Singdrossel


Die Singdrossel gehört zusammen mit der Amsel zu unseren häufigsten und bekanntesten Vertreter der Drosseln.

Beim ersten Blick ist sie leicht mit der etwas größeren Misteldrossel zu verwechseln. Letztere hat allerdings ein blasseres Rücken-Gefieder, keine leicht orangen Flecken am Hals und vor allem eher runde als längliche Flecken am Bauchmuster.

Die Singdrossel hat eine besondere Vorliebe für Weichtiere; insbesondere Schnecken und Regenwürmer, ernährt sich aber auch wie andere Drosseln bzw. Weichfutterfresser gerne von Beeren. Um an Gehäuseschnecken heranzukommen bedient sie sich eines Hilfsmittels in Form eines großen Steins. Dort schlägt die Singdrossel die Gehäuse auf, um an die begehrte Beute zu gelangen. Oft werden dafür die gleichen Plätze bzw. Steine genutzt und wenn man im Wald einen Stein mit vielen zerbrochenen Schneckengehäusen findet, hat man diese sogenannte „Drosselschmiede“ gefunden.

Auf den folgenden Fotos vom Juni sieht man unsere kleinste mitteleuropäische Drossel bei ihrer typischen langgestreckten Haltung, die sie bei der Nahrungssuche immer wieder zum Sichern einnimmt, um bspw. nicht von einem Sperber überrascht zu werden. Eben diese Suche nach Nahrung hat sie hier zu einer Raupe des Braunen Bärs geführt, aber die ganze Angelegenheit war ihr dann im Wortsinn wohl doch zu haarig.

Wenn man sie nicht sieht, kann man sie zumindest ab Frühjahr wieder hören – Und wie! Ihr Reviergesang ist nicht nur unheimlich laut, sondern trotz der extremen Variation unverkennbar. Jedes Strophenmotiv wird dabei mehrmals, oft 2-3 mal, manchmal auch 4-5 mal, wiederholt. Ein arttypischer Laut, der immer zu hören ist, ist das lautmalerisch umschriebene „Kuh-Dieb! Kuh-Dieb!“, ansonsten imitiert sie auch sehr gerne Vogellaute aus der Umgebung. Eine Singdrossel an der Müritz konnten wir so bspw. bei der Imitation von Seeadler-Rufen beobachten, im Wald kann es auch mal passieren, dass sich der Schwarzspecht von der Singdrossel veräppeln lassen muss. Als im Thüringer Wald diesen Jahres der Krü-Krü-Krü-Krü-Krü-Flugruf des Schwarzspechts ohne Bewegung aus einem Baum kommt, war ebenfalls eine Singdrossel der Urheber.

Zur Brutzeit waren auf diesem parkähnlichen, großen Friedhof einige Singdrosseln emsig unterwegs, um ihre hungrigen Küken mit ausreichend Proteinen in Form von Insekten, zu versorgen. Beim arttypsichen Sichern während der Nahrungssuche, ist die Singdrossel immer wieder in gestreckter Haltung mit einer Art Schulterblick zu sehen.

Mit einem Gewicht von 60-75g bei einer Körperlänge von 20-22cm, ist die Singdrossel etwas kleiner und weniger massiger als die verwandte Amsel. Diejenigen der Singdrosseln, die im Winter ziehen, können es auch auf ein Gewicht von bis zu 90g schaffen, um ausreichend Fettspeicher für die anstrengende Reise vorrätig zu haben. Das Überwinterungsgebiet liegt dabei im Mittelmeerraum in West- und Südeuropa, Brutpopulationen in diesen Regionen sind Standvögel. In Mitteleuropa und speziell Deutschland ziehen die meisten Singdrosseln – es gibt jedoch klimawandelbedingt eine zunehmende Tendenz an Überwinterern, auch wenn das (noch) nicht die breite Masse, sondern eher einzelne Vögel betrifft.

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