Die Brandgans wird zur Unterfamilie der Halbgänse gezählt, da sie sowohl typische Merkmale von Gänsen als auch von Enten aufweist.
Diese Vögel mit dem auffallend roten Schnabel sind typische Küstenbewohner und eher selten im Binnenland anzutreffen, zumindest in Bezug auf Deutschland und die Brutzeit. Am Neusiedler See bei Österreich und Ungarn bspw. gibt es auch Brutvögel tief im Binnenland. Im Herbst und Winter kann man sie auf dem Durchzug auch bei uns gelegentlich beobachten.
Wie alle Wasservögel verlieren auch die Brandgänse zur jährlichen Mauser alle Schwungfedern zugleich und sind in dieser Zeit flugunfähig. Um einen sicheren Mauserplatz zu haben, nehmen die Brandgänse allerdings etwas mehr Aufwand auf sich, als viele andere Wasservögel und ziehen aus verschiedenen Teilen Europas bis zu 1.000km zum Wattenmeer. Nach der Mauser ziehen einige in die Brutgebiete zurück, einige ziehen in weiter entfernt liegende Winterquartiere und viele verbleiben auch am Wattenmeer.
Wir konnten diese überfliegenden Brandgänse dann auch im September am Wattenmeer sehen.
Im Juni ’22 haben wir an der Ostsee dieses schöne Brandganspaar beobachten können. Einige Ornithologen legen unheimlichen Wert darauf, dass man lieber den Artbegriff „Brandente“ benutzen sollte, da sie wie auch weitere Vertreter aus der Unterfamilie der Halbgänse (bspw. Nilgans, Rostgans) zur Familie der Entenvögel gehört und damit näher mit Enten als Gänsen verwandt ist. Sie zeigen daher auch mitunter typisches Entenverhalten wie das Gründeln, was man von den Gründelenten kennt und man auf einigen Fotos sehen kann.
Letzten Endes sind das alles nur Trivialnamen und diese sind gefühlt bei jeder fünften Art zumindest irreführend, oft auch fachlich falsch, was allerdings auch auf die Bedeutung der latinisierten Artbegriffe der offiziellen Nomenklatur zutrifft. Der Zweck ist ohnehin nur, eine Art sicher benennen zu können, alle weiteren relevanten Informationen erhält man dann mithilfe des Artbegriffes in der (Fach)literatur.
Mit einem Gewicht von bis zu 1,4Kg und einer Körperlänge von 58-65cm ist die Brandgans für einen Entenvogel ordentlich groß und hat wohl nicht zuletzt deshalb das Anhängsel „Gans“ bekommen. Die Geschlechter kann man durch den Stirnhöcker beim Männchen, der vor allem in der Brutsaison deutlich hervorsticht, gut unterscheiden.
Im folgenden Foto von Ende Mai gibt es zwar keine detaillierte Nahaufnahme, dafür einen besonderen und besonders schönen Anblick: Brandgans Küken, die man in diesem Stadium mit Dunenkleid in der Gruppe auch als pulli bzw. einzeln als pullus, bezeichnen kann.
Das Gelege der meist in Bodenhöhlen brütenden Brandgans besteht aus 8-10 Eiern und die Höhlen werden nicht selbst angelegt; die Brandgans ist Nachnutzer von bspw. Kaninchen- oder Fuchsbauten. Eine ähnliche Funktion können mitunter auch Nischen und Plätze unter alten Gebäuden oder Nischen zwischen Felsen erfüllen als auch dichte Dornenbüsche oder zur Not auch weiter oben liegende Baumhöhlen.
Je nach Zeitpunkt bzw. Timing der Brut kann es vorkommen, dass die Eltern ihre noch nicht selbstständigen Küken für den Mauserzug verlassen, um in sicheren Gewässern eine Vollmauser zu vollführen. Die Küken, die erst um die 50. Lebenstag herum selbstständig werden, finden dann zu sogenannten Kindergärten zusammen, in denen sie von noch nicht abgezogenen Altvögeln betreut werden. Das Phänomen des Kindergartens gibt es auch bei einigen anderen Wasservogelarten.