Zentralasien. Der Trivialname passt, denn die Steppenheiden-Spannereule mag Ödländereien und Steppen.

10) Die Fotos zeigen alle die gleiche Art, die auch in Deutschland – wenn auch nicht häufig – verbreitet ist. Es ist das Vierpunkt-Flechtenbärchen (Lithosia quadra). Das namensgebende Merkmal zeigt allerdings nur das Weibchen, wobei alle 4 Punkte nur bei geöffneten Flügeln zu sehen sind, in typischer Ruhehaltung wird ein Punkt stets verdeckt. Das Männchen sieht dagegen vollkommen anders aus und zeigt auf den Vorderflügeloberseiten eine silbrige Grundfärbung mit orangen Ansätzen, während die Spitzen ins Dunkelgrau übergehen.

11) Das Weißliche Graueulchen (Meganola albula) kommt auch in Deutschland vor, für uns war dies aber der Erstfund. Die Art lebt recht versteckt und kommt zwar weit verbreitet, aber nicht in hoher Dichte vor. Es gibt noch viele weitere Trivialnamen für diesen Eulenfalter, einige davon tragen „Brombeere“ im Titel. Diese ist tatsächlich eine wichtige Futterpflanze für due Raupen, jedoch nicht die einzige. Es werden auch Blätter von Heidelbeeren, Erdbeeren und anderer Gewächse gefressen.