Elegant auf der Nahrungssuche

Sehr anmutig ist dieser Weißstorch im Abendlicht auf einer feuchten Ackerbrache auf der Suche nach Nahrung herumstolziert. Weißstörche gehören mit zu den Vögeln, die man lange Zeit, sicher auch aufgrund früherer gesellschaftlicher Konventionen, zu den streng monogam in Dauerehe lebenden Vögeln zählte. Spätestens aber seit Jahrzehnten der Beringung, Telemetrie, Webcambeobachtungen und immer besserer und billigerer optischer Ausrüstung, hat sich das Bild wie auch bei anderen Arten zumindest differenziert.

Störche besitzen vor allem eine starke Bindung an den einmal in Anspruch genommenen Horst und etwas weniger an den Partner. Es wurden mittlerweile auch ohne, dass einer des Brutpaares verstorben wäre, schon Neuverpaarungen beobachtet. Falls es zum Tod eines der beiden Partner kommt, findet die Balz und eine Neuverpaarung i.d.R. noch in der gleichen Brutsaison statt. Nichtsdestotrotz finden sich auch oft Paare, die beisammen bleiben, auch wenn diese Monogamie nicht so stark ausgeprägt ist, wie bei den revierstarken und streng monogam lebenden Arten wie bspw. Waldkauz oder Steinadler.

Stets eine Überraschung mit beinahe mystischem Charakter: Schwarzstorch

Durch die Zunahme des Weißstorches aufgrund erfolgreicher Naturschutzmaßnahmen und seinem Erscheinen in Siedlungsnähe als Kulturfolger, hat man sich an den Anblick eines weißen, hell leuchtenden Storches so gewöhnt, dass er quasi als Prototyp des Storches fungiert. Umso beeindruckender ist es immer wieder, wenn man einen seiner sehr scheuen, zurückgezogen lebenden Verwandten zu sehen bekommt, der so ganz anders wirkt: Den Schwarzstorch.

Unmerklich kleiner als der Weißstorch gibt es verhaltensbiologisch jedoch wesentlich größere Unterschiede zu beobachten. So lebt der Schwarzstorch zurückgezogenen in Wäldern und baut seinen Horst auf hohe Bäume. Mit dem Begriff “Wald” sind dabei keine trockenen, strukturlosen Nadelwaldplantagen gemeint, sondern feuchte, strukturreiche Laub- und Mischwälder mit Tümpeln, Weihern, Bächen, Bruchwäldern, Mooren, die gerne an Feuchtwiesen, Altarmen von Flüssen und extensives Grünland angrenzen dürfen. Thomas Krumenacker hat in seinem Schreiadlerbuch daher ganz richtig vermerkt, dass es in geeigneten Schreiadler-Revieren auch Schwarzstörche gibt.

Der Lebensraum deutet es schon an: Die Ernährung des Schwarzstorches ist spezialisierter als beim Weißstorch; so sucht der Schwarzstorch seine Nahrung tatsächlich fast ausschließlich am oder im Wasser und erbeutet dabei Fische, Amphibien und Wasserinsekten.

Geschäftige Zeit für die Bunten

Jetzt im Mai war im Stadtwald alle paar Meter ein ausdauerndes sowie auch forderndes Piepsen aus den Bäumen zu hören: Es waren zum Großteil Nestlinge des Buntspechts, die unermüdlich nach mehr Futter gerufen haben, was von den Eltern mit vielen Anflügen quittiert wurde. Bei Singvögeln wie bspw. unseren Meisen ist es weitbekannt, dass diese ihr Nest zur Brutzeit reinlich und frei von Kot halten. Das ist in der Vogelwelt keine Selbstverständlichkeit, wenn man bspw. an höhlenbrütende Eulen denkt. Spechte sind keine solche “Schmutzfinken” und wie man auf einem der Fotos sehen kann, wird der Kot aus dem Nest bzw. der Höhle heraustransportiert. Das ganze funktioniert deshalb so gut, da der Kot der Jungvögel in einer Art Säckchen ausgeschieden wird.

Rechnet man Brut- und Nestlingszeit zusammen, kommt man auf eine Dauer, die der ähnlich großer Vögel in etwa entspricht. Allerdings sind die Anteile bei Spechten stark verschoben: Die Brutdauer ist sehr kurz gehalten, beim Buntspecht z.B. durchschnittlich nur 8,5 Tage. Man erklärt sich diese Besonderheit damit, da sich in der Tiefe der Bruthöhle mit der Zeit der Kohlendioxidanteil erhöht und die passive Sauerstoff-Diffusion durch die Eierschale zum Embryo hin für die Versorgung nicht mehr ausreichend wäre. Durch das besonders zeitige Schlüpfen, bekommen die Küken durch die aktive Atmung nach dem Schlupf genügend Sauerstoff ab.

Volle Einkaufstüten

Bei bis zu 2-4 Jahresbruten und i.d.R. 3-5 Eiern haben Amseln im Sommerhalbjahr gut zu tun. Webcambeobachtungen von Nestern haben gezeigt, dass es täglich bis zu 250 Nestanflügen der Elterntiere kommt und pro Tag um die 1.000 Insekten gejagt und als Futter überbracht werden! Es ist daher ein wenig verwunderlich, warum vor allem in sozialen Netzwerken dann immer der Sperber im Garten als schrecklicher Killer diskreditiert wird

Diese hohe Dichte an Bruten wird auch dadurch erreicht, dass das Männchen die Jungvögel aus der vorherigen Brut versorgt, während das Weibchen schon wieder auf einem neuen Gelege sitzt. Eine ähnliche Brutbiologie kennt man bspw. von Schleiereule und Eisvogel; man nennt dies Schachtelbrut. Der Nachwuchs der folgenden Brut muss dabei nicht zwangsweise vom Männchen der vorherigen stammen, sondern ggf. auch von einem anderen.

Die Welt steht Kopf – Zumindest aus Sicht des Kleibers

Beim Kleiber gibt es so einige Besonderheiten; eine ist, dass es neben Saisonehen auch Dauerpaare gibt. Als Höhlenbrüter sind die Kletterkünstler zwar auf ein ausreichendes Höhlen- und Nischenangebot angewiesen, dabei allerdings weniger auf bestimmte Einflugdurchmesser beschränkt: Ist ein Eingang zu groß, wird er einfach mithilfe von Lehm zugeklebt (Namensherkunft). Mit dieser Technik werden auch scharfe Kanten und Hohlräume im Inneren zugekleistert.

Zur Balzzeit zeigt das Männchen dem Weibchen mehrere potenzielle Bruthöhlen an, welches sich dann für eine davon entscheidet. Ein Verhalten, was man u.a. auch beim Zaunkönig wiederfindet.

Warten auf die Essenslieferung

Da schaut der Staren-Nestling aus der Spechthöhle und wartet sehnsüchtig auf die nächste Portion Futter. Als Höhlenbrüter bevorzugen sie wie hier Baum- bzw. alte Spechthöhlen, nutzen aber auch Mauernischen, defekte Straßenlaternen oder natürlich auch Nistkästen. Diese werden dann mit Gras, Moos, Wolle, Haaren und Federn ausgepolstert. Es kommt nicht selten vor, dass man Stare deshalb auf Schafen oder anderen Tieren herumstehen sieht, wo sie sich ihr Nistmaterial direkt von der Quelle besorgen

Bei den 1-2 Jahresbruten werden 4-7 Eier gelegt, die nach dem Schlupf irgendwann einmal so niedlich aus der Höhle schauen wie der Nestling auf den Fotos.

Jedem seine Nische

In der Ökologie gibt es den Begriff der Nische, welcher ausdrückt, in welcher Wechselwirkung ein Lebewesen zu seiner Umwelt steht und an welche Bedingungen es sich adaptiert hat. Hier hat sich die Blaumeise eine Nische der ganz anderen Art besetzt: Eine Wandnische einer alten Scheune als Brutplatz!

Das Gelege einer Blaumeisenbrut besteht i.d.R. aus 6-14 Eiern, welches in Nischen, kleinen Baumhöhlen, Nistkästen o.ä. auf einem Napf aus Moos, Haaren und Federn liegt. Meist schreiten Blaumeisen nur zu einer Jahresbrut, Zweitbruten sind selten.

Klein, grünlich, hektisch und oft weit oben: Waldlaubsänger

Mit dem Fitis und Zilpzalp verwandt, wird der ebenfalls zur Familie der Laubsänger gehörende und recht häufige Waldlaubsänger weniger oft fotografiert. Kein Wunder, wenn diese Langstreckenzieher ab Mitte April bis Mai wieder in unseren Wäldern eintreffen, sind diese kleinen, grünlichen und äußerst lebhaften Vögel schwierig zu beobachten. Oft halten sie sich im Kronenbereich von Laub- oder Laubmischwäldern auf und sind meist nur über ihre Rufe und Gesänge wahrnehmbar. Außerhalb von Wäldern im Offenland trifft man sie genauso wenig an wie auch in reinen Nadelwäldern.

Der Gesang ist ein unverkennbares, sicher immer schneller steigerndes “sip-sip-sipzirrrrr”, während der Ruf ein wenig an den des Gimpels erinnert, aber weniger melancholisch klingt und sehr oft nicht einzeln, sondern in Rufreihen aneinandergereiht vorgetragen wird, welcher eher kraftvoll als traurig klingt: “Djü-Djü-Djü-Djü-Djü-Djü”

Da singt eine Besonderheit von oben

Ab Mitte April tauchen sie so langsam wieder hier auf und fallen zur Balzzeit vor allem durch den Gesang des Männchens auf: Trauerschnäpper. Der Name leitet sich vom dunklen Federkleid der Männchen im Prachtkleid sowie der Zugehörigkeit zur Familie der Fliegenschnäpper ab. Apropos Federkleid: Weibchen sind an den dunklen Federpartien rötlich-bräunlich und zeigen keinen reinweißen Bauch und ihnen fehlt auch der weiße Stirnfleck. Männchen im Schlichtkleid sowie vorjährige Individuen sehen dem Weibchen sehr ähnlich.

Aber nicht nur dann: Leider steht im Internet viel Quatsch über das Erscheinungsbild der Männchen, dabei ist schon seit Jahrzehnten bekannt, dass diese regional in verschiedenen Morphen vorkommen und eben nicht nur wie oft im Lehrbuch dargestellt kontrastreich deutlich schwarz-weiß aussehen, sondern teilweise “nur” gräulich oder sogar deutlich braun.

Auf meinen Fotos sieht man zwei verschiedene revierbesetzende und singende Individuen. Richtig Tiefschwarz ist das Gefieder bei keinem dieser beiden Männchen; ein Individuum zeigt ein dunkleres, gräuliches Braun, das andere geht von der Färbung schon stark in Richtung Weibchen. Man spricht dann auch von einer weibchenfarbigen Morphe.

Vogel des Jahres 2023 – Braunkehlchenmännchen und -weibchen auf einer Weide

Auf einer weiten Pferdeweide konnte ich im Juni dieses Braunkehlchenpaar fotografieren (erste Fotos zeigen das Männchen, die restlichen das Weibchen). Mit einem Bestandsrückgang seit den 80ern von unglaublichen 90% und einem heutigen Restbestand in Höhe von 19.500-35.000 Brutpaaren mit weiter negativer Tendenz, hat es das Braunkehlchen 2023 zum wiederholten Male zum NABU-Vogel des Jahres geschafft, das erste Mal 1987. Wobei der Vergleichspunkt der 80er Jahre ein schlechter Zeitpunkt ist, da zu dieser Zeit die Bestände bereits gefallen sind. Der Rückgang ist also noch wesentlich dramatischer als die “nur” 90% symbolisieren.

Wie auch das Rebhuhn, so hat das Braunkehlchen vom Flächenstilllegungsprogramm (subventionierter Brachflächenanteil auf landwirtschaftlichen Flächen nach GLÖZ-8) profitiert. Bis 2007 war durch die EU ein Anteil von 10% vorgeschrieben, der nicht nur als Refugium und Nahrungsgrundlage dieser Arten diente, sondern den Böden auch Möglichkeit zur Regeneration gab. Mit Wegfall der Brachen bzw. einem kläglichen Rest von 2% sind die Bestände weiter gefallen und regional oft erloschen. Zuletzt war vorgesehen immerhin wieder auf 4% Brachflächenanteil zu kommen, obwohl mehrere Studien einen Anteil von mind. 10% vorschlagen, um unsere letzten Wiesenvögel und viele Insekten überhaupt zu erhalten. Aber selbst dieser Kompromiss hat zu massiven und auch aggressiven Protesten der großen Landwirtschaftsbetriebe unter Federführung des Bauernverbandes-Vorsitzenden geführt und die Erhöhung der Brachflächenanteile wurde nun mehrmals per Sonderbeschluss ausgesetzt.

Aktuelle Vorkommen muss man daher schon gezielt suchen und findet man auf extensiv genutzten Weiden, den letzten Relikten unserer Feuchtwiesen, Hochstaudenfluren, Brachflächen und strukturierten Heidelandschaften.