Trompetend kündigen sie sich Ende September mehrmals vor dem Überflug an und diese Rufe haben ihnen auch ihren wissenschaftlichen Namen Grus grus eingebracht: Ein Paar Kraniche.
Die Art brütet von April bis August in Feuchtgebieten, Mooren, Moor- und feuchten Bruchwäldern oder Feuchtgebieten wie Sümpfen und weitläufigen Teich- und Schwemmflächen. Das Wasser im Habitat dient vor allem dem Schutz des Geleges, welches aus i.d.R. 2 Eiern besteht. Dazu wird auf kleinen Inseln oder Erhebungen auf dem Wasser ein Nest, bestehend aus einem Haufen Pflanzenmaterial, angelegt. Das umgebende Wasser schützt die Brut vor Prädation dann ähnlich wie ein Burggraben.
Bevor es überhaupt zur Brut kommt, braucht es eine Balz, die im zeitigen Frühjahr meist in Trupps stattfindet. Bekannt und schön anzusehen sind die Balztänze, die an freudige Hüpfer erinnern und bei einem 1,2m großen und 5-7Kg schweren Vogel schon wie aus der Reihe gefallen wirken.
Ob seine Majestät (Deutscher Wappenvogel) mit den Titulierungen wie „Fliegendes Brett“ oder „Fliegende Tür“ begeistert wäre? Wenn man sich seinen vermeintlichen strengen Blick dazu vorstellt, wohl eher nicht. Aber mit den im Segelflug breiten, rechteckigen Flügeln und der Flügelspannweite, die von 1,8m bis 2,44m reicht, passen solche Vergleiche zum Seeadler (Haliaeetus albicilla).
Der Spitzenprädator bewohnt Gewässerreiche Lebensräume wie Küsten, Seen Stauseen, weite Flusslandschaften, Sumpfgebiete usw, ist dabei aber deutlich weniger als bspw. der Fischadler spezialisiert. Der Seeadler holt sich ähnlich wie andere große Prädatoren mit hohem Energieverbrauch, das, was für ihn am leichtesten zu erreichen ist und das kann auch gerne Aas sein. Ansonsten stehen neben allen möglichen Fischarten, größeren wie kleineren Wasservögeln von Graugansküken bis zu Kormoranen, Säugetieren von der Wühlmaus bis zu Feldhasen und Nutrias, auch alles sonst, was er erbeuten kann, auf dem Speiseplan.
Aktuell leben in Deutschland ungefähr 850-1.000 Brutpaare, das war nicht immer so: Anfang der 20. Jahrhunderts wäre die Art beinahe durch gnadenlos Verfolgung ausgerottet worden. Dank verschiedener Schutzbemühungen und eines langsamen Kulturwandels konnten sich einige Bestände zu Beginn der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wieder erholen. Die nächste Zäsur kam ab dem massiven Einsatz des Insektizides DDT: An der Spitze der Nahrungskette haben sich solche Gifte im Seeadler und anderen Prädatoren angesammelt und die Eier brüchig und dünnschalig werden lassen. Spitzenprädatoren erfüllen damit auch für uns Menschen eine wichtige Zeigerfunktion; der Seeadlerbestand indes brach abermals fast komplett zusammen. Nach dem Verbot von DDT, vielen Schutzanstrengungen, Auswilderungs- und Wiederansiedlungsprojekten hat sich der Bestand seit den 90ern deutlich und stark erholt.
Eine Bedrohung ist teilweise noch die Jagd mit bleihaltiger Munition; der zurückgelassene Aufbruch der Jäger (Innereien etc) reichern sich mit dem Blei aus der Munition an und führen zu qualvollen und tödlichen Vergiftungen bei Seeadlern. Aktuell ist die Nutzung von Bleimunition in Feuchtgebieten verboten, in DE in einigen Bundesländern ganz. Komplette Verboten werden noch diskutiert. Weitere Bedrohungen sind illegale Nutzung von Bleimunition, Wilderei, Straßenverkehr, unbeabsichtigte Vergiftung durch Rodentizide etc, Windkraftanlagen, Stromleitung (Kurzschluss & Kollision). Trotz allem bleibt der Bestandstrend positiv.
Wenn die Flugzeit bei vielen Bienen schon wieder durch ist, fängt die Efeu-Seidenbiene (Colletes hederae) gerade einmal an. Kein Wunder, der namensgebende Efeu ist ihre wichtigste Nektarquelle und wird auch zur Aufzucht der Larven benötigt und dieser fängt erst zu dieser Zeit zu blühen an. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Efeu-Seidenbiene als eigene Art beschrieben wurde: Erst in den frühen 90ern hat man sie von der sehr ähnlich aussehenden Heidekraut-Seidenbiene (Colletes succinctus) getrennt, da die Spezialisierung auf so unterschiedliche Pflanzen wie Besenheide und Efeu, die in vollkommen verschiedenen Biotop-Typen vorkommen, doch zunehmend merkwürdig erschien – Folgeuntersuchungen bestätigten die Eigenständigkeit der Arten.
Dank deren Bestäubung und auch der von vielen Schwebfliegen usw. kann der dann befruchtete Efeu im Winter seine Beeren bilden – Eine Nahrungsquelle für über 60 Vogelarten und das zu einer Zeit, wo sie Nahrung dringend nötig haben, da diese nicht so leicht verfügbar ist.
Am Tage sind sie zu sehen, aber nicht zu hören und ab dem Abend sind sie in der Dunkelheit nicht mehr zu sehen, aber umso deutlicher zu hören: Ästlinge der Waldohreule! Das in hohen Tönen vorgetragene Bettel-Fiepen, was man lautmalerisch als „jihüüüü“ umschreiben könnte, ist dann ausdauernd oft die ganze Nacht hindurch zu hören.
Mit dem Begriff des Nestlings können viele Menschen etwas anfangen, aber was ist ein Ästling? Der Ausdruck beschreibt das Entwicklungsstadium von Nesthockern, nachdem sie das Nest – je nach Art Nest, Horst, Höhle – verlassen haben, aber noch nicht selbstständig sind und von den Eltern weiterhin betreut und gefüttert werden. Der Name rührt daher, da sie nun auf den Ästen in Nähe des Brutplatzes unterwegs sind und mal mehr, mal weniger unbeholfen Fähigkeiten wie Koordination, Balance etc. trainieren. Es passiert nicht selten, dass sie dabei – gut gepolstert und zumeist unbeschadet – auf dem Boden plumpsen. Mit aller Deutlichkeit soll an dieser Stelle erwähnt werden, dass Eulenkinder auf dem Boden NICHT hilflos sind und keiner menschlichen Hilfe bedürfen. Ausnahmen gelten nur für Bereiche in Siedlungen, wo durch den Menschen herausgelassene Hauskatzen eine ernsthafte und unnatürliche Gefahr (anthropogene) für die Jungeulen darstellen. Gut gemeintes, aber falsches Engagement bringt viele Eulenkinder überhaupt erst in Bedrängnis und Vogelauffangstationen unnötig an Kapazitätsgrenzen. Mittels Schnabel und Krallen schaffen sie es an der Borke, selbst vollkommen senkrechter Baumstämme, emporzuklettern.
Die Waldohreule findet man entgegen des Namens nicht tief im Wald; sie mag es eher halboffen und besiedelt Waldränder, Lichtungen, Parkanlagen, Friedhöfe, Gehölze im Siedlungsbereich und strukturierte Gärten. Zum Brüten ist die Art explizit auf das Vorhandensein von ironischerweise eines ihrer ärgsten Feinde angewiesen: Rabenkrähen. Deren verlassene Nester braucht sie nämlich zum Brüten. Das zeigt wieder einmal mehr, dass einseitige Betrachtungen in der Natur – und damit Ökosystemen – nicht funktionieren. Leider gibt es unter Greif- und Eulenfreunden trotzdem gar nicht mal wenige regelrechte Krähenhasser.
Heute gibt’s mal wieder eine etwas buntere Mischung aus Insekten der letzten Zeit; ohne große Vorworte kommen wir gleich zu den spannenden Arten:
1. Ein häufiger Sommerfalter aus der Familie der Spanner (Geometridae), der auch gut zu bestimmen ist, ist der mit dem langen Namen Braunbinden-Wellenstriemenspanner (Scotopteryx chenopodiata). Die Art kommt weit verbreitet und flächendeckend vor und besiedelt sowohl Wiesen als auch Waldränder. Als Nahrungspflanze der Raupen dienen verschiedene Wicken, Platterbsen und Ginster.
2. Es gibt unter den Graszünslern eine Menge wirklich prächtiger Schönheiten; der hier gezeigte Catoptria falsella gehört mit dazu. Die Falter fliegen in einer Generation von Mai bis in den Oktober und deren Raupen fressen nicht an Gräsern, sondern Moosen. Diese kommen sogar auf den Belegen von Dächern oder Mauern vor, weshalb diese recht robuste und anpassungsfähige Art auch weit verbreitet ist.
3. Skorpionsfliegen gehören wie Libellen und Schmetterlinge zu meinen Lieblingsinsekten – hier sehen wir ein Weibchen der Deutschen Skorpionsfliege (Panorpa germanica). Das typische seitlich liegende Y-Muster der Flügel ist bei diesem Individuum so gut wie gar nicht ausgeprägt, zur Bestimmung führten dann die Verteilung und Größe der anderen Flecken. Diese Form von Variabilität ist unter Skorpionsfliegen allerdings normal und verbreitet. Diese kleinen scheuen Tierchen ernähren sich hauptsächlich von (Insekten)aas, heruntergefallenen Früchten, Nektar und Honigtau von Blattläusen.
4. Der Heu-Zwergspanner (Idaea inquinata) trägt seinen Namen, da seine Raupen tatsächlich vertrocknete Pflanzenteile wie Heu fressen. Problematisch ist das aber nur, wenn es sich um getrocknete Teeblätter handelt oder aber das eigene Herbarium aufgefressen wird! Das wurde tatsächlich schon beobachtet. Allerdings kommt die Art nirgendwo wirklich häufig vor und steht mitunter auch in den Roten Listen.
5. Dieser schöne und auffällige Bockkäfer konnte nicht weitergehen ohne wenigstens ein paar Fotos dazulassen. Der Hornissenbock (Plagionotus detritus) steht in Thüringen aktuell auf der Roten Liste als gefährdet (3), deutschlandweit auf der Vorwarnliste. Die Art ist eher wärmelieben und – bislang – eher selten in Mitteleuropa. Die Larven fressen gerne in toten oder kranken Bäumen am Holz, am liebsten der Eiche, daher auch der zweite Trivialname Bunter Eichen-Widderbock.
6. Dieser auf den ersten Blick etwas unscheinbare Spanner ist flächendeckend, aber nicht überall häufig verbreitet, es ist der Randfleck-Kleinspanner (Scopula marginepunctata). In Deutschland gilt die Art als ungefährdet, hier in Thüringen steht sie in er Roten Liste als gefährdet (3). Wichtig für die Art sind sonnige, krautreiche Flächen mit Beständen an Beifuß, Thymian oder Dost.
7. Ein schöner Besucher am Köder war die Vielzahn-Johanniskrauteule (Actinotia polyodon), die passend zum Namen auf das Vorhandensein von Tüpfel-Johanniskraut angewiesen ist. Aufpassen sollte man bei der Bestimmung, da die Trockenrasen-Johanniskrauteule (Actinotia radiose) ihr sehr ähnlich sieht. In zwei Generationen fliegen die Falter von April/Mai bis August/September.
8. Der Zweifarbige Waldrebenspanner (Horisme vitalbata) ist ein hübscher Vertreter der Spanner, dessen Raupen sich von Waldreben-Arten ernähren. Als Lebensräume dienen Waldränder und Gebüsche, aber auch Siedlungs- und Gartenbereiche. In Deutschland ist die Art recht lückig verbreitet.
Am typischen Schlafplatz des Waldkauzpaares im Stadtwald sah es die Tage etwas anders aus: Eine Eule ist etwas unbeholfen vom Boden aufgeflogen, die andere oben war deutlich aufmerksamer und neugieriger als es die Alten für gewöhnlich sind. Dazu der plüschige Eindruck und alles voller vermauserter Federn, das dürften also die diesjährigen Waldkäuze sein, die bereits recht weit ins adulte Gefieder gemausert haben; letzte Sicherheit brachte ein Vergleich mit den Gefiedermerkmalen des Brutpaares.
Jährlich findet nur eine Brut statt, die ist aber wie bei vielen anderen Eulen zeitlich recht flexibel und oft von Witterung und Beuteangebot sowie der geographischen Lage abhängig. Meistens starten die Waldkäuze sehr früh und legen die ersten Eier im Februar, im langjährigen Durchschnitt jedoch eher Anfang März. Im Extremfall kann der Brutbeginn jedoch bereits im Winter erfolgen oder erst im Frühsommer.
Das Gelege kann theoretisch aus 1-8 Eiern bestehen, die Regel sind jedoch 2-4 weiße Eier, die im Abstand von 2-3 Tagen gelegt und meist ab dem 2. oder 3. Ei bebrütet werden. Interessant ist wie gut das Waldkauz-Weibchen dazu in der Lage ist sich auf die Beuteversorgung einzustellen: Je nachdem wieviel Beute das Männchen zur Balz und am Beginn der Paarungszeit liefert, passt die künftige Eulenmama die Gelegegröße daran an. So zeigte eine Studie aus Finnland auch eine eindeutige Korrelation zwischen der Wühlmausdichte (gezählt durch Fallenfänge) und der folgenden Gelegegröße, wobei sich die Anzahl der Eier direkt proportional zur Wühlmaus-Dichte verhält.
Letztes Wochenende waren wir insbesondere zur Libellensuche in einem Teichgebiet im Ilmenauer Landkreis unterwegs und haben mit 18 Arten an einem Nachmittag einen tollen Kartiererfolg gehabt. Auch besondere Schmetterlinge wie der Kleine Eisvogel oder Feurige Perlmuttfalter waren zu sehen, außerdem toll Vogelarten wie der Schwarzmilan und Fischadler. Da ich ohnehin noch unzählige Vogelfotos habe, habe ich mich mit dem Makro auf die kleineren Tierchen konzentriert.
1. Sie trägt zwar das „Gemein“ im Namen, aber heutzutage heißt das ja bekanntlich nicht mehr soviel, denn so oft trifft man die Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa) nicht an; auf dem Foto ein Weibchen. Bei den Binsenjungfern ist ein Makrofoto unerlässlich, um die Art zweifelsfrei zu bestimmen, da die diagnostischen Merkmale zur Artdifferenzierung oft sehr diffizil sind. Ausschlag gebend bei Weibchen der Art sind u.a. dass das 1. Segment des Abdomens seitlich keinen metallischen Fleck aufweist sowie ein deutlich spitzes Basalstück am Übergang vom 9. zum 10. Segment unterseitig – beides auf den Fotos zu erkennen.
Die ersten Gemeinen Binsenjungfern schlüpfen ab Mai, deren Hauptflugzeit liegt aber zwischen Ende Juni und September. Sie kommt auf gut besonnten Stillgewässern mit ausreichender Vegetation vor.
2. Die schönen wie auch hoch spezialisierten Quelljungfern sind auf Grund ihrer bevorzugten Lebensräume und Ansprüche allgemein selten, die hier gezeigte Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) steht in Thüringen auf der Roten Liste als gefährdet (3); das Foto zeigt ein Männchen. Die Art bevorzugt eher Mittelgebirgslandschaften und reproduziert sich dort in sommerwarmen Fließgewässern wie beschattete Waldbäche, Wiesenbäche- und Rinnsäle sowie Gräben, solange diese Gewässer nicht zu schmutzig sind, zu breit oder zu strömungsintensiv sind.
Bei den Quelljungfern muss man genau hinsehen, recht ähnlich ist bspw. auch die Gestreifte Quelljungfer, die hat allerdings nur jeweils einen Streifen an an den Segmentübergängen.
3. Immer schön zu sehen – wenn man sie nicht übersieht, sind auch unsere normalen Grünfrösche, die einem schwer zu differenzierenden Artkomplex aus 3 Arten angehören, wovon die 3. Art ein Hybrid aus den beiden anderen ist. Die Haupt-Laichzeit der Grünfrösche liegt zwischen Mai und Juni, ab Ende August findet so langsam – je nach Witterung und Entfernung – die Rückwanderung zu den Überwinterungsquartieren statt.
4. Was haben Waldeidechse, Mooreidechse und Bergeidechse gemein? Nun – Alles! Es ist tatsächlich die gleiche Art Zootoca vivipara, der man je nach Lebensraum nur unterschiedliche Trivialnamen zuteilt. Der interessanteste Aspekt dieser Art mit dem relativ kleinen Köpfchen verbirgt sich im Artepitheton des wissenschaftlichen Namens: vivipar = lebensgebärend. Nun ist ja bekannt, dass Reptilien Eier legen und auch die Waldeidechse lässt ihre Jungen in Eiern heranwachsen – im Unterschied zu anderen Echsen aber nicht außerhalb, sondern innerhalb des Körpers.
Auch wieder aktuelle Fotos, bevor ich mich mal wieder der Aufarbeitung des nie enden wollenden Bild-Archivs unbearbeiteter Fotos widmen werde. Die Fotos stammen vom letzten Wochenende vom Rande eines Tagebaus mit Flut- und Ruderalflächen – so wie auch der letzte Beitrag über Libellen und Feldsperlinge.
1. Während der ausgewachsene Falter (Imago) eher in unscheinbaren gräulichen bis bräunlichen Morphen auftritt und höchstens mit dem kreisrunden Ringmakel und einem hellen Fleck der hinteren Querbinde auffällt, sind seine Raupen ein echter bunter Hingucker: Ampfer-Rindeneule (Acronicta rumicis), hier mit einer ausgewachsenen Raupe. Die Raupen leben sehr polyphag und sind entgegen dem Namen nach nicht auf Ampfer spezialisiert, sondern fressen auch an Laubbäumen und Sträuchern, an vielen Stauden und krautigen Pflanzen. Sie weisen also ökologisch eine große Amplitude auf oder vereinfacht gesagt: Die Art ist ein Generalist und kein Spezialist. Daher ist sie weit verbreitet und häufig; wir hatten zuletzt bei der systematischen Erfassung über Licht und Köder bei Nacht auch mehrere Individuen der Art.
2. Ich hatte zum Libellenfotografieren die Kamera griffbereit in der Hand, als dieser Nutria (Myocastor coypus) aus seinem Bau kam und mir eine schöne Porträtaufnahme ermöglichte. Die Art stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde wegen ihres Pelzes nach Deutschland eingeführt, ist also ein Neozoon. Ein weiterer Neozoon mit dem der Nutria oft verwechselt wird, ist deutlich kleinere Bisam (Ondatra zibethicus) und die dritte Verwechslungsart im Bunde ist der heimische, deutlich große Biber (Castor fiber).
Nutrias besitzen wie der Bisam einen dicken, runden Schwanz und kein Biber-Paddel. Der Schwanz des kleinen Bisams ist im Vergleich zum Nutria-Schwanz etwas platter und ovaler. Beim Porträtfoto erkennt man gut das typische, stumpfe Schnauzenprofil des Nutrias mit dicken weißen Barthaaren. Bisams haben ein spitzes Profil und beim Biber ist an der Schnauze gar nichts helles zu sehen.
Markant sind auch die Größenunterschiede: mit 35cm (ohne Schwanz) ist der Bisam nur halb so groß wie ein Nutria (65cm ohne Schwanz) und der heimische Biber wiederum fast doppelt so groß wie ein Nutria (100cm ohne Schwanz).
3. Eine typische Sommer-Art auf Wiesen, Ruderalflächen, Wegrändern etc. ist der Olivbraune Zünsler (Pyrausta despicata). Markant und zugleich wunderschön sind die komplex gezeichneten Hinterflügel, die eher an die Zeichnungsmuster typischer Eulenfalter (Noctuidae) erinnern, mit denen er jedoch kein bisschen verwandt ist. Auf den ersten Blick recht ähnlich wirkt bspw. das Hornkraut-Tageulchen (Panemeria tenebrata).
4. Unverkennbar haben wir es mit einem Vertreter der Federmotten (Pterophoridae) zu tun: Platyptilia gonodactyla. Die Art ist ein schönes Beispiel dafür wie Insektenbestimmung mitunter funktioniert, welche Merkmale oft relevant sind und wo auch die Grenzen von Bestimmungs-Apps liegen. Platyptilia nemoralis sieht nämlich exakt genauso aus; das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist der Verlauf der dunklen Federchen am Hinterflügel. Die hier gezeigte Art Platyptilia gonodactyla zeigt eine Art schwarzes Rechteck, bei der Verwechslungsart wäre es ein rechtwinkliges, langgezogenes Dreieck. Im Lepiforum ist wie so oft ein tolles Anschauungsbeispiel zu finden.
5. Eine schöne regionale Besonderheit, die hier in der Gegend fliegt und sich auch reproduziert, ist der Resedafalter (Pontia edusa). Bei der Art sollte man unbedingt auf den wissenschaftlichen Artbegriff achten, es gibt noch einen zweiten Resedafalter, der eher in Süd-Westeuropa unterwegs ist: Pontia daplidice. „Unser“ Reseda ist in Thüringen recht lückig verbreitet, in sehr vielen Quadranten gibt es keine Nachweise zum Vorkommen der Art. Aufpassen zum Ende des Frühlings/Beginn des Sommers, wenn noch Aurorafalter (Anthocharis cardamines) unterwegs sind und die ersten Resedas starten. Bei einem flüchtigen Blick aus der Ferne erinnert die Unterseite an ein Weibchen des Aurorafalters. Aber sowohl die Zeichnung der Musterung als auch die schwarzen Stellen am Apex der Oberseiten sind dann doch deutlich anders.
Beim Kartieren am Rande eines Tagebaus mit Ruderalflächen, Gewässern und Schlickflächen konnten wir an einem Nachmittag 12 Libellenarten finden. Zwei besondere Arten, die beide mit ihrer strahlenden Augenfarbe auffallen, stelle ich hier mit Fotos vor.
1. Das Kleine Granatauge (Erythromma viridulum) hat seinen Namen nicht von ungefähr, wobei es nur die Männchen sind, die mit den roten Augen auffallen. Große Verwechslungsgefahr besteht mit dem Großen Granatauge (Erythromma najas): Hier sollte man bei Männchen auf das 8. Hinterleibssegment schauen und beim Weibchen auf den Antehumeralstreifen. Beide Arten weisen auch ähnliche Lebensraumvorlieben auf: Langsam fließende oder Stillgewässer mit Tauchblatt- bzw. Schwimmblattvegetation.
2. Das Saphirauge (Erythromma lindenii) trägt wie auch die Granataugen einen Trivialnamen, der auf die markante Augenfarbe hinweist – auch hier wieder nur beim Männchen. Die Art lief früher mal unter dem Namen Pokaljungfer und ist in Deutschland sehr lückig verbreitet. Als wärmeliebende Art, dürfte sie sich im Zuge des Klimawandels zukünftig weiter ausbreiten. Kiesgruben und Abbaugewässer sind typische Fundorte dieser Art; sie profitiert also von diesen durch Menschen geschaffenen Sekundärlebensräumen.
1. Auf einem südexponierten Felsen-Muschelkalkhang war unter vielen weiteren tollen Schmetterlingen diese Besonderheit zu entdecken: Das Bergkronwicken-Widderchen (Zygaena fausta) auf einer Kalk-Aster bzw. Berg-Aster. Die Raupen der Art entwickeln sich ausschließlich an der namensgebenden Bergkronwicke, ihren Nektarbedarf stillen die Imagines vor allem an Arten der Gattungen der Witwenblumen, Skabiosen, Flockenblumen und Dost. Sowohl in Thüringen als auch für ganz Deutschland steht das Bergkronwicken-Widderchen auf der Roten Liste als gefährdet (3).
2. Ein Schmetterling, den wohl jeder liebt: Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon). Er sitzt hier gerade auf einer Wilden Möhre und hier in der Region stellt diese auch eine der wichtigsten Futterpflanzen für die Raupen dar – Wenn solche Flächen nicht als „Unkraut“ kaputt gemäht werden. Tatsächlich sorgt übertriebener Ordnungssinn in Städten, Kommunen, Parks und Gärten dafür, dass viele Eigelege vom Schwalbenschwanz zerstört werden.
3. Ein besonders schöner Kleinschmetterling hat sich hier gezeigt: Harpella forficella. Die Art gehört zur Familie der Faulholzmotten (Oecophoridae) und entwickelt sich nicht an Blättern, Kräutern, Knospen etc. wie die meisten Schmetterlingsraupen – sondern im und vom Totholz und erinnert damit eher an einen Käfer.
4. Immer schön zu sehen sind die Feuerfalter, hier der häufigste deren Vertreter, der Kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas), weiblich. Zu den Feuerfaltern sollte erwähnt werden, dass verschiedene Ampfer-Arten (Rumex spec.) zu ihren wichtigsten und auch einzigen Futterpflanzen zählen! Auch wieder ein typisches Beispiel dafür, dass viele Schmetterlinge oft gar nicht so anspruchsvolle Lebensbedingungen stellen, deren Lebensgrundlage aber als „Unkräuter“ entfernt wird.
5. Dem Einen oder Anderen sind vielleicht die schwarzen, bedornten und weiß bepunkteten Raupen des Tagpfauenauges bekannt; wie sie in Grüppchen an Brennnesseln fressen. Diese stellen aber bereits mehrfach gehäutete ältere Stadien dar. Hier auf dem Foto sieht man das allererste Larvalstadium L1 des Tagpfauenauges, markant mit dem schwärzlichen Kopf, dessen dunkle Färbung verwaschen nach hinten ausläuft.
6. Ein Sägebock ist nicht nur ein Gerät im Schuppen oder der Werkstatt, sondern kann je nach Kontext auch einen Bockkäfer bezeichnen Hier haben wir einen männlichen Sägebock (Prionus coriarius). Für gewöhnlich sind diese Tiere nachtaktiv, hier hat er bei einem kurzen Nachmittagsschauer an einem Blatt geruht. Die Art kann eine Länge von bis zu 45mm erreichen.