Im heutigen Beitrag zeige ich auch wieder ganz aktuelle Fotos, die „nebenbei“ bei einer Artenkartierung in einem strukturreichen, halboffenen Waldstück und einer Magerwiese entstanden sind.
- Fleißig dabei, um den Fortbestand ihrer Art zu sichern, waren diese beiden Huflattich-Wickler (Epiblema sticticana), von denen an diesem Tag auch einige unterwegs waren. Die Raupen so gut wie ausschließlich an und von Huflattich, der im Gebiet in großen Mengen vorkommt. Kniffelig ist die rein äußerliche Unterscheidung zur Verwechslungsart Epiblema cirsiana.
- Eine hübsche Überraschung hat sich auf sandigen Waldwegen auf einer Lichtung bzw. Kahlschlagsfläche gezeigt: Hier haben sich Feld-Sandlaufkäfer (Cicindela campestris) wohlgefühlt. In unseren stark anthropogen beeinflussten Breiten, funktioniert das „Natur Natur sein lassen“ leider nicht mehr, da wir bereits zuviele Schlüsselarten aus den Ökosystemen entfernt haben. Das führt zu der Situation, dass es eben auch menschliche Eingriffe sein können – teils müssen – die vielen Arten ein Habitat bieten; eben wie offen geschlagene Flächen im Wald oder (unbefestigte!) Wege.
- Mit einer sehr hübschen Zeichnung ist die Gelblinien-Spannereule (Trisateles emortualis) aufgefallen. Der Trivialname deutet es schon an: Es ist ein Eulenfalter (Noctuidae), der wie ein Spanner (Geometridae) aussieht und zwar nicht nur auf den ersten Blick! Etwas deutlicher und klarer ist die Familienzugehörigkeit dann beim Blick auf die Raupen.
- Na, wer hüpft denn da herum? Zur exakten Bestimmung musste ich das kleine Kerlchen dann doch mal fangen, was doch nicht ganz so einfach war, so klein, glitschig und flink wie er war. Nach Rücksprache mit einem Amphibienexperten sind wir dann bei einem subadulten Grasfrosch gelandet. Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte das nur ein Gähnen bei Naturfreunden, Gartenbesitzern, Landwirten oder Amphibienexperten hervorgerufen – sind sie zu früheren Zeiten in regelrechten Massen und 3-stelligen Zahlen über Äcker und Wiesen (Name) gewandert. Anno 2026 ist jedes einzelne Individuum schon eine kleine Sensation.
- Hier hat sich jemand eine Bude gebaut Klassischer Raupensack eines Rauch-Sackträgers, aber der hier ist mir aus mehreren Gründen besonders ins Auge gefallen: Er war deutlich größer als die üblichen vom Kleinen Rauch-Sackträger (Psyche casta) und hing auch anders da; so am Blatt mitten im Wald. Mit gemessenen 13-14mm ist die Bestimmung auch abgesichert, es ist der Große Rauch-Sackträger (Psyche crassiorella). In den Raupensäcken leben und überwinternd die Raupen; die Männchen schlüpfen als winzige, wuschelige schwarze Schmetterlinge, während das Weibchen als Art Raupe als Stubenhocker in der Bude bleibt.
- Was für eine hübsch gezeichnete Federmotte haben wir denn hier! Und endlich mal schön in einer natürlichen Umgebung für ein hübsches Foto. Es handelt sich um Platyptilia gonodactyla mit dem wenig etablierten Trivialnamen Habichtskraut-Federmotte. Bei Kleinschmetterlingen sollte man bei der Verwendung der Trivialnamen aufpassen; so werden hin- und wieder vollkommen anderen Federmotten auch unter diesem Namen geführt. Bei der Bestimmung sollte man auch wissen, was man tut und besonders detaillierte Aufnahmen von u.a. den Federn machen – dort liegt in der schwarzen Zeichnung die morphologische Unterscheidung zur Zwillingsart Platyptilia nemoralis. Die Raupen unserer Art leben an Huflattich und Pestwurz.
- Hier haben wir…nein, nicht den Goldzünsler, sondern den Purpurroten Zünsler (Pyrausta purpuralis) (siehe Lepiforum). Wichtig bei diesen Artkomplexen, die alle recht variabel und ähnlich aussehen, ist u.a. der Verlauf der gelben Linie auf den Vorderflügeloberseiten sowie deren relative auslaufende Position im Verhältnis zur Position der Mittelinie der Hinterflügeloberseiten. Also Augen auf!
- Wenn es lange Fühler hat, muss ich es mir auf jeden Fall ansehen – es hat schon etwas ulkiges. Unzweifelhaft sitzt hier ein Bockkäfer, genauer gesagt, ist es der Scheckhorn-Distelbock (Agapanthia villosoviridescens). Die Larven entwickeln sich in den Stängeln typischer als „Unkraut“ verpöhnten Pflanzen wie Brennnessel und den namensgebenden Disteln. Wer also ein Insektenhotel bauen will: Kratzdisteln pflanzen oder stehen lassen, fertig. Schmetterlingsraupen fressen die Blätter, Wildbienen und Falter besuchen die Blüten, Stieglitze und andere Vögel fressen die Distelsamen. Bei diesem Kommen und Gehen passt der Begriff „Hotel“ schon besser.
- Dieser Schöne Marienkäfer ist der…nunja… Schöne Marienkäfer (Sospita vigintiguttata). Die frisch geschlüpften Imagines zeigen sich noch mit weißen Punkten, die mit dem Alter nachdunkeln und sich ins Gelblich-Orange färben. Die Art ist recht verbreitet, kommt aber überall nur selten und vereinzelt vor.
- Vielleicht kennt sie der ein oder andere Gärtner, wenn er oder sie so etwas wie Pastinak, Fenchel oder Dill hat oder Wilde Möhre wachsen lässt. Hier hat sich die Raupe von Wiesen-Silau, auch Wiesen-Silge, (Silaum silaus) ernährt. Es ist natürlich die Raupe vom wunderschönen Schwalbenschwanz (Papilio machaon), die noch in einem jungen Stadium is(s)t. Theoretisch könnte man den Falter auf jeder Wiese bis in den Stadtbereich hinein beobachten, aber die Grünflächenämter – wie bei mir in Rudolstadt – arbeiten unermüdlich daran, möglichst jede Raupe, Ei und Nahrungspflanze abzumähen und eine Art afrikanische Steppe zu hinterlassen.
- Von dieser Art, dem Schwarzbraunbinden-Blattspanner (Xanthorhoe montanata), hatten wir gleich mehrere Individuen gefunden. Es zeigt einmal mehr wie wertvoll solche Zufallssichtungen von Nachtfaltern am Tag sind: Trotz systematischer Erfassung an zig Standorten im ganzen Umland, hatten wir die Art noch nie am Licht. Dafür schon mehrmals am Tag, u.a. auch bei Urlaubstouren in der Eifel und im Berchtesgadener Land. Daher gilt auch folgendes an alle Naturfreunde und Artenkenner: Meldet doch mal bitte eure Funde auch Was nicht gemeldet wird und nicht erfasst ist, existiert auch nicht – zumindest nicht für Behörden und co.
- Achja, die Langhornmotten (Adelidae) sind immer wieder so lustig mit ihren namensgebenden langen Fühlern. Hier ist es die Skabiosen-Langhornmotte (Nemophora metallica), die mit einigen Individuen die Wiesen-Witwenblumen (Knautia arvensis) an dem Tag besiedelt hat.