Anfang Juni vor dem Makro

Im heutigen Beitrag zeige ich auch wieder ganz aktuelle Fotos, die „nebenbei“ bei einer Artenkartierung in einem strukturreichen, halboffenen Waldstück und einer Magerwiese entstanden sind.

  1. Fleißig dabei, um den Fortbestand ihrer Art zu sichern, waren diese beiden Huflattich-Wickler (Epiblema sticticana), von denen an diesem Tag auch einige unterwegs waren. Die Raupen so gut wie ausschließlich an und von Huflattich, der im Gebiet in großen Mengen vorkommt. Kniffelig ist die rein äußerliche Unterscheidung zur Verwechslungsart Epiblema cirsiana.
  2. Eine hübsche Überraschung hat sich auf sandigen Waldwegen auf einer Lichtung bzw. Kahlschlagsfläche gezeigt: Hier haben sich Feld-Sandlaufkäfer (Cicindela campestris) wohlgefühlt. In unseren stark anthropogen beeinflussten Breiten, funktioniert das „Natur Natur sein lassen“ leider nicht mehr, da wir bereits zuviele Schlüsselarten aus den Ökosystemen entfernt haben. Das führt zu der Situation, dass es eben auch menschliche Eingriffe sein können – teils müssen – die vielen Arten ein Habitat bieten; eben wie offen geschlagene Flächen im Wald oder (unbefestigte!) Wege.
  3. Mit einer sehr hübschen Zeichnung ist die Gelblinien-Spannereule (Trisateles emortualis) aufgefallen. Der Trivialname deutet es schon an: Es ist ein Eulenfalter (Noctuidae), der wie ein Spanner (Geometridae) aussieht und zwar nicht nur auf den ersten Blick! Etwas deutlicher und klarer ist die Familienzugehörigkeit dann beim Blick auf die Raupen.
  4. Na, wer hüpft denn da herum? Zur exakten Bestimmung musste ich das kleine Kerlchen dann doch mal fangen, was doch nicht ganz so einfach war, so klein, glitschig und flink wie er war. Nach Rücksprache mit einem Amphibienexperten sind wir dann bei einem subadulten Grasfrosch gelandet. Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte das nur ein Gähnen bei Naturfreunden, Gartenbesitzern, Landwirten oder Amphibienexperten hervorgerufen – sind sie zu früheren Zeiten in regelrechten Massen und 3-stelligen Zahlen über Äcker und Wiesen (Name) gewandert. Anno 2026 ist jedes einzelne Individuum schon eine kleine Sensation.
  5. Hier hat sich jemand eine Bude gebaut Klassischer Raupensack eines Rauch-Sackträgers, aber der hier ist mir aus mehreren Gründen besonders ins Auge gefallen: Er war deutlich größer als die üblichen vom Kleinen Rauch-Sackträger (Psyche casta) und hing auch anders da; so am Blatt mitten im Wald. Mit gemessenen 13-14mm ist die Bestimmung auch abgesichert, es ist der Große Rauch-Sackträger (Psyche crassiorella). In den Raupensäcken leben und überwinternd die Raupen; die Männchen schlüpfen als winzige, wuschelige schwarze Schmetterlinge, während das Weibchen als Art Raupe als Stubenhocker in der Bude bleibt.
  6. Was für eine hübsch gezeichnete Federmotte haben wir denn hier! Und endlich mal schön in einer natürlichen Umgebung für ein hübsches Foto. Es handelt sich um Platyptilia gonodactyla mit dem wenig etablierten Trivialnamen Habichtskraut-Federmotte. Bei Kleinschmetterlingen sollte man bei der Verwendung der Trivialnamen aufpassen; so werden hin- und wieder vollkommen anderen Federmotten auch unter diesem Namen geführt. Bei der Bestimmung sollte man auch wissen, was man tut und besonders detaillierte Aufnahmen von u.a. den Federn machen – dort liegt in der schwarzen Zeichnung die morphologische Unterscheidung zur Zwillingsart Platyptilia nemoralis. Die Raupen unserer Art leben an Huflattich und Pestwurz.
  7. Hier haben wir…nein, nicht den Goldzünsler, sondern den Purpurroten Zünsler (Pyrausta purpuralis) (siehe Lepiforum). Wichtig bei diesen Artkomplexen, die alle recht variabel und ähnlich aussehen, ist u.a. der Verlauf der gelben Linie auf den Vorderflügeloberseiten sowie deren relative auslaufende Position im Verhältnis zur Position der Mittelinie der Hinterflügeloberseiten. Also Augen auf!
  8. Wenn es lange Fühler hat, muss ich es mir auf jeden Fall ansehen – es hat schon etwas ulkiges. Unzweifelhaft sitzt hier ein Bockkäfer, genauer gesagt, ist es der Scheckhorn-Distelbock (Agapanthia villosoviridescens). Die Larven entwickeln sich in den Stängeln typischer als „Unkraut“ verpöhnten Pflanzen wie Brennnessel und den namensgebenden Disteln. Wer also ein Insektenhotel bauen will: Kratzdisteln pflanzen oder stehen lassen, fertig. Schmetterlingsraupen fressen die Blätter, Wildbienen und Falter besuchen die Blüten, Stieglitze und andere Vögel fressen die Distelsamen. Bei diesem Kommen und Gehen passt der Begriff „Hotel“ schon besser.
  9. Dieser Schöne Marienkäfer ist der…nunja… Schöne Marienkäfer (Sospita vigintiguttata). Die frisch geschlüpften Imagines zeigen sich noch mit weißen Punkten, die mit dem Alter nachdunkeln und sich ins Gelblich-Orange färben. Die Art ist recht verbreitet, kommt aber überall nur selten und vereinzelt vor.
  10. Vielleicht kennt sie der ein oder andere Gärtner, wenn er oder sie so etwas wie Pastinak, Fenchel oder Dill hat oder Wilde Möhre wachsen lässt. Hier hat sich die Raupe von Wiesen-Silau, auch Wiesen-Silge, (Silaum silaus) ernährt. Es ist natürlich die Raupe vom wunderschönen Schwalbenschwanz (Papilio machaon), die noch in einem jungen Stadium is(s)t. Theoretisch könnte man den Falter auf jeder Wiese bis in den Stadtbereich hinein beobachten, aber die Grünflächenämter – wie bei mir in Rudolstadt – arbeiten unermüdlich daran, möglichst jede Raupe, Ei und Nahrungspflanze abzumähen und eine Art afrikanische Steppe zu hinterlassen.
  11. Von dieser Art, dem Schwarzbraunbinden-Blattspanner (Xanthorhoe montanata), hatten wir gleich mehrere Individuen gefunden. Es zeigt einmal mehr wie wertvoll solche Zufallssichtungen von Nachtfaltern am Tag sind: Trotz systematischer Erfassung an zig Standorten im ganzen Umland, hatten wir die Art noch nie am Licht. Dafür schon mehrmals am Tag, u.a. auch bei Urlaubstouren in der Eifel und im Berchtesgadener Land. Daher gilt auch folgendes an alle Naturfreunde und Artenkenner: Meldet doch mal bitte eure Funde auch Was nicht gemeldet wird und nicht erfasst ist, existiert auch nicht – zumindest nicht für Behörden und co.
  12. Achja, die Langhornmotten (Adelidae) sind immer wieder so lustig mit ihren namensgebenden langen Fühlern. Hier ist es die Skabiosen-Langhornmotte (Nemophora metallica), die mit einigen Individuen die Wiesen-Witwenblumen (Knautia arvensis) an dem Tag besiedelt hat.

Schöner Fund: Moorfrosch

Einer von vielen schönen Funden im ungarischen Moorwald, war der Moorfrosch Ende Mai. Er gehört wie Gras- und Springfrosch zu den Braunfröschen; die Bestimmung kann unter Umständen etwas kniffelig sein. Das Schnauzenprofil ist etwas spitzer als beim Grasfrosch, aber weniger spitz als beim Springfrosch. Die Drüsenleisten auf dem Rücken sind meist deutlich zu sehen, ein unsicheres Merkmal ist der kontrastreich gezeichnete Kopf.

Der Moorfrosch lebt vor allem im Flachland und besiedelt neben den namensgebenden Niedermooren und Randbereichen von Hochmooren, auch Feuchtwiesen, Auwälder und generell Lebensräume mit hohem Grundwasserstand. Wichtig sind ihm strukturreiche Lebensräume und besonnte Uferbereiche.

Die bekannte Blaufärbung der Art betrifft nur die Männchen und das auch nur zu einer recht kurzen Zeit zur Balz im Frühjahr.

Über gelbe und rote Bäuche

In Mitteleuropa können wir 2 Vertreter der Unken beobachten, die Gelbbauch- und Rotbauchunke. Namensgebend sind die jeweiligen – in Warnfarben gezeichneten, Bäuche und Brüste, wobei man vor allem das „rot“ nicht auf die Goldwaage legen sollte: Bei der Rotbauchunke geht das Gelb-Orange ein klein wenig mehr in die rötliche Richtung, aber vor allem zeigt die Rotbauchunke deutlich weniger Farbe als ihre Schwesternart.

Die Fotos zeigen Rotbauchunken (Bombina bombina) und das lässt sich schon rein geografisch und vom Habitat bestimmen: Die Trennlinie beider Arten verläuft quer durch Deutschland, von der Mitte aus Richtung Südwest kommt die Gelbbauchunke und ab Osten die Rotbauchunke vor.

Die Gelbbauchunken werden dabei nicht ohne Grund auch „Bergunken“ genannt, da sie eher in Berg- und Hügellandschaften vorkommen wie bspw. in Mittelgebirgslagen. Die Rotbauchunken sind eher Flachlandarten und daher war es auch klar, dass wir im ungarischen Moorwald die Rotbauchunken vor uns haben.

Schon auf den ersten Blick kann man sehen, dass sich die kleinen Unken von den Fröschen und Kröten unterscheiden, achtet mal auf die markante, dreieckige Form der Pupille! Was man auch auf dem Foto sehen kann, ist das typische Laichgewässer: kleine, teils vegetationsreiche Tümpel, die sich schnell erwärmen.

Leider sind die Unken bei uns extremst bedroht, der Hauptgrund ist der Lebensraumverlust von kleinen Tümpeln, sei es durch Versiegelung von Wegen, Zuschütten von Tagebauen, zu viel Verkehr, illegale Fischaussetzung in Gewässer als auch Austrocknung im Zuge immer heißer werdender Sommer.

Amphibischer Wildwechsel

Bei der aktuellen Gefährdungs- und Bestandssituation der mitteleuropäischen Amphibien, ist ja beinahe jede Art an sich schon ein toller Fund. Nichtsdestotrotz gibt es besonders schöne und rare Sichtungen, wie hier Ende Mai die junge Wechselkröte (Bufotes viridis), welche den Weg queren wollte (und dabei unterstützt wurde).

Damit die Wechselkröte nicht zur Verwechselkröte wird, schauen wir uns die Art und ihre Bestimmungsmerkmale mal genauer an:

Sehr markant ist der helle Grund mit dunklen, meist grünlichen Flecken. Die Pupillen sind im Gegensatz zu Geburtshelfer- oder Knoblauchkröte rund. Sehr oft sind die Warzen der Wechselkröte orange bis rötlich gefärbt. Am ehesten besteht damit Verwechslungsgefahr mit der Kreuzkröte, mit der es auch Überschneidungen beim Biotop gibt: So mögen beide eher offene, warme Stellen wie Ruderalflächen und Tagebaue mit lockerem Bodensubstrat. Die Kreuzkröte zeigt allerdings auch im jungen Alter ihren namensgebenden Strich, der längs über den Rücken (umgangssprachlich Kreuz) verläuft. Somit ist klar, dass hier eine noch recht junge Wechselkröte herumgehüpft ist.

Schöne Funde an Waldteichen

Letztes Wochenende waren wir insbesondere zur Libellensuche in einem Teichgebiet im Ilmenauer Landkreis unterwegs und haben mit 18 Arten an einem Nachmittag einen tollen Kartiererfolg gehabt. Auch besondere Schmetterlinge wie der Kleine Eisvogel oder Feurige Perlmuttfalter waren zu sehen, außerdem toll Vogelarten wie der Schwarzmilan und Fischadler. Da ich ohnehin noch unzählige Vogelfotos habe, habe ich mich mit dem Makro auf die kleineren Tierchen konzentriert.

1. Sie trägt zwar das „Gemein“ im Namen, aber heutzutage heißt das ja bekanntlich nicht mehr soviel, denn so oft trifft man die Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa) nicht an; auf dem Foto ein Weibchen. Bei den Binsenjungfern ist ein Makrofoto unerlässlich, um die Art zweifelsfrei zu bestimmen, da die diagnostischen Merkmale zur Artdifferenzierung oft sehr diffizil sind. Ausschlag gebend bei Weibchen der Art sind u.a. dass das 1. Segment des Abdomens seitlich keinen metallischen Fleck aufweist sowie ein deutlich spitzes Basalstück am Übergang vom 9. zum 10. Segment unterseitig – beides auf den Fotos zu erkennen.

Die ersten Gemeinen Binsenjungfern schlüpfen ab Mai, deren Hauptflugzeit liegt aber zwischen Ende Juni und September. Sie kommt auf gut besonnten Stillgewässern mit ausreichender Vegetation vor.

2. Die schönen wie auch hoch spezialisierten Quelljungfern sind auf Grund ihrer bevorzugten Lebensräume und Ansprüche allgemein selten, die hier gezeigte Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) steht in Thüringen auf der Roten Liste als gefährdet (3); das Foto zeigt ein Männchen. Die Art bevorzugt eher Mittelgebirgslandschaften und reproduziert sich dort in sommerwarmen Fließgewässern wie beschattete Waldbäche, Wiesenbäche- und Rinnsäle sowie Gräben, solange diese Gewässer nicht zu schmutzig sind, zu breit oder zu strömungsintensiv sind.

Bei den Quelljungfern muss man genau hinsehen, recht ähnlich ist bspw. auch die Gestreifte Quelljungfer, die hat allerdings nur jeweils einen Streifen an an den Segmentübergängen.

3. Immer schön zu sehen – wenn man sie nicht übersieht, sind auch unsere normalen Grünfrösche, die einem schwer zu differenzierenden Artkomplex aus 3 Arten angehören, wovon die 3. Art ein Hybrid aus den beiden anderen ist. Die Haupt-Laichzeit der Grünfrösche liegt zwischen Mai und Juni, ab Ende August findet so langsam – je nach Witterung und Entfernung – die Rückwanderung zu den Überwinterungsquartieren statt.

4. Was haben Waldeidechse, Mooreidechse und Bergeidechse gemein? Nun – Alles! Es ist tatsächlich die gleiche Art Zootoca vivipara, der man je nach Lebensraum nur unterschiedliche Trivialnamen zuteilt. Der interessanteste Aspekt dieser Art mit dem relativ kleinen Köpfchen verbirgt sich im Artepitheton des wissenschaftlichen Namens: vivipar = lebensgebärend. Nun ist ja bekannt, dass Reptilien Eier legen und auch die Waldeidechse lässt ihre Jungen in Eiern heranwachsen – im Unterschied zu anderen Echsen aber nicht außerhalb, sondern innerhalb des Körpers.

Grün hinter den Ohren

Obwohl er die Jugend bereits hinter sich gelassen hat, ist der Geselle im heutigen Beitrag aus dem August trotzdem noch ordentlich grün hinter den Ohren – Kein Wunder, es handelt sich um einen Grünfrosch

Grünfrosch bzw. Wasserfrosch ist dabei keine Artzuordnung direkt, sondern ein Aggregat, also Zusammenschluss, sehr nah verwandter und schwer zu bestimmender Arten aus hierzulande: Kleiner Wasserfrosch, Seefrosch und Teichfrosch. Letzt genannte Art ist dabei ein Hybride aus den beiden erstgenannten. Da die Arten sich also mitunter untereinander verpaaren, kreuzen und die Hybriden sogar fortpflanzungsfähig sind sowie die Arten untereinander auch schwer unterscheidbar sind, macht das ganze bei der Bestimmung recht kompliziert. Hierfür werden oft die Fersenlängen oder die spezifischen Rufe herangezogen.

Von besonderen Libellen, knutschenden Fröschen und einfliegenden Gelblingen

Im heutigen Beitrag geht es um ein paar Fotos von gestern sowie Mitte August, die einige schöne Arten und besondere Momente zeigen.

1. In den Hochstaudenfluren von der Großen Brennnessel hat sich genauen Blick eine Puppe vom Admiral (Vanesse atalanta) versteckt. Solche glänzenden Goldflecken weisen auch Puppen vom Tagpfauenauge auf, aber beim genauen Blick lassen sich die Arten gut unterscheiden. Aufpassen muss auch bei den extrem variablen Raupen vom Admira, einige Morphe sehen denen vom Tagpfauenauge mitunter auch recht ähnlich.

2. Ein Erstfund für uns und sowohl das Gebiet, war diese Libelle aus der Familie der Falkenlibellen. Es handelt sich um die nicht häufige Glänzende Smaragdlibelle (Somatochlora metallica). Wie bei vielen Libellen sind wichtige Bestimmungsmerkmale oft recht filigrane Elemente. Das sicherste Merkmal hier ist die gelbe Zeichnung der Stirn.

3. Hier war eine weibliche Libelle immer wieder dabei, ihr Abdomenende stoßhaft ins Wasser zu tauchen – Also ein Weibchen bei der Eiablage. Die Art ist der Große Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), Zustand und Färbung verraten ein fortgeschrittenes Alter.

4. Eine witzige Momentaufnahme boten diese beiden Grünfrösche, die in dieser Post verharrt haben

5. Hier kam im Gebiet von Kiesseen und aktivem Tagebau eine dicke Raupe des Weges gekrochen. Das Analhorn verrät schon beim ersten flüchtigen Blick die Zugehörigkeit zur Familie der Schwärmer (Sphingidae) und bei der Art handelt es sich um den Labkraut-Schwärmer. Der ist recht verbreitet, aber nirgends häufig und kommt nur vereinzelt vor – in Thüringen steht er auf der Roten Liste auf der 2, also stark gefährdet. Mit Weidenröschen- und Labkraut-Arten, scheint die Art zwar nicht sonderlich anspruchsvoll, aber die passende Larvalnahrung ist nur die halbe Miete. Mikroklima, Habitatrequisiten, passendes Substrat zum Eingraben (Schwärmerraupen graben sich in den Boden und verpuppen sich dort), uvm. spielt eine ebenso wichtige Rolle.

6. Neben vielen herumfliegenden Goldenen Achten (Colias hyale) konnten wir zweifelsfrei 3 Postillions bestimmen; die Fotos zeigen erst ein Männchen und dann das Weibchen mit den durchscheinenden weißen Punkten auf dem Schwarz der Apikalregion. Der Postillion oder Postillion heißt auch Wandergelbling – ein zutreffender Name, da dies eine südliche Art ist, die in unterschiedlicher Stärke zu uns einwandert. Für unsere Region eine schöne Besonderheit und dass es mal mit Bildern geklappt hat, war noch schöner.

7. Klar zu sehen eine Sedum-Art, also eine Art der Fetthennen/Mauerpfeffer. Hier ist es die Purpur-Fetthenne (Sedum telephium), die uns zuvor noch nicht aufgefallen war.

Gewusel in der Nacht

Mit Genehmigung und im Auftrag der UNB sind wir in der Region zum Kartieren von Nachtfaltern aktiv, welche mit Licht und Köder gelockt und – soweit dies ohne Genitaluntersuchung und Barcoding möglich ist (was meist der Fall ist) – bestimmt sowie erfasst werden. Nachts im Wald erlebt man dann natürlich noch einige andere bemerkenswerte Vorkommnisse. In der Nacht hatten wir neben 60 Nachtfalterarten, auch Laufkäfer, Bockkäfer, Marienkäfer, Skorpionsfliegen und andere Insekten. Die Waldkäuze waren für Mitte August außerordentlich aktiv. Es waren nicht nur Rufe von Männchen und Weibchen zu hören, sondern auch das im Balz-Kontext vorgetragene Nestanzeige-Rollern des Männchens. Meist geht es bei den Waldkäuzen ab September mit der Herbstbalz los, diese hier scheinen schon ganz heiß drauf zu sein.

Zum Thema bemerkenswerte andere Beobachtungen: Da sollte die Nadelwald-Säbelschrecke (Barbitistes constrictus) erwähnt werden. Das Foto zeigt ein Weibchen und das bemerkenswerte ist, dass die Art hier selten vorkommt, da ihre nördliche Arealgrenze bei Thüringen-Sachsen-Sachsen-Anhalt verläuft.

Der Laufkäfer mit dem schönen bläulich-metallisch leuchtenden Rand ist die Goldleiste oder auch Violettrandiger Laufkäfer (Carabus violaceus).

Ein netter Besucher war auch die zuerst ankrabbelnde junge Erdkröte (Bufo bufo), welche später Gesellschaft von einem wirklich großen weiblichen und adulten Individuum bekam.

Mit einer Liste von 60 Nachtfalter-Arten erschlage ich hier niemanden; Bei Interesse an Informationen zu einer Art einfach fragen

Tolle Arten auf einem renaturierten Sandtagebau

Bei bestem Wetter war ich Samstag auf Tour bei einem ehemaligen und mittlerweile renaturierten Sandtagebau, welcher nicht nur Ödland-Charakter aufweist, sondern auch einige schöne Kleinbiotope wie Tümpel bietet und an Wald- und Strauchgebiete grenzt.

1) Die sehr großen gelben Schmetterlingsblütler-Blüten sowie der Standort lassen gleich einen Ginster (Genista spec.) vermuten, vor allem die seidig behaarten Blattunterseiten verraten auch die genaue Art: Der Behaarte Ginster (Genista pilosa).

2) Den Dünen-Sandlaufkäfer (Cicindela hybrida) wollte ich schon länger mal sehen und fotografieren – Was für schöne Käfer! Und verdammt flink sind sie auch. Auf den Bildern kannibalisieren sie sich übrigens nicht gegenseitig: Das Männchen verbeißt sich zur Paarung an seiner Auserwählten. Von roten Rosen und Kerzenscheindinner haben sie anscheinend noch nichts gehört

3) Von den Frühen Adonislibellen (Pyrrhosoma nymphula) waren auch einige unterwegs. Kein Wunder, der Name deutet es an: Ihre Flugzeit beginnt bereits ab April.

4) Einer der unzähligen Verursacher des Quak-Konzertes aus dem Tümpel zeigt sich hier auf dem Foto, es ist eine Art aus dem Grünfrosch- bzw. Wasserfrosch-Artenkomplex bestehend aus Kleiner Wasserfrosch, Teichfrosch, Seefrosch. Die exakte Bestimmung ist sehr kniffelig und dazu sollte man das Tier am besten in der Hand haben (wie bei Krötenzaun-Erfassungen), noch dazu ist bis heute nicht abschließend geklärt inwiefern die sich munter miteinander paarenden Arten überhaupt eigenständige Arten sind.

5) Ein tolle Besonderheit und Charakterart dieses Biotop-Typs ist die Kreuzkröte! Der Name leitet sich von dem Strich auf dem Rücken (Kreuz) ab, der sich bei aller Variation immer zeigt. Sehr markant waren auch die arttypischen Rufe, die deutlich anders klangen als das übliche Gequake. Sowohl Kaulquappen als auch Laichschnüre dürften höchstwahrscheinlich von ihr stammen (Aussehen, Phänologie, Anwesenheit der Art).

6) Sicher einer unser häufigsten Kleinschmetterlinge, der auch gut am Tag zu beobachten ist, ist der Olivbraune Zünsler (Pyrausta despicata), den man oft in größeren Individuenzahlen findet.

7) Immer wieder imposant ist die Erscheinung des Plattbauchs (Libellula depressa), hier ein Weibchen von beiden Seiten.

8 ) Ein Besucher aus dem anliegenden Wald hat sich mit zwei Individuen auch gezeigt und zwar der Trauermantel (Nymphalis antiopa). Diese zu den Edelfaltern gehörenden Tagfalter erwischt man eher selten am Nektar, dafür sollen sie wohl öfter an blutenden Baumstämmen beim Aufschleckern der Baumsäfte zu beobachten sein. Außerdem mögen sie, wie auch einige andere Falter, vergorenes Fallobst im Herbst. Die Raupen entwickeln sich hauptsächlich an Hängebirken und Salweiden.

Tolle Amphibienfunde im September

Letztes Wochenende haben wir u.a. auch einige Amphibien beobachten können. Los geht’s mit einem Überraschungsfund nachts aus dem Wald, wo wir wegen der Eulenbalz (Herbstbalz) waren und auch eine Ringelnatter beobachten konnten. Etwas versteckt war der Feuersalamander auf den ersten beiden Fotos.

Glücklicherweise scheint der infektiöse Pilz „Bsal“ hier noch nicht so verbreitet zu sein und dieses Individuum zeigte auch keine äußeren dermatologischen Symptome. Wie so vieles andere auch wurde Bsal durch den Menschen eingeschleppt, genauer gesagt durch Haustierhalter, denen es nicht exotisch genug sein kann. Denn während asiatische Amphibien durch das natürliche Vorkommen des Pilzes über Jahrmillionen eine Immunabwehr aufgebaut haben, kamen Amphibien außerhalb dieser Region bis zuletzt niemals mit dem Pilz in Kontakt. Mit den exotischen Haustieren kam dann auch er Pilz nach Europa und führt momentan zu einem Massensterben der Amphibien nie dagewesenen Ausmaßes.

Ein anderer besonderer Amphibienfund war dieser herumkletternder Laubfrosch auf den restlichen Fotos. Laubfrösche haben keine Schwimmhäute wie bspw. die Grünfrösche, dafür aber Haftscheiben an den Zehenspitzen, mit denen sie hervorragend klettern können. Dieses Individuum, welches wir angetroffen haben, zweigte allerdings eine starke Fehlbildung des rechten Auges, was auf den letzten beiden Fotos zu erkennen ist. Neben einer unglücklichen Genmutation, stehen dabei auch Umweltfaktoren wie Gülle als auch der Einsatz von Pestiziden – speziell Glyphosat – als Verursacher in Verdacht. Es ist bekannt und erwiesen, dass letztere Umweltfaktoren zu Miss- und Fehlbildungen während der Entwicklung der Kaulquappen führen können.