Wildpflanzen im Juli

1. Diese schöne Pflanze mit den rosa überhauchten weißen Kronenblättern, ist die Acker-Winde (Convolvulus arvensis). Die Acker-Winde ist eine Schlingpflanze, die kriechend zwischen und auf anderen Pflanzen wächst. Da sie sehr hartnäckig ist, gilt diese schöne Pflanze nicht wenigen als Unkraut – Unsere Insekten sehen das anders. So sind z.B. mit passendem Namen die Ackerwinden-Trauereule und das Ackerwinden-Bunteulchen zwingend auf die Art als Raupenfutterpflanze angewiesen. Und wer sich diese schönen Falter einmal ansieht, wird sicher auch Erbarmen mit der Acker-Winde haben

2. Die Dornige Hauhechel (Ononis spinosa) wächst auf mageren Wiesen und Weiden und generell eher basische Böden; man findet sie also eher auf den Muschelkalk-Platten. Die Art wächst bis zu 80cm hoch und ist wie es der Name sagt, an den Zweigen bedornt. Gerade für Wildbienen ist sie eine wertvolle Pflanze.

3. Der Kleine Odermennig (Agrimonia eupatoria) fällt mit seinem gelben, ährigen Blütenstand auf. Man kann die Art auch sammeln, trocknen und als Tee zubereiten; das adstringierende, entzündungshemmende Kraut hilft u.a. bei Entzündungen, Durchfall und wirkt unterstützend auf Leber und Galle. Auffallend sind die kugeligen und kletten-artigen Samen, die sich gerne an Hosen, Schuhen etc. festkrallen

4. Schön anzusehen ist der Krause Ampfer (Rumex crispus) mit seinem dunkelroten Fruchtstand. Genrell gehören Arten aus der Gattung Ampfer (Rumex sepc.) zu den ähnlich unterschätzten Pflanzen wie Disteln, was die Wichtigkeit für Insekten betrifft. Unheimlich viele Schmetterlingsarten wie bspw. ein Großteil der Feuerfalter-Arten, ist zur Entwicklung auf Ampfer angewiesen. Wenn also irgendwo Ampfer als vermeintliches „Unkraut“ herumsteht, ist damit deutlich mehr für Schmetterlinge getan als mit bunten „Schmetterlingswiesen“.

5. Er sieht aus wie ein hochgewachsener Hornklee mit besonders schmal-lanzettlichen Blättern oder aber auch wie eine gelbe Luzerne – Die Rede ist vom Sichelklee (Medicago falcata). Der Gattungsname zeigt es an, dass die Art auch eher mit der Luzerne als dem Klee verwandt ist und ein weiterer Trivialname ist dann auch Gelbe Luzerne.

6. Eine Pflanze, die gut für Raupen ist, wunderschön in der Blüte aussieht und zudem ein Nektar-Magnet für Wildbienen und Schmetterlinge ist – All das ist die Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa). Wenn man magere Trockenrasen mit größeren Beständen dieser Art auffindet, ist da richtig Action angesagt. Das tolle ist, dass sich die Art auch wunderbar für den eigenen Garten eignet.

    vielFALT auf mageren Halbtrockenrasen – Falterkartierung vom Freitag

    27 Arten an Tagfaltern + 1 Varietät (Dunkler Kaisermantel) haben wir letzten Freitag Nachmittag auf mageren Halbtrockenrasen in Nähe von Muschel-Kalkhängen kartiert. Einige der Arten sowie einige der zufällig entdeckten Nachtfalter stelle ich heute im Beitrag vor.

    1. Auf einer Wiese kann man sie im Juli schnell mal in 2-stelliger Anzahl antreffen: Die Braune Tageule (Euclidia glyphica). Sie gehört zur Familie der Eulenfalter und ist am Tag außerordentlich aktiv, wir konnten sie oft bei der Nektaraufnahme an Skabiosen-Flockenblumen beobachten.

    2. Einer der Braundickkopffalter hat sich hier an der Acker-Kratzdistel gütlich getan, der Braunkolbige Braundickkopffalter (Thymelicus sylvestris). Auch wenn das Merkmal winzig ist, ist es sicher auffindbar, nicht variabel und 100%ig sicher: Die Unterseiten der Fühlerkolbenspitzen sind orange-bräunlich. Beim Schwarzkolbigen Braundickkopffalter (Thymelicus lineola) sind sie schwarz. Der Mattscheckige Braundickkopffalter hat ebenfalls orange-braune Fühlerkolbenspitzen, sogar etwas leuchtkräftiger, aber auch ein schwaches Kästchenmuster auf den Vorderflügeln und er ist innenseitig weniger kräftig gefärbt. Das letzte Bild der Reihe zeigt unseren weiblichen Dickkopf-Kumpel bei dem Versuch einer Eiablage an Gräsern.

    3. Ein ganz frischer Distelfalter (Vanessa cardui). Während in vielen TV-Dokus oder Beiträgen immer wieder über die Wanderleistungen der amerikanischen Monarchenfalter gesprochen wird, ist vielen nicht klar, welche unvorstellbar krassen Leistungen eigentlich die Arten vor der eigenen Haustür oder im Garten vollbringen: Der Distelfalter fliegt innerhalb eines Jahres in 4 Generationen von Nordafrika über das Mittelmeer und die Alpen, um hier anzukommen! Und im selben Jahr fliegt die zuletzt geschlüpfte Generation auch wieder den Weg nach Nordafrika zurück! Unglaublich

    4. Dieses T am Grashalm ist ein typischer und häufiger Vertreter der Federmotten – bitte nicht mit Federgeistchen verwechseln. Es ist das Federmotten-Artenpaar Emmelina monodactyla/argoteles. Äußerlich kann man die beiden Arten nicht unterscheiden, in den allermeisten Fällen wird es sich jedoch um die häufige Emmelina monodactyla handeln.

    5. Das Esparsetten-Widderchen oder auch Krainer-Widderchen (Zygaena carniolica) gehört mit zu unseren buntesten Widderchen. Die Art ist in Thüringen recht lückig verbreitet und fehlt in einigen Landsteilen. Als beliebte Nektarpflanze dient hier die Skabiosen-Flockenblume, das Bild zeigt unten links noch das häufige und wenig anspruchsvolle Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae).

    6. Immer erfreulich, wenn man einen der Mohrenfalter sieht. Bei mir in der weiteren Umgebung fliegen immerhin der Rundaugen- und Graubindige Mohrenfalter (Erebia aethiops). Das Foto zeigt letztgenannten, durch die gräuliche Binde der Hinterflügel zu erkennen. Die Art fliegt vor allem in licht bewaldeten Hügelländern, die an blütenreiche Säume grenzen.

    7. Einer unser absolut häufigsten Tagfalter mit großer ökologischer Amplitude (ein Generalist und kein Spezialist) ist das Große Ochsenauge (Maniola jurtina). Das Foto zeigt ein Männchen, die Weibchen fallen mit einer weißlichen Binde der Hinterflügel auf.

    8. Überraschung! Diese Schwarz-Weiße, sehr große Erscheinung, die oberseitig auch noch blau-grünlich schimmert, hat uns für den Bruchteil einer Sekunde in Schrecken versetzt: Wer fliegt denn hier?! Na klar, es ist die Dunkle Form (Form valesina) vom Kaisermantel (Argynnis paphia), die aber nur von Weibchen gezeigt wird und das auch nur in bestimmten Regionen. Zusammen mit dem Kleinen Perlmuttfalter gehört der Kaisermantel noch zu den wenig weit und lückenlos verbreiteten Perlmuttfaltern, da sie weniger auf bestimmte Bedingungen spezialisiert sind wie ihre mittlerweile teils sehr seltene Verwandtschaft.

    9. Nein, hier haben wir keinen Hauhechel-Bläuling Was sehen wir? Einen fehlenden Basaldot auf den Vorderflügeln, das kommt zwar beim Hauhechel-Bläuling auch mal vor, ist aber die Ausnahme als die Regel. Ein zweite Sache ist die 3er-Punktreihe der Hinterflügel: Beim Hauhechel-Bläuling sind tendenziell die unteren beiden Dots dicht beisammen – hier eindeutig die oberen. Was sehen wir also? Den Kleinen Esparsetten-Bläuling (Polyommatus thersites). Foto 1 zeigt ein Weibchen, Foto 2 ein Männchen. Die Art ist auf der einen Seite nicht ganz so häufig, auf der anderen Seite wird sie wegen der Bestimmungsschwierigkeit aber wohl auch oft übersehen.

    10. Dieser verwaschen gezeichnete Dickkopffalter ist der Dunkle Dickkopffalter oder auch Kronwicken-Dickkopffalter (Erynnis tages). Seine Raupen fressen am liebsten Gew. Hornklee, Bunte Kronwicke und einige weitere verwandte Arten.

    11. Eindeutig wieder ein besseres Jahr hat das Landkärtchen (Araschnia levana). Eine Besonderheit der Art ist ihr Saisondimorphismus: Die Frühjahrsgeneration ist überwiegend orange, die Sommergeneration überwiegend schwarz. In abgeschwächter Form zeigen das aber auch viele andere Falter: der Grünader-Weißling hat in der 2. Generation des Jahres stets deutlich schwächer gezeichnete Adern als die vorherige. Als Nektarpflanze dienen auf den Fotos Acker-Kratzdistel und Skabiosen-Flockenblume.

    12. Ein richtig toller Fund ist dieser unverwechselbar und scharf gezeichnete Dickkopffalter: Es ist der Malven-Dickkopffalter (Carcharodus alceae), dessen Raupen sich ausschließlich von Malve ernähren. Im Gebiet haben wir nur die Gelbe Stockrose vorgefunden, ob er wohl von dieser Pflanze stammt?

    13. Sicher oft übersehen und für gewöhnlich auch nicht so häufig, ist der Mattscheckige Braundickkopffalter (Thymelicus acteon). Auch diese Art finde ich dieses Jahr ungewöhnlich oft. Die Bestimmung erfordert den genauen Blick auf 2 Merkmale: Die Fühlerkolbenspitzen sind orange-braun, ähnlich wie beim Braunkolben-Braundickkopffalter, meist sogar noch deutlicher. Aber vor allem zeigt die Art das matte Scheckmuster, kleine Würfen, auf den Vorderflügeln. Bei den Weibchen sind sie sehr deutlich ausgeprägt, bei den Männchen nur schwach. Außerdem ist die Art innenseitig deutlich weniger leuchtkräftig orange als seine verwandten Dickkopffalter.

    14. Das anspruchsloseste und häufigste Widderchen ist das Sechsfleck-Widderchen oder auch Blutströpfchen (Zygaena filipendulae). Verwechslungsgefahr besteht hier mit dem deutlich selteneren Hufeisenklee-Widderchen, hier sollte man immer mehrere Merkmale betrachten sowie auch das Habitat. Zu beachten ist, dass das Sechsfleck-Widderchen recht variabel ist und auch mal weißliche Fühlerkolbenspitzen zeigt, mal eine ungewöhnliche Flügelhaltung oder auch mal etwas dunklere Flügeldecken.

    15. Wer braucht schon Blumen, wenn man Mist hat! Das dachten sich der Hauhechel-Bläuling (rechts) sowie der Silbergrüne-Bläuling (Lysandra coridon). Aus solchen Quellen stillen viele Falter ihren Bedarf an Mineralen, ansonsten auch gerne aus Pfützen, Feldwegen, Schweiß usw. Oft im selben Habitat wie der Silbergrüne Bläuling kommt der Himmelblaue Bläuling vor, dieser scheint aber zumindest in Thüringen ein außergewöhnlich schlechtes Jahr zu haben.

    Am Rande von Feuchtwiesen-Relikten und Brachen

    Bei der gestrigen Tagfalterkartierung mit 15 Arten am geschützten Rand einer Feuchtwiese, von der aufgrund der Nutzung leider nicht viel übrig geblieben ist, sowie angrenzenden Brachflächen, sind diese Fotos entstanden.

    1. Eine Besonderheit im Gebiet und aufgrund der Gefährdung durch Entwässerung, Nutzungsdruck, zu intensiver Mahd, Eutrophierung usw. in Deutschland auf der Vorwarnliste, ist der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous). Der Deutsche Trivialname sagt schon eine Menge wichtiger Dinge über die Art ist: Es ist ein Bläuling dessen Leben eng mit seinen Wirtsameisen verbunden ist: Durch die Ausscheidung von Dufstoffen und süßem Saft, werden die Raupen der Art von Knotenameisen in ihren Bau getragen, wo sich die Falterraupe unbehelligt von den Eiern ihrer Wirtstiere ernährt – Bis sie sich verpuppt und als Falter nächsten Sommer schleunigst ausfliegt. Die alleine Raupenfutter- und damit Eiablagepflanze, ist der Große Wiesenknopf, der gleichzeitig auch die wichtigste Nektarquelle darstellt.

    2. Nicht ganz so deutlich gezeichnet wie die meisten frischen Exemplare seiner Artgenossen, zeigt sich hier ein Individuum des Esparsetten-Widderchens (Zygaena carniolica). Die Form des Flecks am Flügelende (Submarginalregion) sowie die meist deutlich hellgeble Umrandung der Flecke, macht die Bestimmung für Widderchen-Verhältnisse sehr einfach. Hier sitzt das Widderchen auf einer Wiesen-Flockenblume.

    3. Die gelbe Raupe mit den schönen schwarzen Flecken ist ein Widderchen und zwar unser häufigstes: Das Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae). Die Art besiedelt eine Vielzahl von Habitaten und ist mit der Raupennahrungspflanze Gewöhnlicher Hornklee auch nicht sonderlich anspruchsvoll.

    4. Kein Falter, aber ein ebenfalls schöner Flieger ist diese Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens), ein Weibchen. Beide Prachtlibellen-Arten kommen vor allem an sauberen Fließgewässern vor, hier an der Saale. Die Unterscheidung der Weibchen der beiden Arten (Gebänderte und Blauflügel-Prachtlibelle) ist mit Blick auf einige Merkmale gar nicht so schwierig, beim Weibchen der Gebänderten Prachtlibelle schaut das so aus:

    -grünlich gefärbter Körper (Bei der Blauflügel-Prachtlibelle bronzener Körper)

    -die Flügel sind eher transparent, bei der Blauflügel eher bräunlich und weniger durchscheinend)

    -Das weiße Flügelmal ist sehr nah am Flügelende; die Strecke vom Flügelmal zum Nodus (Flügelknoten) entspricht 4-6x der Länge vom Flügelmal zum Flügelende – Bei der Blauflügel weniger als 4x, i.d.R. 3x.

    Schöne Blütenbesucher auf Steilhängen

    Einige Eindrücke der gestrigen Tour in heimischen Gefilden zeigt der heutige Beitrag. Das Habitat war ein Naturschutzgebiet auf Silikat-Steilhängen, teils mit Mischwald, teils mit Waldkiefern bewachsen. Im waldigen Bereich, wo u.a. Elsbeere und Wildbirne gewachsen ist, waren rufende Kleinspechte eines der avifaunistischen Highlights. Besonders interessant – vor allem für Insekten – waren die offenen Felshänge, extensives Grünland auf der Kuppe und: Die offen gehaltenen Schneisen für Stromtrassen!

    Man muss sich heutzutage immer wieder vor Augen halten, dass wir nicht mehr in den 60ern oder 70ern leben. Ob nun aktive oder ehemalige Tagebaue, große Industriegelände oder Schneisen für Stromtrassen – all diese Sekundärbiotope, die auf den ersten Blick nach Zerstörung aussehen, gehören mittlerweile zu den wertvollsten Biotopen überhaupt. Das sagt natürlich auch viel über unseren Umgang mit Äckern, Gärten, oder Grünlandflächen aus.

    Aber schauen wir uns an, was es auf den Fotos zu sehen gibt:

    1. Für ein Widderchen (Zygaenidae) leicht zu bestimmen und ein besonders schöner Anblick obendrein, ist das Esparsetten-Widderchen, auch Krainer Widderchen genannt (Zygaena carniolica). Es labt sich hier am Nektar des Gewöhnlichen Dostes (Origanum vulgare) oder auch einfach: Wilder Oregano. In Thüringen ist die Art recht lückig verbreitet und ein Fund immer wieder eine tolle Sache.

    2. Der Besucher, der sich zum Widderchen dazugesellt hat, ist der Magerrasen-Perlmuttfalter (Boloria dia). Die Art gehört zu den kleineren Perlmuttfaltern (Argynnini) und lebt auf mageren Halbtrockenrasen und Muschelkalkrasen. Wie so viele Perlmuttfalter sind die Raupen zwingen auf Veilchen (Viola spec.) angewiesen, die Art bevorzugt vor allem das Raue Veilchen (Viola hirta).

    3. Auf den leuchtend gelben Blüten des Jakobs-Kreuzkrautes, auch Jakobs-Greiskraut (Jacobaea vulgaris) genannt, fand sich diese interessante Motte beim Nektarschlürfen ein. Es handelt sich um Scythris scopolella, also um einen Vertreter der Ziermotten (Scythrididae). Die Art bewohnt gerne felsige, trockene Orte und man vermutet u.a. Weißen Mauerpfeffer als Nahrungspflanze der Raupen – aber so ganz genau weiß es bislang niemand. Ein Beispiel dafür, dass es auch hierzulande noch unzählige Arten gibt, über die ganz relevante Informationen zur Biologie komplett fehlen oder ungesichert sind.

    Herrliches Viech

    Die unangenehmen Seiten des Sommers (u.a. Hitze) zwingen einen dazu permanent, vor allem des Nachts, zu lüften. Das führt uns zu den angenehmen Seiten: Es passiert nicht selten, dass man dabei interessanten tierischen Besuch bekommt, auch wenn dieser in diesem Fall wie eine Pflanze klingt: Totes Blatt (Drepanepteryx phalaenoides). Die Art gehört zur Ordnung der Netzflügler, deren bekannteste Vertreter die (oft grünlichen) Florfliegen sein dürften.

    Warum sich die Art im Laufe der Evolution so angepasst hat, dürfte selbsterklärend sein: Als Insekt wird man wahrscheinlich weniger oft verspeist, wenn man wie ein welkes Blatt aussieht, als ein nahrhafter Proteinhappen. Diese Imitation lebloser Umgebung bezeichnet man dabei als Mimese. Der Begriff ist sicher etwas weniger geläufig und bekannt als die Mimikry; letzterer bezeichnet aber die Nachahmung, ob im Verhalten oder Erscheinungsbild, einer anderen Art – bspw. die Warnfarbe einer Wespe. Bei der Mimese geht es allerdings um ein Verschmelzen mit der Umgebung durch Tarnung oder Imitation eines typischen Objekts der Umwelt. Wie eben ein altes, totes Blatt

    Entgegen dem Trend

    Entgegen dem Trend der meisten Bläulingsarten (Lycaenidae), die als ökologische Spezialisten immer mehr Probleme in unseren aufgeräumten Landschaften bekommen und seltener werden, scheint es beim Kurzschwänzigen Bläuling (Cupido argiades) anders zu verlaufen. Die wärmeliebende Art scheint, vielleicht auch bedingt durch den Klimawandel, deutlich auszubreiten. Der Fundort bei den Fotos war dann auch der Erstnachweis auf diesem Quadranten in Thüringen.

    Der Kurzschwänzige Bläuling mag strukturierte, buschige Wiesen oder Lichtungen. Seine Raupen entwickeln sich an Gewöhnlichen Hornklee, Bunter Kronwicke, Luzerne, Rot-Klee, und einigen anderen verwandten Pflanzen.

    Auffällig ist sein besonders hektischer Flug in Ziackzack-Linien sowie seine geringe Größe – kein Wunder, er ist ja auch mit dem Zwerg-Bläuling (Cupido minimus) verwandt.

    Bunte Mischung an Faltern und einem Bockkäfer von Ende Mai

    Aus dem gleichen Gebiet wie die Beiträge über Flora & Landschaft, Orchideen im Waldmeister-Buchenwald, Schwanzmeisen-Nachwuchs und dem quitschenden Girlitz, stammen die folgenden Fotos. 28 Falter-Arten haben wir an dem Tag kartiert, wovon ich eine kleine Auswahl hier vorstelle + eines Bockkäfers, der sich am Ende der Runde noch gezeigt hat.

    1. Einer unserer schönsten Vertreter der Dickkopffalter (Hesperiidae), ist der Gelbwürfelige Dickkopffalter (Carterocephalus palaemon). Die Art mag weder tiefe geschlossene Wälder, noch vollkommen offene Biotope, sondern eher Waldsäume und die mittlerweile selten gewordenen Lichtwälder – also strukturreiche, offene und lichtdurchflutete Wälder mit reich differenzierter Strauch- und Krautschicht.

    2. Federmotten (Pterophoridae) werden aufgrund des ähnlichen Namens immer wieder mit Federgeistchen (Alucitidae) verwechselt – dabei ist das eine gänzlich andere Familie, deren Vertreter auch ganz anders gebaut sind. Es gibt in Deutschland bzw. Mitteleuropa mehr Federmotten-Arten als man gemeinhin annehmen könnte – nämlich 70-80 Arten! Deren Bestimmung ist mitunter extrem kniffelig. Wichtig sind detailreiche Makrofotos, bestimmungsrelevant sind die Anordnung der Dornen an den Beinen, die Relation von Fleckenmustern auf den Flügeloberseiten, die Größe des Falters sowie die Form und Größe von Flecken der herausragenden Federn am Ende der Flügel. Die Art ist anhand der Kombination von morphologischen Merkmalen, Verbreitung und Lebensraumtyp samt Raupen-Futterpflanzen, höchstwahrscheinlich die Habichtskraut-Federmotte (Hellinsia didactylites).

    3. Der Marmorierte Kleinspanner (Scopula immorata) ist ein hübscher und gut zu bestimmender Vertreter aus der weiten Familie der Spanner (Geometridae). Als Lebensraum bevorzugt die Art trockene und blütenreiche Magerrasen.

    4. Immer wieder schön und lustig anzusehen sind Vertreter der Langhornmotten (Adelidae). Das hier ist Nematopogon swammerdamella, mit dem wenig etablierten Trivialnamen Gelber Langfühler. Aus der Gattung ist das der häufigsten und größte Vertreter, unterscheiden lassen sich deren Vertreter anhand des Musters der Flügel, der (Nicht)ringelung der Fühler sowie der Flugzeit und Größe.

    5. Noch eine Langhornmotte (Adelidae), hat sich hier auf der Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis) gezeigt: Es ist die Skabiosen-Langhornmotte (Nemophora metallica). Das Art-Epitheton „metallica“ trifft es gut, denn die Flügeloberseiten leuchtend wunderschön metallisch-glänzend.

    6. Ein schöner Käfer hat sich hier gezeigt, der Variable Stubbenbock (Stenocorus meridianus). Käfer im Allgemeinen können sehr leicht oder sogar absolut unmöglich genau zu bestimmen sein. Viel wichtiger als der farbliche Gesamteindruck, sind oft strukturelle Merkmale wie bspw. verschiedene Dicken der Fühlerglieder, Formen von Halsschilden oder Färbungen an den Schenkeln. Den Beinamen „Variabler“ trägt er zurecht, denn die Art kann in der Färbung gehörig variieren!

    Aktuelle Falterfotos mit einer super schönen Besonderheit

    Eine kleine Fotoauswahl aus den letzten Falterkartierungen gibt’s im heutigen Beitrag zu sehen. Fangen wir gleich ohne lange Einleitung mit der größten Besonderheit an.

    1. Mit den besonders dicken schwarzen Dots, der durchgängigen orangen Postdiskalbinde der Hinterflügelunterseiten sowie den mystisch anmutenden dunkel bläulich-schwarzen Innenseiten der Flügel, ist der Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion) unter den Bläulingen schnell und leicht bestimmt. Nicht so leicht ist es dagegen auf diese Art zu treffen, da sie sehr spezifische Lebensraumansprüche stellt. Südexponierte Schutthalten und Felshänge mit Bewuchs von Fetthennen der Gattung Sedum spec. und Hylotelephium spec. klingt erst einmal nicht so speziell. Dazu hat der Fetthennen-Bläuling aber auch gerne eine hohe Luftfeuchte (durchschnittl. >77%) im Habitat. Natürlich sollten die Eier und Raupen auch nicht weggemäht oder zertrampelt oder sein Habitat aufgeforstet oder überwuchert werden – Das alles zusammen macht die Art extrem rar. In Deutschland steht die Art als gefährdet (2) auf der Roten Liste, in Thüringen sogar als vom Aussterben bedroht (1).

    2. Deutlich häufiger als die vorherige Art ist das weniger anspruchsvolle Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum). Die Art gehört zu den Schwärmern (Sphingidae) und wird daher als Nachtfalter bezeichnet, auch wenn sie tagaktiv ist. Die Individuen, die man im ersten Teil des Sommerhalbjahres sieht, sind Wanderfalter aus Nordafrika oder Südeuropa. Hier reproduzierte Arten, sieht man dann im Hochsommer. Aufgrund des Klimawandels gibt es aber immer mehr Hinweise, dass die Art auch hier überwintert

    3. Eine Art, die gar nicht so selten, aber oft schwer zu beobachten ist und deren Bestände starken Schwankungen unterliegen, ist der Trauermantel (Nymphalis antiopa) – hier wie so oft wieder nur die Unterseite erwischt

    Wundervolle heimische Flora auf extensivem Grünland und lichtem Waldmeister-Buchenwald

    Aus dem gleichen Gebiet wie auch die Orchideen aus dem letzten Beitrag, stammen die heutigen Fotos.

    1. Für einige mag es vielleicht unscheinbar wirken, uns ist dieses Gewächs gleich aufgefallen – sicher, weil man es sonst nicht unbedingt sieht. Es ist das Grünliche Wintergrün (Pyrola chlorantha). Hier ist es in einem lichten Waldmeister-Buchenwald auf Muschelkalk gewachsen. Sowohl in Thüringen als auch für ganz Deutschland steht die Art in der Roten Liste als stark gefährdet (2). Gefährdungsursachen sind u.a. zu intensive Forstbewirtschaftung, Lebensraumverlust durch Monokulturen, Strukturverlust durch Sukzession, Trockenlegung, zuviel Nährstoffeintrag durch Luft, Dünger oder stickstoffbindende und i.d.R. invasive Pflanzen.

    2. Eigentlich kann es einen nachdenklich stimmen, wenn man sich über die Sichtung eines (ehem.) Allerweltbaums so erfreut, wie hier an der alten Silber-Pappel (Populus alba) am Siedlungsrand. Das war auch leider das einzige Individuum – Was einen nachdenklich macht, ist die Tatsache, dass dort – auch im Schutzgebiet – nordamerikanische Bäume wie Schwarz-Kiefer (Pinus nigra) oder Robinie (Robinia pseudoacacia) deutlich häufiger zu finden waren, genauer gesagt zu Hunderten. Eine Beobachtung, die man mittlerweile überall in Deutschland tätigen kann. Über 80 Schmetterlingsraupen, inklusive vieler Spezialisten, sind auf diese Art als Entwicklungspflanze angewiesen! Noch dazu schaut die Silber-Pappel doch auch richtig klasse aus, man beachte die hell leuchtenden Blätter unterseitig und die schön geaderte Oberseite.

    3. Man könnte es auf den ersten Blick, gerade in Bezug auf Habitus und Blätter, glatt für eine Orchidee halten. Die Weiße Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) ist mit diesen aber gar nicht verwandt und gehört zu den Hundsgiftgewächsen (Apocynaceae). Die Art mag gerne lichte, kalkhaltige Wälder und genau das hat sie dort auch vorgefunden.

    4. Keine einzelne Art, eher ein Lebensraumtyp ist hier zu sehen: magere Halbtrockenrasen auf Muschelkalk, die extensiv bspw. durch Pferdebeweidung bewirtschaftet werden. Einige Arten, die man hier sehen kann sind: Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Saat-Esparsette (Onobrychis viciifolia), Gewöhnlicher Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), Rotklee (Trifolium pratense), Feld-Klee (Trifolium campestre), Mittlerer Wegerich (Plantago media). Im weiteren Umfeld gab es auch Schmalblättrige Wicke (Vicia sativa), Gewöhnlichen Hornklee (Lotus corniculatus) und viele viele mehr. An dem Nachmittag haben wir an Vögeln, Pflanzen, Schmetterlingen und einzelnen anderen Insekten 160 Arten kartiert.

    Orchideen im lichten Buchenwald

    Ende Mai ging es in einen lichten Thüringer Buchenwald auf Kalkgrund. Der basische, magere Boden sorgt mit der lichten Waldstruktur und dem einfallenden Licht sowie unzähligen über Jahrzehnte und Jahrhunderte entwickelten Mikrobiom im Boden dafür, dass dies ein idealer Ort für seltene Pflanzen wie einige Orchideen ist.

    1. Der Frauenschuh, eigentlich Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus), ist nicht nur optisch eine der eindrucksvollsten Orchideen; der erste Austrieb kann 3-4 Jahre dauern und die erste Blüte sogar bis zu 16 Jahre! Wenn man sich dann noch vor Augen führt, dass eine Pflanze durch Ausläufer bis über 300 Jahre alt werden, sollte klar sein, warum man das Wegegebot in Schutzgebieten beachten und auch keine Orchideen pflücken sollte. Am Standort gibt es regelmäßige Managementmaßnahmen, um den Erhaltungszustand günstig zu halten wie bspw. Zurückhalten des Aufwuchses (Gehölzsukzession). Ein Problem stellen die invasiven Robinien dar, die nicht nur immer wieder Stockausschläge und Ausläufer bilden, sondern den Boden durch ihr eigenes Mikrobiom mit Stickstoff anreichern. Das Endstadium einer anfangs mageren Wiese mit Robinien ist daher eine artenarme Fettwiese mit hauptsächlich stickstoffliebenden Arten wie Löwenzahn.

    In Thüringen steht der Frauenschuh auf der Roten Liste als stark gefährdet (2), deutschlandweit als gefährdet (3).

    2. Eine Orchidee, die ich bislang eher von mageren Kalk-Trockenrasen kannte, war das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea), welches sich auch recht gut bestimmen lässt. In Deutschland steht als als gefährdet (3) auf der Roten Liste. Die Art fängt oft schon recht früh an zu blühen und kann ab Ende April (je nach Lage) in der Blüte beobachtet werden.

    3. 2017 war es Orchidee des Jahres, das Weiße Waldvöglein (Cephalanthera damasonium). Die Blüten dieser Art gehen nur selten und bei sehr günstigen Bedingungen weit auf (warmer Sonnenschein), daher ist die Selbstbestäubung die Regel. Das verwandte Schwertblättrige Waldvöglein sieht ähnlich aus, hat aber deutlich schmalere, lange lanzettliche Blätter.