Vielleicht wäre er uns Mitte Juni gar nicht aufgefallen, wenn er nicht lautstärk geträllert hätte: Der Fitis.
Damit war auch ein Problem, vor dem man bei der Art stehen kann, gleich gelöst: Mit dem nah verwandten und ähnlichen Zilpzalp besteht große Verwechslungsgefahr, weshalb man die beiden auch als Zwillingsarten bezeichnet. Zur Brutzeit ist die sichere Bestimmung und Erfassung anhand des Gesangs definitiv der leichteste Weg, da der Fitis singt wie ein Buchfink ohne Überschlag. Der ähnliche Zilpzalp singt…nunja…zilp-zalp-zilp-zalp-zilp-zalp
Die Differenzierung über den Ruf ist dagegen äußerst schwierig, da beide eine Art aufsteigendes Pfeifen (huiid) von sich geben. Beim Fitis ist dieses tendenziell zweisilbiges und erst im zweiten Teil aufsteigend. Eine zweifelsfreie Bestimmung anhand des Rufes ist meiner Meinung nach nur bei ausgeprägt und markant rufenden Individuen möglich, da jedes Tier wie angesprochen ein Individuum ist und es immer eine gewisse Variationsbreite gibt.
Stoff für anregende Debatten unter Ornis sorgt immer wieder die Bestimmung anhand morphologischer Merkmale auf Fotos, die mal mehr oder auch weniger deutlich ausgeprägt sein können. Wichtig ist hierbei der Gesamteindruck, der sich aus der Kombination vieler Einzelmerkmale ergibt. Der Fitis hat:
-ein eher gelblicheres, farbigeres Gefieder (Zilpzalp bräunlicher und weniger intensiv)
-einen meist deutlichen ausgeprägten Überaugenstreif (einige Zilpzalpe mitunter auch!)
-in den meisten Fällen helle Beine (Zilpzalp in den meisten Fällen dunkle Beine)
-eine deutlich längere Handschwingenprojektion von ~90% (Zilpzalp ~60%; Mauserstatus und juvenile Individuen beachten!)
Mit 0,8-1,2 Mio. Brutpaaren ist der Fitis zudem deutlich weniger häufig als der Zilpzalp mit 3,3-4,6Mio Brutpaaren.
Unscheinbar im Blattwerk ist dieser Fitis im Juni herumgeturnt. Zum Glück hat er mit seinem Gesang auf sich aufmerksam gemacht, da war dann gleich klar, was da zwischen Blättern herumhuschte. Während seine Zwillingsart Zilpzalp schon im ganzen März zu hören war, muss man sich beim Fitis immer etwas mehr gedulden: Als Langstreckenzieher kommt er frühestens ab Ende März zu uns zurück.
Langstreckenzieher heißt in dem Fall, dass dieser gerade einmal 6,5-12g leichte und 17-22cm kurze Vogel je nach Lage zwischen 6.000-13.000km zurück legt, um zu den Winterquartieren südlich der Sahara bzw. wieder zurück zu gelangen! Die Hauptzugroute mitteleuropäischer brütender Fitise geht über die Südwest-Route bei der Straße von Gibraltar.
Eine schöne Sichtung in einem Kiefernwäldchen am Rand einer Sand-Strauch-Trocken-Heide war die kleine Fitis-Familie im Juni, rechts auf dem Foto sieht man den bettelnden Jungvogel.
Das kleine überdachte Nest wird nah am Boden oder an dichter Vegetation gebaut und besteht aus Laub, Gras und Moos. Innen wird vor allem mithilfe von Federn gepolstert. Hier ist es allein das Weibchen, welches 5-7 Tage am Nest baut, im Gegensatz zum Beispiel zum Zaunkönig. Das Gelege besteht i.d.R. aus 4-8 Eiern.
Wie oben bereits erwähnt, ist eines von mehreren Unterscheidungsmerkmalen zum ähnlichen Zilpzalp, dass der Fitis eine deutlich längere Handschwingenprojektion in Ruheposition zeigt (~90% beim Fitis, ~60% beim Zilpzalp). Die Projektion ist deswegen länger, da auch die Flügel an sich viel länger als beim Zilpzalp sind. Da der Fitis im Gegensatz zum Zilpzalp ein Langstreckenzieher ist, der südlich der Sahara überwintert, wird auch klar, warum das so ist: So ein ausdauernder Langstreckenflieger, braucht natürlich viel mehr Auftrieb, um beim Fliegen weniger Energie zu verschwenden.