Gestern waren wir in einem FFH-Gebiet kartieren und haben 175 Arten, hauptsächlich an Schmetterlingen, Vögeln, Libellen und Pflanzen erfasst. Einige der schöneren Fotos, die dabei entstanden sind, zeige ich heute.
1. Die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) – hier ein Weibchen – ist zusammen mit der seltenen Sibirischen Winterlibelle, die einzige unserer Libellen, die als Imago den Winter überdauert und damit die deutlich längste Lebenszeit aller Libellen aufweist. Den Winter verbringen sie aber nicht am Gewässer, sondern ziehen sich an Waldränder und -lichtungen zurück, wo sie mit ihrer dezenten Braunfärbung, hängend an Vegetation, gar nicht auffallen.
2. Wie schon neulich geschrieben, ist das Auftreten der Karden-Sonneneule (Heliothis viriplaca) sehr wechselhaft, da diese eher unstet und sehr wanderfreudig ist. In meiner Region in Thüringen hatte ich zuvor noch nie so dermaßen viele Individuen umherfliegen; das kenne ich sonst eher von bspw. der Braunen Tageule. Die Karden-Sonneneule lässt sich ebenso wie die zuletzt genannte Art auch gut am Tag beim Nektarbesuch beobachten. Wir hatten sie an der Krausen Distel und Schwarznessel beobachtet.
3. Ein weiterer historischer Erstfund dieses Jahr: Der Zweibrütige Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus armoricanus) wurde bislang noch nie in diesem Quadranten gemeldet. Die Art breitet sich auf Grund des Klimawandels seit geraumer Zeit aus Richtung Südwest weiter gen Nordosten aus und ist beim Aufmerksamen Beobachten immer öfter nachzuweisen.
4. Normalerweise sieht man diesen Falter als Imago nicht ganz so oft – im Gegensatz zu seinen strahlend weißen Eiern an Schlehe und Pflaume im Winter. Hier hat es abermals geklappt und ein schönes Weibchen des Nierenfleck-Zipfelfalters (Thecla betulae) hat sich – eher untypisch – zur Nektarsuche auf der Kanadischen Goldrute niedergelassen.
5. Eigentlich ist er gar nicht so selten und anspruchsvoll, genießt aber auch auf Grund seines Status als Anhang II FFH-Art besondere Aufmerksamkeit: Der Russische Bär (Euplagia quadripunctaria), der auch aktuell Schmetterling des Jahres ist. Hier saugt er Nektar von der Kleinen Bibernelle.
6. Fehlt da nicht etwas? So etwas wie ein Stängel? Nein – Das muss so! Es handelt sich um die – Nomen est Omen – Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaulon). Sie ist gar nicht so häufig und in Deutschland eher lückig verbreitet und auch weltweit auf eher zentrale Teile Europas beschränkt. Die Art wächst auf Halbtrockenrasen und Wegrändern und mag es lieber warm, gerne basisch (Kalk) und eher trocken als nass.
Es gibt so einige der sogenannten „Nachtfalter“, die auch am Tag aktiv sind. Noch zu den bekannteren Arten gehören Das Taubenschwänzchen, der Russische Bär oder auch der Klee-Gitterspanner und die Braune Tageule. Das Foto zeigt eine Karden-Sonenneule (Heliothis viriplaca), ein Schmetterling aus der Familie der Eulenfalter. Die Vorkommend er Art sind nicht sehr beständig und die Verbreitung unterliegt u.a. durch die Wanderfreudigkeit der Art großen Schwankungen. In meiner Region in Thüringen hatte ich dieses Jahr so oft welche wie noch nie. Spezialisiert auf die (Wilde) Karde ist die Art entgegen des Namens nicht, sondern die Raupen fressen an verschiedenen Stauden und krautigen Pflanzen wie Beifuß, Karthäuser-Nelke, Bunte Kronwicke, Hauhechel usw.
Woher kommt nun eigentlich das Paradox der tagaktiven Nachtfalters? Es ist einfach so, dass die Tagfalter (Papilionoidea) tatsächlich alle miteinander in einer genetisch verwandtschaftlichen Beziehung stehen, das kann man u.a. auch an dem Bau der Fühlerkolben sehen, die sich bei den Tagfaltern sehr ähneln.
Die „Nachtfalter“ sind sozusagen nur eine Schublade für den ganzen Rest – wobei „der ganze Rest“ in Deutschland 95% der Arten ausmacht, Tagfalter stellen hierzulande nur 5% der Arten! Der Begriff des „Nachtfalters“ hat sich einfach deshalb angeboten, weil die meisten, wenn auch nicht alle dieser Arten, tatsächlich primär nachts aktiv sind. Verwandtschaftlich stehen die verschiedenen Familien der Nachtfalter aber deutlich weiter auseinander entfernt als die Tagfalterfamilien untereinander.
Heute gibt’s mal wieder eine etwas buntere Mischung aus Insekten der letzten Zeit; ohne große Vorworte kommen wir gleich zu den spannenden Arten:
1. Ein häufiger Sommerfalter aus der Familie der Spanner (Geometridae), der auch gut zu bestimmen ist, ist der mit dem langen Namen Braunbinden-Wellenstriemenspanner (Scotopteryx chenopodiata). Die Art kommt weit verbreitet und flächendeckend vor und besiedelt sowohl Wiesen als auch Waldränder. Als Nahrungspflanze der Raupen dienen verschiedene Wicken, Platterbsen und Ginster.
2. Es gibt unter den Graszünslern eine Menge wirklich prächtiger Schönheiten; der hier gezeigte Catoptria falsella gehört mit dazu. Die Falter fliegen in einer Generation von Mai bis in den Oktober und deren Raupen fressen nicht an Gräsern, sondern Moosen. Diese kommen sogar auf den Belegen von Dächern oder Mauern vor, weshalb diese recht robuste und anpassungsfähige Art auch weit verbreitet ist.
3. Skorpionsfliegen gehören wie Libellen und Schmetterlinge zu meinen Lieblingsinsekten – hier sehen wir ein Weibchen der Deutschen Skorpionsfliege (Panorpa germanica). Das typische seitlich liegende Y-Muster der Flügel ist bei diesem Individuum so gut wie gar nicht ausgeprägt, zur Bestimmung führten dann die Verteilung und Größe der anderen Flecken. Diese Form von Variabilität ist unter Skorpionsfliegen allerdings normal und verbreitet. Diese kleinen scheuen Tierchen ernähren sich hauptsächlich von (Insekten)aas, heruntergefallenen Früchten, Nektar und Honigtau von Blattläusen.
4. Der Heu-Zwergspanner (Idaea inquinata) trägt seinen Namen, da seine Raupen tatsächlich vertrocknete Pflanzenteile wie Heu fressen. Problematisch ist das aber nur, wenn es sich um getrocknete Teeblätter handelt oder aber das eigene Herbarium aufgefressen wird! Das wurde tatsächlich schon beobachtet. Allerdings kommt die Art nirgendwo wirklich häufig vor und steht mitunter auch in den Roten Listen.
5. Dieser schöne und auffällige Bockkäfer konnte nicht weitergehen ohne wenigstens ein paar Fotos dazulassen. Der Hornissenbock (Plagionotus detritus) steht in Thüringen aktuell auf der Roten Liste als gefährdet (3), deutschlandweit auf der Vorwarnliste. Die Art ist eher wärmelieben und – bislang – eher selten in Mitteleuropa. Die Larven fressen gerne in toten oder kranken Bäumen am Holz, am liebsten der Eiche, daher auch der zweite Trivialname Bunter Eichen-Widderbock.
6. Dieser auf den ersten Blick etwas unscheinbare Spanner ist flächendeckend, aber nicht überall häufig verbreitet, es ist der Randfleck-Kleinspanner (Scopula marginepunctata). In Deutschland gilt die Art als ungefährdet, hier in Thüringen steht sie in er Roten Liste als gefährdet (3). Wichtig für die Art sind sonnige, krautreiche Flächen mit Beständen an Beifuß, Thymian oder Dost.
7. Ein schöner Besucher am Köder war die Vielzahn-Johanniskrauteule (Actinotia polyodon), die passend zum Namen auf das Vorhandensein von Tüpfel-Johanniskraut angewiesen ist. Aufpassen sollte man bei der Bestimmung, da die Trockenrasen-Johanniskrauteule (Actinotia radiose) ihr sehr ähnlich sieht. In zwei Generationen fliegen die Falter von April/Mai bis August/September.
8. Der Zweifarbige Waldrebenspanner (Horisme vitalbata) ist ein hübscher Vertreter der Spanner, dessen Raupen sich von Waldreben-Arten ernähren. Als Lebensräume dienen Waldränder und Gebüsche, aber auch Siedlungs- und Gartenbereiche. In Deutschland ist die Art recht lückig verbreitet.
Beim heutigen Kartieren in einem kleinen Naturschutzgebiet kamen 17 Tagfalter-Arten zusammen – nebst anderem schönen Beobachtungen wie einen Mehlschwalben jagenden Baumfalken. Beim Fotografieren habe ich mich nur auf Arten konzentriert, von denen ich noch nicht viele Bilder habe – lustigerweise haben alle das modische Accessoire eines Zipfels Mehr dazu bei den Artvorstellungen.
1. Durch die Kartierungen und vor allem die Suche nach überwinternden Eiern, ist mir bekannt, dass der Blaue Eichen-Zipfelfalter (Favonius quercus) weit verbreitet und häufig ist, wenn er auch letztes Jahr ein eher schlechtes Jahr hatte. Das ändert aber nichts daran, dass man die Imagines (erwachsenen) Falter fast nie zu Gesicht bekommt – sie haben schlichtweg keinen Grund sich oft auf Augenhöhe der Menschen zu begeben. Nektar interessiert sie eher nicht; ab und an kommen sie mal herunter, um Minerale aus Schlammpfützen aufzunehmen. Ansonsten halten sie sich in den Kronen von Eichen auf, da sie durch dieses „Tree-Toping“ einen passenden Partner finden und die Weibchen ihre Eier anschließend an die Knospen der Eichen ablegen.
2. Dieser schöne Falter gehört ebenso zu den Bläulingen und hat sogar ein Zipfelchen am Ende der Hinterflügel, ist mit den Zipfelfaltern aber nicht verwandt – der Kurzschwänzige Bläuling (Cupido argiades). Diese wärmeliebende Art legt bedingt durch den Klimawandel aktuell eine unglaubliche Ausbreitungsleistung hin. In diesem Jahr gab es bereits Nachweise an historisch bislang noch nie besiedelten Quadranten. Der Kurzschwänzige Bläuling mag strukturierte, buschige Wiesen oder Lichtungen. Seine Raupen entwickeln sich an Gewöhnlichen Hornklee, Bunter Kronwicke, Luzerne, Rot-Klee, und einigen anderen verwandten Pflanzen.
3. Früher hielt man den Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae), dessen Raupen sich bevorzugt an Schlehen (Prunus spinosa), aber auch an anderen Prunus-Arten entwickeln, für einen seltenen, lückig verbreiteten Falter. Das lag daran, dass die Art nicht beim Nektarbesuch zu sehen ist und eher im Buschwerk versteckt lebt – außer, wenn sie wie hier zum Aufschleckern von Mineralen herauskommt. Erst die systematische Kartierung der Überwinterungsstadien – der Eier – brachte zutage, dass die Art nahezu lückenlos überall vorkommt, wo es Schlehen gibt. Im Normalfall hat der Falter wie auch die anderen Zipfelfalter seine Flügel zusammengeklappt, es war also ein absoluter Glücksfall, dass er gerade beim Minerale-Aufschleckern von Wolken beschattet wurde und sich dann aufgeklappt hat, sodass die vollen Oberseiten zu sehen sind. Noch besser, dass man hier ein Weibchen sieht – nur sie tragen die namensgebenden orangen nierenförmigen Flecken.
Aus einer etwas länger zurückliegenden Tour, im Juli in einer Heidelandschaft, stammen die heutigen Fotos.
1. Wer im Sommer abends die Augen auf hält und sich nicht in intensiv bewirtschafteter Landschaft aufhält, kennt das umherschwirrende Leuchten der Glühwürmchen. Die herumfliegenden Tiere sind dabei die Männchen, die Weibchen sitzen dagegen im Gras und locken mit ihrem kräftigeren Leuchten die Männchen an – so wie auf den Fotos. Das ganze basiert auf einer biochemischen Reaktion: im Körper der Glühwürmchen reagieren Luciferin und Luciferase mit Sauerstoff – man bezeichnet diesen Vorgang als Biolumineszenz. Glühwürmchen sind natürlich keine Würmer, sondern Käfer. In Deutschland beherbergen wir 3 Arten, das Weibchen auf den Fotos ist ein Großes Glühwürmchen bzw. korrekt Großer Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca).
2. Sozusagen eine kleine Version vom Maikäfer ist der Junikäfer oder auch Gerippter Brachkäfer (Amphimallon solstitiale). Amphimallon ochraceum sieht der Art sehr ähnlich, ist aber u.a. an den Flügeldecken nicht so stark bewimpert. Die Flugzeit der Käfer reicht in etwa von Ende Juni bis Juli.
3. Es gibt eine Menge Heuschrecken in Deutschland, deren Bestimmung oft nicht so einfach ist. Die hier fiel vor allem durch ihre Größe auf und dass sie uns mitten auf dem Weg sozusagen erwartete
Zum Glück haben wir sie mit erfasst, es ist ein Weibchen vom Warzenbeißer (Decticus verrucivorus), eine ehemals häufige Art, die aktuell in der Roten Liste Deutschlands als auch Thüringens als gefährdet (3) geführt wird. Den etwas merkwürdigen Namen hat die Art dadurch, dass sie bei Bedrohung nicht nur gut Zubeißen kann, sondern auch ätzende Verdauungssäfte aussondert. Früher dachte man, dass man damit Warzen loswerden kann – Das ist bislang weder belegt worden noch widerlegt. Aber es gibt sicher heutzutage angenehmere Methoden
Letztes Wochenende waren wir insbesondere zur Libellensuche in einem Teichgebiet im Ilmenauer Landkreis unterwegs und haben mit 18 Arten an einem Nachmittag einen tollen Kartiererfolg gehabt. Auch besondere Schmetterlinge wie der Kleine Eisvogel oder Feurige Perlmuttfalter waren zu sehen, außerdem toll Vogelarten wie der Schwarzmilan und Fischadler. Da ich ohnehin noch unzählige Vogelfotos habe, habe ich mich mit dem Makro auf die kleineren Tierchen konzentriert.
1. Sie trägt zwar das „Gemein“ im Namen, aber heutzutage heißt das ja bekanntlich nicht mehr soviel, denn so oft trifft man die Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa) nicht an; auf dem Foto ein Weibchen. Bei den Binsenjungfern ist ein Makrofoto unerlässlich, um die Art zweifelsfrei zu bestimmen, da die diagnostischen Merkmale zur Artdifferenzierung oft sehr diffizil sind. Ausschlag gebend bei Weibchen der Art sind u.a. dass das 1. Segment des Abdomens seitlich keinen metallischen Fleck aufweist sowie ein deutlich spitzes Basalstück am Übergang vom 9. zum 10. Segment unterseitig – beides auf den Fotos zu erkennen.
Die ersten Gemeinen Binsenjungfern schlüpfen ab Mai, deren Hauptflugzeit liegt aber zwischen Ende Juni und September. Sie kommt auf gut besonnten Stillgewässern mit ausreichender Vegetation vor.
2. Die schönen wie auch hoch spezialisierten Quelljungfern sind auf Grund ihrer bevorzugten Lebensräume und Ansprüche allgemein selten, die hier gezeigte Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) steht in Thüringen auf der Roten Liste als gefährdet (3); das Foto zeigt ein Männchen. Die Art bevorzugt eher Mittelgebirgslandschaften und reproduziert sich dort in sommerwarmen Fließgewässern wie beschattete Waldbäche, Wiesenbäche- und Rinnsäle sowie Gräben, solange diese Gewässer nicht zu schmutzig sind, zu breit oder zu strömungsintensiv sind.
Bei den Quelljungfern muss man genau hinsehen, recht ähnlich ist bspw. auch die Gestreifte Quelljungfer, die hat allerdings nur jeweils einen Streifen an an den Segmentübergängen.
3. Immer schön zu sehen – wenn man sie nicht übersieht, sind auch unsere normalen Grünfrösche, die einem schwer zu differenzierenden Artkomplex aus 3 Arten angehören, wovon die 3. Art ein Hybrid aus den beiden anderen ist. Die Haupt-Laichzeit der Grünfrösche liegt zwischen Mai und Juni, ab Ende August findet so langsam – je nach Witterung und Entfernung – die Rückwanderung zu den Überwinterungsquartieren statt.
4. Was haben Waldeidechse, Mooreidechse und Bergeidechse gemein? Nun – Alles! Es ist tatsächlich die gleiche Art Zootoca vivipara, der man je nach Lebensraum nur unterschiedliche Trivialnamen zuteilt. Der interessanteste Aspekt dieser Art mit dem relativ kleinen Köpfchen verbirgt sich im Artepitheton des wissenschaftlichen Namens: vivipar = lebensgebärend. Nun ist ja bekannt, dass Reptilien Eier legen und auch die Waldeidechse lässt ihre Jungen in Eiern heranwachsen – im Unterschied zu anderen Echsen aber nicht außerhalb, sondern innerhalb des Körpers.
Vom gleichen Gebiet wie die vielen Schachbrettfalter des letzten Beitrags, heute eine bunte Auswahl verschiedener Arten.
1. Ein Männchen vom Argus-Bläuling (Plebejus argus), markant mit den dicken schwarzen Rändern der Flügeloberseiten und den gattungstypischen Silberkern-Flecken auf den Unterseiten der Hinterflügel. Die Gattung ist bestimmungstechnisch kniffelig, man fasst sie oft als Silberfleck-Bläulinge (Plebejus spec.) zusammen. Am sichersten lässt sich noch das Männchen vom abgebildeten Argus-Bläuling ausdifferenzieren: die erwähnten schwarzen Ränder + Dornen an den vorderen Tibien. Bei P. idas und P. argyrognomon gibt es solche Kniffe nicht. Bislang konnte man u.a. mit den Verbreitungsgrenzen arbeiten; so war P. argyrognom bisher eine recht südliche Art. Im Zuge des Klimawandels hat die Art ihre Verbreitungsgrenze mittlerweile aber auch deutlich nach Norden hin verschoben.
2. Die abgebildete Art wartet mit 2 etablierten Trivialnamen auf: Schornsteinfeger bzw. Brauner Waldvogel (Aphantopus hyperantus). Hier in der Gegend (TH, SLF-RU) ist die Art in hohen Abundanzen vertreten. Der Schornsteinfeger entwickelt sich an verschiedenen Gräsern und bewohnt eine Menge verschiedener Habitate wie Waldsäume, lichte Wälder, halbschattiges Offenland uvm.
3. Dies hier ist der Braunkolbige Braun-Dickkopffalter (Thymelicus sylvestris). Bestimmungsrelevant ist, dass die Art keine Würfelmuster auf ihren Flügeln zeigt als auch keine Häkchen an den Fühlerkolbenenden. Vom ähnlichen Schwarzkolbigen Dickkopffalter (Thymelicus lineola) unterscheidet sich die Art durch die Unterseite der Spitzen der Fühlerkolben – sie sind hier Hellbraun/Orange. Die Betonung liegt explizit auf >Unterseite< der Fühlerkolben, das Merkmal ist das tatsächlich sehr klein, aber 100% eindeutig. Die Nektarpflanzen auf den Fotos sind Gewöhnlicher Natternkopf und Wiesen-Flockenblume.
4. Eine richtige Sommer-Art, die dann auch sehr häufig auftritt: Der Dürrwiesen-Zünsler (Synaphe punctalis). Über die Raupennahrungspflanzen weiß man bisher nur sicher, dass sie an Gew. Hornklee gehen, es werden allerdings noch weitere Arten vermutet.
5. An der Skabiosen-Flockenblume stillt das Esparsetten-Widderchen bzw. Krainer-Widderchen (Zygaena carniolica) seinen Nektardurst. Dieses Widderchen mag vor allem wärmebegünstigte Kalk-Magerrasen und ist primär auf das Vorhandensein von Gew. Hornklee oder Saat-Esparsette angewiesen.
6. Der mit Abstand häufigste und anspruchsloseste Bläuling sitzt hier auf dem Sichel-Klee, es ist ein Männchen des Hauhechel-Bläulings (Polyommatus icarus), der aufgrund seiner Häufigkeit und großen ökologischen Amplitude auch als Gemeiner Bläuling bezeichnet wird.
7. Schon etwas abgeflogen zeigt sicher hier ein Kleiner Kohlweißling (Pieris rapae) am Gew. Natternkopf. Die Art kann man getrost als Kulturfolger bezeichnen und in der Landwirtschaft gilt er als Schädling, da sich die Raupen an allen möglichen Kreuzblütlern entwickeln.
8. Das „Klein“ trägt die Art im Namen zurecht: Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus). Die Art fliegt in verschiedenen Biotoptypen des Offenlandes: Böschungen, Brachflächen, Waldsäume, Trockenrasen, Wiesen usw und entwickelt sich an Gräsern wie Wiesen-Rispengras und Schafschwingel. Letztere Grasart ist für viele, teils seltene Falter, eine wichtige Raupenfutterpflanze! Die Vorstellung, dass für Schmetterlinge vor allem bunte, großblütige Blumen wichtig sind, ist nämlich schlichtweg falsch.
9. Eine weitere typische Sommer-Art, die man tagsüber alle paar Meter im Gras entdecken kann, ist der Olivbraune Zünsler (Pyrausta despicata). Hier leider nicht zu sehen, sondern nur mit geöffneten Vorderflügeln, sind die tollen Streifenmuster der Hinterflügel (hellgelbe Streifen auf schwarzem Grund), die an Ausgestaltung und Ästhetik eher an Eulenfalter (Noctuidae) als Zünsler (Pyralidae) erinnern.
10. Das Klischee von grauen Motten und langweiligen Kleinschmetterlingen interessiert diesen Zünsler nicht: Purpurroter Zünsler (Pyrausta purpuralis). Beim Fund sollte man aufpassen, denn vor allem der nah verwandte Gold-Zünsler (Pyrausta aurata) sieht ihm verdammt ähnlich. Relevant sind die Linienverläufe der Vorderflügel als auch deren Relation zu der Binde der Hinterflügeloberseiten.
11. Der Rhabarberzünsler (Oncocera semirubella) hat seinen Trivialnamen sicher nicht auf Grund der Nahrungspräferenzen, denn seine Raupen fressen an Gew. Hornklee und wahrscheinlich vielen weiteren Klee-Arten. Wenn man sich diese rötlich-purpurfarbenen Streifen dieser schönen Zünsler-Art ansieht, dürfte die Namensherkunft aber erkennbar sein
12. Diese Spannerart kann man im Sommer oft tagsüber auf Trockenrasen finden und es stellt sich dann meist die Frage: Idaea ochrata oder I. serpentata? Wir haben uns bei diesem etwas abgeflogenen Exemplar für den Rostgelber Magerrasen-Zwergspanner (Idaea serpentata) entschieden. Relevant sind (wenn vorhanden) die Positionen der Hinterflügelpunkte, aber auch das (Nicht-)Vorhandensein von Punkten im Saumfeld und ob die Saumbinde im Marginalbereich eher gestrichelt oder ununterbrochen verläuft.
13. Ein toller Zufallsfund war dieser ruhende Schmuck-Kleinspanner (Scopula ornata), der aufgrund seiner markanten Musterung nur mit dem Sandthymian-Kleinspanner (S. decorata) zu verwechseln ist. Die Art mag warme und trockene Offenland-Habitate mit Beständen an Thymian – weitere Nahrungspflanzen stehe noch zur Debatte.
14. Da wir im Gebiet den Braunkolbigen Braun-Dickkopffalter hatten, war der Schwarzkolbige Braun-Dickkopffalter (Thymelicus lineola) nicht weit. Auch dieser ganzen Artenkomplex ist ein tolles Beispiel für die Wichtigkeit von Gräsern für die Entwicklung von vielen Schmetterlingsarten: Selbst das oft verhasste Landreitgras gehört wie auch die Fiederzwenke oder Gem. Knäuelgras zu den Nahrungspflanzen.
15. Unsere häufigste Widderchen-Art ruht hier an einer Skabiosen-Flockenblume, es ist das Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae). Die Art kann mitunter recht variabel gemustert sein, die Flecken sind aber nie scharf begrenzt, oft dicht beieinander, die Vorderflügelunterseiten nicht rot bestäubt und die typische Haltung zeigt die Art mit geschlossenen Flügeln. Variabel sind mitunter die Fühlerkolbenspitzen, die auch mal weiß sein können.
Sie sind so fotogen und schön anzusehen, dass es in dem Beitrag mal nur um den Schachbrettfalter (Melanargia galathea) geht. Er gehört wohl mit zu den wenigsten Großschmetterlingen bzw. Tagfaltern, bei denen man in einem Gebiet auch ohne Probleme mal auf 3-stellige Individuenzahlen kommen kann. Die Art gehört zur Familie der Edelfalter (Nymphalidae), ist also mit Tagpfauenauge, Landkärtchen, Kleiner Fuchs & co näher verwandt als bspw. mit den Weißlingen.
Der Schachbrettfalter ist kein ökologischer Spezialist und bewohnt viele verschiedene Lebensräume, seine Raupen ernähren sich von Gräsern wie Aufrechter Trespe, Fiederzwenke und Wiesen-Rispengras. Interessant ist der Geschlechtsdimorphismus: Während die Zeichnungen beim Männchen unterseitig gräulich-schwarz sind, so sind diese beim Weibchen bräunlich-ockerfarben.
Auf dem letzten Foto sieht man am Abend eine Schlafgemeinschaft, die man überall dort in der Heidelandschaft finden konnte.
Auch wieder aktuelle Fotos, bevor ich mich mal wieder der Aufarbeitung des nie enden wollenden Bild-Archivs unbearbeiteter Fotos widmen werde. Die Fotos stammen vom letzten Wochenende vom Rande eines Tagebaus mit Flut- und Ruderalflächen – so wie auch der letzte Beitrag über Libellen und Feldsperlinge.
1. Während der ausgewachsene Falter (Imago) eher in unscheinbaren gräulichen bis bräunlichen Morphen auftritt und höchstens mit dem kreisrunden Ringmakel und einem hellen Fleck der hinteren Querbinde auffällt, sind seine Raupen ein echter bunter Hingucker: Ampfer-Rindeneule (Acronicta rumicis), hier mit einer ausgewachsenen Raupe. Die Raupen leben sehr polyphag und sind entgegen dem Namen nach nicht auf Ampfer spezialisiert, sondern fressen auch an Laubbäumen und Sträuchern, an vielen Stauden und krautigen Pflanzen. Sie weisen also ökologisch eine große Amplitude auf oder vereinfacht gesagt: Die Art ist ein Generalist und kein Spezialist. Daher ist sie weit verbreitet und häufig; wir hatten zuletzt bei der systematischen Erfassung über Licht und Köder bei Nacht auch mehrere Individuen der Art.
2. Ich hatte zum Libellenfotografieren die Kamera griffbereit in der Hand, als dieser Nutria (Myocastor coypus) aus seinem Bau kam und mir eine schöne Porträtaufnahme ermöglichte. Die Art stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde wegen ihres Pelzes nach Deutschland eingeführt, ist also ein Neozoon. Ein weiterer Neozoon mit dem der Nutria oft verwechselt wird, ist deutlich kleinere Bisam (Ondatra zibethicus) und die dritte Verwechslungsart im Bunde ist der heimische, deutlich große Biber (Castor fiber).
Nutrias besitzen wie der Bisam einen dicken, runden Schwanz und kein Biber-Paddel. Der Schwanz des kleinen Bisams ist im Vergleich zum Nutria-Schwanz etwas platter und ovaler. Beim Porträtfoto erkennt man gut das typische, stumpfe Schnauzenprofil des Nutrias mit dicken weißen Barthaaren. Bisams haben ein spitzes Profil und beim Biber ist an der Schnauze gar nichts helles zu sehen.
Markant sind auch die Größenunterschiede: mit 35cm (ohne Schwanz) ist der Bisam nur halb so groß wie ein Nutria (65cm ohne Schwanz) und der heimische Biber wiederum fast doppelt so groß wie ein Nutria (100cm ohne Schwanz).
3. Eine typische Sommer-Art auf Wiesen, Ruderalflächen, Wegrändern etc. ist der Olivbraune Zünsler (Pyrausta despicata). Markant und zugleich wunderschön sind die komplex gezeichneten Hinterflügel, die eher an die Zeichnungsmuster typischer Eulenfalter (Noctuidae) erinnern, mit denen er jedoch kein bisschen verwandt ist. Auf den ersten Blick recht ähnlich wirkt bspw. das Hornkraut-Tageulchen (Panemeria tenebrata).
4. Unverkennbar haben wir es mit einem Vertreter der Federmotten (Pterophoridae) zu tun: Platyptilia gonodactyla. Die Art ist ein schönes Beispiel dafür wie Insektenbestimmung mitunter funktioniert, welche Merkmale oft relevant sind und wo auch die Grenzen von Bestimmungs-Apps liegen. Platyptilia nemoralis sieht nämlich exakt genauso aus; das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist der Verlauf der dunklen Federchen am Hinterflügel. Die hier gezeigte Art Platyptilia gonodactyla zeigt eine Art schwarzes Rechteck, bei der Verwechslungsart wäre es ein rechtwinkliges, langgezogenes Dreieck. Im Lepiforum ist wie so oft ein tolles Anschauungsbeispiel zu finden.
5. Eine schöne regionale Besonderheit, die hier in der Gegend fliegt und sich auch reproduziert, ist der Resedafalter (Pontia edusa). Bei der Art sollte man unbedingt auf den wissenschaftlichen Artbegriff achten, es gibt noch einen zweiten Resedafalter, der eher in Süd-Westeuropa unterwegs ist: Pontia daplidice. „Unser“ Reseda ist in Thüringen recht lückig verbreitet, in sehr vielen Quadranten gibt es keine Nachweise zum Vorkommen der Art. Aufpassen zum Ende des Frühlings/Beginn des Sommers, wenn noch Aurorafalter (Anthocharis cardamines) unterwegs sind und die ersten Resedas starten. Bei einem flüchtigen Blick aus der Ferne erinnert die Unterseite an ein Weibchen des Aurorafalters. Aber sowohl die Zeichnung der Musterung als auch die schwarzen Stellen am Apex der Oberseiten sind dann doch deutlich anders.
1. Auf einem südexponierten Felsen-Muschelkalkhang war unter vielen weiteren tollen Schmetterlingen diese Besonderheit zu entdecken: Das Bergkronwicken-Widderchen (Zygaena fausta) auf einer Kalk-Aster bzw. Berg-Aster. Die Raupen der Art entwickeln sich ausschließlich an der namensgebenden Bergkronwicke, ihren Nektarbedarf stillen die Imagines vor allem an Arten der Gattungen der Witwenblumen, Skabiosen, Flockenblumen und Dost. Sowohl in Thüringen als auch für ganz Deutschland steht das Bergkronwicken-Widderchen auf der Roten Liste als gefährdet (3).
2. Ein Schmetterling, den wohl jeder liebt: Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon). Er sitzt hier gerade auf einer Wilden Möhre und hier in der Region stellt diese auch eine der wichtigsten Futterpflanzen für die Raupen dar – Wenn solche Flächen nicht als „Unkraut“ kaputt gemäht werden. Tatsächlich sorgt übertriebener Ordnungssinn in Städten, Kommunen, Parks und Gärten dafür, dass viele Eigelege vom Schwalbenschwanz zerstört werden.
3. Ein besonders schöner Kleinschmetterling hat sich hier gezeigt: Harpella forficella. Die Art gehört zur Familie der Faulholzmotten (Oecophoridae) und entwickelt sich nicht an Blättern, Kräutern, Knospen etc. wie die meisten Schmetterlingsraupen – sondern im und vom Totholz und erinnert damit eher an einen Käfer.
4. Immer schön zu sehen sind die Feuerfalter, hier der häufigste deren Vertreter, der Kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas), weiblich. Zu den Feuerfaltern sollte erwähnt werden, dass verschiedene Ampfer-Arten (Rumex spec.) zu ihren wichtigsten und auch einzigen Futterpflanzen zählen! Auch wieder ein typisches Beispiel dafür, dass viele Schmetterlinge oft gar nicht so anspruchsvolle Lebensbedingungen stellen, deren Lebensgrundlage aber als „Unkräuter“ entfernt wird.
5. Dem Einen oder Anderen sind vielleicht die schwarzen, bedornten und weiß bepunkteten Raupen des Tagpfauenauges bekannt; wie sie in Grüppchen an Brennnesseln fressen. Diese stellen aber bereits mehrfach gehäutete ältere Stadien dar. Hier auf dem Foto sieht man das allererste Larvalstadium L1 des Tagpfauenauges, markant mit dem schwärzlichen Kopf, dessen dunkle Färbung verwaschen nach hinten ausläuft.
6. Ein Sägebock ist nicht nur ein Gerät im Schuppen oder der Werkstatt, sondern kann je nach Kontext auch einen Bockkäfer bezeichnen Hier haben wir einen männlichen Sägebock (Prionus coriarius). Für gewöhnlich sind diese Tiere nachtaktiv, hier hat er bei einem kurzen Nachmittagsschauer an einem Blatt geruht. Die Art kann eine Länge von bis zu 45mm erreichen.