Hier gibt es vorerst keine „Hochglanzfotos“, aber dafür mit Seltenheitswert, denn den Kuckuck hört man zwar oft und nahezu jeder kennt seinen Ruf, sehen tut man ihn allerdings selten. Dies auch aus nachvollziehbarem Grund, denn er tut als Brutparasit gut daran, seine Anwesenheit vor anderen Vögeln zu verbergen.
Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist es nämlich nicht so, dass die Opfer seiner Täuschung so leicht zu überlisten wären. Wenn ein parasitierter Vogel auf die Anwesenheit des Kuckucks aufmerksam wird, kann es schon mal passieren, dass die Brut noch einmal einer genauen Inspektion unterzogen und das Kuckucksei zerpickt und/oder herausgeworfen wird.
Interessant ist auch, dass das Kuckucksmännchen dem Weibchen zur Balz Nistmaterial anbietet! Da Kuckucke keine Nester bauen und ausschließlich diese anderer Vögel nutzen, ist das ein Beleg dafür, dass der Kuckuck im Verlauf der Evolution einst vom Nestbau und der eigenen Jungenaufzucht, hin zum Brutparasitismus selektiert wurde.
Eine Rolle könnte dabei die Ausnutzung einer Nische im Nahrungsangebot gespielt haben: Kuckucke ernähren sich zu einem großen Teil von Schmetterlingsraupen, die oft sehr giftig, haarig und stachlig sind und haben dazu verschiedene Techniken, vom Verhalten bis über die Verdauung, entwickelt, um die Nahrung verarbeiten zu können. Jungvögel wären nicht in der Lage diese Art Nahrung zu sich nehmen zu können. Bekanntermaßen muss sich der Kuckuck (heutzutage) darum zumindest keinen Kopf mehr machen…
Dass es ein Kuckucksweibchen im Gebiet geschafft hat, ein Brutpaar einer anderen Art, wahrscheinlich einen der Rohrsänger, hinters Licht zu führen, beweist dieser flügge junge Kuckuck. Aufgrund der Entfernung und der mäßigen Bildqualität dachte ich erst an an Weibchen, da diese in verschiedenen Farbmorphen auftreten. Die weiße Bänderungen bzw. der helle Saum der Rückenfedern spricht aber eindeutig für einen diesjährigen Jungvogel; die Fotos entstanden Mitte August.
Die Gelegegröße ist beim Kuckuck genauso variabel wie auch die an die Wirtstiere angepasste Färbung der Eier und beträgt zwischen 1-25 Eiern. Wobei der Begriff „Gelege“ hier nicht so recht passt, da das Kuckucksweibchen in jedes fremde Gelege immer nur jeweils 1 Ei legt. Es werden also zwischen 1-25 fremde Nester parasitiert, wobei die Regel bei ungefähr 9 Nestern liegt. Das wirkt mehr als man für gemeinhin annimmt, macht aber Sinn, da viele Vögel das falsche Spiel durchschauen und die fremden Kuckuckseier wieder aus dem Nest befördern. Mit der hohen Anzahl an parasitierten Nestern sorgt der Kuckuck also dafür, es zumindest einige seiner großen, nimmersatten Küken schaffen.