Stieglitz (Distelfink)

Der Stieglitz wird auch Distelfink genannt und das zeigt seine biologischen Verwandtschaftsverhältnisse als Teil der Finkenfamilie gut an. Trotz ihrs bunten Aussehens, werden sie von den meisten Leuten nicht wahrgenommen, da sie oft oben in Bäumen sitzen. Im Flug sieht man oft nur die sehr hellen Bäuche, wenn ein Trupp das Gebiet überfliegt. Wie verbreitet und häufig sie sind, bekommt man mit, wenn man ihre Flugrufe (wjit-wjit-wjit) und Gesänge identifizieren kann.

So ist stets der erste Hinweis, dass man Stieglitzer vorgefunden hat, auditiver Natur: Man hört sie wesentlich leichter, als dass man sie sieht.

Außerhalb der Brutzeit sind sie in Trupps unterwegs und veranstalten dabei ein Geschwätze als wären es gefühlt zehnmal so viele. Dieser schwätzende Gesang erinnert mitunter an den von Erlenzeisigen, die Stieglitzer haben dabei manchmal schnarrende, oft auch trillernde und schnarrende Laute sowie ihre namensgebende „Stiege-Lit Stiege-Lit“-Rufe dabei. In den Strophen oft zu hören sind auch die Rufe, die man bspw. beim Grünfink als Warnruf hören kann: ein aufsteigendes „wjühiiiiii“.

Auf dem letzten Foto, was im September zur Nachbrutzeit entstanden ist und mausernde adulte Individuen zeigt, kann man auch einen diesjährigen Jungvogel unten links erkennen. Ohne die arttypische rot-weiß-schwarze Gesichtsmaske wirken sie so ganz anders als ihre Eltern.


Hier ist der Stieglitz mit den Samen einer Schwarzerle beschäftigt. Die im Winter ausgetrockneten Zapfen mit den Samen dienen vielen Vögeln als wichtige Nahrungsquelle im Winter, da das Angebot von Sträuchern und Bäumen dann ja bekanntermaßen recht mager ausfällt. Schwarzerlen sind sehr tolerant gegenüber durchnässte Böden und sind daher ein typischer Bäume der Moore oder in der Nähe von Ufern zu finden.

Gerade zur Nachbrut- und Zugzeit kann man eine Menge Stieglitztrupps beobachten, die mit ihren Gesängen, Rufen und Fluglauten auf sich aufmerksam machen. Diesen Stieglitz bzw. Distelfink konnte ich im Oktober beim Knuspern an Distelsamen ablichten. Der besonders lange und spitze Finkenschnabel prädestiniert diese Art zur Nahrungsaufnahme von Samen, selbst wenn diese tiefer im Pflanzeninneren oder hinter Stacheln versteckt liegen.

Bisher wurde das Verknuspern von 152 verschiedenen Arten von Pflanzensamen nachgewiesen, darunter je nach Jahreszeit: Birke, Kiefer, Wilde Karde, Löwenzahn, Huflattich, Disteln, Flockenblumen, Sonnenblumen, Mädesüß, Hahnenfuß usw. – Im Prinzip also ziemlich viele typische „Unkräuter“.

Für schöne Farbtupfer in der Winterlandschaft hat der Trupp des ersten Fotos aus ca. 70 Stieglitzen gesorgt, der zusammen mit ca. 10 Bluthänflingen unterwegs war und zwischendurch kurz mit einem ca. 50er Trupp Erlenzeisigen vergesellschaftet war. Finken, Ammern und Meisen ziehen im Winter oft in gemischten Trupps umher, um das karge Nahrungsangebot des Winters optimal nutzen zu können. Die anderen beiden Fotos sind ein kleiner Ausschnitt eines 100er Schwarms Stieglitzer Anfang Dezember.

Davon, dass im Winter nichts los ist oder alle Vögel weg sind, kann also nicht die Rede sein! Von besonderen Wintergästen – wie Kornweihen, Seetaucher, uvm. –ganz zu schweigen Also warm einpacken, Augen und Ohren auf: Es gibt auch im Winter immer was zu entdecken!

Ausgestattet mit einem extralangen und besonders spitzen Finkenschnabel, ist der Stieglitz wie geschaffen dafür, um auch tiefer gelegene Samen aus der Wilden Karde oder Kratzdistel-Arten zu puhlen. Mit seinen 13-19g Körpergewicht hangelt er sich artistisch an die passende Position oder nutzt das Gewicht, um einen Pflanzenstängel so umzubiegen, dass er den Samenstand in der Horizontalen besser erreichen kann.

Auf den beiden Fotos vom August sitzt der auch Distelfink genannte Stieglitz auf einer Krausen (Ring)distel und gönnt sich ein schönes Abendbrot.

Es sind solche Gewächse, mit denen man unseren Wildtieren und der Natur einen Gefallen tun kann. Kratzdisteln bieten nicht nur Samen für Vögel und schöne lila Blüten fürs Augen, sondern Nektar für spezialisierte Wildbienen, viele Schmetterlinge, Schwebfliegen und einige Schmetterlingsarten entwickeln sich als Raupe an ihnen.

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