Potpourri schöner Nachtfalter der letzten Kartiernacht

Heute gibt es mal wieder einen kurzen Ein- und Überblick zu unserer letzten Nachtfalterkartierung gegen Ende Juli. Die 6-7h draußen im Gelände machen dabei den geringsten Teil der Arbeit aus, da alle Artbestimmungen noch sorgfältig von uns geprüft werden.

Einige erhoffte Arten wie das Kleine Eichenkarmin (Catocala promissa) oder das Große Eichenkarmin (Catocala sponsa) waren ebenso vertreten wie auch Überraschungen wie die stark bedrohte (Thüringen RL 1) Berberitzeneule (Auchmis detersa). Viel Spaß beim Durchsehen der Collagen.

Seltene Pflanzen und ein junger Drache

Hier nun der angekündigte zweite Teil der Runde im NSG Flachstal bei Mühlhausen. Heute liegt der Fotos auf besonderen Pflanzen und dem Nachwuchs einer Echse.

  1. Im Gebiet in guten Vorkommen vorhanden, ansonsten recht selten in Deutschland, besonders geschützt und nur lückig verbreitet: Der Feld-Mannstreu (Eryngium campestre). Diese Steppenart besiedelt bei uns Halbtrockenrasen und magere sowieso skelettierte Böschungen. Die Samenausbreitung erfolgt über Anemochorie, also durch Wind – wobei das zu kurz gefasst wäre. Am besten denkt man typische Cartoons, wo in einer Steppe oder Wüste trockene Dornenbüsche durchs Bild rollen – genauso macht es der Feld-Mannstreu!
  2. Auf dem Rückweg, etwas versteckt an einem Sträuchersaum, so nebenbei entdeckt, wartet das Gestreifte Leinkraut (Linaria repens) auf ein paar Makrofotos. Die Art ist in Deutschland sehr selten, was man gut auf der Karte von Flora-Web sehen kann und hat ihren Verbreitungsschwerpunkt in den warmen Gefilden Frankreichs. Interessant ist, dass die Pflanze kein Kalk verträgt, entsprechend mag sie den Boden eher sauer. Ansonsten mag sie es einigermaßen warm, nicht zu trocken und bevorzugt ein eher ozeanisches Klima, was nichts anderes heißt als: milde Winter.
  3. Dieses Jahr lief es ganz gut mit der Sichtung von Zauneidechsen-Nachwuchs, so wie hier! Bei der Echsenbestimmung spielt neben dem arttypischen Fleckenmuster auch stark die Kopfform bzw. das Profil eine große Rolle. Die Zauneidechse gehört zu den eher häufigen Reptilienarten, was in heutiger Zeit aber deutlich relativ zu betrachten ist, da wir generell einen massiven Biomasseverlust an Reptilien und Amphibien erlebt haben und noch immer erleben.

Falter im Flachstal im Juli

Von einer schönen kleinen Runde im NSG Flachstal bei Mühlhausen stammen die heutigen Fotos, passend zum Juli mit einem Fokus auf Schmetterlinge. Ein paar weitere Arten zeige ich dann im kommenden Beitrag.

  1. Ich mag die Dickkopffalter (Hesperiidae) besonders gerne und über den Komma-Dickkopffalter (Hesperia comma) habe ich mich besonders gefreut. Die Art ist in Thüringen nur sehr lückig verbreitet, recht selten und steht entsprechend auf den Roten Listen von Thüringen und Deutschland auf der 3 – gefährdet. Die Art war früher mal sehr häufig und weit verbreitet und leidet wohl an der Eutrophierung (Stickstoffeintrag) der Landschaft, da dieser Dickkopffalter magere und offene Standorte bewohnt. Aus den Fundortdaten lässt sich auch gut ableiten, dass der Komma-Dickkopffalter wärmebegünstigte Habitate bevorzugt.
  2. Ein recht häufiger und weit verbreiteter Dickkopffalter ist der Kronwicken-Dickkopffalter (Erynnis tages), das Bild zeigt ein Pärchen bei der Paarung. Er ist unser einziger Dickkopffalter, dessen Raupen an Schmetterlingsblütlern leben, oft ist das die Bunte Kronwicke. Wir konnte auch selbst schon ein Weibchen bei der Eiablage an eben dieser Pflanze beobachten als auch dokumentieren.
  3. Der Fund vom Kurzschwänzigen Bläuling (Cupido argiades) war dort im Quadranten der historisch erste Nachweis. Erstnachweise kann man bei dieser Art aktuell Zuhauf machen, da sie sich im Zuge des Klimawandels stark vom Südwesten her ausbreitet und auch von den ökologischen Ansprüchen her nicht sehr hohe Anforderungen an den Lebensraum stellt.
  4. Eher ein Beleg- als ein ästhetisch schönes Foto, was ich trotzdem nicht vorenthalten wollte, war der Fund vom Malven-Dickkopffalter (Carcharodus alceae), der hier Nektar aus der Großblütigen Braunelle trinkt. Auch die Art war ein komplett neuer Nachweis für das Gebiet bzw. den Quadranten. Aktuell kann man von der Art auch Eier und Raupen an Blättern von Malven finden; vor allem Weg-Malve und Moschus-Malve.
  5. So schnell kann man belohnt werden: Anfang des Jahres wurde ein neuer Garten in einem Wohngebiet in Mühlhausen naturgerecht mit standortangepassten, heimischen Saatgut angelegt. An dem schattigen Standort hat sich u.a. das Berg-Weidenröschen angeboten und es hat auch gleich einen Liebhaber gefunden: Mehrere Raupen vom gar nicht so häufigen Nachtkerzenschwärmer (Proserpinus proserpina), einer besonders geschützten Art der Schwärmer! Anders als der Name vermuten lässt, sind nämlich heimische Weidenröschen-Arten (Schmalblättriges -, Zottiges – oder Berg-Weidenröschen) die wichtigste Futterpflanze für die markanten und schönen Raupen.

Gänzlich verschiedene Schmetterlinge bei einer Tour um die Zicklacke

Heute gibt’s wieder einen Schmetterlingsbeitrag mit Fotos aus einem vergangenen Urlaub, Ende Mai am Neusiedler See, bei einer Runde um eine der Lacken.

  1. Selten finde ich sie auch mal bei mir in der Gegend, in der Ecke um den Neusiedler See hatten wir sie quasi überall: Die Ackerwinden-Trauereule (Tyta luctuosa). Vom Namen her kann man sich tatsächlich einige Eigenschaften ableiten – das funktioniert aber nicht immer! Die Raupen leben ausschließlich an der Acker-Winde, die Art gehört zu den Eulenfaltern und das „Trauer“ steht bei Trivialnamen bekanntlich immer für ein dunkles äußeres Erscheinungsbild.
  2. Zu den eher noch häufigen Widderchen gehört das recht variable Beilfleck-Widderchen (Zygaena loti). So wie alle Widderchen und generell auch sehr viele Falter, vor allem Tagfalter, haben sie eine Vorliebe für lila Blumen – Hier eine Vogel-Wicke. Damit es überhaupt erst zum Falter kommt, müssen sich allerdings erst einmal die Raupen entwickeln – ein Aspekt, den viele Gärtner und vor allem Gärtnereien unter den Tisch fallen lassen, wenn sie ihren Kunden den größten Quatsch andrehen. Beim Beilfleck-Widderchen braucht es Hufeisenklee, Bunte Kronwicke oder Gewöhnlichen Hornklee als Futter für die Raupen.
  3. Einige Vertreter der Spanner ähneln auf dem ersten Blick schon dem Klischee der „graubraunen Motte“, wobei diese Familie eine unheimlich große Variationsbreite Zeichnungen und Farben aufweist. Und selbst bei den nicht so bunten Arten, lassen sich bei genauem Blick unheimlich viele filigrane und schöne Details erkennen, so wie hier bei der sehr variablen Art Marmorierter Kleinspanner (Scopula immorata). Die Raupen ernähren sich von verschiedenen Kräutern, wobei Thymian und Echter Dost (=Oregano) eine besondere Rolle zu spielen scheinen.
  4. Dieser Dickkopffalter aus der schwierigen Pyrgus-Artengruppe fällt mit seinen kräftigen weißen „Zähnen“ auf den Hinterflügeloberseiten sowie den aus der Reihe tanzenden Kästchen im Postdiskalbereich der Vorderflügel auf. Es ist der Mehrbrütige Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus armoricanus), der tatsächlich mindestens zwei Generationen im ausbildet, je nach Lage und Witterung auch eine unvollständige dritte.
  5. Zu sehen an Bunter Kronwicke, Gewöhnlichem Natternkopf und Luzerne: Der Resedafalter (Pontia edusa). Bei der Art ist der wissenschaftliche Name wichtig, da es noch einen weiteren Resedafalter gibt, Pontia daplidice, der Süd- und Südwesteuropa sowie Nordafrika besiedelt.
  6. Einen schönen Namen hat das Silbereulchen (Deltote bankiana) abbekommen. Die Art ist eher lokal verbreitet und mag es nicht zu trocken, besiedelt gerne Feuchtwiesen, Ufer oder wechselfeuchte Wiesen sowie Waldlichtungen. Als Raupennahrung stehen verschiedene Gräser auf dem Speiseplan.
  7. Mit einem hübschen rötlichen Grundton ist der Violettrote Kleinspanner (Scopula rubiginata) ausgestattet. Sie sind auch in DE verbreitet, hier aber recht lückig. Als Habitat kommen trockene Magerwiesen, Ödland, Heiden u.ä. Biotope in Betracht. Wie auch bei anderen Scopula-Arten, leben die Raupen an verschiedenen Kräutern; eine Präferenz wurde für Thymian, Besenheide, Wiesen-Sauerampfer und Gewöhnlichen Beifuß festgestellt.
  8. Die Weiße Winden-Federmotte (Pterophorus pentadactyla) gehört mit zu den größten Vertretern ihrer Familie, die der Federmotten. Immer wieder faszinierend anzusehen sind die filigranen Federstrukturen der mehrteiligen Flügel. Für Deutschland sind ungefähr 70 Arten aus der Familie der Federmotten dokumentiert, deren Bestimmung mitunter sehr schwierig sein kann, wenn es bspw. bei einigen Arten auf Zeichnungsdetails der Federspitzen ankommt.

Nachweihnachtliche Überraschung

Zwischen einigen Stockenten und einer Intersex-Stockente (dazu mehr im nächsten Beitrag), hat sich heute eine adulte, weibliche Spießente von ihrer besten Seite gezeigt. Eingerahmt von Thüringer Wald und Schiefergebirge mit wenig großen Wasserflächen, ist eine Spießente vor der Haustür schon eine Besonderheit hier.

Mit 15-25 Brutpaaren ist die Spießente kein typischer Deutscher Brutvogel, was hauptsächlich daran liegt, dass hier an die südwestliche Grenze ihres Brutareals liegt. Das Brutgebiet im Sommerhalbjahr erstreckt sich in einem weiten Band von Island über Kamtschatka und nach Nordamerika. Es muss zu früheren Zeiten, als noch nicht so viele Moore trocken gelegt wurden, auch hierzulande etwas größere Bestände gegeben haben. Was dagegen zugenommen hat, sind die Zug- und Rastbestände im Winterhalbjahr der ziehenden europäischen Population: Bis zu 30.000 Individuen sind dann – hauptsächlich an den Küsten – zu beobachten. Der Großteil überwintert jedoch südlicher wie im Mittelmeerraum.

Vogelkalender 2026

Es ist wieder geschafft und ich habe aus unzähligen Fotos eine wie ich hoffe bunte Auswahl an Vogelfotografien zusammengestellt. Wer einen möchte, kann über Mail oder Social Media Bescheid geben. Ich sammle die nächste Zeit noch Bestellungen und werde die Kalender rechtzeitig für den Druck gegen Ende November in Auftrag geben.

Zwei Raupen: Eine mit Holzhütte, eine vom Aussterben bedroht

Ganz frisch von heute: 2 Schmetterlingsarten im Raupenstadium.

Das erste Bild zeigt die Raupe des Kleinen Rauch-Sackträgers (Psyche casta), die sich ähnlich wie bspw. Köcherfliegenlarven eine Art Behausung – in dem Fall aus winzigen Stöckchen – bauen. Die Art ist sehr häufig und man kann sie auch oft entdecken, wenn man einmal den Blick dafür hat.

Das zweite Bild ist etwas ganz besonderes: Eine Raupe im letzten Larvalstadium L5 vom Weißfleck-Widderchen (Amata phegea). Die Art gilt in Deutschland als gefährdet und hier in Thüringen sogar als vom Aussterben bedroht, es gibt im ganzen Bundesland nur noch 2 kleinere Vorkommensgebiete – das war eines von beiden.

Der Falter ist übrigens nicht mit den Widderchen (Zygaenidae) verwandt, sondern wie man an der haarigen Raupe sehen kann, mit den Bärenspinnern (Arctiinae). Das „Widderchen“ hat sie als Namen bekommen, da sie wie eine sehr große Version der hellen Morphe des Veränderlichen Widderchen aussieht.

Diese Saison nur wenige gefunden

2024 war es mit vielen Schmetterlingsarten recht mau und auch die winterliche Suche nach Eiern vom Blauen Eichenzipfelfalter (Favonius quercus) lief 24/25 eher frustrierend. Das Foto stammt vom Oktober 2023 und zeigt das Ei an der Knospe einer Stiel-Eiche in einem Teichgebiet.

In normalen Jahren findet man sehr viele von ihnen und die Eier lassen sich leichter auffinden – und somit die Art nachweisen – als die Suche nach Imaginalstadien, da der Falter ausschließlich in den Baumwipfeln herumfliegt. Das hat zwei Gründe: Dieses Tree-Topping (ähnlich wie Hill-Topping beim Schwalbenschwanz) ist eine Art unausgesprochener Treffpunkt zur Balz und erleichtert diese damit. Zum anderen interessiert sich die Art nicht sonderlich für Nektar, dafür für den Honigtau von Blattläusen! Dadurch sieht man die erwachsenen Falter nur selten in fotogener oder beobachtbarer Position.

Der Bunte bei der Nahrungssuche

Voll konzentriert bei der Nahrungssuche war dieser männliche Buntspecht; das zweite Foto zeigt wie er mit der Zunge etwas unter der weggehackten Rinde aufschleckert. Aufgrund dieser Art des Nahrungserwerbs bezeichnet zählt man ihn zu den Hackspechten – wie auch den Schwarzspecht, Weißrückenspecht, Blutspecht.

Diese Spechte sammeln bis auf den Schwarzspecht ihre Nahrung im Gegensatz zu den Erdspechten (Grau- und Grünspecht) nicht im Kropf, sondern im Schnabel. Im Gegensatz zu den erwähnten Erdspechten sind die Hackspechte auch weniger auf Ameisen spezialisiert und suchen durch das Aufhacken der Borke nach fetten Insektenlarven. So kann man dann den Buntspecht öfter mit vollgepackten Schnabel in hoher Frequenz zurück zur Bruthöhle fliegen sehen.

Überraschung im Schwanentrupp

Auf den Fotos sind ganze 4 Schwanenarten zu sehen, hier soll es erst einmal um folgende gehen: Den Zwergschwan, der hier mit 2 Individuen zu sehen ist. Zugegeben, auf den ersten Blick sieht er dem Singschwan zum Verwechseln ähnlich, aber je mehr man sich mit den Merkmalen befasst, desto deutlicher und unverwechselbarer werden die beiden Arten.

So geht das Schnabelgelb beim Zwergschwan NICHT keilförmig bis zu den Nasenlöchern wie das beim Singschwan der Fall ist, aber ein noch deutlicheres Merkmal, was man aus fast jeder Position erkennen kann: Der Hals des Zwergschwans ist deutlich kürzer. Ganz besonders gut sieht man es auf dem ersten Foto, wo im Vordergrund ein Singschwan grast und im Hintergrund der Fokus auf den beiden Zwergschwänen liegt.

Der Zwergschwan kommt weltweit in 2 Unterarten vor, diejenigen, die hier im Winter gastieren und im Norden Eurasiens brüten sind Cygnus columbianus bewickii während die in Kanada und Alaska brütende Unterart am an deren Ende der Welt die Nominatform Cygnus columbianus columbianus ist.

Der Gesamtbestand unserer Unterart wird durch Winterzählungen auf ca. 150.000 Individuen geschätzt, wovon auf Europa etwa 21.500 entfallen.

Als Art, die an Flussufern, Seen und Küstenregionen der arktischen Tundra brütet, ziehen sie im Winter gen Süden. Für diese europäische Unterart heißt das – je nach Brutregion – Ostasien bspw. China, West- und Mitteleuropa sowie am Schwarzen und Kaspischen Meer und Aralsee.