Nilgans

Hier zeige ich Fotos von einem wirklich hübschen Neozoon: Der Nilgans.

Neozoene sind Tiere, die mithilfe menschlicher Einflüsse (bewusst oder unbewusst) in fremde Habitate eingeschleppt oder eingebracht wurden (Waschbären, Nutrias, Straßentauben, Halsbandsittiche, Fasane usw). Die Nilgans ist eigentlich in Afrika beheimatet und wurde in Europa oftmals als Ziervogel in Parkanlagen vor allem in den Niederlanden gehalten, aus denen nicht wenige ausgebüchst sind.

Das Problematische an der als invasiv eingestuften Nilgans ist weniger, dass sie andere Tiere direkt angreifen würde, da es oft heißt, sie ist aggressiv; sondern eher dass sie so konkurrenzstark ist, dass sie vorhandene Ressourcen besser nutzen und verteidigen kann, als andere (heimische) Tiere. Das zeigt sich bspw. dann, wenn Habicht-, Rotmilan-, Weißstorch und Fischadlerhorste oder Wanderfalkennistplätze durch Nilgänse besetzt und verteidigt werden. Ganz allgemein gibt es in jedem Ökosystem und ganz besonders in der heutigen, anthropogen geprägten Landschaft, nur begrenzte Ressourcen, die nicht unendlich verteilt werden können und je mehr Neozoen dazukommen, desto schwieriger wird die Situation.

Auf ein Brut-Webcams (bspw. bei beleef de lente von Vogelbescherming Nederland) konnte man das Okkupieren fremder Nester schon mehrmals beobachten: so haben Nilgänse in einer Brutsaison ein Nest übernommen, an dem Habicht und Mäusebussard gebaut haben und was ein Ersatznest vom Seeadler war. Für die vertriebenen Arten reicht dann weder Zeit noch Fläche in der zersiedelten Landschaft, um abermals ein Revier zu etablieren und einen komplett neuen Horst zu bauen – die Reproduktion bleibt aus und genau das ist das Problem.

Die unterschiedliche Färbung ist übrigens kein Geschlechterhinweis wie oft fälschlich behauptet, sondern eine Variante der Morphe.

Seit der Etablierung als Deutscher Brutvogel in den 80ern stieg ihr Bestand von wenigen Hundert auf mittlerweile offiziell 7.500 Brutpaare an und hat wohl bereits seit langem den 5-stelligen Wert erreicht. Allein 15.000-20.000 werden jährlich deutschlandweit geschossen. Geholfen bei der Ausbreitung hat dabei sicher auch die Tatsache, dass Nilgänse Brutverluste durch ein Nachgelege und mit bis zu 10 Eiern gut kompensieren können.

Bislang war die Nilgans-Problematik aufgrund der noch überschaubaren Individuenzahlen zu vernachlässigen, aber mit weiter steigenden Beständen wird die interspezifische Konkurrenz zweifellos weiter zunehmen. Eine interessante Anekdote dabei ist, dass lokale Untergruppen von Naturschutzverbänden öfter und offener von Problemen berichten, als ihre eigenen Dachorganisationen.

Die Brutfotos mit Familie stammen aus dem April, das erste Foto aus dem Dezember und wie man sehen kann, bleiben Pärchen auch außerhalb der Brut meist zusammen.

Auf einer kleinen Insel in einer aufgefüllten Kiesgrube, haben sich die beiden Nilgänse niedergelassen.

Wie auch die Rostgans (ebenfalls Neozoon) und die Brandgans, so gehört auch die Nilgans zu den Halbgänsen (Tadominae). Diese Unterfamilie aus der Familie der Entenvögel zeigt sowohl Merkmale von Gänsen als auch Enten, steht genetisch aber eher den Enten nahe. Zur Einordnung der Größe eignet sich ein Vergleich mit häufigen Wasservögeln der typischen Enten bzw. Gänse: Mit einer Körperlänge von 63-73cm steht die Nilgans genau zwischen Stockente (50-65cm) und Graugans (75-85cm).

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