Wenn man in Gewässernähe ein Pfeifen hört, ist wahrscheinlich eher nicht das sprichwörtliche Schwein, sondern wahrscheinlich die Pfeifente. Sie macht ihrem Namen alle Ehre und ihr Ruf ist tatsächlich ein Pfeifen.
Die Fotos zeigen einen Erpel im September, also noch im Schlichtkleid. Im Prachtkleid ist später wieder der markante gelbe Stirnstreifen zu sehen. Wenn nicht verdeckt (wie auf Foto 2 und 3) sieht man den grünen Spiegel im Flügelfeld (Foto 1). Auch der helle Schnabel mit schwarzer Spitze sowie der weiße Bauch sind verlässliche Merkmale der Pfeifenten.
Sie gehören zu den Gründelenten und suchen ihre Nahrung daher im seichten Wasser oder auch oft wie hier weidend auf Wiesenflächen.
So wie auch bei anderen Enten, kann man bei der Pfeifente einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus beobachten: Die Bilder aus dem Dezember zeigen zuerst den Erpel im Prachtkleid und folgend die Enten-Dame.
Mit einer Körperlänge von 45-50cm gehört die Pfeifente zu den mittelgroßen Enten und zu den Enten-Arten, die man für gewöhnlich nicht im Sommer sehen kann, da sie im Norden brüten. Mit gerade einmal 20-35 Brutpaaren ist sie hierzulande eine Ausnahmeerscheinung als Brutvogel, den Winter verbringen dagegen bis zu 270.000 Individuen hier. Damit ist die beste Zeit Pfeifenten zu beobachten und ggf. ihr lustiges Pfeifen zu hören von September bis April.
Es gibt einige tolle und seltene Entenarten in Deutschland, aber die Pfeifente würde ich mit zu den seltensten zählen, da sie im Gegensatz zu anderen seltenen Enten, hier so gut wie gar nicht als Brutvogel vorkommt (20-35 BP) und man sie nur im Winterhalbjahr beim Rasten und Überwintern sehen kann. Das liegt ganz einfach daran, dass es eine nordische Entenart ist, die im Norden Eurasiens brütet. Wenn man den Globus weiterdreht, wird die Art am anderen Ende der Welt in Amerika durch die Kanadapfeifente abgelöst. Zwischen den beiden Arten kommt es in Grenzbereich, vor allem am Pazifik, auch oft zu Hybridisierung.
Die daraus hervorgehenden Nachkommen sind fruchtbar! So kommt es dann zu mit den ursprünglichen Eltern-Arten zu weiteren Rückkreuzungen und die Merkmale werden über die Generationen wieder diffuser. Und genau damit sind wir beim ersten Foto: Es kommt öfter vor, Pfeifenten-Erpel etwas grünlichen Schimmer hinter dem Auge zeigen, aber der Anteil des Individuums auf dem ersten Bild ist auffallend groß. Es ist definitiv kein Hybride der ersten Generationen, aber man kann begründet darauf spekulieren, dass es in der genetischen Linie dieses Individuums einmal gemischte Vorfahren gab. Dazu passt auch, dass dieses morphologische Erscheinungsbild mit viel grünem Schimmer vor allem im pazifischen Grenzbereich der Kanada- und Eurasischen Pfeifente beobachtet wird. 10% der Population in Ostasien zeigen dieses Merkmal.
Abschließend geklärt bzw. genetisch zweifelsfrei bewiesen ist das aber noch nicht, hier ist definitiv noch Forschung nötig!
Das zweite und fünfte Foto zeigt einen Erpel im Prachtkleid, das dritte Foto im Übergangskleid und auf dem vierten sieht man hinter dem Erpel ein blasser gefärbtes Weibchen.
Mitte Januar auf der Saale sind unsere beiden witzigsten Entenarten beieinander geschwommen: Die Pfeifente, deren Erpel zur Balz ein lustiges Pfeifen von sich geben und die Schnatterente, deren Erpel wie mit zugehaltener Nase „Mep“ rufen.
Bei der Schnatterente ist ein Erpel auf dem Foto zu sehen, die Pfeifente ist ein vorjähriges Weibchen. Die Flügeldecken sind bei den Jungvögeln, wie auch vielen anderen Arten, noch weiß gerändert (statt orange) und es fehlt ihnen auf der Fläche der Decken das orange Muster adulter Weibchen. In Thüringen auf der Saale und umliegenden trifft man Pfeifenten im Winter nicht sehr häufig an, es ist anzunehmen, dass die Pfeifente vor der Kaltfront geflüchtet ist.